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Full text of "Die Woche 12.1910, Teil 2 ( Apr. Jun.) Ex. Iowa"

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DiewocHe 

MODeRNe 

ILLUSTRieRTe Z6ITSCHRIFT 

Band II, (Heft 14-26) 

vom 1. April bis 30. Juni 1910. 



Druck und Verlag von AUGUST SCHERL G. tn. b. H., BERLIN SW. 6a 


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UMIVERSITY OF IOWA 



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UMIVERSITY OF IOWA 



i. Sachregister. 


1. Romane, Erzählungen 
und Skizzen. 

A 1 b r e c h t, E.: Briefe, die sich kreuzten . . 
Andresen, Ingeborg: Mutter Monopol . . 
B o y - E d , Ida : Nur wer die Sehnsucht kennt 
699, 741, 785, 827, 869, 913, 957, 1001, 
1043, 

Carls, Jutta: Durch den Frühling .... 

Doussin, El.: In der Heimat. 

H a r b o u , Thea von : P. p. c. 

Höcker, Paul Oskar: Die Sonne von St. Moritz 
(Fortsetzung und Schluss) 571, 613, 657, 
714, 758, 

Hyan, Hans: Im letzten Trieb. 

Krack, Otto: Es gibt keine Männer mehr 
Lothar, Rudolf: Die Liebe als Kunstwerk . 

P r i e s s , Klara : Die Andere. 

Strobl, Karl Hans: „Edelmut und Dankbar¬ 
keit“ . 


2. Belehrende Aufsätze. 


Auges, Das Li£ht des. Von Dr. A. Guthmann 
B j ö r n s o n , Björn st jeme, f- Von Ernst von 

Wolzogen. 

Bronzen, Patinierung der, in alter und neuer 
Zeit. Von Wirk!. Geh. Rat Dr. Wilhelm 

Bode. 

C h a r c o t s Fahrt nach dem Südpol, Dr. Von 
Frau Marg. Charcot. (Mit 9 Abbildungen) 
Dalai-Lama, Die Flucht des. Von Dr. Al- 

brecht Wirth. 

Diagnostiker, Der Volksmund als. Plau¬ 
derei von Dr. Emst Franck. 

Diamantenkolonie, Die Schätze der. 

Von Legationsrat Dr. Alfred Zimmermann 
Erziehung im jüngsten Kindesalter, Einiges 
über. Von Prof. Dr. Artur Keller . . . 
Geständnis, Das. Von Staatsanwalt Dr. 

Erich Wulffcn. 

Grossschiffahrtsweg Berlin-Stettin, Der. 

Von Oeh. Oberbaurat Gerhardt .... 
Ha Ile y sehen Kometen, Die erwai tete 
Begegnung der Erde mit dem. Von Pro¬ 
fessor Dr. Svante Arrhenius. 

Ha Ile y sehen Kometen, Die gegenwär¬ 
tige Erscheinung des. Von Dr. Paul 

Guthnick. 

Hauserschen Diluvialskelett»* im 
Kgl. Museum für Völkerkunde, Die. Von 
Prof. Dr. C. Schuchhardt. (Mit 3 Abbild.) 
Koch, Robert. Von Geh. Medizinalrat Prof. 

Dr. L. Brieger. 

Koch, Robert, sein Werk und seine Schule. 

Von Prof. Dr. W. Kolle. 

König Eduard f- Von Sidney Whitman 
Luftverkehrsordnung. Von Haupt¬ 
mann a. D. Hildebraiidt ....... 

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Seite 

973 

673 


10S7 

840 

1057 

1105 


SOI 

928 

1018 

8S4 

587 

631 


1006 


Seite 


Mädchenmittelschulen, Zur Frrge d?r. 

Von Direktor Dr.Oruber.853 

Materie, Aus dem Reich der strahlenden. 

Von Hans Dominik.747 

Nervenbilanz. Von Dr. Heinrich Stadel- 

mann.918 

Pariserin, Die. Von Marcclle Tinayre . . 897 

Provinz! Von Ern?t von Wolzogen . . 6S3 

Schule und Vergnügen. Von Direktor Dr. H. 

Gruber.555 

Schulferien, Vor den. Von Jakob Wych- 

gram.985 

Scott, Die englische antarktische Expedition 

unter Kapitän. Von E. Ö. Hoppö . . 1030 

Seefischerei, Von der deutschen. Von 

Dr. Hugo Böttger.600 

Städtebau ausstell ung und ihre Lehren, 

Die. Von Dr. W. Hegemann.901 

Tiere, Vom Farbensinn der. Von Dr. Adolf 

Koelsch.575 

Ueberlandflüge. Von Hauptmann a. D. 

Hildebrandt.943 

Weltproduktion und Welthandel. Von 

Oberregierungsrat Georg Evert .... 1071 


727 

855 

718 

641 

618 

771 

791 

769 

1027 

725 

899 

592 

941 

1092 

Sil 

644 


3. Unterhaltende Aufsätze. 


Alpauffahrt, Die Von Anton Krenn. (Mit 

7 Abbildungen) .•.1096 

Alpenrosen. Von Franz Wichmann . . . 1048 

Ansichtspostkarten, Das Schicksal vie¬ 
ler. Von Postrat O. Grosse.9S8 

Argentinien. Zur Jubelfeier am 25. Mai 

1910. Von Georg Pietsch. (Mit 12 Abbild.) 796 
Astronomen, Die. Von F. M. Feldhaus 

(Mit 15 Abbildungen).834 

Barsoi als Jagd- und Salonhund, Der Von 

Elisabeth Lichatscheff. (Mit 8 Abbild) 804 

Belgische Märkte, Allerlei. Von Dr. Jo¬ 
hannes Schürmann. (Mit 9 Abbildungen) 887 


Berlin, Zum 200jährigen Bestehen des Kgl. 
Charite-Krankenhauses zu. Von General¬ 
arzt Dr. Scheibe. (Mit 12 Abbildungen) 847 
Bob erg, Anna, und die Lofoten. Von H. 


Vogel. (Mit 6 Abbildungen).792 

Boston, Das neue Museum in. Von Fried¬ 
rich Perzynski. (Mit 11 Abbildungen) . 66S 

Brauttoiletten, Moderne (Mit 7 Abbild.) 761 
Brüsseler Weltausstellung, Zur ErÖffnnng 

der. Von Max Duntz.6S6 

Dresdner Hygiencausstellung 1911, Die. Von 

Max Bewer.962 

Elche einst und jetzt, Die preussischen. Von 

Fritz Bley. (Mit 4 Abbildungen) . . . 722 

Eisass, Bilder aus dem. Von Fr. Lienhard. 

(Mit 12 Abbildungen).1012 

Elsässische Ausstellung alter Porträte in 
Strassburg. Die. Von Paul Dunstrey. 

(Mit 13 Abbildungen).620 


The Univer^'ty of Iowa 


Seite 


Englische Königs r amilie, König Georg V. 
und die neue. Von Henriette Jastrow. 

(Mit 8 Abbildungen).1008 

Eulen und Käuze. Von Dr. O. Heinroth. (Mit 

12 Abbildungen).627 

Fontane, Theodor, und der „Tunnel über 

der Spree“. (Mit 4 Abbildungen) . . . S49 

Französische Student, Der. Von Dr. Jo¬ 
hannes Schürmann. (Mit 11 Abbildungen ) 664 

Frühlingsgemüse. Kulinarische Plauderei 

von Eugen Brunfaut. 774 

Frühsommer- und Kurorttoiletten. (Mit 

10 Abbildungen).977 

Gross-Berlin, Der Wettbewerb. Von 

Hans Dominik.557 

Handkuss, Der. Plauderei von H. C. v. 

Steinegg.561 

Hotelküche, ln der. Von Eugen Brunfaut. 

(Mit 6 Abbildungen).583 

Jachtsegler, Unsere jüngsten. Von Ober¬ 
leutnant zur See a. D. A. Wienholdt (Mit 

7 Abbildungen).1059 

Japan, Wie man in, reist. Von Dr. Fritz Wert¬ 
heimer. (Mit 13 Abbildungen) .... 578 

Kapitalverbrechen, Uebcr die Aufdeckung 
alter. Von Kriminalkommissar Max W'an- 

nowski.832 

Kleider und Hutmodelle, Neue. (Mit 11 Ab¬ 
bildungen) .711 

Koffer, Vom. Plauderei von Käthe Damm . 1065 

Kometensommer. Von Dr. R. Hennig 1074 

Kopf, Der verlorene. Plauderei von Alexander 

von Gleichen-Russwurm.646 

Kühn, Julius. Von Professor Dr. Friedrich 

Holdefleiss.6S8 

Landwirtschaft, Ein Förderer der deut¬ 
schen. (Mit Abbildung).764 

London, Die Japanisch-Britische Ausstellung 

in. Von Karl Wciss. (Mit 8 Abbildungen) 1053 
Madrid, Sommertage in. Von Victor Ott- 

mann. (Mit 7 Abbildungen).970 

Mann mit den sieben Bräuten, Der. Plauderei 

von Peter Fernau.857 

Minimum, Das. Plauderei von A. von Erlen 815 

Moden, Die neuesten Pariser. (Mit 14 Ab¬ 
bildungen) .842 

Modenschau, Neueste Pariser. (Mit 10 Ab¬ 
bildungen) .589 

Musik an Bord. Von Walter Tiedemann. (Mit 

5 Abbildungen).1107 

Namen, Falsche. Von Max Quidam . . . 816 

Oberammergau, Vor Beginn der Spiezsit 

in. Von Dr. Kurt Ullmann.*S14 

Orchideenausstellung in Berlin, Die. 

Von Professor Dr. Udo Dämmer . . . 903 

Paris in der Karikatur. Tout. Von Karl Eugen 

Schmidt. (Mit 5 Abbildungen) .... 925 

Parseval - Flugmaschine, Die. Von 

Theodor Lerner.730 

Original fro-m 

UNIVERSITÄT OF IOWA 

























































IV. 


1010 . 


Seite 


Portofino-Spitzen. Von Victor Otimann. 

(Mit 6 Abbildungen). 633 

Reise, Die Sprache auf der. Plauderei von 

Dr. Marx Möller.1076 

Reisegeld, Vom. Plauderei von A. Oskar 

Klaussmann.935 

Rennbahn, Vom Stürzen auf der. Von Oskar 

Christ (Mit 9 Abbildungen).706 

Rollschuhen, Jung- Berlin auf. Von F. Kester. 

(Mit 8 Abbildungen).891 

Rom, Das kostbare Besitztum eines Deutschen 
in. Von Eugen Zimmermann. (Mit 6 Ab¬ 
bildungen) . 1100 

Schlepper im Dienst der See- und Binnen¬ 
schiffahrt, Der. Von Oberleutnant zur See 
a. D. A. Wienholdt. (Mit 10 Abbildungen) 754 

Schlesien, Der Künstlerbund. Von Alfred 

Georg Hartmann. (Mit Abbildung) . . 882 

Schnellzüge, Schnellere. Von Prot Dr. 

Eduard Engel.597 

Schönbrunn, Die Menagerie in. Von Bettina 

Wirth. (Mit 13 Abbildungen).920 

Schramm, Anna. Zu Ihrem 75. Geburtstag. 

Von JuUus Keller .602 

Schulverein, Dreissig Jahre deutscher. Von 

Prof. Dr. R. v. Wettstein.773 


Seite 

Schveninger, Ernst Zu seinem 60. Geburts¬ 
tag. Von Leo Jolles. (Mit 2 Abbildungen) 1050 
Seefische. Plauderei von Dr. Otto Senst . 991 

Seefischer, Fangmethoden deutscher. Von 

Paul Schreckhaase. (Mit 8 Abbildungen) 963 
Storches, Das Nestleben des. (Mit 8 Ab¬ 


bildungen) . 1021 

S ü d t i r o 1, Frühlingstage in. Plauderei von 

Valeska,Gräfin Bethusy-Huc.729 

Volkstänze. Von J. Lorm. (Mit 12 Abbil¬ 
dungen) .676 

Wachsbüsten. Von CI. Hfthneck. (Mit 6 

Abbildungen).1063 

Wetter und die Sprache, Das. Von Qeo 

B. Warren . ..989 

Wetterfahne, Die. Von Adelheid Weber. 

(Mit 19 Abbildungen).932 

Wittelsbach, Die Freude am Sport im Hausf. 

Von Eberhard Freiherrn von Wechmar. (Mit 

15 Abbildungen) ..749 

Wolga, Musikalisches von den Ufern der. Von 

August Spanuth.945 

Zermatt, Erinnerungen an. Von Maud Wundi 

(Mit 8 Abbildungen).875 

Zimmer, Das kühle. Plauderei von Hans 

Dominik.1032 


Seile 

4. Gedichte, Sprüche. 

Berger, Oisela Freiin von: Sinkende Nacht 1063 
B u s se- Pa 1 m a, Oeorg: Versäumt .... 747 

G o m o 11, Wilhelm Conrad: Komm, lass uns 

stille wandern, liebste Seele!.586 

Lauff, Joseph: Julius Wolff.987 

Rauer, Walter Wilh.: Ruf des Schicksals . . 875 

Scheffer, Thassilo von: Frühlings Lauf . . 66 ! 

Stangen, Eugen: Pfingstbrautlied .... 815 

Stöber, Fritz: Abend.808 

Stona, Maria: Frühlingslied.1003 

5. Ständige Rubriken. 

Bilder vom Tage (Photographische Auf¬ 
nahmen) 563, 605, 649, 691, 733, 777, 819, 

861, 905, 949, 993, 1035, 1079 

Börsenwoche, Die. 648, 732 

Tage derWoche, Dlesieben 555, 597, 641, 

663, 725, 769, 811, 853, 897, 941, 985, 1027, 1071 
Toten der Woche, Die 562, 604, 648, 690, 

732, 776, 818, 860, 904, 948, 992, 1034, 1078 
Unsere Bilder 562, 603, 647, 689, 731, 775, 

817, 859, 904, 947, 991, 1033, 1078 
Welt, Bilder ans aller 594, 636, 681, 723, 765, 

808, 851, 893, 937, 981, 1024, 1067, 1111 


-o- 

ii. Alphabetisches Register. 


A. 


Ab egg, Richard, Professor Dr.. . . . 597, 604 

- (Porträt).607 

- (Abbildung).607 

- Frau ..604 

- - (Abbildung).607 

Abend, Gedicht.808 

Abessinien, Lidj Jeassu Kaiser von . 555, 562 

- (Porträt).563 

Achenbach, Andreas, Professor, Ma’er 597, 604 

- (Porträt).610 

Achilles-Statue des Prof. Qötz, Die . . 860 

- (Abbildung). 868 

A e r o p 1 a n , Unterhaltung durch das Mikro¬ 
phon auf dem.1078 

- (Abbildung). ... 10S6 

Aetna, Vom Ausbruch des. 555, 6 O 4 

- (Karte) . ^.604 

- (Abbildungen).606 

Agassiz, Alexander, Professor.604 

Ahrtal, Zur Hochwasserkatastrophe im 1027, 

1034, 1078 

- (Karte) . . . . ’.1034 

- (Abbildungen). 1079, 1080, 1081 

Albert, Geh. Reg.-Rat (Porträt).691 

Al brecht, E . . . 973 

- Theodor, Dr., Geh. Reg-Rat.765 

- - (Porträt).766 

A 11 e n s t e i n , Prozess gegen Frau von Schöne¬ 
beck in. 935, 1034 

- (Abbildungen).1038 

•Alpauffahrt, Die.1096 

Alpenrosen .1048 

A m s b e r g, Julius von,^ Dr., Slaitsrat . . . 948 

Amsterdam, Besuch der Prinzessin Juliana in 948 

- (Abbildung).953 

Andere, Die, Erzählung.587 

Andresen, Ingeborg.673 

Ansichtspostkarten, Das Schicksal 

vieler.988 

Anto-Antony, Frau (mit Abbildung). . 939 

Anzengruber, Hans.992 

Argentinien, Die Jahrhundertfeier in . . 1033 

- (Abbildung).1036 

•Argentinien.796 

Arnim-Kriewen, Bernd von, Minister 1071, 1078 

- (Porträt).1082 


Die mit einem * versehenen Artikel sind illustriert 


Arrhenius, Svante, Prof. Dr..725 

- (Porträt).738 

Astor, Mrs., Caruso bei der Milliardärin'. . 894 

- (Abbildung).895 

■Astra Vi 11 e de Pau",‘ Aufstieg des Luft¬ 
schiffes .647 

- (Abbildung).654 

•Astronomen, Die.834 

Auges, Das Licht des.1006 

Augsburg, Das neugeordnete Maximilians- 

Museum in (mit Abbildungen) .... 724 

Aust, Hermann, Kommerzienrat.765 

- (Porträt)'. .•.768 

Aviatik, Die neusten Triumphe der . . . 776 

- (Statistische Uebersicht) . ..776 

- (Abbildungen). 780, 783 

B. 

Baden', Friedrich II. Orossherzog von ... 981 

- (Abbildung)..982 

- Max Prinz von (Abbildung).960 

B a e y e r, Adolf von, Prof. Dr., Wirkl. Geh. Rat 

860, 904 

- (Abbildung)..864 

B a i 11 a u d , B., Professor.838 

- (Abbildung^.839 

Bamberg, Versammlung der bayrischen Lo¬ 
komotivführer in (mit Abbildung) . . . 896 

B a r b 0 u x, Henry, Advokat.732 

B a r n a y, Ludwig, Geh. Intendanzrat .... 776 

- (Porträt).778 

•Barsoi als Jagd- und Salonhund, Der. . . 804 

B a s 16, Charlotte, Hofschauspielerin .... 939 

- (Porträt).938 

Bauarbeiter, Die Aussperrung der . 641, 683 

B a u d i t z, Agnete von, Kapitän (mit Porträt) 723 
Baumeister, August, Dr., Ministerialrata.D. 851 

- (Portrilt).852 

Bayern, Luitpold Prinzregent von .... 752 

- (Abbildungen). 749, 751 

- Franz Prinz von.754 

- - (Abbildung).752 

- Heinrich Prinz von.754 

- — (Abbildung).750 

- Adalbert Prinz von.754 

- — (Abbildungen). 750 i 


Bayern, Leopold Prinz von .754 

- (Abbildungen) . 749, 752, 753 

- Alfons Prinz von.734 

- - (Abbildungen). 749, 752, 753 

- Luitpold Prinz von.638 

- - (Porträt).639 

- Franz Josef Herzog in.754 

- — (Abbildung).751 

- Ludwig Wilhelm Herzog in.754 

- - (Abbildung).750 

- Siegfried Herzog ln.754 

- — (Abbildung).750 

Beck, Friedrich Qraf von, Feldzeugmeister . 562 

- (Porträt).566 

Becker, Theodor, Schauspieler (mit Abbildung) 809 

Belgien, Albert König von 725, 731, 776, 941, 947 

- (Abbildungen). 733, 784, 951 

- Elisabeth Königin von. 776, 917 

- — (Abbildung).784 

•Belgische Märkte, Allerlei.8S7 

B e n d u h n, Stadtbaurat.604 

- (Porträt).607 

Berchem, Maximilian Graf von, Wirkl. 

Geh. Rat.. 690 

Berg, Manon, Baronin (Abbildung) .... 637 

Berger, Gisela Freiin von.1063 

Berlin, Besuch des belgischen Königspaares in 

941, 947 

- (Abbildung).951 

- Blitzschlagkatastrophe in der Jungfern¬ 
heide bei.1027 

- Das Fontanedenkmal im Tiergarten in 818 

- — (Abbildung).824 

- Die Jury der Grossen Kunstausstellung in 562 

- - (Abbildung).570 

- Die neue Kaiser-Wilhelm - Akademie in 

1027, 1067 

- - (Abbildung).1068 

- Die Orchideenausstellung in . . . 903, 904 

- — (Abbildungen).912 

- Einweihung der neuen Handwerkskammer 

in. 941, 947 

- - (Abbildung).950 

- Eröffnung der Allgemeinen Städtebau- 

ausstellung in.769 

- Hauptversammlung des Deutschen Flotten¬ 
vereins in. 897, 904 

- - (Abbildung). 90«» 


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UNIVERSUM OF IOWA 


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1910. 


V. 


Seite 

Berlin, Jubelfeier der Einjährig-Freiwilligen 

des 4. Garde-Regtv zu Fass in (mit Abb.) 893 


— Vom II. Deutschen Cafetiertag in . . . 893 

— - (Abbildung).894 

— Vom Besuch Roosevdts in 811, 818, 853, 860 

- - (Abbildungen). 824, 861, 862 

- Wahlrechtsdemonstrationen in. . . 641, 647 

- - (Abbildungen). 650, 651 

- Zur Eröffnung der Orossen Kunstaus¬ 
stellung in. 769, 776 

— — (Abbildungen).781 

•Berlin, Zum 200jährigen Bestehen des 


Königlichen Charit*-Krankenhauses zu . 847 

Berlin-Stettin, Der Orossschiffahrtsweg 1027 
B et h mann Holl weg, Th. v., Reichs¬ 


kanzler. ... 555, 562, 597, 769, 811, 1071 

- (Abbildung).565 

Bethusy-Huc, Valeska Qräfin.729 

Bever, Max ..962 

Biarritz, Königin Am*lie von Portugal in . 562 

- (Abbildung).568 

Bieber-Böhm, Hanna, Frau.... 690, 765 

- (Porträt) . . . ..766 

B j ö r n s o n, Björnstjerne, Dichter . . . 725, ’732 

- (Porträt).732 

- Die Trauerfeier für. . . 775 

- — (Abbildungen) ..782 

B j ö r n s o n , Björnstjerne, t» Artikel .... 727 

Bitter, Karl, Bildhauer.1112 

Bley, Fritz.722 

Biuhm, Gustav, Theaterdirektor.765 

- (Porträt).766 

Blüthner, Julius, Oeh. Kommerzienrat . . 690 

- (Porträt).697 

*B oberg und die Lofoten, Anna.792 

Bockeimann, Joh. Friedrich, Dr., Oeh. 

Sanitätsrat.1111 

- (Porträt).1112 

Bode, Wilhelm, Dr., Wirkt. Oeh. Reg.-Rat . 855 

Bodelschwingh, Friedrich v., Pastor 597, 604 

- (Porträt).610 

Boehm van Endert, Elisabeth, Opern¬ 
sängerin (mit Porträt).1024 

Boos-Waldeck, Heinrich Oraf zu, Geheim- 

kämmerer.648 

•Bord, Musik an.1107 

Bosnien, Reise des Kaisers Franz Josef 

nach. 941, 991 

- (Karle). . . ..947 

- (Abbildungen) . 993, 994 

•B o s t o n, Das neue Museum in.668 

Böttger, Hugo, Dr..600 

Boy-Ed, Ida . 690, 699, 741, 785, 827, 869, 

913, 957, 1001, 1043, 1087 

- (Porträt).697 

Bozen, Eine Schulküche in (mit Abbildung). 594 

Brauchitsch, Bernhard von, Oeneral der 

Kav. z. D..818 

Braunschweig u. Lüneburg, Georg 

Wilhelm Herzog zu (Abbildung).... 997 

- Ernst August Herzog zu (Abbildung) . . 997 

- Olga Herzogin zu (Abbildung) .... 997 

Bräuten, Der Mann mit den sieben, Plauderei 857 

•Brauttoiletten, Moderne.761 

Bredow, O. A., Bildhauer.681 

- (Porträt).682 

Breul, Karl, Prof. Dr. (mit Porträt). . . . 682 

B r i a n d, Ministerpräsident.690 

- (Abbildung).694 

Bridgeman, Lady (Abbildung).999 

Briefe, die sich kreuzten, Skizze . . 973 

Brieger, L., Prof. Dr., Oeh. Medizinalrat . 941 

Briesemeister, Otto» Dr., Opernsänger . 1078 

- (Porträt).1086 

Bronsart von Schellendorf, Major 

(Abbildung).1036 

Bronzen, Patinierung der, in alter und neuer 

Zeit.855 

Bruchelt, Anton ..929 

• — (Porträt).940 

Brunfaut, Eugen. 583, 774 

Brunner, HeinnrChT' Prof. Dr., Oel. Justizrat 1078 
& ^(Abbildung) IjOOQlE • • 108 * 


Brüssel, Das Plakat der Weltausstellung . 

- (Abbildung). 

— Zur Eröffnung der Weltausstellung in 

690, 725, 731, 


— - (Porträte). 694, 

- - (Abbildungen). 733, 


Brüsseler Weltausstellung, Zur Eröffnung 

der, Artikel. 

Buenos Aires. Generaloberst Frhr. v. d. 
Qoltz in. 

- (Abbildung). 

B u h r o w, Hermann, Landgerichtspräsident a.D. 
Bulgarien, Ferdinand Zar von . . . 562, 

- (Abbildung). 

- Eleonore Zarin von. 

- — (Abbildung). 

Bülow, Bernhard Friedrich von, Leutnant 

(mit Abbildung). 

Bumm, Emst, Prof. Dr., Oeh. Med.-Rat t 562, 

- (Porträte). 565, 

Burg, Oraf van der (Porträt). 

Busch, Clemens von dem, Oberverwaltungs¬ 
gerichtsrat . 

Buschbeck, Anton, Dr., Oeh. Rat ... . 
Bussche-Haddenhausen, Frhr. v. d., 
Qesandter (Abbildung). 

- Freifrau v. d. (Abbildung). 

Busse-Palma, Oeorg. 

Butler, William, Sir, Oeneral. 

c 

Calais, Untergang des französischen Unter¬ 
seebootes »Pluviose« bei.941, 

- (Abbildungen). 

Cambridge und Oxford, Das Ruderboot¬ 
rennen der Universitäten. 

- (Abbildung). 

Cand ide, Schwester. 897, 

- (Abbildung). 

Carls, Jutta. 

Carnap-Querheimb, von, Generalleut¬ 
nant z. D.. 

Carri*, Julio, Minister (mit Porträt) . . . 
Caruso bei der Milliardärin Mrs. Astor . . 

- (Abbildung). 

Celoria, Oiovanni, Professor. 

- (Abbildung). 

Charcot, Jean, Dr... 

- (Abbildung). 

- Margarete, Frau. 

•Charcots Fahrt nach dem Südpol .... 
•Charit*-Krankenhauses zu Berlin, 

Zum 200jährigen Bestehen des Königlichen 
C h a r t u m, Expräsident Roosevelt in ... . 

- (Abbildung). 

Chinesische Studienkommission in Berlin, 

Eine.941, 

- (Abbildung).. 

Christ, Oskar . . .w. 

C h r i s t i e, Henry, Sir, Astronom (Abbildung) 
Cimbal, Otto, Landesökonomierat (mit Ab¬ 
bildung) . 

C1 o s e 1, Frau (mit Abbildung). 

C o 1 o n n e, Edouard, Dirigent..... 555, 
Cook, Dr., Polarforscher. 

- (Abbildung).. 

Cossmann, Bernhard, Professor, Cellist. . 

Costarica, Erdbeben in. 

Cottbus, Teppichweberei in ...... 

- (Abbildung). 

Cumberland, Herzog von. 

- (Abbildung). 

- Herzogin von (Abbildung). 

Curschmann, Heinrich, Prof. Dr., Oeh. 

Medizinalrat. 

- (Porträt). 


D. 

Dalai-Lama in Kalkutta, Der 
- (Porträt). 


Seite 

636 

638 

776 

784 

784 

686 

1033 

1036 

992 

597 

564 

562 

564 

1067 

604 

848 

784 

648 

646 

7036 

1036 

747 

992 


948 

954 

562 

570 

904 

912 

840 

690 

852 

894 

895 
839 
838 
718 
721 
718 
718 


Seite 

Dalai-Lama, Die Flucht des, Artikel . . 641 

- (Abbildungen) ..653 

Dallwitz, Hans von, Minister. . . 1071, 1078 

- (Porträt) . . ‘.1082 

Damm, Käthe.1065 

Dämmer, Udo, Prof. Dr..903 

Daressalam, Ansege’n des Scgelklubs in . 810 

- (Abbildung).809 

Deckert, Willy, Cellist.596 

- (Porträt).595 

Defregger, Franz von, Maler.731 

- (Porträt).736 

Delbrück, Werner, Dr., Reichstagsabgeord¬ 
neter . 597, 604 

- (Porträt).607 

•D e 1 i t z s c h“, Absturz des Ballons, bei Reichen¬ 
sachsen . 683, 689, 690 

- (Abbildungen) . ..‘695 

Dernburg, Bernhard, Wirkl. Oeh. Rat 985, 

992, 1027 

- (Porträt).996 

Detto, Reichstagsabgeordneter.948 

Deutschland, Wilhelm II. Kaiser von 725, 

731, 769, 853, 860» 897, 904, 941, 1071 

- (Abbildungen) ....... 734, 862, 905 

- Auguste Viktoria Kaiserin von 725, 731, 

769, 1071 

- - (Abbildungen).734 

Diagnostiker» Der Volksmund als, Plauderei 618 
Diamantenkolonie, Die Schätze der . . 771 

D ö d e r 1 e i n, Prof. Dr. ..1078 

- (Porträt).1086 

Dominik, Hans. 557, 747, 1032 

Donaufahrt der Motorboote, Die .... 948 

- (Abbildungen).952 

Dorner, F., Eisenbahndirektor..596 

- (Porträt).593 

Doussin,El .1057 

Dresdner Hygieneausstellung 1911, Die . . 962 

Dresky, Oustav v., Oberst a. D.1034 

Drexel, Margareta, Miss.1034 

- (Porträt).1040 

Duisburg, Vom V. ’ Deutschen Bachfest in 

(mit Abbildung) *.1111 

Dumstrey, Paul . ..620 

Duntz, Max.686 

Durch den Frühling, Skizze.840 

Düren, Der neue Wasserturm in.765 

- (Abbildung).76S 

Dux, Claire, Opernsängerin.723 

- (Porträt).724 


E. 


847 

604 

612 

948 

950 

706 

839 

764 

939 

562 

690 

693 

818 

811 

939 

938 

992 

997 

997 

818 

824 


690 

693 


Ebert» Feldwebelleutnant (mit Porträt) ... 984 

»Edelmut und Dankbarkeit", Skizze.... 631 

E d v i n a, Madame, Opernsängerin (mit Portiät) 851 
Eisenbahnwagen, Ein Desinfektionsapparat 

für (mit Abbildung).640 

Elbert, Johannes, Dr. (mit Porträt) . . . . 1111 

— Frau (mit Porträt).1111 

•Elche, Die preussfechen, einst und jetzt . . 722 

•Eisass, Bilder aus dem.1012 

•Elsässische Ausstellung alter Porträte in 

Strasburg, Die.620 

Engel, Eduard, Prof. Dr.. 597 

England, Eduard VH. König von 811,817,818, 904 

- (Porträte).819, 820 

— Alexandra Königin von (Porträt).... 820 

— Oeorg V. König von 811, 818, 860, 904, 1008 

- — (Porträte). 821, 1009 

- - (Abbildung).. 905 

— Mary Königin von.818, 1009 

- - (Porträte). 821, 1009 

- - (Abbildung).1011 

— Eduard Albert Prinz von .... 818, 1009 

- — (Porträte). 821, 1009 

- Albert Prinz von.1009 

- - (Porträt) „.1010 

— Henry Prinz von.1009 

- — (Abbildungen).1010, 1011 

— Oeorg Prinz von.1009 

jmFvef (Abh,Mn Ti0WA • • • ,0, °' 10,1 


















































































































































VI. 


1910. 


Sei:e 


England, Johann Prinz von.1000 

- (Abbildungen).1010, 1011 

- Viktoria Alexandra Prinzessin von . . . 1009 

- - (Abbildungen) ..1010, 1011 

- Viktoria Prinzessin von (Porträt) . . . 820 

- Zum Thronwechsel in . . . ... 860, 1068 

- - (Abbildungen). 863, 1069 

• Englische Königsfamilie, König Georg V. 

und die neue.1008 

Erb, Karl, Opernsänger (mit Porträt).... 984 

Erfurt, Feier des 50 jährigen Bestehens des 

Inf.-Reg. Nr. 71 in (mit Abbildung) . . 1025 

Erlen, A. von . . . ..815 

Erziehung im jüngsten Kindesalter, Einiges 

über.791 

Es gi bt keine Männer mehr, Skizze . 1018 

•Eulen und Käuze.627 

Evans, Edith, Miss, Sängerin (mit Porträt) . 851 

Evert, Georg, Oberregierungsrat.1071 

F. 

• Fan gmethöden deutscher Seefischer . . 963 

Farbensinn der Tiere, Vom.575 

F a r m a n , Aviatiker (Abbildung).7S0 

1 e 1 dhaus, F. M.834 

l'ernau, Peter. 857 

Fife, Luise Herzogin von (Porträt) .... 820 

Fink, Franz Nikolaus, Prof. Dr.818 

Fiodorowa, Olga Wassiljewa, Tänzerin (mit 

Porträt).682 

F i s c h e 1, Max v., Admiral.562 

- (Porträt).565 

Fischer, Louis, Amtsgerichtsrat.818 

Fischfang, Ein wahrhaft grosser (mit Ab¬ 
bildung) . 767 

F 1 a m nt a r i o n, Camille, Astronom (mit 

Porträt). 838 

•Fontane, Theodor, und der »Tunnel über 

der Spree“ . ,.849 

Fontane-Denkmal im Berliner Tiergarten, 

Das.818 

- (Abbildung).. 824 

Franck, Emst, Dr.618 

Francotte, Minister (Porträt).784 

Frank, Hauptmann (mit Porträt) ..... 984 

Frankfurt a. M., Versammlung des Vereins 

der Chemiker in.1068 

- (Abbildung).1070 

Frankreich, Die Wahlkampagne in ... 690 

- (Abbildungen) 694, 698 

•Französische Student, Der.664 

Freiburg im Breisgau, Das neue Stadt¬ 
theater in (mit Abbildung).1111 

Frey, Robert, Aviatiker. 860, 897, 904 

- (Pörträt)..910 

- (Abbildung).865 

F r e y t a g, Hugo, Oberstleutnant z. D. (mit 

Porträt).896 

F r i c k e r t, Lilly, Opernsängerin (mit Porträt) 1111 
Friesen, Heinrich Freiherr von, Major a. D., 

Kammerherr.638 

- (Porträt) . . . .640 

Froricp, Paul, Grossindustrieller .... 939 

- (Porträt).93S 

Frühlings Lauf, Gedicht.661 

Frühlingsgemüse, Plauderei.771 

F r ü li 1 i n g s 1 i e d , Gedicht.1008 

‘Frühsommer - und Kurort-Toiletten . . 977 

Fürsten berg, Irma Fürstin zu.6-18 

- (Abbildung).655 

G. 

. 

Galle, Andreas, Prof. Dr.835 

- (Porträt).S36 

- Johann Gottfried, Prof. Dr.S34 

- - (Porträt).835 

Ga mp, Ludwig, Bildhauer.904 

G a r d i n i, Carlo, Dr.860 

»Gawän«, Aufführung von Eduard Stuckens, 

in Berlin.648 

(Abbildung).. . . . 665 


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Seite 


G e 11 z e r , Kaiherine, Tänzerin.903 

! - (Abbildung).910 

G e n s e 1, Walter, Dr.860 

Gerhardt, Geh. Oberbau rat.1027 

G es 1 i n de B ou r gogn e, General . ... 562 

Geständnis, Das.769 

Gieldzinski, Lesser (mit Porträt) .... 1026 

G i f f e n , Robert, Sir, Statistiker.690 

Oi’lsa, Adolf von und zu, Hoftheaterintendant 1078 
G 1 e i c hen - Ru s s wurm , Alexander von . 646 

G 1 e n k, Anna, Schauspielerin.895 

- (Abbildung) .896 

Gold mark, Karl, Komponist.818 

- (Porträt).824 

Goldscheider, Alfred, Prof. Dr., Geh. 

Med.-Rat.948 

- (Porträt).956 

Ooltz, Freiherr von der, Generaloberst 853, 1033 

- (Abbildung).1036 

Gomoll, Wilhelm Conrad.586 

Graberg, von, General der Inf. (mit Porträt) 682 
Graupner, Kaufmann.690 

- (Abbildung).695 

Greifswald, Die Hundertjahrfeier des Korps 

„Pomerania“ in.1033 

- (Abbildungen).1040 

Griechenland, Georg König von .... 647 

- (Abbildung). ..652 

- Einberufung der Nationalversammlung in 

555, 647 

- — (Abbildung).652 

•Oross-Berlin, Der Wettbewerb .... 557 

Grosse, O., Postrat . ..988 

Grossheim, v., Prof., Geh.^Baurat.... 904 

- (Porträt).908 

Orossschiffahrtsweg Berlin-Stettin, Der 1027 
Grote, Gustava Gräfin, Hofdame (mit Porträt) 1067 

G ruber, H., Dr., Direktor. 555, 853 

Grunewald, Das grosse Armee-Jagdrennen 

auf£der Rennbahn im.1033 

- (Abbildungen).1038 

GrünfeldHeinrich, Professor.1067 

- (Porträt).1068 

“ Fra«.1067 

- - (Porträt).1068 

Outhmann’, A„ Dr.1006 

G u t h n 1 c k, Paul, Dr. . ..899 

Gutschkoff, Alexander, Dtimapiäsident . . 562 

- (Porträt).566 

Outzmann, Albert, Schulrat.948 

H. 

Haag, Carl, Hofmaler.765 

- (Porträt).768 

Hagen, P., Astronom (Abbildung) .... 836 

H a g e r u p, Gesandter (Abbildung) .... 782 

Hahn, Hermann, Professor.860 

Halleyschen Kometen, Die erwartete Be¬ 
gegnung der Erde mit dem, Artikel . . 725 

- (Abbildung).739 

- Die gegenwärtige Erscheinung des, Artikel 899 

Hamburg, Die Wanderausstellung der Deut¬ 
schen Landwirtsriiaftsgesellschaft in . . 992 

- (Abbildungen).. 1000 

- Frühlingsfest des Lokalvereins der Deut¬ 

schen Bühnengenossenschaft in (mit Ab¬ 
bildung) .894 

- Zur Vollendung des Elbtunnels bei St. Pauli 

in.604 

- - (Abbildung).612 

Hamburger Freihafen, Grossfeuer im. . . C90 

- (Abbildungen).696 

Handkuss, Der, Plauderei.5bl 

Hantstaengl, Edgar, Hofrat.9IS 

Harbou, Thea von.1105 

Hartl ey, Randolph, Mr., Dichter .... 732 

- (Porträt)..736 

H a r t m a n n , Alfred Georg.882 

H a r t r o 11, Ludwig von, General der Knv. . 562 

Harz, Oeh. Bergrat ..594 

- (Porträt).595 

Hase mann, Wilhelm, Kotmnissionsrat . . 818 


Seite 


Haube beim Wassersport, Die (mit Abbildung) 810 
Haugwitz, v., General d. Inf,.562 

- (Porträt).566 

•Hauserschen Diluvialskelette im 

Königl. Museum für Völkerkunde, Die . 592 

Hebel, Johann Peter, Denkmal für (mit Ab¬ 
bildungen) .984 

Hecker, Tierarzt.690 

- (Abbildung).695 

Heckmann, Paul, Geh. Kommerzienrat . . 904 

Hegemann, W., Dr.901 

H e i n r o t h, O., Dr.627 

Helbing, D., Wirkl. Geh. Rat (mit Porträt) 1112 

Hennig, R., Dr.1074 

Herrenhaus, Die preussische Wahlrechts¬ 
vorlage im. 769, 775 

- (Abbildung).779 

Hertel, Ludwig, Prof. Dr.851 

- (Porträt).852 

Herter, Max, Oekonomierat.1111 

- (Porträt).1112 

Herwig, Dr., Wirk!. Geh. Oberregiertingsrat 

601, 604 

- (Porträt).610 

Hess, Willy, Professor.1025 

- (Porträt).1026 

H e u b n e r, Prof. Dr., Geh. Med.-Rat (Porträt) 848 
Heufelder, Wilhelm, Oberstadtsekte är . . 732 

Hildebrand, Prof. Dr., Geh. Med.-Rat 

(Porträt).848 

Hildebrandt, A., Hauptmann a. D. . 644, 943 

Hill, Botschafter (Abbildung) ....... 861 

His, Prof. Dr, Geh. Med.-Rat (Porträt) . . 848 

Höcker, Paul Oskar 571, 613, 657, 714, 758, 801 

Hofbauer, Anton, Direktor (mit Porträt) . 1026 

Hof mann, Karl von, Staatsminister a. D. 811, SIS 

- (Porträt).813 

Hofrichter, Oberleutnant. 769, 776 

- (Porträt).778 

Hohenfriedberg, Enthüllung des Denk¬ 
mals bei. 992, 1034 

- (Abbildungen) ’.996 

Hohenlohe, Konrad Prinz zu.992 

- (Abbildung).100) 

H ö h n ec k, CI.1063 

Holdefleiss, Friedrich, Professor Dr. . . 688 

Holland, Wilhelmina Königin von .... 992 

- (Abbildung) . . . ..999 

- Juliana Prinzessin von. 948, 992 

- — (Abbildungen). 953, 999 

Holleben, v., Dr., Wirkl. Geh. Rat, Bot¬ 
schafter a. D..73 t 

- (Poiträt).737 

Hombergk zu Vach, Freiherr v., Minister 562 

- (Porträt).566 

Homburg v. d. Höhe, Die Fernfahrt der 

Militärluftschiffe nach. 723, 731 

- (Abbildungen) . ..734 

Hoppö, E. 0.1030 

• Hotelküche, ln der.5S3 

H o y t, Constance, Miss (mit Porträt) .... 636 

H übler, Bernhard, Prof. Dr., Gel». Ober¬ 
regierungsrat .981 

- (Porträt).982 

H u g g i n s, William, Sir, Astronom . . 836, 860 

- (Abbildung). 837 

Hunan, Unruhen in der Provinz ..... 725 

• Hut mode He, Neue Kleider und .... 711 

Hiitterott, Johann Georg Ritter v. 948 

Hyan, Hans.928 

J. 

•Jachtsegler, Unsere jüngsten.1059 

Jansen, Hermann, Architekt . ; 558, 559, 569 

- (Porträt).565 

Janssens, Baron. 087, 690 

- (Porträt).694 

•Japan, Wie man in, reist. . 578 

•Japanisch-Britische Ausstellung in 

London, Die.1053 

J ä r a v , Bildhauer.604 

- (Abbildung). • 0rid i rVa |. fmm • ... *11 

UNIVERS1TY OF IOWA 























































































































































VII. 


1910 . 


Seite 


J a s t r o w, Henriette. 

Jean n in, Emil, Aviatiker (Abbildung) . . . 
Jerusalem, Die Einweihung des Oelberg¬ 
hospizes in (mit Abbildung). 

- Die Marienkirche auf dem Berge Sion bei 

- - (Abbildung). 

- Einweihung der Himmelfahrtskirche in 641, 

- — (Abbildung).. . . . 

Im letzten T r i e,b, Skizze. 

In der Heimat, Skizze. 

Indien, Der Dalai-Lama in. 

- (Abbildungen). 

Johannisthal, Die internationale Flug¬ 


woche in .. . 860, 

- (Abbildungen). 865, 


John, Hermann, Schauspieler. 

J o 11 e s , Leo. 

I s e r, Adalbert, Photograph. 

I s n a r d , französische Advokatin (mit Abbild.) 
•Jung -Berlin auf Rollschuhen .... 


100S 

865 

852 

604 

605 
689 
692 
928 

1057 

641 

653 

904 

910 

648 

1050 

596 

1068 

891 


K. 

Kaiser -Wilhelm-Kanals, Von der Er¬ 


weiterung des (mit Abbildung) .... 9S4 

.Kalkutta, Der Dalai-Lama in.690 

- (Porträt).693 

Kal.1 morgen, Professor.776 

- (Abbildung).781 

Kapitalverbrechen, Ueber die Auf¬ 
deckung alter.832 

•Karikatur, Tout Paris in der ..... 925 

Kassner, Fritz.939 

- (Porträt). 940 

K a 11 o w i t z, Von der Ausstellung der Schlesi¬ 
schen Gastwirtsgehilfen-Vereinigung in . 939 

- (Porträte).940 

K a u 1 b a c h , Fritz August von, Maler ... 948 

- (Porträt).955 

Kautzsch, Emil, Professor (mit Porträt). . 818 

* Käuze, Eulen und.627 

Keller, Artur, Prof. Dr. ..791 

- Julius. . 602 

Keller mann, Anette, Schauspielerin (mit 

Abbildung).1026 

Kennemann, Hermann, Landesökonomierat 648 

- (Porträt).650 

K e r s t e n, Dr., Oberbürgermeister.948 

K e s t e r , F. 891 

Key i7i ,* M., Generaldirektor (Porträt) .... 784 

Kiel, Vom deutschen Bundeskegeln in . . . 1068 

- (Abbildung).1070 

Xindesaltcr, Einiges über Erziehung im 

jüngsten ....*. .791 

Kips, Alexander, Professor.818 

- (Porträt). 824 

K i t c h e n e r, Lord. 776, 904 

- (Abbildungen). 778, 906 

K 1 a u s s m a n n, A. Oskar.935 

• Kleider und Hutmodelle, Neue.711 

Klingenberg, Die neue Talsperre bei . . 765 

- (Abbildung).768 

Koch , G. W., Dr. .; 1068 

- (Porträt).1070 

- Robert, Professor Dr., Wirkl. Geh. Rat 

941, 947, 948 

- - (Porträt).949 

Koch, Robert, Artikel.941 

Koch, Robert, sein Werk und seine Schule . 1092 

K o e 1 s c h , Adolf, Dr.'. . 575 

K o e 11 7. c, Oberbürgermeis'.er, Festmahl für 

(mit Abbildung).810 

K o e s t e r, v., Grossadmiral 555, 603, 601, 897, 904 

- (Abbildungen) . 605, 908 

Koffer, Vom, Plauderei.1065 

Ko Ile, W., Prof. Dr.1092 

Köln, Reitfest des Offizierreitvereins des Land¬ 
wehrbezirks in (mit Abbildung) .... 681 

’kometensommer . 1074 

Komm, lass uns stille wandern, liebste 

Seele! Oed ich t.586 

König Eduard -ty-At^ikel . . . | . 811 

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Seite 


•König Georg V. und die neue englische 

Königsfamilie.1008 

Königs in arck, Karl Graf v, Schlosshaupt¬ 
mann .604 

Konstantin, Leopoldine, Schauspielerin 648 

- (Abbildung). 655 

Konstantinopel Besuch des Zaren der 

Bulgaren in.562 

- (Abbildungen).564 

- Besuch König Peters von Serbien in . . 647 

- - (Abbildung).650 

Kopenhagen, Die Trauerfeier für Björnson in 775 

- (Abbildungen) ..782 

Krack, Otto.1018 

Kraus, Prof. Dr., Geh. Med.-Rat (Porträt) . 848 

Krenn, Anton.1096 

Kress von Kressenstein, Otto Freiherr, 

General der Kav.860 

- (Porträt).864 

Krön dotation, Zur Erhöhung der . . . 985 

Kühn, Julius, Prof. Dr., Wirkl. Geh. Rat 

683, 689, 690 

- (Porträt).697 

Kühn, Julius, Artikel.688 

K u 1 m b a c h, Die Plassenburg bei .... 636 

- (Abbildungen).638 


L. 


L a e h r, Heinrich, Das Denkmal für, in Zehlen¬ 
dorf (mit Abbildung).682 

Lahntal, Das Luftschiff »Z II“ bei der 

Zwischenlandung im ...... 725, 731 

- (Abbildung).731 

Lais, P., Astronom (Abbildung).836 

Landwirtschaft, Ein Förderer der deut¬ 
schen .764 

Lang, Anton. Christusdarsteller . . . 818, 860 

- (Abbildungen).S25, 867 

Lanz, Heinrich, Oeh. Kommerzienrat (mit 

Porträt).765 

- Karl, Dr. (Abbildung) .982 

L a t h a m , Hubert, Aviatiker.776 

- (Abbildung).783 

Lattermann, Opernsänger.638 

(Abbildung).640 

L a u f f, Joseph.987 

Leb Ion, M., Aviatiker. 597, 604 

- (Porträt).610 

Lecch, Beatrix, Violinistin (mit Abbildung) . 595 

Lehmann, Else, Schauspielerin.604 

- (Abbildung).611 

L e i b n i t z, Robert, Regierungsbaumeister (mit 

Porträt).852 

Lei n ingeh-Neudenau, Karl Theodor 

Graf zu. 732 

Leonhardt, Enid, Miss (Abbildung) . . . 983 

Lerner, Theodor.731 

Lesseps, Jacques de, Aviatiker, beim Flug 

über den Aermclkanal. 897, 904 

- (Abbildung). 912 

Lesser, Prof. Dr., Geh. Med.-Rat (Porträt) . 848 

Leuchsenring, Ingenieur.690 

- (Abbildung).695 

Levy, Magnus, Professor.636 

- (Porträt).638 

Lewald, Emmi, Frau (Porträt).781 

Lichatscheff, Elisabeth.S04 

- (Abbildung).805 

Liebe als Kunstwerk, Die, Novelle .... 884 

Liebert, Eduard v., Generalleutnant z. D. . 604 

- (Porträt) .610 

Liebig, Rudolf, Kommerzienrat (mit Porträt) 809 

Liebrecht, Dr., Geh Reg-Rat (mit Porträt) 809 

Lienhard, Fr. . . ..1012 

Liljefors, Bruno, Maler.818 

- (Abbildung).826 

- Frau (Abbildung).826 

Lindequist, von, Staatssekretär. . 1027, 1034 

- (Abbildung) ..1036 

L i t g e n a u , Nora, Baronin (Abbildung) . . 637 


Seite 

Locher-Freuler, Eduard, Dr.992 

Lockyer, Joseph Norman, Sir, Astronom . 836 

- (Abbildung).838 

•Lofoten, Anna Boberg und die .... 792 

London, Eine japanisch-britische Ausstellung 

in.:.562 

- (Abbildungen) ........... 569 

- Trauer um König Eduard in . . .817, 818 

- - (Abbildungen) . . . . . 820, 822, 823 

- Von den Trauerfeierlichkeiten in 860, 897, 904 

- - (Abbildungen). 859, 905 -907 

•London, Die Japanisch-Britische Ausstel¬ 
lung in.1053 

London nach Manchester, Die aviati- 

sche Fernfahrt Paulhans von.776 

- (Abbildungen).7S0 

L o r m , J.676 

Lörrach, Denkmal für Johann Peter Hebel in 981 

- (Abbildungen).9S4 

Losert, W..939 

- (Porträt).940 

Lothar, Rudolf.S84 

Lowell, Percival, Professor. 647, 732 

- (Porträte). 649, 738 

Lucke, Robert. 948 

Luft, Karl, Ballonführer.690 

- (Abbildung).695 

Luftverkehrsordnung. ..644 

Lütcken, v., Leutnant.1033 

- (Abbildung).1038 

Luzern, Ueberschwemmungen in.1078 

- (Abbildung)..1030 

Lyn den, Melvil van, Baron, Minister a. D. 776 


M. 


Mädchenmittels oh ulen, Zur Frage der 853 

•Madrid, Sommertage in.970 

Maidstone, Viscountess.1034 

- (Porträt).1040 

Mainz, Fussballspiel beim Pionierbataillon 

Nr. 25 in (mit Abbildung).1112 

Mann mit den sieben Bräuten, Der, Plauderei 857 
Mannheim, Taufe des Luftschiffs „Schütte- 

Lanz" in.981 

- (Abbildung).•.982 

Mauz er, Robert, Musikdirektor. 939 

- (Porträt) . . . ..938 

Mark Twain, Schriftsteller . . 725, 731, 732 

- (Porträt).736 

•Märkte, Allerlei belgische.887 

Martin, Pierre, Ingenieur.904 

- (Porträt).911 

Mayr, Marie, Darstellerin der Magdalena . . S(0 

- (Abbildung).866 

Mecklenburg-Schwerin, Friedrich 

Franz Grossh:rzog von.992 

- (Abbildungen). 997, 1003 

— Alexandra Grossherzogin von.1033 

- - (Porträt).1035 

- Friedrich Franz Erbgrossherzog von . . 1033 

- - (Porträt).1035 

Meiringen im Berner Oberland.981 

- (Abbildung).932 

• M e n a ge r i e in Schönbrunn, Die .... 920 

Mens inga, Dr., Frauenarzt.818 

Meyer, Leo, Professor, Staatsrat.992 

Meyern-Hohenberg, Bruno Freiherr v., 

Intendant.C3S 

- (Porträt).640 

M i k s r. ä t h , Koloman, Dichter.948 

Miller v. Aichholz, Viktor, Dr. 860 

Millosevich, Elias, Professor.839 

- (Abbildung).838 

Minimum, Das, Plauderei.SIS 

M i n t o, Lord, Vizekönig.1063 

- (Abbildung).1069 

•Moden, Die neusten Pariser.842 

•Modenschau, Neueste Pariser.589 

Mo eil er, Julius, Geh. Komme z eirat . . . 904 

! Möller., Marx, Dr.1076 

ungiräl fr:m 

UNIVERS1TY OF IOWA 





























































































































































VIII. 


1910 . 


Seile 

Moltke, Friedrich von, Minisler . . 1071, 1078 

- (Porti ät).1082 

- Graf von, Generalfeldmarschall, Die 

Büste vom, in der Walhalla.860 

- - (Abbildung).868 

Monte Carlo, Der König von Schweden in* 562 

- (Abbildung).568 

- Zur Eröffnung des Ozeanographischen 

Museums in. 555, 562, 603 

- — (Abbildungen). 564, 605 

Montevideo, Dr. Cook nach seiner Abfahrt 

von.690 

- (Abbildung).693 

Moreas, Jean, Dichter .604 

Moreux, Theophile, Abb£, Astronom . . . 838 

- (Abbildung) ..839 

Mülheim, Von der Beisetzung der Opfer der 

Eisenbahnkatastrophe bei.604 

- (Abbildung).608 

Müller, Max, Professor.849 

- (Porträt). 850 

Mumm von Schwarzenstein, Freiherr, 

Dr., Botschafter (Porträt).737 

München, Denkmal für König Ludwig II. in 1078 

- (Abbildung).1084 

- Die Jury der Jahresaustellung in . . . 939 

- - (Abbildung).940 

- Einsturz der Parsevalhalle in .... . 683 

- Zur Tagung des Vereins Deutscher Che¬ 
miker in . 860, 904 

- - (Abbildung).864 

‘Musik an Bord.1107 

Musikalisches von den Ufern der Wolga 945 
Muthesius, Hermann, Dr. Geh. Reg.-Rat . 948 

- (Porträt). 954 

Mutter Monopol, Skizze.673 


N. 

Namen, Falsche. 

Nervenbilanz. 

Neuenburger jura, Uhrenschalenpolicre- 

rin im (mit Abbildung). 

Neumayer, Josef, Dr., Bürgermeister . . . 
Neuwied, Konzert der Krefelder Sängerver¬ 
einigung in. 

- (Abbildung). 

Neuyork, Das Karl-Schurz-Denkmal für. . 

- (Abbildung). . .. 

N e v i n , Artur, Mr., Komponist ...... 

- (Porträt). 

N e w n e s, George, Sir. 

Nizza, Vom aviatischen Meeting in ... . 

- (Abbildung). 

Norwegen, Maud Königin von. 

- (Porträt). 

N o s t e r, Ludwig, Professor, Maler .... 

Nur wer die Sehnsucht kennt . 

Roman 699, 741, 785, 827, 869, 913, 957, 

1001, 1043, 

o. 

Oberammergau, Von den Passionsspielen 

in.814, 818, 860 

- (Abbildungen). 825, 866, 867 

Oberammergau, Vor Beginn der Spielzeit 

in, Artikel.814 

O c 1 s n e r, Ludwig, Prof. Dr.562 

O e r t z e n , Georg Freiherr von, Schriftsteller 948 

Oesterreich, Franz Josef Kaiser von 775, 

941, 991, 1033 

- (Porträt).1037 

- (Abbildungen). 778, 993, 994 

- Karl Franz Josef Erzherzog von .... 992 

- — (Abbildung).996 

O e l k ö r i t o, Von der Feuersbrunst in . . . 555 

Ohnann, Richard, Bildhauer.776 

Orchardson, William, Sir, Maler .... 690 

Orchideenausstellung in Etrlin, Die 

903, 904 

- (Abbildungen) . . . /TT . . . . 1 9J2 

Digitizer by »OLE 


O r i o 1 a , Waldemar, Oraf, Reichstagsabgeord¬ 
neter . 683, 

- (Porträt). 

Orth, Prof. Dr., Geh. Med.-Rat (Porträt) . . 
Ost heim, Gräfin von (mit Porträt) . . . . 

011 m a n n , Victor. 633, 

Oxford und Cambridge, Das Ruderbootrennen 

der Universitäten. 

- (Abbildung).. 


P. 

Palästinafahrt des Prinzen Eitel-Friedrich, 


Die. 604, 641, 

- (Abbildungen).691, 


Paris, Blumenfest im Bois de Boulogne in . 

- (Abbildung). 

- Der Concours hippique im »Qrand Pa¬ 
lais“ in. 

-- - (Abbildung). 

- Jahresfest des Frauen-Aeroklubs »Stella" 

in (mit Abbildung). 

- Ueberschwemmungsausstellung in (mit 

Abbildung). 

•Paris in der Karikatur, Tout.*. 

•Pariser Moden, Die neusten. 

• F a r i s e r Modenschau, Neueste. 

Pariserin, Die. 

P a r s e v a 1, von, Dr., Major. 

- (Porträt). 

Parseval-Flugmaschine, Die, Artikel 

- (Abbildungen). 

Passagierluftschiff »Z. VII", Das neue 

1071, 

- (Abbildungen). 

Patinierung der Bronzen in alter und neuer 

Zeit. 

P a u , Aufstieg des Luftschiffes »Astra Ville de 
Pau" in . 

- (Abbildung).. . . . . 

P a u 1 h a n s aviatische Fernfahrt von London 

nach Manchester. 

- (Abbildungen). 

Perzynski, Friedrich. 

Petersburg, Besuch des Königs Peter von 

Serbien in. 555, 

- (Abbildung). 

Pfingstbrautlied, Oedicht. 

P i c h o n , Minister (Abbildung). 

Pick, Philipp Josef, Dr., Hofrat . . . . . 

- (Porträt). 

Pietsch, Georg. 

Planck, Prof. Dr., Wirkl. Geh. Kat . . . 

- (Porträt). 

Plassenburg bei Kulmbach, Die .... 

- (Abbildungen).:. 

Plastik, Lebende. 

- (Abbildung) . 

Plauer See, Die Parseval-Flugmaschine auf 

dem, Artikel.. . 

- (Abbildungen). 

— Gleitflieger auf dem. 

— (Abbildungen). 

PI ess , Fürst von. 

- (Abbildung).-. 

- Fürstin von. 

- — (Abbildung). 

»Pluviosc", Untergang des französischen 

Unterseebootes.941, 

- (Abbildungen). 

Pochwalski, Kasimir, Professor .... 
P o e 1 z i g, Hans, Professor. 

- (Porträt). 

„Poia", Oper, Zur Erstaufführung der . . . 

- (Abbildung). 

Pola, Der Internationale Pressekongress in . 

- (Abbildung). 

Pompili, Ouido, Unterstaatssekretär a. D. . 
Po n t i n g , Herbert O. 

- (Porträt). 

Porsche, Ferdinand, Direktor. 

* Portofino-Spitzen. 


816 

918 

596 

725 

1111 

1112 

1112 

1113 

732 

736 

1034 

776 

783 

818 

820 

948 


1087 


Seite 

690 

697 

848 

851 

970 

562 

570 


689 

692 

1078 

1085 

648 

656 

939 


808 

925 

842 

589 

897 

730 

740 

730 

740 

1078 

1083 


Portugal, Amelie Königinmutter von . . . 

— (Abbildung). ..• . . . 

Post, Julius, Prof. Dr., Wirkl. Geh. Ober¬ 
regierungsrat . 

P. p. c., Skizze. 

Predöhl, Dr., Bürgermeister (Abbildungen) 

612, 

Press, Michael, Professor . 

— (Porträt).. 

Preussen, Wilhelm Kronprinz von 941, 947, 

— (Abbildungen).951, 

— Wilhelm Prinz von (mit Abbildung) . . 

— - Eine Statuette von. 

— — - (Abbildung). 

— — Louis Ferdinand^Prinz von (mit Ab¬ 


bildung) . 

- Eitel-Friedrich Prinz von . . . .641, 

- - (Abbildungen).691, 

- Sophie Charlotte Prinzessin von . 641, 

- - (Abbildungen).691, 


- August Wilhelm Prinzessin von . . . . 

- - (Porträt). 

- Heinrich Prinz von. 

- — (Abbildung). 

- Friedrich Wilhelm Prinz von. 

P r i e s s, Klara. 

Pringsheim, Fedor. 

Prinz-Heinrich-Fahrt, Die diesjährige 

948, 985. 991, 992, 

- (Abbildungen). 956, 

P r ö 11, Karl, Schriftsteller. 

- (Porträt). 

Provinz! . 

Prudente, Giuseppe, General. 

Putlitz, Adrienne Freiin zu (mit Abbildung) 
Pütt er, Geh. Reg-Rat, Direktor (Porträt) . 


Seite 

562 

568 

648 

1105 

1000 

893 

894 
992 
996 
981 
860 
868 

981 

689 

692 

689 

692 

562 

566 

991 
99S 
985 
587 
776 

1027 

995 

948 

956 

683 

992 
1067 

847 


647 

654 

776 

780 

668 

562 

567 

815 

906 

992 

998 

796 

904 

908 

636 

638 

981 

983 

730 

740 

1034 

1041 
992 
996 
992 
996 

948 

954 

1033 
766 
768 
732 
736 
992 

1000 

818 

1034 

1042 
1027 

633 


Q 

Q u e s e d a , Gonzalo, Gesandter .732 

— {Porträt).738 

Quidam, Max.816 


Ratibor, Max Prinz von, Boschafter . . . 562 

- (Abbildung).568 

Ratibor und Corvey, Agathe Prinzessin 

von. 904, 985 

- (Porträt).909 

Rauer, Walter Wilh.S75 

R a v e n e, Geh. Kommerzienrat (Porträt) . . 694 

Regensburg-Wien, Die Donaufahrt der 

Motorboote.948 

- (Abbildungen).952 

Reichenhall, Gesamtansicht von Bad . . 939 

- (Abbildung).940 

Reichensachsen, Absturz des Ballons 

»Delitzsch" bei. 683, 6S9, 690 

- (Abbildungen).69> 

Reichlin v. Meldegg, Freiherr, Oene- 

ral a D. 818 

Reise, Die Sprache auf der, Plauderei . . . 1076 

Reisegeld, Vom, Plauderei. 935- 

•Rennbahn, Vom Stürzen auf der .... 706 

R e t z i n , Vermählung des Leutnants von Bülow 

mit Adrienne Freiin zu Putlitz in (mit 

Abbildung).1067 

R i c c o , Professor, Direktor.604 

- (Abbildung).606 

Richards, Max, Theaterdircktor (mit Porträt) 1024 
Ridder, Hermann.1067 

- (Porträt).1068 

Roberts, Lord.904 

- (Abbildung).906 

R o b 1, Thaddäus, Rennfahrer. 1071, 1078 

- (Porträt).1086 

Röchling, Karl, Geh. Kommerzienrat . . . 948 

Roeder, Karl Freiherr von, Generalleutnant 

z D. (mit Porträt).1026 

•Roll sch uhen,-Ji|ng r Bjer^4Uif . .... 891 

UNIVERSITY OF IOWA 


% 


\ 


i 


! 


I 
























































































































































1010. 


IX. 


Seite 

Rom, Das Viktor-Einanuel-Dcnkmal in (mit 

Abbildungen).937 

- Reichskanzler v. Bethmann Hollweg in 

555, 562 

- — (Abbildung).565 

'Rom, Das kostbare Besitztum eines Deut¬ 
schen in.1100 

Roosevelt, Theodore, Expräsident 604, 683, 

725, 811, 818, 853, 860, 904, 1034 

- (Abbildungen) . 612, 824, 861, 862, 906, 1036 

Rose, Fritz, Geh. Leg-Rat z. D. . . . 601, 604 

- (Porträt).610 

Rosse, Earl of, Astronom.836 

- (Abbildung).835 

Roux, W., Prof., Geh. Rat.948 

- (Porträt).956 

Rovetta, Oerolamo, Dichter.818 

Ruf des Schicksals, Oedicht.875 

R u h 1 a n d , Oustav, Professor Dr. 992 

- (Porträt).998 

Russland, Nikolaus Zar von . . 555, 562, 992 

- (Abbildungen). 567 , 996 

- Alexej Grossfürstthronfolger von . . . 992 

- - (Abbildung).996 

- Besichtigung der Jugendwehr durch den 

Zaren in.992 

- (Abbildung).996 

Russ-Suchard, Carl.594 

- (Porträt).595 


s. 


Salat unter Glasglocken, Römischer (mit Ab¬ 
bildungen) .640 

Samim-Bei, Achmed, Chefredakteur . . . 1027 
San Giuliano, di, Marquis, Minister 941, 948 

- (Abbildung).950 

Santner, Johann, Hochtourist.937 

- (Abbildung).938 

Sassnitz, Untergang des Ballons »Pom¬ 
mern- vor. 597, 604 

- (Abbildungen) . . 603, 607 

Sauerland, Heimich, Professor Dr. . . . 1034 

•Savigny, Leo v., Dr., Geh. Rat.818 

-Sch eff er, Thassilo von.661 

Scheibe, Dr., Generalarzt (mit Porträt) . . 847 

Schiaparelli, Giovanni, Astronom . . . 839 

- (Porträt).838 

Schlager, Marcellinus, Prof. Dr.. .... 1034 
'Schlepper im Dienst der See- und Binnen¬ 
schiffahrt, Der.754 

•Schlesien, Der Künstler bund.882 

Schleswig-Holstein, Feodora Prin¬ 
zessin zu.1071, 1078 

- (Porträt).1084 

rSchmidt, Erich, Prof. Dr., Rektor (Abbild.) 861 

- Karl Eugen . 925 

- Otto, Landgerichtsrat, Abgeordneter 1071, 1078 

- Wilhelm, Dr., Generaldirektor .... 860 

- - (Porträt).864 

.'Schneider, Albert, Geh. Baurat . . .776, 893 

- (Porträt).894 

- Louis, Hofschauspieler.849 

- — (Porträt).850 

:Schnellzüge, Schnellere.597 

Scholz, Bernhard, Professor (mit Porträt) . 681 

Schönbrunn, Deutsche Tänze im Schloss zu 636 

- (Abbildung).637 

•Schönbrunn, Die Menagerie in .... 920 

Schönebeck-Weber, v., Frau .... 1034 

- (Porträt).1038 

Schorlemer-Lieser, Clemens Freiherr v., 

Dr., Oberpräsident, Minister 775, 1071, 1078 

- (Porträte). 777, 1082 

•Schramm, Anna, Artikel.602 

- (Abbildungen).609 

Schreckhaase, Paul.963 

Schroeder, Baron J. H. Wilhelm von . . 732 

iSchuchhardt, C, Prof. Dr., Museums- 

d rektor.592 

:S c h u 1 e und Vergnügen ^.1' ■ • 555 

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Seite 


Schulferien, Vor den.985 

Schulte im Hofe, Professor, Frau (Porträt) 781 
Schul verein, Dreissig Jahre Deutscher . . 773 

Schulz, Georg David, Maler.818 

- v., Magistratsrat.732 

- - (Porträt).738 

Schür mann, Johannes, Dr. 664, 837 

Schurz, Karl, Ein Denkmal für.1112 

- (Abbildung).1113 

Schütte, Professor.981 

- (Abbildung).982 

Schütz, Wilhelm, Prof. Dr., Geh. Reg.-Rat 

(mit Porträt). 682 

Schweden, Oustav König von.562 

- (Abbildung).568 

'Schwen inger, En st.1050 

Schwerin, Zu den Tauffeierlichkeiten in 992, 

1027, 1033 

- (Abbildungen). 997, 1035 

Scott, Kapitän. 992, 1030, 1034 

- (Abbildungen). 999, 1042 

Scott, Die englische antarktische Expedition 

unter Kapitän, Artikel.1030 

Seefische, Plauderei.991 

•Seefischer, Fangmethoden deutscher . . 963 

Seefischerei, Von der~deutschen .... 600 

Sei t z , Rudolf Ritter v., Professor, Maler 1071, 1078 

- (Porträt).1086 

Semmelhack, Bankbeamter.604 

- (Abbildung) .607 

Sen st, Otto, Dr..991 

Sera je wo, Kaiser Franz Josef in.991 

- (Abbildungen). 993, 994 

Serbien, Peter I. König von 555, 562, 597, 647 

- (Abbildungen). 567, 650 

Seybel, Miny (Abbildung).637 

Shaw, Bernhard, Dramatiker.596 

- (Abbildung).595 

S i m 1 a , Proklamation König Georgs V. als 

Kaiser von Indien in.1068 

- (Abbildung).1069 

Sinkende Nacht, Gedicht.1063 

Skarbina, Franz, Professor, Maler. . 853, 860 

- (Porträt).^ , 860 

Slatin, General (Abbildung).612 

Smith, Goldwin, Professor ....... 1034 

Somary, Paula, Schauspielerin. . . . 723, 852 

- (Porträt).723 

•So mm er tage, in Madrid.970 

Sonne von St „Moritz, Die, Roman 571, 

613, 657, 714, 758, 801 

Söul, Das neue japanische Krankenhaus in . 1024 

- (Abbildungen)., . . . . 1025 

Spandau, Festmahl für Oberbürgermeister 

Koeltze in (mit Abbildung).810 

Spanien, Josefa Femanda Infantin von . . 1034 

S p a n u t h , August.945 

Spiegelphotographen, Beim (mit Ab¬ 
bildungen) .596 

•Sport im Hause Wittelsbach, Die Freude am 749 

Sprache auf der Reise, Die, Plauderei. . .. 1076 

Stadelmann, Heinrich, Dr.918 

Städtebauausstellung und ihre Lehren, 

Die.901 

Stangen, Eugen.815 

Stein, P., Astronom (Abbildung).836 

Stei n egg, H. C. v.561 

Stettin, Der Todessturz Robls mit seinem 

Flugapparat bei. . . 1071, 1073 

- (Abbildung).1086 

Stöber, Fritz.808 

S t o 11, August, Professor (mit Porträt) ... 984 

Sfona, Maria.1008 

•Storches, Das Nestleben des.1021 

Strahlenden Materie, Aus dem Reich der 747 

Stransky, Josef, Kapellmeister.1068 

- (Porträt).1070 

St ra n z , Joseph, Dr., Justizrat.948 

•Strassburg, Die Elsässische Ausstellung 

aller Poi träte in.620 

Strobl, Karl Hans.631 

Stucken, Eduard . . . ..648 

•Student, Der französische.664 


Seite 


Stumm, Ferdinand Freiherr von, Botschafts¬ 
sekretär (mit Porträt).636 

•Stürzen auf der Rennbahn, Vom .... 706 

Stuttgart, Vom Deutschen Buchdruckertag 

in (mit Abbildung).1114 

Südamerika, Die Hauptdarsteller des Deut¬ 
schen Theaters in.765 

-• (Abbildungen).766 

Südtirol, Frühlingstagein, Plauderei. . . 729 

Szögyeny-Marich, L. v., Botschafter . 732 

— (Porträt).738 

T. 

•Tänze, Volks-.676 

Teck, Herzog von (Abbildung).906 

— Alexander Prinz von (Abbildung) . . . C06 

Teppichweberei in Cottbus.939 

— (Abbildung).933 

»Terra n o v a-, Abfahrt des Expeditions¬ 
schiffes . 992, 1034 

— (Abbildungen). 999, 1042 

Tessin, Unfall des Ballons »Schlesien- 

bei. 597, 604 

— (Abbildungen).607 

Tiedcmann, Walter.1107 

Tiere, Vom Farbensinn der.575 

T i 11 e s s e n , Karl, Generalleutnant z. D. . 690 

Tinayre, Marcelle.S97 

Tourbi£, Franz, Stadtrat.604 

Träger, Albert, Justizrat.992 

— (Porträt).998 

Treptow-Baumschulenweg, Von der 

II. Ton-, Zement- und Kalkindustrie-Aus¬ 
stellung in (r.iit Abbildung).1114 

Tresckow, v., Kriminalkommissar .... 613 

— (Porträt).655 

Triest, Ein vom Schncesturm umgeworfener 

Zug bei.604 

— (Abbildung).612 

Tsaitao, Prinz, in Berlin.941, 9-18 

— (Abbildung).950 

•»Tunnel über der Spree-, Theodor 

Fontane und der.849 

Türkei, Mehir.ed Sultan der ... . 562 , 647 

— (Abbildungen). 564, 650 


u. 


Ueberlandflüge. . . 943 

Uhrenschalen, Das Polieren der (mit 

Abbildung).596 

Uli mann, Kurt, Dr.814 

Ungarn, Reichstagswahlen in.985 

Ursel, Herzog von (Porträt).7S4 


V. 


Valentlner, Wilhelm, Professor (mit Abb.) 836 
Varesanin v. Vares, Oeneral.948 

- (Porträt).954 

- (Abbildung).993 

V a r e t o n , Dr..992 

- (Abbildung) . . ..10T0 

V e 1 d e, L. van der.809 

V e 1 h a g e n , Wilhelm, Kommerzienrat . 992, 1034 

- (Porträt).1040 

Vergnügen, Schule und.555 

Verlorene Kopf, Der, Plauderei . . . 646 

V6rone, Mlle,, Advokatin (Abbildung) . . 698 

Versäumt, Gedicht .747 

Viardot-Oarcia, Paullne, Gesonglehrerin 90t 

V i 11 e p r e u x , Das Eisenbahnunglück bei . . 1073 

- (Abbildung).1084 

V i 11 r o i d e r, Ludwig, Professor, Maler . . 904 

Vogel, H.792 

Vogüc, Eugen Melchior Vicomte de 562 

Volkner, Robert, Intendant (mit Porträt) 1024 
Volksmund als Diagnos'iker, Der, Plaudeiei 618 
•Volkstänze.676 

ungmal frem 

UNIVERSUM OF IOWA 













































































































































X. 


IQ 10. 


W. Stile 

•Wachsbüsten. 1063 

Wackerow, Konsul ^ . 992 

- (Porträt) . 096 

W agiler, Franz, Professor.981 

- (Porträt).982 

Frica von, Schauspielerin.723 

- - (Porträt).724 

W a h 1 rechts Vorlage, Annahme der preus- 

sischen, im Herrenhaus .... 769, 775 

- (Abbildung).779 

W a 1 d m a n n , Ludolf, Dichter und Komponist 197S 

- (Porträt).1086 

Wal dm filier, Robert, Schriftsteller . . 690 

Waldthausen, Julius v., Dr., Gesandter . 732 

(Porträt).738 

Wannowski, Max, Kriminalkommissar . . 832 

Wannsee, Das Freibad im.1034 

- (Abbildung).1039 

Ward, John Quincy Adams, Bildhauer. . . 776 

Warrcn, Gco B.989 

Weber, Adelheid.932 

Wechmar, Eberhard Freiherr von .... 749 

W e i 1 b u r g, Katastrophe des Luftschiffes 

«Z II“ bei. 725, 731 

- (Abbildung).735 

Weimar, Ein Goethefest in.1078 

- (Abbildung).1085 

- Tagung des Verbandes deutscher Sänger¬ 
schaften in (mit Abbildung).1024 

Weiss, Karl.1053 

W c 11 p r o d u kt i o n und Welthandel . . . 1071 

Wer deck, Freiherr von. Oberst (mit Porträt) 1026 
Wertheimer, Fritz, Dr. ....... 578 

W e 11 e r und die Sprache, Das.989 

•Wetterfahne, Die.932 

W e 11 s t e i n , R. v. f Prof. Dr.773 

Wever, Unter Staatssekretär. 769, 776 

- (Abbildung).781 

White, Graham, Aviatiker.776 

- (Abbildung).7S0 

W h i t e h a v e n , Von der Grubenkatastrc plie 

bei. 853, S60 

- (Abbildungen).864 


Seite 


W h i t in a n , Sidncy.811 

W i c h m a n u , Franz.104S 

Wied, Fürst zu (Abbildung).1112 

W i e n , Die Donaufahrt der Motorboote von 

Regensburg nach.94S 

- (Abbildungen) . . 952 

- Konzert zugunsten des Vereins ,.Lupus- 

hcilstätic“ in.64S 

- - (Abbildung) .... ... 655 

- Plakette zur 50-Jahr-Feier der Philhar¬ 
moniker in (mit Abbildungen) .... 896 

- Von der Frühjahrsparade in ...» . 775 

- — (Abbildung). 77S 

- Zur Internationalen Jagdausstellung in 1033 

- - (Abbildung).1037 

W i e n h o 1 d t, A., Oberleutnant zur See a D. 

754, 1059 

Wilhelini, Maximiliarr, Intendant .... 1034 

- (Porträt). 1040 

Wilhelmshaven, Versetzung des Nordsee¬ 
geschwaders von Kiel nach.647 

- (Abbildung).654 

Wille, Bauinspektor.636 

- (Porträt).6 38 

Willigen, von der, Generalleutnant . . . 1034 

W i 1 m s, Robert, Dr..S49 

- (Porträt).S50 

Windsor, Königsproklamation in .... 860 

- (Abbildungen).863 

Wirth, Albreeht, Dr. . . 641 

- Bettina.920 

'Wittelsbach, Die Freude am Sport im 

Hause., . . . . 749 

Wizemann, Auguste, Lautensängerin (mit 

Abbildung). 810 

- Luzie, Lautensängerin (mit Abbildung) . 810 

W olden - Köbisch, Marie, Solotänzerin a.D. 732 
Wolf, Max, Astronom (mit Porträt) . . . . 836 

Wolff, Julius, Dichter. 985, 992 

- (Porträt).998 

W o 1 f f, Julius, Gedicht.987 

W o l z o g e n , F.rnst von. 683, 727 

Wood, Evelyn, Sir (Abbildung).906 

W u 1 f f e n , Erich, Dr., Staatsanwalt .... 769 


Seite 

Wpiidt, Maud.875 

W y c h g r a m , Jakob.9 5 

Y. 

Yi n-Chang, Frau, Gemahlin de', chinesi¬ 
schen Ministers .... ... 094 

— (Porträt) .610 

Yi rtt sc hang, General, Gesandter (Abbild) 950 

z. 


,,Z II“, Zur Katastrophe des Luftschiffs . 725. 731 

- (Abbildungen) . . . * . . . . 731, 735 

..Z VII“, Vom ersten Aufstieg des Passagierlufi- 

schiffes.107!, 1078 

- (Abbildungen) . 10S3 

Zahle, Ministerpräsident (Abbildung) . . . 782 

Zaniboni, Filippo, Professor. 1 034 

Zarin ger, Julius, D., Geh. Oberkirchemat 

(mit Porträt).1112 

Zech 1 in, Dr.992 

- (Porträt).998 

Zehlendorf, Das Heinrich-Laehr-Denkmal 

in (mit Abbildung).682 

Zepclin, Enthüllung eines Gedenksteins für 

Graf Zeppelin bei .992 

- (Abbildung).998 

Zeppelin, Wilhelm Graf von, Hauptmann 

a. D.604 

•Zermatt, Erinnerungen an .... S75 

Ziehen, Prof. Dr., Geh. Med.-Rat (Porträt) S48 

Zimmer, Das kühle, Plauderei.1032 

Zimmer mann, Alfred, Dr., Legationsrat . 77] 

- Eugen.1100 

- Reichstagsabgeordneter. 1 '48 

Zobel titz, v., Leutnant.1033 

- (Abbildung).1038 

Zuckerkand!, Emil, Prof. Dr., Hofrat 948 

- (Porträt).954 

Zwink. Ottilie, Darstellerin der Maria . . 860 

- (Abbildung).867 



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UNIVERSITÄT OF IOWA 







































































DiewocHe 


Kummet 14. 


Verttn, ben 2. Up cU 1910. 


12. Jahrgang. 


3nhalf bet Hummer 14. 


©Ie fiebert läge ber ffiodK.555 

6$ii(e unb Vergnügen. öon ©irettor ©r. f). (Bruber.555 

©er ©ettberoerb SrofrBerlin. Sott S)am ©ominif.557 

©er jjanbfug. Klauberei oon f). CT. o. €teinegg . . .561 

Unfere »Uber. 562 

©ie loten ber ffiotfce.562 

»Uber oom läge. C'ßfyotograptitföe Stufnaftmen).563 

©le Sonne oon St. 3Rorig. 9toman oon $aul Oofar Dörfer. (Qfortfegung) 571 

Som ftarbenflnn ber liere. »on ©r. Itbolf Stoelfd).575 

fflte man in 3apan reift. Son ©r. tfrifc ©ertfjeimer. (3Rit 13 ÜbbÜbgn.) 578 
3n ber i)oteIfücf)e. Bon (Eugen Srunfaut. (Wit 6 Hbbübungen) . . . 583 
Komm, lag uns ftiHe toanbern, Ilebfte Seele! (Bebicfet oon ©Utpelm 

(lonrab (Bontoll.586 

©ie Snbere. (Ergäblung oon Jtlara tpriefj.587 

üteuefte »artfer SRobenfdjau. (9RU 10 Stbbilbungen).589 

©ie ijauferfdjen ©ltuotalftelette im StöntgC. ÜRufeum für SSftertunbe. Son 
SRufeumsblreftor Ißrof. ©r. CT. 6djucbb<*rbt. (SRit 3 Äbbilbungen) . 592 
Silber aus aller ÜBelt. 594 



Die fieben Sage bet Boche. 

23. irtätj. 

Die Perliner Stabtoerorbnetenoerfammlung befcßliegt, ben 
ÜNagiftrat au erfucßen, er möge bei ben Staatsbeßörben baßin 
mirfen, baß Perfammlungen unter freiem Himmel unb 2luf* 
3 üge, oon benen eine ©efaßr für bie öffentliche Sicherheit 
ni<ßt 3 U befürchten ift, bein Vereinsgefetj gemäß im Poli 3 ei* 
ragon Perlin nicht oerhinbert merben. 

Der 2letna roirft aus oier neuen Kratern glüfjenbe Steine 
linb.Nfcße aus. ßaoaftröme bebrohen bie Drtfcßaflen Porrello, 
Peloaffo unb Nicolofi. 

Nus Konfiantinopel toirb gemclbet, baß am (Euphrat 3 U)ifchen 
bem aufftänbigen Nraberftamm Ntontefif unb regulären türfi* 
fcßen Sruppen fchtoere Kämpfe ftattgefunbcn hoben. 

24. 2Rär3. 

Nus Nbis Nbeba fommt bie Nachricht baß ber Negus 
SWenetif im Sterben liegt. Nile Häuptlinge haben feinem oon 
ihm beftimmten Nachfolger fiibj 3eaffu (Portr. 6 . 563) ben 
(Eib berSreue gefcßmoren. Die Kaiferin Saitu rourbe abgefeßt 
unb geswungen, ben Palaft bes Negus ju oerlaffen. 

25. TRät). 

Präfibeni Saft erläßt eine Proflamation, burch bie ben 
©raeugniffen aller beutfchen Kolonien unb Scßußgebiete ber 
amerifanifche Ntinimaltarif eingeräumt roirb. 

Der 3ar ftattet bem König Peter oon Serbien im Printer* 
palais in Petersburg einen fjalbflünbigenPefucß ab(Nbb.S.567). 

Der König oon Italien betraut ben bisherigen ßanbtoirt* 
fcßaftsminifter ßu 33 ati mit ber Pilbung bes neuen Kabinetts. 

Die fran^öfifche Deputiertenfammer beroilligt mit 462 gegen 
74 Stimmen bie oon ber Negierung geforberten Nachtrags* 
frebite für bie Operationen in Ntaroffo. 

3n einem Ptarenßaus in ©ßifago bricht ein Pranö aus, 
bei bem fünfsebn Ntenfcßen ums ßeben fotnmen. 

26. 2Rät3. 

König Peter oon Serbien reift oon Petersburg nach 
Ntosfau. Heber feinen Pefucß wirb ein halbamtliches (Eom* 
muniqu 6 oeröffentlicht, in bem es beißt, bie ruffifche Negierung 


roerbe Serbien bei feinen frieblicßen Peftrebungen auf bem 
Palfan ihre moralifche unb tat(ächliche Unterftüßung leihen. 

27. 2ltar3. 

3n bem ungarifchen Dorf Oetförito entftanb in ber 311 m 
Pallfaal hergerichteten Scheune eines ©aftßofs ein Pranb, bei 
bem etwa 500 Perfonen ums ßeben fommen. 

28. IItät3. 

Der Neichsfansler oon Petßmann HoHweg begibt ficß oon 
Nom nach 0 loren 3 . 

3n Paris ftirbt, 71 Jahre alt, ber berühmte Dirigent (Ebouarb 
(Eolonne. 

. 29. Mlätj. 

3 n ÜJlonle ©arlo pnbet bie feierliche ©inmeibuttg bes 
Djeanographifchen SNufeums ftatt, an ber ©roßabmiral oon 
Köfter als Pertreter bes Kaifers teilnimmt. 

30. 2ltät3. 

Nus Ntßen toirb gemelbet, baß bas Komitee ber Nlilitär* 
tiga eine Urfunbe unterjeichnet hat, burch bie bie ßiga auf* 
gelöft unb bie Offiziere bes ihr geleifteten (Eibes enibunben 
merben. Darauf jagte König ©eorg 3 U, bie Potfchaft über bie 
©tnberufung ber Nationaloerfammlung in ber Kammer per* 
fönlich 3 U oerlefen. 


Sd)ule unb Vergnügen. 

Pon Direftor Dr. $). ©ruber (Perlin*5Bilmersborf). 

©in angefehetter 3urift hat in btefen Sagen barauf 
hingemiefen, baß ber (Srunb ber bebroßlichen ©rfchet* 
nung bes ßuneßmenben toiffenfchaftlichen Proletariats 
nur inbireft in ben ©gmnafien, bireft in bem Nieber= 
gang ber moralifchen Qualitäten ber ©Item unb ber 
Sugenb liegt, ©r macht barauf aufmerffam, roie 
früher ©Itern unb Schule gemeinsam an ber Nus* 
bilbung unb ©r^iehung ber Ktnber arbeiteten, mährenb 
heute alles oon ber Schule erwartet wirb. Dicht neben 
ber oom SNann „nichtoerftanbenen" grau fteßt heute 
ber oom ßeßrer nicht oerftanbene unb barum falfch 
behanbelte Schüler, ©eben mir ber Schule toieber, 
was ber Schule ift, einen ftrengen, 3 ielbetoußten 
Unterricht, ber bebingt ift burch eine ftrenge Schul 3 ud)t. 
Perlangen mir überhaupt oon ber Schule nicht, roas 
bie heiligfte Pflicht ber ©Item ift, baß fie uns bie 
©raiehung unb Peaufficßtigung unferer Kinber abnehme. 
Halten mir unfere 3ugenb fern oon all ben Dingen, 
bie uns feiner^eit fehr 3 U unferem Porteil unfere „alt- 
fränfifchen" ©Itern ferngehalten unb oerfagt haben. 

Nlfo bie Pergnügungen? Darum ift es biefem 
ernften SNahnruf mohl gan 3 befonbers 3 U tun; benn 
bie Pergnügungfucht ift es oor allem, bie man 
unferer 3ugenb 3 um Pormurf macht, jenes Streben 
nach Nblenfungen oerfeßiebener Nrt, ein Streben, bas 
ber aielbemußten Nrbeit in ber Schule feßeinbar ent* 
gegengefeßt ift. Sinb bamit auch alle bie oolfstüm* 
ließen Hebungen unb Pemegungfpiele, bas Schwimmen, 
Nubem, Pßanbern unb Schlittfchußlaufen, gemeint ober 


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UNIVERS 11 T OF IOWA 

















Seite 556. 


Kummer 14. 


ober nur jene gefellfchaftlichen Veranlagungen, benen 
namentlich unfere weibliche 3ugenb ein reges 3ntereffe 
entgegenbringt? 5)aben unfere „altfränfifchen" (Eltern 
ben Unterfchieb jener Ablesungen — benn als fo(d>e 
gelten ja hoch gereift beibe Wirten — ernftlich in 
Vetracht geflogen, unb finb jene „Dinge" in UBirflicfjfeit 
für unfere Sugenb notreenbig unb bemgemäft non 
Vorteil, ober reirfen fie nachteilig? 

Alle biefe fragen brängen fich bemjenigen auf, 
ber in biefen „Dingen" nicht geborener ober aner* 
flogener Schwarflfeher ift, bem, ber felbft lebt unb 
auch anbere leben läftt, bem es nicht entgeht, baft in 
fehr oielen gälten (Eltern, bie es mit ber Erflieftung 
ihrer h^anreachfenben Söhne unb Xöchter reahrlich 
fehr gereiffenhaft nehmen, biefe oon folgen 93er* 
gnügungen nicht flurüdhalten, fogar oft felbft eifrig be* 
müht finb, fie ihnen flugängltch flu machen. 

9Nit Nedjt machen behörbliche Anorbnungen ber 
Schule bie pflege ber ßeibesübungen flur Pflicht, unb 
flrear follen biefe mit frifchem, fröhlichen! Sinn be* 
trieben reerben. Das gilt nicht nur gegenüber bem 
männlichen, fonbern auch gegenüber bem roeiblichen. 
(Befehlest, unb bie Ausführungsbeftimmungen bes 
#errn Nlinifters flu bem (Erlaft oom 18. Auguft 1908 
über bie Neuorbnung bes höheren Ntäbchenfchulreefens 
forbern ausbrücflich, baft bie Schule bie oolfstümlichen 
Hebungen unb Vereegungsfpiele berücffidjtige, auch bas 
Schreimmen, reenn irgenb möglich, in georbnete pflege 
nehme. Die Schule foll ferner Anregung unb ©eie* 
genheit flum SBanbern unb 3 um (Eislauf geben, im 
Sommerhalbjahr aufter ben oerbinblichen Durnftunben 
womöglich noch flreei reahtfreie Spielftunben roöchent 3 
lieh einrichten unb bie ^Beteiligung ber Schülerinnen 
hieran in jeber SQBeife förbern. Als empfehlenswert 
reirb es befleichnet, flreei getrennte Dage im Schuljahr 
foreie mehrere Nachmittage flu Ausflügen freijugeben. 

Alle biefe Einrichtungen gelten bem 3iel, ber 
Sugenb bie ßuft flu gewähren, bie bas (Befühl ge* 
fteigerter Slraft, erhöhter Sicherheit in ber Veherrfchung 
unb bem Gebrauch bes Körpers foreie oor allem bas 
Vereufttfein jugenblicher (Bemeinfchaft flu eblem 3reecf 
mit fich führt. 2öie bas Xurnen follen auch fie baflu 
beitragen, ben (Ebarafter flu bilben, inbem fie griffe 
bes ©elftes, Selbftänbigfeit unb Selbftoertrauen, grob 3 
finn unb Verträgiicbfeit förbern. Von biefen SNotioen 
geleitet, unb um burch eine flreecfmäftige Einrichtung 
bes Sdbülerruberns in Verlin biefer für bie Schüler 
ber höhnen ßebranftalten fo heilfcmien ßeibesübung 
eine weitere görberung flu fiebern, hot auch feinerfleit 
unfer ftaifer für fämtliche berliner Scbülerruberoereini* 
gungen 35 000 Ntarf aus feinem Dispofitionsfonbs bei 
ber ©eneralftaatsfaffe bem Ntinifter ber ©eiftlicben, 
Unterrichts» unbNtebiflinal*Angelegenbeitenflur Verfügung 
geftellt. Damit ift ebenfalls eine Vürgfcbaft für bie 
Notreenbigfeit jener Veftrebungen gegeben, bie fämt* 
lieh barauf gerichtet finb, unferer 3ugenb flu bienen. 
ÜNit Ntaften betrieben, reerben biefe ßeibesübungen 
einen wichtigen Anteil an ber Volfsgefunbung hoben, 
im Uebermaft gepflegt aber fönnen fie nicht anbers 
als fchäblich reirfen. 

2Befentlich anbers reerben im allgemeinen jene 
gefellfchaftlichen Veranftaltungen gewertet, bie man wohl 
im engeren Sinn als „Vergnügen" befleichnet. Unfere 
Döchter im befonberen pflegen fich 3U „^ränflehen" flu 
oereinigen, in benen fie #anbarbeiten fertigen unb 
ßeftüre treiben; fie folgen ben Einfabungen flu ©efell* 


fchaften unb Fällen oftmals fchon in einem Alter, bas 
man noch als bas fchulpflichtige flu befleichnen pflegt. 
3ft bas notreenbig? — Vebörblicbe Anorbnungen 
befaffen fich mit biefen gefellfchaftlichen Veranftaltungen 
nicht, fogar bes Danfles gebenfen fie nicht einmal, ber 
hoch ficherlich ber ^Betätigung ber förperlichen Kräfte 
bient unb, richtig angereenbet, jene Aufgabe in oielleicht 
noch höherem (Brab als anbere ßeibesübungen erfüllt. 
Daraus ift nun etwa feinesreegs flu fchlieften, baft fie 
fich für bie beranreaebfenbe 3ugenb als nicht notreenbig 
erreiefen hoben; bie Aufficbtsbebörbe oertritt oielmchr 
ben richtigen Stanbpunft, baft bergleichen gefellfcbaft* 
liehe Veranftaltungen für Schulfinber nicht in Vetracht 
fommen, unb biefer Anficbt reirb fich ohne 3o>eifel 
jeber einficbtsoolle Vater unb jebe benfenbe Ntutter 
aus ooller Ueberfleugung anfchlieften fönnen. Solange 
bie Dochter noch Schulmäbchen ift, gehört fie wie ber 
gleichaltrige Slnabe nicht in bie ©efellfchaft, folange 
hat fie auch an ben Veranftaltungen ber ©efeüfchaft 
nicht teilflunehmen. 

Sinb nun aber bie jungen Ntäbcben, bie im Alter 
oon fechflehn bis flreanflig Sohren bas höhere ßehre* 
rinnenfeminar, bie grauenfchule ober bie oberen SUaffen 
ber Stubienanftalten befuchen, noch „Schulmäbchen"? 
Streng genommen finb fie es; in VMrflicbfeit finb fie 
es nicht mehr. Sie gelten oielmehr — im Unterfchieb 
flu ben gleichaltrigen Primanern unb Dberfefunbanern 
— bereits als ©lieber ber ©efellfchaft; fie nehmen 
unbeanftanbet an ben ©efellfcbaften bes Kaufes teil, 
reerben mit ben Eltern gelaben unb erfcheinen wie 
biefe gleichfom offifliell. Der oielleicht ältere Sohn 
aber bleibt auf feinem 3*oimer ober flu #aufe, fofertt 
er noch bas ©gmnafium befucht. Nun mag es wohl 
oereinflelte Vertreter ber Anficbt geben, wonach bas 
junge Ntäbcben fich *rft bann in ber ©efellfchaft flu 
bewegen unb erft bann an ben Vergnügungen ber 
Erreachfenen teilflunehmen habe, reenn es ben Vefud) 
bes ßgfleums ober ber Stubienanftalt oollenbet, b. b-, bie 
ßehrerinnenprüfung ober bas Abiturium abgelegt hot. 
Ntan weift babei auf ©epflogenheiten hin, bie in gleichem 
gall auch bem Sohn gegenüber beobachtet reerben. 

Veim Sohn liegen aber in ber Xat bie Verhält 3 
niffe hoch reefentlich anbers als bei ber Tochter, bie 
täglich beobachten fann, wie bie alten ©efährtinnen, 
bie nach bem Vefuch ber oberften Schulflaffen abge» 
gangen waren, flum Xeil aber auch nicht einmal bie 
Schule burchgemacht hotten, fich unbehinbert als Doch 5 
ter bes Kaufes ben Ablesungen ber ©efellfchaft, bem 
Vergnügen hingeben. Durch ben Vefuch bes ß^eums 
unb ber Stubienanftalt aber ift oon oornherein ihre 
Anteilnahme an jenen gefellfchaftlichen Veranlagungen 
reefentlich befebränft. Soll fich bie Tochter nun gänfl? 
lieh oon jenen trennen, bie mit ihr bisher in inniger 
greunbfehaft oerbunben waren, unb flrear nur beshalb, 
weil fie etwa noch reiffenfchaftliche gortbilbungsflaffen 
flu befuchen hot? 3ft es nicht oerftänblich, reenn unter 
biefen Umftänben fo manches junge Ntäbchcn mit 
einem gereiffen Neib auf biejenigen fchout, bie es 
fcheinbar beffer hoben als es felbft! Aus einem folgen 
©efühl aber entreicfelt fich oft unmerfticb eine Unflu* 
friebenheit, bie auf bie geiftige Arbeit nicht ohne nach* 
haltigen Einfluft bleibt. Das ift beim Sohn, ber bie 
oberen ©gmnafialflaffen befucht, nicht ber gall; benn 
biejenigen, bie oor ihm bie Schule oerlieften, befinben 
fich wohl fömtlich in einer Vorbereitungfleit, bie ihnen 
meift weniger Ntufte als biefem bie Schule läftt,. ber 


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UMIVERSITY OF IOWA 



Kummer 14. 


benn aueß gar nicht baran benft, etma mit ihnen 
taufeßen 3U motten. Um jenes (Befühl bes Veibes aber 
fchon im fteim 3U erftiefen, müffen Vater unb Vtutter 
barauf bebaut fein, ber Xocßter bie greube am ßeben 
3U erhalten;’ bann mirb ihr auch bie greube an ber 
Scßule erhalten bleiben. 

ttBarum fott benn ein junges ttttäbeßen, auch menn 
es mit feiner geiftigen Vusbilbung äußerlich noch nicht 
„fertig" ift, nicht bann unb mann einmal mit feinen 
©efäßrtinnen 3um Xan3 oereint fein? VSarum fott es 
benn nicht gelegentlich gefeltfcßaftlicßen Veranlagungen 
nqcßlommen? SJtan bleibe hoch nicht abfichtlich btinb 
ben Vorteilen gegenüber, bie bas gefettfchaftliche ßeben 
in ben meiften gälten ber Xocßter bringt. (Benügt es 
benn mirflich, ein junges UJtäbcßen nur mit ben für 
bas ßebramt notmenbigen ßenntniffen aus3urüften, 
um es bann auf bie Scßuljugenb „lossulaffen"? 3 ft. 
nicht bie gäßigfeit, fich gejettfcßaftlicß richtig 3U be¬ 
nehmen, bafür ftittfeßmeigenbe Vorausfeßung? Unb 
beruht nicht 3um großen Xeil ber fogenannte päba* 
gogifche Xaft, ber auch ber jungen ßeßrerin fchon bie 
SBege 3ur inbioibuetten Veßanblung ber Schülerinnen 
meifen fott, auf bem gefettfcßaftlicßen Xaft, ber ihr gleich* 
3eitig immer mieber ins Vemußtfein rufen fott, mie fie 
fich ihren Vtitarbeitern unb Vorgefeßten gegenüber 3U 
benehmen unb mie auch fie bereits bie Verbinbung 
oon Scßule unb (Elternhaus an3ubabnen unb 3U pflegen 
hat? Soll benn bie üütutter in ber Xat bann erft bie 
Xocßter in bie ©efettfehaft einführen, menn jene bas 
ßfyjeum ober bie Stubienanftalt burchgemacht ßat? 
VMe nun, menn bann bie Xocßter bas „ttöeite fueßt"? 
(Es fönnen boeß nießt alle ßeßrerinnen an bem Ort 
unterricßtlicß tätig fein, an bem bie (Eltern rooßnen, 
unb biefe haben boeß aueß nießt nur in Unioerfüät* 
ftäbten ißr 5 )eim aufgefcßlagen. 5 Benn aber mirtlicß 
bie pflege bes gefettfcßaftlicßen ßebens fo nebenfäcßlicß 
für Körper unb ©eift ift, mie moßl einige, bie ißm 
3umeilen noeß aus egoiftifeßen Vtotioen nießt gerabe 
günftig gefinnt finb, meinen, fo muß man fich boeß 
fragen, marum man nießt gan3 allgemein mit ber 
alten ©emoßnßeit braßt, um bie auf bie gefettfeßaft* 
ließen Verpflichtungen 3U oermenbenbe 3eit unb bas 
bafür 3U oerausgabenbe ©elb beffer 3U benußen. 

Vtterbings oermag bas Vergnügen auf bie fieß 
noch in ber Vorbereitung bepnbenben jungen Vtäbcßen 
unter Umftänben aueß nachteilig gu mirfen. Vas ift 
bann ber gatt, menn babureß bie ©efunbßeit gefäßrbet 
ober bie Pflichterfüllung ßintangefeßt mirb. (Es ift 
gan3 .felbftoerftänblicß, baß ein junges Vtäbcßen, bas 
momöglicß mieberßolt in einer Söocße bis 3um früßen 


Seite 557. 

ttttorgen geftlicßfeiten beimoßnt, nießt in bem Vtaß im* 
ftanbe ift, an bem Unterricht bes Vormittags tei^u* 
nehmen mie bie anbem ©efäßrtinnen, bie fich am 
Vbenb oorßer 3eitig 3ur tttuße begeben haben. Slber 
muß benn bureßaus bie geftlicßfeit bis 3um früßen 
Vtorgen ausgebeßnt merben, muß benn bas junge 
ttftäbcßen, bas bereits am früßen SJtorgen bie Pflicßt 
ruft, 3U benen gehören, bie 3uleßt ßeimroärts geßen? 
Unb ift benn mirtlicß fein Vbenb in ber 2 Bocße oor* 
ßanben, ber jene Vücfficßt auf bie Pfließt am näcßften 
Vormittag bannt? tttacßteilig mirfen bergleicßen Ver* 
gnügen überbies bann immer, menn fie unfere Xöcßter 
fo beeinfluffen, baß fie fi<ß oon bem 3**1* bas fie fuß 
meift felbft gefteeft haben, abfeßren, fie gleicßfam auf 
anbere „(Bebauten" bringen. Vas mirb bann leicßt 
gefeßeßen, menn fie 3U oft'geboten unb fcßließlicß 3ur 
©emoßnßeit merben: 

SBenn alle Xag im 3aßr gefeiert mürben. 

So mürbe Spiel fo läftig fein mie Slrbeit, 

Vocß feltene geiertage finb ermünfeßt. — 

„Seltene geiertage" gemäßren aueß einen Vorteil, 
an bem ©eift unb Körper nnferer ßeranmaeßfenben 
Sugenb in gleichem Vtaß beteiligt finb. (Es gibt 
atterbings Vertreterinnen bes meiblicßen ©efcßlecßts, bie 
fieß in ber geiftigen 2lrbeit nießt genug tun fönnen, bie 
barin gerabe3u aufgeben. 2lber bas finb Vusnaßmen. 
Unfere Vurcßfcßnittstöcßter freuen fieß im allgemeinen 
ber Vbtoecßflung, bes Vergnügens, bas fie erfrifeßt unb 
aueß 3U neuer Vrbeit anregt. 

2 Ber, mie ber Verfaffer, länger als ein Saß^eßnt ßin* 
bureß ©elegenßeit geßabt ßat, 3U beobachten, mie unfere 
jungen t ttttäbeßen, befonbers in ben leßten üttonaten 
oor ber ßeßrerinnenprüfung, troß aller freunblicßen 
(Ermahnungen ber ßeßrenben eine 2 lrt ber Vrbeit 3U 
mäßlen pflegen, bie ißre ©efunbßeit ernftlicß gefäßrben 
muß, mirb fieß ber Veforgnis gegenüber benen nießt 
ermeßren fönnen, bie naeß ber fießrerinnenprüfung bie 
Unioerfität befueßen, um fcßließlicß bie Staatsprüfung 
ab3ulegen. 2Benn ißnen bann bas gefettfcßaftlicße fieben 
menigftens nießt einigermaßen bas erfeßt, mas bas 
ftubentifeße ßeben bem Vir juvenis ornatissimus bietet, 
nämlicß bie notmenbige Slbmecßflung unb Vuffrifeßung, 
fo mirb bas fcßließlicß erreichte für fie felbft nur 
eitel Vlenbmerf fein. 

3 lls eine erfreuließe Xatfacße aber bleibt es befteßen, 
menn bie Xocßter bie Vorbereitungsjaßre 3um Veruf 
in bem üttaß in unb mit ber ©efettfeßaft benußt ßat, 
baß fie nießt als eine Extranea im ßeben erfeßeint, 
bie jebe güßlung mit anbern Vtenfeßen oerloren ßat. 




Oer BJettbetoetb ©roft-Berlta. 


Von $)ans 

Vas (Eoangelium er3äßlt uns oon Arbeitern im 
Xßeinberg, oon benen einige um bie feeßfte unb anbere 
um bie aeßte unb etliche fogar erft um bie elfte Stunbe 
mit ber Vrbeit begannen. Unb es fügt ßin3u, baß 
aueß bie leßteren noeß ißren ootten fioßn erhielten. 
Vas mag aueß für bie Verliner ein Xroft fein, bie 
ebenfalls erft in ber allerteßten Stunbe an ben plan¬ 
mäßigen Vusbau ißres ©ebietes gebaeßt unb ißn bureß 
einen ttßettbemerb 3U förbern oerjueßt ßaben. 


Vominif. 

Vlle anberen Vtittionenftäbte, mie ßonbon, Steugorf, 
Paris ober SQßien, ßaben feßr oiel früher barnit ange* 
fangen unb maeßfen unb blüßen jeßt unter günftigeren 
Verßältniffen als ©roß s Verlin. Vas alte National* 
leiben ber Veutfcßen, bie nationale 3 ^riffenßeit, fommt 
in fraffefter Sößeife in ber beutfeßen ftteicßsßauptftabt 
3um Vusbrucf. ©in 3ufammenßängenber Stabtfomplej, 
ber 00m ©runemalb im SBeften bis 3ur SGBußlßeibe im 
Often unb oon Xegel im Vorben bis Xeltom im Süben 


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Original fro-m 

UMIVERSITY OF IOWA 



(Beite 558. 


Stummer 14. 



Einzelheiten aus dem Generalbebauungsplan für Groß-Berlin. Preisgekrönter Entwurf yon Architekt Herrn. Jansen, Berlin. 

Kleinwohnungssiedlung. — Städtebaulich gruppierte, ein- oder zweistöckige Reihenhäuser (als empfehlenswertester Häusertypus) an einem der 
radialen oder peripheren Wald- und Wiescngürtel; zwischendurch sind Einzelhäuser an besonders geeigneter Stelle zerstreut. 



































































Kummer 14. 


Seite 559 



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UNIVERSIIY OF IOWA 






































































Seite 560. 


Kummer 14. 


reicht, aerfällt in ungefähr breiig unabhängige politifche 
©emeinben, bie mohi alle oom ©(ans unb oon ber 
ftraft ©erlins sehren, bie aber für bie gemeinfchaftüche 
Stamm* unb Nährmutter fehr menig übrighaben unb 
an taufenb Stellen mit ihr unb au(h untereinanber in 
3ntereffenfonflifte geraten. 

Solche ßage ift ber ©rftellung eines für bas ganse 
©ebiet geltenben groffoügigen ^Bebauungsplanes be- 
greiflichermeife nicht aü^u günftig. ©Sährenb bie poli* 
tifch geeinigten ©esirfe ®rof 3 s ßonbon unb ©rof 3 *Neut)orf 
mit ßeichtigfeit mafjgebenbe ^Bebauungspläne feftfefeen 
fönnen, bürfte es in ©roß=Serlin noch Ö ° n 3 befonberer 
gefehgeberifcher ftunftftücfe benötigen, um menigftens 
ettoas oon ben oielen guten ©orfchlägen, bie bas 
Preisausfchreiben gezeitigt hot in bie lat umsufefcen. 

So oiel über bie befonberen Schmierigfeiten in 
©roj 3 *©erlin. ©Senben mir uns nun su ben fpe 3 tellen 
Projeften. 2)as Preisrid)terfollegium hot in feiner ©e* 
grünbung ausgeführt ba& jebes ber eingereichten Pro* 
jette neben oielem ©uten auch noch flhumche Stellen 
seigt. ©s hot ferner ben ©rften unb 3n>eiten Preis 3 U 
3 toei ©rften greifen sufammengemorfen unb einen baoon 
bem Projeft bes ©rchiteften Hermann Sonfen gegeben, 
ben anbern jenem, bas oon ben Profefforen ©rij unb 
©ensmer in ©erbinbung mit ber ^Berliner Hochbahn* 
gefeüfchaft ausgearbeitet mürbe. 

Nehmen mir oormeg, bafj auch 3onfen eine erhebliche 
©nsahl oon Schnellbahnlinien in feinem Projeft oor* 
gefehen hot, unb fügen mir meiter hinsu, bafl fich unter 
ben ferneren Preisträgern bie befannten ©ifenbafjn* 
ingenieure Nicharb Peterfen unb Profeffor ©lum be* 
finben, fo erhellt alsbalb, bag bas Preisausfchreiben 
3 um erheblichen 5Eeil eine Aufgabe ber ©erfehrstechnif 
bebeutet. ©Senn man ber ©eoölferung oon 3 ehn 
SNillionen Seelen, bie im Sohr 2000 in ©rofs=©erlin 
mohnen bürfte, einen ßreis oon runb bretglg £ilo* 
meter im $)albmeffer als ©Sohn* unb ©rbeitftätte 3 ur 
Verfügung ftellen mill, fo mirb man in ber lat in 
allererfter ßinie für gute ©erfehrsmittel, für einen 
ftäbtifchen Schnelloerfehr 3 U forgen hoben. 

©eroifj bietet bas Preisausfchreiben auflerbem ©e* 
legenheit 3 ur ^Betätigung nach ben oerfchiebenften Seiten. 
2)er Stäbtebauer, ber ©eflhet, ber Nationalöfonom, ber 
Sosialpolitifer unb ber ^ggienifer, fie alle finben in 
biefem Preisausfchreiben eine reichliche 3affl oon Stuf* 
gaben. ©ber ber oerfehrstechnifche leil bebeutet hoch 
bas ©erippe für alles anbere. 

giir alle biefe oerfchiebenen Nichtungen bes Preis* 
ausfchreibens fann man meiter auch eine ßroeiteilung 
oornehmen. SNan fann bas ©real oon ©rofl*©erlin 
in 3 toei leite 3 erlegen. Nämlich in einen leil (in ber 
i)auptfache bie 3 nnenftabt), in ber alle biefe 2 )inge 
burch ben Unoerftanb früherer ©enerationen bereits 
mehr ober meniger oerborben finb, unb in bie Neftfläche, 
auf ber nicht nur bie gleiche Schäbigung, fonbern 
gerabesu ©efahr für ©efunbheit unb Vermögen ber 
Nation broht, menn man bie alten gehler nicht glücflich 
oermeibet. $ie ©ntmürfe fallen für bas an erfter Stelle 
genannte ©real nach Ntöglichfeit ©erbefferung bringen, für 
bie Neftflädje ©orfdfläge 3 citigen, bie allen ©nforbe* 
rungen eines oorbilbüchen Stäbtebaues ©enüge tun. 

3m Stabtinnern muß man begreiflichermeife auf 
bie gorberungen grüner ©Salb* unb ©Siefenflächen, auf 
bas ©erlangen nach freien unb luftigen Wohnungen 
aus mirtfchaftlichen ©rünben oersichten, ©ine ©efferung 
fann hier im allgemeinen nur in oerfebrstechnifcher 


©estehung erftrebt merben. ©s ift bereits stemlich fühn, 
menn Sonfen noch einen „fleinen ©Salb* unb ©liefen* 
gürtet" oorfieht (oergl. ©bb.S.559), ber an Neinicfenborf, 
Panfom unb ©Seiflenfee oorbei über griebrichsfelbe, 
Ireptoro, ©rifc unb Sübenbe ©erlin im engeren ftreis 
umgeht. So erftrebensmert eine folche ßunge für bie 
©roftftabtbeoölferung ift, fo unerfchminglich bürften hoch 
bereits bie ©obenpreife bafür merben. 

©etrachten mir einmal unabhängig oon allen Preis¬ 
ausfchreiben ben Plan oon ©rofj*©erlin, fo mie er fich 
heute bietet, fo fdjeint bas alte, feiner 3 eit fo menig 
freunblich gemeinte ©Sort oom „©Safferfopf ©erlin" 
mirflich nicht gans unberechtigt 3 u fein. ©Sir fehen 
auf einem folgen Plan, mie bie bebauten ©ebiete unb 
bie bebauten ©emeinben fich wie 3 eüen aneinanber 
fchlieflen, mie es unaufhörlich nach Norben unb Süben, 
nach ©Seften unb nach Oflen brüctt. SBir fehen, mie 
biefer Schmoll bebauten ©elänbes bie grüne Umgebung 
oon ©erlin, ben legeler gorft, ben ©runemalb, ben 
SNachnoroer gorft unb bie ©Sufflheibe, su überfluten 
unb su erbrücfen fucht. ©in ©lief auf bie heutige Sparte 
Seigt beuttich bie ©efahr, bafl ber öbe Steinhaufen mie 
eine ©letfehermoräne biefe ©Salbungen oerfchlingt, bie 
fchönften ©egenben an f)aoel unb Spree oernichtet unb 
bie Oebigfeit unb Ungefunbheit in Permanens erflärt. 

Sämtliche ©ntmürfe oerfolgen ausnahmslos bie 
©bficht, folcher ©ntmicflung oorsubeugen. 3 nnächft 
einmal muft bie Steinflut oon ben ©Salbungen ab* 
getenft merben, unb bies fann nur gefchehen, menn 
man neue, meiter entlegene ©etänbe burch Schaffung, 
guter Schnelloerfehrsmittel 3 ur ©erfügung (teilt. Sämt¬ 
liche Projefte fehen baher ©ahnlinien oor, bie aus bem 
Stabtinnern möglichft fchnell unb bireft in ©ebiete 
führen, bie sur ©efiebelung geeignet erfcheinen unb 
ßanb in genügenber SNenge unb genügenb billig bar¬ 
bieten, um frei unb luftig im ©rünen bauen 3 U fönnen. 

3ft nun oerfebrstechnifd) neues ©ebiet erfchloffen, 
fo mirb es fich meiter barum honbeln, für biefes oer* 
ftänbige ©ebauungspläne aufsuftellen. ©ud) hier merben 
gemifj bie mirtfchaftlichen Nücffichten fchliefllich bie mafl* 
gebenben fein, ©s mirb überall, um trioial su reben, 
bie ftirche im Dorf bleiben miiffen. ©Sas man aber 
auf fo gemonnenem billigem ©oben auch für bie meniger 
bemittelten ©eoölferungsflaffen flhaffen fann, bafür 
mag unfere ©bbilbung, bie mir bem Sonfenfchen ©nt* 
murf entnehmen, ein ©eifpiel geben. 

©rij: unb ©ensmer machen in ihrem ©ntmurf einen 
fcharfen Unterfchieb smifchen ©ebieten mit herrfchaft* 
lieber ßanbhausbebauung unb einer ßanbhausbebauung 
für ©rbeiter. Die Unterfcheibung ift gemifl nicht nur 
berechtigt, fonbern felbftoerftänblich. ©s befteht ein 
Unterfchieb, ber fich ouf gärtnerifchem ©ebiet etma, mie 
folgt, bofumentieren mürbe: tyex ber oornehme eng* 
lifche ©arten, in bem besohlte Kräfte bas ©ras 
fchneiben, fprengen ufm. Dort ber fleine ©arten bes 
ßaubenfoloniften, in bem ber ©efifeer ober Pächter 
felbft liebeooll jeben Quabratfufl ßanbes bearbeitet, hegt 
unb pflegt, ©ber mögen mir nun ben herrfchaftü^en 
©arten hier, bas fleine ©ärtchen bort betrachten, ge* 
meinfchaftlich ift ihren ©efifeern bie Sehnfucht nach ßuft, 
flicht unb grünen ©äumen, bas ©eftreben, bem oben 
Steinmeer 3 U entfliehen. 

Unb es ift bas ©rfreuliche aller an ber ßonfurrens 
beteiligten ©ntmürfe, bafl fie uns bie mirtfchaftliche 
unb technifche SNöglichfeit basu menigftens für fom* 
menbe ©enerationen seigen. 


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UMIVERSITY OF IOWA 



'Jiummer 14. 


©eite 561. 


(Sin matbematifcbes ©efeg oerbeigt uns bie ©r* 
reicbung folcber SBünfcbe. SBenn mir bcn ftabius 
eines Kreifes oerboppeln, fo oeroierfacben mir ben 
3 nbalt, menn mir ben ftabius oerbreifacben, fo mirb 
ber Snfjalt oerneunfaebt. 3JMt unfern heutigen Ser* 
febrsmitteln ift ein Kreis oon runb aebn Kilometer 
im f)albmeffer erfcbloffen, unb barauf mobnen gut brei 
Atillionen Stenfcben. Eröffnen mir mit fünftigen 
befferen Serfebrsmitteln ebenfo fcbnell unb fieser nur 
einen Kreis mit breigig Kilometer im $)albmeffer, 
einen Kreis, ben bie oorliegenben Jßrojefte gerabe be* 
rücfficbtigen, fo b^ben mir bie neunfache gläcbe, unb 
mir brauchen nur mit einer oerbreifaebten Seoölferung 
öu rechnen. Siefe 3 fl blen, troefene 3 a ^ n nur / & es 
beuten ßuft, ßicf)t, 5Balb unb SBaffer. So bürfen 
mir nach bem Sorbilb bes Sri£*©enamerfcben ^ßrojefts 
mit ben SGBorten fd)liegen: 

Stögen bie oerfebiebenen Sorfcbläge unb 3been 
bureb ihre einftige Ausführung beitragen 3 um meiteren 
SBacbfen, Slüben unb ©ebenen oon ©roß Berlin! 

coo 

Der #ant>fujj. 

Klauberei oon 5). ©. o. Stein egg. 

Unter ben oerfebiebenen Kugarten fpielt ber #anb* 
fug eine gana eigenartige Solle, er ift fo 3 ufagen als 
fabrenber ©efelle au uns ins ßanb gefommen. 

Aber febon allein, bag biefe Sitte oon Dften nach 
2Beften roanberte, ift benen, bie alles Sgaantinifcbe ftol 3 
oermerfen, ©runb genug 3 U ber Sorge, fie tonnten 
ficb fflaoifcber Untermürfigfeit fcbulbig machen, follten 
fie eine #anb, fei fie auch noch fo febön, aum Kuß 
an ihre ßippen führen. 

3n biefen Siebenten offenbart ficb öas Qanae ©e* 
heimnis bes #anbfuffes — ber als gläubiger ^riefter 
ber Schönheit, als Dritter, Kobolb ober 3ntrigant, ja 
fcblieglicb auch als ßafai oerfleibet aufautreten oermag, 
fommt es boeb gan 3 auf bie Segleitumftänbe an, bie 
biefe Simonie entmeber 3 U einer feierlichen ^anblung 
erheben fönnen ober fie 3 U einer garte begrabieren. 

Kann es etmas Komifcheres geben als bas flüchtige 
Abgetüffe ber bargereiebten #anb einer gütigen ©aft* 
geberin bei beginn einer ©ejellfcbaft, nach überftanbe* 
nem Stahl ober aum Schlug ber geftioität? 

©ana befonbers erheiternb roirft biefes „Sanfopfer 
in Leihen" auf ben füllen Seobacbter, ber abmartenb 
aufieht, mie bie oerfebiebenen Schnurrbärte faft immer 
bie gleiche Stelle auf bem fcbmalen #anbrücfen ab* 
bürften, unb um fo mehr oergnüglich, falls ber febaben* 
frohe 3 ufcbauer noch babei bebenft, mie bie fonft fo 
gefürchteten Saaillen bto mahre Serbrüberungsorgien 
feiern! Söenn bann bie Seihe an einen SBeifen fommt, 
ber oorfiebtig feinen eigenen Säumen fügt, fo erreicht 
bie Sßoffe plöglicb ben #öbepunft — oielleicbt aber auch 
ihren Abfcblug. Sei berartigen Staffenfunbgebungen 
ift ber ^anbfug eine Unfitte, bie böcbftens noch bureb 
ben Unfug einer Kugfpenbe auf eine bebanbfebubte #anb 
überboten merben fann. ©s finb bies in ber Hat 
fonoentionelle ©ebanfenlofigfeiten, bie ber ©infebränfung 
bringenb bebürfen. 

Sßas oermag bagegen ein mürbiger i)anbfug unb 
bie bolbe ©emährung ber i)anb au biefer ^Berührung 
nicht alles ausaubrüefen! Schon mie man bie #anb 


ber Same ^ebt unb biefes aarte anatomifebe ©e* 
bilbe an feine empfinbfamen ßippen führt, fagt mehr, 
als Sßorte es oermöcbten, unb mie pian ficb bann über 
bie febneeig febimmernbe gläcbe beugt unb ben Kug 
bureb einen innigen Srucf ber #anb noch au unter* 
ftreidjen fuebt, fann bas nicht eine ganae Sfala oon 
©efühlen ber ^Beteiligten umfaffen unb auslöfen? 2Bas 
aber bas febönfte babei ift, menn biefe 3 *uben aart 
gegeben mürben, offenbaren fie ficb auch nur öen beiben, 
beren Sulfe l)\ev aucfenB aufammenfcblagen. ©s lägt 
ficb eben mit einem fjanbfug ptebr anbeuten als mit 
allen anberen Sucbftaben bes geheimen ßiebes*Abc 
aufammengenommen, ben Stunbfug einbegriffen. 

Sen Steifnacfigen foll gern augegeben merben, bag 
ber #anbfug, ift er feine ßift, ftets als 3 *i<ben frei* 
milliger Unterorbnung gilt, fei es auch aus innigfter 
i)eraensneigung ober glücfftrahlenber Sanfbarfeit; 
beshalb hoben auch barbarifebe Sölfer, bie bem SBetb 
eine ©leicbberecbtigung nicht auerfennen, ben £>anbfug 
ber ßiebe nicht. 3bnen bleibt ber Kug auf bie #anb 
ftets ber Ausbrucf oollfter Seootion, ben mir in oer* 
feinerter gorm annahmen, mäbrenb er oon Orientalen 
unb manchen flamifcben Solfsftämmen in ber urfprüng* 
lieben, ben ©eher erniebrigenben SBeife beibehalten 
mürbe. Suffifcbe Samen erroibern ben ijanbfug eines 
Herren mit einem Kug auf bie Stirn, menn fie bem 
Kaoalier, fei es aus oenoanbtfchaftlicben ober fonftigen 
©rünben, eine Zuneigung beaeugen bürfen. #ier möge 
auch ber unmürbige fjanbfug oon Stännern unter ficb 
flüchtig geftreift merben, ber feine milbefte gaffung 
in ber üblichen Sebemenbung füböftlicber Nationen 
finbet: „Küg bie 5)anb, ©uer ©naben!" ©ine Gebens* 
art, bie, je öftlicber man fommt, um fo rafeber in bie 
Xat umgefegt mirb — je reicher nämlich bie Xrinf* 
gelber fliegen. 

SBenn man ben i)anbfug nun auch allgemein für 
einen orientalifeben brauch hält/ ber ficb bureb bas 
Oftrömertum oerbreitete, fo mirb feine #erfunft ameifel* 
haft> bebenft man, bag ©ortea biefe Sitte auch bei ben 
Aatefen oorfanb. Urfprünglicb mar ber ©anbfug jeben* 
falls aunächft mohl nur eine religiöfe ^anblung, bie 
baraus entftanb, bag man an Stelle ber unfiebtbaren 
©ötter, beren gütige $)änbe man nicht au füffen oer* 
mochte, ficb fclbft bie i)anb fügte; oiel fpäter erft gab 
man als Sgmbol ber Verehrung ben ^anbfug bem 
^ßriefter. So mürbe einft bem Sei au Sabel gebulbigt, 
unb ber oerameifelte ^iob ruft aus, um ficb won bem 
Serbacbt bes ©ögenbienftes 3 U reinigen: „5)at ficb 
mein 5)era heimlich bereben laffen, bag meine #anb 
meinen Stunb füffe?" 

Auch bem Stolocb/ bem man befanntlicb Kinber 
opferte, beaeugte man bureb ^anbfug ©hrerbietung. 
2Bir finben bann biefe Sitte als religiöfe Zeremonie 
bei ben ©riechen; fo foll unter anberen Semofthenes, 
menn auch oielleicbt nur aus ßift, bie ^plbigung oor 
einer©ottheit mitte(si)anbfuffes gefannt unb angemenbet 
haben. Son ben Seltenen übernahmen bann bie Körner 
ben Srauch; beifpielsmeife nennt bei ihnen Apulejus 
einen 3 *ügenoffen ©ottesleugner, meil biefer es unter* 
lieg, bie #anb aum Kug au erheben, mährenb er an 
einem ÜCempel oorüberging. Speaiell ben halben 
©öttinnen Senus unb St 9 <be hnlbigte man babureb, 
bag man bie eigene rechte i)anb fügte, mäbrenb man 
ben linfen 3 *iö*fmger au f Spige bes rechten 
erhobenen Saumes legte. Sa ber fjanbfug bemnacb 
bei ben Reiben als Symbol häcbfter religiöfer Ser* 


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Sette 562. 


Kummer 14. 


eßrung galt, fo ift es nicht 311 oerrounbern, baß er fich 
in ber golge auch auf bas (Efjriftentum übertrug, ber¬ 
geftalt, baß fich bis 95ifd)öfe oom nieberen Klerus bei 
feierlichen Gelegenheiten ben 5)anbfuß geben ließen. 
Srijon 3ur 3 e ü bes niaäifchen Konails mürbe biefer 
Brauch als althergebracht angefehen unb beibehalten, 
bie proteftantifche Kirche nermarf bann biefe Sitte. 

Daß ber $)anbfuß neben feiner Antoenbung als 
Sgmbol ber Bereßrung in reiigiöfer Bebeutung aber 
auch 3« aden roeltlicher brauch mar, fann nach 

ben oielen Daten, bie h^roon auf uns tarnen, taum 
3meifelbaft fein. Schon bei Corner finben mir einen 
Betoeis, füßte hoch Sßriamus Acßids #änbe, um 
S)e ftors fieiche 3U erlangen, unb es mirb uns ferner 
aus bem alten dtom berichtet, baß bort jeber Unfreie 
bie S)anb bes freien füffen mußte, ja auch Solbaten 
pflegten ihre ©h^btetung burch i)anbfuß aus3ubrücfen. 
So tüßten ade Krieger Gatos ßanb, als biefer oon 
ber güßrung bes feeres 3urücftrat, unb 3ur $e\t, als 
bie Konfuln auf bem ©ipfel ihrer dJtacht angelangt 
maren, hielten es felbft freie dtömer für mürbig, bie 
i)anb eines ^ßrätors 3U tüffen. Diefe felbftgemallte 
Demütigung mürbe bann in eine nicht gan3 fo frei* 
millige gorm umgeftaltet, bie man noch heute „aum 
fjanbfuß jugelaffen merben" nennt, eine Zeremonie, 
bie fich oon SRom über bie (üböftlichen Staaten bes 
Kontinents an ben fpanifchen ßof oerpflanjte, mofelbft 
befanntlich noch heute bie ©ranben bei feierlichen Ge¬ 
legenheiten in großer ©ala aum i)anbfuß befohlen 
merben. Grft oon Spanien tarn bie Soffitte bes 5)anb- 
tuffes nach granfreicß unb oon bort um bie dftitte bes 
XVII. gahrßunberts an bie übrigen europäifchen #öfe. 

dtocß immer in mechfelnber ©emanbung roanbelt 
ber 5)anbfuß als gaßrenber meiter, balb Kobolb, halb 
Bitter, ber bei uns fchon 3ur Seit ber Atinnefänger 
heimifch in beutfchen ©auen merben mollte, bann 
mieber fcheinbar oerfchmanb, hoch, heimlich gehegt oon 
Siebenten, bei frommer $)eraensminne noch heute unb 
immerbar fgmbolifcß ber Angebeteten bie höchfte $)ul- 
bigung ermeift. 


Unsere ©Clöer 


Der neue Aegus Aegefti (Abb. 8 . 563). Aus Abeffinien 
fommt bie Aachricht nach (Europa, baß bas fo oft Behauptete, 
fo oft Dementierte nun Tatfacße gemorben ift: Die Sügel ber 
Aegierung finb aus ben 5)änben bes fterbenben Alenelif in bie 
feines jugenbiichen Gnfels unb befignierten Thronfolgers fiibj 
3eaffu übergegangen. Der neue Kaifer bes ewigen autocßtßonen 
Gßriftenreicßes in Afrifa ift ein Sohn bes Aas Alifael oon 
SBollo (ber bie Aegentfcßaft übernehmen bürfte) unb oon 
Alenelifs Tochter Scßobgarfdj. Gr ift im 3aßre 1896 geboren, 
3 um Thronerben ließ ihn fein Großoater 1908 beftimmen. 
w 

Diplomatifcße Aeifen (Abb. S. 564, 565, 567). Dftern 
ift bie 3eit ber Bergnügungsreifen; in biefem 3aßr aber hat 
eine An 3 ahl oon Aeifen ftattgefunben, bie man nicht nur als 
feiertägliche ßuftpartien be ( 3 eicßnen lann. So traf Aeichsfan^ler 
oon Betßmann i)ollmeg fur 3 001 Dftern in Aom ein, um fich 
bem ^errfcßer unb ber Aegierung bes befreunbeten Aeicßes 
oor^uftellen. Aatürlich fanb er neben ben offifliellen Befudjen 
unb Empfängen auch 3 eit gur Beficßtigung ber unoergäng* 
ließen alten BSaßrseicßen Aoms. — $)o<hpolitifcße Aeifen haben 
auch bie beiben Könige ber größeren flatoifcßen Balfanreuße 
unternommen. 3 Q r gerbinanb oon Bulgarien fam mirifeiner 
©emahlin nach Konftanttnopel. Sultan Aleßmeb empfing ben 
5 )err[d;er bes bis oor einem Jahr noch oon ber Türfei ab¬ 
hängigen Aeicßcs mit ben höcßften föniglicßen Gßren. — (Ein 
nicßt minber ehrenber Empfang mürbeKönig Beter oon Serbien 
bei feinem Befucß am rujfiftßen #of 3 uteil. 


gürftlicßfeiten im Süben (Abb. 6 . 568). Die Saifon 
in ben großen grembenaentren Sübfrantreicßs geht ihrem 
Gnbe entgegen. Troßbem meilen auch noch Alitglteber ber 
höchften ©efellfchaftsfreife im Süben. Die Göte b’Aaur be¬ 
herbergt König Guftao oon Scßroeben, ber hier nad) feiner 
gefährlichen Blinbbarmoperation (Erholung fueßt unb finbet. 
Unter ben fürftlicßen Befucßem oon Btarriß beßnbet flcß 
Königin Amalie oon Portugal, bie 2Bitme bes unglücflicßen 
Königs Don (Earlos. & 

Der neue beutfeße Botfcßafter in Alabrtii (Abb. 
S. 568). ? 5 rin 3 Atay oon Aatibor unb Goroeg hat feinen 
neuen Botfcßafterpoften oor einigen Tagen angetreten unb 
fieß 3 unäcßft bem $)o\ unb ber Aegierung oorgeftedt. Der 
Brina fommt aus ßiffabon, fennt alfo bie politifcßen Ber- 
ßältniffe auf ber iberifeßen 5)albtnfel. 

Das Daeanograpßifcße Alufeum in Alonte Garlo 
(Abb. S. 564), bas prächtige Snftitut, in bem ber fürftfleße 
(Beleßrte Albert I. bie unfcßäßbaren Aefultate einer langjähri¬ 
gen unb eifrigen gorfeßerarbeit niebergelegt, mürbe am 29. Atara 
feierlicßft eröffnet. Die Atonarcßen Guropas, bie biefer ©rün- 
bung oiel Ontereffe gefeßenft haben, erhielten eine feßöne golbene 
Grinnerungsplafette. ^ 

Die japanifeß-britifeße Ausftellung (Abb. S. 569), 
bie oom 1. Aiai bis 31. Dftober auf bem (Selänbe au 6 ßep* 
ßerbs Aufh in ßonbon tagen mirb, fod ben (Englänbem 
ermöglichen, fieß einen Begriff oon ber Kultur unb Kunft 
3apans unb feiner Aebenlänber ju bilben. 

« 

Ojforb-r-Gambribge (Abb. 8 . 570). Das große grüß* 
lings-Sportereignis ift mieber einmal 0 orbei. fiieber, 3 um 
36. Atale, ßat bie Acßtermannfcßaft ber Unioerfität D^forb ben 
Sieg über ißre Gambribger Gegner errungen. 

b 

Die Große Berliner Kunftausftellung 1910 (Abb. 
8 . 570). Unfer Bilb aeigt bie aus AMtaliebern bes Bereins 
Berliner Künftler unb ber Königlichen Afabemie gemäßlte 3 urg 
bei ißrer Arbeit. w 

Berfonalien (Abb. 8 . 565, 566). BMr bringen biesmal 
unfern ßefern bas Bilb ber Brinaefftn Auguft SBUßelm 
oon Braßen, eine moßlgetroffene, gana neue Aufnahme. — 
Die grauenflinif ber Berliner Unioerfität hat in bem berühm¬ 
ten Gijnäfologen Geßeimrat Grnft Bumm (bisher ßeiter ber 
Ggnafologifcßen Abteilung ber Berliner Gharitä) einen neuen 
Direftor erhalten. — Am 31. Aiära beging ber Gf)ef bes Ab- 
miralftabs ber Alarme Abmiral Ataj oon gifcßel feinen 60. 
Geburtstag. Der allgemein beliebte, hoch D e r biente bemann 
mürbe an feinem Gßrentag fehr gefeiert. — General b. 3nf. 
oon #augmiß, ber neuernannte Generalinfpefteur bes Atilltär- 
Graießungs- unb »Btlbungsmefens, hat feine Befähigung au biefem 
Boften in einer mehrjährigen Tätigfeit als Kommanbeur ber 
^auptfabettenanftalt erroiefen. — Der Dftobrift Aleyanber Gutfcß- 
foff, ben bie ruffifeße Aeicßsbuma 3 U ißrem B^äfibenten gemählt 
ßat, fteßt auf bem linfen glügel feiner Bartei, genießt aber 
boeß nicßt bas Bertrauen ber rabifalen Oppofition. — An Stede 
bes 3 um ginansminifter ernannten Dr. Braun erhielt ber bis¬ 
herige Brooin 3 ialbireftor *>on Aßeinßeffen greißerr oon 5)om- 
bergf 3 U Bacß bas Amt bes ßeffifeßen Atinifters bes 3nnem. 
— Am 21. Atära, alfo oier Atonate oor feinem faiferlicben 
5)errn unb greunbe, feierte g32tt- griebrieß Graf Becf, Der 
langjährige Gßef bes öfterreicßifchen ©eneralftabs, jeßt Kapitän 
ber Arcierenleibgarbe, feinen 80. Geburtstag. 



Dieüoten öer^BocbcB 



General Geslin be Bourgogne, befannler franaöfifeßer 
Aeitergeneral, t In Baris im 63. fiebensjaßr. 

General ber Kaoallerie ßubmlg oon 5)artrott, t in Baden- 
ftebt a. ^ara am 26. Atära im 82. ßebensjahr. 

Gbouarb G 0 1 0 n n e, befannter franaöfifeßer Drcßefterbirigent, 
t in Baris am 28. Atär .3 im Alter oon 72 3aßren. 

Brof. Dr. ßubroig Delsner, f in granffurt a. Al. am 
26. Alära im 79. ßebensjaßr. 

Gugen Alelcßior Bicomte be Bogü 6 , bebeutenber fron» 
3 Öfifcber Scßriftfteller unb 5)tftorifer, t in Baris am 24. Alär.j 
im Alter oon 61 3 aßren. 


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Original frnm 

UNIVERSUM OF IOWA 




Kummer 14. 


Seite 563. 


2Mlöer pom!Ia 9 e|^§§§g 


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©er neue fjertfdjet: Cibj 3eaffu, (Enfel 2Ttenelif5 EL 

3um Xfjrontöedjfel in 2lbe[jinien. 


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JNIVERS1TY OF IOWA 






















Seite 564. 


Kummer 14. 



(fr i nncru n qsp la fette in (Bolb für b i e bei 5er $eier oertretenen Souoeränc. 

3ur feierlichen (Eröffnung bes Ojeanograpblfdjen TTlufeums in Zllonfe (Eario. 



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UNIVERSITY OF IOWA 































Hummer 14. 


Seite 565. 





Don ber 3fa(ienreifc bes Beid)sfan 3 (ers: f)err ü. Betymann f)oUn>eg (X) auf bem Jorum Homanum. 



(bei). Bleb.-Hat JJrof. Br. (fcrnff Bumm, 

bcr neue ©ireftor ber ©erliner Unioerfitäte* 
ftrauenflinif. 



ttbmiral o. Jifdjel, 

(£tKt bes 2lbmiralftabe5 ber Marine, feierte feinen 
60. (Bcburtstag. 


41 




sfrl *- • 



& 


yiioi. 

2ird>lteft Hermann 3anfen, » xabrn. 

erhielt bie ijälfte bes erften unb 30 >eiten jßreifes im 
5Bettberocrb um bie Bebauung fflrofo’Berllns. 


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Original ffom 

UNIVERSITY OF IOWA 















Seite 566. 


ÜJtuminer 14. 



(Beneral b.3nfanferie o. $augtpi(j, 

Der neue ©eneral* 3nfpcfteur bes ÜHilitär» 
ßrjietjung^ unb Silbungsroefen». 



V. 






$üot. Cbarlrt Ccollt, ©icn. 

Jriebdd) (Braf o. Betf, 

gelbaeugmeifter unb ftapitän ber freieren 
lelbgarbe, feierte feinen 80. ©eburtstag. 


Jrau pruyefjin 21uguft BJUfjelm von jJteuf}etu 

tReuefte 5tufno^me oon S)ofpf>ot. 6eüe & Jhin3*9Neberaftrot$. 


Googl 


Original fro-m 

LJNIVERSITY OF IOWA 


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Tlummer 14 


Sette 567. 



ler Jlönig Bieter. 

Dom Befud) ftönig JJefers oon Serbien am ruffifdyen ftaiferßof: Begrüßung in 3<»fsfoje Selo. 

$ßot d. d. be f)afjn & do 


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UNIVERSITY OF IOWA 






Seite 568. 


stummer 14. 



Der neue beutfd)e Botfdjaffec in fllabrib JJrin 3 21la£ oon Batibor (X) begibt fi d) $uv Bntritfsaubien 3 bei ftönig Alfons. 



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Original frorn 

UNIVERSITY OF IOWA 













































'Jhuniner 14. 


Seite 5C9. 



K 


K 




(Eine japanifdj-britifdje KusfteUung in Conbon: 

3apanijd)e ftanbroerfer bei ben 93orbereitungsarbeiten 


1. Der japanifdje Sdjreincr 

2. 5)olafd)niöereien. 

3. Das ^3flanjjen japani|d)er 3rocrgbäumc 

4. Seim Sau eines Tempels. 


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Nummer 14. 


Sexte 571. 


Die Sonne oon St. JDoritz. 


Roman non 

Paul Oskar ßöcker. 

11. Srortfefcung. 


■ Sas Silb mar unuergleicßlicß. 3n italienifeßem 5Eief* 
blau roölbte flc^ bie große fjimmelsglocfe über ber f)ocß* 
gebirgslanbfcßaft. 3m unberührten Neufcßnee lagen 
auch bie Sorberge ba, bie ben Xalfeffel umrahmten, fie 
erfchienen baburch noch muchtiger, bebeutenber. 2luf 
bem ©ee mar in einem riefigen Doal bie Nennftrecfe 
freigefeßaufelt. 3n foppelartigen Serfcßlägen hinter 
ben Sribünen führte man bie bampfenben ^Jferbe im 
Schnee auf unb nieber. Xroßbem bas Sßermometer 
noch immer aeßn ©rab unter Null aeigte, empfanb man 
auch nicht bie ©pur oon teilte. 2öo bie Sonne lag — 
unb fie brannte jeßt auf gana ©t. SNoriß unb ber feßnee* 
bebeeften ©eenfette, fo meit fie au überfehen mar — 
hatte bie Guft etmas SBoßliges. Sie $ufcßauer entlebig* 
ten fich baib ber ^el^e unb SNäntel. Sie Tribünen 
maren nicht nur mit 2öintergäften ber Rotels oon 
©t. ÜNoriß befeßt, fonbern auch mit aaßlreicßen ©in* 
ßeimifeßen. Ser Nacßmittagaug hatte foeben noch 3u* 
flauer aus ben ferneren Nachbarorten, fogar aus 
Saoos unb ©hur gebracht. Ser Serfeßr amifeßen bem 
©attelplaß, ben mit rotem Such ausgefcßlagenen Sribü* 
nen, ber ©chiebsrichterloge unb bem Sotalifator mar 
immer lebhafter gemorben. Sie Siufiffapelle am ©tart 
fpielte ein ©tücf ums anbere unb gab für jeben ©ieger 
einen Sufcß. 

Sie Spannung ber ©inheimifchen galt ßauptfäcßlich 
ben Srcbrennen. Sie SBinterfurgäfte intereffierten fich 
mehr für bas ©fitjöring. 

Gore hatte 9Nr. dibble oerfprechen müffen, mit hin* 
unter aum ©attelplaß au fommen, um fi<ß bas luftige 
Sreiben im Schnee anaufeßen. 

©r hatte fich für bas erfte ©firennen hinter bem 
Sferb gemelbet unb führte einen gutlaufenben gueßs, 
mit bem aufammen er in ben leßten SBocßen oiel trainiert 
hatte, ©ine große Schar oon Sefannten umringte ihn. 
©eine bürre, langaufgefcßoffene ©eftalt bot in bem 
Slnaug aus glattem, gelblich weißem Such mit ben hoch 
über bie $?nie hinaufreichenben ©amafchen ein pußiges 
Silb. Ser marme 2ltem bes ^Pferbes bilbete Naußreif 
auf feinem i)aar, bas er unbebeeft ließ, unb in feinen 
Slugenbrauen. Sie Samen mußten ihm oerfprechen, 
auf feine Nummer am Sotalifator au feßen. Sie ©tim* 
mung mar luftig, unb auch Sore, bie feit ber abenteuer* 
liehen ©fifaßrt oom i)aßnenfee ihren Sefannten feltfam 
einfilbig, matt unb in fich geteert oorgefommen mar, 
4 jing mieber mehr aus fich heraus. 

Äamerlanber freute fich feßon auf bie großen Sob* 
fleighrennen in ber fommenben 2öocße. Ser ^ferbe* 
geruch regte ihn auf. ©r hielt es fo als untätiger 3u* 
flauer nicht aus unb gönnte bem Slmerifaner bas all* 
gemeine 3ntereffe nicht. „Sllsbann — mann mir nur 


auch fo feßönes 2Better ermifeßen mie heutr gortgefeßt 
ftapfte er amifeßen ben Sribünen unb ßogen unb bem 
©attelplaß hin unb her bureß ben Schnee. 

Unter ben ©ßrengäften in ber ftattlicßen ßoge neben 
bem 3lel befanb fieß in oorberfter Neiße ber ©raßeraog, 
ber bas Sroteftorat ber Nennen bereitmilüg über* 
nemmen hatte, ©r mar mit gamilie unb ©efolge er* 
feßienen. SNeßrmals minfte er ben Saron ftamerlanber 
3 u fieß heran, ber'ißm über allerlei fportlicße Singe Nus* 
funft geben mußte, ©r hatte oor bem großen Schnee* 
fall ein paar übungsfaßrten bes Sob „©oleil" mit an* 
gefeßen unb fragte nach ben Slusficßten beim Nennern 

SBäßrenb einer $au[e tarn Ramerlanber au ber 
Sribüne herüber, in ber 2öillemintje unb ©enamer faßen. 

„Geutln," fagte er jooial, ,,icß benf, meine #oßeit 
mirb fieß bie ganae ÜNannfcßaft oom ,©oleil' oorfüßren 
taffen, in gretßeit breffiert. Sas gnä' gräulein ift ja 
feßon oorg’ftellt —fehlen noch ber #err ©roll, ber #err 
Nibble unb Sie, ©enamer. Sa machen ©’ Nugen, lieber 
greunb, mas? 3ä, alfo mir finb angeneßm aufgefallen 
neulich. 3eßt tun Sie fieß bloß ein biffel nach ben anbern 
um, ©enamer, bamit baß mir marfeßbereit finb ßernaeß, 
mann bie $)oßeit befiehlt. Sitt feßön. 3a?" 

Nafcß mar er mieber baoon, in ber Nicßtung auf ben 
©attelplaß au, mo er Gore auleßt gefeßen hatte, um auch 
fie au inftruieren. 

SMllemintje unb ©enamer faßen inmitten oon ftoef* 
fremben ©äften, bie fein SBort Seutfcß oerftanben, mie 
fieß aus oerfeßiebenen fragen ergeben hatte, ©s maren 
Numänier aus Saoos unb Nrofa: Ser Geutnant hatte 
bem bemeglicßen Nennreiter, ber heute mieber einmal 
ben „i)ans Sampf in allen ©affen" fpielte, faum ge* 
antmortet. Siefernft mar er gemorben. Sas ©efpräcß 
mit SMllemintje ßatte eine feltfame Söenbung ge* 
nommen. Sie flimmerten fieß beibe längft nießt meßr 
um ißre Umgebung. 

Sis aum heutigen Sage mar es amifeßen ißnen nie 
über einen liebensmürbigen Neefton hinausgegangen. 
SBillemintje ßatte ben Geutnant moßl um einen ©rab 
famerabfcßaftlicßer beßanbelt als bie anbern — aller* 
bings aueß meniger ßöflicß. ©r ßatte ficß’s gern gefallen 
laffen, meil er fie in ißrer erfrifeßenben Offenheit gana 
allerliebft fanb. ©eine gelegentlichen Giebeserflärungen, 
bie freilich auch immer fo übermütig gehalten maren, 
baß man fie nießt ernft au nehmen brauchte, ßatte fie 
ftets mit überlegenem $)umor oon fich cibgelenft. 

„5öen lieben Sie nun eigentlich oon uns beiben am 
aHeroeraeßrenbften im ©runbe 3ßres feßmaraen 5}er* 
aens?" ßatte fie ißn erft füralicß gefragt. 

„SBürbe icß 3ßnen beiben fo ben S)o\ machen, menn 
icß bas müßte?" gab er ba lacßenb aurücf. 


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Copyright 1910 by Augitst Scherl 0. m. b. H. Berlin. 


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Seite 572. 


stummer 14. 


#eute traf fich’s einmal befonbers günftig: er fonnte 
ihr b*cr auf ber Xribüne nicht fo leicht ausweichen. Da 
wufd) fie ihm benn grünblich ben Äopf. 3n ben langen, 
einfamen ßiegeaeiten l>atte fie über ihn unb über ßores 
ganaes übrige „©efolge" uiel nachgebacht. 2luch über 
ficf> unb ßore felbft. 

„Über mein Vorleben' hat 3hnen boch ®53 e ö en 3 
gelbem genug geflatfcht", fagte er mit einem melancho* 
lifcßen ßächeln, „ober etwa nicht?" 

,,©s brauste mich niemanb über einjelne ©reuet* 
taten oon 3hnen au unterrichten, ©enamer. 6ie oer* 
raten 3bren grenaenlofen fieichtfinn ja auf Schritt unb 
Xritt. Denfen Sie bloß an bie btmmltfd)en helfen, bie 
Sie mir immer gebracht haben. ©tücf für Stücf ein 
gränfli." 

©r niefte. „3ch 3« retten ift hoch nichts mehr. 
— Unb ba haben Sie fich wirtlich nicht einmal bie Stühe 
genommen, ©rfunbigungen in ber ©arnifon über mi<h 
einauaiehen?" 

„Sßar bas noch nötig? Sie Serfchwenber! Das 
3abreseinfommen eines brauen gamilienuaters haben 
Sie in Blumen für mich angelegt. Das fpricht boch 
Sänbe." 

„Sa, i<h fage 3hnen, Sie hätten oon ben Stanichäern 
baheim auch ein nettes Äonterfei uon mir gefriegt." 
©in Teilchen blieb er ftiH, immerhin boch ein toenig 
bebrüeft, iroß feiner luftigen Stiene. Dann fagte er: 
„SBiffen Sie, gräutein SBillemintje, Sie fmb bei ©ott 
bas erfte weibliche SBefen, uor bem ich richtigen Sefpeft 
habe." 

„D — ich m °g gar feine Sefpeftsperfon fein. 2öenn 
meine greunbin mich mal ,ihr ©ouuernantchen* nennt, 
bann biete ich ihr immer an, ihr bie 2lugen aus* 
aufraßen." 

„Selbft auf bie ©efahr hin — id> möcht, ich hatte 
Sie fchon immer im ßeben als mein ©ouoernantchen 
gehabt. Da war ich uor uielen Dummheiten bewahrt 
geblieben. Unb uor mancher ©nttäufchung." 

Sie fah ihn feft an. „Sor einer ber unangenehmften 
tuill ich <5ie ja eben betuahren." 

©r uerftanb fofort. Sie wollte nicht, baß er fich noch 
trgenbmelche Hoffnung auf ßores #era, ihre #anb — 
unb ihre Seicßtümer machte. 

©in feltfames ßöcheln fpielte um feine ßippen. ©r 
erroiberte feine Silbe, fchüttelte nur überlegen ben Äopf, 
lehnte fich 3 urücf unb pfiff leife bie Stelobie mit, bie bie 
Semtbahnfapelle foeben fpielte. „Dann fingen alle 
©ngelein: ©ott, wie finb bie brau!..." 

2l(s bas Stücf an ©nbe ging, härte man einen 
Sßiftolenfchufj. Der Starter hatte ihn unten auf ber 
Sahn abgegeben. Die uieraehn Sferbe, bie Sfifjöring 
laufen follten, nahmen bie ganae Sreite ber Sahn ein. 
Sis aur Sefunbe hatten bie auf Sfiern hinter ihnen 
harrenben gahrer bie ßügel feftgehalten. 3eßt gaben 
fie ein wenig nach, unb im Su fchoffen bie Sennpferbe 
über bie Startlinie hinaus. 2lber nur bie Hälfte fam 
in gute gahrt. Sier SfUäufer uerwicfelten fich f<h°n 
auf ber ©eraben, noch uor ben Tribünen, in bie langen 
ßeinen, brei weitere flogen bei ber erften großen Äurue 
aus ber Sahn, ein $ferb ftürate babei, bie beiben anbern 


jagten mitten im gelb herrenlos eine oolle Sunbe um 
ben See, bis bie SGBärter fie enblich einfingen. 

überall würben bie gerngläfer in Xätigfeit gefeßt, 
bas Summen auf ben Tribünen fchwoK an. 

„Str. Sibble ift 2lußenfeiter!" rief Stamerlanber nach 
ber erften Sunbe lachenb aur Xribüne hinauf. 

„Sein, nein, bort — ber aweite ift es!" ©s war 
ßores Stimme, bie heil bas fich fteigernbe Stimmgewirr 
übertönte. 

Unb nun erfannte auch SUliemintje bie ftreichhola* 
bürre ©eftalt hinter bem guchs. Säher unb näher rücfte 
ba brühen ber niefenbe Sferbefopf bem uorberen Sfi* 
läufer — nun fchob er fich neben ihn — unb jeßt er* 
reichte er bie glanfe bes Schimmels, ber bie gührung 
bes gelbes hatte. Der troefene Schnee ftäubte unter ben 
Sferbehufen unb ben Sfiern, fo bafj bie ßäufer in eine 
bichte weiße ^uberwolfe eingehüllt fchienen. 

Soch ein aweites Stal ging bas Sennen um bie ganae 
Sahn. Das iempo fteigerte fich, aber bas gelb blieb bas 
gleiche. Sur unter ben Sachaüglern traten ein paar 
Seränberungen ein: ber brittleßte ftürate unb gab bas 
Sennen auf, ber uorleßte mußte abftoppen, um nicht 
auf bas ^inbernis aufaurennen — ben Sorteil nahm 
ber leßte wahr, um in großer gahrt bie Äurue a u 
nehmen unb feinen Sorbermann au fchlagen. - ßbuter 
Seifall, ber uon ben Tribünen über bas ganae weite 
Schneefelb hallte, fpornte ihn an. Salb hatte er bie 
teere Strecfe überwunben unb flehte bicht hinter ben 
beiben gührern bes gelbes. 

„Der halt ihn noch! ftinber, gebt’s bloß acht, ber 
holt ihn noch!" rief itamerlanber fchabenfroh- 

2lber für bie leßte ©erabe hatte fich ®ibble 
einen gewaltigen Sorftoß aufgefpart, währenb ber Sft* 
läufer hinter bem Schimmel uom Sufen unb Sfnfeuem 
fchon ausgepumpt war. Durch gleichmäßiges furaes 
ßoefern ber 3ügel brachte Str. Sibble feinen guchs in 
mehreren Sorftößen an bie Spiße bes gelbes neben 
ben Schimmel 

Die (eßten hunbert Steter liefen fie noch parallel. 
2lber fura uor bem 3iei locferte ber 2lmerifaner, ber 
faum einen Schritt weit uon ber i)interhanb feines 
gueßfes entfernt blieb, noch einmal bie 3ügel, bas ®ferb 
legte fich nach uom, um wieber 2lnlehnung au finben, 
unb in biefer Sefunbe fchoß es um Kopflänge über ben 
Schimmel hinaus. 

...3ubel, Älatfchen, ©efchrei— 

Str. Sibble war Sieger, hatte ben ©hrenpreis unb 
würbe burch £ufch ausgeaeichnet. 

Sun mußte aud) ©enamer aum Sattelplaß, um au 
gratulieren. 

„ßeutln, feib S’ nun alle ba?" rief ftamerlanber. 
„2Bann ber Str. Sibble oorgeftellt wirb, aisbann fommt 
gleich unfere ganae Crew mit! — ©enamer, wo haben 
S’ ben Doftor gelaffen?" 

Der ßeutnant fah fich uerbußt um. „3a — ift er 
benn überhaupt hier unten?" 

„Schaffen S’ ihn aur Stell, ßiebfter, tot ober 
lebenbigl" 

ßore würbe gefragt. Sie hatte 2l$el ©roll auch f<h°n 
uermißt. „2luf bem Sattelplaß war er nicht. Siel* 


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UMIVERSITY OF IOWA 



Kummer 14. 


©eite 573. 


leidet ouf ber Tribüne? A<h, bitte, fragen Sie bocf> ein* 
mal SBillemintje, 5)err oon ©ensmer!" 

Roch beoor ber ßeutnant fid) in Rewegung gefefet 
hatte, rief fchon Äamerlanber mit feiner luftigen, hohen 
(Stimme im gemütlichen SÖBienerifd) über bie bid)tgefüll* 
ten Ränfe ber nädrften Xribüne hin: „Sie Crew oom 
Rob Soleil! Ritt fchön, ift oieHeicht ber #err Softor 
©roü aus Rreufeifd) s Rerlin sur Stell? — (Sr trete 
oor!" 

ftamertanber hatte oiel Anhänger, er mar wegen 
feines swanglofen Auftretens einer ber beliebteren 
^otelgäfte. Seine Refannten nahmen broben auf ben 
rotausgefchlagenen Ränfen ber Tribüne ben Ruf auf. 
Sie gremben, bie nicht Seutfch oerftanben, fragten neu* 
gierig, was ba los fei. ©s gab eine orbentliche Auf* 
regung, über bie fich Äamerlanber am meiften amü* 
fierte. So rollte bie UBelle, bie ©rolls tarnen weiter* 
trug, bis 3 U bem ©nbe ber erften Ranf, wo fich tJrau 
©ertie Seile mit ihren Refannten befanb. Sie mar 
f<hon längft beunruhigt über fein gernbleibem 

„Softor ©roll ift abgereift!" flang’s ba oon ber 
höchften Ranf gemächlich herunter. 

„Abgereift?!" ©ertie mar blifefchnell herumgefahren 
unb manbte bem Sprecher — es mar Rlgnheer oan 
3 oncfbloet — beftür^t bas ©efi<ht ju. 

3 n 3 mif<hen waren Äamerlanber unb ©ensmer her* 
angefommen. Sie wollten bie Nachricht nicht glauben. 
Äamerlanber fefete mit einem Sprung auf bie Xribüne 
unb ftieg, immer 3 mei Stufen auf einmal nehmenb, bis 
3 ur oberften Ranf hinauf. 

Syerr unb grau Vogelfang unb ber Rechtsanwalt 
3 Ra 9 r hatten gleich ber jungen SBitwe ihre Rläfee oer* 
laffen unb umringten ben #ollänber, ihn ausforfchenb. 

Ser suefte bie Achfel unb erflärte, er miffe es nur 
gan 3 3 ufällig. „3ch bin fein Rachbar, fchon immer wollt 
ich ein 3 meites 3 immer, unb eben jagte mir ber 5)otel* 
fetretär, mein Rachbar reifte ab, ich fönnte bas 3immer 
noch heute abenb besiehen." 

„Aber ba muß hoch ein 3rrtum oorliegen—" 

„Vielleicht, hanbelt fiefe’s um bas 3 immer auf ber 
anbern Seite?" 

„(Sr hat hoch geftern noch fein 3öort baoon gefagt?" 

„3ch bitt Sie um alles in ber 2Belt," rief Warner* 
lanber, „morgen bie ©reftafahrt — unb bie Rennen — 
er wirb hoch unfern Rob nicht im Stich laffen!" 

SBährenb 3oncfbloet noch ber jungen 2öitwe unb ben 
anbern 5)errfd>aften Rebe ftanb, eilte Sfamerlanber 3 um 
Sattelplafe surüd. 

„ 2 öas fagen S’ bloß b a 3 u, ©näbigfte? Unglaublich! 
Unerhört! — Unfer S)z rr Rremfer ftreift! 3ft Shtall 
unb gall ausgeriffen!" 

Als SBillemintje bie Rachricht oon ©en 3 mer hörte, 
fam fie eiliger, als ihr fchonungsbebürftiger gufe es 
ratfam erfcheinen liefe, bie Sreppe oon ihrem Sribünen* 
plafe in ben Schnee herunter. 3mifchen ber ßoge ber 
3urt) unb bem Sattelplafe gab es bann eine. 3 iemlich 
lebhafte Auseinanberfefeung. Auch Rtr. Ribble, ber 
in 3 wifchen aus ber #anb ber Roheit ben ©hrenpreis 
empfangen hatte unb mährenb biefes feierlichen Augen* 
bliefs mitfamt bem ungeheuren golbenen Rofal, ber 


weithin in ber Sonne blifete, oon un 3 ähligen ftobafs 
photographiert worben war, trat hersu. ©r war bei 
bem Rennen 3 iemlich nafe geworben, fein i)aar bampfte, 
SöiHemintje gab ihm beforgt ben roten ßobenmantel 
oon ßore um, mit bem fich bisher ©en 3 tner beloben 
hatte. 

Allgemeine Ratlofigfeit herrfchte. Ser Sieger fam 
gans unb gar um bie greube, fich non feiner Rlannfchaft 
als SRittelpunft gefeiert 3 U feljen. Core oergafe in ber 
©rregung überhaupt, ihm 3 U gratulieren. 

,,©s wirb eine Satarennachricht fein", fagte ©en 3 * 
mer. „Senn bas wäre ja unoerantwortlich — wo bie 
Robrennen oor ber Sür ftehen." 

„ 3 efet — ob oielleicht bie halben geffeln, bie ihn 
brüefen, bran fchulb finb?" fragte ^amerlanber, oer* 
fchmifet ein Auge sufneifenb. 

ßore 3 ucfte 3 ufammen. gaft böfe fah fie ihn an. 
Sann wanbte fie fich haftig oon ihm ab. Sas Rlut 
war ihr in bie Schläfen gefchoffen. 

„Aber ich bitt Sie ums Rimmels willen...." Warner* 
lanber war erfchrocfen über bie AHrfung feiner 2 Borte. 
©r fonnte inbes nicht umftänblich erflären, wie bie im 
Übermut hingeworfene Remerfung auf 3 ufaffen war, 
weil er's baburch nur noch fchlimmer gemacht hätte. 

SBitfemintje hatte ihren Arm in ben ihrer greunbin 
gelegt. SRit ber ßinfen fich auf ben Stocf ftüfeenb, 
wanberte fie neben ihr weiter, bie ©ruppe oerlaffenb. 
Sie wufete, wohin Äamerlanbers Anfpielung sielte, unb 
es war bei ihr fein 3 meifel, bafe ßore fie fich richtig 
gebeutet hatte. 

Sie brei Herren blieben in ftarfer Rerftimmung 
3 urücf. Äamerlanber berichtete nun, oerbriefelich über 
fich felbft, bem Sieger, ber fich fröftelnb in ben roten 
ÜRantel gewicfelt hatte unb fich unruhig umfah, über 
bie fatale Regegnung oon jenem ereignisreichen Abenb: 
bem Samenbefuch ihres gemeinfamen greunbes. 
Ratürlich hatte er fich ben Spafe gemacht, gräulein 
©nglhofer gegenüber etwas über bie pifante SGßahr* 
nehmung oerlauten 3 U laffen.... „ 3 ch fönnt mich ja 
jefet prügeln! 3 efe SRaria, aber wann fie ihn für einen 
^eiligen gehalten hat, bann folfs einen eh' nicht oer* 
briefeen!" 

Sie ganse greube am Rennen war ihnen burch ßores 
Rerftimmung oergangen. Sie fehrten 3 um $)otel 
3 urücf, faum ein paar hunbert SReter hinter ben beiben 
Samen. 

Reim ©rflimmen ber in ben Schnee gehauenen 
glatten Stufen, bie sum #otel emporführten, 30 g 
ffiitlemintje mübe ben gufe nach- „Ran müfet ihr hoch 
ein biffel beiftehn", meinte ber Raron, tief unglüdlich 
barüber, bafe er fo unoerfehens in Ungnabe gefallen 
war. 

Aber ©enstner hielt ihn am Rocfärmel feft. „ßaffen 
Sie bie Samen jefet lieber für fich- ©s fpielt ba was 
oiel ©rnfteres, als Sie ahnen." 

„Als ich ahne? Sie unfchulbsooller ©ngel Sie. ©r 
hat ihr bas Äöpfl oerbreht, gan 3 einfach- Ser Rflafter* 
fchmierer. Rafjafrieren fönnt ich ihn." 

„ 3 efet hat er 3 hnen ja bas gelb geräumt", fagte 
©ensmer mit einem leicht überlegenen ßächeln. 


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Kummer 14. 


__Geite 574.^ 

„SDtir? ©eßr gut. 2ßo bic Gnuuigfee fofort ßinter 
ißm breinjögt! Stein, ift es nießt, um aus ber #aut 3 u 
fahren?" 

„ 2 öoßin gefeit bie ßabies?" fragte SDtr. SSibble, ber 
ben Sieben nießt folgen fonnte. 

„Staeßfeßauen, ob ber 5)err ©roll aus $reußifeß=S3erlin 
fie mirfließ ßat auffißen laffen. Tja, man braucht nur 
ben ©proben ju fpielen. 2 Bas einer ßaben fann, maeßt 

ißn nießt ßeiß noeß fall, boeß nimmt man es ißm meg. 

3 eß, aJtaria unb 3 ofepß, icß ßab einen folgen 3 orn! 
Ser gan^e 2lufentßalt ift mir oerleibet! 2lm beften, icß 
parf mein 23ünbel jeßt aueß unb faßr nad) SBien surüef! 
Sas ift ja sum Starrifcßmerben basier!" 

©ie mären an ben ©eßneeftufen angelangt unb 
blieben ein paar 2lugenblide fteßen, um einen Trupp 
oerfpäteter 3 ufd)auer burcß 3 ulaffen. 

Sa feßob fieß, oom ©ee fommenb, ßaftig, faft rüef* 
fid)tslos, eine junge Same im meinen ©portbreß an 
ißnen oorbei unb eilte bie feßmale Treppe empor. Sie 
ißr Segegnenben mußten linfs unb reeßts in ben tiefen 
©eßnee treten, ©in bebrillter, siemließ beleibter i)err, 
offenbar ein Seutfeßer, ber bie ©llbogenfreißeit für eine 
Stationaleigentümließteit ©roßbritanniens ßielt, rief 
cßolerifd) ßinter ißr brein: „©eßt englifeß!" 

2 lber es mar feine englifeße SDtiß, mie er annaßm, 
fonbern bie junge „luftige 2Bitme" aus Berlin. 

„Sie ßat's ja aueß gar eilig," fpottete Äamerlanber, 
„baß fie ben #errn Ausreißer noeß attrappiert!" 

2luf ber leßten ©treefe 5Begs sum ijotel blieben fie 
einfilbig. (Sehmer mollte feine beiben ^Begleiter nießt 
in all bas einmeißen, morüber ißn feine Unterrebung 
mit Sßillemintje aufgeflärt ßatte. Senn bie ßofften ja 
beibe noeß in einem SBinfel ißres Wersens auf bie 
enbließe ©rßörung ißrer ftumm merbenben ^Bitten, 
©ensmer aber mußte jeßt, baß bas ,,©irl oom ?Bob 
©oleil" liebte — tief unglüefließ liebte. Unb baß für 
feine beiben ^Begleiter jebe Hoffnung ausgefcßloffen mar. 

3 n 3 mifcßen ßatte ßore, ißrer greunbin ooraus* 
eilenb, bie auf bem glatten SSoben nur langfam oon 
ber ©teile fam, bas Sjotelportat erreießt. 

©ie trat cßne meiteres in bas ©efretariat ein. 

„i)err Softor ©roll ift abgereift?" fragte fie. 

Ser $>otelfefretär gab 2lusfunft, gut exogen unb 
gan 3 gefeßäftsmäßig, oßne mit einem Söimpersuefen 
feine Steugierbe 3 U oerraten. 

Sie 2lbreife mar allerbings überrafeßenb gefommen; 
bas Zimmer fonnte aber fofort anbermeitig befeßt 
toerben. übrigens mar bas große ©epäcf noeß ßier* 
geblieben, ©rft oon untermegs aus mollte ijerr ©roll 
Staeßrießt geben, moßin es natßsufenben fei. 

„SBeleßen $ug ßat Jjerr ©roll benußt?" forf(ßte ßore 
meiter. ©ie gab fieß SJtüße, rußig unb überlegen 3 U 
bleiben, merfte aber, baß ißre ©timme unfießer flang. 

„Ser 5)err ift nießt mit ber ©ifenbaßn gefaßren. 
©r ßat bas 5)anbgepäef unb bie ©fier im fleinen 
©eßlitten mitgenommen. 3 d) glaube, er mollte naeß 
SDtaloja — oon bort eine ©fitour antreten. 2lber bas 
meiß gemiß unfer 5)err Sireftor beffer, mit bem ßat er 
noeß fur 3 oor ber 2 lbfaßrt gefproeßen. ©oll icß ißn 
rufen?" 


„Saufe." ßore manbte fid) rajeß 3 ur Tür. ©ie 
füßlte fid) flein unb befeßämt oor bem 5)otelangeftelitcn 

— fie mußte felbft nießt mesßalb. SQtit flüeßtigem Äopf* 
niefen trat fie auf ben glur ßinaus. 

93or bem ßift ftanb SBillemintje. ©ueßenb bliefte 
fie fieß um. ©ie hielt einen ®rief in ber f)anb. 2 lls 
fie ßore bemerfte, mies fie auf bie gäcßer, bie in ber 
feßräg gegeniiberliegenben !ßoftoffice, naeß 
nummern georbnet, bie ^ofteingänge ber ^otelgäfte 
entßielten. Ser Umfcßlag bes ^Briefes, ben ffiillemintje 
ber greunbin einßänbigte, mies feine SQtarfe auf; bas 
©cßreiben ftammte alfo aus bem f)otel. „ffiie’s feßeint 

— oon 2 T$el ©roll." 

ßore las nießt einmal bie 2 luffcßrift. ©ie mollte ben 
Srief fofort erbreeßen. 

21 ber ba tat fieß bie breite ©lastür bes Söinbfangs 
auf, unb grau ©eile erjeßien. 

©ie mar atemlos oom rafeßen ßaufen. 

gür eine ©efunbe brannte mieber SSlicf in &litf. 
Unb ber jungen grau entging aueß bas ©eßreiben nießt, 
bas ßore in ber i)anb ßielt. ©ine 2 lnmanblung oon 
©iferfueßt bureß 3 uefte fie. ©s mar, als mollte fie ßore 
erregt, friegerifcß geftimmt, anfpreeßen. 2 lber ßore 
ftanb unbemegließ unb maß fie falt, faft oerä(ßtlicß. SBe* 
unrußigt manbte fieß bie junge grau ab unb begab fieß 
3 ur Jßoftoffice. 5jier buefte fie fieß ein menig, um 
rafeßer ißr Srieffacß 3 U finben. ©s mar leer. 

Stocß einmal traf ißr U3licf bie Stebenbußlerin: ooU 
3 orniger fjerausforberung. Sann eilte fie ins Sjotel* 
bureau. 

Stun mußte ßore ben ©runb ißrer feltfamen 23e* 
feßämung oor bem ©efretär: fie bereute es, genau bie 
gleicßen gragen an ißn gerießtet 3 U ßaben, bie er nun 
oon biefer grau 3 U ßören befam. 

2 luf ißren ftummen SBinf öffnete ber ßiftpage bie 
gaßrftußltür. ©ine ßalbe SRinute fpäter ftanben fie in 
ißrem ©aton. 

Sie Tür unb bie beiben genfter maren meit geöffnet, 
©olben flutete bie ©onne ßerein. Surcß bie flare, fülle 
ßuft tönte oom ©ee ßer bas Stufen unb 2lpplaubieren 
ber Tribünengäfte. ©s fteigerte fid) jeßt noeß. Unb 
nun fiel ber Tufeß ber Stennbaßntapelle ein. 2luf ber 
großen $)otelterraffe, gerabe unter ßores 3 immerfiueßt, 
naßmen bie 3 ufcßauer, bie ba in bunten ©ruppen bas 
frößließe Stennbilb genoffen, bie Begrüßung bes ©iegers 
auf. 2 lufgeregt bebattierte man über ©inselßeiten ber 
ießten Stunbe. ©ine ©nglänberin oertünbete im ßöcß* 
ften Sisfant bas ©rgebnis, anbere beftritten bie Stkßtig* 
feit, man lacßte, rief, ungebulbig fueßten bie Sefißer 
oon gerngläfern bie 3Qßlcn 3 u ent 3 iffern, bie am Tota* 
lifator ßoeßgesogen mürben. Stufe ber ©nttäufeßung 
mürben laut. Saßinein mifeßte fieß ßelles ßaeßen. 

ßore naßm nießts oon ber Umgebung maßr. 3nbem 
fie auf ben SSalfon ßinaustrat, riß fie ben Sriefumfcßlag 
auf unb 30 g ben SSogen ßeraus. Saftig feßte fie fieß auf 
2 öillcmintjes ßiegeftußl unb las. Sabei mar fie fo er* 
regt, baß fie einseine ©äße überfprang, ben 3ufammen* 
ßang nießt erfaßte unb noeß einmal oon oom anfangen 
mußte. 

Staeßbem SBillemintje in ißrem abgelegt 


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Stummer 14. 


Seite 575. 


hatte — fie lieg fi<h mehr Seit als fonft — Juckte fie 
ihre greunbin braußen auf. ßore faß noch immer un* 
bemeglich ba. Sie mar meiß im ©efid)t. SBillemintje 
erfdjra! über tf>r 2 lusfehen. 

„Cin feltfamer, gan 3 feltfamer 2lbfchiebsbrief!.. ." 
fagte ßore ftocfenb unb !)ielt ihr bas SBCatt hin. 

SBiUemintje feßte fich neben fie unb las. Unb ßore 
las noch einmal mit. 

2 l£el ©roll gab für feine rafdje Slbreife feine äußeren 
Qrünbe an, fcßüßte auch nicht einmal ben Empfang oon 
irgenbmelchen üttachrtchten oor. 

.. Cs tut mir bitter mef), fdjeiben ju müffen, unb 
xd) fürchte, Sie merben ben manfelmütigen, unaus* 
geglichenen ©efellen, ben Sie fchon einmal ein SRätfel 
nannten, jeßt noch meniger oerftehen. Sie haben in ben 
leßten lagen gemiß ©inge über mich gehört, für bie 
Sie eine Crflärung hätten forbern müffen. ©enn bieje 
©erüchte mögen partes unb ©utes in 3 hn*n oerleßt 
haben. 

„©iefe Crflärung aber fann unb barf ich 3hnen 
nicht geben. Unb barum bin ich 3 um Slbfchiebnehmen 
ge 3 toungen. 

„ 3 ch bin aus einer fonnigen S)öhe mieber ins 
bunfelfte lal hmobge 3 errt morben. ©as ßeben in 
biefen liefen hot aber feinen Söert mehr für mich- 

„9tur bas eine barf ich Sh^en noch fagen, baß id) on 
meinem Sturs fo nicht fcßulbig bin, mie bie große 
UWenge es ohne meiteres annehmen muß. 

„93emahren Sie mir alfo ein leiblich gutes 2ln* 
benfen, gräulein ßore. Sie hoben mich m meinen 
gliicflichen 3 *iten unausftehlich gefunben. 2 lber mo bas 
Schicffal mich in bie Änie niebergeßmungen, mo es mich 
bes ßachens beraubt hotte, ba mar 3 hre S)er 3 ertsgüte 
hilfsbereit, ßaffen Sie mich barum noch einmal 3h rc 
$)anb nehmen unb fie füffen in inniger ©anfbarfeit. 
3h^m macferen SBillemintje meinen ©ruß. Sie ift 
fchon tüchtig in ber 2 Belt h eru mgefchlagen morben, 
fennt manche ßebensfrife unb meiß oielleicht aus ihrem 
erfahrenen, oft mißhanbelten S)er 3 en heraus 3 u erflären, 
mas anbern unerflärlich fcßeint. 93ielleicht mirb fie mein 
gürfprecßer bei 3hnen, menn Sie nur Äränfung 
empfinben, mo bas Äismet einen SSerirrten oerbannt. 

„2Rir bleibt bie (Erinnerung an biefe 3eiten, in benen 
bie Sonne oon St. ÜDtoriß mir Teilung bringen molite, 
lieb unb teuer bis 3 um leßten Stünblein. 


„fyaben Sie Danf, gräulein ßore — für bie Sonne! 

3 hr 2 l^el ©roll." 

... Sie blidten oon bem ernften Sdbfchiebsbrief auf 
unb ließen ben Slicf über bas herrliche ßanbfchaftsbilb 
fchmeifen. ©er Sbmmer über bem Schnee! ©as lachte, 
fchmafete, flirtete ba unten auf ber S)otelterraffe in ber 
marmen, golbenen Sonne, unb oom See her hoüten 
bie ©locfenfignale, bas aufgeregte IRufen ber Iribünen* 
gäfte, bas S)änbeflatfchen, bie fbiufif... ßebensluft unb 
Sportfreube überall— 

„Cs ift mir fo entfeßlich bang!" fiüfterte ßore. 

SBillemintje mar aufgeftanben unb h^ter fie ge* 
treten, lehnte ßores Sopf an fich unb tätfchelte ihre 
Söangen. „9Wein armes Äinb", fagte fie in mütter* 
lichem Ion. 

SBieber fchmiegen fie. Unb noch einmal hob ßore 
bas Schreiben, bas 3 erfnittert in ihrem Schoß lag, 
empor unb las. Sie erfannte bie Scßriftsüge nur 
noch unbeutlich, benn fie las jeßt burch einen Iränen* 
fchleier. 

„So jchreibt nicht einer, ber noch ein ßeben oor fich 
fteht. Söillemintje, fag, ift bas nicht erfchütternb? — 
2 öas mag er in biefen (eßten lagen ftill in fich burch« 
gefämpft hoben." Sie atmete tief unb fchmer. „Unb 
ich h°b ihn fallen laffen. ©eil ber Schein gegen ihn 
mar. 2 öeil uns ein Älatfch ins Ohr getufchelt morben 
ift. SÖBie ich Sfamerlanber jeßt hoffe!..." 

UBiHemintje entfann fich ihres ©efprächs mit @en 3 * 
mer. Cr hotte nicht mit bürren Söorten, aber hoch 
burch fein ganses Verhalten bie ftichtigfeit oon Warner* 
lanbers ©arftellung beftätigt. ©as fagte fie nun ßore. 
9tur um ihr flarsumachen, baß man fich in biefem 
Sßunft oon jebem 93ormurf frei fühlen burfte. „Cs hot 
uns hoch beibe nicht mehr losgelaffen, Äinb! 8 Bie follte 
man fich’s erflären? 9 Bas gab es ba für eine anbere 
©eutung als bie — bie einen empören mußte? !" 

ßore nicfte. Oie Iränen tropften auf bas ©latt. 
©od> bann las fie holblaut bie Stelle: baß ich on 

meinem Stur 3 fo nicht fcßulbig bin, mie bie große 
SWenge es ohne meiteres annehmen muß." Sie faßte 
mie bittenb nach Söillemintjes ijanb. ,, 5 d) fann ihn 
hoch nicht fo in bie SBelt hinausgehen laffen. 3<h würbe 
bas ja nie im ßeben oerminben. Unglücflid) ift er — 
oielleicht liegt** in meiner Straft, ihm 3 U h*lf*n—" 
(gortfeßung folgt.) 


Uom Jatbenfinn bet liete. 

93cm ©r. 9tbolf Stoelfdj. 


gür bie grage, ob liere bie garben fehen mie 
mir, unb auf melcßer Station bes ßebens 3 um erften* 
mal beutlich ein Unterfcheibungsoermögen für garben* 
merte 3 utage tritt, hoben fich 3 war fchon in ben acht* 
3 ehnhunbertfünf 3 iger Sohren ein paar gorfcher inter* 
effiert, aber erft, feit Cnbe bes oorigen 3oi)rhunberts 
bie Sßfgchologie in bie Dteihe ber Cyperimentalmiffen* 
fchaften eingetreten ift, ift es auch mit ben garben* 
ftubien einigermaßen oormärtsgegangen. ©abei finD 


teilmeife fehr merfmürbige ©inge h^ousgefommen, 
aber fie liegen größtenteils fo tief in gelehrten 3 ^ 1 * 
fchriften oergraben, baß ihnen ber ßaie moßl niemals 
begegnen mirb. 3 <h grabe baher einiges aus. 

3 unächft foll oon jenen ©efchöpfen bie tRebe fein, 
benen in gorm oon Slugen befonbere Organe 3 ur 2luf* 
nähme oon ßicht* unb garbeneinbrücfen 3 ur 93erfügung 
ftehen. 3 o unterft im lierreich fmb bas, menn man 
oon ein paar mit augenartigen Ißigmentflecfen ober 


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Seite 576. 


Kummer 14. 


auch richtigen Äugenbecßern ausgerüfteten Quallen, 
Stachelhäutern unb ©Bürmern abfießt, bie Strebfe unb 
bie* Onfeften. 

Die erften Werfucße mit Ärebfen rühren oon Sir 
3 ohn ßubbocf her, einem berühmten englifcßen 3 oologen. 
Äls Stubienobjefte benußte er bie unter bem Warnen 
©Bafferläufe ober ©Bafferflöße befannten ffeinen Süß* 
maf jerfrebscßen aus bem ©efcßlecßt ber Dapßniben, bie sur 
Sommerjeit in Scharen oon ©aufenben bie oberfläcßlicßften 
©Bafferfcßicßten unferer ©eiche beoölfern. ©leicß Wtufcßeln 
ftecfen fie in einer gtafig burcßficßtigen Schate, nur ber 
bicfe Stopf mit bem großen, oierecfigen Äuge unb ben 
langen, bicht bemimperten Wuberantennen gucft aus 
ber Schale heroor. Diefe ©iercßen haben fich als un* 
gemein farbenempfmbllcß ertoiejen. Um fid) baoon ju 
überseugen, genügt ein einfacher Werfucß. 2ftan nimmt 
einen ßöl 3 ernen ©rog, füllt ihn mit ©Baffer unb pro* 
fixiert oon oben her ein Sonnenfpeftrum barauf; ba* 
burch erhält man, fo 3 ufagen ats luftigen Decfel für ben 
©rog, ein fortlaufenbes garbenbanb, in bem oon linfs 
nach rechts alle Nuancen oon Wot, ©etb, ©rün, Wlau, 
Wiolett unb Ultraoiolett fich felberförmig aneinanber* 
reihen. 

Zugleich forgt man auch bafür, baß bas ©efäß 
burch einfcßiebbare ©lastoänbe in Kammern geteilt 
toerben fann, bereu jebe einer garbensone entfpricht. 
Seßt man nun eine beftimmte Änsaßl ©Bafferflöße in 
ben ©rog, fagen mir hunbert, fchaltet, naäjbem fie fich 
gleichmäßig oerteilt haben, bas Speftrum ein unb 
fcßiebt nach etma sehn Minuten bie ©lasmänbe oor, 
jo finbet man, baß bie Ultrarot*, bie Ultraoiolett* unb 
Wiolettfammer oollftänbig leer geblieben finb. Wunb 
brei günftel ber ©iere haben fich im ©riin oerfammett, 
ein günftel im ©elb, roährenb ber Weft fich auf Wot 
unb Wlau oerteilt, hoch fo, baß bas Wot immer noch 
ftärferen 3ulauf finbet als Stau. Wocß oerßaßter als 
Wlau, Violett unb Ultraoiolett ift ihnen oölliges Dunfel; 
benn menn man ben Strebscßen anheimftetlt, sroifcßen 
Wacßtfcßma^ unb Ultraoiolett 3 U mähten, 3 iehen fie 
3 u 97 Sßrosent unbebingt bas teßtere oor. Sie emp* 
finben fomit bas unferem Äuge unfichtbare Ultraoiolett 
noch fehr fein als eine Ärt S)elfe. 

Das gleiche gilt oon ben Ämeifen. Diefe 3nfeften 
fürchten nichts fo fehr, als ihre puppen bem Sicht aus* 
jefeen 3 U müffen. ©ßenn man besmegen Ämeifen mit 
ßaroen sufammen in einem bunflen haften unterbringt 
unb bie eine fjälfte bes &aftens mit einer Scheibe aus 
genfterglas, bie anbere mit fcßma^em ^ßappbecfel 3 u* 
berft, fo fchleppen fie ihren gan 3 en ^uppenoorrat alfo* 
gleich nach ber Dunfelfeite hinüber. (Erfeßt man nun 
ben fcßmarsen Decfel burch ein rotes ©las, fo laffen 
bie Ämeifen ihre puppen ruhig im roten ©eit liegen. 
Somie man jeboch ftatt bes roten ©lafes ein anbers* 
farbiges mählt unb mit ihm ben Wuppenßaufen be* 
lichtet, geraten bie Ämeifen unoermeilt in bie größte 
Aufregung unb tragen ihre ßaroen eiligft in bie bunfle 
Abteilung baoon. Äls befonbers aufreisenb fcheinen 
fie bas blaue Sicht 3 U empfinben, noch aufreisenber 
bas oiolette, unb am heftigften merben fie oon ben 
ultraoioletten Strahlen beunruhigt, bie mir ÜWenfcßen, 
mie gefagt, überhaupt nicht mehr mahrnehmen. 

Äucß Wienen unb fummeln oermögen, mie Werfucße 
oon ßubbocf, gorel, Wert, ©Berg u. a. gezeigt haben, alle 
©runbfarben bes Speftrums fehr gut ooneinanber 3 U 
unterfcßeiben, 3 iehen aber feine ber anberen oor unb 
merben auch burch Ultraoiolett nicht beläftigt. Dagegen 


reagieren ©Befpen faft gar nicht auf garben; um fo 
fchärfer achten fie auf bie gorm eines ©egenftanbes unb 
haben ein ausge 3 eichnetes ©ebächtnis für bas ©eftalt* 
liehe an einem Ding. 

gaft gar nichts ift bisher über ben garbenfinn ber 
gifche befannt gemorben, aber auch fie fcheinen für 
garbenreise nicht unempfinblich 3 U fein. So teilt SWiß 
©Basburn mit, baß fie längere 3*it einen Äaulfopf mit 
einer $in 3 ette gefüttert habe, an beren (Enbe ein roter 
#ol 3 toürfel angebracht mar, auf bem bie Wahrung ge* 
reicht mürbe. (Eines ©ages hielt fie nun bem gifch 
gleichseitig eine rote unb eine grüne $ßin 3 ette hin, beibe 
ohne Wahrung. Der gifch mahlte unter 44 Werfucßen 
42mal bie rote unb feßmamm nur 2 mal auf bie 
anbere 3 U. 

(Etmas beffer feßon finb mir über ben garbenfinn 
ber gemeinen ©Baffermolcße ober ©ritonen unferer ©eiche 
unterrichtet. (Ebenfo mie ben ©Bafferflößen ift ihnen 
bas blaue unb oiolette Sicht fehr unangenehm, unb fie 
3 iehen ihm jebe 2 Crt rot ober gelb, auch bas ^eQfte, 
unbebingt oor, gan 3 su fchroeigen oon bem (Entfeßen, 
bas ultraoiolette Strahlen ihnen bereiten. Denn ob* 
gleich ihnen nicht leicht mieber etroas fo oerhaßt ift mie 
bas grelle ©Beiß ber ©agesbeleucßtung, miffen fie hoch, 
menn man ihnen bie ©Baßl läßt smifchen ungebrochenem 
©ageslicht unb Ultraoiolett, nichts Wefferes su tun, als 
fich fcßleunigft fm ©Beiß su oerfammeln. Diefe Wlau* 
unb 33iolettfcßeu ift, nebenbei gefagt, im ©runbe fehr 
mertmürbig, meil in ben ^ocßseitsfleibern ber Wtänncßen 
331 au unb Wiolett ats Scßmucffarben ja eine beträchtliche 
Wolle fpielen. 3Wan hätte infolgebeffen ermarten foUen, 
baß ben ©ieren 33(au ober 33iotett fehr — angenehm 
fei. S )ier fcßläft noch ein Wätfef. 

Äehnlicß mie mit bem garbengefüßl ber ©Baffer* 
molcße fteht es mit bem ber ©rasfröfeße, nur baß fie 
gegen garben oerßältnismäßig oiel gleichgültiger finb 
als ißre gefeßmänsten Wettern. 3mifcßen Wot unb Wlau 
feßeinen fie faum einen Unterfcßieb su machen, bagegen 
geben fie Wot oor ©rün entfeßieben ben Worsug. 

öntereffanter noch finb bie (Ergebniffe ber 33erfucße, 
bie in allerjüngfter Qe\t Starl 5)eß, Jßrofeffor ber Äugen* 
ßeilfunbe in ©Bürsburg, über ben garbenfinn oon S)üßnern, 
©auben, ©ulen unb ©urmfalfen angeftellt hat. hungrige 
5)üßner unb ©auben, bie an ben Umgang mit ÜWenfcßen 
gemößnt maren, mürben in ein 3 immer gebracht, beffen 
S)elligfeit nach ^Belieben abgeftuft merben fonnte. ÜWit 
ben ©ieren im gleichen Waum mellte $eß. Wacßbem 
bas Sirnmer au f ^ C II eingeftetlt unb burch ftunben* 
langen Äufentßalt ben Äugen oon ÜWenfcß unb ©ier 
©elegenßeit gegeben morben mar, fuß ber ßerrfeßenben 
ßießtintenfität oollfommen ansupaffen, mürbe auf bem 
Woben bes Emmers ein glattes feßmarses ©ueß aus* 
gebreitet, biefes mit ©Beisenförnern beftreut unb oon 
ber Decfe h^ab ein ftartes Speftrum auf bas ©ueß 
projisiert, fo baß bie Körner in ben alleroerfcßiebenften 
garben erjeßienen. ©Benn nun bie hungrigen ©iere auf 
bas gutter losgelaffen mürben, seigte fieß folgenbes: 

ÄUe ^üßner pngen am roten (Enbe bes Speftrums 
3 U piefen an; fie nahmen erft hellrot, bann bunfelrot 
unb gingen, menn hier alles aufgefreffen mar, su ©elb, 
fcßließlicß su ©rün über. ÄUenfatls haben fie aus bem 
Wlaugrün noch ein paar Äörner auf, aber meiter gingen 
fie nießt, obmoßt ißr junger noch nicht im entfemteften 
gefüllt mar. ©Barum gingen bie $)üßner nießt meiter? 
(Einfach meil bie blauen unb oioletten Körner für fie 
feßon oollfommen im Dunfel liegen; ber Wtenfcß fießt 


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Stummer 14. 


Seite 577. 


fic noch gut, ober bie kühner fönnen fie überhaupt 
nic^t mehr mohrnehmen. Wogegen fehen fie bie bunfel* 
roten, bie ber Rtenfch nicht mehr unterfcheiben fann, 
noch fefjr beutlich; benn fie machen fi<h ja gleich 3 “ 
Anfang über fie her. gür kühner — Tauben benehmen 
fich ebenfo — ift alfo im Vergleich mit bem menfch 8 
liehen Rüge bas ©peftrum nach bem blauen (fura* 
melligen) ©nbe hochgrabig oerfürat, mährenb es am 
roten (langmelligen) ©nbe über bie menfcgliche ©icht* 
barfeitsgren 3 e hinaus oerlängert erfcheint. ,,©ie ftehen", 
fagt i)eg, „ber SSBelt ber garben gegenüber mie mir, 
menn mir unfere Rügen mit rotgelben ©läfern be* 
maffnen." 

TatfächUch hoben benn auch, ro ie ber genannte 
gorfcher hat nachtneijen fönnen, kühner unb Tauben 
folche Rrillen auf. Rber fie fifeen nicht oor ben Rügen, 
fonbern liegen tief brinnen in ben lichtempfinblichen 
Sapfengliebern ber Regenbogenhaut. Tort finben fich 
gelbe unb orangefarbene Oelfugeln in fo enormer 
SRenge angehäuft, bag beftimmte gelber ber Regen* 
bogenhaut nur in biefen garben erfcheinen. Ter 93er* 
fuch hat benn auch betätigt, bag oon biefen Oelfugeln 
nur bie roten, gelben, grünen unb blaugrünen ©trablen* 
gruppen bes meigen Tageslichts hinburchgelaffen merben; 
93(au unb oiolett mirb oon ihnen oollfommen auf* 
gefchlucft. Rls baher #eg feine Rügen mit orange* 
farbenen ©läfern oerfah, fab er bie Sförner gan 3 mie 
bie kühner: bie im roten unb rotgelben gelb am 
beften, bie grünen fcglechter, bie bunfelbtauen unb 
oioletten überhaupt nicht mehr. — gür Turmfalfe unb 
Ruffarb hingegen liegen bie f^eUftert ©teilen nicht im 
Rot, fonbern im ©rün, unb bie Unfichtbarfeitsgrenae 
beginnt für fie erft am ©nbe bes blauen gelbes, ©ans 
mie ber Rlenfcb aber fehen bie ©ulen bie garbenmelt. 

Rud) biefe ©rgebniffe fcheinen mir in oieler i)inficht 
recht beachtensmert; benn menn Hühnern unb Tauben 
931au unb 93iolett fchlechthin als fchmar 3 erfcheint, fönnen 
bie prachtooll blau fchimmernben unb harclüh oioletten 
garben am fyals eines Täuberichs ober am #als, 
©chmana unb an ben glügelbecfen eines ©ocfels für 
kühner unb Tauben unmöglich hen gleichen ©chön* 
heitsmert haben mie für uns; fie fehen biefe gebern 
ja gar nicht oiolett ober blau! Dann fdjeint es aber 
im böchften ©rabe bebenflich, jene garben als ©chmucf* 
färben anfprechen 3 U moHen unb (mit Tarmin) 3 U be* 
haupten, ihre Rebeutung beftehe barin, bag fie auf 
bem #eiratsmarft bem üRännchen helfen* bie ©unft 
ber SBeibdjen 3 U geminnen, unb bementfprechenb bem 
fihönften ÜRännchen auch bie grögten ©gancen gäben. 
Tenn Rlau unb Riolett üben auf ein fjügner» unb 
Taubenauge ja gar nicht bie Reiae aus, bie bie 
©chmucffarbenlehre oorausfegt; ©chmar 3 leiftet ja hoch 
bas gleiche! ©s ift baher gana unnötig, bag fich ein 
fchmaraer ©ocfel fchmaraoiolette ©chmanafebern unb 
eine fchmarablaufchillernbe i)alsfraufe aulegt; für bie 
#enne ift er ja hoch blog ein einfacher ÜRogr. 

Unter ben ©äugetieren finb mir befonbers gut über 
ben garbenfinn bes #unbes unterrichtet. Rage! unb 
^imftebt, oon beren Rerfuchen ich fprechen möchte, 
manbten babei bie Treffurmethobe an. Reifpielsmeife: 
fie nahmen einen Rubel unb legten eine Rnaagl gleich 
groger unb auch gleich riechenber grauer, grüner unb 
blauer #olafugeln oor ihn hin, baau eine oon (euch 8 
tenbem Rot. Run mürbe bem i)unb augerufen: „bring 
rot" unb ihm babei bie rote Äugel geaeigt. Tiefe 
Uebung mürbe fo lange geprobt, bis ber Rubel ge¬ 


lernt hatte, auf ben Ruf unfehlbar bie rote ßugel au 
apportieren. 3 egt mürben bie #olabälle um oier mei* 
tere, gleich groge oermehrt, bie oom ^eUften bis aum 
bunfelften Rot in allen Ruancen abfehattiert maren, 
nämlich einen erbbeer*, einen farmin*, einen orange* 
roten unb einen bismarefbraun gefärbten Rail mit einem 
gana fthnwehen ©tich ins Rote. 953enn jegt bem auf 
Rot breffierten Rubel augerufen mürbe: „bring rot", 
holte er aunächft bie feuerrote $ugel herbei, bie bei 
ben Hebungen oermenbet morben mar. Ruf erneute 
Refehle brachte er bann ber Reihe nach bie erbbeer* 
rote, bie farminrote unb aögernb auch «ach bie orange 
gefärbte. 2 Burbe fchlieglich ber Refegl noch einmal 
febr bringlich gefteHt, fo fchleppte er nach längerem 
Rebenfen auch noch bie bismarfbraune gerau; nun 
hatte er alle roten geholt. Rhtrbe jegt ber Refehl 
abermals mieberholt, fo geriet ber S)\mb 3 toar in bie 
grögte Rerlegenheit, lieg aber hoch bie grauen, grünen 
unb blauen kugeln bübfeg liegen, ©r hatte alfo ge* 
aeigt, bag er bas Rot aller erbenflichen Schattierungen 
oon ©rün, ©rau unb Rlau ausgeaeichnet unterfcheiben 
fonnte. ©benfo oermag ber $)unb, mie gana neuer* 
bings mit S )ilfe einer anbern ÜRetgobe oon amei Ruffen 
ermittelt morben ift, bie oerfchiebenften Ruancen bes 
©rau oon ©rün auseinanberauhalten. ©inen ähnlich 
ausgeprägten garbenfinn haben nach fönnaman unb 
Rerfes auch Rtäufe, &agen unb Rffen mit unterfchieb* 
lieber Rorliebe für bie eine ober anbere ©ouleur. 

Run hat es fich aber im fiauf ber 3eit heraus» 
geftellt, bag auch folche Tiere gegen garbenreiae fegr 
empfinblich fein fönnen, bie ßichtfinnesorgane überhaupt 
nicht befigen. Tie erften überaeugenben Rerfuche in 
biefer #inficgt rührten oon ©raber her. ©r brachte 
Regenmürmer in einen mit ©rbe beftreuten haften, ber 
burch eine ben Roben nicht gana erreichenbe Quermanb 
in amei Hälften geteilt mar. SEBurbe nun burch ©in* 
fegen entfprechenber ©lasfegeiben bie eine Kammer rot, 
bie anbere blau beleuchtet, fo mar ber ©rfolg bei aagl 8 
lofen Rerfuchen immer ber gleiche: bie Regenmürmer 
fuchten regelmägig au oier günfteln bie rote Kammer 
auf, flohen alfo bie blaue, ©benfo unangenehm mie 
ben Rmeifen unb ©alamanbern mar ihnen bas Ultra» 
oiolett; benn trog ihrer befanntlid) fehr grogen ßiegt- 
fcheu aogen fie 9Beig bem Ultraoiolettraum oor. Ruch 
©rün oermochten fie oon Rot unb ©elb, ©elb mieber 
oon Rlau 311 trennen unb bemiefen burch igr ganaes 
Rerhalten, bag eine garbe ihnen um fo angenehmer 
ift, je näher fie im ©peftrum an bas langmeHige rote 
©nbe fich anfchliegt. 

©eitbem finb augenlofe ©efchöpfe aus allen ©at* 
tungen bes Tierreichs, oon ben einaelligen Rrotoaoen 
bis au ben blinben höglenbemognenben Söirbeltieren, 
auf ihre garbenempfinblidjfeit unterfucht morben. R3enn 
auch ein allgemeines ©efeg fich nid^t mollte finben 
(affen, machte man boch bie ©rfabrung, bag fo mie 
bie Regenmürmer fich faft alle fehr lichtfcheuen Organis» 
men oerhalten, mährenb bie augenlofen gormen, bie 
bas ßiegt lieben, umgefehrt eine Reigung für Rlau 
unb Riolett an ben Tag legen. Rnbere mieber, au 
benen hauptfächlid) bie Tieffeeformen gehören, aiehen 
bas egemifeg überaus mirffame Ultraoiolett allen an s 
bern ßiegtarten oor. Ratürlich fann mit gug unb 
Recht oon „garbenempfinbung" im optifchen ©inn in 
allen biefen gäden nicht mehr gefproegen merben. ©s 
ift eher ein „garbenfüglen", unb mir merben uns oor* 
auftellen haben, bag fie mit ihrer i)aut bie garben 


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©cite 578. 


Kummer 14. 


ähnlich wabrneßnten wie wir blc Söänne ober bie bod) geeignet fein, in ben Xieren üuft= beaießungsweife 
Kälte, bie uns umgibt. 2Benn es fomit ausgefcßloffen Unluftempfinbungen oon halb ftärferer, halb geringerer 
erfeßeint, baß ougenlofe Xiere einen roten ©egenftanb 3ntenfität aus 3 ulöfen, unb bie ©efeßöpfe fo über i>ie 
oon einem blauen wirftieß als rot unterfeßeiben fönnen, Kefdjaffenßeit ihrer Umgebung aufauflären. Sem Unan* 
fo bürften bie oon ben garben ausgebenben f)autreiae genehmen geben bie Xiere bann aus bem 2Beg. 

BJic man in 3apan reift 

93on Sr. griß aBertßeimcr. — #ierau 13 pbotograpbifcbe Aufnahmen. 


Sas feßönfte Keifen ift auch im ßanbe bes URifabo 
wie allüberall bas Söanbern. 2Benn man fo mit 
leichtem Känael burd) bas Jianb aießt, bergauf unb 
bergab burd) lange, füßle Kergwälber unb über fable 
gelsrücfen, bann lernt man erft bie wirflicße ©cßönßeit 
biefes ßanbes fennen. 2Ran fiebt fruchtbare gelber, 
nutsbare halber, unb aud) aus bem 3nnern ber (Erbe 
feßöpft menfchlicße Äunft ©cßäße unb ÜRineralien. Uebef 
allem aber liegt ein 3 <*uber unenblicber ©cbönßeit, 
fremb awar ber ßieblicßfeit unferer Heimat, aber oon 
gana eigenem Keia. Sa fällt ber Klicf in Xäler, bie 
wie große Kiefenreisfelber ausfebauen, in bepen aber 
bei näherem Sufeßen bi* gezwungenen ßinien ber 
©ren 3 pfabe jebes einseinen fleinen gelbes unb bie 
oielen Xaufenbe oon Käcßlein eines funftoollen Ke* 
wäfferungfgftems fiebtbar werben. (Er ruht auf ben 
leichten, luftigen ^olabüttcßen, bie man hier Käufer 
nennt, auf gefeßwungenen Xempelbäcbern. 3Ran bat 
faft immer ©efeUfcßaft auf fold)en Xouren. Ser 3apaner 
ift toanberluftig wie faft fein anberes Kolf, unb er liebt 
bie ©cbönßeiten feiner ©egenb. SReift finb es fröhliche 
©tubenten unb ©cßüler, benen ein Ktinimum oon ©e* 
päcf, in ein Xucß eingefcßlagen, für ganae 2 Bocßen reicht 
unb eine leichte fiaft bilbet. lieber Kad)t troefnet ja 
im febönen Sommer alle SBäfcße, unb bas ©ebubaeug 
ift im fleinften Keft au buben. Sas befiehl nämlich 
bei folgen SBanberungen nicht aus ben fcbtoerfällig 
flappernben ^olafcßußen ober gar aus ben unbequemen 
mobernen europäifeßen ©ebuben, nein, es finb ©troß* 
fanbalen mit einfachem ©trobftrkf feftgebunben unb, 
menn fie burchgelaufen finb, für wenige ©en au er* 
neuern. Sie ©oefen mit bem eingewebten 3eßen für 
ben großen 3 *ben trägt man bann nicht, benn folcße 
„Xabis" finb nur für bie ©tabt. Unb außer bem leichten 
Kimono, ben beim ©cbüler oft bie fleibfame Uniform 
feiner ©djule erfeßt, unb bem ©trobbut gibt es bann 
nichts. 9Rit wenig ©elb wanbert man fo wochenlang, 
©roße ßuft aum Xragen eines ferneren Kucfjacfs in 
heißer ©ommer 3 eit bat man auch nicht. Sa finbet fiep 
benn immer ein japanifeßer Kuli, ber, 30 b unb fräftig, 
ftaunenswert große ßaften billig ganae Xage lang 
fcßleppt. Slllerbings finb es ja nicht oiele (Europäer, 
bie fo reifen: Sie (Europäerin fann fich auch nicht 
gleich ihrer japanifchen Kollegin, eng aufammengefauert, 
in ben Kago genannten Xragforb legen, ben awei ober 
oier Kulis am langen Kambusftab über feßwierige Käffe 
ober auch burd) bie Söälber tragen, wäßrenb bas 
ÜlRannsoolf 3 U guß läuft. Saß Kinber unb grauen auf 
biefe 2 öeife bequem, wenn aud) nicht fo billig beförbert 
werben fönnen, erleichtert es feßr, au manchen febönen 
fünften unb Käbern auch mit her t 5 nmilic au fommen, 
bie gan 3 e Xagereifen oon ber (Eifenbaßn abliegen. 

Sas 5)auptoerfebrsmittel bei allen Keifen in 3upun 
neben ben eigenen güßen ift bie Kicf[cßa. Sa ja bie 


©traßen nicht aus Slfpbatt finb unb bie ©teine ebenfo* 
wenig bem SBagen ausweießen wie meift bie Kulis ben 
©teinen, gibt es ba allerdings ©töße unb (Erfcßütte* 
rungen, unb wenn man mit ben aufammengefauerten 
Keinen einige ©tunben in bem engen Kaften bes 
Sweiräberfarrens gefeffen bat, weiß man auch, ums 
man geleiftet bat, aber bie 5)auptfacße ift, man fommt 
rafcb oorwärts. Sie Kulis fennen ihren 3Bagen unb 
finb meift außerorbentlicb gefeßieft im ßenfen unb 2 lus* 
weichen. ©0 gebt es manchmal ganae Xagereifen, 
unb man erlebigt eine erflecflicße Knaaßl oon Kletten 
in bem ©efäbrt, bas ben Korteil hat, bei febönem 
SBetter pracßiooll ben Klicf auf bie ©egenb au ermög« 
liehen, unb babei, wenn es regnet, faft wafferbießt ge* 
fcßloffen werben fann, inbem es mit Ktacßstüchern 
gerabeau oerbarrifabiert wirb. 

Kicßt immer bat man es fo bequem. 3m nörb« 
ließen 5)offaibo 3 . K. gibt es feine Kicffcßas mehr, 
wenn man aus ben f)aupftäbten ßerausfommt, unb 
felbft, wenn es welche gäbe, hätten fie feinen 3 «^ 
weil gar feine ©traßen bafür ba finb. Sa beißt es 
bann auf bem ^ßferberütfen bie Urwälber au bureß 5 
freuaen, meift mit einem aweiten ^ßferb für bas ©epätf, 
auf bas bann noch her güßrer flettert. ©0 geßt es 
oon ^Pferbefarm au Kferbefarm. Senn oiel meßr 
ejriftiert im ßanbinnern nicht, unb ba bie Kaueritßäufer 
meift felbft faum ben reichen Kinberfegen einer japa* 
nifeßen gamilie beherbergen fönnen, muß man auch 
in folcßen Kferbefarmen fümmerlicß übernachten, nicht 
nur in ©efeUfcßaft aaßtreießer aweibeiniger ©cßloffollegen, 
fonbern manchmal auch mit ßüpfenben, fpringenben, 
gebügelten unb oierbeinigen. Slber bie 2lrt bes Keifens ift 
immer noch bequemer, als auf einer „Kafcßa" au fißen, 
bie ein müber ©aul jämmerlich langfam aießt, ober 
gar auf einem Ocßfenfarren, ber brüben in Korea bie 1 
ein 3 J ge f)ilfe bebeutet. $Benn man ©lücf ßat, gibt es 
bann aud) mal einen alten Kaften, ber fieß ftola Srofcßfe 
nennt, ber oor 3 oß«n als gänalicß unbrauchbar bie 
©tobt oerlaffen unb jeßt noch ouf 3 aßre hinaus ben 
Kerteßr oom Snnern aur ©ifenbaßnftation ober auch 
als Korläufer einer fünftigen eleftrifcßen Kaßn ben 
Kerfehr aum näcßften 5)afen oermittelt. Senn es ift 
natürlich, baß beim Keifen burd) ein Keicß oon ein' 
paar ßunbert Snfeln aueß ber Sampfer eine große KoIIe 
fpielt. Kicßt immer bie befte. SBenn man feßon bas (Ein* 
booten burd) bie ftarfe Kranbung ßinbureß in einem 
Koot, bas fünfaig SRenfcßen faßt, unb in bem ßunbert 
finb, überlebt ßat unb glücflicß auf bem braußen 
fcßioanfenben Sampfboot fißt, bann fann man noch 
gratis unb franfo eine ©cßaufelpartie erleben. Slber 
was tut’s? Ser (Europäer oertraut ja folcßen Ke* 
ßerrfeßern bes Kteeres fieß nur an, wenn er gar nicht 
anbers fann, unb ber 3 opan^ fauert fieß halt bin 
unb wirb mit ftoifchem 3Rut feefranf. Kur auf ber 


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Kummer 14. 


Seite 579. 



(Eine Meine 

<Erfrifd)ung. 

fein suiji bento, 
fcbarfes, getrocfne= 
tes 5 ifrf) 3 eug unb 
©ernüfe mit oiel 
!Keis in fleinen, 
netten#ol 3 fäftd)en, 
mobeierbie(Eßftäb= 
d)enunbben3ai)n= 
ftocber, bas ge= 
liebte 9ttöbel,gleid) 
mitgeliefert be= 
fommt,oberringo, 
2 lepfel, mochi, 
Slafes, kasamone, 
eine 2lrt Safe, 
ober ßimonabe, 
$ier unb Selter* 
rnaffer. 9ttand)= 
mal gibt es aud) 
fd)on fleine fjläfd)* 
d)en mit 9ttild) 
ober Sanbroicbes, 


Cin ZDafdjffänber auf einer japanifeben (Eifenbabnffafion. 

ftillen ruhigen Snlanbfee gebärt bie Sabrt im fleinften 
Dampfereben 3 tuifcben 5)unberten oon Snfeln bin* 
burd), bie gar fein großer Dampfer roagen fann, 3 U 
ben febönften Reifen in 3apan. — Das midjtigfte <Keife= 
mittel bleibt aud) hier bie (Eifenbaßn. 3 ß r CEf)arafteriftifum 
ift in Sapan: fie ift immer überfüllt. Das 23olf bat eine 
foldje 9teifeluft, unb bie gabrten finb fo billig, baß eben 
alles reift. Unb ba ber 3apaner oor allem auf ber gaßrt 3 ^ 
effen roünfcßt, bringt er gan 3 e Äörbe an (Eßroaren unb Dbft 
mit. Daneben fauft er für rnenige Sen auf jeber Station 


(Ein ©alaroagen in Sübformofa. 


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Sette 580. 


Stummer 14. 





(Ein Docfroirtdfjaus in Qoffaibo. 


(Ein Dodäufer bec „(Eleftrifd)en“ in Ttorbjapan. 



immer aber gibt es labaf unb 3 t 9 a r etten fomie 3*i s lagert finb. Der (Europäer bat oom gabren felbft 

tungen. Unb in beiger ©ommer^eit erfcbeint aud) ein toenig ©enug. (Es gibt nämlid) auf ber Scbmalfpur 

#änbler mit geroöbnlicbem (Eis unb finbet Diel 3u s feine 3Bagen mit (Einzelabteilen, fonbern im 2 öagen 

fprucb- 2Jtan füblt ficb feine glafd)en baniit ober lägt läuft bie Sigbanf 3 U beiben Seiten, unb bte 3nfaffen 

es auch nur auf ber 3 un 9 c jergeben. 2Iuf allen finb eine groge gamilie. Da gebt es benn aud) recht 

Stationen ftebt aud) bas groge 5Bafferfag, oor bein familiär 3 U. f)ier näbrt eine Butter ibr Äinb, bort 

ficb bie OJtenge brängt, um fübles SBaffer 3 U trinfen entfleibet fid) corani publico ein 3 apaner, ber im 

ober ficb bie i)änbe 3 U mafdjen, unb auf ben grogen eleganten (Europäerbreg erfcgien unb jegt ficb in einen 

Änotenpunften gibt es auf ben 23abnfteigen gan 3 e ftimonomann oermanbelt. Da [pielen bie ftinber, unb 

5 Bafd)ftänber, bie in ber tyeifcen 3 ^ ftets bic^t um* bort raufen fie ficb, unb alles, roas ermacbfen ift, raucbt. 


(Ein Pferb mit japanifdjem Sattel im korben. 


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Stummer 14. 


Seite 581. 



Der „Drofdjfenfjaltcplafj“ 

oor einer größeren Station. 

Stebenftefjenb: Die japaniftfje Kicffcfja. 


(Ein £ragffuf)i für Bergtouren in 3apatu 


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Sette 582. 


'Jhtmmer 14. 



Seim Reifen 
in Japan barf 
man bie Rotels 
nid)t oergeffen. 

9tid)t bie euro= 
päifcfjen Rotels, 
bie an greifen 
unbfiu^us alles 
3 U übertreffen 
fudjen, fonbern 
bie, auf bie 
man im 3 n= 
nern angeane* 
fen ift, fitib ja* 
panifdjer9tatur. 

Da muh matt 
unten fein fäu s 
berlid) bie Stie= 
fei aus 3 iebett. 
um bie fd)önen 
Xabamis, bie 
Strohmatten, nicht 3 U befdjmufeen, 
unb broben gibt es meift fd)öne, 
belle, luftige Zäunte, aber oft aud) 
nur rein japanifches (Effen, bas 


©elädjter feiner 
Stefans ange^ 
toatibt bat ober 
and) burd) 2 lus* 
meffen flarge* 
mad)t bat baft 
3 toei Reiben 
aneittanber ge* 
fd)oben toerbeti 
müffen, roeil 
man für eine 311 
lang fei, bann 
rul)t ficb’s gut, 
oorausgefefct, 
bah ber nie 3 U 
uergeffenbe flet= 
ne SchufcmaU 
oonJnfcftenpuF 
oermirflicbaud} 
hilft. 3m 6 om s 
mer lebt fidj’s 
im japanifdjen i>otel gan 3 gut, aber 
im 3Binter, toenn es feine Oefen, 
fonbern nur bie tleinen, ungenü* 
gettben, mit i)ol 3 foblen gefüllten 


(£binefifd)er Xragforb 


in JtorbformofoL 


TAMAMIDZU 


nid)t nad) jebertnanns ©efchmacf 


$)ibafd)is gibt, bie bie ftänbe n)är* 



ift. Dagegen 


bebienen einen 
tüieberum liebliche fleine Celans, 
gefällige 3 ierlidje unb ftets toiüige I 
Dienerinnen. (Es gibt feine betten, 1 
fonbern nur auf bettt Soben aus* 1 
geftrecfte, bicfe Decfen, auf benen 
man liegt, aber menn mau bas 
ßauberroort „mo stutz" (noch eine 
mehr) geniigenb oft 3 um böllifchen 


men, toäbrenb bie güße langfam 
I erfrieren, ift es febr falt. Dod) 
V im 5ßinter reift ja nur, wer muh- 
I Da 3 iebt ber Japaner ben Kimono 
* an, ber, mit 2 öatte bicf gefüttert, 
ein toirflid) ntobliges ©enrnnb ift, 
unb in (Eifenbabn unb $)otel nimmt 
er fid) einen foldjen Serg oon Decfen 
mit. bah er barunter gan 3 oerfchminbet. 


jrud)tbänbler auf einer Babujfaiiou. 

Original fram 

UNIVERSITY OF IOWA 


(Eine primitiue tEifenbob«. 


3apanif<her Ortsanjeigec 


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Kummer 14. 


Seite 583. 



Daß fid) ber gute ftuf Berlins als Metropole 
Deutfcßlanbs unb als Xßeltftabt immer mehr unb mel)r 
oerbreitet tyat, gebührt nid)t 3um menigften bett großen 
5 )otelbetrieben, bie fid) gerabe in ben leßten 3abren in 
unferer *Refiben3ftabt entfaltet hu^n. Schon in ben 
fieb3iger 3al)ren gab es in Berlin $)otelbetriebe, 
bie in Anbetracht ber bamaligen 3*it auf l)ob>er Stufe 
ftanben, mas bie Annehmlichkeit unb Verpflegung ber 
*Reifenben anbetraf. (Einen bebeutenben Um= unb Auf» 
fdjmung nahm bas i)otelmefen, als im 3 ahre 1874 
ein neues großes E)otel feine Pforten öffnete unb in allem, 
mas ^eutjeiten an Komfort fomie ecf)t fran3öfifd)e Mdje 
betraf, bie alten Berliner Rotels gemiffermaßen in ben 
Schatten 3U ftellen fucßte. 

Schnell oerbreitete fid) ber 9 tuf biefes (Branb=E)otels 
in ber gansen 5 öelt, unb es mar beshalb felbftoer» 
ftänblid), baß, menn beutfcße ober ejotifdje gürftlid) 5 
feiten unfere E)auptftabt befucßten, fie Aufenthalt in 
biefem erften $)aufe nahmen. 

mt bem fcßnelien Auffdjmung Berlins nahmen 
naturgemäß aud) bie Anforberungen an Bequem» 
lidjfeit oon feiten ber internationalen Beifenben immer 
mehr 3U, unb es ftellte fid) fdjließlid) bas Bebürfnis 
heraus, burd) Erbauung großer Ejotelbetriebe ben An» 
fprüdjen ber in Berlin meilenben gremben 3U genügen. 
9 tun ift es aber eine alte (Erfahrung, baß nicht nur 
Bequemlichkeit ben 3ugereiften gremben ba3u 3mingt, 
immer mieber an bie gaftlidje Stätte 3urücf3ufel)ren, 

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es ift befonbers bie gute Zubereitung ber Speifen, 
b. f). bie gebiegene ^odjart, bie ben guten !Ruf bes 
Kaufes fid)ert. Die jeßt befteßenben Rotels unb ifjre 
ßeiter laffen es fid) angelegen fein, if)re Slücße auf bie 
beroorragenbfte Stufe 3U ftellen, unb in ihrer großen 
(Erfahrung treffen fie bas Nichtige, menn fie Küchen» 
leiter unb Slödje anfteüen, bie ben Buf als ftocßkünftler 
mit Becßt führen. 

Btit ber (Erlaubnis bes ftüchenmeifters unb $üd)en» 
leiters betritt man burd) einen (Bang bie Äüdje. Schon 
nach einigen 2öorten mit bem ßeiter empfinbet man, 
baß man es fjier mit einem erften gadjmann 3U tun 
bat, ber mit *Red)t als regierenber #err für ben Äücßen» 
ratjon gemäblt mürbe. 3 u einer folcßen Stellung gehört 
benn aud) ein oielfeitiges Xalent. Deshalb finb aud) 
biefe Äüdjenmeifter unb »leiter, obmoßl ed)te Deutfdje, 
gemiffermaßen international fcßon baburd), baß fie fid) 
itjre kenntniffe burd) lange 3 af)re in ben erften Be» 
trieben Frankreichs, (Englanbs, in ber fratt3öfifd)en 
Sd)mei3, in Stairo ufm. ermorben haben. Xßeiter finb 
fie in ber glücklichen ßage, allen fulinarifdjen An» 
fprücßen ber 9ieu3eit gerecht 3U merben; natürlid) finb 
fie aud) fef)r fprad)gemanbt unb bet)crr[d)en mehrere 
frembe Sprachen. 

Die E)auptfüd)e ftellt fich als ein großer ftaum bar, 
in bem 3mei mächtige 5 ^od)f)erbe fomie bie für größere 
(Effen bestimmten meiteren Äocßapparate untergebracht 
finb. Unmitlfürlich überrafcht einen bie große An3al)l 

Original from 

UNIVERS1TY OF IOWA 
















Seite 584. 


Kummer 14. 


oon Slödjen, bie hier arbeiten, unb ber reiche Sdjaß an 3n einem anberen *Raum, bem fogenannten Garde- 

Eupfergefdjirr, benn in biefen ^Betrieben roirb ausfd)ließ s manger, toerben fämtlidje Vorbereitungen für bie große 

lief) in Tupfer gefod)t. 2lußer ben beiben großen Stod) 5 Slüd)e getroffen. 2lußerbem inerben t)ier bie falten 

mafdjinen befinben fid) je oier große Vratöfen in biefem Sd)üffeln für große Vüfette angerid)tet unb fertig- 

9taum; man fann^u gleicher3eit in jebetn ein 3 elnen 15 bis geftelit. 2)ie fünftlerifcße unb faubere Arbeit, bie ge= 

20 ^oularben braten. Vußerbem fießt man fjier bie rabe bei ben falten Vüfetten für große geftlidjfeiten 

neueften 21nfd)affungen, toie ben ©riüapparat foroie ben geleiftet roirb, läßt fid) faunr eingeljenb fcßilbern. 3m 



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Kummer 14. 


Seite 585. 



3n bet falten &üd)e. 


Die Saatfeünet nehmen ble fettigen Speifen in (Empfang. 


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Go», gle 


Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 















Gcitc 586. 


Kummer 14 


a)ie Xee, Kaffee, Scßofolabe unb Kafao, ßergeftellt mer= 3 U( fr r 3 U tun ßat- einem meiteren 9iaum finb uier 
ben. s Jttan fommt nun in einen anbern ftaum, bie Körfje bamit befcßäftigt, fjifctjc |o roeit oor^uarbeiten. 



► 'tm*- k 


fogenannte ^ßafifferie. 5 >ier fie!)t man 
maf)re 2ßunberroerfe non 3utfer 
arbeiten, 3. S B. einen ans 
3utfer bergefteilten unb 
mit3ucferro[en unb 


baf3 fie in ber großen Küdje fertig 2 
gefteüt roerben fönnen. Daß 
es in biefen ^Betrieben aud) 
bie auserlefenften ©e s 
müfebelifateffengibt. 


ßomm, la& uns ftüle roandern, liebfte Seele!... 


ftomm, lafj uns ftille roandern, liebfte Seele! 
IDirf alle Schwere ab, Geliebte, du! 

Cafj uns bandein durd) roelte IDälder pilgern, 
roo jeder ^crzfd>lag eng zum andern drängt 
und fühlend, eins mir zroei in jedem fjaucb, 
zum gleichen Ziel hinftreben die Gedanken, 
roenn leife Träume mit den IDolhenfcbiffen, 
den blauummogten, in die Fernen ziehen. 
Dort, roo im bellen Cicbt der IDald fich dehnt, 
roo fanfte Salden, moosnerbrämte ßänge, 
ihr Md im Strome lächelnd roiderfpiegeln, 
roo wogend JDipfel auf zur 5öbe ragen 
roie Infein, die ins ßimmelsmeer gebettet. 


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roo frei die ftarhen Stürme jubelnd raufeben 
und flbendroinde räufelnd Cleder fingen, 
roard unfern Seelen immer nod) ein Raum — 
ein Raum, durch den fie, erdenlosgelöft, 
auf ihrer Sebnfucbt Schroingen ficb erbeben. 
Dort liegt fie roeit, die fDelt der trüben Tage, 
roeit ab — roohl roie ein ftummes fernes Grab— 
und unfer Ceben, aller Feffeln bar, 
ift nur ein einfamftill erinnern noch, 
durd) das fDufik mit leifen fDellen tönt, 
durch das die Schönheit, leuchtend Ihrer Tiefe, 
fo wunderbare Harmonien flicht... 
ftomm. Iah uns ftille roandern, liebfte Seele! 

IDilbelm Conrad Gomoll. 

Original ftom 

UNIVER5ITY OF IOWA 


Hunjtroerte aus äutfenuerf in 6er patijjerie. 


<3<J<3<3^<5<3C<3<3<3^<3<S<J<3<3<5^<?^<3^<S<3<3<3<3<J<3<3<3<3<J<3<3<5<?<?<3<3<J<3<3<§>S>J>2>S>S>J>^J>S>S>1>J>^S>J>S>S>S>S>S>S>J>^?>S>^S>J>S>S>?>S>S>S>^E>1>S>1>S> 


^Blättern ooüftänbig garnierten Damenfjut. (Er ift fo 
ejaft gearbeitet, baß man erft nad) längerer 3^ er* 
fennt, baß man es fjier mit einer 9tad)af)tnung aus 


get)t fdjon baraus ßeroor, baß man bereits im Januar 
unb JJebruar frifdjen 9tie|enftangenfpargel, frifdje (Etjam= 
pignons unb anberes meljr oerarbeitet. 




Slummer 14. 


Seite 587. 


Die ttnbere. 


Eraählung oon Älara $rieg. 


Ter Heine Seebohm hatte ©lücf gehabt — fehr 
ole( mehr ©lücf als 93erftanb. 2lls er nach oieraehn 
Semeftern fogenannten jurlftifd>en Stubiums mit feinem 
oäterlichen Erbteil oollftänbig fertig mar unb obenbrein 
einen Soften Schulben gemalt hatte, oerunglücfte feines 
S3aters Vruber auf ber 3 agb unb Unterlieg bem 
ahnungslofen Neffen ein Rittergut unb ein nettes Stücf 
Sargelb. 

©in halbes 3ai)r barauf befam ich einen Srief non 
bem Steinen, in bem er mich tjer^ti d) einlub, ihn auf 
feinen Territorien au befuchen — benn er langmeile 
ficf> fträflich, unb bas mohlhabenbe ßeben habe auch 
feine Schattenfeiten. Sein ©ut tage ba in einer gana 
gottoertaffenen Ecfe bes buntten Erbteils SJtecKenburg, 
unb fein oernünftiger Umgang fei in ber 9läf>e auf* 
3 Utreiben. Unfer alter Serbinbungsbruber 3,anus, ber 
im nächften Steft Oberlehrer fpiele, märe auch ein gan 3 
fteifleinener, jammerootler Sert gemorben, mooon ich 
mich bei ©etegenheit meines Sefuchs über 3 eugen fönnte. 

3ch richtete meine Sommerreife fo ein, bag ich 3 um 
Schlug in jenem gefegneten SBinfel SJtedlenburgs lanbete. 
2Bie eine Staus im SJtehltopf fag ba ber Heine See* 
bohm 3 mif<hen feinen Suhftatten unb SBeiaenfelbern. 
Sein SBunber, bag er fchon einen oerborbenen Stagen 
unb Stnmanbtungen oon SBeltfchmera hatte. 

Tiefe Stimmung marf ihren Schatten auch auf ben 
fogenannten fibeten Slbenb, 3 U bem mir Tr. 3anus 
eingetaben hatten. Sietteicht tag auch bie Schutb nur 
an 3 anus, ber mie ein fteinerner ©aft bei bem üppigen 
Stbenbeffen mir gegenüber fag. Sonberbar oeränbert 
fanb ich Öen Stann unb oor ber 3 *ü alt gemorben. 
3n feinen Sugen mar ba etmas Unruhiges, ©equättes, 
Stübes. 3ch hatte ben jungen 3 anus in fo frifcher, 
guter Erinnerung. Er fah bamats aus, als ob er 
oom ßeben unb oon fich felbft befonbers oiel ermartete, 
unb mir alle taten's im füllen für ihn unb mit ihm. 
Er galt auch als SJtathematifer für befonbers tüchtig, 
unb eine *ßrofeffur fchien ihm auf bie Tauer fidjer. 
Sor brei 3«hren, nach bem Tobe feiner jungen grau, 
hatte er plöglich einen Strich burch all biefe ßebens* 
plane gemacht unb bie Oberlehrerftelle in bem meefien* 
burgifchen ßanbftäbtchen angenommen, marum mugte 
niemanb. Son feinem Schicffal unb feinem eigentlichen 
ßeben magten mir auch an biefem Slbenb nicht au 
fprechen — er fragte aud) nicht nach bem unfern. So 
fchleppte bie Unterhaltung fich weiter über allerlei Un* 
perfönliches, ©efuchtes, auch als mir nach Tifch in bem 
gemütlichen ijerrenaimmer bei ber Seftbomle aufammen* 
fagen, bis biefe Somle ihre SBirfung an bem Keinen 
Seebohm tat unb er uns feine Stot flagte. Natürlich 
maren es ßiebesgefchichten, bie ihm oiel au fchaffen 
machten, feit bie Schulben ihn nicht mehr plagten. Er 
hatte ba eine Stubentenliebe, bie mir beibe fannten, 
ein nettes, oemünftiges SJtäbel. 2lber fie mar nicht 
mehr bie 3üngfte unb ftammte aus aiemlich Kein* 
bürgerlichen Serhältniffen — menigftens fanb Seebohm 
bas, feit er Stittergutsbefiger gemorben mar. aber fie 
fei jo anhänglich, eraählte er uns, unb fo unangenehm 
treu. Unb fie hätte allerlei für ihn getan, als es ihm 
noch miferabel ging — unb im ©runbe märe natürlich 
gar nichts gegen fie einaumenben. aber er fänbe es 


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Gougle 


hoch bumm, bag er fich fa haibmegs gebunben habe. 
Ta fei a* bie Tochter auf bem Stachbargut, oor* 
nehme Sache bas, fein ©ut fei bie reine JHitfcge ba* 
gegen. „Unb mie bas SJtäbel au Sferb figt — raffig, 
fag ich euch. 3ch hab auch bie 3bee, bag ba mohl 
anaubänbeln märe, unb man oerbefferte baburch bodfj 
gemiffermagen feine Sßofition, feine gamilie unb hat 
hoch auch in biefer Seaiefjung foaufagen Pflichten/' 

Ter Keine Seebohm mar mirKich Streber gemorben, 
feit er ©eib hatte. Sils ich über biefe Entbedung recht 
heralich lachen mollte, fah ich, mie 3 anus mit feinen 
traurigen äugen ben kleinen anfah unb ihm bann 
bie f)anb auf ben 2 lrm legte — eine rneige, hagere 
#anb, mübe unb neroös mie ber ganae SJtann. 2 lm 
Ringfinger fagen brei Stinge, amei fcglichte Traureifen 
unb ein foftbarer Stubinring oon alter, aierlicher Slrbeit, 
mie ihn fonft nur grauen tragen, ber an biefer $anb 
fonberbar anmutete. 

„Stimm bie anbre, bie erfte, bie treue", fagte 3 anus. 
„Sie taffen uns hoch nicht los, menn fie einmal ihr 
i)era an uns gehängt haben. Es hilft nichts, bagegen 
anaumollen." 

fflir fahen ihn beibe oermunbert an. Es mar ba 
etmas Seltfames in feinem Ton unb ausbruef. 

„aber menn mir bas SJtäbel nebenan hoch eigentlich 
beffer gefällt — unb es überbies oorteilhafter für meine 
3ufunft ift —" fagte Seebohm in bem Ion eines 
oeraogenen Ätnbes, ben er fich jegt manchmal leiftete. 

„Vorteilhafter für beine 3 ufunft? — 3 <h will bir 
eine ©efchichte eraählen. SJteine ©efchichte", fagte 
3 anus. 

„Tu fannft bann nachher tun unb taffen, mas bu 
millft. Tamals fing's an, als ich mich nach meiner 
Tottorarbeit fo recht auf ber #öhe bes ßebens fühlte 
unb ©lücf unb 3 ufunft feft in ber lafche au haben 
glaubte. 3 h* habt mich ja in bem 3 uftanb getannt 
unb migt, mie unausftehlich f<h Qemefen bin. 

„Tatnals fing ich auch an, mich für meinen Stamm* 
bäum unb meine Vorfahren au intereffieren — man 
tut bas ja immer, menn man fich wichtig oorfommt. 
Es gab ba eine gamilientrabition bei uns, rnonach 
unfer Urahn aus Schteswig*j)olftein ftammte unb bort 
!ßräaeptor in abligem 5)aus gemefen ift. heimlich unb 
bei Stacht mar er bort entflohen unb mit ihm bie 
fegöne Ebba $oggmif<h, feines Vrotherrn Tochter, bie 
bann unferes ©efchlechtes Stammutter mürbe. Oben 
an ber Tänengrenae liegt bas Schtog, mo fich bies 
augetragen haben fott, unb ich befchlog, meinen gerien* 
Urlaub au benugen, um bort an Ort unb Stelle Stach* 
forfchungen anauftellen. Um's gleich au fagen, ich hab 
auch bort nichts Urtunbliches gefunben. Ein gegen 
ffiahrheit mag immerhin an ber ©efchichte fein, aber 
bie Sache ift mir gleichgültig gemorben. SBas fott’s 
auch für mich? 

„Unb Sinber, für bie es fich lohnte, banach au 
fuchen, merbe ich nie haben." 

„2lber erlaube mal," rief ber Keine Seebohm ba* 
amifchen, „fei hoch etmas oorfichtiger mit beinen Se* 
hauptungen. Teine Trauer um beine oerftorbene grau 
in Ehren — aber bu mirft fchon eines Tages mieber 
heiraten unb ftinber genug in bie SBett fegen." 

Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 



Stummer 14. 


Seite 588. 


„ffienn bu mich 3 U ©nbe fpredjen läßt, mirft bu 
mich oerfteben, baß id) nicht mieber Heiraten fann", 
fagte 3 anus, immer in ber gleichen, ernftbaften, füllen 
2lrt. „Uebrigens bat bie Xrauer um meine oerftorbene 
grau gar nichts bamit 3 U tun — bie anbere ift fdjulb 
baran. Unb eben auf jener Steife bab ich meines 
ßebens ©d)icffaf gefunbeti. ©s mar ein roeites Steifen 
bamals oon Sübbeutfdjlanb b^auf. 3uleßt mußte id) 
ben bummel 3 ug nehmen, ber an jeber efenben Station 
bieft, unb bann ging’s noch ftunbenmeit im SBagen 
über bie jütifdje #efbe. 3öo bie 5>eibc blaß für ein 
paar 2lecfer unb SBiefen ließ, lag bas Dorf, bie meiße 
Kirche mit bem bitten, ftumpfen Xurm 3 toifd)en 3 er* 
ftreuten ©eböften, feitab ragte ein bob«" gäd)ioerfbau 
mit bunflen Dächern über grüne ®äüme. 

„Die ßeute im Dorffrug maren febmeigfam unb un* 
freunblid). Das Herrenhaus ftänbe feit fahren leer. 
Der SBefißer lebe im ©üben unb habe bie ßanbmirt* 
febaft oerpaebtet. Der Sd)lüffet fei roobl beim Ißfarrer 
3 U haben. 

„So ging id) ins Pfarrhaus. Das lag bejebeiben 
unb bäurifd) b^Iboerftedt hinter ber Kirche. Der Pfarrer 
mar über ßanb gefahren, aber feine Xodjter gab mir 
millig Slusfunft. Sie mußte, baß im Dorf notb bas 
©erebe oon jener (Ebba ^ßoggtoifd) ginge, unb fie 
felbft hieße (Ebba — ihre oerftorbene OTutter habe fie 
fo genannt. Daß ba Urfunbliebes 3 U finben fei, glaube 
fie faum, es fei öfter Kriegsnot unb geuersnot im 
Dorf unb Schloß gemefen unb alles oernitbtet unb oer* 
fd)leppt roorben. 

„Sie holte bie Scblüffel unb führte mi<b auf einem 
grünen füllen SBeg 3 U jenem bocbgiebligen gacbmerfbau. 
©s mar eine SBafferburg, bie Stefte oon ^Brüden unb 
©räben maren beütlid) 3 U erfennen. 2 lber bes Pächters 
Kühe meibeten ba 3 roif<ben in bem hoben ©ras, bas überall 
aufgefchoffen mar, unb bie Xotenftille bes Verfalls lag 
über bem alten Haus. 

„(Ebba febloß bie febmere Haustür auf unb bann bie 
lange Steibe ber 3 iimner, bie fitb in leerer (Einförmigfeit 
bureb bie ©efeboffe ftredten. SBie fie fo oor mir ber* 
ging, Xüren öffnete unb ßäben aufftieß, fab ich, baß 
fie botbgemaebfen mar unb ben Stopf anmutig trug, unb 
baß Schönheit in ihrem ©ang mar. 3cb merfte auch, 
baß ihre bunfeln 2 lugen mich fudjten, als ich abenbs 
als ©aft ihres fflaters im Pfarrhaus ihr gegenüber faß. 
Slber id) achtete bas menig. ©5 mar mir nichts Um 
gemobntes, baß bie SJtäbcben ficb nach mir umfabn, unb 
ich mar oiel 3 U febr mit mir felbft befebäftigt, um es 
miebtig 3 » nehmen. Sonft meiß ich nicht oiel mehr 
aus jenen Xagen, nur baß ©bba einmal oon ber großen 
©infamfeit fpracb, unb baß ihr ßeben febr leer gemorben 
fei, feit ihre fleine Scbmefter, bie fie oorber unterrichtet 
habe, in ber Stabt toobne unb bort bie Schule befuge. 

„Das ift alles, ©s ift mir miebtig genug gemorben, 
unb ich hob 3 *it genug gehabt, barüber nacb 3 ubenfen. 
Unb alles, mas mir 3 U ber 3ed miebtig festen, bab 
ich brüber oergeffen. 

„So oergingen ein paar 3abre* 

,, 2 leußerlid) geriet mir alles nach 2 Bun[d). 3d) tarn 
als ^Prioatbo 3 ent nach Berlin unb batte allen ©runb, 
meiter an ©lücf unb 3 ufunft 3 U glauben. 9tur baß 
ba eine emige Unruhe in mir mar unb eine Sebnfucbt, 
bie mich nicht fdjlafen ließ, unb beren ©runb unb 3 *ei 
ich boeb nicht finben fonnte. 3 uleßt ift's fo feblimm 
gemorben, baß ich oon einem Doftor 3 um anbern 
gegangen bin. ©in 9 teroenfpe 3 ialift bat mir bann ein* 


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Gck igle 


mal gejagt, es mürbe fdjon gut merben, menn id) erft 
verheiratet märe. 3 uft um bie 3 e»t traf ich bei 2 $e* 
fannten ein 9ttäbd)en, ein liebes, junges Ding, bas 
mir gleich gefiel. 3d) batte nicht auf ben tarnen ge* 
achtet. 2 lls ich am üdbenb neben ihr faß, erfuhr ich, 
baß fie aus bem Heibeborf ftammte unb bes Pfarrers anbere 
Xocbter mar, bie 3üngfte, bie bamals in ber Stabt lebte. 

„9Jlan batte fie mieber oon babeim fortgefd)idt, meil 
ein fdjmeres Sd)icffal über bem Haus lag unb ihr 
3 ugenb unb grobfinn nahm, ©bba mar oor einem 
3abr geftorben. Sie batte länger gefränfelt an einem 
ßungenübel unb foüte im Süben Heilung fueben. 3n 
ber Wacht oor bem 3 ur Slbreife beftimmten Xag ftarb 
fie jäh an einem ©futftur 3 . 

„Der Kleinen famen bie bittern Xränen, als fie oon 
bem ßeib babeim fpracb. (Es 30 g uns 3 ufammen. 
Unfere greunbe taten bas übrige, unb ein paar SBocben 
barauf maren mir Brautleute. 

,,3d) fab bas Heibeborf mieber, als ich 3 ur Hod^eit 
fuhr, ©ine traurige Hod) 3 eit mar’s. Der Pfarrer mar 
ein fränflicber ftiüer Sttann gemorben. ©r batte ©bbas 
3 immer gleich nach bem Begräbnis abgefdjloffen, unb 
fein SDtenfd) burfte es betreten. 

,,©s mar, als ob ihr Sarg nod) bort ftänbe. ffitr 
gingen alle roie auf 3ebenfpifeen im Haus umher. 
Daß ich io ben Xagen oiel an ©bba benten mußte, 
febien mir natürlich — ein anberes ift mir als munber* 
Ud) in ber ©rinnerung geblieben. 3cb batte mir bie 
Scblüffel geben laffen unb ging allein bureb bas alte 
Herrenbaus, lieber bie Diele, bie Xreppe hinauf, unb 
in jebem 3 immer mar’s, als ob jemanb oor mir her* 
ginge. 3d) fann nicht fagen, baß ich fie fab ober hörte, 
aber Id) fühlte unb mußte, baß fie um mich mar — 
bie anbere, bie Xote. Unb bies ©efütjl bab ich mit 
beimgenommen in unfere junge ©be herein. Sonft 
hätte toobl alles gut merben fönnen. Hanna mar 
fröhlich» finblid), (iebeooll. ©s mar nicht ihre Scbulb, 
baß all bie 21 ngft unb Sebnfucbt in mir nicht 3 ur Bube 
fam. Söieoiel fie gemerft unb gelitten bat, metß ich 
nicht. Sie bat mobl einmal geflagt unb gemeint, baß 
ba immer etmas 3 mifcben uns ftebe, baß ich nicht genug 
ßiebe unb Vertrauen 3 U ihr fänbe — aber bann famen 
auch mieber hellere Xage, befonbers feit fie bas Kinb 
ermartete. 2luf bas Kinb haben mir beibe gehofft mie 
auf eine ©rlöfung. Bur baß Hanna bamals förperlid) 
recht elenb mar unb oiel pflege unb Schonung nötig 
hatte. Um bie 3eit fam bie Nachricht, baß ihr Bater 
geftorben mar, an bem ßungenleiben, bas ihm grau 
unb Xochter genommen batte. Der Sttr^t oerbot Hanna 
bie Steife, fo mußte id) allein 3 um Begräbnis fahren, 
©s mar ein 3 abr nad) unferer Hoheit, als ich mieber 
ins Heibeborf fam. Hanna batte mich gebeten, bort 
gleich alles Nötige an 3 Uorbnen unb 3 U beftimmeti. Sie 
moüte auch nach ber ©eburt bes Kinbes nicht bereifen, 
ihr graute oor all bem Sterben unb bem leeren Haus. 
Silles ©ute unb brauchbare an Haushalt follte ich für 
fie einpaefen laffen, ben Weft ben Küftersleuten febenfen. 
Btitbringen follte id) ib** gleich, mas ficb an SBertfacben, 
papieren unb Briefen oorfänbe — fie mollte bas alles 
felbft burebfehen unb 3 um Slnbenfen bemabren. 

„3cb mußte, baß es im Pfarrhaus nicht all 3 uoiel 3 U 
orbnen unb 3 U erben gab, unb hoffte, Hannas Auftrag, 
fo unlieb er mir im ©runbe mar, {ebneil unb einfach 
3 U erlebigen. 

„bis ich am Xage nach bem Begräbnis ©bbas 
3 iaimer öffnete, mar ba alles, mie fie es oerlaffen 

Original fro-m 

UNIVERSITY OF IOWA 



Kummer 14 


Seite 589. 


hatte. 3n bem unoerfchloffenen Sdjreibtifchfach fanb 
id) einen 23rief mit meiner 2lbreffe, getrieben am iage 
oor iljrem Xobe, in bem ©lauben, baß fie am anbern 
borgen bie meite Steife nach bem Süben antreten unb 
nicht mieberfommen mürbe, ©s mar oiel SBirres, 
fiebriges in bem ©rief. Sie mollte 2lbfchieb non mir 
nehmen. 3ch foüte erfahren, über ©rab unb lob 
hinaus, baß fie mich liebgehabt hotte mit einer ftraft 
unb Sehnfucht, bie nicht unbemertt unb unermibert 


3 ugrunbe gehen fonnte. ,Die[er ©rief mirb in Deine 
#änbe fommen', fchrieb fie 3 um Schluß. ,Unb meinen 
SRing foüen fie Dir geben, ben 9tubinring oon meiner 
rechten 5)anb, baß Du ihn 3 um Slnbenfen tragen mußt.' 

„So tarn ihre ©otfcßaft in meine 5)änbe. Unb auch 
ben Jting befam ich. 3dE) 30 g ihn oon 5)annas #anb, 
als fie mit unferem toten Slinb im Sarge lag. — Das 
ift bie ©efchichte. ©erfteht ihr jeßt, baß mir aüe ßuft 
3 um ßeben unb Sieben grünblich oergangen ift?" — 


| Jle uefte $arifet Utobenfdjau. | 

ß35>2>S>S>S>S>S>S>2>S>?>S>S>S>g3S>S>S>S>S>S>S>S>S>S>2>S>S>2>S>S>S> ^er 3 u 10 pljotograpljifc^e Hufnaljmen. 


Die biesjährige grüßjahrsniobe 
g ift fo bunt unb oielfeitig, baß fich 
g ferner ein ©ilb oon ihr geben läßt, 
g 9ttan muß ftjftematifd) oorgehn, 
g mill man Ueberficßt über bas hal= 
g ten, mas ber ©Jobefrühling bringt. 





ttgCri.Soiiifonu & Ölauilj. 


1. <0efeUf<f>affstot(rlfe aus blauem Ullas. 



9 bot. WntUinflcr. 

J Hlorgengeroanb aus ladjsfarbeuemSeibenfrepp. 


s 2 lbb. 2 ftellt ein rei 3 enbes ÜDtorgen* 
gemanb aus lachsfarbenem Seibern 
frepp bar, oon bem fich ber ben 
breiten 9tanbfaum bilbenbe Strei= 
fen aus grauem 2 ltlas oorteilhaft 
abhebt. Die ©tanfehetten unb ben 
Slragenreoers um ben Keinen 2lus= 
fchnitt bilbet englifche Sticferei auf 
lichtgrauem 2 ltlas. gür ben 2 lus s 
gang 3 U einer frühen ©eforgung 


ober um bie 'Utittagftunbe tritt an 
bie Stelle ber ©torgengemänber v 

ein ftrengliniges Scßneibertleib. § 

Der^ fußfreie *Rocf unb bie tyaib* ^ 

lange, enganliegenbe, mehr ober s? 

meniger an eine ruffifche ©lufe ? 

erinnernbe 3 ade finb ©ebingung. § 





qil) 0 t. 9 K. «ranker. 

3. SfrafoctifleU» aus rrfebagrünem f)omefpun. 


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Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 





Seite 590. 


Stummer 14. 


Slbb. 3 3 eigt uns ein 
folches grlihpromena* 
benfoftüm aus refeba* 
grünem, b. h- oom 
(Brauen ins (Briine 
unb (Belbe hinüber* 
fpielenbem$)omefpun. 
Der Stört ^at oorn 
einen Sdjür^eneinfaö 
aus breiten, oonein* 
anber fortftrebenben 
gatten, um ben Stanb 
, 3 mei SMenben bes 
(Brunbftoffs.(Eine(El)e= 
mifette aus weiftem 
SSatift ober SBollen* 
muffelin oeroollftän* 
bigt basftleib, 3 U bem 
ber gro&e hellgrau* 
grüne Strohhut wun* 
berooll pa&t. Das ta* 
baffarbene Xudjfleib 
(Slbb. 10 ) ift mit hell¬ 
brauner Xaftfeibe gar* 
niert. (Eine breite 
Saumblenbe fchliefet 
ben glatten unb fufc* 
freien Stört ab. (Eine 
anbere umranbet 
ringsherum bie bis 
halbwegs 3 mifd)en 
ßnie unb lüften rei- 



d)enbe garte. (Eigen* 
artig finb bie glatten, 
halblangen Slermel, 
aus benen Übergangs* 
los bie (Ebemifette* 
ärmel beroorfommen. 
Der nidjt fehr um* 
fangreidje Strohhut 
wirft originell burd) 
bie mie ein ^arabies* 
oogelfeberftrom nad) 
hinten fegenbe Stroh 2 
gartiierung, bie, burd) 
einen hellbraunen Xaft* 
banbburd) 3 ug oerooll* 
ftänbigt, fid) linfs oon 
bem hohen hellbrau* 
nen Xaftfopf erhebt. 
DieXoilette auf Slbbil* 
bung 5, mit bem 3 war 
ber jeftigen Sdjneiber* 
fleibmobe entfpredjen* 
ben fuftfreien, aber 
etwas längeren, roei* 
ten, wenngleich glatten 
Stört, ift ein hübfehes 
Sttobell ber Stachmit* 
tagftrafeenfleiber. Die 
treffenbefetjte garte 
mit bem hellen SUlas* 
tragen wirft troh ber 
Äittelannäherung, in* 



Rcullinflcr. 


$bot. (UjecWStouffrau ft ©Inuto 

8 . 2ibcnMoilette au* grünem ScibenmuHelin. 


Oevi-iRinifU'rtu k WliiuU). 

6. Befud)9f(elb au« Seibenoolle mH langer 


7. Dunfelblaucs Samttleib mH langen 21crmeln. 


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Original from 

UNIVERS1TY OF fOWA 





9?ummcr 14. 


Seite 591, 



$ljüt. SHcuttiiiflrr. 

9. 2ttorgenf(eib aus bunfelblauem Seinen mit ruffifdjer Stufe. 

Naturfarbener 6trol)l)ut mit 'Blumengeuiinbe. 


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Gck gle 



$|)0t. i £*. Mauurl. 

10 labaffarbenes ludjfteib mit glattem, fu&freiem Hocf. 

fjalbtange 3acte mit glatten Ncrmeln. 

Original from 

UNIVERS1TY OF IOWA 

















Sette 592. 


Hummer 14. 


folge bes runben treffen befeßten ©üttels, elegant. Das 
Äleib ift aus bräunlich oiolettem, bünnern Seibentud). 
Der Äragen aus flieberfarbener Htoircfeibe. ©in mit 
ber übereinftimmenb gearbeitetes Sleib geigt 

2tbb. 6; Seibenooile oon febr bunfler Strobfarbe ift bas 
Htaterial. Das am Hdnb bes feltfam ausgegacften 
Dberrocfes fid)tbar merbenbe gutterfleib ift aus gleich* 
farbigem laft. Das leicht befolletierte ÜJtieber geigt 
einen f>a(b runben, halb ecfigen $)alsausfd)nitt, oon 
orientalifcb gefticfter Seibenborte umranbet. Der große, 
bunfelgelb gefütterte, ecrufarbene Heisftrobbut ift allein 
oon einem Ärang toelfer Hofen umgeben, ©ine lange, 
eng bie Datlle umföließenbe, fdjräg gefcbloffene 3acfe 
aus Seibentud), in ber garbe mit bem Äleib überein« 
ftimmenb, oerooüftänbigt biefes Äleib. Sehr äl>nlid) 
ift bas ©enre ber loilette auf 2tbb. 7. 2lu<$ b^r ber 
tleine, runbe Slusfcßnitt, bas lofe galtige in ber Dra* 
pierung bes bunfelpaftellblauen Samts, ben eine ®affe 
unb furge Überärmel oon etmas ßeller nuanciertem 
Htlas beleben« Sehr bübfd) ift bas nachmittags* 
getoanb (Hbb. 4). Der Hoc! bat eine runbe, fcbleppenbe 
gorm. Originell ift bie noch b^r unb ba ficbtbar 
merbenbe, b^r angemenbete ©rinnerung an bie Äüraß* 
taille. Originell auch ber boppelgefpißte runbe ©ürtel 
aus armenifcber ©olbfticferei unb ber tleine Umlege* 
tragen oon gefälteltem SSatift um ben Husfcbnitt. Das 
Äleib felbft ift aus fieinenfeibe meißlicbgelb getönt. Der 
Slbenb bringt bie betolletierten Xoiletten mehr ober 
meniger intimer ober offigieller Hote. gür tleine Diners 
im engen Äreis, Horftellungen in Meinen läutern ufm. 


eignet fid) bas Äleib auf Hbb. 8. Ueber einem Unterfleib 
oon empiregrünem Daft riefelt bas elmas lichter grüne 
©emanb aus bicbtem, befonbers ftarfem Seibenmuffelin 
nieber, einem neuen Stoff, ber bie Hlitte groifcben 
Hluffelin unb Hoile hält. Den Meinen Husfcbnitt um* 
gibt außer bem runben Volant ein Streifen toeißen 
Scbmanenbauns, unb ein folcßer umgibt auch ben fpiß 
nach oben geßenben 8lbfd)luß bes bob*n Htieberrodes. 
Der lofe barüberliegenbe Slbenbmantel ift aus fcbroargem 
Seibenmuffelin mit einem Solero aus feibengefticftem 
ßibertg, oon bem ein Holant, rings um ben gangen 
SHantel laufenb, ausgebt. Offigiell ift bie Hote ber 
loilette ($lbb. 1). Seoresblauer 2ltlas bilbet bas 
brapierte ©emanb, bas fid) oorn gu beiben Seiten 
unterhalb ber Änie, oon ben Sticfereiblenben gurücf* 
gehalten, oorbangartig fpaltet. Diefe Stirferei ift lüü 
mit 3ett unb Seibenarabesfen; fie roieberbolt ficb am 
lieber unter bem fd>räg brapierten Streifen oorn unb 
im Hücfen. Den Husfcbnitt umgibt ein blauer lülfr 
ftreifen, mit meißer Seibe geftiett. ©in für bie Säber 
beftimmtes HtorgenMeib aus buntelblauem Seinen mit 
eingemebten arabesfierten Streifen gibt Hbb. 9 mieber. 
©in runber ©ürtel umfließt bie ©eftalt unterhalb ber 
Süfte unb gibt bem lofe blufenben, ruffifeben ÜRieber 
unb bem in oielen galten b^abriefelnben Hoc! etmas 
Secferes, Degagiertes. Slucb b^r feben mir ben Meinen, 
oon einem Satiftfrägelcben umranbeten, fo feßr aftueüert 
Musfcbnitt. Der naturfarbene Strobbut ift mit einem 
oollen gelbblumengeminbe gegiert, gmifeßen bas ficb ein 
blauer Seibenmuffelinfcbal bineinfebmiegt. Jw«m«nHne. 


Sie ftsttfettöett Dllmialffeletle in fiünigl. lltofetim füc Bölfettonöe. 

Hon SHufeumsbireftor Hrofeffor Dr. ©. 6<bucbbarbt. — 5)iergu 3 Hufnabmen. 


Den „biluoialen ßouore", bie Äunftfammer ber älteften 
Steingeit, nennt man beute Dielfad) bie flaififcbe 5)öblengegenb 
Sübfranfreicbs, roo bie gunbftellen fid) brängen, bie uns mit 
ben frübeften merfroürbigen Äunftleiftungen bes Htenfcben 
befannt gemacht haben. Hn ben 5)öblenroänben mie auf 
Änodjen« unb Steingeräten erfebeinen Darftellungen oorn 
Htammut unb Henntier, oorn Hferb, ffiifent unb felbft oorn 
ÜKenfcöen tn fo erftaunlicber Haturbeobad)tung, baß ficb bei 
ihrem erften Huftreten oor einigen Oobrgebnten lebhafter Streit ■ 
erhob, ob fie überhaupt alt feien, greilid) einem gewöhnlichen 
Äifelacf roaren fie nicht gugutrauen, unb eine impreffionifiifCbe 
9ttalerfcf)ule gab es bamals toeber in H fl ris noch in Herlin. 
ßangjam fdjärfte fid) bann bas 2luge an ben Dermebrten gunb* 
fteüen. 9Bie bem Sonntagsfpagiergänger im SBalbe jebes Heb 
nur ein Hel) ift, ber görfter fie aber eingeln fennt unb nach 
3ahrgängen auseinanberguhalten meiß, fo gebt es auch bei 
neuen 3roeigen ber HMffenjdjaft: eine ftanbige Heobadjtung 
führt balb gur Untertreibung unb Heftimmung. Hebnltd)e 
ftöhlenfunbe mie in Sübfratifreid) traten in ber Scbmeig unb 
in SBürttemberg auf, befonbers am Sdjmeigerbilb bei Schaff» 
häufen unb nidjt meit baoon, bem „Äeßlerlocb" bei Xbat)ngen. 
Htan achtete mehr unb mehr auf bie einfachen, unoergierten 
geuerfteingerate, bie bie Äulturfchichten burdjfeßten, man 
fab, baß bie tiefer liegenben einfacher geformt roaren als bie 
höheren, man fanb gelegentlich Höhlen, roo nach einer erften 
Heroobnung ber Hl a t3 oerlaffen roar, burch Hbbröcfelung unb 
Hbfchroemmung oon ben Söänben unb oom Dach eine fterile 
Sd)td;t fid) über bie elfte Äultur gelegt hatte, roo bann eine 
groeite Äultur gefolgt roar, roteberum abgebeeft burd) eine 
bloße Haturfchici)t, unb fo noch ein brittes unb oiertes Htal. 
SHan geroann burd) foldje Heifpiete eine flare Stufenleiter für 
bie Hbfolge ber Äulturfct)icbten unb bie ©ntroicflung ber ©erät« 
formen, man benannte bie eingelnen Stufen nad) ben gunb« 
orten, roo fie guerft ober hoch am rcinften aufgetreten roaren, 
unb man fain fo gu ber heutigen ©rfenntnis, bie in großen 
3ügcn befagt: Om Hnfang roaren bie ©olitbe, „bie Steine 


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Gougle 


ber 9Horgenröte M aller Äultur, unb fie bauerten» febr lange, 
©s roaren Haturfteine, nur ausgeroäblt banad), baß fie bequem 
in ber i)anb lagen, unb nur an einer Stelle gu tiner Scßneibe« 
flache ober einer Hohrfpiße gugerichtet. Diefe ©eräte reichen 
bis in bie Dertiärformation gurücf. Dann fam man in ber 
©helles« unb Hcbeulgeit bagu, ben 3Bertgeugen eine gang 
beflimmte gorm gu geben, unb aroar bie Hcanbelform, bie 
nun in oerjdjiebenftem gormat, balb als einfacher „gauftfeil" 
(Coup de poing), balb auch gefchäftet, bas Unioerfalinftrument 
für alle Herrichtungen abgab. 3n ber Htouftierfchicht roirb bie 
Htanbelform fpißer, im Hurignac fornmt fie ab, unb es treten 
breite unb fchmale ÜJleffer auf mit runblicher ober fpißer 
©nbigung. Öm Solutr6 roerben fie gierllcher; Hobeln unb 
Hfriemen, gum guten Deil aus Änochen, fommen bi n 3u, unb 
im Htagbal^nien fd)ließ(id) entroicfelt ficb öie hohe Äunftferttq* 
feit in ipiaftif unb Seidjnung, bie oon Hnfang her bas Ontereffe 
für biefe frühen 3riten erregt hotte. 

Damit roar geroiffermaßen bie Umrißgeiebnung gegeben, 
auf ber bann bas Hilb mehr unb mehr in garben ausgefübrt 
roerben fonnte. Die älteften geformten SBerfgeuge (Hcßeul) 
roaren oon lierreften einer roarmen 3one, bem urelefanten 
(Elephas antiquus), ber bem heutigen afrifanifeben oerroanbt 
ift, unb bem Hbinogeros Hterfii begleitet. Die folgenbe Htouftier» 
fcbicht geigte bagegen bas bureß lange Hebaarung gegen Äälte 
gefdjüßte elefantenartige Htammut (Elephas primigenius) und 
bas Henntier, fo baß roir hier in einer ©isgeit uns befinben. Om 
Hurignac unb Solutr6 fommen noch einige Sdjroanfungen; oom 
*Hagbal6nien an ift aber erftchtlid) jegliche ©isgeit überrounben. 

Die menfd)lichen 3Berfgeuge, bie lierroelt, bas Älima roaren 
bamit für bie fiauptperioben bes Diluoiums beftimmt, es fehlte 
nur ber Htenfd) felbft. ©inige Sfelettrefte oon ihm roaren 
roobl cm oerfchiebenen Stellen gefunben, guerft im Heanberlal 
bei Düffeiborf (1856) ein Sd)äbelbach unb groei Oberlchenfel, 
bie nach langem f)in unb fter erft burch neue gunbe bei Spi> 
in Helgien als eine befonbere früh* Haffe anerfannt rourben, 
bie nun nach bem erften gunbort ihren Hamen „Hranbrr» 

Original fro-m 

UNIVERSITY OF (OWA 



jttummer 14^ 


Seite 593. 



Diluoiales Sfeiett oon te Alouftier (Dorbogne) Homo Mousteriensis Hauseri. 



toler" erhielt. Spuren biefer 
Stoffe fanben fid) bann mehr* 
fad): in Kroatien, in 9Dtoh s 
ren, in Sanlreid), ja in 
etmas früherer 0 orm auf 
JaoaOßithefanthropus) unb 
bei fteibelberg Aber immer 
maren es nur ein 3 elne 
93ruchftücfe, ein Sd)äbeibad) 
ober tiefer, unb roo einmal 
eine 3 eitlid)e Beftimmung 
burd) geologifdje Sd)id)t ge* 
geben fd)ien, mar fie un= 
genügenb beobachtet ober 
mürbe nicht red)t geglaubt. 

Daneben traten im Dilu* 
oium auch bie Spuren einer 
anbern, feineren Stoffe auf, 
in (Ero= 2 )tognon, in ©allet)* 
f)ill, in Brünn, unb biefe 
mar offenbar bie Trägerin 
ber fünftlerifchen SJiagba* 
tenienfultur. Aber ihr 93er* 
hältnis 3 ur Steanbertaler 
9 taffe mürbe nirgenb gan 3 
flar, hauptlächlid), roeil biefe 
felbft feinen feften Boten 
hatte. — 3n alle biefe fragen 
fällt auf einmal beHes fiid)t, 
unb , 3 roar gleich ein Doppellicht burd) bie beiben Sfelettfunbefym* 
fers im 93 e 3 ^relal (Dorbogne). Otto Raufer, ein Sd)mei 3 er, oon 
$)aufe aus Kaufmann, aber burd) fieftüre unb heimatliche Sunbe 
früh für ard)äologifche Öorfchung begeiftert unb bann an ber 
3 ürid)er f)od)fd)ule unter 5)eierli fortgebilbet, gräbt feit einer 
Stoitje oon Jahren an ben flaf[ifd)en gunbpläfcen Sübfranf* 


reich® unb hat 1908 beim 
Dorfe fie Sftöuftier ein Sie* 
anbertaler Sfeiett in einer 
2 ld)eulfd)id)t gefunben unb 
1909 bei (Eombe* (TapeUe 
(40 km oon fie Btouftier 
entfernt) in bem um 3 mei 
Schichten jüngeren Aurig* 
nacien ein Sfeiett bes fei* 
neren (Ero*SJtognon*Xt)pus. 
Daserfteremar leibermorfd) 
unb rft in manchen leilen 
bei ber Hebung jerfaüen, 
bas anbere aber mar bis 
311 ben letzten ginger* unb 
gufefnöchelchen munberbar 
erhalten, gefd)tnücft mit 
einem Stopffran 3 oon See* 
mufd)eln (Littorina litorea 
unb Nassa reticulata) unb 
umgeben oon einer Sülle 
oon geuerfteinmerf 3 eugen. 

Das erfte Sfeiett hat 
bie 93efonberbeit, baft es 
oon einem jugenblid)enjnbi* 
oibuunt ftammt. Die 9Beis= 
heit 3 ähne fomnten eben 
heraus, unb bei bem pradjt* 
oollen(Bebife ift ein 33.3ahn, 
ber linfe untere (Ecf 3 ahn, noch tiefer 3 urücfgehalten. Dabei 
ift aber ber Sdjäbel fchon ooü entroicfelt. (Er jeigt über 
riefigen Augenhöhlen beutlidje Augenbrauenmülfte, gatt 3 flache 
Stirn unb eine merfmürbig lange unb meite Ausbauchung 
nad) hinten. Die Stopa^ität ift auf 1400 Äubif 3 entimeter feft* 
geftellt. Das Äinn fpringt nicht oor mie bei uns, fonbern 


Die Beigaben ber biiuoiaien Sfelefte. 

!Red)ts: Saufifcil aus ber ^ßeriobe bes 2td)euleen. Clnfs: Schaber aus ber ^eriobe 
bes Sturignacien. 



Diluoiales Sfeiett oon <£ombe-<£apeUe bei Dlontfercanb (JJecigorb) Homo Aurignacensis Hauserl. 


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UNIV 


Original from 

ERS1TY OF IOWA 








Seite 594. 


Bummer 14. 


jurücf roie bet ben Affen. Die Armfnocben finb merfroürbig 
furj unb gebogen, bie Sd)enlelfnod)en oon faft runbem Quer* 
jebnitt unb ebenfalls ftarf gebogen. Unb bod) ift bies Sfelett 
jd)on burdjaus Menjd): bie (Ecfjähne finb nid>t mehr Beih s 
3 äf)ne, ber ijinterfopf fommt beim Affen niemals oor, unb 
bie Struftur ber Knochen ift, roie eine Böntgenburd)leucbtung 
gejeigt bot ebenfalls ganj menfd)lid). 

Der befonbere Sert biefes Sfeletts liegt, mie Salbeger 
betont, barin, bah es uns ein jugenblidjes Oefdjöpf oor Augen 
führt. Solange man nur bas Beanbertaler Sd)äbelbacf) Ijatte^ 
mar es oerjeiblid), menn ber fritifdje Bircbom fagte, feine Be* 
fonberfjeiten fönnten Alters* ober $tranfbeitserfd)einungen 
(®id)t) fein. Die roeiteren gunbe haben ihm unrecht gegeben; 
menn aber oollenbs fdjon im jugenblichen Alter jene (Eigen* 
tümlidjfeiten oorhanben finb, fo gehören fie juni (Eharafter 
ber Baffe. 

Das 3 meite Sfelett, nach feiner Schicht Homo Aurignacensis 
genannt, ift in allem anbers: sierlidje unb fd)lanfe Änochen, 
ein feiner fiangfcftäbel mit noch nicht fteiler, aber bod) ftarf 
fteigenber Stirn, bas Stinn länger, nod) nicht oor*, aber aud) 
nicht mehr 3 urücffpringenb. Das (Bebife mit 32 3äbnen, eben* 
falls tabellos erhalten, erfcheint gan 3 30 hm unb 3 ioilifiert gegen 
bas milb=berbe bes Beanbertalers. Dies Sfelett mirft fo mo* 
bern, bah bei feiner Aufbahrung in Berlin tatfäd)lich ber ©e= 
banfe auftauchte, es fei ein genfer Menfcb unb gehöre gar 
nicht mit ber Schicht in ber es gefunben fei, 3 ufammen. Sir 
haben baraufbin bie „Beroeife" Käufers auf 5 )er 3 unb Vieren 
geprüft, unb fie haben gottlob beffer beftanben als bie oon 
(Eoof. Senn bas Sfelett re 3 ent märe, fo mühte es unter 
Durchftechung aller Schichten in feine liefe hinuntergebettet 
morben fein, unb über ihm mühte einheitlich aufgeroorfener 
Boben liegen. Das Sfelett lag aber auf bem gelsboben ber 
5)öhle, unb über ihm bis 3 um fjöhlenbad) hinauf fanben fich 
intaft eine Beihe oon Schüttdichten, im ganzen gegen brei 
Meter ho d), unb 3 mar abroedjfelnb ^ulturfd)id)ten (Unteres 
unb Oberes Aurignacien unb Solutrfc) unb fterile, burch Ab* 
bröcflung bes j)öhlenbad)s entftanbene Schichten. Aufjer ben 
'Beobachtungen Raufers liegen bafür Xagebud)blätter unb 
Sfi 33 en bes St. ©allener Mufeumsbireftors Baecbler oor. 
Cs hilft alfo nichts: ber „re 3 ente Men(d)" ift fchon im Auri* 
gnacicn oorhanben gemefen, nur 3 mei Schichten höher als ber 
Beanbertaler. 

Ueber bas Verhältnis ber beiben Baffen 3 ueinanber muh 
ich natürlich ben Anatomen bas Sort laffen, bie uns in 
biefer gan 3 en Anfaufsangelegenheit aufs roirffamfte beraten 
unb unterftiiftt haben. ftlaatfd) meint, bah bie Beanbertaler 
Baffe am nächften 3 ufammenhänge mit ben Begeroölfern oon 
Afrifa. Sie hätte bemnad) — offenbar, als nod) Canboerbin* 
bung bei ©ibraltar unb bei S^ilien beftanb — Süb* unb 
Mitteleuropa meit hinauf innegehabt, begleitet 00 m (Elefanten 
unb Bhinoseros, hätte fich aber bei Beginn einer folgenben 
(Eis 3 eit nad) öem Süben 3 urücfge 3 ogen. Die gan 3 andersartige 


feinere Baffe fei in 3 mifd)en, oielleid)t oom Often tjer, oorge* 
brungen, habe fid) mohl mit ben Beften ber Beanbertaler oer* 
mifcht unb fei bann bauernb in (Europa geblieben. Sie früh 
biefe Baffe fich fchon fünftlerifd) betätigt hat, 3 eigen fleine 
plaftifche giguren aus bem Aurignacien, bie einen fchon in 
ben neun 3 iger gahren in Sübfranfreich gefunben unb bie 
„Benus oon Braffempoui)" genannt, bie anbern erft 1909 bei 
Sillenborf an ber Donau (sroifeben ftrems unb ßins) 3 utage 
gefommen. Bid)t bloh förperlid), fonbem auch fulturell er¬ 
halten mir fomit ben fortlaufenben 3ufammenhang oom Auri* 
gnacien bis 3 um Magbal 6 nien. Unfer Sfelett ftellt bas bisher 
frühefte Auftreten ber neuen Baffe bar, unb mir roerben fie 
nach ihm bie Aurignacraffe nennen bürfen. 

Sie meit an gahren biefe Ad)eul* unb Aurignacfd)icbten 
3 urücfliegen, barüber gehen bie Schäftungen ber (Beologen 
feftr meit auseinanber; bie einen fagen 20—30 000, bie anbern 
100 000. Sir müffen uns oorläufig mit bem relatioen 3*it* 
mah, mie es bie Sd)id)tenfolge gibt, begnügen, unb ba er* 
fefteint als bas mefentlicfte ber ^auferfdjen Sfelette, bah jebes 
oon ihnen 3 um erftenmal eine ausgefprodjene Baffe in eine 
beftimmte Stufe ber menfchlidjen Äulturentmicflung hinein* 
ftellt unb jebes bem Blicf eine roeite Bahn eröffnet, bas 
eine rücfmärts in bie primitioften 3 uftänbe, 3 U ben berben 
Sur 3 eln bes Menfd)engefcbled)ts, bas anbere oormärts auf 
bie immer reicher fich entmicfelnbe bes feineren (Europäers. 
Sieoiel auch weiterhin gefunben merben mag, biefe beiben 
oollen Bilber fönnen ihren Sert nie oerlieren. gebes folgenbe 
Stücf roirb unfere Kenntnis nun rafd) ausbauen, es roirb aus 
anberm ßebensalter, aus etmas anderer Schicht Dielleicht aus 
gan 3 anberer ©egenb fein. (Erft burch eine Beibe oon gunben 
merben mir über bie Ejerlunft ber beiben Baffen, ihr Ber* 
bältnis 3 ueinanber, ihre Sdjicffale mehr unb mehr ins flare 
fommen. Aber immer mieber mirb man jurüeffehren 3 U 
biefen beiben fo mohl gefieberten unb örtlich eng oerbunbenen 
gunben unb mirb neue an ihnen Dergleichen, meffen unb 
beftimmen. 

Sas beiht angefid)ts foldjer Dinge „hoher ^reis"? ©emih 
tann man beflagen, bah fie nicht für die Hälfte ober gar für 
ein Viertel 311 haben finb. Xheoretifch fann man ben hohen 
^ßreis oermerfen, aber praftifch muh man äugreifen, menn 
man nicht bas Badjfehen haben miü. Sürbe benn in Bonn 
heute jemanb baran benfen, bie Befte bes alten Beanbertalers 
für bunberttaufenb Marf roeg 3 ugeben? 

Dah bie Sfelette uns bleiben unb bauernb mit emfter, 
grober Bote bie Sammlung oorgefd)id)tlicher Altertümer oon 
(Europa eröffnen roerben, ift heute gottlob nicht mehr 3 U be* 
jmeifeln. Sie haben nid)t bloh beim Bolf, bas ln biefen 
Soeben Sdjaren oon Befucbern in unfere engen Mufeuinsräume 
entfanbt hat, fonbem febr hoch hinauf bas lebftaftefte gntereffe 
gefunben. Der gröfjte Xeil ber ftauffumme ift sufammen. 
Senn noch ein paar 5)änbe fräftig mit 3 ugreifen, fönnen mir 
unfer Schiffchen aufs troefene sieben. 


OX3ocOocOcxX}cxOooCXxaxX}xOocC>ocCDCOocOoc^^ 



Die erffe öfterreiebifebe Scftulfücbe in Bojen. 


i*0ol. ®5(iflfr. 


Bilber aus 
aller Belt 

Die erfte unb bisher ein* 
3 ige Scbulfücbe in Oefter* 
reich befiftt bie^aifer-granj* 
gofef*Mäbd)en*, Volts* unb 
Bürgerfdjule in Bo 3 en. Un* 
fer Bilb 3 eigt bie jungen 3 U* 
fünftigen Hausfrauen bei 
eifriger Arbeit am Sjerb. 

Der Begriinber ber meit* 
befannten Scftofolabenfabrif 
(Earl Buh s Sucharb, ein ge* 
borener Bheinlänber, feiert 
am 2. April fein öOjähriges 
(Befd)äftsjubiläum. 

(Einer ber befannteften 
Vertreter Der Montan* 
inbuftrie, ©ebeimer Bergrat 
unb Oberbergrat Ejars, be* 
ging oor roenigen Xagen 
feinen 80. ©eburtstag. Der 
gubilar gehört oielcn in* 


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Gck igle 


Original frnm 

UNIVERSUM OF IOWA 



Kummer 14. 







rols ber to?Äs£ W 
foaft mernia Ser 9®"f S g e fcU- 

f'in®!Mie f Äi e Ißjäftrige SSiofini* 
fleborerte »eatriffipe* 1 2, Ä en(mien 

i^iSI 

bett-lb^sÄlßLtomrent" 


Seite 595. 


«arr Bufj-Sudiarb, 

" fern 50id(jrifles <B ( fd,äft s iuWäum 


«eficimer Bergraf f) ar ,, 

bcfl,nfl feinen 80. @ebim 3 * a$ ,. 


J. Dorner. 

9 8 ° r9Q, " ,a '“ r Ci^Onen a „„ e . 


Beafrif Ceedj, Üofpljot. (BriDirf, 
'ine 16jol)ri fl e Süolfnolrtuofin. 


®f«0 Detferf, 

befonnler ffeüifi. 


Digitized b 


® er «igfif^e Bramafifer Bcrnhar». <«. 

^ ^ <*> W e«ner Borffomobie. 

' - — —* — Original from 

LUNIVERSITY OF IO 1 




















Seite 596. 


Kummer 14. 



Als Dteorganifator 
unb ©eneralbireftor 
ber (Eifenbabnen in 
&t)\le rourbe ber 
(Eifenbabnbireftions« 
präfibent 3- Sortier 
ermäblt. Sorner toar 
bisher präfibent bes 
(Eifenbabnbireftions» 
bc^irts Äattoroifc. 

(Einer ber belieb» 
teften unb erfolg- 
reidjften (Tellooirtu- 
ojen ift 2öiUt) Secfert. 
3n Dielen Stotterten 
biefes UBinters bat 
er roobloerbienten 
'Beifall geerntet. 

3n betn Dorf Alb- 
bourn in (Englanb 
tuurbe füralid) ein 
Srama „Sorfbodi» 
3 eit" oon (Etjarles 
Btc(Eoat) aufgefiibrt. 
Sie Sarfteüer roaren 
fämtlid) Beroobner 
bes Sorfes. Ser be- 


Sas fertige Bilb. 

fannte Sramatifer Bernbarb Sbam 
roobnte biefer Aufführung bei. 

Ser Berliner Bbotograpb Abal» 
bertSfer bat eineCErfinbung gemadjt, 
bie man als Spiegelatelier be» 
3 eid)nen fönnte. Sie eine Hälfte 
bes Ateliers ift fdjmar^ tapeziert 
unb obne 3 enfter, in ber 3 um bellen 
Seil gebenben 2öanb ift eine breb* 
bare Spiegelfdjeibe atjflebradjt, oor 
berbieaupbotograpbierenbeBerfon 
Blafc nimmt, hinter ber Spiegel 
fdjeibe im bunflen fRaum befinbet 
fid) bie ftamera, bie oon einem 
©ebilfen bebient mirb. Sie 31 t 
pbotograpbierenbe Berfon fiebt ibr 
Bilb im Spiegel, fann bie ibr gut 
fdjeinenbe 9Riene anneljmen unb 
rneifc gar nicht, mann unb oon roo 
aus fie aufgenommen mirb. 3 ür 
Äinberaufnabmen bürfte fid) bie 
neue (Erfinbung febr bemäbren. 

©enf mit feiner Ubreninbuftrie 
befdjäftigt Diele Heimarbeiter im 
ffteuenburger 3 ura. Unfer Bilb 
3 eigt eine Ubrenfcbalenpoliererin 
bei ber Arbeit. Sie golbenen 
ftapfeln merben hier mit bem lefoten 
Schliff oerfeben 


Ubrenfcbalenpoliererin im fleuetiburger }uta. 

Die golbenen unb ftlbernen Uljrenfrfjalen merben poliert unb mit Weiterungen oerfeben. 


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Go gle 


Scfjluft bes i’cbdiUkmeUen Xeils. 

UNIVERSITY OF IOWA 

























DiewocHe 

Kummer 15. Berlin, ben 9. Hptil 1910. 12. 3afftgan§ : 


3nhalt ber stummer 15. 


3)i t fieben lag« brr Sorbe.. . 597 

6 <bneKere 6 djnell 3 üge! Son Srof. 2)r. (Ebuarb (Engel.597 

Son ber beutföen Seeßföerei. Son 2>r. 5)ugo Sättger ... . . 600 

Sfnna 6d>ramm. 3 U Ihrem 75. (Beburtstag. Son Julius Steller . . 602 

Unfere Ȇber.603 

Sie Zoten ber 3Bod>e. 604 

Silber oom Zage. ($b°tograpbifche Stufnabmen).605 

Sie Sonne oon St. 3Rorffe. Somon non $aul Osfar Dörfer, (gortje&ung) 613 
Ser SolTsmunb als Siagnoftifer. Stauberel oon Sr. (Emfi Sranrf ... 618 
Sie (Elfäffiföe StuofteHung alter SortrSte in Strasburg. Son Saul 

Sumftreg. (Sit 13 Slbbilbungen).620 

(Eulen unb Säuge. Son Sr. D. #efnrotf). (Sit 12 Slbbilbungen) . . 627 

„(Ebelmut unb Santbarfeit". 6 H 33 « oon Karl fyk no Strobl. . . . 631 

^ortoftno-Spiften. Son Sictor Ottmann. (Sit 6 Slbbilbungen) ... 633 
Silber aus oder Seit . ... 636 



Die fieben Sage bet Boche. 


31. matt. 

Der Beidjsfanaler non Bethmann hollroeg fpiid)t bem 
neuen Ualienifdjen SBinifterpräfibenten ßu 3 aati aur Bilbung 
bes Äabinetts telegraphifd) feinen ©lücfroun;ch aus unb erhält 
non tiefem ein Danftelegramm. 

Die franjöfifcbe Depuliertenfammer nimmt mit 560 gegen 
4 Stimmen bas Altersoerlorgungsgefeß enbgüttig an. 

Die griec^ifd>e Btilitärliga erltärt in einer Äunbgebung an 
bas Bolf ihre Auflöfung. 

Der türtifdje Dioifiotisgeneral Dfdjaoib Baftha melbet aus 
©aloniff, im SBilajet Äoffomo nehme infolge bes Auftauchens 
immer aahfreicßerer Amaul enbanben bie Unftc^er^eit gu. 3n 
Spef mußten bie Bafare gefchloffen werben. 

tSn ben SBeichfohlengruben ber bereinigten ©taaten legen 
300 Ö 00 Arbeiter bie Arbeit nieber. 

1. Xpvil 

Der Äaifer -reift mit ber Äaiferin unb ber B r i n 3 ~tfin 
Bifloria ßuife nad) homburg oor ber 

Der neue italiemfche SBinifter bes Aeußern Btarquefe bl 
©an ©iuliano trifft in gloren 3 ein unb hat mit bem IRelc^s* 
fanaler non Bethmann i)ollweg eine Unterrebung. 

Jn Düffelborf ftirbt, 94 Jahre alt, Brofejfor Anbreas Stehen« 
bacb, ber ältefte beutfdje 9Baier (Bortr. ©. 610). 

3n granfreich tritt ber neue 3 oUtarif in Äraft, burd) ben bie 
(Finfuhr beutfeher UBaren in erheblichem Blaß betroffen mirb. 

Aus Oefterreidj'Ungarn unb granfreich mirb oon unge* 
wohnlich ftarten ©chneefätlen berichtet, bie großen ©chaben 
anrichten. 

3n Bogota (Columbia) mirb bie peruanifeße ©efanbifchaft 
oon einer Bolfsmenge angegriffen, hoch gelingt es ber $ 0 « 
Ii 3 ei, ernfteren ©cßaben 3 U oerßüten. 

2. Ttpnl 

3n Bielefelb ftirbt im Alter oon 79 Jahren ber befannte 
©oaialpolltifer Baftor griebrieß oon Bobelfcßmingß (Bortr. 
6 . 610). 

ßn ©an ©ebaftian ftür^t ber' franaöfifeße Aoiatiler ßeblon 
(Bortr. ©. 610) bei einem ©cßauflug aus ßunbert Bieter S)öl)e 
ab unb bleibt fofort toi 


Aus ber eßinefifeßen Brooina ©hanfi mirb gemelbet, baß 
bet einem ßufammenftoß jnjif^en Dpiumpflanaern unb ©ot« 
baten 60 $erfonen getötet unb oiete oermunbet merben. 

3. 2tptil. 

Der Ballon „Bommern" ftürat in ber Bähe oon Saßntß 
ins Bleer. Der Rührer, Beicßstagsabgeorbneter Dr. Delbrücf, 
unb amet feiner Begleiter ertrinfen, ber oierte Jnfaffe mirb, 
ferner oerleßt, gerettet (Bortr. ©. 607). 

Äöntg Beter oon Serbien trifft nach einer Begegnung mit 
bem Äöntg gerbinanb oon Bulgarien in Bßilippopel in Äon« 
ftantinopel ein, mo er oom ©ultan empfangen mirb. 

Brofeffor 2tbegg (Bortr. ©. 607) oon ber Dechnifchen ftoch* 
fchule in Breslau oerunglüeft mit bem Ballon „©chleften" bei 
ber ßanbung in Bommern; er mirb in bas Xejfiner Äranfen« 
haus gebraut, mo er feinen ferneren Berleßungen erliegt. 

4. 2(pri(. 

2 tus 2 lben fommt bie Bacßricht, baß bie fieute bes Blutfah 
oon ©omaii achthunbert Angehörige ber englanbfreunblichen 
©tämme getötet unb ihr Bieh geraubt hüben. 

5. 24>til. 

Der Beichsfansler oon Bethmann üoümeg hält nach bei 
Bürffehr aits Italien bem Äatfer in Homburg oor ber 5)öhe 
Bortrag unb reift abenbs nach Berlin meiter. 

6. Hptil 

Aus ben fübamerifanifchen Bepubliten laufen fortae r eßt 
Bachrichten über Äonflifte ein, bie ben Ausbnnh eines Äneges 
amifeßen Chile, Cfuabor unb Columbia , auf ber einen unb 
B*ru auf ber anbern ©eite roahrfcheinlich machen. 

n ithb 

4 \ 

Schnellere SchnelljAge! 

Bon B^of-^-®r. Cbuarb Cngel. 

Äein anberes ÜJlcrfmat ift fo überaeugenb für ben 
Äulturftanb ber Cifenbohnen in ben großen ßänbern 
Curopas roie bie ©><hnelligfeit ber 3üge. Der ©treit 
über ben ©rab ber Bequemltchfeit ift aum großen Deil 
eine ©efeßmaefsfrage, unb feibft bie ^öhe ber gohr* 
preife ift fein unbebingt fießerer SBaßftab, benn man 
muß babei ben fehr oerfchiebenen ©etbmert in ben 
einaetnen Cifenbahntänbern berücffichtigen. Die 3 U 9 S 
gefchminbigfeit aber, bie 3^h^ öer in einer ©tunbe 
aurücfgelegten Äiiometer ift eine mathematifdje Datfacße 
unb läßt ben Berfcßiebenheiten ber SBeinungen fo gut 
roie gar feinen ©pielraum. Sreilid), baß man auf 
ben Alpenbahnen ber ©djroeia ober Borroegens feine 
©efdjroinbigfeiten eraielen faitn roie auf ben ©treefen 
Oftpreußens ober in ber ßüneburger 5>eibe, bas roeiß 
jeber unb aieht es in Bedjnung. Bimmt man bie 
©chneüigfeit 3um BBertmeffer für bie ßeiftungsfähigfeit 
ber europäifd)en Cifenbahnoerroaltungen, fo erhalten 
roir folgenbe ©tufenleiter. Obenan ftebt immer noch 
©nglanb mit ben fchnellften 3ügen ber Crbe, unb feibft 
bie lobenswerten Beftrebungen ber preußifdjen ©taats* 
bahnen, allenfalls noch ber babijehen, es roenigftens 
auf geroiffen ßieblingslinien ben Gnglänbern gleid) ober 


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UNIVERSlPlf OF IOWA 












Seite 598. 


Stummer 15. 


ooraus 311 tun, haben bisher ißr 3 ^ nicht erregt; 
benn auch bie Englänber finb nicht ftill geftanben, 
fonbern haben bie ©efc^roinblgfeit ißrer 3 üge auf allen 
wichtigen ßinien weiter gefteigert. 3n Englanb wirb 
gegenwärtig auf oielen Strecfen mit Stunbengefcßmin* 
bigteiten non 90 Kilometer unb barüber gefahren, unb 
3 war auf fehr große Entfernungen; oon folgen ßei- 
ftungen finb wir in $reußen unb Vaben noch immer 
um 10 Kilometer in ber Stunbe entfernt, hierbei 
fommt noch ber wichtige Umftanb in Vetracßt, baß in 
Englanb auch bie fcßnellften unb allerfcßnellften 3üge 
feinerlei ?reis 3 ufchlag für bie befonbere ©efcßwinbig- 
feit forbern, weber einen Scßnellsugsufcßlag noch «inen 
ßu£US 3 ufcßlag, gefcßmeige eine gaßrfartenfteuer, baß 
fie oielmeßr ben ärmeren [Reifenben ebenfowohl roie 
ben reichen unb reicßften 3 ur Verfügung ftef>en, benn 
fie führen ohne Ausnahme neben ber erften auch bie 
britte Klaffe, unb 3 war eine gepolfterte britte. 

2luf ber 3 weiten Stufe ßinfießtlicß ber ©efcßminbig- 
feit fteht Deutfcßlanb, genauer gefprocßen Preußen, 
mit ßöcßften ©efeßwinbigfeiten oon 85 Kilometer für 
einige 3 üge- Sltlerbings wirb für biefe nicht nur ein 
Scßnellsugsufcßlag geforbert, in oielen gälten tritt noch 
eine, höh* Serteurung burch bas gehlen ber brüten 
Klaffe ein, unb bei manchen bequemften 3 ü 0 *n fehlt 
fogar bie sweite Klaffe, unb es wirb ein fehr ßoßer 
ßujrussufcßlag erhoben. 

Stuf. Deutfcßlanb folgt granfreich; ja, es gibt fogar 
einige wenige fran 3 öfifche Scßnellsüge, bie auf nicht 
fehr langen Strecfen felbft bie heften beutfehen Scßnell- 
3 üge noch um einige Kilometer fcßlagen. Dennoch barf 
granfreich nicht bie aweite, fonbern nur bie britte (Staffel 
auf ber fieiter ber Eifenbahnfultur beanfpruchen, benn 
feine fchnellften 3 üge finb faft immer ßujussüge, nur 
mit ber erften klaffe unb gar mit einem befonberen 
3 ufchlag. — 3n weitem Slbftanb hinter biefen brei 
großen ßänbern mit ßocßentmicfelter Eifenbahnfultur 
folgen, was bie Scßnelligfeit betrifft, Defterreicß-Ungarn, 
Stalien, bie Schweis, bie ffanbinaoifchen ßänber, 
Spanien unb [Rußlanb. 

9Barum folt nun burchaus noch fchneller gefahren 
werben, 3 umal in Deutfcßlanb? Die oolfswirtfchaftliche 
Vebeutung ber Steigerung ber ©efchwinbigfeit ßeroor- 
Sußeben, h^ße ben ßefer beleibigen. Es gibt aber 
noch anbere als oolfswirtfchaftliche ©rünbe, es gibt 
rein menfehliche, förperliche unb geiftige. Eifenbaßn- 
fahren ift langweilig unb förperlich anftrengenb; jebe 
Verminberung ber gaßrseit ift ein unmittelbarer ©e* 
winn für bie [Reifenben, jebe Steigerung ber Stunben- 
gefchwinbigfeiten, felbftoerftänblich innerhalb ber ©e- 
faßrengrense, ift ein Kulturfortfchritt, unb eine Eifen- 
bahnoerwaltung, bie bies nicht einfieht ober nicht burch bie 
Zat befunbet, ift rücfftänbig, bleibt hinter ihrer pflicht¬ 
mäßigen Aufgabe 3 urücf. Es ßanbelt fich hier nicht 
um einen oberflächlichen Schnelligfeitfport, fonbern um 
bie grage, ob bie Eifenbahnoerwaltungen, infonber- 
helt bie beutfehen, nach sufälüger ßaune ober nach 
einem unerfcßütterlicßen ©runbfaß ßanbeln wollen. 3 n 
Englanb ift ein folcher ©runbfaß beutlich waßrsuneßmen: 
alle großen Eifenbahnoerwaltungen bemühen fich, ouf 
ihren 5)auptftrecfen einige 3 üge mit ber nach bem 
jeweiligen Stanb ber £ecßnif ßöcßften erreichbaren 
©efchwinbigfeit oerfehren 3 U laffen. 3 cß oermiffe bei 
ben meiften beutfehen Verwaltungen folcß 3 ielbewußtes 
ßanbeln. 2Ran braucht nur in einem unferer Kurs¬ 
bücher 3 U blättern, um 3 U erfennen, baß feine beutfehe 


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Gch igle 


Eifenbahnoerwaltung hinfichtlich ber Scßnellsuggefcßroin- 
bigfeit nach fefteri ©runbfäßen ßanbelt. Die Verteilung 
ber guten unb ber beften Scßnellsüge auf bie ein 3 einen 
5)aupt(inien, 3 . V. auf bie oon Verlin aüsgeßenben, 
ift fo gut wie gan 3 bem 3 u fall, ber SBUlfur ber ein* 
3 elnen Direftionen ober ber gefchichtlichen Ueberlieferung 
3 U 3 uf<hreiben, nicht aber irgenbwelcßen allgemeingültigen 
©runbfäßen unb Erwägungen. Es gibt in Deutfchlanb 
einige wenige [Renommierlinien, auf benen bie größten 
©efchminbigfeiten erhielt werben, währenb auf einer 
[Reihe oon ebenfo wichtigen $)auptlinien bie ©efeßwinbig» 
feiten oon oor sehn 3 aßren nach bem ©efeß ber Xrägßeit 
beibehalten werben. 2Bas bie Englänber fönnen, bas 
fönnen wir auch, unb weit wir es fönnen, fo follen 
unfere Eifenbahnoerwaltungen es wollen! Es barf 
nicht länger bei bem jeßigen 3 uftanb bleiben, baß auf 
3 wei, brei oon Verlin aüsgehenben [Renommierlinien 
Stunbengefchwinbigfeiten oon mehr als 80 Kilometer 
erreicht werben, währenb auf anbern nicht minber 
wichtigen Strecken fogenannte ©efchminbigfeiten oon 
wenig mehr als 60 Kilometer rußig fortbefteßen, wie 
fie oor 10 , ja oor 20 3 ah*en beftanben hoben. 

[Reßmen wir Verlin sum Vusgangspunft, unb be¬ 
trachten wir, 00 m Often ausgeßenb, einige ^auptlmien. 
Der fcßnellfte 3 U 0 swifeßen Verlin unb Königsberg 
legt bie 590 Kilometer in 8 Stunben unb 55 Viinuten 
Surücf; feine Stunbengefchwinbigfeit beträgt nur 66 Ki¬ 
lometer — auf einer glacßbahn, bie bie größte ©e- 
fchminbigfeit suläßt. Der ßujussug, obgleich feltener 
haltenb, fährt noch etwas langfamer; er braucht 9 Stun¬ 
ben. Es wäre eine Kleinigfeit, oon Verlin nach 
Königsberg in 7 Stunben 3 U fahren, unb biefe ®e* 
fchwinbigfeit muß für alle großen Scßnellsüge swifeßen 
Verlin unb bem Dften geforbert werben. 

Die Strecfe swifeßen Verlin unb Ißofen, 254 Kilo¬ 
meter, fönnte bequem in 3 Stunben bureßfaßren wer¬ 
ben; jeßt braucht ber befte Xagesfcßnellsug 4 Stunben, 
ber [Rachtfcßnell 3 ug 3 3 /4 Stunben, felbft ber ßugus- 
Sug meßr als 3 l /2 Stunben. — Die 329 Kilometer 
Swifeßen Verlin unb Vreslau fönnen unb müffen in 
8V2 Stunben surücfgelegt werben; jeßt brauchen bie 
Scßnellsüge, je naeßbem, swifeßen 4 3 ^ unb 5 Stunben. 
— Die furse Entfernung swifeßen Verlin unb Dresben 
(über Elftermerba nur 179 Kilometer) müßte in 2 Stun¬ 
ben bewältigt werben; ber oerteuerte Scßneltsug braucht 
jeßt 3 Stunben, ber billigere Eilsug 2 Stunben 55 2Ri- 
nuten. 

gür bie 655 Kilometer swifeßen Verlin unb ÜHtüncßen 
über [Regensburg braucht felbft ber teure £u£ussug 
9 3 4 Stunben, erreicht alfo nur eine Stunbengefchwin¬ 
bigfeit oon 67 Kilometer. Die anbern 3ü0^ lauter 
oerteuerte Scßnellsüge, brauchen swifeßen 11 unb 
12 V 4 Stunben für eine Strecfe, bie ungefähr ber 
Swifeßen ßonbon unb Ebinburg gleicßfommt unb in 
Englanb in 8 Stunben surücfgelegt wirb. Es muß 
geforbert werben, baß minbeftens ein 3 ug täglich 
oßne befonbere Verteurung swifeßen Verlin unb Vtüncßen 
in 8 Stunben oerfeßre. — Etwas Veßnlicßes ift für 
bie Verbinbung swifeßen Verlin unb Stuttgart su for¬ 
bern unb bei gutem VMUen bequem so erreichen. 

gür bie 539 Kilometer swifeßen Verlin unb granf- 
furt über Eifenacß, bie feßr woßl in 6 L /2 bis 7 Stun¬ 
ben 3 urücfgeiegt werben fönnten, brauchen bie jeßigen 
fogenannten Scßnellsüge swifeßen 7 3 A unb IOV 4 Stun¬ 
ben! Eine nießt länger su bulbenbe 3*ftoergeubung. 

2luf ber ßinie Verlin 5 Köln über 5)annooer mit 


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UNIVERSITY OF IOWA 



Kummer 15. 


Seite 599. 


ihren 589 Nitometer müßte man höchftens 7 ©tunben 
brauchen; ber mit Stefpeft 3 u melben fchneüfte jeßige 
3 ug braucht 8 ©tunben 22 Minuten, aber es gibt 
oerteuerte ©chneÜ 3 üge auf biefer ßinie bis 3 U 10 ©tunben. 

Sie ©runbfaßlofigfeit unferer ©ifenbahnoermattung 
bei ber Verteilung ber mirflichen ©cf)neÜ 3 Üge 3 eigt fid) 
oielleicht am beutlichften bei einer Vergleichung ihrer 
ßeiftungen auf ben ©trecfen Verlin-fjamburg unb Ver- 
lin-Vremen. Ser Verfehr nach Hamburg ift nicht 
fchlecht oerforgt, fönnte atlerbings noch mefentlich oer* 
beffert roerben: 3 ©tunben müßten für eine glacßbahn 
mie biefe mit nur 280 Kilometer genügen. SOBelcßen 
burchfchlagenben ©runb aber miü bie Vermattung bafür 
angeben, baß fie für bie 346 Kilometer 3 mif<hen Verlin 
unb Vremen, bie bequem in 3 V 2 ©tunben burchfaßren 
merben fönnten, 5 1 2 ©tunben braucht, unb 3 toar für 
ben beften ©chnell 3 ug, alfo nicht oiel über 60 Kilometer 
©tunbengefchminbigfeit gegenüber ben 80 Kilometer 
für bie ©trecfe Veriin*#amburg —? 

Stoch fchlimmer fteht es mit ben ©efchminbigfeits* 
3 iffern für bie nichtigen #auptoerfehrslinien, bie nicht 
gerabe oon Verlin gusgeßen, bie fogenannten lieber* 
lanblinien. Man rechne fich einmal bie lächerlichen 
©efchminbigfeüen ber jeßigen fchneüften ©chnellsüge 
3 toi[chen Königsberg unb Vreslau, Stettin unb Vres* 
lau, Hamburg unb granffurt, Köln unb Vreslau, 
Magbeburg unb Hamburg aus! ©erniß, auch in 
©nglanb gibt es oiele Ueberlanb 3 üge, bie meit hinter 
ben ©efchminbigfeüen ber oon ßonbon ausgehenben 
$}auptlinien surücfbleiben. Slber in ©nglanb befteht 
ja bas Prioatbahnfqftem, unb ber Ueberlanboerfehr, 
fomeit er nicht oon ßonbon ausgeht, toirb meift oon 
mehr als einer, ja oon mehr als 3 toei ©ifenbahnoer- 
tnaltungen beforgt. gür Preußen mit feinem ungeheuren 
in einer f)anb befinblichen ©ifenbahnneß fällt ber ©runb 
einer Vernachläffigung ber ©cßneüigfeit im Ueberlanb- 
oerfeßr meg. Sie Prooin 3 bauptftäbte bürfen mit oollem 
Siecht forbern, baß fie nicht nur mit ber ßanbeshaupt* 
ftabt, fonbern auch mit ben großen übrigen SJtittel* 
punfien bes beutfcßen Verfehrslebens bur<h bie fchneüften 
3 üge oerbunben roerben, bie unferer Xecßnif fdjon 
heute möglich finb. 

Vorangehen müßte aüerbings eine gefeßliche Ve* 
ftimmung über bas SBefen eines ©chneÜ 3 uges. SBas 
ift benn eigentlich ein ©df)neÜ 3 ug? 3 ebe beutfcße ©ifen- 
bahnoerroaltung fann mit einem geberftrich oon geftern 
auf heute jeben Perfonen 3 ug in einen ©chneÜ 3 ug, 
{eben ©chneÜ 3 ug in einen perfonen 3 ug (ober ©il 3 ug) 
oertoanbeln, unb 3 toar ohne ihre ©efchminbigfeüen 
irgenbtoie 3 U oeränbern. Sas Mittel ba 3 u ift oerblüffenb 
einfach: fie braucht nur ansuorbnen, baß irgenbein 
3 ug oon einem beftimmten £ag ab ©chneÜ 3 ug ge¬ 
nannt, auf ben gahrplänen unb im Steichsfursbuch 
fett gebrucft mirb, jo heißt ber 3 ug nicht nur ©chneü* 
3 ug, fonbern er ift auch einer! 21 uf bie grage nämlich: 
SBas ift ein ©chneÜ 3 ug? gibt es jeßt nur eine 21nt* 
toort: ©chneÜ 3 ug ift jeber 3 ug, ben bie ©ifenbahnoer* 
maltung fo nennt, ©ine anbere ooüfommen sutreffenbe 
SBorterflärung gibt es nicht. 3ch fönnte noch eine 
anbere ©rflärung oerfucßen, bie aber nur anbers lautet, 
im ©runbe bas gleiche bebeutet: ©cßne^ug ift jeber 
3ug, für beffen Venußung bie ©ifenbaßn einen ©chneü* 
3 ug 3 ufchlag erhebt. Man begreift, baß es feßr oer* 
locfenb für eine Vermattung ift, ihre ©innahmen auf 
gana einfache unb foftenlofe Vrt mefentlich 3U erhöhen, 
nämlich burch bie Söahl bes fetten Srucfs in ben gahr* 


plänen unb burch bie Venennung eines 3uges als 
©chneÜ 3 ug. Kein ©efeß beftimmt irgenbeine ©renae, 
oor ber ein 3ug noch Perfonen 3 ug ober ©il 3 ug ift, 
jenfeit ber er ©chneÜ 3 ug nicht nur heißt, fonbern ift. 
Sas minbefte jebenfaüs, mas geforbert merben muß, 
ift, baß für feinen 3 ug ein ©chneÜ 3 ug 3 ufchlag erhoben 
merben barf, menn er langfamer fährt als ein ©il 3 ug 
ohne 3ufchlag auf 5er gleichen ©trecfe. 

3m internationalen Verfehr gibt es Jum großen 
£eil noch ärgere Stücfftänbigfeiten als innerhalb bes 
Seutfcßen Steichs. 3ämmer!ich ift es befteüt mit bem 
©chneüoerfehr 3 roifchen Verlin unb Petersburg. Sticht 
oiel beffer fteht es mit ber Verbinbung 3 toifchen ben 3 toei 
#auptftähten beutfcher 3unge: Verlin unb SBien. SBas 
ift bas für ein 3 «ftanb, baß bie fchneüften 3 üge oon 
Verlin nach ®i*n über Oberberg für nur 786 Kilo¬ 
meter 3 mifchen 13 unb 13 V2 ©tunben brauchen ftatt 
ber 9, hö<hftens 10, bie notmenbig mären! 21uf ber 
mefentlich für 3 eren ßinie über Xetfchen brauchen bie 
3 mei fogenannten ©chneÜ 3 Üge 12 ©tunben 55 Minuten 
unb 13 ©tunben 23 Minuten für 702 Kilometer, bie 
in 8V2 bis 9 ©tunben 3 urücfgelegt merben müßten. 
Man fteüe fich ben großen Umfcßmung ber Verlin* 
SBiener Ve 3 ießungen oor, menn ein Steifenber,. morgens 
um 8 oon Verlin ober SBien abfaßrenb, fcßon um 
5 r ober 6 nachmittags in ber anbern ^auptftabt fein 
fönnte! 

Sie ©ehneüsüge 3 mifchen Verlin unb Kopenhagen 
über SBarnemünbe holten in ben ©täbten ßömen* 
berg, ©ranfee, SBaren, ©üftroro. ©s ift lächerlich, baß 
ein ©cßneÜ 3 ug für bie nur 233 Kilometer bis ans Meer 
mehr als 4 ©tunben braucht ftatt ber 2'/2 ©tunben, 
bie nur nötig mären. 

Ser neue ©ommerfahrplan bringt menigftens für 
eine europäifche #aupilinie bie Verbefferung, bie ich feit 
oielen 3 oh?en geforbert höbe: einen XagesfchneÜ 3 ug 
3 mifchen Verlin unb Paris.' Serartige ©chneÜ 3 üge ohne 
Stad)tfahrt finb mit ßeichtigfeit auch für ben Verfehr 
3 mifchen Verlin unb ßonbon, ja felbft 3 mifchen Verlin 
unb Mailanb 3 U erreichen. Ser neue Iagesf<hneÜ 3 ug 
3 mifchen Verlin unb Paris ift noch fonge nicht bas, 
mas 3 toei fo große Vermattungen, mie bie preußifcße 
unb bie fran 3 öfifcbe, ber Steifenbenmelt bieten fönnten. 
Man mirb alfo oon Verlin griebrichftraße um 8 Uhr 
morgens abfahren unb über Köln unb ßüttich um 
IIV 2 Uhr abenbs in Paris eintreffen. Sie Slnfunft* 
3 eit ift fehr ungefcßicft, ift oiel 3 U fpät unb foüte fo 
halb mie möglich früher gelegt merben. ©s ift gar 
feine befonbere ßeiftung, baß ein folcher ©cßneÜ 3 ug 
erft nach 8 ©tunben in Köln eintrifft, unb bie ©e* 
famtfahrseit oon 16 ©tunben 25 Minuten (mit ©in* 
rechnung bes Unterfcßiebes 3 toifchen M.©.3* unb SB.©.3-) 
ergibt für bie 1073 Kilometer nur bie für ben heutigen 
©tanb ber £echnif gerabe 3 U lächerliche ©tunben* 
gefchminbigfeit oon 65,4 Kilometer. Vei einer ©r* 
höhung ber Surchfchnitt 3 ahl auf 80 Kilometer, mo 3 u 
aud) bie Slbfür 3 ung ber 21 ufenthatt 3 eiten, 3 . V. für 
Köln 26 Minuten, beitragen müßte, mürbe man bie 
©trecfe in 13Ve gahrftunben surücHegen, alfo fchon 
abenbs iim 9 l /2 Uhr in Paris eintreffen. — Stoch un- 
gefchicfter finb Slbfahrt- unb 21 nfunft 3 eit beim Verfehr 
oon Paris nach Perlin: man muß Paris oor tf Uhr 
früh neriaffen unb trifft in Verlin erft um 12 Uhr 
20 Minuten nachts ein. Vemerfensmert ift übrigens, 
baß biefer neue üagesfchneÜ 3 ug troß feiner geringen 
©efcßminbigfeit noch anfehnlich fchneüev fährt als ber 


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Original ftom 

UNIVERSUM OF IOWA 



Seite 600. 


Stummer 15. 


nur einflaffige Vorbejpreß 3 ug Verlin—$aris mit feiner 
•rftaunlicß rücfftänbigen Stunbengefcßminbigfeit oon 

nur 60 Nitometer.- 

Äeine Vetracßtung aber ber Scßnelligfeit unferer 
3üge barf einen 5)auptgeficßispunft außer Vetracßt 
Iaffen: bie 3ugänglicßfeit unferer Scßnel^üge für bie 
nichtrooblhobenben Steifenben. 2 öas nüßen ber SWeßr* 
3 aßf ber Steifenbenmelt bie beften Scßnel^üge, wenn 
fie nur mit unerfcßminglicßen Opfern 3 U benußen finb? 
*ßlummen un Specf finb ein ganj gaubes (Bericht, blot 
toi fregen bat nid)! 3Bir müffen enblidj in Deutfcßlanb 
non ber roillfürlicßen Verteilung ber brei Älaffen auf 
bie Scßnel^üge übergehen 3 U bem feften ©runbfaß, 
ber in (Englanb feit einem ÜDtenfeßenalter gilt: 3 ur 
greigabe aller 3üge, auch ber beften Scßne^üge, für 
bie Steifenben ber britten klaffe. Da nun aber eine 
folche 2 lenberung in ber gorm, baß in jeben ber be* 
jteßenben 3üge SBagen britter Älaffe eingeftellt wer* 
ben, fich nicht oon heute auf morgen oorneßmen läßt, 
fo muß auf anbere SBeife bafür geforgt werben, baß 
bie gan 3 ungerechtfertigte Vusfcßließung bes größten 
Teiles ber fHeifenben — benn bas finb bie ber britten 
Älaffe — gerabe oon ben beften 3 ügen wettgemacht 
wirb burch bie (Einteilung befonberer Scßnel^üge mit 
ber ßöcßften ©efeßminbigfeit, bie oornehmlich, ja aus* 
fcßließlid) für bie britte Älaffe beftimmt finb. Dies ift 
bas oon ber <Bered)tigfeit, aber auch oon einer flugen 
gina^mirtfeßaft geforberte ©egenftücf 311 ben jeßigen 
ßu$us 3 ügen mit nur einer Älaffe, an benen 99 999 
Steifenbe oon 100 000 nicht bas geringfte 3 ntereffe 
haben. Schon oor Sahren habe ich iu ber treffe bie 
gorberung aufgeftellt: Vliß 3 üge britter Älaffe! 60 gut 
wie bie (Eifenbaßnoerroaltung es notwenbig finbet, für 
bie fehr geringe 3 abl ber Reichen unb Steicßfteh ßujus* 
3 iige mit ßöd)fter ©efeßminbigfeit unb beften Vnfcßlüffen 
auf einigen ^auptlinien oerfeßren 3 U Iaffen, hat fie 
3 weifellos auch, ja erft recht, bie Pflicht, für bie weit¬ 
aus größte 3 Q ßt her Steifenben auf jeber i)auptlinie 
minbeftens einen ähnlichen 3 ug ohne befonberen ßujus, 
aber mit ber häuften erreichbaren ©efchwinbigfeit unb 
mit ebenfo guten 2 lnfcßlüffen ein 3 uftellen. 3cß hatte 
behauptet unb behaupte es noch heute, baß Vliß 3 üge 
ausfeßließlidj mit ber britten Älaffe einträglicher fein 
würben als ßujus 3 Üge nur mit ber erften klaffe. Die 
Vbfcßaffung aller ßu£us 3 üge würbe feinen mefentlicßen 
Stotftanb in unferm Verfeßrsmefen er 3 eugen; benn ob 


fich bie paar taufenb Steifenben ftatt ber ßupis 3 üge 
einfach ber Vtagen erfter klaffe unb ber Schlafwagen 
in ben gewöhnlichen Scßnelßjügen bebienen müßten 
ober nicht, bas ift für bie SUlgemeinßeit fehr gleich¬ 
gültig. Durchaus nicht gleichgültig aber ift es, ob für 
bie ^unberttaufenbe oon mittetbegüterten gernreifenben 
im Sommer nur bie gewöhnlichen Scßnel^üge benuß* 
bar finb. Die (Einteilung nur oon SBagen britter 
klaffe würbe wahrfcheinlich noch einträglicher fein als 
bie SJlifcßung ber britten mit ber 3 weiten klaffe. 3Wan 
bebenfe auch, baß bie SBagen 3 weiter klaffe teurer 
finb als bie ber britten, baß fie eine höhere Ver* 
3 infung unb (Erneurung forbern. Dem gegenüber ftel)t 
bie mathematifche Datfacße, baß 8 Steifenbe ber britten 
klaffe eine höhere (Einnahme bringen als 5 Steifenbe 
ber 3 weiten klaffe, unb über eine Vefeßung oon 
8 bläßen in ber britten, oon 5 flößen in ber^weiten 
klaffe geht man hoch burchfchnittlicß nicht hinaus, gür 
eine Steife oon 500 Kilometer be 3 aßlen 8 ?ßerfonen in 
ber britten Älaffe einfchließlich ihres Sd)nell 3 ug 3 ufchlags 
128 33tarf, 5 Steifenbe ber 3 weiten Älaffe nur 122 1 ^ 
SJtarf, troß ihrem hoppelten Schnell 3 ug 3 ufchlag. Die 
höchftens 2 Steifenben, bie burdjfcßnittlich in einem Vb» 
teil erfter Älaffe fahren, bringen ber (Eifenbaßn für 
bie gleiche (Entfernung nur 74 SJtarf ein, oorausgefeßt, 
baß fie — nicht mit greifarten fahren! 

3rgenb etwas Utopifches liegt in ber gorberung 
oon fchnellften Scßnel^ügen nur ober überwiegenb mit 
britter Älaffe ficßerlicß nicht. (Es ift fein unbefeßeibener 
Vnfprucß ber ungeheuren ÜDteß^aßl aller Steifenben, 
baß auch ihnen bie größte heute feßon erreichbare ©e* 
fchwinbigfeit im (Eifenbahnoerfehr 3 ugute fomme. 
Stach Öen längft 3 um Durchbruch gelangten fo^ial® 
politifchen Vnfcßauungen, auch in ben Äreifen ber Ste* 
gierungen, ift es nicht länger 3 U rechtfertigen, baß bie 
atlerfchneliften unb alierbeften 3 üge nur für bie SBoßt* 
ßabenben unb bie Steicßften, bie weniger guten Schnell* 
3 üge für bie ÜJteh^aßl ber Steifenbcn beftimmt finb. 
©ine Steform, wie id> fie hier oorfcßlage, würbe 
3 meifellos oon ber gefamten Steifenbenroelt, etwa mit 
2lusfcßluß ber SJtillionäre, mit hellem 3ubel begrüßt 
werben. 3ßre finan 3 iellen golgen aber für bie (Eifen* 
bahnfaffe würben in fünfter 3 *it ba 3 U führen, baß 
auch in Deutfcßlanb bie 2lusfcßUeßung ber mittleren 
unb ärmeren Älaffen gerabe oon ben beften 3 ügen 
allgemein aufhörte. 




Don bet öeuffdjen Seefifdjerei. 

Von Dr. 5)ugo Vöttger. 


Der beutfeße Seefifcßereioerein begeht in biefen 
Klagen bie geier bes 25jährigen Vefteßens. Sein 
©ebiet ift gemachten mit ber hohen oolfswirtfchaftlichen 
Vebeutung, bie im ßauf ber leßten brei Soh^eßnte bie 
Seefifcherei für bie (Ernährung unb gewinnbringenbe 
Dätigfeit bes beutfeßen Volfes erreicht hot, banf auch 
mieberum ber mannigfachen Anregung unb Anleitung, 
bie ber beutfeße Seefifchereioerein nach fo oielen Seiten 
gegeben hat. Das gifeßereigetoerbe unb namentlich bie 
Sfteeresfifcßerei gewährt einer nießt geringen Vo^aßt 
an unfern Äüften, ben gifeßern unb Schiffern, ferner 
ben Schiffbauern unb ben #erftetlern oon gifeßerei* 


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Gch igle 


gerätfeßaften, bem ©roß* unb Äleinßanbel, ben Äon* 
feroenfabrifen unb Stäucßereien, ben Donnen* unb Äiften* 
fabrifen, ben Äorbflecßtereien ufw. ben ßebensunterßalt. 
llnfere Volfsernäßrung fann fieß feit langem nießt meßr 
mit ben ©r 3 eugniffen ber ßanbwirtfcßaft allein 3 ufrieben 
geben; ber gifcß als Staßrungsmittel bringt in immer 
tiefere Volffcßicßten ein. Unb fcßließlicß fommt auch 
bas nie feßlenbe nationale ÜDtoment ßin 3 u, benn bie 
gifcßereibeoölferung ber Äüftenlänber liefert bas befte 
Vtenfcßemnaterial für bie ftänbig waeßfenbe i)anbels* 
unb Äriegsmarine. Diefe Vielfeitigfeit ber 3®^ utib 
Vraudjbarfeiten maeßt es autß erflärlicß, baß fieß bie 


Original fro-m 

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Summer 15. 


Steeresgfcgerei forporatioer uiib ftaotüdjcr Unterpügüng 
in Stag 311 erfreuen gehabt gat, baß pcg bie 

ßanbesgefeggebung unb bas 33ölferrecf>t bort, mo es 
not tat, igrer angenommen gaben. 

3n ber beutfegen See* unb Süftenpfcgerei finb runb 
35000 ?ßerfonen tätig, baoon entfallen auf bie #ocg* 
feepfegerei gegen 7300 Stann, oon benen namentlich 
bie i)eringspfcger ben erftflaffigen Saegtouegs oon Sta* 
trofen für bie Sriegsmarine ftetlen. Sa 3 u tommen bie 
oielen an fianb befegäftigten ßeute in ben gifegerei* 
gäfen unb fonftigen Unternehmungen, bas ^erfonal 
bes Schiffbaus, ber Baumert* unb Segelfabrifation, 
ber Sorbmacgerei. Sie E)ocgfeepfcgerei ift übrigens 
auch bestoegen fo befonbers mertooll für unfere Volts* 
mirtfegaff, meil fie nicht toie ber Sohlen- unb (Er 3 berg* 
bau eine tonftante Verminberung ber Saturfcgäge 
herbeiführt, nicht mie bei ber ßanbmirtfcgap ber er* 
fchöpften Statur mit tünffliegen Stoffen 3 U #ilfe 
tommen mug, fonbern toeil fie bis auf roeiteres unb 
bei pfleglicher Beganblung aus bem oollen nehmen 
fann, meil fie, abgefehen oon ber Süftenpfcgerei, 
ohne Sücfficgt auf ftaatliche (Brenaen in ©emeinfegaft 
mit anbern Nationen bie Steeresfcgäge ohne 93er* 
pflichtung 3 um (Erfag ausbeuten barf. Sag ben See* 
pfegen als Volfsnagriingsmittel noch nicht gans ber 
gebührenbe Blag eingeräumt ift, mug mit Bebauern 
3 ugegeben rnerben. 2 Benn auch ber gifegfonfum ge* 
maUig geftiegen ift in ben legten 25 3ahren, fo finb 
bie breiten Volffcgicgten, bie Arbeitertreife, hoch noch 
nicht genügenb 00 m Sägrmert ber gifegtoft überseugt. 
Xatfäcglicg braucht man 3 ur Sättigung mit gifegtoft, 
bie bie übliche Seit oorgalten foll, ettoa bas Soppelte 
an ©etoiegt, bas man an gleifcgnagrung 3 U fieg 3 U 
nehmen pflegt. Sa aber bie getoögnlichen gifegforten 
oiel billiger 3 U ftegen fommen als Sinb* unb Scgtoeine* 
v geifeg, fo mürben unfere Arbeiter bei Begünftigung 
ber gifegnagrung immerhin groge Vorteile eraielen 
tonnen, oorausgefegt, bag bie grauen bie richtige gifeg* 
töcgtunft: Abmecgflüng unb Vermenbung bes gifeges 
mit ©emüfe, erlernen mürben, E)ier liegt in ber Sat 
noch reiche Sutunftsarbeit oor uns. 

(Es ift jebenfaüs fegon jegt anerfannt, bag bie Be* 
beutung ber Steerespfcgerei bas ©ingreifen bes Staates 
rechtfertigt, meil bem Staat baran gelegen fein mug, 
einen oerftänbigen Setrieb ber gifegerei aufrecgt 3 u* 
erhalten, bie gifcgereibeoölferung gegen Unbilben ber 
’SBitterung, gegen bie Süden ber See nach Stöglidjfeit 
3 u fegügen, gegen Uebergriffe oon Angehörigen anberer 
Staaten fiegeraufteüen unb namentlich auch eine aÜ 3 u 
rüdficgtslofe Ausbeutung ber Süftengemäffer 3 U per* 
ginbern. i)ier unb ba ift fegon bie Anficgt aufgetaucht, 
bag bie gangergebniffe 3 urücfgegangen feien, unb bag 
bie Unerfcgöpflicgfeit ber Steeresfcgäge an geringen, 
Scgellfifcgen, Stafrelen, Sorfcgen, Auftern, Stufcgel* 
tieren ufm. igre natürlichen ®ren 3 en gäbe. Seit OJIära 
1906 gaben mir eine Seepfcgereiftatiftif, bie uns inter* 
"effanten Auffcglug über unfere $n)buftion unb über 
igre Verteilung auf Sorb* unb Opfee gibt, unb fie be* 
fagt, bag uns bie Sorbfee gauptfäcglicg liefert: Scgell* 
fifeg (1908 gegen 42 Stillionen Kilogramm), Kabeljau 
(16,5 9Jtillionen Kilogramm), Schollen (4 Stillionen 
Kilogramm unb 115 000 Stüd), ferner bie Soft ber 
geiufegmeefer: jungen unb Sutten (ungefähr 3 Stil* 
lionen Silogramm), ©ranaten unb Srabben (auch un* 
fägr 3 Stillionen Silogramm), Hummern unb Srebfe 
(17 000 Silogramm unb 180 000 Stüd), last not least 

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Sei te 601. 

1,6 Stillionen Stücf Auftern. Sie Oftfee oerforgt uns 
namentlich mit geringen (54 Stillionen Stücf unb 
1,8 Stillionen Silogramm), Sprotten (8 Stillionen Silo* 
gramm) unb glunbern (19 Stillionen Stücf unb 2,2 
Stillionen Silogramm). Ser 5Bert ber im Sorb* unb 
Dftfeegebiet gefangenen Seetiere mirb auf etroa 30 
Stillionen Start gefegägt. Samit ift unfer Volfsbebarf 
feinesroegs gebeeft. Sie (Einfuhr an gefallenen geringen 
belief fid) 1908 allein fegon auf 27 Stillionen Start, 
ba 3 u noeg ber 2 Bert ber eingeführten frifegen gifege 
in ber i)öge oon ungefähr 40 Stillionen Start unb 
über 85 000 Soppel 3 entner Starinaben unb Bäucger* 
pfege. Alles in allem erhalten mir für 90 Stillionen 
Start gifege unb gifegprobufte 00 m Auslanb. Bocg 
finb mir alfo niegt imftanbe, ben eigenen Bebarf ooü 
3 U beliebigen, unb es müffen unausgefegt bie i)änbe 
gerügrt unb bie ©eifter macggegalten merben, bamit bie 
beutfege Süften* unb #oegfeepfcgerei gefeftigt, teiftungs* 
fähiger geftaltei unb oor allem aueg im Sonfurren 3 * 
fampf mit ©rogbritannien, E)oHanb unb Bormegen ge* 
ftärft merbe. Siefe Baüonen gaben in bemunberns* 
merter SBeife feit oielen Sagraegnten fegon igre 5)ocgfee* 
pfegerei entmicfelt. 3 öglt boeg, um nur eins heraus* 
3 ugreifen, (Englanb runb 1800 gifegbampfer, mägrenb 
mir beren nur 260 befigen. Vorberganb -geigt es 
aueg in ber E)ocgfeepfcgerei noeg: Britannia rules the 
waves. 2 öas aber auf biefem ©ebiet an neuem 
Bationaloermögen gemonnen morben ift, mas mir in 
Söirtfcgaftticgfeit unb Secgnif ginsugelernt gaben, bas 
oerbanfen mir 3 um beträchtlichen Seil ber jungen, 
macgtoollen Organifation, bie foeben bas 25. ßebensjagr 
3 u oollenben fid) anfegieft, bem Seutfcgen See* 
fifegereioerein. lieber ign unb feine ßeiter finb 
bager noeg einige SBorte aufrichtiger Anerfennung unb 
bes Sanfes am ißlag. 

Ser beutfege Seepfegereioerein ift aus bem beutfegen 
gifegereioerein entftanben, ber fegon 3 iemlieg früg ber 
Verfcgiebengeit ber Aufgaben entfprecgenb in 3 mei 
Sonbergruppen: fürBinnenpfcgerei unb für Seegfcgerei, 
3 erpel. Sas Verbienft für bie Spe 3 idlifierung unb für 
bie glänsenbe (Entmidlung bes Sonbergebietes ber 
f)ocgfeepfcgerei fällt bem ©eg. Begierungsrat i)ermig 3 U, 
ber oon Anfang an ein groges Stag oon Satfrap unb 
Umficgt in ben Sienft biefes nationalen unb oolts* 
mirtfcgaplicgen Unternehmens gepeilt gat. 1885 gatte 
fieg naeg feinen Vorfcglägen eine eigene Seftion für 
Seegfcgerei gebilbet. Sie foQte ben Stittelpunft für bie 
Seftrebungen 3 ur Hebung ber beutfegen Süften* unb 
5)ocgfeegfcgerei geben unb namentlich für bie perfönlicge 
Sicherheit bes gifegers, für bie Vermehrung ber Betriebs* 
ergebniffe, für Verbefferung bes Abfages forgen unb 
fdjlieglid) bie für bas Verftänbnis unb bie görberung 
ber Seegfcgerei erforberlicgen roiffenfcgaplicgen (Ermitt* 
lungen fooiel als möglich förbern. fßraftifege Arbeit, 
oerbunben mit miffenfegaftiieger gorfdgung unb Vor¬ 
bereitung ber ©efeggebung — bas gat bem Verein in 
feiner 25jägrigen Sätigteit obgelegen, unb biefe Auf* 
gäbe gat er banf ber Eingabe feiner Bdifibenten i)ermig 
unb ©eg. ßegationsrat 3 . S. Sr. Sofe, feiner praftifegen 
unb miffenfcgaftlicgen ©^perten Brof. Sr. Renting, 
Sapitän 3 . See a. S. Sittmer, Sr. gifeger, i)afeninfpeftor 
Suge unb oieler anberer treu gelöp. Sas Seid) hat 
ber Organifation, bie in 3 toifcgen 1894 in einen felb* 
ftänbigen Verein umgeroanbelt morben mar, Unterftügun* 
gen mancher Art, oor allem Suboentionen 3 ugemanbt, 
bie gegenmärtig für bas 3<*gr 350000 St. ausmaegen. 

Original ftom 

UNIVERSITY OF IOWA 



Seite 602. 


Stummer 15. 


3nbem ber beutfche Seefifchereioerein ben gifchern 
bie Steuerungen ihres ©emerbes, 3 . 23. bas fchmebifche 
Aoot, ben i)eringslogger, bas ©runbfchleppnefe mit 
Scherbrettern, beffere gah^euge für bie 2Battfifcherei 
nähergebracht, inbem er bie Atotorfifcherei beförbert, 
Stubienreifen non gifchern nach Sfanbinaoien, gifcherei* 
ausftellungen unb Aehnliches mehr oeranftaltet hat, hat 
er in eine am alten hängenbe Aeoölterung eitlen 
frifchen Strom oon Anregungen geleitet, ber außer* 
orbentlid) mohltuenb gemirlt bot* Alan oergleiche nur 
ben Stanb ber Jßrobuhion unb Xechnif oon f>eute mit 
bem oor ettoa 20 3 abren, fie finb nicht toieber- 
3 uerfennen. Auch bem Atannfchaftsmangel in ber See* 
fifcherei bot ber Aerein 3 U fteuern ficb bemüht unb oor 
allem auch fein 23eftreben barauf gerichtet, in neuen 
gifdjereihäfen ber Seefifr^erei Stüfepunfte für ben 
fjanbel unb Schüfe gegen bie ©efabren bes Ateeres 3 U 
gemähten. ©ie gifcfeereihäfen oon ©eeftemünbe, 
Rorbenham, Kujhaoen, fiela unb Reufußren oerbanten 
ihm manche görberung. ©s ift nicht möglich, alle 
Srhufefinrichtungen 3 U fchilbern, bie oon ihm ins Söfrerf 
gefefet finb, bie Abgabe oon 93arometern, Xreibanfern, 
Rettungsgürteln, bie (Experimente 3 ur fünftlichen 23e* 
rubigung ber 2 Eßellen, ferner bie 2 Ößohlfahrtsanftalten, 
23erficherungs(affen, Samariterfurfe, ffiisoerforgung u;m. 

• Aon befonberem Aelang maren jebenfaüs auch bie 
Arbeiten, bie ben Konfum frifcber gifche im Ainnenlanb 
3 u beben beamedten, bie Ausheilungen, Kocßlurfe, Aor* 
träge unb ßiterataroerbreitung. ©in meites ©ebiet ber 
©ntmicflung bot fich mit ben miffenfchaftlich praftifchen 
Unterfucßungen unb ber internationalen Ateeresforfchung 
eröffnet; Alter, Aorfommen unb Aknberungen ber 
gifcße, bie Untertreibung ber SGBafferfchichten im Ateer 
(Xemperatur, Salagebalt, Sßlanfton) mürben in inter* 
effanten Aer[uchen unb ©jpebitionen erforfcht; ber 
Äeichoforfchungsbampfer „Aofeibon" mürbe eigens in 
ben ©ienft biefer unb anberer Arbeiten geftellt, fiatiftifche 
Arbeiten fchloffen fich an, um bie oolfsmirtfdjaftliche 
Aebeutung ber #ochfeefif<herei 3 U erhärten unb mannig* 
fache Streitfragen 3 U ergrün ben, 3 . A. ob bereits lieber* 
fifcßung ber Ateeresgebiete, b. b* eine 3 U ftarfe 3n* 
anfpruchnabme ber Ateeresfchäfee, ftattgefunben höbe. 

©urcß bas 3 ufammenmirfen oon fßrioatinitiatioe, 
SSßiffenfchaft unb Ärojis unb bebörblicher görberung, 
in erfter Ginie hes Reichsamts bes Snnern unb bes 
preußifchen Atinifteriums für Ganbmirtjchaft, ift in 
25 3abren ©roßes gefchaffen morben. Atit Aefriebigung 
fann es bie Aolfsmirtfchaft oerbuchen, melcben Auf* 
fchmung bie Seefifcberei in bie[em Seitraum genommen 
bat. Smar ift ber Rüdgang einiger Keinerer Aetriebe 
3 U beflagen, unb es muß bas ernfte Aemüben bes 
Staates unb ber Aereinsorgane fein, im 3ntereffe ber 
Aerforgung unferer Atarine mit beften Kräften biefen 
Rüdgang 3 um Stehen 3 U bringen. ©er beutfche See* 
fifchereioerein barf hier nicht, oerfagen in AufKärung 
unb Anregung, unb er muß biefe Aufgabe als eine 
febr mertoolle unausgefefet ins Auge fajfen. Aber auch 
oiel ©rfreulicbes ift baneben 3 U fonftatieren, bie große 
^eringsfifcberei unb bie ©ampffifcßerei finb fräftig auf* 
geblüht, unb ber Segelfifcberei ift in bem Atotor ein 
trächtiger Aunbesgenoffe erftanben. Auch unfere gifcb= 
inbuftrie bot fid) glüdlidj entmidelt, ebenfo manche #ilfs* 
inbuftrie bes Seefifcbereigemerbes. 9Bie mir banf ber 
Snitiatioe unb bem ©eitblid bes ©eutfcßen Kaifers 
unfere f)anbelsfchiffahrt unb Kriegsmarine ein großes 
Stüd oorangebracht hoben, fo bot fich oucb ber britte 


3meig beutfcher Seefahrt, bie Seefifcberei, Immer 
fräftiger unb gefunber entmidelt. 3 br möge eine glück¬ 
liche 3 irfunft auch fernerhin 3 um 20Bobl bes Rottes unb 
ber Ration befchieben fein. 

000 

Mtma Stramm. 

Zu ihrem fünfundfiebzlgften Geburtstag. 

S3on Julius Äeller. 

J)ierju bie Kbbilbungen auf 6eite 609. 

©ie „furchtbar nette" angeblich erft Sieb 3 igjäbrige, bie 
mir am 8 . April als greifes ©eburtstagsfinb unb Kunft* 
oeteranin ooü jugenblicher grifche unb ungebrochener Xat* 
fraft auf ben meltbebeutenben Arettern feiern, tritt an 
biejem feftlichen Xag 3 unächft mit einer erstaunlichen Re* 
ridjtigung beroor unb fagt nach berühmtem Roffenmufter: 
„^ochmobllöbliches Rublifum, id bementiere mir. 2 QBas 
in aüe bie Almanachers unb fonftige biograpbilifche 
Alätters über meine 3eburtsoerbältniffe oertautbert 
mirb, ftimmt nich- 3ch bin man nich bloß fieb 3 igjäb* 

rig, fonbern-fünfunfieb 3 igjäbrig unb jebe nur 

bie 2 (Babrbeit bie ©hre, menn ich heute fomit meinen 
reell fünfunfiebaigften 3eburtstag bejehe. 3n biefem 
Stabium barf man mobl ben Atut 3 ur 22ßahrheit hoben." 
So flärt Anna Schramm an ihrem ©hrentag bie 2Belt 
barüber auf, baß man fie all bie 3 ahre ihrer un- 
begren 3 ten ^Beliebtheit hmburch noch immer — 3 U ge¬ 
ring gefchäfet hot. Unb es mirb gebeten, ihr nicht au 
miberfprecben. Sie ift gemiß unb roaßrhaftig runb 
fünfunbfieb 3 ig 3 ohre alt; in ihrer forfcßen, fernigen 
Art hot fie es auch mir burchaus glaubmürbig nach 9 
gemiefen . .. 9Bir mollen heute ber feltenen grau unb 
Künftlerin mit bem beglichen ©efübl bergreube gebenfen, 
baß fie noch in ooller grifche unter uns meilt unb ihre er* 
fprießliche fünftlerifche Xätigfeit in ungefchmächter Kraft 
nicht nur am Königlichen Schaufpielhous, fonbern auch im 
Umher 3 ieben ausübt. 22 Bas biefe fünfunbfieb 3 igjährige 
Aübnenbumoriftin oon ©ottes ©naben neben ihrer 
angeftrengten Rormalarbeit am ©enbarmenmarft näm¬ 
lich an ©aftfpielreifen leiftet, mürbe ber ©nergie unb 
SBiberftanbefäbigfeit einer jugenblichen ßiebhaberin im 
blübenben Alter oon fauin 40 Genaen alle ©bre machen. 
Unbefümmert um all bie Strapasen ber ©ifenbahn* 
fabrten macht Anna Schramm ihre fchaufpielerifchen 
Aunbreifen burcb bie ©roßftäbte, unb meber ßorbeeren 
noch ©oib, bie ©rträgniffe biefer ©aftfpieltouren, brüden 
fie mefentlich- Aünftlich, mie bas f)tefige Repertoire es 
oorfchreibt, ift fie allemal in Aerlin mieber 3 ur Stelle, 
unb niemanb merft ihr an, baß fie eben erft „beim* 
gelehrt" oon fröhlicher gabrt. So fpielte fie 3 . A. am 
lefeten Sonntag nachmittags im Reuen Operntheater 
ihre berühmte i)öferin in „2Bie bie Alten Jungen" unb 
abenbs im Königlichen Schauspielhaus bie ÜEoinette im 
„©ingebiibeten Kranfen" — für eine 75 jährige eine Gei* 
ftung, bie oön ftrofeenber ©efunbbeit 3 eugt. 2 )aß bie 
„alte junge Oame" noch jefet ben Souffleur mit einer 
folchen geftigfeit oerad)tet, als märe fie mirflicb fo 
jchroerbörig, mie fie in ihrer Keinen ©pifobe als taube 
Xante im „gamilientag" heuchelt, nur fo nebenbei. 
2öas bie Künftlerin heute bem Xbeater unb fpesiell 
uns Aerlinern bebeutet, braucht roohl faum irgenb 
jemanb in ©rinnerung gebracht 3 U merben. ©urd) 
eine gan 3 e Reihe oon Arachtteiftungen hat fie, feitbem 
bas Köntglidje Schaufpielhous biefe einsigartige Schau- 


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Kummer 15 


Seite 603. 


fpielerin „lebenslänglich" gewonnen, ben ihr oon früher 
her ooraufgehenben guten [Ruf gerechtfertigt. 2lber aus 
jener 3eit, ba biefer „gute [Ruf" in emfiger Arbeit, 
aufwärts oon Stufe 3 U Stufe, begrünbet unb befeftigt 
würbe, wiffen bie „jungen ßeute oon heute" wohl 
!aum nüt 3 ureben, wenn — „bie alten Herren nicht 
wären!" — Diefe alten Herren unb notabene aud) 

ihre (Bemahltnnen-ach, mit welch h^licher 0 ?reube 

erinnern fie fich jener golbenen [Bühnentage aus ber 
guten alten Seit, ba 2Inna Schramm im herein mit 
5 )elmerbing unb [Reufdje „bei 2öallner" ihre Xriumphe 
feierte unb ben berliner S)umor 3 U (Ehren brachte, troß* 
bem biefe echte [Berliner Soubrette aus — [Reichenberg 
in Böhmen ftammte . . . 

Etliche 3 wati 3 ig 3al)re war 2Inna Sd)ramm alt, 
als fie in 3$erlin bas ßid)t ber 3öelt erblicfte. Denn 
crft hier würbe fie ber Stunft geboren, erft hier gelang 
es ihr, fid) burd) 3 u[eßen, erfannt unb geförbert oon 
ben elften [Berliner S)umoriften. So rühmte einft 
2lbolf (Blaßbrenner in einer längeren Stubie über 
fie u. a. ihre „Xapferfeit", mit ber fie bem „ 3 U biefer 
Seit herrfchenben (Beift ber grioolität" (!!) wiberftanb, 
unb fuhr fort; „immer 3 ur rechten Seit nod) 3 upft ber 
(Benius ber 3öeiblid)feit am bleibe 2Innas". . . Unb 
troß biefer 2Beiblid)feit machte bie Schramm jebem 
männlichen ftomifer burch ihre berbe, braftifdje, fieg* 
hafte Stomif bas fieben fauer. 3hre [Begabung um* 
faßte alle Nuancen ber Soubrette im großen Stil — 
foweit fie nicht ben Operettenfängerinnen $onfurren 3 
machen füllten. [Befonbere (Erfolge aber errang fie 
auf bem (Bebiet bes parobiftifchen Humors, unb ihre 
„2ffrifanerin in Stalau", ber föftlidjen [ßarobie auf 
SJteperbeers „2ffrifanerin", bilbete eine [Berliner Xheater* 
[enfation erften langes. SBiele Jahre glätte 2lnna 
Schramm als „Stern" am S)immel \)e\tevev berliner 
[Bühnenfunft — bann fani eine trübe Seit für fie .. . 
bie Seit ber [Riid’fehr ins „bürgerliche ßeben" — ihre 
unglücfliche ©he. . . . 2Ber bie rüftige, lebensmutige 
(Breifin oon heute fieht, oermag faum baran 3 U 
glauben, baß 2lnna Schramm bamals oöüig gebrochen 
unb entmutigt war unb fie, als bas ©efchicf fie 3 wang, 
ihr ©lücf wieber auf ben Brettern 3 U oerfuchen, faft 
oon neuem begann, wie eine fchüd)terne, ängftlid) 
taftenbe [Roo^e ben 2 Beg aus all ben 2 öiberwärtig* 
feiten bes fiebens empor 3 ur lichten 5>öt)e ber Stunft 
3 U fuchen. 3n Dresben mißglücfte ihre fßrobe, fid) 
burcfoufeßen — ber [Berliner [Boben brachte ihr aud) 


biesmal wieber bas wohloerbiente (Blücf. Sunächft 
fahen wir fie in bem Keinen [ßoffentheater am 2tte£anber* 
plaß wieber — in einem Stücf, bas 2llfreb Scßönfelb, 
ber jefeige Direftor unb S)ausbid)ter bes Xhaliattjeaters, 
für fie gefchrieben hotte. 23alb aber öffneten fich ihr 
bie Pforten 3 U ber alten Stätte ihres [Ruhms — 3 um 
3Ballnertheater. freilich mußte bie „furchtbar nette 
Soubrette" fid) nun 3 ur fomifdjen 2llten wanbeln, aber 
2lnna Sd)ramni war eben immer nur fomifd) unb 
nie alt — unb fo würbe fie in ihrem neuen 3 ?ad) benu 
aud) balb fo lebhaft gefeiert, baß bie jüngfte Kollegin 
fie barum beneiben fonnte. [Rur eine ihrer bamaligen 
©lan 3 rollen fei h^r genannt: ihre unübertreffliche 
„üftabame SSonioarb" — eine oon faftigftem S)umor 
unb fecfer Stomif erfüllte ßeiftung, bei ber wieberum 
3 U fonftatieren war, wie immer noch „ 3 ur rechten 3 eit 
ber ©enius ber 2Beiblichfeit am bleibe 2lnnas supfte."... 

23om SBallnertheater ftieg bie Stünftlerin enblid) 
3 um ^öniglidjen Schaufpielhaus empor — eine [Rach s 
folgerin ber feligen 3 rieb=[ 8 lumauer, wie man fie fid) 
nid)t beffer münfchen fonnte. [IRaj ©rube gebührt bas 
[ßerbienft, bie weiten ©ren 3 en ber [Begabung biefer 
„fomifd) s alten" Soubrette richtig eingefchäßt unb fie 
„hoftheaterfähig" gemacht 3 U hoben. 2 Bas morfch unb 
faul am fogenannten „5)oftheaterton" war, hotte man 
längft mit fräftiger S)anb 3 U befämpfen gewußt, unb 
fo fonnte 2Inna Schramm fid) öhne alle (Einßhränfung 
frifd) unb froh betätigen. Das hot fie benn auch mit 
ber ihr eigenen her 3 haftenßuft am Xheater getan, populär 
in ben weiteften Streifen bes [Berliner Xheaterpublifums, 
oerehrt unb beliebt bei ben Stollegen männlichen unb 
weiblichen ©efd)lechts, barf unfere 2 fnna ben heutigen 
Xag begehen, unb wenn fie auch ben alten 2Biß mit* 
macht unb fich ollen Ooationen burch bie glud)t 3 U 
ent 3 iehen trachtet — bes geierns beftem Xeil, bem auf* 
richtigen, beglichen ©ebenfen, wirb fie nicht entrinnen! 




Die (Einweihung bes D 3 eanoarap()ifdKn [Dtujeums 
in [»tonte (Earlo (2lbb. S. 605). [Bei Der (Einweihung bes 
SRufeums, in bem ein fürftlicber (Belehrter bie [Refultate feiner 
fiebensarbeit nieberp.elegt hat, hoben fid) bie Staatsoberhäupter 
ber europäifdjen Stulturftaaten burch namhafte [ferfönlichfeiten 
oertreten laffen. Der Deutfdje Staifer, ber befanntlich ber 
[Dteeresforfchung oiel Sntereffe entgegenbringt, entfanbte 3 U 
bem geft einen hochongeftellten Seemann, ben ©roßabmiral 



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Seite 604. 


Kummer 15. 


oon ftoefter. Ser Vertreter bes Staifers tourbe toäßrenb feines 
2 lufentßalts in ÜRonaco oon bem gürften f)ocb geehrt unb oon 
ben Serooßnern bes gürftentums mit großer Sympathie begrübt. 
« 

(Ein Unglücfstag für bie beutfdje ßuftfcßiffaßrt 
(2lbb. S. 607) mar ber britte 2lpril, ben 3 toei furchtbare Sallon« 
fataftropßen benuoürbiq machen. Ser Gallon „Schlefien", in 
bem ber Breslauer ©ßemifer Prof. Sr. Sicßarb 2lbegq mit 
feiner grau, einer 9tid)te unb einem greunb aufgeftiegen 
maren, ftranbete bei leffin in Pommern. Vorher roaren bei 
einem fianbungsoerfucß brei ber gahrtteilneßmer ßerausge* 
jcßleubert morben; nur Profeffor SIbeag blieb in ber ©onbel 
unb oerlor bann bei bem Stur,} bas fieben. gaft gu gleicher 
ßeit erfolgte ein Unfall bei Saßniß. Der Gallon „Pommern", 
in bem fid) ber Seicßstagsabgeorbnete Selbriicf, ber Stettiner 
Stabtbaurat Senbußn, ber Sanfbeamte Semmelßacf unb ber 
Kaufmann $)ein befanben, foüibierte für} nad) bem 2 lufftieg 
in Stettin mit bem Sad) einer Siernieberlage, 3 ertrümmerte 
babei bas ©eftänge einer (Eisanlage unb erlitt Sefcßäbigungen. 
Sie gnfaffen mürben fcßtoer oerleßt. Sann trieb ber füßrer* 
lofe SaUon auf Süqcn }u; hier mürbe er 3 um Sinfen gebracht 
unb fiel in bie 2öogen. Son ben gnfaffen fam nur $)err 
Semmelhacf mit bem ßeben baoon. 

« 

Ser 2lusbrucß bes 2letna (2lbb. S. 606) ift nod) nicht 
oöllig beenbet, menn auch bi* ärgfte ©efahr für bie größeren 
Ortfchaften am 2lbßang bes Serges beenbet fcheint. Sie 







c^ireäTe: 


:atania 


3um Uusbrud) bes 21efna. 


glühenbe ßaoaflut, bie aus ben ©ruptionslöd)ern langfam 
talroärts ftrömt, oermüftet auf ihrem 2 öege bie 2 Beinberge 
unb Obftgärten ber Sergbauern unb 3 erftört ein 3 elne ©ehöfte. 
Sie Sulfanoloqen, bie ben Verlauf ber ©ruption beobachten, 
lönnen ihr ©nbe nicht beftinunt oorausfaqen. Sas gentrunt 
Der miffenfchaftlichen ^Beobachtungen ift bas 21clnaobferoatorium, 
bem ber befannte Profeffor 9ticco oorfteht. 

©jpräfibent !Koofeoelt (2lbb. S. 612) hot nun ben 
fd)mar 3 en (Erbteil oerlaffen unb meilt in (Europa. 9tad) Se= 
enbigung feiner gagben in Oftafrifa hielt er fid) einige geit im 
Suban auf unb mad)te eine Seil)e ißm }u ©tjren oeranftalteler 
geftlicßfeiten mit. 

Ser (Elbtunnel (2lbb. S. T312), ber bie Hamburger Scr* 
ftabt St. Pauli mit bem Sübufer oerbinben foll, ift nun bei* 
nahe oollenbet. Äür}lich fanb in ©egenmart oieler ©äfte bie 
Sprengung ber leßten trennenben ©rbfeßießt ftatt. 

Sie grühjahrftürme (2lbb. S. 612) haben im öfter* 
reichten ftarftgebiet oiel Unheil angerichtet. Sei ber Station 
SRuggia marf ber 2 Binb einen per|onen 3 ug um, unter beffen 
Ürümmern einige Paffagiere tot, anbere ocrleßtgefunbenrourben. 

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Sie Opfer ber ©ifenbaßnfataftropße oon Stül* 
heim (2lbb. S. 60S) mürben in ber ßeidjenßaüe bes grieb» 
hofes feierlich einqefeqnet unb bann, geleitet oon einem maßr* 
ßaft impofanten ßeicßen 3 ug, 3 um Sahnhof gebracht. 

Sie fatholifche Starientircße auf bem Serge Sion 
(2lbb. S. 608). Sie Seife bes Prin 3 enpaares ©itel-griebrid) 
nad) gerufalem gilt nicht nur ber ©intoeibung bes eoangelifdjen 
©rßolungsheimes auf bem Oelberg, fonbern aud) ber neuen 
ftattlid)en Starienfircße, bie ber Kölner SiÖ 3 efanbaumeifter 
Senarb im 2luftrage bes Seutfcßen Sereins oom ^eiligen 
ßanbe erbaut hat. 

©ine Süfte ber grau ©Ife ßeßmann (2lbb. S. 611). 
Sie Sialer unb Silbhauer bilben mit befonberer Sorliebe 
barftellenbe Äünftler ab. Sas fo ausbruefsfäßige unb oiel« 
geftaltipe ©efießt bes Scßaufpielers ift natürlich ein befonbers 
intereffanter Sormurf für ben Pinfel unb ben Steißel. $ür 3 = 
lieh faß eine ber beften unferer Süßnenfünftlerinnen, grau 
©Ife ßeßmann, bem in Serlin lebenben 2öiener Silbßauer 
gäray }u einer Porträtbüfte. #err garay ift übrigens felbft 
ein begabter Scßaufpieler. 

Perfonalien (2lbb. S. 610). 2lm 16. 2lpril feiert ©eneral« 
Ieutnant 3 . S. ©buarb oon ßiebert feinen 60. Geburtstag, ©r 
hat fid) in ben beutfeßen Kriegen unb fpäter im militärifd)en 
griebensbienft ausge 3 eid)net, feine fymptoerbienftc aber ermarb 
er fid) in ben gaßren 1£96—1901 als ©ouoerneur oon Seutfct* 
Oftafrifa, — 2Bir bringen bie Porträte 3 meier ber oerbientef:en 
görberer bes Seutfdjen Seeßfchereioereins, ber fein 25 jähriges 
gubiläum begeht. SJirfl. ©eh- Oberregierungsrat Sr. ^ermig 
ift ©hrenpräfibent, ©eb. fiegationsrat Sofe Sräfibent bes 
Sereins. — grau ®in--©hang, bie ©emablin bes neuernannten 
cßinefifchen Äriegsminifters unb bisherigen ©efanbten, hat mit 
ihrem ©atten Serlin oerlaffen. Sie hinterläßt hier otele 
Sympathien. — ©eheimrat Summ tritt erft im $)erbft fein 
neues 2lmt als Sireftor ber grauenflinif ber Serliner Unioerfität 
an. Sis bahin bleibt 5)err ^rofeffor Sr. Olshaufen in fein:m 
bisherigen 2 Birfungsfreis. 

X obesfälle (2lbb. S. 610). gn Süffelborf oerfdjieb hoch¬ 
betagt ber berühmte fianbfehafts* unb 'JOtarinemaler Slttbreas 
2 ld)enbad), einerber beliebteren unb befannteften Steifter unferer 
älteften ©eneration. — gn Saftor griebrirf) Sobelfdjroingh, 
bem ©rünber ber 2lnftalt Setßel unb 3 ablreicj)er 2lrbeitstolonien 
für Obbacßlofe, hat bie beutfeße Oeffentlid)feit einen oerbienten 
Philanthropen unb praftifdjen So}ialpolitifer oerloren. — Ser 
gran 3 ofe ßeblon ftürste mäßrenb ber glugmocße oon San 
Sebaftian mit feinem Slöriot*glieger aus großer ftöße unb 
fam ums ßeben. ©r mar erft feit einem halben gaßr 2 loiatifer. 


^2)iclbtcn öer^Bodjef 



Profeffor IHicharb 21 b e g g, 2 lbteilungsoorfteher am©hemifd)en 
gnftitut in Sreslau, f in iteffin burd) einen SallonunfaU am 
3. 2lpril im 2Ilter oon 41 gal;ren. (Portr. S. 607.) 

Profeffor 2(nbreas 2Id)enbad), berühmter beutfeher 2Haler, 
t in Süffelborf am 1 . 21pril im 2 ilter oon 94 gafjren (Portr. 
S. 610). 

Profeffor 2lle^anber 2 lgafii 3 , befannter ^aturforfeßer, f in 
9teuyorf am 29. 3 Jtär 3 im 2Ilter oon 75 gabren. 

Paftor griebrieß 0 . Sobelfcßtoingh, bebeutenber Sozial« 
politifer, t in Sielefelb am 2 . 2lpril im 79. ßebensjaßr 
(portr. S. 610). 

Seidjstagsabgeorbneter Sr. 2 Berner Selbrücf, f bei einem 
SallonunfaU in ber 9täße oon Saßniß (Sügen) am 3. 2(pril 
im 2llter oon 42 gahren. (Portr. S. 607.) 

©raf Slarl o. Königstnarrf, Scßloßhauptmann oon ÜHheins» 
berg, t in Serlin am 1 . 2lpril im 2llter ooti 71 ga!;ren. 

gean Storeas, befannter Sicßter, t in Paris am 31. 
im 2llter oon 55 gaßren. 

Stabtrat gran 3 lourbi^, t in Serlin am 31. War} im 
2llter oon 63 gaßren. 

ftauptmann a. S. ©raf SBilßelm oon 3*PPelin, Senior 
ber gamilie 3 e PPfün/ t in Stuttgart am 30. Stär 3 im 2llter 
oon 85 gaßren. 


Original ffom 

UNIVERSITY OF IOWA 











Kummer 15. 


(beite 605. 


jg§pg==|2Ml&er oomSagc^Ü^ 



BtoL Xrc$ca. 

(Broftabtmral o. fioeffer (x), t>er Betftefer bes Deuffdjen Äaifers, frifff 3ur Je »et ein. 

!Die (Einreibung bes Ojeanograpljifcfjen ÜRufeums in *Dtonte (Earfo 


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Original from 

UNIVERSIIY OF IOWA 





























Das gaDagebiet bei 9tad)t. ?^ct. s«cta. 

3utn 2Xusbrud) bes 2(cfna. 

Sftebenftebenb: ^rofeffor DRicco, Direftor bes 31 etna*Dbferoatorium 9 . 

ftubierr bie unterirbifdjen ©eräufdje. Wipt. Idiu*. 




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Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 


Seite 606. 


Stummer 15. 






stummer 15. 


Sette 607. 



Stabfbauraf Benbufen f 


Bet einige Hebedebenbe, Jkofuuff Semmetyad, 

im Äranfenfoaus in Stettin. -fSbot.Srcbioro. 


Beidjsfagsabg. Bt. Belbrücf f 



2Xufftieg bes Ballons 3 ur Xobesfafert 



Bas £)aus in Stettin, gegen bas bie (Bonbet (tiefe. 


2 Hann (X) mit ben beim SlnpraU bes Saltons berausgefiogenen ©egenftänben. 

3 ur Äotoftropbe bes Sallons „Sommern" bei ©afjnitj. 



ptof. Sr. Bidjacb Hbegg f 

3 um lobesftuM^es fßrofieff 

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1. ^Profeffor Slbegg. 2. grau Äbegg. fßijot. 3 acnf«$. 

Ser Ballon oor bero Buff lieg in Breslau. 

ors 2lbegg, Segrünbers bes <5<f)Ieflftf>en Vereins für ß.uftfdjiffabrt. 

UNIVERSITY OF IOWA 























Seite 608. 


Stummer 15. 



mm 


(Eitel-Jriebrid) in 
Jerufalem. 


3um Befuge bes 
J3rin jenpaares ^ 


Die neue fatyolifdje Btarienfirdfjc auf bem Berge Sion. 




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Die feierliche Beifefjung ber bei ber Bttityeimec (Eifenbafjnfataftropfje oerunglürffen Solbaten. 

Original from 

KjKJ UNIVERS1TY OF IOWA 




V- N 




& 


* 


\ 












Kummer 15. 


Seite 609. 





Das Milchmädchen von Schöneberg. 


Aurora in Oel. 


Schusterjunge in „Krethi und Plethi". 

— 

UNIVERSITY OF IOWA 


Charlotte in „Erster Mittagstisch". 


Rosalie in „Leichte Person". 

—p— Gc r-ffhr 


Amme in ..Romeo und Julia". 
'ca*, 


zu ihrem 75. Geburtstag. 


Köchin Christine in „Dienstboten". 


Marthe in „Faust". 








































































(Bef). £eg>Raf 3 . D. Jrifc Rofc, 

r $räfibent Des beutfdjen ©eeftföereioerein*. 


Z 70. Cebion, 

fdjer Sloiatifer, oerunglütfte mit feinem 
Flugapparat bei ©an ©ebaftian. 


IBlrfl. (Bef). Ob.-Reg.-Rat Dt. f)em>tg, 

Gijrenpräfibent bes beutfcben ©eefif^ereiojreiiM 
Sur Feier bes 25iäi)rigcn feeren» öes Serein, 
(S^ier 3 u ber Slrtifel non Dr. fjugo Bottger). 


(Beneralin 3in-(£f)ang, 

bie ©emat)lin bes djmefif Jen (Befanbteni in ®£ Iin ' h 
ber als Äriegsminifter in fein »aterlanb 3 urütfberufen mürbe. 


(Beneralleutn. 3 . D. <£buarb n. Cleberf, 

ber frühere ©ouoerneur oon Deutf^Oftafrifo, 
feiert feinen 60. ©eburtstag. 


befannti 




Stummer 15. 


Seite 611. 



1Mn«i. ^nnftcr & VMbi(d). 


Die bekannte Scbaufpielerin Frau €lfe Cebmann im fltelier des Bildhauers Järay. 


Original fmm 

UNIVERSITY OF IO 


Digitized b; 








$!>ot. Sacopfc. 

5rübjabrflürtne am Hbriatifdjen lüeer: (Ein bei Xrieff oom Sdjneefturm amgeroorfener 3ug. 


Der (Espräfibent(X) mit (Benetal Slattn 

bei einer (Btjmffyana in (Fbartum 
3«r JHiirffebr JRoofeoeit« au« Urroalb unb ©üfte 


1 Obermg. 23ed. 2. iBürgermei|ter Dr. ^rebblji. 3. äüirgermeifter S)r. Sdjröber. 

iJefer anläfjltd) ber Sprengung ber lefeten ©djidjt. sicu« cmuui. 

3 ur ^ oWen ^ung bes (Elbetunnels bei $t. pauli in Hamburg. 


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Original fro-m 

UNiVERSITY OF (OWA 





Kummer 15 


©eite 613. 


Die Sonne pon St. fDoritz. 


Roman pon 

Paul Oöhar ftöcher. 


12. Srortfefeung. 

^lößüch fuhr ßore angfterfüllt empor unb wanbte 
firf) rafch ihrer greunbin 2öillemintje su. „Du," fließ 
fie sitternb aus, „bas ift mehr als ein 21bfd)iebsbrief — 
bas ift ein leßtes ßebewohl, ein allerleßtes.... (Er will 
#anb an fich legen...." 

„Äinb! ftinbl" 

ßore umfcßlang ihre greunbin, fchluch 3 enb preßte 
fie ihr ©eficf)t an SBillemintjes Schulter, „hilf mir hoch, 
SBillemintje, ad), hilf mir bo<h!" 

Die £ür ging auf, bie 3ungfer erfeßien im Salon 
unb melbete herrn oon ©ensmer. 

©an 3 oerftört fah fid) ßore um. ©ie oerftanb bes 
ßärms wegen, ber auf ber ^erraffe unb ben Tribünen 
jeßt bas ginifh ber leßten Vrogrammnummer begleitete, 
bie üttelbung ber 3ofe nicht. 

21ber in ber offen gebliebenen Xu r erfd)ien bereits 
ber SSefud). 

©ie trodnete Saftig ihre 21ugen, ißre SEßangen. 3n 
noch wunbem, erfd)öpftem Xon bat fie ihn, nahezu* 
treten. „Sie bringen Wachricht?" fragte fie bann mit 
einem leifen Schimmer oon Hoffnung. 

,,3d) habe eben nod) mit Wir. Vibble gefprod)en. 
©rolls Schlitten ift erft bei Veginn bes Rennens nach 
üWaloja abgefahren, fagt ber (Eoncierge. 2öenn man 
bie ©fier nimmt unb ißm folgt, erreicht man ihn noch- 
Wir. Vibble sieht fich um unb fomrnt mit. 2Bir wollen 
ihm ins ©ewiffen reben. (Er tn u ß bie kennen noch mit* 
machen. Sine. 3Belt ift gefpannt barauf, wie ,©oleiI‘ 
abfehneiben wirb. 2Bir feßen uns ja bem ©efpött hier 
aus, wenn wir in leßter ©tunbe fneifen." 

ßore niefte lebhaft suftimmenb, fprach aber fein 
Sößort. 3nswifchen war SBillemintje oom Walfon her* 
eingefommen. 21ud) fie hatte fich in aller (Eile einen 
?lan surechtgelegt. 

„Sehr gut, lieber Sehmer", fagte fie lebhaft. „Unb 
meine greunbin unb ich feßen uns in einen Schlitten 
unb fahren hinter 3hnen brein!" 

„garnos! — 2öir fehen uns alfo broben im hotel 
wieber. Das ift bas einige, bas im SBinter offen hält." 

„2Bar bas bein (Ernft, Sßillemintje?" fragte ßore, 
nachbem ber ßeutnant eiligft wieber oerfchwunben war. 
©ie fühlte fich fo unficher wie nie. Unb Webenfen 
ftiegen in ihr auf, baß ihre greunbin ihren guß über* 
anftrengen fönnte, ber hoch noch ber Schonung beburfte. 

Sßillemintje swang fich 3 u einem möglichft leichten 
unb heiteren Xon. „SBarum follen wir nicht ben herr* 
liehen $ag wahrnehmen, um noch bie fleine Schlitten* 
Partie su machen? 3n swei ©tunben fönnen wir 
broben auf bem Waß fein." 

„2lber bann ift es Wacht —" 

„£ut nichts. 2Bir haben ja Wionbfchein." 


21 ls fie faum fünf ÜWinuten fpäter, mit Welswerf 
oerfehen, in einem ber oor bem hotel auf ber ßanb* 
ftraße harrenben Schütten $laß nahmen, fahen.fie in 
ber Wichtung auf (Eampf&r eine bürre, langauf* 
gefchoffene ©eftalt im ©fifjöring baoonfaufen. 
2ftr. Wibble war beim Werlaffen bes Rotels auf ben 
StaUbefißer, bei bem fein gudjs ftanb, geftoßen unb 
hatte ihm rafch eins ber Sßferbe abgenommen, bie 
gerabe nad; bem Stall gebracht werben follten. Der 
Wappe war bei ben Wennen mehrmals Dutfiber gewefen, 
alfo noch gans frifch- ?Pferb unb ßöufer hatten fofort 
eine tüchtige $ßace; noch oor bem nächften Dorf über* 
holten fie ben ßeutnant oon ©ensmer. 

3 urüdblidenb gewahrte WMlIemintje auf ber ©trede 
Swifchen bem ^otel unb bem sum See hinab* 
führenben gußweg ihren Dnfel Abraham in einer leb* 
haft fchwaßenben ©ruppe: Wechtsanwalt ÜWagr, ber 
bas ÜWonofel ins 2tuge getlemmt hatte unb bem baoon* 
faufenben Schlitten intereffiert nachfehaute, gehörte 
basu, unb außerbem grau ©ertie ©eile. 

„Sieh nicht hin, ßore", fagte fie rafch- 

©ie fdjwiegen barauf beibe. 

SBillemintje empfanb inniges Wtitleib mit ihrer 
greunbin. Daß ßores Weigung su SC^et ©roll fdjon 
fo tief wurselte, hatte fie nicht geahnt. Unb bie 2lbfd)iebs* 
worte in feinem Wrief tonnte fte fich jeßt auch nicht 
anbers beuten, als baß ein unüberwinbüches htnbernis 
ihn für alle feiten oon ihr feßieb. 

Ob bie nächften ©tunben nun enblich ben büfteren 
Schleier lüften würben, ber über feiner Vergangenheit, 
feiner ©chulb lag? Unb ob es noch eine Wettung, eine 
Wücffehr für ihn gab? 

©ie hätte für ßore, bie fo unfagbar su leiben f<f>len, 
fo gern gehofft. 21ber je weiter hinaus fie in bie (Ein* 
jamfeit fuhren, je tiefer bie Sonne fanf, befto banger 
würbe ihr. 

ßore hatte unter ber ©chlittenpelsbede bie hänbe 
gefaltet, geft preßte fie bie ßippen aufeinanber. 

• * 

3 m hotel oon SWaloja, wo er feßon einmal, oor 
SBocßen, eingetehrt war, hatte fich 2l£ e * ©toll eine Stube 
anweifen laffen. 

Das ÜWäbcßen, bas bie VBirtin ihm hmauffeßiefte, 
um bas Vett su besiehen, tarn unoerrichteter Dinge 
Surücf unb melbete: ber grembe oerlangte nichts weiter 
als ein ©chreibseug. 

Die grau brachte es bem feltfamen ©aft bann felbft. 
Der hatte nur eine fleine Weifetdfche bei fich, er 
gerabe ein Rädchen Vriefe entnahm. Das 3immer 
war geheist, aber er hatte bas genfter weit geöffnet. 


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Copyright 1910 by August Scherl 0. m. b. H, Berlin. 


Original fro-m 

UMIVERSITY OF IOWA 



6 eite 614. 


Stummer 15. 


Sie Sonne ftanb groß unb golbrot bi4t über bem 
f4lud>tartigen Ginf4nüt bes fteil abftüraenben Vergell. 
gür bie näcgften Drtf4aften am ©Ufer See, hinter bem 
$aß, mar fte für heute fc^on entf4wunben; hier oben 
auf bem $ulm hatte man fle no4 ein 5)atbftünbd)en 
länger. 

Ob ber S)t rr benn nidjt über Stad)t bleiben, hier 
fdjtafen wolle? 

9tein, er gebenfe m>4 heute abenb eine größere Sfi* 
tour anautreten. Sas fleine ©epäcf follte ü)m mit ber 
morgigen Voft na4 Siefenfaftel gefd)idt werben. 

Stad) Siefentaftei? — 2lber bat)in gab's im Söinter 
bo4 gar feinen Übergang I 

Gr wollte if>n ausprobieren. 2iuf Sd)neefd)uf)en. 
3uerft hinauf nad) guorcla bi ßungfjino, bann hinab 
über bie Sd)neef)alben aum Septimerpaß unb über gor« 
cellina ins 2loerfertal nad) 3uf unb Grefta unb bann 
bie Straße weiter. 

„3egt — bei Siad)t?" fragte bie grau entfegt. 

„5Bir werben ja 2Jtonbfd)ein haben", entgegnete ber 
(Saft gelaffen unb rüdte ben Sif4 ans offene genfter 
in bie Sonne. 

„SIber bas ift Iebensgefägrlid), mein f)errl üffiiffen 
Sie bas?" 

Gr jutfte bie 2Id)fel. „Gs gilt eine Söette, liebe 
grau." 

Sie aögerte nod) immer an ber Stubentür. 2Benn 
er fd)reiben wolle, fagte fie, fänbe er's bod) unten in 
ber großen SBirtsftube beffer, bie fei gehest. 

SJtübe bantte er. „34 fefye nocß gern ein bißd)en in 
bie Sonne." 

Unb bann fegte er ficg hin, überlas bie Slufaeid)« 
nungen, bie nun fdjon feit SBocßen ihrer Sdbfenbung 
nad) bem fernen Süben darrten, unb ließ Urnen eine 
Stad)fd)rift folgen. 

„..,2Benn biefe ^Blätter morgen früh ben Vrief« 
faften hier oben auf ber Vaßhöhe non SStaloja oer* 
Iaffen, um enblid) bie Söanberung au Sir anautreten, 
bann hab id) bie große unb befd)werlid)e SBinterfaßrt 
hinter mir, oor ber es mid) im Slugenblicf nocß ein 
bißchen graut. Stod) fcgeint mir bie Sonne aufs Rapier. 
Gs ift bie gleite liebe Sonne, bie mir in St. JDtoriß eine 
3eitlang Sommer oortäufdjte, ob aud) ber eifige Söinter 
unter ber Sdjneebede tnirfcgte. 2Benn fie ficß non biefen 
blättern oerabfdjiebet hat, weißt Su alles, unb bann 
greife id) nad) bem Vergftocf unb mad)e micß ftill auf 
ben 2öeg über ben ?ßaß.... 

„34 fann Sir nicf)t alles fd)ilbern, was id) in ben 
paar 2öod)en erlebt habe, feitbem id) aulegt in biefem 
armfeligen 9öirtsf)ausfämmerd)en gekauft habe. Gs 
fieht au wirr in mir aus. Sas ©lüd tarn unb hielt 
mir bie $)anb f)in, ich griff f4on banad), fehnfü4tig, 
jubelnb, unb ba fuhr bas Schidfal wieber mit feiner 
plumpen, täppifchen gauft baamijchen unb fchlug mich 
au Voben. 3cf> habe oon einem SBefen äbfchteb nehmen 
müffen, bas mich in biefer St. Voriger Seit wieber 
hoffen gelehrt hatte. 2öer ßore war? SGftie ich fie 
fennen lernte? 3$ will Sir nur fagen, was fie mir 
war. Ginmal fagte ich au ihr: ,3Jteine grau Sonne 
— bas finb Sie mir geworben 1‘ 3ch Machte, bie müffe 


mir nun immer fcheinen, Sag für Sag, Stunbe für 
Stunbe. 34 wärmte mich an ihren Strahlen. Gin 
Sanfgefühi hatte ich in ber Vruft wie ein ©enefenber. 
Sas ßicht war heller, bie SBelt war fchöner geworben 
mit jebem Sag. ßore hätte wieber ben begeifterungs» 
fähigen, fröhlichen, tampfmutigen Vurf4en oon einft 
aus mir machen fönnen. 2lber es hat nicht fein follen. 
Gines Soges erfchien ©ertie in St. ÜDtorig. Sie hat 
mir eine üble ,Saene‘ gemacht, ooller Giferfucht ÜJtit 
ihrem brutalen Ungeftüm bachte fie mich oon ßores 
Seite aurücfauieißen. 34 tonnte ßore ja ni4t besten, 
was mi4 mit biefem SGßeib oerbinbet. Gine banale 
ßiebesgef4i4te — fo muß fie wohl annehmen. Vun, 
bie hätte fie mir oiellei4t oeraeihen tönnen. Gs wäre 
ber einaige ^ßoften auf meinem S4ulbfonto geblieben, 
bes war fie ja ft4er. 2lber nun hat bas Verhängnis 
bo4 no4 einen 2Beg gefunben, um mi4 aur Strecfe au 
bringen. 

„3n meinem erften Vrief f4rieb 14 Sir, baß i4 f4on 
in Verlin eine gewiffe Unruhe ni4t loswurbe, fo oft 
i4 einem jüngeren 9te4tsanmalt begegnete, ber im 
5)aufe ber grau oon Srooft ein unb aus geht. 2lu4 ben 
traf i4 hier wieber, feltfam intereffiert für jeben meiner 
S4ritte. grau Grifa oon Srooft war in erfter Gl)e 
mit Softor Seiles Vruber oerheiratet. 34 weiß, wie 
groß ihr 3orn barüber war, baß fie bei Seiles Sob teer 
ausging. Gbenfo groß war bie Gnttäuf4ung oon Seiles 
Vetter, bem Vanfier Seile. Sur4 oerf4iebene ^om* 
binationen habe i4 nun in ben legten Sagen oolle @e* 
wißheit barüber erhalten, baß bie Verwanbtf4aft einen 
^Proaeß anftrebt, um ©ertie bas rei4e Grbe ftreitig au 
ma4en. äuf aioilre4tli4^ni 2Beg fönnen fie bie Grb* 
f4öft natürti4 ni4t anfe4ten. S^genbeine buntte 
2lf)nung, oiellei4t au4 ein ffiort bes Selbftoerrats 
bur4 ©ertie muß bie ßeute ba auf ben ©ebanten ge» 
bra4t haben, baß ber lei4tfinnigen jungen SBitwe auf 
frimineHem ©ebiet naheaufommen fei. Srauer hat fie 
nie geaeigt, ni4t einmal bie äußere gorm gewahrt, im 
©egenteil oft genug an erfennen gegeben, baß fie bie 
Grlöfung oon ihrem Quälgeift banfbar begrüßte. Ser 
überraf4enb f4nelle Sob gab ihnen au benten. Ser 
Älatf4 hat mi4 mit 4r f4on lange in Verbinbung ge« 
bra4t. 3n einer 3eit, wo i4 no4 gar ni4t ahnte, wie 
man uns beibe beoba4tete. 34 war ber einaige ärat 
an Seiles Sotenbett — i4 war ber einaige, ber bie 
wahre Sobesurfa4e fannte. Unb i4 war na4 ihrer 
Vteinung ber einaige außer ©ertie, ber ein 3ntereffe 
baran haben tonnte, 5)ans Seile aus bem SBege a u 
räumen. Sie nehmen jegt an, baß wir bas Verbrechen 
oon langer f)anb oorbereitet hätten. 

„Vor wenigen Sagen brang ©ertie abenbs in mein 
3immer ein. Sie wollte Klarheit, b. i)., fie wollte ihre 
ÜDta4t über mi4 geltenb ma4en. 34 habe ihr gefagt, 
baß eine Verbinbung awif4en uns unbentbar ift. Sie 
hat fi4 babei ni4t beruhigt, bie bohrenbe Giferfu4i 
beraubt fie aller Überlegung. 

„Viellei4t finb wir belauf4t worben, oiettei4t hat 
©ertie, bie f!4 tn ihrer aornigen überreiaung in bie erft« 
befte ffrupellofe ®efellf4aft im ftotel geftürat hotr P4 
oon ihrer Umgebung ausforf4en iaffen, oom Gham* 


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Original from 

UMIVERSITY OF IOWA 



Kummer 15. 


©eile 615. 


pagner aufgepeitfcht — fura, ich hotte heute oormittag 
eine benfmürbige Untcrrcbung mit jenem berliner 
3 uriften, non bem bie gama behauptet, er märe mir — 
unb ©ertie — gemiffermaßen als Seteftio nad)gefd)i(ft 
morben. 

„Sdusmeichen fonnte id) ihm nicht, id) l)ätte mich 
baburd) nur um fo oerbädjtiger gemacht. 

„9Bas fall id) Sir bas fpißfinbige #in unb #er in feiner 
ganjen marternben ?Peinlid)feit ausführlich fchilbern. 
Vechtsanmalt ÜDtaqr, einer ber gefudjteften Vboofaten 
Verlins, ift berühmt burd) feine glänaenbe Vebnergabe 

— unb berüchtigt ob ber Sfrupellofigfeit ber ÜRittel, bie 
er anmenbet, um feiner Partei 3 um ©rfolg 3 U oerhelfen. 
©r hot eine fef>r leicht täufdjenbe lebemännifche 2 lrt, 
eine gemiffe Sooialität, burch bie er rafch bas Vertrauen 
jmeifelhafter (Elemente geminnt. SGßenn er feine be* 
rühmten Verteibigungsreben oor ben ©efchmorenen 
hält, fo ift man erftaunt, in melche Sßinfel bes ©lenbs, 
bes ßafters, in melche Schlupf minfel ber Verbrecher* 
melt fein Spürfinn reicht, mie groß feine Kenntnis aller 
menfehücher Verirrungen ift. SGBehe bem ßeumunb* 
3 eugen, ber feinen Älienten angreift. (Er fleht halb ein 
Vilb oon fich fetber entrollt, oor bem es ihm graut. Sie 
minaigften fünfte, bie fich 3 U einem „glecf auf ber (Eh*" 
aufbaufchen, oergrößern, oergröbern taffen, bie ftöbert 
er im ßeben eines folgen 9Jtenfd)en, ber ihm unbequem 
gemorben ift, auf. Unb bann hilft auch bas befte unb 
ruhigfte ©emiffen nicht mehr. 3 m ßeben eines jeben 
fannft Su eine fchmache ©tunbe finben. Sie mächft unter 
bem feßarfen Vlicf biefes hämifchen SRechtsfunbigen bann 
3 U einer ©<huib, neben ber bie Vechtfchaffenheit eines 
ganaen übrigen langen Safeins oerfchminbet. Su fannft 
entfräften, aber nicht mehr befeitigen — es mirb ftets 
fo oiel höngenbteiben, baß Su in ben 2lugen ber SBelt 
einen ÜVafel mie eine Slugel hinter Sir f>erfc^leppft. 

„ 3 <h mar 3 uerft abmartenb, ablehnenb, abmeifenb 

— aber Vebe ftehen mußte ich ihm fchließlich boch. ©r 
ift über jeben, aber auch über jeben 2 Beg unterrichtet, 
ben ich mit grau ©ertie je gegangen bin. 3 mmer 
enger fah ich mich eingefreift. Sößoher fein 2 Biffen 
ftammt? ©s ift nicht anbers erflärbar, als baß er 
©erties frühere 3 <>fen unb 5)ausmäbchen, ben portier, 
oieüeicht auch ben unb jenen oon meinem Sanatoriums* 
perfonat ausgehorcht hat. Unb auf ©runb oon beren 
Slusfagen hofft er uns 3 U überführen, hofft er uns 3 U 
bem ©eftänbnis 3 U 3 toingen: baß ©eile unferer ßiebe 
feßon immer im 2 öege mar. 

„ 2 Ich, 3 «nge, mas foll ich mich in meine 2 öut, meine 
Ohnmacht mieber aurüefoerfeßen? 3<h tonn mir jeßt 
benfen, marum ber Slngeflagte ben Unterfuchungs* 
richter, ben ©taatsanmalt fo leibenfchaftlich hoßt. Sie 
Schlinge, bie Sir ben #als einfehnürt, in ber fpielenben, 
leichten #anb 3 U fehen, immer enger, immer atem* 
beraubenber 3 ufammenge 3 ogen.... (furchtbar, furcht* 
bar!... 

„Vtaqr meicht nicht mehr oon grau ©erties ©eite. 
Unter ber Vtasfe eines ©ourmachers hot er fich &o 
heran 3 ufchleichen gemußt. Sie nimmt jeßt ja mahllos 
jebe ^ulbigung an, nur um mich 3 U reiaen, meine ©ifer* 
fueßt auf 3 uftacheln. Unb in feinen $)änben mirb fie 


2Bacf)S fein. 2Bas er bis heute nur ahnt, bas mirb er 
ihr als leßte Veichte herauspreffen. 

„Unb bas mirb nach modjenlanger, 3 äher, fleißiger, 
fomöbiantifch oerfchleierter Vorbereitung bann enblicß 
bie ©tunbe feines Triumphes! 

„©r mirb bas Vtaterial ber ©taatsanmaltfchaft 
übergeben. 2 Ran mirb ©ertie unb mich oerhaften. 

„Sie ©chanbe aber mürbe ich nicht überleben. 

„ÜRein alter greb, Su bift ©olbat, Sich hot ber Sob 
ba unten im #ererolanb fchon in mancher greulichen 
große angegrinft. gür Sich hot ©eoatter #ein feine 
©chrecfen mehr. Vielleicht läcßelft Su hinterher aus ber 
gerne über mich- Voll Vtitleib — mit Seiner berühm* 
ten Vachficht. Slber märft Su ba, fo mürbeft-Su mir jeßt 
noch einmal feft bie #anb geben, mir 2 Rut aufpreeßen, 
bann bie 3ähne 3 ufammenbeißen, inbem Su mir noch 
ein leßtes ÜDial offen unb flar ins 2 luge feßauft, unb 
barauf ftitl bie Stube oerlaffen. 3<h mürbe erft beim 
Slufblicfen entbeefen, baß Su fort bift — unb baß Su 
mir ein aierücßes, btinfenbes Sdbfchiebsgefchenf auf bem 
Sifch aurücfgelaffen hoft. Seinen Veootoer. 

,,3d) meiß, greb, mas ich hem Vamen fchulbig bin, 
ben mir tragen. Äeine gureßt alfo. 

„Sie Sonne hot fich Ins Vergelt gebettet. 2 Bie in 
einem geuerfeffel brobelt’s ba unten. Ser ganae 
Fimmel glüht. Unb bliefe ich linfs aurücf burch bas holb* 
blinbe fleine Sachfenfter, fo fehe ich f^on bie große, 
blaffe Scheibe bes ßRonbes über ben Schneehäuptern 
hinter ©iloaplana auftauchen. Votlmonb. 21m Fimmel 
fteht fein SBölfchen. ©s mirb eine munberbare Vacht 
geben. Silberhell mirb mir bas ßicht bes gutmütigen 
Vegleiters auf meiner leßten Sllpenfahrt leuchten. 3<h 
fchnalle mir bie ©fier unter bie Sohlen unb aiehe mit 
leichtem #eraen unb leichtem ©epätf in ben Schnee hin¬ 
aus. ÜZfteine Sorgen höbe ich h*er ouf biefen Vlättern 
gelaffen. Sie merben irgenbmo auf ber heißen (Erbe 
ba unten im Sübmeft mit ben geßen aerflattern, bie Su 
ben SBinben übergibft. 

„ßeb mohl, greb. 

Sein Vruber Sljel." 

2lls 2Rr. Vibble hinter feinem Etappen Vtaloja er* 
reichte — naß unb bampfenb mie an>ei Stunben oorher 
beim Sfifjöringrennen auf bem See oon St. ÜXRoriß, 
mar es holb feeßs Uhr. ©r hotte eine gute fportlicße 
ßeiftung hinter fich nnb mar aufrieben. 

Oben im #otel erfuhr er aus bem Vtunbe ber 
SBirtin, melden Sfireforb Softor ©roll au leiften ge¬ 
badete. Sofort regte fich in ihm etmas mie ©iferfuchi. 
©inen fo großartigen minterlicßen ÜUpenübergang auf 
Sfiern oeraeichnete bie alpine ßiteratur bis jeßt über¬ 
haupt noch nicht, gür ein paar Vugenblicfe oergaß 
3ttr. Vibble beinahe, baß biefer Veforb auf Äoften bes 
„Soteil" ging, ber baburch in ben nächften fehr mießtigen 
Sagen bes eingeübten Vremfers entbehren follte. 

Vtan beaeießnete ihm bie Sür bes Zimmers, in bem 
ber grembe faß. 2 Jtit feinem horten Snöchel pochte er 
an unb brüefte gleich barauf bie Älinfe nieber. 

2 l$el ©roß ftanb am offenen genfier unb oerfcßloß 
gerabe feine Veifetafcße, bie er mit feinem Varnen, bem 
Veftimmungsort unb einer Unterabreffe oerfehen hotte. 


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UNIVERSUM OF IOWA 



Seite 616. 


Stummer 15. 


„Df), 3Jtr. ®roD, i<ß fomme 3hnen au fugen, baß wir 
finb fehr erfeßroefen über 3f>re Slbreife." 

üfließt im entfernteften hatte Sfyef ©roll an bie 3ttög* 
licßfeit gebaut, baß fein gortgehen noch oor SBeenbigung 
ber kennen auf bem See befannt werben fonnte. 33om 
Ejotelfenfter in St. Sttoriß aus hatte er alle SBefannten 
auf bem 2Beg au ben Dribünen gefeßen: ßore mit ißrem 
„©efolgc" — bef)utfam führte fie ißre greunbin über bie 
fcßmalen Sdjneeftufen — bas ©ßepaar Vogelfang, 
ben SRecßtsanwalt 2Ragr, ber feinen 2lrm oertraulicß 
in ben non ©ertie gelegt hatte, unb als teßten feinen 
bisherigen Simmernacßbar, ben Sjollänber. 

2lls er hörte, baß bie Damen im Schlitten hierher 
unterwegs waren, oerlor er ©ollenbs bie gaffung. 

„3d) habe gräulein ©nglßofer gefeßrieben — fie 
fennt bie ©rünbe, bie mich awingen, St. 3Jtoriß au oer* 
taffen — ich fann bie kennen nicht mitmachen, ©s tut 
mir fehr leib, S)tr. ®ibble, aber es ift ausgefchloffen, 
baß ich aurüeffeßre." 

Da unten oor bem (Eingang noch 2Jtr. 58ibbles Stoppe 
ftanb, ©erließen fie bas 3immer unb traten ins greie. 

3n ber Sonne war über Dag ber Schnee auf bem 
*ßaß aufgetaut. Die ^oftwagen unb ßaftfußrwerfe, 
bie h^r Station machten, fteeften mit ihren breiten 
Stöbern tief im aufgeweichten (Erbreich. Der $1 aß war 
fchwara oon ben 9$füßen, bie fich oom Dauwaffer ge» 
bilbet hatten. Stafch fant nun aber bie Demperatur. 
2ln ben Stellen, bie auerft im Schatten gelegen hatten, 
fnirfchte fchon ber Schnee unter ben Süßen; auf ein* 
aelnen Sßfüßcn begann fich u>ieber eine ©isfeßießt au 
bilben. 

3Jlr. Sibble ließ feinen Stoppen im Stall unter* 
bringen. Der alte Stubienfreunb mußte ihn bahin bc* 
gleiten. 2öäßrenb ber Slmerifaner bem Stallmann 2In* 
weifungen gab, wie bas erßißte Dier au beßanbeln wäre, 
überlegte ©roll feinen $lan. ©r wollte ben $aß oer* 
laffen haben, noch beoor ber Schlitten mit ßore unb 
Söitlemintje hier eintraf. 2lber SJtr. SSibble war aäß. 
©r hatte fich eine ^ferbeberfe umgehängt, feine furae 
SJtaferholapfeife in Skanb gefeßt, rittlings auf einer 
Ärippe $laß genommen unb bearbeitete in feiner ge* 
laffenen 2lrt, bie feinen Söiberfpruth bulbete, bas un* 
getreue üötitglieb feiner „©rem". 

Der „Soteil" hatte bie befttrainierte SSobmannfcßaft. 
2lucß ber ©raßeraog, mit bem 9Jtr. SBibble oorhin 
beim Stennen über bie ©hancen gefprochen hatte, 
war ber SSemunberung ooll oon ben leßten $robe* 
führten. 3ni ®lub waren fchon Dips ausgegeben 
worben: ber „Soleit" aäßlte ba in erfter Steihe mit. 
©inen neuen Sremfer in bie ÜDtannfcßaft aufaunehmen, 
bas war jeßt, am 93orabenb ber großen Stennen, gana 
ausgefchloffen. 

©5 war ber faft ftumpfen Stuhe, mit ber ÜJtr. 23ibble 
auf feiner Sorberung beßarrte, mit SSernunftgrünben 
nid)t beiaufommen. Schließlich oerfuchte es 2l£el ©roll, 
ihn bureß SSerfprecßungen losauwerben. 

„SJtorgen bin ich in Diefenfafte! — übermorgen fann 
ich tri St. SJtoriß wieber mit ber Sahn eintreffen. 3 um 
eigentlichen Stennen fomme ich bann immer noch 
aureeßt." 


ÜJtr. Sibble ftieß eine biefe Dampfwolfe aus unb 
fagte, ohne bie furae pfeife aus ben gähnen 5“ laffen: 
„3Benn Sie bann noch leben, 9ttr. ©roll." 

Unficher forfeßte 2ljel in ben ruhigen 3ügen bes 
2lmerifaners. „SBarum — foll ich öann nicht mehr 
leben?" fragte er mit einem geawungenen ßächeln. 

„Der Steforb, ben Sie oorhaben, ift fehr gefährlich, 
SJtr. ©roll. Den fonnen Sie machen, wenn bie Stennen 
finb oorbei. SBorßer nicht." 

Sie ftritten noch miteinanber, als ©enamer oor bem 
* SBirtsßaus anlangte — nicht minber bampfenb unb 
feßroeißtriefenb als 2Jtr. Sibble. 3ui Stall hörte man 
feinen hellen &ommanboruf, ben er über ben $aß hin 
erflingen ließ. 

Stun war 2fgel ©roll ein ©ntrinnen unmöglich 
gemacht, ©r mußte bas ©intreffen bes Schüttens 
abwarten. 

Droßbem bie Sonne fchon feit einer halben Stunbe 
hinter bem Sergelt in bie italienifche ©bene hinab* 
gefunfen war, ftrahlte im SBeften ber ganae EJoriaont 
in rotgolbenem geuer. 2lucß bie Schneegipfel auf ber 
Sübfeite ber Seenfette ragten wie leuchtenbe Sacfeln 
auf. Doch über bie fchmale, ebene Schneefläche bes 
Silfer Sees ergoß fich fdjon ber milbe Silberglana bes 
SJtonbes. 

Den Steft ber Schlittenfahrt aum $futm empor be* 
gleitete bies wunberbare garbenfpiel: ber Äampf ber 
©eftirne. Söillemintje war bem ©inbruef gana hin* 
gegeben. 2tucß ßore empfanb troß ihrer erregten Stirn* 
mung bie übermältigenbe Schönheit biefer Saenerie. 

Das SBieberfeßen mit 2ljel ©roll bot burch bie falt* 
blütige Überlegenheit SMbbles unb bie gutmütig brollige 
©creiatheit, bie ber ßeutnant bem Ausreißer gegenüber 
3 ur Schau trug, feinerlei ©elegenheit au tragifch an* 
flingenben Vorwürfen. 

Die beiben Sfiläufer froren, ©erlangten nach ©rog 
unb beftanben barauf, baß man fich int großen ffiirt* 
aimmer aunächft einmal behaglich um einen Difch feßte, 
bie ßampe anaünben ließ unb fich ftärfte. 

©enamer half Söillemintje behutfam oom Schütten 
über bie in 3 wifchen ftarr gefrorenen $füßen ins SBirts* 
haus. Sftr. dibble oerßanbclte mit bem Schlitten* 
futfeher über bas ülusfpannen ber $ferbe unb traf bann 
in ber £üd;e feine 2lnorbnungen für ein ausreießenbes 
Slbenbeffen. 

Snawifcßen war ßore mit 2l£el allein auf bem $iaß 
geblieben. 

Sie waren oon ber Straße weg auf bie gelsplatte 
getreten, au bem ©itter, über bas man ben berühmten 
23licf über bas Mergelt hat. Die Schlucht tag in tief* 
blauen Schatten unter ihnen. 3n matten Drangetönen 
aitterte noch bas oerglimmenbe fließt bes Dages als 
fcßmaler Streifen über bem tiefften ©infeßnitt bes ®er* 
gell. Da unb bort flimmerten Sterne, wie greifbar 
naße. Der Sttonb war nicht au feßen, benn ber liefen* 
feßatten bes Söirtsßaufes unb ber Ställe feßtug über tßren 
*ßlaß hin. ßinfs unb rechts oon ben ©ebäuben aber 
leuchteten bie weißen Scßneewänbe ber wilb aerriffenen 
Sllpenlanbfcßaft. 

93on allen Slnflagen, bie 5Dtr. Sibbte gegen ben 


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Original frnm 

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Plummer 15. 


Seite 617. 


glü 4 tling üorgebrad)t hatte, mar Sore nur bie eine im 
©ebä 4 tnis geblieben: baß ä£ei ©roll bie nä 4 fte Sa 4 t 
benußen mottte, um ben no 4 nie bagetoefenen Seforb 
einer nächtlichen Sfifahrt über ben Septimer burch* 
gufeßen. Sie brauchte nichts anberes 3 U hören — fte 
mußte, baß bies eine gaßrt in bie ©migfeit mar. 

Steithin fießtbar thronte über ttttaloja bas Schloß 
Seloebere. Sie genfter glißerten im ÜJtonblicht. äus 
ber Stacht hinter bem faftellartigen Sau traten, in fil* 
bernem Sicht fchimmernb, bie ©ipfel bes Septimer, bes 
Si 3 Suan, bes tyxfäo Sunghino heroor. 

Sore ftreefte ben ärm baßin aus. „©raut cs 3huen 
nicht?'* fragte fie mit unfießerer Stimme. 

(Er ließ matt bie Schultern finfen, tief aufatmenb. 
„Äismet", fagte er leife. 

„Sie molien mir nicht fagen, mer 3ßnen 3h r ^obes* 
urteil gefprochen hat?" 

9Rii einer heftigen ©ebärbe fuchte er ihr 3 U mehren, 
äber fie hielt ihm bas äntliß 3 ugemanbt, unb troßbem 
fte im Schatten bes Kaufes ftanben, fühlte er fid> im 
Sann ihrer bunfeln äugen. 

„#ier haubelt fich*s um feinen Seforb, Sie ärmfter, 
— baran mag Sibble glauben, ich Glaube nicht bar an — 
hier banbeit ficb’s um eine glu4t aus bem Beben." 

Sun neigte er febmeigenb bie Stirn. 

„ 3 ft benn 3 h r Verbrechen fo ungeheuerlich — um 
©ottes mißen, fagen Sie mir hoch, ä£el — baß es nur 
fo gefübnt merben fann?" 

„Äein Verbrechen, Sennen Sie's einen Seichtfinn. 
äber eine Scßulb, bie ich nicht allein trage. Unb büßen 
mitt ich fie nicht Schulter an Schulter mit..." (Er hob 
brobenb beibe gäufte gegen ben Fimmel, äufftöhnenb 
brach er ab. 

Sie feßmieg lange, fie fämpfte mit fleh — gegen ihren 
Stol 3 . Sann fagte fie gebrüeft, faft hilflos, mie oor fi<b 
felbft befchämt: „Unb bie Südfüßt, bie Sie nehmen 
müffen, smingt Sie, mich — fo tief 3 U bemütigen?" 

©r hörte bie Sränen in ihrer Stimme. 3n plößlicher 
(Erfchütteruug griff er nach i^rert 5)änben unb beugte 
fich auf fie, faft felbft 3 U einem Schlugen ßingeriffen, 
unb füßte fie. 

„Sertrauen Sie mir hoch, ä$et. 34 öürft es ja faum 
mehr ausfprechen. ©inmal haben Sie muß f^on 3 urücf* 
gemiefen. 34 mitt 3ßnen nicht mie ein bettelnbes Sing 
oorfommen, bas feinen Stol 3 oergißt, unb hoch —" 

„2lch Sore, Siebfte, Siebfte!..©r richtete fich auf, 
preßte fie an fuß- Unb inbem ihre Sränen fein ©efießt 
beneßten, füßte er fie lange, immer mieber, auf äugen, 
Stirn unb Stenge, bann auf ben ttttunb, nicht fähig, oon 
ihr 3 U taffen. 

©s mar eifig fatt gemorben. Sie fühlten es beibe 
nicht, troßbem ihnen ber ätem fror. 3m SHrtsßaus 
maren ba unb bort Campen angesünbet morben. Sie 
hellen Secßtecfe ber genfter segneten fich f 4 arf in bem 
großen Schatten ab, ben bie ^ausmanb über ben Schnee 
warf. 

Sangfam feßrte Core 3 um #aus 3 urücf, 4anb in 
4 anb mit ihm. 

„34 habe einen einigen 2Senf4en 3 U meinem Ser« 
trauten ma4*n motten", fagte äyel, „meinen Sruber. 


3n ber erften &\t in St. Storiß ßab i4 an ihn ge* 
(4ricben. Sas mar f4on bamals fo eine ärt oon äb* 
re 4 nung — oon äbf 4 ieb. äber ich fonnte mi 4 ni 4 t 
entf 4 ließen, bie paar Slätter ab3uf4iden. Senn in* 
3toif4*n hatte i4 bi4 fennen gelernt, Sore — bi4." 

„i)aft bu ben Srief no4?" 

„3a. 4eute hat er feine Sa4f4*ift befommen. 34 
f4 r teb bie leßten Sterte, als 3Jtr. Sibble fam." 

„SMttft bu mir ihn ni4t geben? Sarf ich 4n ni4t 
lefen?" 

©r niefte. 3 nbem fie in ben Si 4 tf 4 *in bes 5>aus* 
eingangs traten, 30 g er bas poftfertig gema4te S4rei* 
ben aus ber Srufttafdje unb gab es ißr. ,,©s läßt fi 4 
nur — feiber — ni 4 ts mehr baran änbern", fagte er 
mit einem trüben Cä 4 eln. 

Sore folgte äjel in bas Sommer bes oberen Stocf* 
merfs. ©r 3 ünbete bie Sampe, bie über bem Xif4 hing, 
an — unb Sore trat heran unb las in ftiegenber #aft 
Sogen um Sogen. 

3 n ber SBirtsftube hatte fi 4 in 3 mif 4 en no 4 mehr 
@efettf 4 aft eingefunben: Sobfleighfahrer, bie ben fon* 
nigen Sag 3 U mehreren Souren bureß bas Sergett be* 
nußt hatten. Sie gaßrt mar gefährlich, an ben f4arfen 
Shiroen mar man gan 3 auf bie Sremfe angemiefen, 
aber, oon einigen ©ntgleifungen im tiefen S4uee ab* 
gefeßen, mar bas Unternehmen breimal geglüeft. Sie 
f4meren Stoßf4litten hatten fie immer oon 
fpännern bergauf f 4 leppen laffen, mährenb fie felbft ben 
9ttarf4 3 U guß surücflegten. Sie maren förperli4 er* 
f4öpft, aber befter Saune in ber ©rmartung eines guten 
äbenbeffens unb bana 4 ber f 4 önen Heimfahrt bei 
2ttonbf4ein im bequemen, mit Stermeflafcßen oer* 
feßenen S4litten. 

©en 3 mer oerfünbigte ben änfömmiingen fofort ftol 3 
ben Sieg bes güßrers 00 m Sob „Soleil" im Sfifjöring* 
rennen. 2 Rr. Sibble mürbe gefeiert, man ma 4 te ge* 
meinfame Safel, aß unb tranf, unb ber Sieger oergaß 
babei faft bes ©runbes biefer fpäten gahrt. < 

Unruhig bliefte nur SMliemintje immer mieber na4 
ber Sür. i^cimli 4 befpra 4 fte fi 4 mit ©en 3 mer. 

Ser fagte ißr offen: bie ärt unb Steife bes Softors 
hatte ihm gan 3 unb gar ni4t gefallen. Sa ftimmte 
irgenb etmas ni 4 t. f)ter lag ni 4 t, mie er 3 uerft an* 
genommen hatte, eine Saune, eine Unge 3 ogenßeit oor: 
biefe ploßlicße feltfame glu4t entfprang ernfteren Se* 
meggrünben. Unb na4 allem mußte man fie in 3u* 
fammenhang mit grau Sette bringen — menn fich au4 
ßamerlanber bur4 feine oorlaute Semerfung bie aller* 
hö4fte Ungnabe sugesogen hatte. 

SSittemintje f 4 mieg barauf, fie mürbe ja felbft 
3 mif 4 en ßunbert 3 *nßifeln hin unb her geriffen. 

Sie frohe Saune ber beim Sßunf4 fißenben Sobfleigß* 
fahrer mar no4 immer im Steigen begriffen, ©in 
paar Süren im Xreppenßaus maren offengeblieben. 
Sun 30 g aus ber Äüdje unb ber großen ©aftftube ber 
Speifenbuft unb Sunf4geru4 bur4 alle Säume, au4 
bur 4 bie gugen ber alten 4 ol 3 tür, bie bas gremben* 
3 immer äjel ©rotts 00 m glur trennte. Unb bas Ea4*n, 
bas S4maßen unb Sufen in oerf4tebenen Spra 4 en 
f 4 oll bur 4 bas ganse f)aus. 


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Original ftom 

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Seite 618. 


Stummer 15. 


ßore gatte in tiefer ©rf4ütterung gelefen. 

2lls fie bas legte 93latt aufnagm, mollte 2l£el fie 
ginbern. „Das nid)t megr — bitte, ßore!" fagte er unb 
griff nad) bem Schluß, ben er feiner Seifte freute in 
biefem Staum angefügt gatte. 

@ie megrte igm unb las 3U ©nbe. (Eine fieberhafte 
Erregung batte ficb ihrer bemächtigt. Das 93latt gitterte 
in ihrer #anb. Sie manbte fi4 non ihm ab. Der 23ogen 
entfiel ihren gingern. S4lu48*nb preßte fie bie S)änbe 
gegen ihr 2lntliß unb rnarf fug auf ben Stuhl am Xifcb, 
achtlos mit ben 2lrmen auffcglagenb. 

©nblüg hnb fie bas tränenüberftröir.ie 2lntliß. 

„2llfo jeßt — märft bu fchon untermegs, 2ljrel? 2Benn 
mir bir nicht gefolgt mären?" 

„©arunt quälft bu mich, ßore? — 34 meinte: nun 
müßteft bu mich bo4 begreifen." 

„93ieles begreife ich- 34 fcfjc, mas bu gelitten haft. 
34 oerftege, baß biefe harter bi4 neränbert hat. 34 
begreife, baß bu ner^meifelt marft. Unb es tut mir fo 
meg, baß 14 bUg — bamals — mißnerftanben unb ge* 
fränft habe. 2lber fag bo4: ift benn nugt jebe <Sd)ulb 
auf ©rben 3u fügnen, menn ber gute ©ille ba ift?" 

„2luf (Erben? 93or bem Stkgter? Stein — 14 barf 
meinem Stamen ni4t bie S4anbe ma4en." 

„Unb menn bu felbft bein 93ergegen mit bem Xo b 
beftrafft, müßte bann nkgt alle ©eit annegmen: an 
beinen hänben flebt 93lut?!" 

(Er fugr empor. Starr fag er fie an. ,,©ie — 
fpri4ft bu nur?" 

„ßaß fie bo4 bie 2lnflage gegen bi4 ergeben. Deine 
S4ulb ift ni4t fo riefengroß, baß ber Urteilsfpnwg 
beinen Stamen unegrli4 ma4en tonnte. 3ft ein 
9Kenf4 ogne gegl? 2)u gaft geirrt, mo Daufenbe an 
beiner Stelle taum anbers geganbelt hätten. So nimm 
bo4 mutig bie Strafe auf bieg, ©ibt fie bi4 ber 93er* 
a4tung preis? ©er hätte bie Stirn, Sljrel, 3U fagen, 


bu bef4impfft beinen Stamen, menn bu ein Unre4t offen 
befennft?" 

211s menn aus tieffter Sta4t igm ein geller S4immer 
einen $fab roiefe, eine 9ti4tung, fo brangen igre ©orte 
an fein Dgr, po4ten an fein S)er3. 

21ber fofort entf4manb igm ber rettenbe S4*in 
mieber. „Unb — fte?!" fragte er. 

ßore fenfte bie ßiber. (Es mar, als gäbe fie ein 
förperli4es Unbehagen 3U überroinben bei ber (Ertnne* 
rung. Do4 na4 Ju^ern 309*™ fagte fie: „Sie roirb 
beinen 93eiftanb brau4*n. SUtegr als je. Unb bu barfft 
fie ni4t hilflos biefen Subjetten überlaffen." 

„34 fann igr ni4t helfen. 34 nkgt." 

„Du fannft es. Stur bein Zeugnis fann fie f4ügen. 
©enigftens oon bem fur4tbaren 23erba4t reinigen, ben 
igr 21nfläger auf fie merfen mW." 

21fel hielt bie Stirn in bie 5)änbe gepreßt. Dontos 
ftieß er aus: „93iellei4t — gat igr 2(ntläger — re4t!" 

©ie entgeiftert ftarrte fie ign an. „Das ift beine 
magre, innere Über3eugung? ©inen SJtorb trauft bu igr 
3U? Sta4 einem falt überlegten $lan?" 

„93ieHei4t — oiellei4t. 34 bin mir felbft nkgt tlar. 
Db fie mirfli4 nur fo finbif4 s genußfü4tig, fo tinbifeg* 
unüberlegt mar, ober— 34 meiß es nkgt." 

„34 tenne fie aus beiner S4ilberung. Unb 14 habe 
fie gefegen. 3*ben ßei4tfmn traue i4 igr 31t. 21ber 
ein fokges 93erbre4*n nicht." 

„Du bift igre gürfpre4erin, ßore? Du?!" 

„©eil ich an ben guten ftern in j e b e m 9Jtenf4*n 
glaube. $aft bu ni4t felbft gefagt, in einem anbem 
$Pfli4tenfreis hätte fie eine gute, re4tf4affene grau 
merben tonnen?" 

ßange fag er fie an, tief bemegt. „Du munberooßes 
©eib," fagte er, „bu munberoolle Dptimiftin!" 

„©rgebt es bi4 benn ni4t felbft, 2l£el, an bas 93effere 
3U glauben?" (Sortfefcung folgt.) 


©er ©olfsmunb als ©iagnoffifer. 

Klauberei oon Dr. ©rnft granef. 


©ie bo4 in jebem SJtenfcgen ein Stücf 00m 21r3t 
fteett, mirb man lei4t gemagr, menn man einmal 
3agnmeg gat unb nun alle unfehlbaren 93erater 00m 
mirf(i4 Sa4oerftänbigen bis 3um f4le4**n ©ißbolb, 
ber einem rät, ben SJtunb ooll Petroleum 3U nehmen, 
tennen lernt. SJtan mirb es au4 bur4 eine 93etracgtung 
ber fpri4mörtli4en unb rebensartli4*n ©enbungen 
unferer 6pra4* gemagr, benn ber 23olfsmunb bebient 
fi4 ni4t ungern ber Spra4* bes 2lr3tes, ber 93e* 
3ei4nung oon Sfranfgeiten unb franfgaften 3uftänben, 
unb 3mar 3U bem 3metf, allerlei ©emüt3uftänbe unb 
fonftige 93orfommniffe bes tägigen ßebens füg bur4 
anf4auli4e S3ilbli4feit oor3uftetlen. 

Der 23ollsmunb ift fo in ber 2lrt unb ©eife, mie 
bas 93oIf über Äranfgeiten fpri4t, ein 2lr3t, menn au4 
ein 3iemtug einfeitiger. 3mar meiß er man4mal einen 
guten unb geilfamen Stat, etma, menn er oertünbet: 
ßa4en ift gefunb! ober: 21ll3uoiel ift ungefunb! 
21ber fonft gibt er fug mit ber Dgerapte, mit bem 


feilen unb (Sefunbma4en ni4t oiel ab, fonbern über* 
läßt bas feinem 93ruber, bem mebiflinifegen 93olfsaber* 
glauben. Der 23olfsmunb ift als 2lr3t oielmegr, mie 
man4* große Herren oon ber gieren gatultät, in erfter 
ßinie Diagnoftifer: 3U erfennen, mas einem firanfen 
feglt, bas ift igm bie #auptfa4*. hier mirb unfer SCr^t 
nun ein re4t fonberbarer heiliger. Denn feine Diagnofe 
ftimmt nie, menn man fie gan3 mörtlkg nimmt, fonbern 
er meint eigentlich immer etmas anberes bamit. 3nm 
93eifpiel, menn er fagt: „Das gegt igm an bie Stieren 1", 
fo meint er bamit nicht gerabe, baß bie Stieren bes 
93etreffenben eine S4öbigung erfahren, fonbern er miß 
nur mögli4ft anf4aulkg 3um äusbruef bringen, baß 
irgenb etmas auf jenen einen tiefen, empfinblt4en ©in« 
bruef gema4t gäbe. Stun ift smar bie oon oielen 
2ler3ten beftrittene 2lnfi4t meit oerbreitet, baß ein großer 
S4recf bie Urfa4* oon 3ucferfranfgeit [ein, ö (f 0 mittel* 
bar einem tatfä4lkg nn bie Stieren gegen fönne. 2lber ber 
93olfsmunb mill mit feiner pgqfiologif4*n ober patgo* 


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Original from 

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Kummer 15. 


Seite 619. 


logifcßen Lebensart bocß immerhin nur etwas Pfocßo* 
logijcßes be^eiebnen, unb oielleicßt fpielt bie Porftellung 
oom lieben ©ott als bem bureßbringenben 5 )er 3 * unb 
Sierenprüfer hier noch eher mit hinein. 

Die Äranfßeiten, non benen ber Solfsmunb tarnen 
unb Sterfmale entlehnt, hoben etwas ©emeinfames: 
fie treten fießtbar unb beutlicß in bie ©rfeßeinung, fie 
tun tüchtig weh unb hoben empfmblicße folgen, lieber 
fo geheimnisoolle unb fernliegenbe Äranfßeiten, wie 
etwa Slrteriofflerofe ober Diabetes, fpricht bas Polf 
nicht. Die Sranfßeiten, über bie es fpricht, müffen ihm 
faßlich unb oertraut fein, müffen firanfßeiten fein, bie 
einseine wichtige Organe, wie #erj, 2tuge ober Ohr, 
fcßäbigen, ober müffen, noch greifbarer, bie ©lieber bes 
Sörpers in auffallenber, fcßmersßafter SBeife anpaden. 

Oie ©ßirurgie ift ber 3meig ber Stebisin, bem ber 
Polfsmunb mit befonberer Vorliebe fein Penennungs- 
material entnimmt, um geiftige, feelifche ober etbifebe 
Vorgänge 3 U beseießnen. 2 Bas muß ber arme menfeß* 
ließe Körper aües ausholten, fobalb ber Polfsmunb 
3 um chirurgifchen Diagnoftifer wirb! Da ift 3 um Pei- 
fpiel ber Äopf: man oerliert ihn, 3 erbricbt fid) ihn, rennt 
mit ihm gegen bie Stauer, wirb mit ihm auf alle 
möglichen Dinge geftoßen: es ift fein SBunber, baß 
folche Dinge einem gelegentlich heftige Sopffcßmersen 
bereiten. 3711t feinen anbern ©liebem geht man nicht 
glimpflicher um: man bricht fid) ben i)als ober laßt 
ihn fid) abbreben, man legt feine #anb ins geuer, 
fteßt fid) bie Seine in ben ßeib, unb ber Stubent freut 
fich manchmal fogar ein Sein oom ßeibe, ein unheim» 
lieber, rätfelßafter Sorgang, ben ber ©ßirurg auf bem 
Operationstisch einen intereffanten galt nennen mürbe. 
3n fein 6 pe 3 ialgebiet gehört auch bie fchöne Serliner 
Sebensart: baß bu bie Safe ins ©eficht behöltftl unb 
bie ÜEßenbung: fich einen Pudel (ober 2lft, mas bas 
gleiche ift) lachen. 3n manchen ©egenben Deutfcßlaribs 
fagt man auch fel)r anfebaulieb: fich einen Sropf lachen. 
Das alles tann nämlich bem pafjieren (menigftens fieht 
es fo aus), ben gute greunbe heimtüdifch gerabe bann 
3 um Sachen bringen, wenn er rafiert mirb ober ein 
5)eftpflafter auf ber ßippe hot. Pucß bas Sprichwort: 
„©ebroebene Seine unb braoe grauen bleiben 3 U #aufe" 
mag fyev erwähnt werben. 

©icht unb ßungenfchwinbfucht finb 3 wei ftranfßeiten, 
beren ©rfcheinungen bem Polfe fehr oertraut unb faß» 
lieh finb, unb beren es fich baßer Ö er « 3 ur Peran* 
fchaulichung feelifcher unb fittlicher Suftänbe unb Por* 
gänge bebient. Stan ärgert fich &ie Scbwinbfucßt an 
ben #als, unb 3 war bann befonbers leicht, wenn bas 
Portemonnaie fchon bie galoppierenbe ©chwinbfucht hot 
unb einem infotgebeffen auch fonft „bie Pufte ausgeht". 
2 Ran fchreit fich ferner bie ßunge aus, um einem guten 
greunb ben Stanbpunft Üar 3 umachen, unb wenn er 
troß aller Semühungen nicht begreifen will, bann 
münfeht man ihm in unchriftlicher 2 But am ©nbe gar 
bie Peft an ben $)als. Diefer SBunfcß gehört 3 U ben 
oornehmlich im 16. 3ob r hunbert üblichen Perwünfcßungs- 
fofmeln, bie fich ouf Sfranfßeiten be 3 iehen, bie bamals 
epibemifch auftraten. Daß bich bie ©holera, bie höllifche 
Darre, bie Drüfe (Drüfenpeft), bie Sucht, bte Äränfe, 
ber Peitstans anfommel fluchte man bamals. Daß 
bich bie Pocfen fchänbenl hieß es wohl auch, unb: 
„Daß ihr 3 wölf ©ßoleras im ßeibe hottet!" hörte ein 
©hronift auf bem Stülßaufener Starft eine Sürgersfrau 
3 u einer f)öferin fagen, oon ber fie fich überoorteilt 
glaubte. SBas bie ©icht angeht, fo hot man fie im 


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Gch igle 


Daumen, wenn man nämlich nicht 3 aßlen fann. Denn 
ber Daumen ift ber ginger, ber bie horten Daler beim 
Sohlen auf bie Difcßplatte brüeft, unb eine reibenbe 
Sewegung sroifeßen Daumen unb S^Ö^fioger ift bie 
befannte ©ebärbe bes 3ohlens. Die ©icht befommt 
man auch, fo fagt ber Solfsmunb, wenn man fich 3 um 
haiboollen ©lafe 3 ufchenfen läßt. Denn bann oerliert 
man bie Kontrolle barüber, wieoiel man getrunfen hot, 
unb wer suoiel trinft, ber befommt eben bie ©icht. 

Seim Drinfen, sumal wenn ein fleiner Sfat ober 
Darod babei gefpielt wirb, fommt es nicht feiten 3 u 
Steinungsoerfcßiebenheiten. plößlicß macht einer ein 
grimmiges ©eficht. 3hm ift etwas „über bie ßeber 
gelaufen", unb 3 war eine ßaus, wie ber Machbar 
behauptet, obwohl bie ßaus mit ber ßeber eigentlich 
nichts 3 U tun hot unb man baßer in Sacßfen weniger 
flangooll, aber treffenber fagt: „©s ift ihm eine ßaus 
über ben ©rinb ($opf) gelaufen". Smmerßin fann bies 
fleine ßeberleiben fid) üerfcßlimmern, unb bann läuft 
unferm Sfatfpieler bie ©alle über; er befommt einen 
Sittern, wie man auch wohl fagt, unb, wenn es hoch 
fommt, friegt er oor 2 lerger bie ©elbfucßt. 

#anb auf ben lappenfehler! ift bie mobernfte 
Sßaßrßeitsbeteuerung, unb oon ben ^ersfranfßeiten 
be 3 ießt bie Umgangfprache befonbers saßlreicbes 
Staterial 3 ur Se 3 eicßnung oon allerlei ©emütsuftänben. 
Der liebenben Stutter tut bas #er 3 weh, wenn fie fieht, 
wie ein SBurm am fersen ihrer Docßter nagt, weil 
f)ans nicht wieberfeßrt, obwohl er es ©rete gefeßworen 
ßat. Stancßmaf fteßt ©rete bas #er 3 ftill, wenn fie 
fich bie froße Stöglicßfeit feiner Südfunft ober bie 
ßer 33 erreißenbe SSahrfcßeinlichfeit feiner Untreue aus* 
malt. £)ans aber ßat, wir ftellen bas mit Sebauern 
feft, #er 3 erWeiterung; neben ©rete haben noch oiele 
Stäbchen in feinem fersen piaß, unb fo weich ißr 
#ers ift, fo hart ift feins. Seine ijerserweiterung 
fompli 3 iert fich mit 5 )er 3 oerfnöd)erung: ein merfwürbiger, 
ßoffnungslofer „gaU". ©s fällt ißm gar nicht ein, für 
©rete fein ^ersblut ßin 3 ugeben, ißr aber blutet bas 
$er 3 , unb wenn nicht balb an £)anfens Stelle ein 
anberer fommt, fo ftirbt bas arme Stäbchen fießer am 
gebrochenen fersen. Denn leiber fteßen wir noch erft 
in ben Anfängen erfolgreicher ^erseßirurgie. 

Da wir gerabe oon ßiebe reben, fo erinnern wir 
uns, baß fie blinb macht, feitbem bie neugierige Pfgcße 
ben Schlummer bes ©ros belaufcßte. Diefe Lebensart 
weift uns in ben Sereicß ber ©rfranfungen oon Sinnes¬ 
organen, bie gleichfalls einen erheblichen Prucßtell ber 
uns intereffierenben SBenbungen ftellen. 3cß fann ißn 
nicht feßen (ober rieeßen), fagt man woßl oon einem, 
ben man abfolut nicht ausfteßen fann, unb bem, ber 
biefes Serfagen bes ©eficßtfinns nicht begreift, ftießt 
man ben Star (ober ben Smfen) über bie unangenehme 
Sefanntfcßaft, fo baß es nun auch ißm wie Schuppen 
oon ben Pugen fällt. Der gute Onfel, ber oon feinem 
Seffen Stubenten atl 3 U oft angepumpt würbe, wirb 
fcßließlicß fcßmerßörig. Staßnt er 3 U fparfamem, fo* 
iibem ßebenswanbel, fo prebigt er feinerfeits tauben 
Dßren, ober ber gelbbebürftige 3teffe ßat halb bie 
Safe ooU unb ift oerfeßnupft. Das Sein! bes Dnfels 
liegt ißm ftßwer. im Stagen, ja, er möchte faft oor 
2 But plaßen, aber 3 U feiner Gntfcßutbigung fönnen wir 
eins anfüßren: bie Stanicßäer jeßnüren ißm bie ffeßle 
3U, er ftedt alfo in feiner guten #aut. Der Saig 
taugt freilich auch n!d>t oiel, würbe 3 war ber alte 
©rimmelsßaufen ßinsufeßen. 

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UNIVERSiTY OF IOWA 



Seite 620. 


Lummer 15. 


©in Kapitel für fic^ bilben bic rebensartliben Wen* 
bungen, in benen bas Bolf über ©eiftes* unb Heroen* 
franfheiten fpridjt, unb bie befonbers beütlib ben #ang 
3ur Uebertreibung 3eigen, ber fbon ben bisher be* 
trachteten Lebensarten eigen mar. Leibhaftig roie 
ßibtenbergs ßifte non Lusbrücfen für ben 3uftanb 
ber Betrunfenpeit unb mie Schopenhauers Sammlung 
oon Umfehreibungen bes Portes Setrügen ift auch ber 
Schafe an Wenbungen, burch bie man im Beutfben 
feinem Ltifmenfben 3U oerfiepen gibt, bag man an 
feinem Berftanb 3meif(e. Da hören mir: Du bift nicht 
flug, nicht geppeit, nibt gefunb, nibt gan3 Mar im 
Kopf; bei bir ift eine Sbraube los; es ift in beinern 
Dbetflübben nibt ribtig; bu bift oerrüeft, mahnfinnig, 
mall, mefbugge, ein Sepp, ein Kretin, ein 3 biot; bu 
haft (Behirnermeibung, einen Sparren, einen Sogei, 
bu fpinnft. 21 ub hier fehen mir, bag bas Bolf über 
Kranfpeiten, oon beren SBefen es fib feine rebte Bor* 
ftellung maben fann, nibt fpribt. Lur bas Wort 
„©ehirnermeibung" regt feine Bhantafie 3U einer menn 


aub nibt 3utreffenben, fo bob anffpauliben Bor« 
ftellung an. Wtt einer Baralgfe ober einer Dementia 
praecox meig ber Solfsmunb nibts an3ufangen. Sem 
©ebiet ber Ueberemppnblibfeit ber Sinne, bie 311 
©efibts» unb ©ehörstäufbungen führt, finb Wenbmtgen 
angepagt, bie ben Leunmalmeifen oerhöhnen foüen: 
er hört bas ©ras mabfen unb bie glöpe puffen. 2luch 
ber Seitstan3 ift bem Solfsmunb nibt unbefannt: 
man befommt ihn oor Ungebulb, Leugier unb ©r» 
martung. 

Leben manben grotesfen Uebertreibungen unb Ber- 
gleibungen unb manben falfben Siagnofen, menn man 
fo fagen miß, tritt in ber 21 rt, mie bas Solf über 
Kranfpeiten fpribt bob aub oiel feine pfobologifb* 
Seobabtung unb inftinttio ribtige ©rfenntnis ber Qu* 
fammenhönge 3utage. ©s oerhält ftb bamit ähnlich 
mie mit bem mebi3ini[ben Bolfsaberglauben: fo oiel 
Slbfurbes unb Unbegreiflibes er aufmeift, fo enthält er 
bob manbe Slber fblacfenreiben ©belmetalls, bas bie 
miffenfbaftlib* Lieben 3U gutem ©olb umgemünjt hot. 




Sie (Elfäffifbe Kusgellung aller Sorfräle in Stragburg. 

Son Sßaul Sumftreg. — #ier3u 13 ppotograppifbe Aufnahmen. 


3 n Stragburg ift biefer läge eine ffilfäffifbe Bus* 
ffeüung alter $orträte eröffnet morben in bem Blten 
Sblog, mie ber Solfsmunb bas Baiais Lohan nennt, 
bas pb einer ber oier Stragburger gürftbifböfe aus 
biefem fio^eften fran3Öfifben Bbelsgefbleb* als 2tb- 
fteigequartier erribtet hatte, menn er einmal — mas 
in jener leichtlebigen Seit mohl feiten genug gefbepen 
mobte — nab ber hauptftabt feiner Siö3efe fam, um 
feine Bffibten als Bifcpof 3U erfüllen, ©s ift ein 
munberbarer Blag, an bem fib bies Kleinob altfran* 
3öfifber Baufunff, eine Serie bes Lofofos, bie ihres* 
gleiben auf beutfbem Soben nibt hat, erhebt, ein 
Blag, ber oielleicpt feinesgleiben nicht gnbet in ber 
Welt: bem fofetten Sblögben gegenüber, bas tatfäb* 
lib nur als Bbffeigequartier gehabt mar für einen 
grogen herrn jenes in feiner ßebensfreube unüber¬ 
troffenen Sünden L^gime, fteht SLeifter ©rmins halbes 
©otteshaus, bies Wahr3eiben bes Oberrheins unb 
©rinnerungsbenfmal oerfunfener beutfber Stäbteherr* 
libfeit, ihm 3ur Seite rechts unb linfs ber hoböieblige, 
fpätmittelalterlibß Satri3ierbau bes grauenpaufes unb 
bie 3efuitenfbu(e bes ßt^eums, bie bei aller ©intönig* 
feit feines Kafernenffils nibt ohne Wwpt unb Würbe 
ift. 3 n jebem SBau repräfentiert fib ein ßdtalter, 
unb jeber ift fo ein Zeugnis ber ©efbibte, bie in 
oielen Webfeftt über bas ©Ifag unb feine Bemopner 
bahingegangen ift, fie alle in ihrer ©efamtheit ftellen 
ein Spiegelbilb biefer ©efbibte bar. 

©tmas Bepnlibes gibt aub bie Busftellung, menn 
aub in 3eitlib etmas beffpränften ©ren3en. Born 
15 . 3 aprpunbert an, mo elfäffifbe Sbtiffffeller unb 
Oibter mit ihrem Luhm ©uropa erfüllten unb feine 
Staatsmänner bie ©efbiefe bes Weltteils leiten halfen, 
bis 3ur SLitte bes 19 ., mo bie ©efbiefe bes fleinen 
ßanbes eine neue Wenbung nahmen unb mit benen 
bes alten Baterlanbes unauflöslib mieber oerffobten 
merben follten, bietet pe eine güHe oon ©efibtern unb 
trabten, oon SLännern unb grauen, bie teils mitbe* 


ftimmenb eingreifen mollten in ben ©ang ber Greig* 
niffe, teils fie bulbenb ober teilnehmenb miterlebten. 
Wir pnben bie Leformatoren ber heroifben helben3eft 
Stragburgs, mo biefe Stabt einem pabsburgifbett 
Kaifer mehr galt als bie herrfberrefiben3 feines halbes 
an ber blauen Donau, bie alten Bbelsfamilien bes 
ßanbes in bunter ©efblebterfolge, bie, in ben Strubel 
ber 3ritereigniffe hineingeriffen, heute bem Kaifer unb 
Leib# morgen ben fran3Öpfben Königen unb bem ge- 
maltigen Smperator bienen mugten, bie ©enerale biefes 
Smperators, bie, bürgerlibent Blut entfprungen, in 
jenen Seiten nab her3ogsfronen greifen fonnten, bie 
emfigen unb ffeigigen Begrünber jener grogen gabri* 
fantenfamilien, bie heute eine bem alten Slbel gleftpe 
„notable" Stellung im ßanb einnehmen, bie füllen 
Bfarrperren, bie unter bem Drucf ber fran3öfifben 
3 efuiten bas ©rbe ber Leformation unb bamit 3U* 
gleich ben geiftigen Sufammenpang bes alten beutfben 
ßanbes mit ber alten f)eimat pffegten, unb mit ihnen 
bie flogen Lohan, bie als mirffibe gürften in oier 
©enerationen auf bem Stragburger Bippofpg fagen, 
herrifb unb launenhaft mie Heine Könige, prabtliebenb 
unb oerfbmenberifb mie nur ein ©ranbfeigneur ihrer 
Seit. Unb mir pnben enblib — um bas Befte nibt 
3u oergeffen — eine Bnsapl feiner unb fluger grauen* 
gepbter gerabe aus biefer 3eit, in ber bie Bnmut ber 
grau aub bie groge Boliüf beperrfbte, nur bag pter 
bie fonnige i^citerfeit bes Lofofos oftmals mie oerffpleiert 
erfbeint unter einem germanifben ffirnft, ben bies ßanb 
unb feine Bemopner trog smeipunbertjäpriger Zugehörig* 
feit 3u bem fröpliberen granfreib nie oerloren haben. 

3 n biefen Bilbern, in ihrer ©efamtheit lernt man 
leibter ein 3 Bort begreifen, bas unlängft im Leibstag 
gefallen ift, mo man mit fbmerem ©rnft bie grage 
erörterte, mie es fommt, bag bies ßanb mit urbeutfbeui 
©runbbarafter, mit einer ftolßen beutfben Bergangen* 
heit, mie es menige beutfbe ßänber haben, trog aller 
materiellen Blüte unb allen Wohlergehens feiner Be* 


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UMIVERSITY OF IOWA 





Stummer 15. 


Seile 621. 


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Jrau Baronin oon Obetfird), geb. Henriette von HtaUmer-Jreunbffein (1754—1803). OelbiUmis. 



oölferung fid) fo fjartnätfig fträubt, mieber beutfd) 3 U 
merben, mie es einft mar, bie feftcftc Stüße bes beutfdjen 
ftaifertums, als biefes anfing 3 U manfen. (Einer ber 
CElfäffer marf ferf bas 2öort in bie Debatte: 2Bir (Elfäffer 
fjaben eben eine befonbere Sultur, bie meber fran= 
jöfifcf) noch beutfd) ift imb it)r mallen mir leben. Die 

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grage nad) biefer befonberen (Eigenfultur bes (Elfaß ift 
in ben Ießten 3 af)ren im Steidjslanb oft gefteüt morben, 
unb fie ift, je nad) ber 21bfunft, ber Stellung, bem 
Temperament bes ein 3 elnen, oft oerfd)ieben beantmortet 
morben. 23on beutfdjer Seite mürbe bann mot)l 3 ornig 
auf jene große beutfdje 23ergangenl)eit bes Canbes tyn* 

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UNIVERSITY OF IOWA 




Ulummer 15. 




Seite 622. 




Johann S<hencfbed)er, Hedjtsgelefjrfer, 

SRitgiieb ber 2)reiael)ner au 6trafeburg (1529—1590). 

gemiefen, bie fid) tneit erbebe über bas befchauliche 
^Prooin3ba[ein jener fran3öfifd)en grembberrfchaft. Ser 
hinmeis ift gemiß berechtigte bie elfäffifdje Kultur ober 
mas fo genannt mirb, bat nichts b^oorgebracbt, mas 
bie 3 Belt be3toingen müßte, etmas 3*itlofes, etmas 
(Emiges, bas nicht binmeg3ubenfen märe, ohne eine 
empfinblicbe Cücfe in ber ©efchidjte ber allgemeinen 
Kultur 3U binterlaffen, mie ©oethe bas oerlangt bat. 

2lber oielleicbt 
fönnen mir bod) 
annebmen, baß 
bas (Elfaß fdjon 
im frühen Mittel* 
alter in mancher 
33e3iebung an* 
bere 2Bege ge* 
gangen ift als 
bas übrige 
Seutfcblanb, unb 
baß biefe 3 Bege 
folgerichtig mei* 
ter befcbritten 
mürben, als es 
3ugranfrei<bunb 
mit bcffen Stuf* 
fteigen 311 einer 
günftigeren Stel* 
iung in ber SBelt 
gefommen mar 
als bie in oater* 
länbifcbem i)aöer 
jabrbunbertelang 
3urütfgebaltenen 


^hriflopbc (Buerin. 


SJlelfttftaeidjnung 


Sie 4 5öhne oon Bernharb 0 . Xürcfheim. 


üarbinal 2trmanb ©afton oon Roßan-Soubife, 

$ifc$of oon 6trafeburg (1674—1749). — Oelbilbni». 

Lettern jenfeit bes IRbeins. Schon 31m Staufenyit, 
als nach ben SBorten bes Ghroniften tyev bie größte 
Sölacht bes Reiches lag, brang bie bürgerliche Stäbtc : 
fultur rafcher unb gemaltiger empor als fonft im 9 Ä 
fein gürft oon größerer Uttacht fam h^ r auf, 
3ablreiche Stbel mürbe erfolgreich niebergebalten 
faum ein Xal gibt es im burgenbefrän3ten ßanbe, wo 
nicht bas Straßburger ©efd)üß eins ber gelfennefter ^erftört 

hätte, oon W 

Saiferfefteberfio- 

hen ^önigsburö 
bis 3um Stiefen 3 

fd)loßoonUleibcrf| 

ber Sage tool)i 
befannt — unö 
aud) ber ftübtifdK 
2lbel, felbft men" 
er lanbfäffig ruur 
be unb M e 
fielen oon $<uf cl 
unb Weid) trug, 
blieb bod) ber 

ftäbtifdjen^eimat 

treu unb füfjrte 
bis in bie 3 C *' 
ten ber Weooiu ! 
tion iijre Slemter. 
2>ie 3orn 0 . Su= 
lad) jum 
jpiel, oon benen 
bie 2 lusfteüung 
gaijireidje- ®jj’ 
ber seigt — 'b r 


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UNIVERSIIY OF IOWA 









'C % 


Kummer 15. 


Seite 623. 



2 lhnherr ()atte bie reifigen 23ürgerfd)aren in bem fieg- 
reidjen greiheitsfampf gegen ben 93ifchof geführt — 
faßen auf fteidjsgütern ju beiben Seiten bes Stroms, 
ber bas ßanb burchflutet, oertraten bie 9titterfd)aft bes 
ßanbes unb ber heute babifdjen Ortemau, befleibeten 
$)of s unb Äriegsämter beim ftaifer, ben Königen oon 
grantreich unb ßanbesfürften. Sis auleßt aber, mo 

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bas (Elfaß mit ber fteoolution gana in ben franaöfifdjen 
(Einheitftaat aufging, fetten mir fie als ^Beamtete unb 
Stattmeifter ber Stabt Straßburg, oon ber fie aus* 
gegangen maren. Oer Dreißigjährige Slrieg, ber (Entfeß* 
lidjes für bas ßanb brachte — mirb bod) er^ä^lt, baß man 
bie loten ausgrub, um fie au Gewehren — unb bie 
2 tnne$ion burch grantreich, bie unter manchen gärten unb 

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UNIVERSITY OF IOWA 







<r>eite 624. 


Kummer 15 



(Brenabier 6er Resolution. Tltiniaturbilbniß. 


(EHäffifche Bäuerin, I. äaiferreicb. Bliniafurbilbnis. 


gegen einen hart* 
näcfigen paffioen 
BSiberftanb bes 
Bolfesoorficbging, 
brachen biefe Blüte, 
bie nod) tuxft 3 uoor 
in ben BSirren ber 
Reformationsfrie* 
ge bie elfäffifcben 
Stabte in ben Btit= 
teipunft ber mid)= 
tigften biplotna* 
tifdjen Be^iebun* 
gen aller BSelt* 
bänbel gefteüt t)at= 
ten. (Es mürbe 
bann ftiü imßanb, 
es mujjte fid) er* 
bolen. 21(5 bann 
aber bie grofteRe* 
oolution aüeSlräfte 
bes Bürgertums 
• entfeffefte, ging 
roieber oon biefen 
Stählen eine (En t= 
roirflung aus, bie 
man oieüeicbt als 
ein Borfpiel bes 
Buffcbmungs an= 
[eben fann, ben 
bas beutfcbe Bür= 
gertum feit ber 
(Briinbung bes 
'Reiches unb ber 
bamit eröffneten 
freien Bahn ge* 



3nbuftrien 2Rül s 
baufens,Btarfird)S, 
(Bebmeilers ent* 
ftanben unb laufen 
ein Bürgertum, mie 
es Deutfdjlanb ba* 
mals nod) nid)t 
fannte. Dies Bür* 
gertum aber, bem 
ficb übrigens fd)on 
oor 100 3abren ein 
Deil bes einbei* 
mifcben 2Ibels am 
fdjlofe — mir fin- 
ben bamals fd)on 
'Barone o. Xürcf* 
beim unb anbere 
Btitglieber biefes 
2lbels unb bürger* 
lidjen Berufes als 
Banfbireftorenunb 
üjnbuftrielle — ift 
beute noch ber oor* 
nebmfte Dräger 
jener befonberen 
Kultur, bie angeb* 
lid) bem CEIfafe eigen 
ift, unb in ibm oer* 
förpert fid) ein leil 
bes BSiberftanbes, 
ben bie beutfcbe 
Bermaltung gefun* 
ben bat. 

Dies Bürger* 
tum ift aber nid)t 
bas Bolf, es ift 


nommen bat. Die 2lnna3 orn <>on Bulach, lobtet sonB.3.Jrbrn.3orno.Bu(a(b(l736-18l7). Oelbildni*. eine Bourgeoifie, 


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UNIVERSITY OF fOWA 











Kummer 15. 


Seite 625. 



SSrigabegeneral 33aron ßouis be (Eoöfjorn (1771—1813) unb ^Baronin be (Foöljorn. — Oelbilbniffe. 

Xus ber <£(fäffifd)en Xusffeüung alter Porträte im Xof)anfd)(of} in Strasburg. 













































Kummer 15. 


Seite 626. 



bie (Ereigniffe feine 3*it mehr Staffen. 2öir haben 
un 3 ät)Iige 3 e u fl n iff* für bie (Beiftesgemeinfdjaft, bie 
über biefe 3 af)ri)unberte Ijintceg bis unmittelbar oor 
bem großen Kriege mit 2 )eut[d)lanb oerbanb, unb bas 
untrügliche ift bas, mas uns Deutfd)lanbs größter 
Dicbtergenius (Boetbe aus ber bamaligen fran^öfifctjen 
Unioerfitätftabt 3 urücfbrad)te, bas (Bebenfen an 
feine ßiebe 3 U ber Sefenbeimer *ßfarrertod)ter unb 
ben ^ran 3 buftigfter beutfcßer fiieber, bie er bort 
bem 23olfsmunb abgelaufdjt batte. (Er fei oon bort» 
ber erft als Deutfcber 3 urü(fgefommen, fagte er 
fpäter, nicht aus 'Jöiberfprud) gegen bie 3 uftänbe, 
bie er angetroffen batte, fonbern in ber (Erfenntnis 
beffen, roas bas 23oIf bort an feinem Deutfcßtum 
batte. 2 Iud) an ibn merben mir in biefer Slusftellung 
erinnert, feine einige große ßiebe, bie granffurterin 
ßili Scboenemann, heiratete fpäter einen elfäffifcben 


Jrieb 


Bernf). 

oon Xürtfbeim, 

©anfier in Gtrafjburg 
(1752-1831). ©aftellbilbnis 

für bie biefer frembe 
9tame beffer paßt 
als bas beutfcbe 
5öort, mie fie aucf) 
fonftinibremgleiß, 
ihrer Schlichtheit, 
aber auch in man* 
cber (Engber 3 igfeit 
oiel 2 lebnlicbfeit 
mit jener fran 3 ö* 
fifcben ^Bourgeoifie 
bat, bie gleid) 3 eitig 
mit ibr auffam. 
Das23olf, bie breite 
3ttaffe bat aber 
menig an biefer 
Kultur teilgenoin* 
men, es ift im 
allgemeinen fo 
beutfcb geblieben, 
mie es oor 3 abr= 
bunberten mar, in 
Xradjt, Sitte unb 
Sprache. 3Bie foll* 
te es auch anbers 
fein? Die Staats* 
gemalt griff troß 
ihrer abfoluten 
Stacht bocb nicht 
fo in bas prioate 
ßeben ber 2 HI* 
gemeinbeit ein mie 
beute, unb als 
fie in ber *Re* 
oolution bie ajtadjt 
ba 3 u gemann 
mürbe ihr b 

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nirffr 

Go 


(Broßes ÜKiniaturbilbnis 
auf Pergament. 


(Öeneral fMeber 

(1754—1800). 


ungirai Trom 

UNIVERSITY OF IOWA 






Kummer 15. 


©eile 627. 




711 


it: 


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Baron d. Sürcfheim, einen tüchtigen 
Biann, ber fich in öffentlichen 2lem s 
tern feiner Heimat unb als Btinifter 
in Baben betätigt hat. 2lud) ein 
Beroeis, mie bie Beziehungen non 
©Ifaß nach IDeutfchlanb hin* unb 
herübergingen. Sein Bilbnis ift in 
ber Ausftellung zu fehen. 

Die elfäffifche Kultur ift fomit 
nicht etmas Befonberes, fie ift oiel* 
leidjt bie Kultur einer klaffe, nicht 
eines Bolfes. Aber barum foll man 
jenes 2Bort nicht gleich megmerfen, 
auch fo hat fie ihre Bebeutung, unb 
manchem, ber bie Befonberheiten bes 
Bolfslebens liebt, fann fie etmas 
(Butes unb Seines fagen. Unb bem 
©Ifäffer, ber in ihr aufgemachfen ift, 
mag man es nicht oerbenfen, roenn 
er fich ihrer erfreut unb ihr leben 
raill. 2)as große Deutfchlanb fann 
auch bas ertragen; es foll fich fa s 
gen, bies ßanb, bas bu mit bem 
Blut beiner teuerften ßinber erfauft 
haft, unb bas bu als bas Stjmbol 
beiner miebererlangten ©röße unb 
(Einheit ganz tief in bein S)t rz ein= 
gefchloffen haft, ift fo oft bas Äampf* 
objeft zmifdjen ben Äulturen zweier 
großer Nationen gemefen, baß mohl 
oon jeber etmas in ihm haften unb 
fröhlich meiterleben mag, bift bu 
hoch gemiß, baß ber größere £eil 
ber ©efamtheit mit bir, beinern Denfen 
unb Sühlen innerlich oerbunben unb 
oerfnüpft ift, unb baß mie feine 
Bergangenheit in feinen fchönften 
3eiten fo auch feine ßufunft jü r 
immer unb emig bir angehört. — 







/ 



(Eulen unb fiäu3e. 

SSon Sr. 0. $efnrotf), ^Berlin. 

I f)ter3u 12 p^otogr. 2iufaal)men. ( 


Slaum einer Bogelgruppe hat fich bei uns bie Sage unb 
ber Aberglauben, aber auch bie allegorifcbe Stunft fo be* 
mäd)tigt n)ie ber ©ulen; ihr nächtliches Treiben, ihre Stimme 
unb bas abfonberliche Ausfehen haben ihnen ben Stempel 
bes ©eheimnisoollen unb auch bes Schauerlichen aufgebrüeft. 
Dorf) nicht überall oerhält es fich fo: in Sübeuropa ift ber 
Heine Steinfauz rnegen feiner Drolligfeit einer ber beliebteren 
5)ausoögel gemorben, unb meine eingeborenen fchmarzen 
Sungen in Neuguinea, bie oorurteilslos an bie zum Ab* 
balgen beftimmte ßagbbeute herangingen, maren in bie ©ulen 
gerabezu oerliebt unb ftrichen ihnen zärtlich bie meinen, 
runben Äöpfe! 

9öenn ich aber mit einer lernbegierigen $)örerfchar an bie 
Gulenfäfige bes Berliner Soologifchen ©artens herantrete, ober 
menn ein lieber ©aft fich m meinem #eim zum Abenbbrot nieber* 
Hau&fuß-äauj im JugenbHeib, feßt,unbunferzutunliches3merg*0hreulchenfommtgeräufchlofen 

äugen Derf4.i<g&en weit geöffnet. Sluges zu ihm unb fchaut ihm—fcheinbar erftaunt — mit feinen 

□ igitized by (^OOQlC 


Siraf from 


UNIVERSUM OF IOWA 












(Beite 628. 


Kummer 15. 



einem foldjen bei unfern ©ögeln über* 
I)aupt fpredjen barf, benn h^r ift bas 
Sluge fein fugliges ©ebilbe, fonbem häufig 
faft 3t)(inbrifcf) unb ähnelt in ber gorm 
jehr ber Hälfte eines recht fleinen Opern* 
glafes, 3ugleich entfpricht bies auch etroa 
ber natürlichen ©röße eines Uhu* ober 
Scßneeeulen=2lugenpaares. ©tan ift gerabe* 
3U oerblüfft, roenn man ben $opf einer 
©ule gerupft oor fich hat unb bie ©roßen« 
nerhältniffe ber ein3elnen Deile betrach 3 
tet: etma ein Drittel bes ©an3en nehmen 
bie ©ugen ein, bann fommt eine bei 
manchen Wirten riefige Ohröffnung, alles 
übrige fdjeint aus Schnabel unb Sd)äbel* 
fnochen 3U beftehen; bas ©ehirn erfcheint 


^boi. Ir. $*flnrotb. 


3roergohreulen. 


großen, gelben ©ugen ins ©efid)t, bann höre 
ich 3mar oiele Slusbrücfe bes ©rftaunens unb \ || 
ber ©ermunberung, aber im übrigen: „Statur* 
gefehlte fd)mad)!" möchte id) immer fagen. 

3unäd)ft habe id) immer ber oeralteten 
Slnficht entgegen3utreten, baß eine ©ule bei 
heller ^Beleuchtung nicht fehen fönne; fteht 
bas benn mirflid) nod) in einem Statur* 
gefeßiehtsbud), ober lernt man foldjen Un*‘ 
finn heute noch in ber Schule? Der 3 äger, 

ber, fid> hie ©ngriffsluft oieler Xagoögel _Bff 

gegen ben Uhu 3unuße machenb, biefen oor 
ber ^rähenhütte auf einen ©fahl feßt, meiß 
fehr gut, baß fein großäugiger 3agbgenoffe auch bei hell* 
ftem Sonnenfehein bie heran3iehenben ©auboögel nicht 
nur auf gan3 unglaubliche ©ntfemungen hin bemerft, 
fonbern fie auch erfennt unb je nach ihrer Stärfe 
unb ©rt ein gan3 oerfchiebenes ©erhalten 3ur Schau 
trägt, ©nberfeits fieht im gan3 Dunfein natürlich 

auch eine ©ule 
nichts, benn 
3ur ©rregung 
ber lichtempfinb* 
liehen üfteßhaut* 
elemente gehö* 
ren eben ßid)t* 
ftrahlen,unbein 
eigenes ßeudjt* 
organ mieman* 
d)e Xieffeetiere 
trägt ein ©0* 
gel nicht bei 
fieß. ©efonbers 
auffallenb ift bie 
riefige ©röße 
bes ©ulenauges, 
nicht nur bes 
äußerlich fidjtba* 
ren Deile's, fon* 
bern bes gan* 
3en 2lugapfels, 
toenn man oon 


3nvergohreulen in der (Erregung. 


uns gerabe3U min3ig, obgleich es für einen ©ogel 
immer noch oerßältnismäßig groß ift. ftaum einer 
ber gefdjäßten ßefer bürfte eine ber gebern beraubte 
©ule miebererfennen unb noch oiel meniger ihre ©rt* 
3ugehörigfeit feftftellen fönnen; ber Spruch: „Äleiber 
machen ßeute" gilt rnohl nirgenbs beffer als hi**- 
Die ungemein 
bidjte, lofe ©e* 
fieberung läßt 
nicht nur ben 
ftopf, fonbern 
aud)bengan3en 
©ogelumoieles 
größer erfdjei* 
nen, als er mirf* 
lieh ift: ben be* 
fannten ©&alb* 
fau3 fann man 
unter ben ge* 
bern um bie 
Xaille mit Dau* 
men unb ÜJtit* 
telfinger einer 
5 )anb fo 3iem* 
lid)umfpannen! 

©an3 be= 
fonbers ausge* 
bilbet ift bas 
Ohr ber meiften 


$>flnrot5j. 


fjöhleneule. 


Schleiereule. 


Digitized hy 


v Google 


Original fro-m 

UNIVERS1TT OF IOWA 





Kummer 15. 


Seite 629. 



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©uten; im ©egenfaß 3U ben anberen Vögeln ift bie 
oft riefige Dßröffnung oon großen i)autfalten umgeben, 
bie an ißren freien SRänbern eine eigenartige 23 efiebe- 
rung tragen unb ein großes nadtes gelb 3toifcßen fid) 
laffen, bas aber oßne nähere Unterfucßung bes 23 ogels 
nicht fießtbar ift. I)as Oßr roirb oon oorn bureß ben 
ßinteren 91 anb bes fogenannten Schleiers überbedt, 
ber fid; in ber fftußelage feft auf bas übrige Slopß 
gefieber auflegt. 2 )iefer Schleier, ben mir beim Ural= 
fau3 als runblid;es, bei ber Schleiereule als ßer3förmige5 
gelb bas Auge umgeben 
feßen, befteßt aus be ; 
fonbers geftalte= 
ten, feinen 
gebern 


Sumpfoßreulen. 


unb ift bei ben oerfeßiebenen ©ulenarten ftärfer ober 
feßmäeßer ausgebilbet. 2 )ie geberoßren ber Oßreulen, 
beren größte ber Ußu ift, ßaben mit bem eigentlichen 
Oßr nießts 3U tun, fie liegen oberhalb oon biefem 
naeß ber Stirnmitte 3U. — SBir müffen anneßmen, 
baß oiele ©ulen ßauptfäcßlicß mit bem ©eßör jagen; 
bie fieß unter ©ras unb Gaub bemegenbe Sttaus mirb 


•pbet. Tr. fcemrolö. 

Scßnee-(£ule. 

feßon auf größere ©ntfernung ßin 
oernommen unb ißr Aufenthalt 
fo genau lofalifiert, baß bie ©ule 
ißre ®eute mitfamt ben fie oer= 
bedenben Halmen padt. ßimrner» 
oerfud)e mit 3aßmen 2ßalbfäu3en 
ßaben ergeben, baß biefe 93 ögel bas 
Gaufen einer 5 Raus auf einem Smprna= 


Tr. $>finrotli. 


Digitized fr 


Uraltem). 

Google 


Steinfauj. 

Original from 

UNIVERSITf OF IOWA 




Seite 63Ö. 


Kummer 15. 


teppicf) fofort trabrnebmen, felbft trenn fie mit abge* bann einige Schritte 3urücf unb fafet bie ©eute oon 
manbtem Sopf, auf ber Spifce bes hoben Ofens fifcenb, neuem ins 2 luge. ©ei Xage gebt bas ©eftreben aller 
ihre Xagrube batten. 3 m engen ßufammenbang mit ©ulen babin, nicht entbecft 3U merben, unb fie oer= 
bem feinen ©ebör ftebt ber geräufcblofe glug ber fteben bies nicht nur baburch 3U erreichen, bafc fie ficb 



©ulen; benn mer fcharf _ 

horchen trill, barf na- Blj 

türlid) felbft feinen fiärm r ] 

machen, unb au&erbem 

mürbe bie hellhörige 

©taus uor einem bet'= i ^ , 

annabenbcit gcittb fiel) | 

ftets beizeiten in Sid)cr= 

lid)t mirb ber lautlofe m\\ 

gliigelfd)lag burd) einen 
befonbereit, feinen Samt-- W 
belag, ber bie Oberfeite 
ber Scbmungfebern üben ■f® 

3iebt unb bas ©eibungs= iM nf s vV 

sticht alle ©ulenarten JA 

rerlaffen fid) bei ber >*9 

©abrungfuche fo febr auf ^ 

ihr Ohr, oiele benufeen 9 

babei mehr bas ©efidjt; 
namentlich für bie flei= 
neren formen, bie gröfc= 
tenteils 3nfeftenfreffer 
finb, fcheint bies 3U gel= 
ten. ©feine 3mergobr s 
eule 3. ©. erfpäbt augen= 
blicflich einen auf bem 

gufjboben im tiefenSd)at= - 

ten laufenben ©fehl* Uhu. 

murm, felbft trenn fie 
babei gerabe auf ber gegenüberliegenben 
3 immerfeite bid)t unter ber Oecfe fifet 
unb an 3trei h^übrennenben ©asglüb 5 
lichtem rorbeifeben ntu^. Slugenblitflid) 
fliegt fie ergreift ihn — trie 

alle ©ulen — nicht mit bem Schnabel, 
fonbern mit ben Rängen unb re^ebrt 
ihn. 3 ft ihr ber ©riff auf bem glatten 
©arfett mi&glücft, fo fann man nun ror* 
trefflich beobachten, baß bie ©ule itt näd) 5 
fter ©äbe nichts erfennen fann, fie tritt 


an bunfle, gebeefte Orte 
3urücf3ieben, fonbern ihre 
gärbungstreife, ihre ©e= 
ftalt unb ihre ruhige S)al* 
tung fchü^en fie gleich* 
falls ror bem ©efeben= 
merben. Oie beunruhigte 
©ule legt meift ihr ©e= 
fieber glatt an, macht 
ficb lang, unb bie Obr= 
eule ftellt bie geber- 
obren mehr ober treniger 
aufrecht, trie mir bies auf 
bem untenft. ©ilb neben 
bem Xßalbfau3 gut feben 
fönnen, auch bie mitt* 
lere ber auf ber i)anb 
fiftenben 3n>ergobreulen 
nimmt eine Sd)recfftel= 
lung ein ( 2 Ibb. S. 628 ). 
Oie Xiere merben babei 
gerabe3u 3um 2lftftumpf, 
unb man überfielt fie febr 
leicht, häufig finb auch 
bie 2lugen oerfchiebett 
treit geöffnet, ober bie 




ZDalbobreule 

mit oufgeridjteten Sebcrobrcn. 


Tr. £>cinrotl). 

Ba(bfau3. 


geberobren merben unfpmmetrifch getragen, unb bies rer= 
mifdjt bann bas ©ilb eines ©ogels noch mehr. 

Unfere ©botograpbien 3eigen uns neben ben rerfchiebeneti 
©ulenftellungen auch 3ugleid) eine Ueberficht über bie 5 )aupt= 
gattungen. Oie Unterfchiebe in ber Slusbilbung bes Schleiers, 
ber geberobren, ber gärbuttgsmeife (Schneeeule!) unb ror 
allem in ber ©einlänge (bie ^öbleneule ift ein echter ©oben= 
rogel!) merben bem ©efchauer ohne meiteres flar. ©teift 
merben 3trei 3eben nach oorn gerichtet, bie britte liegt mit 
ber oierten nach hinten — menigftens bei mirflidjen ©ulen. 



bei nacbgemad)tcn, oft (onft recht guten Äunfimerfen habe 
ich’s auch fchon anbers gefeben! 

Original fro-m 

UNIVERSITY OF IOWA 





Stummer 15. 


Seite 631. 


„<£5e(tnuf unb Sanfbarfcif“ 

Sfi33e oon Rar! #ans Strobl. 


3 oßann ©ebafüan Sterores faß im Raffeeßaus unb 
las, in bic blaugrauen SBoIten (einer billigen Zigarre 
eingehüllt, bie Sweater« unb Runftbericßte fämtlicßer 
Leitungen. SBenn er an ben Flamen ©ufanna #ertericß 
tarn, 3itterte fein #er3. (Er oerfcßlang biefen tarnen 
mit ben Süden, er fpraeß if>n gan3 leife oor fich bin» 
inbem er (eben Sofa! fo lange auf ber 3 unge bebielt, 
bis er 3U serfließen freien mie ein Bonbon. (Er feßmedte 
biefen Samen, er fühlte ihn förperlicß, er trieb ein 
oerliebtes Spiel mit ihm. D biefe ©jel, biefe gran* 
biofen (Efel non Rritifern, mas mußten bie non ©u* 
fanna #ertericß! Da mar einer, ber mar boshaft roie 
ein Slffe unb bilbete fuß ein, geiftreich 3U fein. Die 
fcbalen SBiße, bie am ©tammtifcß gemacht mürben, 
brachte er alle in feinen ßämijeßen Rritifen unter. 
Sterores hätte ihn prügeln mögen. (Er hätte ihn 
falten Blutes ermorben fönnen, unb bann märe er 
als Sropbet non ©ufannas Schönheit unb abeliger 
Runft aufgeftanben. SBas mußten bie ßeute oon ihr? 
3 oßann ©ebaftian Sterores hätte 3U SBorte fommen 
müffen . . . 

(Er marf einen refpeftoollen Süd nach ber ©de, 
mo ber E)elbenoater mit bem jugenblichen Romifer 
unb bem Dperettentenor tarodterte. SBie bie brei 
lachten unb fich unterhielten. Das ift eine SBelt, bas 
heißt eine SBelt, heiter, leicht unb frei . . . baeßte 
Sterores. Dann blätterte er meiter unb oerirrte fich 
in ben Sln3eigenteit. Da gab es in ber Subrif „Sülge* 
meiner Berfeßr" manchmal gan3 rei3enbe Sachen, So* 
mane in oier 3*üen, rätfelhafte Slnbeutungen, ©ßiffren 
oon ©eßeimniffen, ben gan3en 3 auber eines Stasfen* 
fpiels. Unb 3 oßann ©ebaftian Sterores las: 

„SBer hilft einer Äünftlerin mit einem 
Betrag oon taufenb Kronen aus einer 
augenbüdlichen Bertegenßeit? Singebote 
unter ,(Ebelmut unb Danfbarfeit* an bie 
©jpebition bes Blattes." 

Sacßbem Sterores biefe Seilen gelefen hatte, faß 
er noch eine gan3e SBeile regungslos, ©r hatte nur 
bie ffimpfinbung einer großen ^elligfeit. (Es flopfte in 
ihm; bas ift ber SBeg ... bas ift ber SBeg. Saft 
feßmanfenb erhob er fich/ 3ubtte unb ging. 3a, bas 
mar ber SBeg, ber lang unb fchmer3li<h gefugte SBeg in 
bie SBelt bes Ißeaters, oielleicht fogar — o ©ott! — 
ber SBeg 3U ©ufanna f)ertericß. SBie rührenb bas 
mar, unb mie menfcßüch ergreifenb, 3U benfen, baß fich 
jemanb oon ben Singehörigen biefer lichten unb freien 
3one in „augenblidücher Berlegenßeit" befanb. 

Sterores legte ben SBeg 3U feinem greunb ©uftao 
Steiler in einem 3 uftanb 3urüd, in bem bas Bemußt* 
fein oon Saum unb Qelt ausgefchaltet mar. Seoor 
er in bas Slrbeit3immer eintreten burfte, ließ man ihn 
ein menig märten. (Enblich öffnete ©uftao felbft bie 
lür. „SBas oerfeßafft mir bas Sergnügen beines Be* 
fuchs?" fagte er in einem Ion, beffen ßiebensmürbig* 
feit bureß eine gemiffe Ungebulb ein menig unficher 
mar. 3 ugleicß marf et^ einen Slid im 3 immer umher. 
Sapperment — ba mar richtig ein blauer Schleier auf 
bem gauteuil Üegengebüeben. 

Slber Sterores hatte feine 3 etf, Seobad)tungen an* 
ansuftelkn, unb gi^gjgjffpbiaröcJ^ auf fein 3**1 los: 


„Rannft bu mir fofort taufenb Rronen pumpen?" 
fragte er. 

Steiler mar oerblüfft. „laufenb Rronen?" fragte 
er, als ob er nicht rniffe, mas bies fei. 

„ 3 a — fofort!" 

„3a, aber 3uan ©ebaftian! Sag mir um ©ottes 
millen, mo 3 u brauchft bu taufenb Rronen?" 

„Das fann ich bir nicht fagen. ©enug, ich brauche fie." 

„Du bift oerrüdt gemorben, mein ßieber; taufenb 
Rronen . . . bu fagft bas, als ob bas taufenb ange* 
brannte 3 önbßöl 3 er roären. Du mirft einfehen, baß 
ich roiffen muß, mo 3 U bu bas ©elb brauchft, menn ich 
es bir borgen foll." 

,,©ut . . . aber ©ßrenmort, baß bu feßmeigft: ich 
habe eine St^eige gelefen. ©ine Rünftlerin braucht 
©elb . . ." 

„Unb bu millft es bir auspumpen, um es ihr 3 U 
geben ..." Steiler fiel rüdlings um, fam auf ben 
blauen Schleier 3 U fißen unb (trampelte mit ben 
Seinen. „Beleih," jagte er nach einer SBeile, „bu 
bift übermältigenb. Du bift großartig!" 

„SBillft bu. mir alfo taufenb Rronen pumpen ober 
nicht?" fragte Sterores geregt. 

„SBenn bu mir alfo ein Ultimatum fteüft. . . nein! 
Schau, mein lieber greunb, ich roeiß, baß bu in allen 
Dingen, bie bas Iheater angeßen, nicht normal bift. 
Deine Begeiferung ift ja gemiß eine feßöne Sache. 
,©ott grüß bie Runft' unb fo meiter. 3cß mill bir 
beinen 3 bealismus nicht nehmen, gür folche ßeute 
mie bu ift es am beften, menn fie babei bleiben. SBir 
nennen bid) 3 uan ©ebaftian, bas ift bebeutfam unb 
fomptomatifeß. 3uan ift gemiß ein fchöner Same, 
aber ©ebaftian hebt ihn bureß feine ©egenmirfung 
mieber auf. Sa — fei mir nicht bös, menn ich bir 
bas ©elb nicht gebe. Du überfcßäßt bas Ißeater . . . 
unb oor allem bie Ißeaterbamen. ©laube mir, fie 
halten feiten bas, mas fie oerfpreeßen . . ." 

Die leßten SBorte fpraeß ©uftao Steiler gegen bie 
Slüfcßportiere ßin, bie bas Scßlaf 3 immer 00 m Slrbeit* 
3 immer trennte, ffir fpraeß fie läcßelnb unb faß fo 
aufmerffam auf bie gaüen bes Sorßangs, baß er 
erft an bem 3 u fölagen ber lür mertte, baß fein 
greunb bas 3 iromer neriaffen hatte. 

3 uan ©ebaftian mar aufs äußerfte niebergefcßlagen. 
©r lief ben gansen Slbenb mie oerloren herum. SBas 
mar nun 3 U tun? Sun oerlief fieß ber SBeg in Sümpfe 
unb fteinige SBüften. Sur eins noch ... nur eins 
blieb . . . aber bas mar fo peinlich unb bemütigenb 
unb eigentlich eine Scßurferei. Bis Stittemacßt fämpfte 
3uan ©ebaftian mit fich. Dann feßte er fich an ben 
©cßreibtifcß unb feßrieb einen Brief, ben er am Storgen 
fogleicß nach ©röffnung bes Boftamts aufgab. 

Stm näcßften lag befam er eine ©elbanmeifung auf 
taufenb Rronen unb einen Brief. Der Brief lautete: 

„Stein lieber ©oßn! 

„3cß fenbe Dir bie taufenb Rronen, meil Du es 
oerlangft, unb meil Du es fo bringlicß maeßft, als ob 
Dein ßeben baoon abßinge. SBeiß ©ott, es ift mir 
feßmer gemorben. ©s ift boeß bas leßte ©elb oon 
unferm armen oerftorbenen Bater, unb bie 3*nfen 
baoon ßabe icß fo notmenbig gebraucht, benn meine 

r-JIVERSITYOFIOWA 



Seite 632. 


Jßenfion . . . aber bas mug icg Dir ja nicht erft 
fegreiben, bas meigt Du alles felbft am beften, mie xd) 
mich einjegränfen mug, unb mie ich lebe, bamit ich Dicg 
hoch noch ein bigegen unterftügen fann, bamit Du Dich 
nicht fo fegr mit Stunbengeben plagen mugt. Du 
gätteft mir aber auch febreiben tonnen, W03U Du bas 
Selb brauebft. (Fs finb boeb nicht Spielfcgulben? $)i ite 
Dich oor bem Spielen unb oor allem anbern . . . mad) 
Dir nichts aus meinem ßamento, ich meig ja, Du 
bätteft mir nicht gefegrieben, wenn Du bas (Selb nicht 
mirflich bringenb nötig gätteft. Cs grügt unb fügt 
Dich oiele 2 Rale Deine 9 Rutter." 

3 uan Sebaftian fag ben SSrief eine SBeile an, faltete 
ign bann sufammen unb fteefte ign in feine SSrieftafcge 
3mifcgen einen Xgeater^ettel oon geftern unb ein 
Xgeaterbillett für geute. Dabei fiel igm feine Söifiten* 
farte in bie #änbe. Sogann Sebaftian SRerores, cand. 
ing., ftanb barauf. Das fag fieg niegt fegr bebeutenb 
an, unb wenn man es leife oor füg ginfpraeg, flang 
es nach nichts. Slber immerhin; eine grau oon ©eift 
unb ©emüt mugte es ergreifenb finben, bag ein un* 
bebeutenber Stubent ein folcges Opfer brachte. 3 uan 
Sebaftian fegrieb alfo noeg feine Slbreffe auf bie Karte, 
tat fie mit ben SSanfnoten 3ufammen in ein Kuoert, 
bem er bie Sluffcgrift „(Fbelmut unb Danfbarfeit" gab, 
unb trug es 3U ber Cjpebition ber „Dagespoft". 

Dann tief er aus ber Stabt hinaus, 3 wifcgen gelbem, 
bem Sßalb 3 U, immer toeiter. Cs fang in igm. Der 
Fimmel fegimmerte toie ein ÜDiärcgen, unb ber grügling 
ftanb mit teuegtenben Slugen auf ben bügeln. Unter 
ben erften Räumen toarf fieg 3uan Sebaftian auf ben 
feuegten SSoben unb begann nacg 3 ufinnen. Dev 2Beg ... 
ber 2 Beg . . . toie tounberbar wirb biefe feelifcge ©e* 
meinfegaft mit einer grau fein; mie werbe icg fie mit 
allen meinen ©ebanfen erfüllen, bis fie mein Ccgo ift... 
gibt es etwas Söunberbareres! Stiegt megr allein; nun 
liegt es blog an mir, ein groges ©lücf 3 U gewinnen ... 
ein geiftiges SSünbnis mit einer folcgen grau. Unb 
bas munberbarfte: icg coeig noeg niegt einmal, wer 
biefe grau ift, icg fenne fie niegt. 2tm Cnbe . . . wenn 
es Sufanna felbft märe ... es fönnte fein . . . nein, 
nein, icg mürbe fterben ... 

Drei läge oergingen üRerores in einer folcgen 
grogen Seligfeit. Cr mürbe gar niegt ungebulbig unb 
füregtete fieg faft oor ber ©emiggeit. 2lls er am oierten 
Dag einen oiofetten SSrief ergielt, beffen garbe mit 
einem ftarfen, feltfamen ©erueg buregtränft fegien, er* 
fegraf er. Cr mugte plöglicg, es mar Sufanna. Unb 
in biefem Slugenbltcf oermünfegte er feinen Cinfaü, feinen 
Stamen 3U nennen. — Cs mar mirflieg Sufanna, unb 
fie lub ign für morgen ein, fie 3U befuegen. — Die 
Stacgt oerbraegte er im greien mit SÖßanberungen bureg 
bie Stragen. 3 n biefer milben grüglingsnacgt, bie 
igm niegt länger fegien als eine Stunbe, mürbe fein 
©lücf faft fcgmer3gaft. 

3ur beftrmmten 3eit maegte er fieg auf ben SBeg. 
3 n ber Slntonftrage, niegt meit oon Sufannas 
#aus, traf er ©uftao SReiler, ber ign anrief. Slber 
3 uan Sebaftian läcgelte igm blog 3U unb ging oorüber. 

Cr füglte fieg in bas 5 )aus eintreten, bie Dreppe 
ginaufgegen unb an Sufannas Dür flingeln. Stocg 
einmal überflog er feinen ßebenslauf, mie er fieg ign 
3urecgtgelegt gatte, um ign Sufanna 3U er3äglen. Sie 
füllte fogleicg miffen, mit mem fie es 3U tun gatte. 
Dann ftanb er Sufanna Wertend; gegenüber. 


Digitized b>' 


Gougle 


Stummer 1& 

„Sllfo Sie finb’s," fagte bie Scgaufpielerin, „bas 
mar fegr fegön oon 3 gnen. 3 cg bant 3 gnen fegön. 
SBiffen S', icg mar in einer abfegeuliegen 
SReine ©läubiger gaben mir fegon gar feine fRug megr 
'geben. üRa — fegen S' fieg. ÜRacgen Sie ficg's be* 
quem/' 

3 uan Sebaftian fag eine ftattlicge Dame oor fieg; 
rotblonbes, mit oielen falfcgen ßoefen befteeftes $>aar 
mirfte im ©egenfag 3U einem nilgrünen, meieg fliegenben 
Scglafrocf. Cine tiefe SRutlofigfeit fam über ign. ®ie 
fremb, mie furegtbar fremb mar biefe grau für ign, 
igr ÜBefen ftrömte etwas aus, bas auf feine 3itternben 
©ebanfen mirfte mie eine fegarfe Säure auf empfinb* 
liege ?ßflan3en. 

Unb mit ftoefenber Stimme begann er, geifer oor 
Aufregung: ,, 3 d) bin ber Sogn eines Oefonomie* 
beamten, ber meine 3ugenb ..." 

Sufanna fagte feine #anb: „Slber gegn S\ Ifcga* 
perl, was wollen S’ benn? Das intereffiert mieg boeg 
gar niegt. 3 cg bin 3 gnen fegr banfbar, bag Sie mir 
geholfen gaben . . ." Dabei neigte fie ben Kopf 3ur 
Seite unb fag ign fofett an, mit einem SSlicf, ber &u 
fragen fegien: (Befalle icg bir? Unb in biefem SSlicf 
fag 3 uan Sebaftian ben SBiberfcgein einer SBelt ooHer 
Slbenteuer, bie er nie erlebt gatte, ooller Crfagrungen, 
oor benen er erfegraf. Cr erfannte eine läcgelnbe Be* 
reitmitligfeit, fieg negmen 3U taffen, eine Scgutb in 
anberer SRün3e 3U be3aglen. Diefes ßäcgetn lub ein, 
es mar mie ausgebreitete Strme, ein Berfprecgen oon 
©efälligfeiten. Unb babei mugte biefe grau gar niegt, 
wer er mar. 

2 Bas wollte fie oon igm? Cr fannte fie ebenfo* 
wenig mie fie ign. 

Bebenb ergob er fieg. „0, icg bin fegr glüctlicg .. 
ftamnielte er, „bag es . . . mir oergönnt mar, 3gnen ... 
einen fleinen Dienft ermeifen . . . 3U fönnen. Cs wirb 
mir . . . eine angenegme (Erinnerung . . . fein." hierauf 
oerneigte er fieg unb ging, mägrenb bas ganse 3immer 
um ign wirbelte, langfam unb in guter Haltung 3ur Dür 
hinaus. 

Sufanna $ertericg blieb faffungslos 3urücf. f)atte 
fie jemals fo etwas erlebt, mar bas fegon jemals ba* 
gemefen? Unb erft nach einer SBeile fam fie au fieg, 
unb ba begann fie aueg 3U lacgen, bag bie gatten igres 
nilgrünen Scglafgeroanbes mie Schlangen über igren 
Körper liefen. 

3 uan Sebaftian SRerores aber ging 3ur Donau* 
brüefe, ftellte fieg an bie Brüftung unb fag ins Söaffer. 
So lange ftanb er bort, bag er bie äufmerffamfeit 
eines $oli3eimannes erregte, unb bag biefer fieg oer= 
anlagt fag, ginsugegen unb igm bie 5 )anb auf bie 
Scgulter 3U legen. „Sie, was maegen S* benn ba?" 
fragte er. 

SRerores manbte fieg um. „0 nein!" fagte er mit 
einem trüben, aber überlegenen ßäcgetn unb ging naeg 
#aus. 

„0 nein!" fpraeg er noeg einigemal oor fieg gin. 

Stuf feinem 3 immer angelangt, fegte er fieg an 
ben Scgreibtifcg unb fegrieb feinem greunb ©uftao 
SReiler einen Brief: „Du gaft fegr reegt getan, mir bie 
taufenb Kronen niegt 3U pumpen. Unb Du gaft aueg 
barin reegt, bag mir nur bureg Cnttäufcgungen flüger 
werben. SBas inicg betrifft, fo glaube icg, icg gäbe 
geute ben erften Scgritt getan, um ben Sebaftian ab* 
3ulegen " 


■«^fr- 


Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 



Kummer 15. 


»Seite 633. 


porfofino-Spi&en. 

Von Victor Ottmann. — W^u 6 photographifdje Aufnahmen, 


Dort, roo öftlich oon ©enua bas Vorgebirge oon 
*ßortofino fein geroaltiges Vtaffio roeit in bie 2t3urfläd>e 
bes leeres ftretft, entfaltet bie Nioiera bi ßeoante, 
bie erfolgreiche Nebenbuhlerin ihrer roeftlichen Sdjroefter, 
ihre ent3iicfenbften Nei3e. Der 2 lbfall bes ©ebirges tritt 
fo bid)t an bie See heran, baß 3toi[d)en ihr unb ben 
fteilen Vergroänben nur ein fdjmaler, hier unb bort 3U 
einer Meinen ©bene ausgebehnter Slüftenftreif Naum 
für Siebelungen geroährt unb bie ©ifenbahn genötigt 


gebruar oerbreitet bie ÜRanbelblüte ihren lieblichen Duft, 
üttonatsrofen unb Nhobobenbren, Slmergllen, Verbenen 
unb ©eranien bilben förmliche Ditfichte, unb l)od) über 
allem Vlühen unb prangen roiegen fid) Vaünentronen 
in ber roür3igen ßuft. 3m fdjroffen ©egenfaß 3U biefer 
Weiterleit fteht bie oft beflemmenb büftere ©nge ber 
Dörfer unb Stäbte, bie fich oon ©enua aus in faft 
ununterbrochener ftette überall eingeniftet haben# roo 
bas ©elänbe ihre (Entfaltung geftattet. Das gefeüige 



(Eine friHfche ftunöin 


ift, fid) ihren 5 Beg in ©eftalt 3ahlreicher Xunnel burch 
bie gelfen fpnburch 3U fudjen. 2 lber bie Veroohner 
bes engen Slüftenjaums oerftehen es, hier, roo jeber 
Quabratfuß bes flimatifch ungemein begünftigten Vobens 
hohen 2öert befiel, biefen bis an bie äußerften ©ren* 
3en ber ÜDtöglichfeit au&3unußen; mit 3ähem gleiß haben 
fie ben Verglehnen bie Sltferfrume 3 oü um 3 oll ab* 
getrost unb mühfame Xerraffenbauten für bie Obft* 
baum3ucht angelegt. Den gan3en hinter hinburch fieht 
man „im bunfeln ßaub bie ©olborangen glühn", im 

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Volt ber Staliener liebt biefes enge Veieinanberfein 
unb fucht es felbft bort, roo tein äußerer 3roang cö 
bebingt. ©in Wauptplaß am Vorgebirge oon ^ßortofino 
ift bas Schiffer* unb gifcherftäbtcßen Napallo, bas mit 
ber Nadjbargemeinbe Santa Ntargßerita faft 3U einer 
einigen Wäufermaffe oerfd)mil3t, unb oon hier aus 
führt eine fchöne Äüftenftraße in mäßigem Vuf unb 2lb 
nach bem burd) feine Spißen berühmten ^ortofino, bem 
am ©nbpunft bes gleichnamigen Vorgebirges gelegenen 
Ort. ©s hat lange gebauert, bis biefer ©laii3punlt ber 

Original fram 

UNIVERSUM OF IOWA 



Seite 634 . 


Kummer 15. 


ftiüiera bi ßeoante 
fi d) bieoerbiente2Bür= 
bigung errang. Die 
9 tei[emobe beoor3ugte 
ftets bie ftioiera bi 
Ponente, bas meftlid) 
non ©enua gelegene 
(Beftabe, bas in (einer 
roeit größeren 2lus= 
bel)nung unb befon- 
ber5 in feiner fram 
3Öfi(d)en gortfetjung, 
bem ßittoral, in ber 
Xat aud) me^r 3U 
bieten f)at unb mit 
Stätten bes ßujus 
unb monbainer 3* rs 
ftreuungen eine mag* 
netifdje 2ln3ief)ungs s 
fraft auf bie intern 
nationale ßebemelt 
ausübt. Die ftilien 
Orte ber Stioiera bi 
ßeoante roaren nur 
ben 9taturfreunben 
unb Sftubebebürftigen 
oertraut, bis aud) 
il)nen bie Stunbeil)rer 
allgemeinen (Entbef* 
fung fdjlug. 3efct f)a= 
ben fid) 9 teroi, Santa 
'Jttargljerita, Rapallo 
ufm. 3U ftarf frequen* 
tierten flimatifdjen 
Kurorten entroicfelt, 
aber nod) immer tenn* 
3eidjnet fie eine ge* 



(Ein ftiUer Binfel. w.*.iw»wr. 


toiffe (Einfad)l)eit, eine 
gutbürgerlid)e Solibi= 
tät, bie feine ©£tra= 
oagan3en auffommen 
läßt. Unb nod) etmas 
anberes ift für fie 
djarafteriftifet): bas 

Uebermiegen bes beut* 
(d)en ^ublifums, bas 
ben ®efud)er biefes 
Küftenftrid)S mitunter 
faft oergeffen lä&t, 
ba& er fid) auf italie* 
nifdjem SBoben be= 
finbet. 

3u ben beliebteften 
Spasierfafjrten ber 
Surgäfte gehört bie 
Xour nach ^ßortofino. 
Selbft ber eilige 9 tei= 
fenbe follte fie nict)t 
oerfäumen, benn fie 
mad)t it)n nid)t nur 
auf bequemfte 2Beife 
mit einer ber fdjönften 
Stranbf3enerien ber 
*Rioiera befannt, fon* 
bern aud), menn er 
am 3iel anlangt, mit 
einem malerifdjen al* 
ten Stäbtdjen, in bem 
eine originelle f)aus= 
inbuftrie gebeizt; bas 
Spiftenflöppeln. Unb 
biefer i)ausinbuftrie 
oerbanft ^ßortofino, 
oon bem bie ffielt 



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(Eingang in bie Rue au£ Dentelles. 


Original fro-m 

UNIVERSUM OF IOWA 






Kummer 15. 


Seite 635. 



3ufaf)rfffrafoe 

fonft faum et= 
was erfahren 
mürbe, eine ge= 
miffe 33 erüf)int- 
l)eit. DieDamen 
in ben Kurorten 
ringsum inter= 
effieren firf) na s 
türlid) fefjr für 
bie buftigen (Be= 
bilbe, bie bie 
hurtigen, ge= 
fdjictten Singer 
ber grauen unb 
Sfläbdjen oon 
^ortofino aus 
garten gäben 
heroorgugau= 
bernmiffen,unb 
fchmeriid) wirb 
eine Dame mie= 
ber in bie *)ei= 
mat reifen, ohne 

menigftens eine ^leinigfeit non Spifeeh für fi<±> felbft 
ober als miUfommenes Sttitbringfel eingefauft gu haben. 

Unfere ©efamtanficfjt oon $ortofino ( 2 tbb. S. 636 ) 
geigt bas tgpifdje SBilb eines Stioieraftäbtdjens mit 
feinem Keinen, nur oon gifdjerbarfen befugten 5 )afen; 
am (Eingang in ben Ort fteijt eine Sirdje ( 2 lbb. obenft.), 


Spitjenarbeiterinnen in Xätigfeit. 


«bot. «p. 9Ncit)nrr. 

nach JJortofino. 

beren fchmucfer 
33 au einen ge= 
loiffen 2 öo 6 t 3 
ftanb oerrät. 
9 Jlit weiteren 
Sei)ensn)ürbig s 
feiten fann^or= 
tofino nidjt bie= 
nen, bafür brei s 
tet es aber oor 
bem gremben 
auf Sdjritt unb 
Tritt Spieen 
aus —■ Spieen 
an ben 5 )aus= 
rnänben ber 
„Spi^enftrafee" 
( 2 lbb. 0 . 634 ) 
Spieen auf 
Tifchßn oor ben 
Käufern, 6 pit= 
gen in ben 
5 )änben artiger 

fleiner üftäbchen, bie itjren Sprachfchafc um eine 
2 Ingat)I beutfcher Tßorte bereichert hüben, wie gum 
23 eifpiel: „ 2 Boüen Tafdjentüch, mein (Err? 3 a ja, 
ferr gut unb biüif." SSUIig genug finb bie Arbeiten 
in ber Tat, man fann ein ©pifcentafchentud) fchon für 
einen gran!, Damenblufen oon 20 granf an hüben 


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Original fr 


OF Ol 



















Seit* 5 636 


Kummer 15. 



(Befamtanficht oon portofino. 


unb finbct eine reiche Austoahl oon Xifchbecfen, Sd)är= in Rapier oorgc^cifbncte dufter liegt. Sie Sllöppel, 

pen, Slraroatten, fragen ufto. fotoie meterioeife täuf* etroa tjanblange #ol3ftäbd)en, finb mit bem 311 oer« 

liefen Banbfpißen. Sie befefjeibenen ©tieferinnen be= arbeitenben 3 mirn umtoicfelt; bie ßödjer bes Lüfters 

gnügen fid) im allgemeinen mit einem Berbienft oon toerben mit fabeln befteeft unb bie gäben burd) $)\n= 

IV2—2 granf für bie Arbeit eines Xages, aber unb 5 )ertoerfen ber Klöppel 3toifchen ben fabeln oer= 

troß biefer Anfprudjslofigfeit müffen [ie nod) oft genug flochten, ©s ift 3um Staunen, mit meldjer Sicherheit 

ihre gan3e liebenstoürbige Berebfamfeit aufbieten, um bie Sticferinnen ihre Klöppel hanbhaben, unb roie 

bie übertriebenen ^ßreisbrücfereien unbillig benfenber behenb fie bie gäben 3U funftooüen ©etoeben oerbichten. 

Käufer ab3umehren. ©ern geftatten fie einen ©inblicf Slunft bringt ©unft, unb gleiß trägt Breis, fo oiel 
ins innere ber nach ber Straße 3U offenen ©etoölbe toiffen bie jungen Stäbchen oon Bortofino auch, unb 

(Abb. S. 635 ), in benen 3umeift alle meiblidjen ich möchte metten, baß ihre ©ebanfen mährenb ber 

gamilienmitglieber, ©roßmutter, Btutter unb ftinb, Arbeit 3U irgenbeinem braunen ßuigi ober Carlo 

oereint arbeiten. Sie ©runblage ber Arbeit bilbet ein braußen auf ben gifeßerbarfen toanbern unb locfenbc 

mal3enförmiges Bolfter, auf bem bas mit 9 tabelfti<hen 3 ufunftsbilber j^ rc 0 e elen erfüllen. 


Silber aus 

gerbinanb greiherr oon 
Stumm,' Sefretär bei ber 
ftaiferli<hSeutfri)en Sotfd)aft 
in Aßafhington, oerlobte fich 
mit Atiß ©onftance f)opt, 
ber Xodjter eines amerifa« 
nifchen Senators. 

$ür3lirf) mürben im 
Schönbrunner Schloß oor 
bem Äaifer oon Defterreicß 
„Seutfche Iän3e" oon Scßu« 
bert im Sloftüm ber Sieber» 
meier3eit oon Samen ber 
©efeüfdjaft aufgeführt. 5 Bir 
geben im Silbe brei rei^enbe 
Sarftellerinnen biefer ge= 
lungeneit Aufführung. 

Auf (Einlabung ber £)ar* 
mep * ©e[ellfd)aft unb ber 
(Eornell«Unioerfität geht 
Brof. Stagnus ßeon nad) Jetbinanb Jreißerr oon Stumm unb feine Braut miß f)oi)L 



aller Belt 

Aeuporf, um bort Sor« 
lefungen über innere 9 Jtebi« 
3in 3U halten. 

Atit ber Ausführung ber 
Arbeiten 3ur Umgeftaltung 
ber Serliner Atufeumsbau« 
ten mürbe ber ftönigL Sau« 
infpeftor Aßille beauftragt. 

Sie^laffenburg bci&ulm« 
bad), Stammburg unb ftefi« 
ben3 ber Atarfgrafen oon 
Sranbenburg, biente lange 
3 ahre als Strafanftalt. 3 eßt 
mirb fie 3um Serfauf geftellt. 
Sefonbers fchött ift ber gut« 
erhaltene Xurnierßof imSe« 
naiffanceftil. 

Sas gefchmacfoolle Bla* 
tat ber Srüffeler ABeltaus« 
ftellung labet feßon jeßt 
bie Belfenben 3um Befucß 


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Original fro-m 

UNIVERSUM OF IOWA 






'Hummer 15. 


©eite 637. 



Baronin 9lora fiitgenau 


ftrl. HRimj Scgbel 


'Baronin 2Ranon Berg 


Deuffrfje Xän3C im Sdjlofc 3U Sdjönbcutm. 


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Original from 

UNIVERSIIY OF IOWA 








Seite 638. 


Stummer 15. 




‘ßtjot. ClDlra. 

prof. TTCagnus Ceog 

rourbe nad) Mmerifa eingelaben, 
bort Sorlefungen ju halten. 


bei* belgifdjen 
Sjauptftabt ein. 

(Ein überaus 
liebliches Bilb 
bes jungenBat)* 
ernfürften £uit= 
poIbmurbefür 3 * 
lief) bergeftelit. 
Der v ßrin 3 ift 
ber Sobn bes 
Brisen Bup= 
pred)t unb llr* 
enfel bes ^rin 3 * 
regenten. 

Der Baffift 
Cattermannoon 
ber Hamburger 
Oper befct)äf* 


‘IUiüI. 8. verttpifl. 

ftgl. Dauinfpeftor Bille 

rourbe mit ber Musführung ber Mrbciten für bic 
Weugeftaltung ber ÜJhifcumsinfel beauftragt. 


$&ot. fiimmer, «ulmbot*. 

Die plaffenburg bei äulmbad). 

tigt fid) in feinen Biu&eftunben erfolgreid) mit ber Bilbbauerei. 
Jüngft bat er eine Büfte feiner Braut Ottilie Btefcger mobelliert. 

^einrid) Freiherr non ^riefen, Ägl. 6 äd)fifd)er ftammerberr 
unb Btajor a. D., feierte fein 60jäbriges Btilitärbienfijubiläum. 
Der Jubilar bat fid) in beroorragenber 2 Beife um bie görbc= 
rung ber Obfoudjt im Slönigreid) 6acbfen oerbient gemacht. 
Bruno greiberr oon Btepem=5)obenberg # Ontenbant bes 


eimmcr. ftulmbach. 


Det ^urnierfjof b 

Digitizedl by CjOOQl 


er plaffenburg. 

e 


Das Ulafat ber XDeltausftelluug Briiffel. 

UNIVERSITY OF IOWA 




















'Jlummer 15. 


Seite 539 




JJtiiy Cuitpolb oon Bauern, bcc Urenfel t>es pcinjcegenten. 

jT > i 'VW- ©rainer. 

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QriginaLfram 

UNIVERS1TY OF IOWA 




Seite 640 . 


Stummer 15. 



Htjot. ©rruor. 


(Ein Opernsänger als Bilbfjauer. 


ftoburg 5 (Botbaifdjen « .ym 

Sjoftbeaters, ftarb p* '2 

nad) langem ftran- K* 

fenlager Filter Hk f 

uon 46 fahren. 

Der beliebte Sa* 

lade rornain tuirb f % ■ - T . 

in Sranfreid) unter \; 

©lasglorfengejogen; \ Tv , 

biird) bicjes 'Ber* £> }-^ fTW 

fahren roerben be= V r 

jonbers frciftige, fd)ö= * ! V 

ne unb aromatifdje 

'Bilanzen erhielt. TBie römifd>er Salal unter <B(a*flto<f«i gejoflen 

^ Steuerbings ift in - 0bf " “■ l""«** 

fettionsapparat aufgeftellt morben, ber bie Seslnfettion ganjer 
eifenbabnmagen geftattet. Ser Apparat beftetjt aus einem 
23 Bieter langen fieffei, ber luftleer gepumpt »erben tann, 
unb in ben bann gormalinbämpfe eingelaffen »erben. 


©bot. 

HblcnUult; 

Jrf>r. Uleqern-fjofjenberg f 

3ntenbant b. Stoburg^OoUjaijdjen fjofttjeaters. 


©bot. * 3^^ 

»aumann. 

Jrljr. Jr. 0. f). o. Jriefen 

beging fein 60jä^r. ÜRilitärbienftjubUäum 



Digitized by 


©Hn neuer 

■V Google 


©efunbfjeifspflege im (Eisenbahnbetrieb. 

2)estnfeftionsapparat für ganje (Eifenba^n®agen. 


Original fro-m 


Schürt oes tebaifioncüen Seite. 















Stummer 15. 


9. Hpril 1910. 


©eite I. 



ott tut gut, fich oott 3 «it ju Seit borott 
3U erinnern, bag oon ad ben 2 Rag* 
nahmen, bie ber moberne SRenfcg 3ur ©efunber» 
baltung feines Körpers oornebmen mug, bie ritt»* 
tige pflege ber Sühne beinahe bie roicbtigfte tft. 
SJtan bebente — unb neuere Unterfuchungen 
haben bas tuieber einmal gan3 ettatant beroie» 
fen — bag bie 93 efd>affenheit ber Sühne auf 
unfer StUgemeinbefinben einen otel grögeren 
©infiug ausübt, mie bie meiften ahnen. SUs 
richtig tann eine Sahnpftege aber nur be3eicg» 
net werben, wenn bie 3ahn3erftörenben Stoffe, 
bie Säutnis= unb (Bärungserreger, bie fich 
im SKunbe täglich neu hüben, auch täglich 
unfchäbiich gemacht werben. Daju ift, mie geh 
jeber bei einigem 9 lad)benfen fagen mug, 
eine SRagnahme nötig, bie berartige Stoffe be» 
feitigt ober minbeftens ihre nachteilige SBirtung 
aufhebt. 3 «r mechanifchen SJefeitigung ber ben 
Sähnen birett anhaftenben Unreinlichteiten 
bient bis 3u einem gemiffen ©rabe bie 3 abn* 


bürfte, aber nur bis 3U einem gemiffen ©rabe, 
benn ba bie IBürfte nur oberflächlich mirtt, bie 
fehäbiiehen Keime aber überall in bie Schleim» 
haut ber ÜDiunbböble, namentlich in ben Gcfen 
unb Salten, mo bie SBürfte nicht hingelangen 
tann, eingelagert finb, mug man auger ber 
Sahnbürfte noch Obol benugen, bas bis in bie 
oerfteefteften leile bes SRunbes bringt unb alle 
fehäbiiehen Stoffe oernichtet unb befeitigt. 

SBas bas Obol befonbers aus3eichnet 
oor allen anberen ÜDlunbreinigungsmitteln, ift 
feine mertmiirbige ©igenart, bie dRunbböble nach 
bem Spülen mit einer mitroftopifch bünnen, 
babei aber bichten antifeptifchen Schicht 3U über» 
Sieben, bie noch ftunbenlang, nachbem man 
fich ben ÜJtunb gefpült hat, nachmirtt. 2)iefe 
Sauermirtung, bie fein anberes ißräparat befigt, 
ift es, bie bemjenigen, ber Obol täglich gebraucht, 
bie ©emigbeit gibt, bag fein SRunb fieger ge» 
fchügt ift gegen bie SBirtung ber Süulniserreger 
unb ©ärungsftoffe, bie bie Sühne gerftören. 



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Original frnm 

UNIVERSUM OF IOWA 



Itinri 


erfordern mehr denn je einen großen Reich¬ 
tum an Haar. Hs sollte deshalb jede Dame 
darauf bedacht sein, ihren Haarwuchs durch 
sachgemäße Pflege zu verschönen und ver¬ 
stärken. Das beste Mittel zur Erreichung 
dieses Zweckes ist durch die Anwendung 
eines bewährten antiseptischen und kräfti 
genden Haarpflegemittels geboten. 

Pepu -Ta nnin-Hasser 

reinigt und erfrischt die Kopfhaut, verklebt 
das Haar nicht und verändert nicht dessen 
natürliche Farbe. Peru-Tannin-Wasser 
ist einfacher und leichter anzuwenden als 
die meisten anderen Haarwässer, es macht 
das Haar duftig, locker und voll und regu¬ 
liert den Fettgehalt desselben in der Weise, 
daß es, je nachdem welche der beiden 
Sorten (fettfrei oder fetthaltig) man anwen¬ 
det, zu fettes Haar etwas entfettet, dagegen 
trockenem, sprödem Haar gerade so viel 
Fett zuführt, um es geschmeidig und weich 
zu machen. 

Hs hat seine Gründe, wenn in verhältnismäßig jugend¬ 
lichem Alter das Haar ausfällt oder ergraut, und es hat 
seine Gründe, wenn es bis ins höhere Alter seine ursprüng¬ 
liche Fülle und Farbe behält! Ernährungsstörungen der 
Kopfhaut und parasitäre Erkrankungen des Haarbodens 
und der Haarwurzel sind die Ursachen des frühzeitigen 
Ausfallens und Ergrauens. 

Durch Anregung der Blutzirkulation in der Kopfhaut 
und milde antiseptische Behandlung des Haarbodens 
werden diese Ursachen beseitigt, der Haarwuchs wird 
wieder gekräftigt, das Ausfallen der Haare hört auf, und 
wenn die Haarwurzeln nicht bereits zerstört sind, was 
aber nur bei schweren Hautkrankheiten oder im höheren 
Alter der Fall zu sein pflegt, so bedecken sich oft schein¬ 
bar ganz kahle Stellen wieder mit neuem dichtem Haar. 

Ein anerkannt gutes, seit 23 Jahren bewährtes Haar¬ 
pflegemittel ist, wie Tausende von Anerkennungen und 

ärztliche Empfehlungen beweisen: 

Peru-Tannin-Wasser mit Schutzmarke „Die Töchter 
des Erfinders“. In allen einschlägigen Geschäften zu haben. 
Preis 2,— M. die kleine und 3,75 M. die große Fiasche. 

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anderes aufreden, son¬ 
dern wenden Sie sich 
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ln Nord und Süd 

in Ost und West wird überall „Shampoon mit dem schwarzen 
Kopf“ als bestes und billigstes Haarpflegemittel anerkannt. 
„Shampoon mit dem schwarzen Kopf“ macht das Haar schuppen- 
frei, voll und glänzend, beseitigt übermässige Fetlbildung der Haare, 
reinigt die Kopfhaut und gibt spärlichem Haar volles Aussehen. 
Der vielen Nachahmungen wegen verlange man in Apotheken, 
Drogen- und Parfümerie-Geschäften stets „Shampoon mit dem 
schwarzen Kopf“. Ein Paket mit Veilchengeruch kostet 20 Pf. 

Sieben Pakete in elegantem Karton 1.20 M. 
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gasse 3; für Schweiz: Nadolny ft Co., Basel; für Holland: C. F. van Dyl, Dordrecht. 


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i leiden, bestellen sogleich Steiners Aphro 
i disiacum, das allerbeste Krlftigungs- 
mittel. Tausendfach erprobt Hebt sofort 
die gesunkene Kraft und ist garantiert 
I unschädlich. Flak. Mk. 5, Stärke II. dop¬ 
peltes Quantum, Mk. 10. Geg. vorh. Ein¬ 
sendung. Nachnahme 50 PI. mehr. Best. 
| Haem 40, Lecithin 10, Extr. Muir. 35. 

! _ D. Franz Steiner ft Co., 
'Berlin 11, Königgrätzer Strasse 66. 


Digitizedl by 1 f QO MC 


Eine neue Aera 

beginnt in der Fußbeklcidungsfragr 
mit dem 

Dr. Diehl-Stiefel! 

Er veieinigt in jiih ruturliJu Ele¬ 
ganz mit allen hygicniM-lien \ orrugen. 

HEU: Dr. Diehl's pneumat. PtattfuD-Einlege-Sohli 

D. R. Patent an s -< 

^ paßt für jeden Stiefel, ist .ms» < 
tätige Befestigung. Kein Dr 

Ein Stiefel, der nicht drückt I Allf'riM^hTihfrflirT-C. -' \ 

Ein Stiefel, der beglückt! Allerorcf zu l üm B- ,| 























Hummer 15. 


9. 2IprU 1910. 


Seite IIT. 


Dies unb bas. 


Xurnübungen finben erfreulicher« 
roeife in ber ©amenroelt immer mepr 
Verbreitung. namentlich in ben großen 
Stäbten, bie oon ber grau fo oiel Arbeit 
forbern, fte am freien ©ebraucb ihrer 
förperlicben Kräfte binbern, inbem fie 
5)unberte unb laufenbe oon meibltcben 
©efen tagein, tagaus in bie Schreib* 
ftuben unb gabrifräume, an bie Höb* 
mafdjine unb in liebt* unb Iuftlofe ©ob* 
nungen bannen, gerabe hier tut es fo 

febr not, baß anregenbe, ja felbft gelegent* '- 

lieb anflrengenbe ©usfeltätigfeit bem 

Körper C^rfrifdjung unb ber Seele ©rquicfung jufübre. inmitten bes 
5)äu|ermeeres öffnet firf) roobl bie unb ba ein größerer ©artenbof, in 
bem bie Scbar ber Xumerinnen in praftifrfjer unb bequemer fport» 
lieber Äleibung unter bem Äommanbo einer ßebrerin fid) ernften 
Uebungen unb fröhlichen Spielen f>ingibt. 



Bücberfafel. 

©efpredrung einzelner ffierfe oorbebaften. 
SRfirfjenbung finbet ln feinem fraU flatt. 

#enniger unb 3. o. garten: 

„fiunbert Scbmänfe unb Scbelmenftreidje 
aus oier 3aprbunterten beutfeben ftumors 
3 ur Veluftigung für jung unb all". 

Stuttgart unb Ceip^ig, Verlag oon 

21. ©. granfe. 2 ©. 

f)ugo ©reiner: „2lus ber Xbüringer 
5)elmat". ©efdjicbten unb ©ebidjte in ber 
| ©unbart ber 2Inton Sommerfdjen „Vil* 

- J ber unb klänge aus Hubolftabt". ©eimar, 

Verlag oon 2 . Ibelemann. 64 S. 50 Vf- 
2T. 3oft: „©ine 2Inregung jur 3nternationalifierung bes patent* 
roefens". 2Introerpen, Selbftoerlag. 10 S. 50 Vf- 

ftarl 5)arf: „Angriffe auf oerfebiebene ©runbanfebauungen in ber 
Vb*)fit unb ber ©bemie". 3anuar unb ©är 3 1910. ©iltenberg a. ©., 
©Ottlob VoIfbarbtfd)e Drurferei. (ftortfefcung auf Seite V.) 


«1Ö NI c * r °!i V0 1 rbeu / end ^ m “ nd «i ‘Ö NIC > be w E !, krankungen der Ö NI Q > 

Y* w 4r # heilwirkendem Linfluss p v Verdauungsorgane X* 

Natürliches 4g Minmlvram bei Gicht, hamsaur. Dia- Natürliches ÄK Minralws« (Sodbrennen) und bei Natürliches flfi* Mipmlwassrr 

U(£& these Diabetes mellitus Nieren- und Blasen- +4CRlK&& 

4 vnIB|U^ (Zuckerkrankheit) sowie **vJIInH**^ Krankheiten. ^niW' 1 



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Diminuendo nach eigenem frmeffen gehalten. 
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Kummer 15. 


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» mit fdjroimmenbem ©afdjbrett, 5)ei&mringer fomie Dreitua^en* ^ JJ Jjß , „• : ^ 

1* \<-\ mangel mit *Rollturf). 2)ie(elben finb in Öeiftungsfäljigfeit un* “ 

erreicht unb oon unbegrenjter 5)altbarfeit. — Vertreter in faft 
~~ >3 allen größeren Stabten; mo nod) nirfjt oertreten, SBieber» 

— oerfäufer gejuxt. __ 

(Etffe Thüringer ZDaftfjmafdjmenfabrif Otto £)örf)olb, (£oburg-}teufes 




K fahr- u Berg 
je- Apparat 

Unübertroffen 
f. d. Hausgym- 
nastik.Prospekt 
durch cL Fabrik 

.Saeitss 4 *. BerüQ. Friedridistr.13li 




il ii ii it li ii ii IIH ii ü II« IIII » ü H i 

li l* H ii ii li ii null ii ii li 

ii ii ii ii II ii ii ii il ü ii ii U U U ii » »i 
U iitlKiliiiiilURii Uli II iS ü ü J 


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Hummer 16. Berlin, ben 16. Hpril 1910. 12. Jahrgang. 


3nga(f ber Dtummer 16. 


Sie r»c*>en läge Der ©od>e..641 

Bie SIu$t Des SataUfiama. Bon Br. SUbredjt ffiirty. .641 

Ciifioerfefjrsorbnung. ßon fjauptmann o. 2). Jjtlbebranbt.C44 

Ber oerlorene Stopf. $Iauberei oon ßleyanber oon <3!ei$en*9iufinnirm . 646 

Unfere Silber. .647 

Bie Börfemoocfye. 648 

Bie loten ber 3Botf)e.648 

Silber oom Sage. (ßt)otograp^if4te ßufnafymen).649 

Sie Sonne non 6t. SRortft. [Roman oon Baut Osfar Dörfer, (Qortfefcung) 657 

SfrüfiUngs ßauf. <3ebi$t oon I&afftlo oon 6$effer.661 

Ser franjöftfcbe Stubent. ßon Br. 3of)annes 6d>firmatm. (2Rit 11 ßbb.) 664 
Sa» neue Stufeum in ßofton. ßon Sriebri<$ ßers^nofi. (3Rit 11 Äbb.) 668 

ÜDhitter SRonopot. Stiaae oon Sngeborg SCnbrefen.673 

Boltstänae. ßon 3. fiorm. (9Rit 12 ßbblümngen) .676 

Silber aus aller SBelt.681 



: Die fieben Sage bet Boche. 

7. llpül 

On Verlin halten bte einaelftaatlicgen gtnanaminifter mit 
bem Veichfchagfefretär eine Äonferen^ ab. 

Das preu&tfdje Vbgeorbnetenhaus nimmt nacg ben öfter* 
ferten feine Arbeiten wieber auf. 

Das englifche Unterhaus nimmt bie non ber ^Regierung 
oorgefcglagene Vefolution, nach ber bem Oberhaus burcb ein 
©efeg jebe Vefugnis 3 ur Ablehnung ober Venberung einer 
ginansoorlage entzogen werben foü, mit 339 gegen 237 
Stimmen an. 

Der gefegaebenbe 9Rat in Äairo lehnt mit 66 gegen eine 
Stimme ben Antrag auf Verlängerung ber Äon^effion für tie 
Sue^fanalgefellfchaft ab. 

2 lus ßima wirb gemelbet, bag eine Abteilung peruanifcger 
Gruppen nach Viura an ber ©renje non (Efuabor abgegangen 
ift. 3n fiima hoben fich 15 000 greiwillige für ben mög* 
liegen Ärieg einftellen laffen. 

8* Mprit. 

Der.Votftanb bes beutfeben SIrbeitgeberbunbes für bas Vau* 
geinerbe befcgliegt, naegbem oom Veicgsamt bes Innern ein* 
geleitete ©intgungsnerhanblungen awifegen ben Unternehmern 
unb Arbeitern gefdjeifert finb, bie Vusfpenung ber Vauarbeiter 
mit Ausnahme oon Hamburg unb Verlin am 15. 21 pril. 

Vei ber Veidjstagserfagwahl in Vo[en*Stabt gelangt jum 
erftenmal ber Stanbibat ber Deutschem Oberbürgermeifter 
Dr. SBilms, in bie Stichwahl, ba bie $olen brei Äanbibaten 
aufgefteüt hoben. 

9. 2lpti(. 

2luf bem Oelberg bei 3erufalem finbet in 2lnwefengeit bes 
Vrtnjen (Eitel*griebricb oon Vreugen unb feiner ©emahlin 
fotoie ber Vrinflen ©eorg unb Äonrab oon Vagern bie feier* 
liehe (Einweihung ber ftaiferin*2lugufte*Viftoria'Stiftung unb 
ber ftimmelfahrtsfircge ftalf. 

Der Deutfcge Seefifchereioerein hält jur geier feines 25 jäh* 
rigen Veftehens im SReicgstag eine geftfigung ab, ber als Ver* 
treter bes Äaifers Vrinagriebricgßeopolb oon 'Beugen beiwohnt. 

10. Hprit. 

3n Verlin fotoohl toie in oerfchiebenen ^Prooin 3 ftäbten 
toerben oon ben Vehörben genehmigte Söaglrecgtsoerjamm* 

Digitized by GOÖglC C0Pyright by Aug1 ' 3 ' * 


funken unter freiem Fimmel abgehalten, bie ofjne ftörenbe 
3wifcgenfälle oerlaufen (2lbb. S. 650 u. 651). 

3 n 3 trufalem finbet bie feierliche 2 Beige ber fatgoüfcgen 
3 ionsfirche ftatt. 

21 us langer toirb gemelbet, bag brei Depefcgenboten mit 
Nachrichten ber engtifchen, fran^öfifchen unb beutfehen Ve* 
hörben auf bem 2Beg oon fRabat nach ©afablanca überfallen 
unb oollfiänbig ausgeraubt roorben finb. 

11. Hpnl 

Der Vunbesrat nimmt ben oom Veicgfcgagamt ausgear* 
beiteten (Entwurf eines SÖertauwacgsfteuergefeges an. 

Die bulaarifcge ^Regierung teilt ber Pforte mit, bag fie oon 
ben legten ©ren^toifd enfällen feine Kenntnis gehabt habe unb 
bemüht fein werbe, folche in 3 ufurift 3 U oerhüten. 

12. 2ipril. 

Der ^Reichstag hält feine erfte Sigung nach ben Öfter* 
ferien ab. 

Das preugifege Slbgeorbnetengaus nimmt in ber wegen ber 
Verfaffungsänberung erfoiberlichen wieberholten Scglugabftim* 
mung bie 2Bahlred)tsoorlage unoeränbert an. 

Vei ber (Erfagwagl sum preugifegen Slbgeorbnetengaus im 
fechften Verliner SBagltreis wirb ber foaialbemofratifche Stabt* 
oerorbnele ^offmann gewählt. 

13. 21pril. 

3n Verlin wirb bie VoHoerfammlung bes Deutfchen ^an* 
belstages eröffnet. 

Die 3lucf)t bes Ba(ai-Cama. 

SBon Dr. 2 l(breti)t Sßirtl). 

S)ler;u btc Slbbübungen auf 6eUe 053. 

Vei uns roirb nie! 3 U wenig bas STefthetifcge bei 
ber ^olitif berücffichtigt. 3mmer noch bie bürre Vech 3 
nerei ber Vorteien: 5Bas fönnen wir babei h^us» 
fegfagen? Dag man fo manchen politifcgen Vorgang 
auch einmal oon ber rein bramatifegen Seite betraeg« 
ten fönne, fommt ben wenigften in ben Sinn. (Etwas 
leicgter ift bas bei ber äugeren Jßolitif. Vßas in Vrgen* 
- tinien oorgegt, ob in 3apan bie Sei s ju s lwai ober ber 
Sgim 3 po s to gewinnt, ob in SRabagasfar ^err Vugagneur 
ober bie englifcgen Vtiffionäre reegt gaben, bas fann 
man weber für ronferoatioe noeg für linfstiberale Snter- 
effen ausfegiaegten. 2 Ritgin barf man oermutlicg auf 
bie woglwoüenbe Vufmerffamfeit aller rechnen, wenn 
man ein fo goegbramatifeges ©reignis wie bie legte 
SBanberung bes DalaUßama näger betrachtet, felbft 
wenn man 3 ulegt auf bas goge 9Reer ber Veligions» 
fämpfe ginausfegeln foüte. 

Vtan glaubt gar niegt, wie fegwer es ift, über ben 
mittelafiatifcgen Vopft ©enaues unb Vicgtige^ 3 U erfahren. 
21Uein über bie Vrt, wie ein fleines kinb 3 um Dalai 3 
fiama erwäglt wirb, gibt es niegt weniger als brei 
gan 3 oerfegiebene Vericgte, oon benen ber eine (o 
autgentifeg ift wie ber anbere. Vicgt minber gegen bie 
Meinungen über bie SBicgtigfeit unb Vebeutung ber 
einseinen Oberlamas auseinanber. 21m allertiefften 
aber ift-bie-Stuft bei ber Veurteilung ber legten (Er- 

icrl ü. m. b. Berlin. 

UNIVERSITY OF IOWA 
















©eite 642. 


Kummer 16. 


eigniffe. Bie einen Rotten fie für melterfcßütternb, bie 
anberen für gana unbeträchtlich- Bicßt einmal eine fo 
einfache ©acße mie bie Beifericßtutlg bes fließenben 
ftireßenfürften ift fieser. Ob er nämlich nach 3nbten 
gefommen fei, um bann nach Pefing 3u geben, ober 
aber, roas immerbin ein Meiner Unterfcßieb ift, fitb nach 
Petersburg 3U begeben. Bur bas eine ift Xatfacße, 
baß nicht meniger als oier Söeltmäcbte bureß bie glucßt. 
bes Balai-ßama in Aufregung oerfeßt mürben. 

©s mirb unumgänglich fein, aunäcßft einmal in bie 
liefen ber ©efeßießte 3U tauchen. 2lucß bort arnar ift 
feinesmegs alles Mar unb einfach. Bie 3eit bes Xfong 
ftapa, ber ba ben ©äfaro-Paptsmus in Xibet begrün* 
bete, fdjmantt bei ben oerfchiebenen Barftellem um ein 
nolles Sabrbunbert Bicßt einmal über ben Barnen 
Xibet unb feine ©rflärung bat man bie geringfte ©e- 
mißbeit. 3cß fprach jüngft mit bem einigen Beutfcßen, 
ber je im ßauf ber Sußrßunberte perfönlic^ einen Balai- 
ßama gefeben unb mit ihm gefproeßen bat, mit Br. Xafel, 
beffen Xaten ich bö^er anfcblage als bie ©oen f)ebins. 
©r hotte eine gan3 anfpreeßenbe ©rflärung aus bem 
Xibetifcßen felbft an ber J)anb, nämlich Xob hoch unb 
baed, bas ßanb ber Bob, ber Bautae bes ptolemäus, 
ber Bob*pa oon ß*ute, mie ftd> bie Xibeter felbft be* 
aeießnen. 2Bie gefagt, gana anfpreebenb! 3ür noch 
mabrfcßeinlicßer holte ich inbes eine Verleitung oon ben 
Xoba ober Xubab, einem Xungufenftamm, ber nicht 
nur im fünften 3abrßunbert bem Vimmlifeßen Beicß 
einige ftaifer gab (bie frübeften roaren mit Bttila in 
entfernter Berbinbung), fonbern auch einen 3*0^0 nad) 
©übmeften entfanbte. Bieter‘3^**9 touraelte feit 437 
ln ber ©egenb bes heutigen ßßaffa ein. Bocß bas bei¬ 
läufig. 2Bas uns hier angebt, ift bie ©ntfteßung bes 
mittelafiatifchen Papfttums. Unb baau muh i<ß etmas 
meiter ausboten. 

Bas Berbättnis amifeben ber meltlichen unb geift* 
liehen ©ematt bot febon oor Sabrtaufenben greifbare 
äußere formen angenommen, ©egenüber ben affpri- 
feßen Eroberern 30g ficb ber babglonifcße Verrfcher auf 
bas reltgiöfe ©ebiet aurücf unb fueßte bort menigftens 
ben Borrang au behaupten. ©amuel mabrt mit großem 
(Erfolg bie Becßte bes Dberpriefters gegenüber ©aul. 
Bei ben ©oten gab es. einen Äönig unb baneben 
einen Blann, ber gerabeau ,,©ott" b^ß. Ber ftaifer 
oon Bpaana fab fich bem Patriarchen gegenüber, ber 
amar meift oiet geringer an (Einfluß mar, jeboeb in ben 
3eiten ber Bilberftürme berart an Btacßt gemann, baß 
er fogar ben £aijer abaufeßen oermochte. Bei ben 
Äbaaaren mar ein ©ott gleidjoerebrter priefter, ben 
fcßon au erblicfen für ben Unbefugten mit bem Xobe 
gefübnt mürbe, unb ein meltlicßer Dberßerr. Ber eine, 
ber mie ein rohes (Ei bebonbelt mürbe, hieß ßenber fan, 
ber anbere, bem meniger Berebrung geaollt mürbe, 
ber aber bafür bie 3ügel ber i>errfc^oft führte, mar ber 
Äafan. Biefe Xrennung ber ©emalten pflanate fich 
anfebeinenb oon ben ^boaaren au ben Ungarn fort, 
in beren grüßaeit mir einem ©ila unb einem Äenbe 
begegnen. Ber Xitel ©ila ift übrigens oon urmelt* 
liebem Blter. ©r ftnbet ficb fcßon bei ben ©botti unb 
gebt oermutlich auf ben 2lfir, ben fummarifeben Bionb* 
gott bes oierten Sobrtaufenbs, aurücf. 3n feiner gort* 
bilbung bei ben Bulgaren unb Buffen ermueßs ber 
Xitel 3U bem 3oren, ber gana fälfcßlicß oon ©aefar 
abgeleitet mirb. 3ebocß meiter! Ber Btifabo 30g ficb 
in ben ©cßatten ber Palaftgemäcber aurücf unb erhielt 
göttliche Berebrung, mäbrenb ber Sßogun als ©ene* 


ralijfimus unb Beicßsregent maltete. Ber Bachfolger 
ber ©aefaren, bie ja auch Pontißaes gemefen mären, 
ber Papft, rang 3aßrßunberte ßinbureß mit bem „römi- 
feßen" ftaifer. Ber 3or ift mit bem Veilen ©gnob 
oergefellfcßaftet, beffen Profuratur bas überhaupt ber 
Praooftaoenfircße bilbet. 3m großen Beairt bes cßine- 
fifeßen Beicßes ift ein ähnliches Phänomen, eine äßn* 
ließe Xrennung ber ©emalten aufgetaueßt. Slber bort 
fonnte niemals ber geiftlicße Verrfcßer fo oiel Blacßt 
oerlangen mie fonft mo. Bkrum? Söeil bie geiftige 
©emalt immer ißrerfeits gefpaltener mar, meil es immer 
mehrere Beligionen unb Päpfte gab. Bas religiöfe 
ßeben in ©ßina ift fo feltfam, baß es mit nießts anbe- 
rem oerglicßen merben fann. 3ft es nießt fcßon ßoeßft 
merfmürbig, baß ber 5faifer für fieß gana allein eint 
eigene Beligion bat, bie niemanb mit ißm teilen barf? 
©obann haben mir ben ©tauben ber ©ebitbeten, ber 
ßerrfeßenben SMaffe, bie Beßre bes ßonfuaius. fytrtu 
fommt ber Xaoismus, ber eine ausgebübete i^ierarc^le 
unb 1192 einen Papft an ißrer ©piße eraeugte; ben 
3ftam mit feinen 35 ÜBiQionen Befennern unb bas 
©ßriftentum, bas 635 anfing, unb bas Subentum, bas 
fießer im 11. 3abrßunbert, maßrfcßeinlicß aber fcßon im 
erften naeßeßriftiießen 3aßrßunbert oorßanben mar, 
mollen mir hier gana außer aeßt laffen. Bafür muß 
bem Bubbßismus ein befonbers großer Plaß eingeräumt 
merben. ©cßon oor ungefäßr 1800 3aßren fpaltete 
fieß ber Bubbßismus in eine füblicße ©ette, bie ficb 
bes Pali bebient unb fieß oon ©egton bis 3aoa oer¬ 
breitete, unb eine nörblicße Seite, bie halb Dftafien 
für fieß gemann. 3m Borben ßat es aber mieberum 
an Beformationen unb ©eaeffionen nießt gefehlt. ©0 
gut mie unabhängig entmicfelte fieß ber Bubbßismus 
oon Äorea unb ber oon 3apan. 3nnerßalb bes meiten 
Beicßes ber SBitte tat fieß bie rote unb bie gelbe ftireße 
auf, oon benen jebe eine befonbere V^rarcßie mit eige¬ 
nen Äircßenfürften ausbilbete. 3Ban fann biefe gülle 
oon Meinen unb großen oftafiatifeßen Päpften 
einigermaßen ben Patriarchen unb ©jareßen Stonftänti- 
nopels, 3^rufalems unb ber Baifanflamen fomie ben 
ftatßolifos oon Armenien unb bem Oberpriefter oon 
Bbeffinien oergleicßen. 3cß füge nur noeß ßinau, baß 
ber ßamaismus im ©runbe mit bem Bubbßismus faft 
nießts meßr gemein ßat. 3m ganaen gibt es oier 
lamaiftifeße ftireßenfürften, oon benen jeber auf bas 
Präbifat „lebenber ©ott" Slnfprucß erheben barf: ber 
Balai’ßama oon ßßaffa, ber ©agßan oon Urga, ber 
Xafcßi*©ßumpo oon ©cßigaße unb ber Oberlama ber 
Burjaten, ber am ©änfefee in ber Bäße oon föacßta 
refibiert. Baau fönnte man noeß als fünften einen 
©roßbonaen in Pefing naßmbaft maeßen, ber halb als 
Buntius bes Baiai-ßama gilt, balb als eine Brt unab¬ 
hängigen Patriarchen fieß gebärbet. 

Bei meitem am bebeutenbften ift ber SMrcßenfürft, 
ber meit unb tief mie bas SBeer (dalai) ift. Bur au 
ißm pilgern Bubbßiften aus ber ganaen Borbßälfte 
Bfiens unb aus Slffam unb Barma. Bur um ißn 
ftreiten fieß bie Sßeltmäcßte. SBenn baßer ©oen V^bin 
feinem greunb unb ©önner, bem Xafcßi*©bumpo, einen 
äßnlicßen Bang aumeifen mill, fo fann man bas fcßließ- 
licß oerfteßen — ber Biograph erßößt feinen Vetoen 
unb ber ffreunb ben greunb — aber menn aueß um 
1780 bie 2Bürbe bes Xafcßi-©ßumpo oieüeicßt in erfter 
ßinie ftanb, fo ift bas jeßt nießt meßr fo. ©elbft einer 
feiner Kollegen ift einmal nach ßßaffa gegangen, um 
bort feine Bufmartung au maeßen. 3cß traf ben Dber- 


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Gck igle 


Original from 

UNIVERSUM OF IOV(/A 



Kummer 16 . 


Seite 643. 


priefter ber Purjaten oor neun 3ah«n in ber Pähe 
non Dolon*nor, einige Xagereifen oon Kalgan. 2Bir 
beibe ritten auf Kamelen, er fam oon Süben, ich oon 
Porben. ©in längere« ©efpräch entfpann fich. ©r er* 
3 ählte, baß er bei ben Kalmücfen oon Aftrachan ge* 
mefen, bann über gergara nach ßhaffa reifte, bort 
länger blieb unb hinauf ben Pütfmeg über Pepat ein* 
fchlug. Kaum toar er in 3nbien angelangt, als bie 
©nglänber ihn ausmiefen. Pecht töricht! Denn alles, 
0305 er fehen roollte, batte er gefehen. Sie befürchteten, 
bag er bei ben acht Millionen Pubbhiften bes inbifchen 
Reiches in ruffifchem Sinn n)üblen fönnte. 3um Sd)tug 
fcbentte mir ber „Jebenbe ©ott" feine Photographie 
unb fchrieb eigenbänbig eine SBibmung barauf. Die 
Schrift ift bie fgrifche, aber in cbinefifcber Art oon oben. 
nach unten geftellt, ungefähr bie fette (aus bem ara* 
mäifchen abgeleitete) Schrift, beren fich auch bie SPan* 
bfchen bebienen. ABeftöftliche gormmirfung! ßeiber habe 
id) bis heute oerfäumt, mir bie recht umfangreiche 2 Bib* 
mung überfegen 3 U taffen. 

Xibet mürbe 1720 burch bie Xruppen Kang*hfis 
oon ber 5)errfchaft ber mongolifchen Dfangaren befreit. 
Die golge baoon mar bie Abhängigfeit Xibets oon 
©bina. 3m 3ahr 1722 fchlog ber i)immelsfohn ein 
Konforbat mit bem Dalai*ßama. Der meltliche i)errfcher 
oerbürgte ber „Xugenbfefte" ober gelben Kirche un* 
geftörte Xätigteit unb Sicherheit; bafür mill ihm ber 
geiftliche ^errfdjer mit feinen Schugbefohlenen ftets holb 
unb gemärtig fein. 3m Saht 1792 befeftigte ein f)eer 
Kiemlangs neuerbings bie chinefifche Stellung in ßhaffa 
unb eroberte augerbem Pepat. #ier jeboth ftellten fich 
bie ©nglänber entgegen, ©in 3re Kirfpatricf befehligte 
bie britifchen Xruppen. Die Pefegung Nepals ift bie 
legte groge Xat bes Orients überhaupt. 5)unbert 3ahte 
lang mährte in ©hina, Xürfei unb Perfien ber Perfall. 
3m 3aht 1890 fam ber ©rogfürfttgronfolger, ber 
jegige 3ar, nach 3nbiem ©r motlte Darjeelling be* 
fuchen; bie lamaiftifche ©eiftlichfeit plante eine groge 
i)ulbigung. Die britifche Pegierung oereitelte ben Plan. 
Sie lieg augerbem Siffirn einnehmen. Pon ßhaffa 
aus manbte man fich am Schug nach Pefing. Der 
Schug mürbe nicht gemährt, hierauf fünbigte 1892 
ber Da(ai*ßama bas Konforbat unb betrachtete fich 
hinfort als unabhängig, ©r fah fich |ebod> ftehenben 
guges nach anberen Schügern um. Die glaubte er in 
Petersburg 3 U finben. 3n ber Xat arbeitete man bort 
auf eine Annäherung mit Xibet hin. gürft Udjtomstg, 
ber tyiifolas II. auf ber Afienfahrt begleitet hatte, 
träumte oon einem flamifch’tnongolifchen Weltreich mit 
orthobo£*bubbhiftifchem ©tauben, Uchtomsfg begab fich, 
nacgbem insmifchen bie manbfchurifdje Paf)n oon ben 
Puffen oermeffen roorben mar, ein 3 meites 3Pal 1896/97 
nach Oftafien. 3n bem oon ruffifchen Purjaten befegten 
Urga, ber 5)auptftabt ber Dftmongolei, hörte ich fpäter 
oon feinen Xaten. #örte, bag er oiel ©elb aufgemanbt, 
um bie Höflinge bes ©egten 3 u beftechen. Sie follten 
ihm eine Aubiens beim ©egten oerfchaffen. Der aber 
lehnte ab. 3n Urga lebte bamals auch ber 5)elb ber 
„Priefe, bie ihn nicht erreichten'', S)evv oon ©root, in 
ber Xat einer ber merfmürbigften Pfänner ber ©egen* 
mart. 3ch mar oft bei ihm. Dag er ber #elb fei, 
©erriet eine fonberbare Uhr, bie in ben Priefen be* 
fchrieben mirb, unb bie unter ben Kleinobien feines 
malerifchen $)eims auffiel. Die Pichtigfeit bes Pücf* 
fcgluffes mürbe mir nachträglich oon anberer Seite 


beftätigt. Aber auch bie #ilfe ©roots, bes „ungefrönten 
Königs ber Ptongolei" (er ift nach bem legten Krieg 
gan 3 oerfchollen, foll in Atasfa fein), fonnte bie Ab* 
fichten Udjtomsfgs nicht förbern. Da fchlug ber gürft 
einen anbern 2öeg ein. Auf feine Peranlaffung manberte 
ein Purjate Dorfhijeff nach ßhaffa. Dort meilte er 
längere unb mürbe ber Pertraute bes 5)ofes. Durch 
ihn oermittelt, ging mährenb bes Pojrerfrieges eine 
©efanbtfchaft bes Da(ai*ßama nach ßioabia unb fur 3 
barauf eine smeite nach Petersburg ab. Schon galt 
Xibet als Pafallenftaat Puglanbs. Da regte fich aber 
— 3apan. Das 3nfelrei<h betrachtete fich feit feinem 
Sieg über ©hina als bie Pormacht bes Pubbhismus. 
©s berief einen altbubbbiftifchen Kongreg nach Kpoto 
1903. 3m 3afammenhang hiermit mollte ein japanifcher 
Paron als.frommer Pilger nach ßhaffa. ©inft ftritten 
ja bie Könige oon grantreich 8 ßothringen, bann bie 
oon Purgunb unb 3 eitmeilig felbft folche oon ©nglanb 
unb Spanien mit ben beutfehen Königen um bie 
römifche Kaiferfrone, um bie Sd)ugherrfchaft über ben 
Papft. Aehnlich trachtete ber Ptifabo banacb, bem 
f)immelsfohn bie Schugherrfchaft über ben Dalai*ßama 
3 U entreigen. 3ener Paron ermies fich als unfähig. 
Anbere Pilger (bie Soen i)ebin traf) folgten. Sugleich 
fchlog 3apan ein Pünbnis mit ©nglanb. Die erfte 
grucht biefes Pünbniffes mar ber 3ug Sounghusbanbs 
nach Xibet. Die Streitfräfte für ben 3ug mürben 
fchon Desember 1903 3 ujammengeftellt, alfo 3 toei 
Ptonate oor bem Ausbruch bes Pufftfd)*3apanifchen 
Krieges. 3m Auguft 1904 erreichten bie ©nglänber 
ßhaffa. ABenige Xage 3 uoor entfloh Xubban ©patfo, 
ber Dalai*ßama. ©r hielt fich auerft bei ben Xanguten 
auf, bann in Urga, bann mieberum bei ben Xanguten. 
Pun fam eine Ueberrafchung. ©r fuchte Pefing dlif. 
Das mar im September bes 3ahres 1908. Die 
Kaiferin, fcharf bis 3 ulegt unb burch feinerlei Hemmungen 
angefränfelt, nugte feine Pottage nach Kräften aus. 
Sie 3 toang ihm ein neues Kontorbat auf. Dies be* 
ftimmte alle Pechte für ©hina, alle Pflichten für ben 
Dalai*ßama. Drei Xage nach bem Konforbat ftarb 
Xfü*hfi unter noch nicht aufgetlärten Pegleitumftänben. 
©benfo buntet ift, marum Xubban ©gatfo immer noch 
in Pefing oerblieb. 3m De 3 ember machte er fich ertblich 
mieber auf bie Peife, bie ihn ein ganses 3ah? in An* 
fpruch nahm. 3m Desember 1909, nach mehr als 
einem ßuftrum ber Perbannung, fonnte ber Dalai* 
ßama feine Pücffehr in feine Pefiben 3 , in bas hach* 
ragenbe Sdjtog oon Potata, feiern. Aber nur rnenige 
Aßochen litt es ihn bort. ©r fegiefte fofort Dorfhijeff 
nach Petersburg, ©r mugte mit Kummer erfennen, 
bag feine ijerrfchaftsftellung bahin. So entfloh er 
abermals. Diesmal nach Snbien. Pach Darjeelling, 
mo er am 1 . Piär 3 1910 eintraf. Pach bem gleichen 
Ort, mo er ober feine Aßürbenträger oor einem halben 
Ptenfchenalter Pifolas begrügen mollten. $)ier fahen 
ihn benn auch eine ganse Peihe oon ©uropäern. 
Xubban ©gatfo, ber Pielerfahrene, ßiftenreiege, mit bem 
bas oftafiatifdje ©fil oon Aoignon beginnt, mirb als 
poctennarbig gefchilbert unb oon feinesmegs an 3 iehenbem 
Aeugern. ©ine tiefe Parbe, unbefannt moher, oer* 
un 3 iere feine rechte Kinnlabe; auch habe er ungemein 
groge Dgren. Doch oerrate bas ©eficht einen burch* 
bringenben Perftanb. Seine Anroefenheit in Kalfutta 
ift jebenfalls oon groger potitifcher Pebeutung. Die 
Pertreter ber ©rogmächte haben jegt bas ABort. 


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■<2<3«>S>2> 


Original from 

UMIVERSITY OF IOWA 



Seite 644. 


Plummer 13. 


Cuffoetfefjrsocbnung. 

©on #auptmann a. D. 21. fjilbebranbt. 


©or furaem finb in Franfreicß auf einem großen 
Uebungsfeib awei Fiugmafcßinen in ben ßüften au* 
fammengeftoßen, abgeftürat unb oöllig aertrümmert 
worben; ißre ßenfer finb aum ©lücf mit wenn aucß 
ferneren, fo bocß nid)t lebensgefährlichen ©erleßungen 
baoongefommen. Diefer 3ufammenftoß amingt baau, 
unoeraügluß baranaugeßen, eine ßuftoerfcßrsoorfcßrift 
au erlaffen, bamit oon oornßerein bie Füßrer oon 
ßuftfaßraeugen an bie größte Drbnung gewößnt unb 
weitere Unfälle oermieben werben. 3n Franfreicß ßat 
man ficß fcßon feit längerer 3eit mit biefer Frage be* 
fcßäftigt, unb ber „2l<*ro*(Elub be France" fonnte fiira* 
ließ bem ©tinifter ©tilleranb ben (Entwurf oon ©eftim* 
mungen für ben ©erfeßr in ben ßüften einreicßen. 
Stellt man bie einaelnen ©orfeßläge aufammen, fo er* 
gibt ficß etwa folgenbes ©ilb: 

3n erfter ßinie beaießen ficß naturgemäß bie ©or* 
fcßriften auf bas 2lusmeicßen. Der ©ergleicß mit ber 
Seejcßiffaßrt liegt feßr naße, unb mancßes toirb man 
aucß oon ben bortigen ©eftimmungen in bie ßuft* 
oerfeßrsorbnung überneßmen tonnen. Da jebocß als 
britte Dimenfion bie #öße ßinautommt, fo toirb man 
um wefentlicße ©bweicßungen oon ben für bie Scßiffe 
befteßenben ©eftimmungen nicßt ßerumfommen. 2lls 
©runbgefeß gilt, baß bas Faßraeug mit befferer ©ta* 
nöorierfäßigfeit bem anberen ausweirßcn muß. 2lus 
biefem ©runbe ßat aucß ber „2lero*(Elub be France" 
beantragt, baß jebes ßuftfcßiff, alfo jebes ßuftfaßraeug, 
bas ficß lenfen läßt, ben Freiballons ober ben ©leit* 
fiiegern ausautoeießen ßat. Ferner müffen alle Flug* 
apparate ben ßentballons austoeießen, toeil fie eben* 
falls fotooßi naeß reeßts n?ie linfs als aucß naeß oben 
unb unten betoeglicßer finb als biefe. (Es bleibt alfo 
nur noeß übrig, bie ©eftimmungen au treffen, bie bei 
ber Begegnung oon Flugapparaten ober oon ßent* 
ballons maßgebenb fein follen. Freiballons tonnen 
ficß nur in ber Senfrecßten begegnen; ber untere 
2lerofiat muß ßier bureß ©entfließen austoeießen, toeil 
ber obere bureß ©allaftausgabe ben erfteren fcßäbigen 
fönnte. Die ßuftfaßraeuge follen naeß reeßts 'aus* 
toeießen toie bie Fußrtoerfe auf ber (Erbe in ben 
meiften ßänbern. Da jebocß bie Propeller, roenn fie 
in gleicßer i)öße naße atieinanber oorüberfommen, 
bureß ißren gewaltigen ßuftftrom bas anbere Faßraeug 
aus ber ©leicßgewkßtslage bringen tonnen, fo ift es 
erforberlicß, aucß naeß ber i)öße ausautoeießen. Dem* 
naeß foll bas Faßraeug, bas ficß naeß bem erften ßori* 
aontaien 2lusweicßen aur ßinfen befinbet, ficß minbeftens 
50 ©teter über bas anbere erßeben. 2öenn ein ßuft* 
feßiff ein anberes überßolen will, fo ßat es aunäcßft 
ein Signal au geben unb bann naeß linfs in einer 
(Entfernung oon minbeftens 50 ©teter neben unb in 
einer f)öße oon 50 ©teter über bem oorfaßrenben 
Faßraeug oorbei3ugeßen. ßautaeießen fommen natür* 
ließ toegen bes ©eräufeßes ber Propeller nießt in 
©etraeßt. 

i)ier weift nun ber franaöfifeße ©orfeßlag eine nießt 
3U oeraeißenbe ßücfe auf, infofern, als er feine ©ücf* 
fießt nimmt auf bie oon getoößnlicßen (Erbenbürgern 
ber Solbatesfa au ertoeifenbe (Eßrfurcßt. Die Dampfer 
ber i)anbelsflotte müffen nämließ ben Kriegsfcßiffen 


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oßne weiteres ausweießen, unb bie gleieße ^oeßaeßtung 
muß ber ßuftfaßrer unbebingt aueß ben Kriegsluft* 
feßiffen erweifen. 2llle ßuftfeßiffe ©rioater ßätten bem* 
naeß benen bes Staates ausauweießen, unb wieberum 
ßätte bas ©tilitär ben Vorrang oor ben Slutlbeßörben. 
Da es nun aber unmögließ ift, bie oerfeßiebenen ßuft* 
feßiffe ooneinanber oßne weiteres au unterfeßeiben, fo 
ift es erforberlicß, bie Faßraeuge weitßin fenntließ au 
maeßen. ©tan fönnte bies bureß ßetleueßtenben Farben* 
anftrieß erreießen. 2llle ©rioatluftjcßiffe finb rot, bie ber 
Sioilbeßörben ßimmelblau anauftreießen. Die Kriegs* 
luftfeßiffe wäßlen bagegen aus naßeliegenben ©rünben 
einen Farbenanftricß, ber fie möglicßft unfießtbar maeßt. 
Die bureß bie Farbe entfteßenben nachteiligen eßemi« 
fd)en ©Mrfungen auf ben ©ummi müffen bie 3nter* 
effenten nun einmal in Kauf neßmen. Uebrigens ift 
eine Unterfeßeibung ber Faßraeuge aum minbeften an ber 
©renae aus anbern ©üeffießten erforberlicß: man benfe 
nur an ©renaüberfcßreitungen,Spionage,Scßmuggel ufw. 

©in manöorierunfäßig geworbenes Faßraeug ßat 
fofort ein Signal au feßen, bamit alle anbern ßuft* 
jdjiffe ausauweießen oermögen. 3n weleßer ©Seife bies 
au gef^eßen ßätte, muß noeß befonbers erprobt wer¬ 
ben, ba ©ewießt unb ßuftwiberftanb ber Signale eine 
große ©olle fpielen; Srrtümer müffen natürlich mög* 
(ießft ausgefeßloffen fein, hierbei oerbient ein (Erlebnis 
auf See (Erwäßnung, bas mit ber ßuftfeßiffaßrt innig 
aufammenßängt. 2Xls ber oon Saron oon i)ewalb unb 
ben ©erfaffer aur (Erforfcßung ber ßößeren Seßicßten 
ber 2ltmofpßäre Vnittels Gallons gemietete Dampfer 
„National" aus ben islänbifeßen ©ewäffern aurücf* 
feßrte unb naeß einigen Umwegen bie Faßrt bureß 
ben Kanal naßm, bemerfte ber Kapitän plößlicß, baß 
bie aaßlreieß entgegentommenben englifdjen Kriegfcßiffe 
gegen bie Siegel bem Dampfer weit auswießen. ©alb 
würbe biefe ungewößnließe (Erfcßeinung erflärt. SBir 
ßatten einen tRegiftrierbaüon infolge einer #aoarie 
längere 3*ü etwas über ©taftßöße geßalten, unb biefes 
3eicßen war oon ben begegnenben Scßiffen als 3*i*ß* n 
oon ©tanöorierunfäßigfeit gebeutet, ba bas regiement* 
mäßige 3eicßen im Riffen eines ©alles befteßt. 

Der „2tero*(Elub be France" ßat bann ferner bas 
feßr aroecfbienlicße Verbot oorgefeßlagen. Stabte au 
überfliegen, weil ja bureß einen 2lbftura namenlofes 
Unglüef angerießtet werben fann. Ausnahmen finb 
nur bann geftattet, wenn ftäbtifeße ©eßörben bie (Er* 
laubnis baau geben. i)ier bebürfen woßl unbebingt 
oiele Fragen ber Klärung. Dürfen bie ßuftfeßiffe ben 
ßuftraum über folcßen Straßen überfliegen, bie für 
ben ©erfeßr mit Kraftfaßraeugen oerboten finb? Darf 
beifpielsweife in ©erlin bas ©iittelportal bes ©ranben* 
burger Xores überflogen werben? Darf bas F Q ßraeug, 
wenn es feine (Einlaßfarte ßat, ben ©otanifeßen ‘ober 
3oologifcßen ©arten überqueren? SBeitere Fragen fann 
ficß jeber felbft ausbenfen! 

Damit nun bei üRacßt bie ßuftfeßiffer ißren 2öeg 
rießtig finben unb alle ©orfeßriften einßalten fönnen, 
werben aueß ben Stäbten unb „ßoßen" i)ausbefißern 
gewiffe ©erpfließtungen auferlegt. Der Sl^ro*©lub ßat 
oorgefeßlagen, baß an allen ©ebäuben über 50 SDteter 
fiöße bei (Einbruch ber Dunfelßeit auf je 50 ©teter 

Original fro-m 

UNIVERSITY OF IOWA 



Kummer 16. 


Seite 645. 


(Entfernung roeiße ßicßter ansusünben finb, bamit bie 
Umriffe ber (Sebäube tenntUcß merben. Die Drtfcßaften 
felbft foüen bureß ßell erleuchtete Snfeßriften, bie man 
beifpielsmeife auf ben ©aßnßöfen anbringen fann, 
fenntlicß gemacht merben. Der (Eiffelturm mürbe nach 
biefem ©orfcßlag fecßs ßeucßtfignale untereinanber be* 
fißen müffen. 

hiernach mirb eine heutige Kartierung ber SQBeicf>=» 
bilbgrensen bei Dage unb bei ©a<ßt erforberlicß, bamit 
ßuftfaijr^euge, bie es eilig haben, «uf bem fünften 
Keg um bie Stabte hcnimfommen. Kenn nun je* 
manb bei einem Abftura bureß Kinboerfeßung bocß 
innerhalb ber Keicßbilbgrense herunterfommt, fo ift er 
ftreng su befirafen — oorausgefeßt, baß er ficf> ber 
irbifcßen ©ereeßtigteit nicht bureß Xob entzieht, ©leibt 
er aber am ßeben, fo hat er minbeftens bie $obes* 
ftrafe oerbient. Diefe ©eftimmung foll eingeführt mer* 
ben, um bie Aoiatit in ben einzelnen ßänbern, 3 . ©. 
in granfreicß, nicht 3 U fcßnelle gortfcßritte macßen 3 U 
laffen, bis bie ßänber, bie in biefer ©esießung surücf* 
geblieben finb, mie DeutfcßlanO, bie (Entmicflung nach* 
geholt hoben. 

Doch Sehers beifeitel (Es gibt noch eine Ö<*n3e 
©eiße oon ©orfchriften, bie smeefmäßigermeife eher 
heute als morgen erlaffen mürben, ba fie auch bie 
greibaHons betreffen, ©eifpielsmeife müßte bas Aus* 
merfen oon (Begenftänben irgenbmelcher Art gefeßließ 
cerboten merben. Obgleich bies eigentlich felbftoer* 
ftänbücß ift, fo tommt es hoch nor, baß milbgemorbene 
ßuftfcßiffer fefte ©egenftänbe 3 U ©oben merfen. ©a* 
mentlich über ben Kolfen ift bies äußerft gefährlich, 
ba man nie miffen fann, ob man Kenfcßen auf ber 
(Erbe trifft. Aber auch über ben Kälbern unb noch 
meniger über ben Aecfem barf man namentlich fein 
©las berausmerfen, meil fleh babureß fpäter bas Kilb 
ober bie ©ferbe an ben Süßen feßroer oerleßen tonnen. 
Die ©orfeßrift, baß ber als ©allaft bienenbe Sanb ge* 
fiebt unb babureß frei oon Steinen ufm. gemacht mer* 
ben muß, ift eigentlich felbftoerftänblicß, aber boeß in 
bem 3 U feßaffenben ©efeß erforberlicß. ©oeß oor brei 
3 aßren tonnte ©erfaffer in einem großen ßuftfcßiffer* 
oerein feftftellen, baß gegen biefe elementare ©eget 
feßon brei bis oier $aßre lang gefünbigt mar. (Es ift 
ein Kunber gemefen, baß nicht bureß Ausfcßütten bes 
mit Steincßen oermifeßten Sanbes Kenfcßen oerleßt 
finb. AHerbings fann auch &er gefiebte Sanb Scßaben 
anrießten; hiergegen läßt fieß aber nichts machen. (Es 
fei an bie Annonce einer bieberen ©auernfrau erinnert, 
bie bem eine ©eloßnung sufießerte, ber bie ßuftfcßiffer 
3 ur Anseige bringen mütbe, bie bureß Ausmerfen oon 
Sanb ben eben gebaefenen frßönen ©flaumentucßen 
total oerborben hätten! ©eigentlich einer ©allonfaßrt 
in Straßburg im 3oßr 1900 beftßmerte fieß ein gußrfneeßt 
auf bem ©oliseipräfibium barüber, baß ißm ber oon 
ben ßuftfeßiffern ausgemorfene ©allaftfanb in ben Kunb 
geraten fei; er bat gleichseitig um Ausfunft, mas er 
bagegen machen folle. Die einzig richtige Antmort 
mürbe ißm auf ber ©oliset auf bie leßte grage gc* 
geben: Kenn er toieber einmal oon feinem gußrmerf 
aus einen fliegenben ©allon betrachten molle, fo möge 
er ben Kunb sumaeßen! 

Kit fjerabroerfen oon ©eflamesetteln ufm., bie 
einsein gemorfen merben, fanft fein Scßaben ange* 
rießtet merben. Kie oerßält es fieß aber mit bem 
0 <ßaben, ben man mit „glugfeßriften" anrießten fann? 
Dber mie ermittelt man bie ©erbreiter folcßer Scßriften 

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auf bem ßuftmege? Deuten mir, baß bei Sübmeft* 
minb über ©otsbam (Extrablätter ausgemorfen merben, 
bie in ©erlin su ©oben fallen, ©ei mem ift bann 
bie ©eneßmigung sur ©erbreitung oon (Extrablättern 
einsußolen, beim ©oliseipräfibenten oon ©erlin ober 
©otsbam? 

Selbftoerftänblicß ift bas Ausfeßen oon ©affagieren 
mäßrenb bes gluges jeberseit erlaubt. 3 a, cs ift fogar 
oorgefcßlagen, baß jebes ßuftfcßiff sur ©ettung feiner 
Snfaffen in ©efaßr mehrere gallfcßirme mit fieß füßren 
folle. (Es* ßeißt fogar, baß in granfreicß ber Kriegs* 
minifter bies bereits für Äriegsfaßrseuge angeorbnet 
habe. (Emftßaft gebaeßte Ausführungen hierüber fanben 
fieß türslicß in ber „Allgemeinen Scßlefifcßen Sport* 
Seitung". 

Ker mill etma mit Sicherheit behaupten, baß bie 
Aeronautit im fiauf ber 3aßre nicht basu tommt, galt* 
feßirme ober äßnlicße ©orrießtungen su bringen, bie 
minbeftens ebenfo fießer finb mie bie ßuftfcßiffe felbft, 
unb bie es geftatten, jeberseit gaßrgäfte aussufeßen? 
Uebrigens mirb bem ©au oon gallfcßirmen oon ernft 
SU neßmenben gacßleuten in neufter 3 *it erßößte Auf* 
merffamfeit gemibmet. Der rührige „Aeroklub be 
grance" beabfießtigt eine Sonfurrens für glüge mit 
gallfcßirmen aussufeßreiben, bereu ©ebingungen bureß 
ben befannten Kilitärluftfcßiffer Kajor ©outtieaux 
fomie (Esnault*©elterie unb ©en^ ©asnier ausgearbeitet 
merben. 

Käßrenb ber ©aeßt müffen alle fiuftfcßiffe mit 
fiaternen oerfeßen fein; hierbei nimmt man smeefmäßiger* 
meife bie Karine als ©orbilb; Steuerborb — reeßts — 
eine grüne fiaterne, ©acfborb — linfs — eine rote 
fiaterne. Außerbem finb ben fiuftfcßiffen bei £age 
Xafeln mit bem ©amen unb ber Abreffe bes (Eigen* 
tümers, bei ©aeßt erleud;tete ©ummerr, unb smar 
leferlicß naeß allen Seiten bes Kürfels, ansubringen. 
Die ©ummern finb bei ben ©eßörben aufgefeßrieben, 
bamit man bei etmaigen Uebertretungen ber fiuftoerfeßrs* 
orbnung bert Scßulbigen fofort feftneßmen tann. Damit 
biefes leßtere nun aber möglich ift, ift es nötig, baß 
bie ©eßörben möglicßft halb einen Uebermacßungsbienft 
einrießten; bemnaeß muß man ©enbarme unb Scßuß* 
leute in ber güßrung oon ßuftfcßiffen unb glugmafeßinen 
ausbilben, bamit, menn ber fiuftoerfeßr entfprecßenb 
gemaeßfen ift, es nießt an ßuftpolisei feßlt. 

Auf ben belebteften fiuftftraßen, beifpielsmeife 
Smifcßen allen großen Stäbten unb an ber ©rense, 
müffen ftaatlicße gäßrseuge fliegen, um einerfeits bie 
Auffid)t aussuüben unb anberfeits bebrängten ßuft* 
feßiffern su 5)ilfe fommen su fönnen. (Es märe 
münfeßensmert, unoersüglicß ©otfignale einsufüßren, 
bureß bie bie ßuftfcßiffer anseigen, baß fie fieß in 
©ot bepnben. f)ätte beifpielsmeife ber „©ommern" 
oor ©ügen ein ©otfignal feßen fönnen, fo märe ißm 
ber ©ettungsbampfec fofort entgegengefahren. Daß 
bies eoentuell bie ©ettung für alle hätte fein fönnen, 
ift nießt oon ber #anb su meifen. 

©oeß oieles anbere fönnte für bie su erlaffenbe 
ßuftoerfeßrsorbnung als notmenbig ober münfeßensmert 
bezeichnet merben. Die größten Scßmierigfeiten merben 
fieß übrigens für ben Uebermacßungsbienft an ben 
©rensen ergeben, menn fieß hier nießt bie beteiligten 
Staaten gegenfeitig unterftüßen. ginbige Schmuggler 
tonnten fieß jeßt ein ©ermögen ermerben, menn fie 
aus ber Scßmeis mit hoßem 3oll belegte ©egenftänbe, 
mie beifpielsmeife Sacßarin, in einer glugmafeßine naeß 

Original fro-m 

UNIVERSITY OF IOWA 



Seite 646. 


Kummer 16. 


2 >eutfrf>(anb brächten unb f>ier an oerabrebeten Steden 
auswürfen. 

2Benn aud) oiele 33orfd)riften erft einer fpäteren 
Seit, in ber Sie ©ntroirflung bes fiuftoerfetjrs nod) 
weiter oorgefdjritten ift, nüfetid) fein werben, jo t)<»ben 
bie Ausführungen woi)t gezeigt, baß fd)on jefet manche 
gefeßli^e »orfchriften jwingenbe 9totwenbigfeit finb. 

O 


Der oertorene fiopf. 

Räuberei oon Alejanber oon ®leichen»9tugmurm. 


©s ift eine althergebrachte Lebensart, bog man 
non &euten, bie it)re ©eiftesgegenmart aus irgenbeinem 
©runb einbügen, fagt: „Sie hoben ihren Äopf oer« 
loren." Unb bie böfe Mett behauptet, bag biefer 
SBerluft bas meibliche (Befehlest öfter unb leichter träfe 
als bas männliche. 

3ft folches Urteil gerecht, ober flammt es non 
Meiberfeinben? 3ft es oberflächlich gefällt ober pforfjo- 
logifch tief begrünbet? 

3ch glaube, bag es Sagen gibt, in benen auch bie' 
3 erftreutefte grau ben Äopf länger oben behält als ein benf* 
fräffiger Mann, bag es aber auch Momente geben fann, bie 
einem ruhigen, fonft fehr bebachten weiblichen Mefen bie 
Uebertegungsfäijigfeit fchneller rauben als einem aerfagre« 
nen 3 üngling ober einem anbermeitig abforbierten $ro- 
feffor. 3n folgen gragen ift es allerbings fchmer, eine Mei- 
nung ejaft 3 U formulieren ober gar au bemeifen, benn 
jeber wirb mit SSeifpielen aus feinem Seben tommen, 
bie möglichermeife gerabe bas (Segenteil behaupten. 
Mogl bei allen gragen, bie #era unb ©emüt ins 
Spiel aiehen, bie fich mit Siebesintrigen befchäftigen 
ober bie ernftefte Seite bes grauenbafeins, bie Siebe 
für bas' Äinb, betreffen, wirb bas Meib bis aum 
Aeugerften feine ©eiftesgegenmart bewahren unb fich 
nielleicht bis au höchften 5)elbentaten erheben. Unter 
ben Anefboten ber Meltgefchicgte gibt es manche, bie 
non ftarfen grauen im Moment ber (Befahr berichten; 
aus bem täglichen Seben erinnere ich mich einer fehr 
amüfanten Saene, bie freilich für bie ^Beteiligten recht 
unangenehm mar. (Ein junger (Ehemann glaubte 
(Srunb aur (Eiferfucht au hoben unb nerfolgte bie 
©attin überall mit feinem Argmogn. (Eines Xages 
betam fie ein SBriefcgen, bas ihm göchft oerbäegtig er« 
fchien, unb er motlte fie amingen, bas fleine USemeis* 
mittel herausaugeben. 3m Augenblicf höchfter 9tot 
fteefte fie es in ben Munb, aertaute es unb fcglucfte es 
tapfer hinunter. !Das ©eficht ihres Mannes — eraäglte 
fie fpäter — foll fehr fomifch gemefen fein. 

(Es ift ein Schönes um bie ©eiftesgegenmart fo« 
mohl in grogen mie in fleinen Singen. Sie Äinber* 
ftube oerlangt fie mie ber Salon, bie Meltgefcgichte 
mie ber Äleinfrieg bes häuslichen Safeins, bei bem 
bie oerfchiebenften Münfcge unb ©garaftere in (Eintlang 
3 U bringen finb. Oft rettet ein rechtaeitiges, liebens* 
mürbiges ober fegarfes Mort bie Situation, unb oft 
oerbirbt unfehlüffiges 3 oubem, fopflofes 5)in* unb #er» 
jehmanfen bie müheoolle Arbeit unb ©ebulb längerer 
3eit. Man !ann gemig nicht oon jebem bie ©abe 
©erlangen, überall unb immer mit trefffiegerer ©efegief* 
licgfeit einaugreifen, aber jeber gebilbete Menfch mug 
es auftanbe befommen, im Notfall feine ©ebanfen 
aufammenauhalten unb, ohne ben Äopf au oerlieren, 
ben (Ereigniffen entgegenautreten. Äopflofigfeit fom* 


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Gck igle 


pliaiert nur bie Situation, ihre Opfer fönnen fomifch, 
grotesf unb leiber auch unenbürh tragifch mirfen. 

Mas nugt bas befte 5)era, rooau bient ber liebens« 
mürbigfte Munfcg, eine Angelegenheit aum Schönften au 
menben, menn im richtigen Augenblicf ber Äopf ©er¬ 
jagt unb man fich fpäter SBormürfe macht, nicht biefes 
ober jenes getan au hoben? Sie Aormürfe finb ge¬ 
rechtfertigt, benn ©eiftesgegenmart gehört au ben ©fi¬ 
tem, bie eine gute (Eraiehung au geben oermag. 
grauen finb bilbfamer, leichter au beeinfluffen als 
Männer. Mirb oon gugenb auf bas ftinb baran ge* 
möhnt, fich fetbft au helfen, unb fügt bas heran* 
maegfenbe Mäbcgen bie Selbfteraiegung aum (Einflug 
aus ber Äinberftube, bann oerfchminbet jenes unruhige 
3rrlichtern ber Augen, jenes planlofe i)in* unb ^erlaufen, 
jenes frampfhafte, uferlofe Sprechen, bas bie Samen 
ohne ©eiftesgegenmart au tennaeichnen pflegt. Sag 
man angeborene ©garaftereigenfegaften oollftänbig aus¬ 
rotten ober umgeftalten tann, glaube ich 3 mar nicht, 
aber fie laffen fich ausgleicgen, milbem unb burch 
(Erhebung faft gana unfcgäblicg machen. 

Seit bie grau ihre pggfifegen Äräfte im Sport 
migt, feit fie allein reift unb leiber allau oft geamungen 
ift — mie ber Mann — im Safeinsfampf felbftänbig 
aufautreten, hot fie einen rareren SBlicf, eine ge* 
fehieftere SSemegung gemonnen unb oieles eingebügt 
oon ber früher fo meit oerbreiteten fopflofen Schüchtern¬ 
heit. Meibliche Mefen, bie ängftlich am ©ifenbagnaug 
auf unb ab laufen unb nicht miffen, mohin fie fahren 
mollen, finb feiten gemorben, auch jene* bie in Ohn¬ 
macht fallen, menn ein Unglücf in ihrer 9iäge gefegah, 
ftatt gelfelnb einaugreifen, gehören au einer ©ergan¬ 
genen ©eneration, beren ©mpfinbfamfeit mir fomifch 
finben, unb manche ftiüe, befegeibene grau, beren 
aarte ^olbfeligfeit beaaubert, aeigt fich männlich feft, 
menn bas aufregenbe moberne Seben aur Äataftropge 
brängt. ©in feiner ^Pfocgologe unter ben franaöfifegen 
Btomanfcgriftftellern hot Situationen bie tragifchften ge¬ 
nannt, in benen ber ftarfe Mann, geiftig unb leiblich 
burch bie Mucht ber ©reigniffe gebrochen, Xroft unb 
#ilfe bei ber fegmaegen grau fucht unb gnbet. Sie 
©eiftesgegenmart bes #eraens, mie ich bie Störte ber 
meiblichen 9tatur in folgen gäüen nennen möchte, 
überminbet allein gemiffe Stunben, in benen Sogif, 
Miffen, Sßgilofopgie, 3Rut unb Äügngeit aufeganben 
gemorben finb. 3u allen $e\tm unb in allen Sänbern 
hat es biefe ©igenfehaft gegeben, im mobemen Seben 
ift fie oielleicht oeebreiteter gemorben, menn fie auch 
meniger an bie Oberfläche tritt. 

©s gibt fo oiele gälle, mo befonbers bie meibliche 
©eiftesgegenmart ©roges, ©utes ober Siebensmürbiges 
leiften fann, bag mir auger ber ©eiftesgegenmart bes 
j)eraens auch noch bie feine bes ftets bereiten Xaft* 
gefügte unb bie ficgere, allen Sagen gemachfene ber 
fogenannten »maitresse femme« annehmen fönnen. 
3m f)eraen nährt freilich auch &os Xaftgefügl feine 
Muraeln, aber au ber Schnelligfeit, mit ber es in 
fchmierigen gefellfchaftlichen Aergältniffen manegmat an* 
gemenbet merben mug, gehört jene elegante, rafege 
SBerftanbestätigfeit, bie ber granaofe mit »esprit« be* 
aeichnet. 3 n einer richtigen, fcheinbar ohne bie leifefte 
Ueberlegung gegebenen Antwort liegt oft bie Söfung 
groger Schmierigfeiten. Mit einer leicht hingemorfenen 
SBemerfung oermag bie fluge grau Munben au heilen, 
Streitigfeiten beiaulegen, ©s honbett fich uicht immer 
um fo michtige Singe mie in jenen Unterrebungen, 

Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 



stummer 16. 


©eite 647. 


bie ftarl V. mit ber Königin oon Sttanarra ^atte, unb 
in benen bie Geiftesgegenmart ber tlugen Dichterin 
manches für ihren Vruber unb für granfreicß rettete, 
aber im gewöhnlichen ßeben finb bie Keinen (Ereigniffe 
ebenfo wichtig, wenn nicht mistiger als bie Politiken 
Hngelegenheiten. 

2ICs bei ben Generationen oergangener ßat)rt)unberte 
noch bie Shinft ber Äonoerfation blühte, beburfte es 
oft großer Geiftesgegenmart, bas Gefpräch 3U leiten 
unb oor Gntgleifungen 3U bewahren. Die Spotte mancher 
grau im ©alon unb ben (Einfluß, ben fie oon bort 
ausübte, oerbantte fie ihrem rafchen Vßiß unb ihrer 
Äunft, ohne ßeitoerluft bie Situation 3U erfaffen. 5 )eute 
bat ber ©alon an Voben unb Vebeutung oerloren, fo 
baß biefe feinfte Vlüte weiblichen ©cbarffinns wohl 
roeniger in (Erlernung tritt. 5 Die ©portbame bat 
anbere Gelegenheit, ihren Verftanb 3U trainieren, bie 
grau mit po!iti[cben 3ntereffen, beren gelb früher ber 
©alon mar, muß auf bie Vebnertribüne fteigen unb 
männlich an ber Debatte teilnehmen. 3 n biefer neuen 
Xätigfeit ftählt ficf> bie Geiftesgegenmart mohl ebenfo, 
aber bas weibliche Söefen h^t nichts bei feinem Xaufch 
gemonnen, es h<*t nur bie ßiebensmürbigfeit eingebüßt, 
burch bie es Herrin ber ßage mar, mährenb es jeßt 
i)err ber ©adje fein möchte. Die Debatte oerlangt 
anbere Gigenfchaften als bas Gefpräch, fie entbehrt bie 
Verbinblichfeit unb mill nichts oon jener ©chonung 
miffen, bie auch öos hetfelfte Xhema in ber ^onoerfation 
möglich macht. Vtännlid), herb unb ohne bie meinen 
Xöne bes Gefühl® feßt fie eine ©chlagfertigfeit ooraus, 
bie anerfennensmert, aber nicht liebensmert ift, unb 
mas ber grau fteht, muß liebensmert fein. 

Vielleicht merbe ich mit biefer Hnficßt für altmobifch 
gehalten, unb gemiffe Damen, bie ihren ffiopf ooll* 
ftänbig oerloren, als man ein Dußenb üftäufe in ben 
©ißungfaal ihrer Verfammlung fpringen ließ, merben 
mich oerachten, aber ich fd)äße bas SBeib 3U f)od), um 
ihm bie garce einer falfchen Gleichberechtigung 3U gönnen. 
Süchtige grauen, bie f)er3 unb Stopf am rechten glec! 
haben, mollen auch nichts oon benen miffen, bie Getftes* 
gegenmart mit männlicher Pofe unb gefunbe fo3iale 
(Entmicflung mit (Eman3ipation oermechfeln. (Es liegt 
im gug ber 3eit unb ift in unferen gefellfchaftlichen 
Verhältniffen ooll begrünbet, baß bie grau 3U wirt* 
fchaftlicher unb geiftiger ©elbftänbigteit exogen mirb. 
Dabei hat fie Gelegenheit genug, ihre Geiftesgegenmart 
3u üben unb an3umenben, fomohl jene, bie ben Ver* 
ftanb, als mie jette, bie bas #er3 in Vtitleibenfchaft 
3ieht. 3* mehr ihr bies gelingt, befto feltener mirb 
man bie Lebensart hören: „ 3 <h höbe ben Stopf oer¬ 
loren!" Unb ber ©pott bes anbern Gefchlechts mirb 
oerftummen über bie oermirrt unb ängftlich fich ge* 
bärbenben grauen. Da es burch 3 ah*hunberte 3um 
guten Son gehörte, bas meibliche Gefchlecßt furchtfam 
unb unfelbftänbig 3U ersiehen, ift es nicht möglich, baß 
in einer einigen Generation alle Vtängel fchminben, 
bie folcher Gebrauch zeitigen mußte. 

Hus biefetn Grunbe ift es auch houptfächlich 3U 
erflären, baß bei Äataftrophen größerer Hrt ber Vtann 
fälteres Vlut bemahrt. Gr hot gelernt, auf feine geiftigen 
unb phtrfifchen Sträfte 3U oertrauen, unb ift meniger 
burch unpraftifche Reibung oerhinbert, bie Vorteile ber 
ßage aus3unüßen. Daher fomrnt es mohl auch, baß 
mir gemohnt finb, im allgemeinen über bie Stopftofigteit 
bes 3 Beibes absuurteilen unb oon SBeibermirtfchaft 3U 
fprechen, roenn es irgenbmo „brüber unb brunter" geht. 


Digitized b>' 


Gougle 


SBer aber Gelegenheit fanb, ben fiegrei<hen, füllen 
Stampf mancher grau gegen bie Ungunft ber Verhält» 
niffe 3U beobachten, fann fich öer 2fnfi<ht faum oer* 
fchließen, baß bem fchmächeren Geflecht häufige unb 
fcßwere groben ber Geiftesgegenmart gefteHt merben, 
bte es ebenfo beftehen muß, mie es fich für ben Vtann 
im lauteren, öffentlichen ßeben gebührt. 3m S)aus* 
mefen mie im ©alon, im Veruf mie im ©port, in ber 
ßiebe mie in einfamer ©elbftänbigteit hot es bie grau 
aller ©tänbe gelernt, ihre fünf ©inne 3ufammen3u* 
halten, unb er3äh(t oielleicht halb in ber Stinberftube sur 
SBarnung ein trauriges Vtärchen 00m oerlorenen ftopf. 


^Unsere 93ttöer 



(Briechenianb oor ber Vationaloerfammlung (Hbb. 
©. 652). ©eitbem ber Stönig unb bas Parlament bie non ber 
ÜJtilitärliga geforberte Ginberufung ber SRationaloerfammlung 
genehmigt haben, hot fich bie Hufregung in (Briechenianb ge* 
legt Der Äönig erfchien, umgeben oon ben höchften SBürben* 
trägem, in ber Kammer, um perfönlich eine Votjchaft au oer* 
lefen, in ber er bie 3 ur IReoifion ber Verfaffung bestimmte 
erroeiterte Volfsoertretung einberief unb 3 ugleicb ben Hbge» 
orbneten für ben (Eifer unb Patriotismus banfte, ben fie mäh» 
renb ber beroegten Greigniffe ber leßten 3*it bemiefen haben. 
Die Sh^anrebe mürbe mit Gntbufiasmus begrüßt Ginige Sage 
fpäter Iöfte fich bie VtiHtärliga, ihrem Verfprechen folgenb, auf. 
** 

Das Vorbfeegefchmaber ber beutfchen glotte(Hbb. 
©. 654), bas bisher in Stiel ftattoniert mar, ift 3 U bauernbem 
Hufenthalt in VMlhelmshaoen eingetroffen. Diefe Verlegung 
bes Gejcbmabers hat einiges Huffehen erregt —* felbftoerftänb* 
lieh m ®nglanb. 

Stönig Peter oon ©erbien (Hbb. 650) mürbe mährenb 
feines Vefuches in Stonftantinopel 00 m ©ultan unb ber Ve» 
oölferung nicht minber aut aufgenommen als fein Machbar, 
ber bulgarifche 3 ar. sieben ben üblichen höfifchen unb mili* 
tärifchen gekrlid)feiten gab ein Vefuch beim Patriarchen ber 
ftonftantinopler SReife bes Stönigs ihr befgnbere 3 Gepräge. 

Die Verliner SBablrecbtsbemonftrationen am 
10 . Hpril (Hbb. ©. 650 u. 651). SBenige Xage oor ber ©chluß* 
abftimmung besHbgeorbnetenhaufes über bie SBahlrechtsoorlage 
fanben in Verlin neuerbings große Demonftrationen gegen bie 
Spaltung ber Regierung unb ber Vtehrheitsparteien in biefer 
mid)tigen grage ftatt 2Bas ben 10. Hpril oon fo oielen an* 
beren Demonftrationsfonntagen unterfchieb, mar ber llmftanb, 
baß bie Poltet ben Demofraten unb ©osialbemotraten bie 
Veranftaltung breier großer greiluftoerfammlungen im Xrep» 
tomer Part, im Sjumbolbt* unb griebrichshain biesmal aus* 
brücflich geftattet hatte. Die gührer beiber Parteien hatten 
bie Verantmortung für einen richtigen Verlauf übernommen, 
unb mirtlich ging auch alles glatt Die politifche Vegeifterung, 
mit ber bie . oerfammelten Vtengen überall ben IRebnem 
3 ujubelten unb bie Proteftrefolutionen begrüßten, äußerte fich 
nirgenbs burch Unfug ober ’Jiabau. 

« 

Das neue ßuftfehiff „Hftra Ville be pau" (Hbb. 
©. 654) hat in ber Pgrenäenftabt, nach öer es genannt ift, 
feinen erften off^eHen Verfuchsflug unternommen. Der Prä¬ 
fett unb oiele Perfönlichteiten ber aeronautifchen SBelt nahmen 
an ber gahrt teil; im gansen maren es 14 Perfonen. Xroß 
biefer fchmeren Velaftung leiftete bas ßuftfehiff Voraügliches. 
ÜRan oerfpricht fich oon ihm fehr Diel für Vermirftichung bes 
prattifchen fiuftoerfehrs. 

Profeffor ßomell in Guropa (Hbb. ©. 649). ©eit 
einiger 3*it bliefen bie Vtenfchen mieber häufiger empor 3 U 
ben ©temen. Der „aftueDfte" aller SJimmelsmanberer ift 
ohne 3 meifel ber ^allepfche Stomet; hoch auch bie alten ftätfel 
bes Vtars merben mieber oiel befproeßen. 3n biefen Xagen 
meilt ein berühmter amerifanifcher Vtarsforfcher in Guropa, 
um ben Gelehrten oon Paris unb ßonbon über feine neuen 
Gntbecfungen 3 U berichten. Der befannte Profeffor ßomell, ber 
Direftor bes Dbferoatoriums oon glagftaff in Hrisona, hat 

Original from 

UNIVERSIT7 OF IOWA 




Seite 648. 


Kummer 16. 


feineraeit bas Borßanbenfein oon ©afferbämpfen auf bem 
2Rars feftgefteUt unb baraus widrige Schlüffe auf bie Be* 
moßnbarfeit bes $(aneten ge 3 ogen. Sn ben leßten Monaten 
gelang es bem (Belehrten, bie (Entfießung neuer ÜRarsfanäle 
5 u beobachten, unb er glaubt, beroelfen au fönnen, baß fie 
fünftlicß ßergefieüt mürben, um einen müften ßanbftricß au 
bemäffem. 

ßanbesöfonomierat tennemann (Abb. S. 650), einer 
ber Begrünber bes Deutfcßen Oftmarfenoereins, ift bocßbetagt 
oerfcßieben. Bor fünf fahren bat man ben 90. ©eburtstag 
biefes Bortämpfers für bie beutjcbe Sache im Offen feftluß 
begangen, ftennemann mar einer ber reichten ©utsbefißer 
ber Dftmarfen, hatte atfo ©etegenßeit, feine nationalen ©runb* 
füge auf feiner eigenen Scholle au oermirfltcßen. 

(Ein fcgönes fReiterfeft (Abb. S. 656) haben in ber 
ÜRanege bes „©ranb Calais" bie Offnere unb SJRannfcßaften 
ber 1. Äaoalleriebioifion in $aris für bie Ueberfchmemmten oer- 
anftaltet. fRacß einem Umaug, ber bas geft eröffnete, gab.es 
ein glänaenbes fReiterfplel unb intereffante Kämpfe auf Säbel, 
Ballafd) unb fianae. Dann folgte ein oon ÜRitgliebern ber 
SaoaUeriefchule in Saumur gerittenes StaruffeU. Schließlich 
folgten artiUeriftifche Hebungen unb ein großer Scßlußjalut 
aller URitmirtenben. — 9m 3ufcßauerraum faß, elegant unb 
fafainierenb, tout fßaris. Auch ber $räfibent galliöres unb 
bas bipfomatifcbe Storps fehlten nicht. 

ö 

flriminalfommiffar o. Xrescfom (Abb. S. 655), ber 
befannte unb erfolgreiche Berliner Äriminalift, mibmet einen 
großen Xeil feiner Xätigfeit ber Befämpfung bes internatio¬ 
nalen aRäbcßenhanbels. Äüralid) berichtete er im Beicßsamt 
bes Snnern einer biftinguierten 3 ubörericßaft über ben gegen« 
märtigen Stanb biejes ßeilfamen Kampfes. 

w 

(EbuarbStucfens „©aroän" (Abb. S. 655), ein ÜRpfterium 
in fchönen Berfen, bas feit langen fahren oielen Kunftfreunben 
befannt mar, gelangt enblich in ben ßammerfpielen bes 33er« 
liner Deutfcßen Xßeaters aur Aufführung unb fanb ben größten 
(Erfolg. Unfer BUb aeigt fieopolbine Stonftantin, eine ber Haupt- 
barftellerinnen, in ihrer Stolle. Sie hat SJtaria, bie ©attin 
bes Stifters be Hautbeaert, barauftellen, in ber fich bas SBefen 
ber Btabonna unb ber Berfüßrertn Benus munberfam mifchen. 
ö 

9m Baiais bes dürften SRa 5 (Egon au gürftenberg 
in SBien (Abb. S. 655) fanb türalicß ein SBoßltätigfeitsfonaert 
augunften bes Vereins „ßupusßeilftätte" ftatt, beffen (Eßren- 
präfibentin gürftin 9rma au Sürftenberg ift. Das Stonaert 
bemies, baß bie glorreichen mufifalijcßen Xrabitionen ber 
öfterreichifchen Hocßariftofratie noch eifrig gepflegt merben; 
benn unter ben Itünftlern, bieanbemftonaertteilnaßmen, befanben 
fich bie Xräger ber tlangoollften Stamen ber Donaumonarchie. 

El Ed El 


Oie Börfentoothe. 

3 u einer ganj ungemößnlichen 3 eit merben bie SRärlie 
biesmal oon ©elbforgen h^imgefucht. Das beginnenbe grüß» 
fahr, fonft bie (Epoche eines aunehmenb flüffigen ©elbftanbes, 
bringt biesmal fteigenbe ©elbnachfrage, unb mas für ben 
Handel unb SBanbel noch bebenflicßer, auch oerteuerte Qms* 
fäße. SRit ber oor furßem erfolgten Disfonterhöhung ber 
Banf oon (Englanb oon bret auf oier Broaent entftanb eine 
Steroofität auch auf ben übrigen Hauptmarken, bie, bis heute 
im SBacßfen begriffen, fich auch bereits im SSirtfcfjaftsleben 
unangenehm fühlbar au machen beginnt. 2 Bie biefe (Erfctjeinung 
ben Stempel ber Abnormität an fich trägt, fo leitet fie auch 
iljren Urfprung aus abnormen Berßältniffen ab. Die un* 
gemöbnlicße (Entmicflung ber innerpolitifdjen 3uftänbe (Englanbs 
hat befanntlich bie Dotierung bes Budgets hinausgefchoben 
unb infolgebeffen bie Steuereingänge oeraögert bam. überaus 
mangelhaft eincehen laffen. Die engli;cße Staatsmafchine 
fann aber nicht ftillftehen, unb ber gisfus macht baher Schul¬ 
ten im offenen ©elbmärft, ber ßinmieöerum feine Detfung bei 
ber Banf oon (Englanb fucßt. Außerbem hat (Englanb größere 
©elboerpflichtungen im Auslanb au becfen, unb es hat fich 
infolgebeffen eine fo empfinblidje Schmähung bes Banfftatus 
ergeben, baß man nod) immer befürchtet, baß bie Banf auch 
mcßt mit bem oierpro 3 entigen Disfont ausfommen merte. 

Digitized b) 


Co igle 


Am beutfcßen 9Rarft führte biefe irreguläre (Entmicflung 
naturgemäß ein empfmblicßes Steigen bes englifcßen Bftecßfel- 
furfes herbei, ber gegenmärtig nahe bem ©olbpunft fich be¬ 
findet, b. ß. auf bem Stanbe, ber bie Ausfuhr oon ©olb nach 
(Englanb rentabel erfcheinen läßt. Unfere fReicßsbanf, bie bis¬ 
her im mohloerftanbenen Sntereffe bes einheimifchen Hanbels 
auch nach ber erfolgten Disfonterhöhung in ßonbon an ihrem 
Saß oon oier Bräunt fefthielt, mürbe, falls größere anbauernbe 
©olbepporte ftattfänben, mohl faum biefe bisherige 3 urüd- 
haltung meiter betätigen tonnen. Allein es ift au hoffen, baß 
auch bie ßonboner ©olbfpannung bereits ihren £)öhepuntt 
erreicht, menn nicht Übertritten hat, fo baß fi* bie ange¬ 
beuteten $omp(ifationen nidht auch auf unfern ÜRartt über¬ 
tragen merben. ^Bisher hat aber bie ©efchäftsentmicflung unb 
bie Äursgeftaltung an ber ^Berliner ®örfe burch bie entftanbene 
fReroofität nicht unbebeutenb gelitten, mas aber infofern auch 
bie gute Seite hatte, baß fich b\e nicht unbebenflid) ange- 
fchmoUenen E)auffeoerpflichtungen menigftens einigermaßen oer- 
ringern tonnten. (Eine befonbere Sorge ift im fyinbel unb 
im ©emerbe aber neuerbings burch große Ausftanbsbe- 
megung im SBaugemerbc entftanben, eine (Erfcßeinung, bie bas 
5 rühjahrsgefd)äft fcßmer bebroht, falls es nicht gelingt, bie 
^Besorgung aufauhalten ober menigftens au lofalifieren. Diefe 
(eßtere Hoffnung fleht bebauerlichermeife auf fchmachen Süßen. 
Aber es ift nicht unmabrfcheinlich, baß bie im ©ange bepnb» 
liehen unb nahe oor bem Abfdjluß ftehenben 93erhanblungen 
ber Parteien in ^Berlin menigftens au einem Ausgleich führen 
bürften, ber meit ausgebehnte ßntereffen ber 3Retropo(e oor 
ßhmeren Schäbigungen bemahren mürbe. Aus bem obigen 
geht heroor, baß bie aum Xeil recht meit gehenben Hoffnungen, 
bie unfere ©efchäftsmelt auf bas Srühjahr gefeßt hatte, fich 
bisher feinesmegs erfüllt haben, unb baß im ©egenteil anfiatt 
ber erhofften 33efferung ein Stillftanb unb oielfad) auch 
fRücffchritt in ber mirtfchaftlichen ©ebarung eingetreten ift. 

Veras. 


‘Die'lolen öer^BoAe 


©raf Heinrich au Soos-9Balbecf, päpftlicher ©eheim- 
fämmerer unb ©hrenritter bes flRalteferorbens, f in Schloß 
Sagen (Oberbagern) am 10. April im 83. ßebensjahr. 

Dberoermaltungsgericßtsrat (Elemcns oon bem Sufch, t * n 
Berlin im Alter oon 55 Saßren. 

©eh. ?Rat Dr. Anton SBufcßbecf, ^räfibent bes ßanbes- 
3Rebiainaltollegiums, f in Dresben am 7. April. 

Hermann 3oßn, ÜRitglieb bes SBiener Burgtßeaters, t in 
ffiien am 9. April im Alter oon 38 3aßren. 

ßanbesötonomierat Hermann ^ennemann, f in JAenta 
bei Bofen am 11 . April im Alter oon 95 Saßren (fßortr. S. 650.) 

SBirtl. ©eß. Oberregierungsrat fßrof. Dr. 3ulius tßoft, 
t in Berlin am 8 . April im 65. ßebensjaßr. 




Irtan abonniert auf bie „Bodje“: 

in Berlin unb Vororten bei bet fiaupiej’pebitlon .Slmmerflr. i6/41 
jotoie bei ben Filialen bes .Berliner Cotabfinseige»" unb ln iömtlftben 
»ucbbanblungen, im 

DeutTchen Reich bei arten Bucbbanblungen ober Boflanftalten 
unb ben CBefcbäftsfierten ber .'JB3o<be": Bonn a. 9tb-, Äölnffr. 2^ 
Bremen, Dbemftr. 18; Breslau, 6d)n>eibnifeer 6tr. 11; Gaffel, 
ObereÄönigftr. 27; IDresben, Seeflrafeel; ©l berfelb, f^ergogflr.38; 
Cffen (tHuljr), Äafianienaflee 88; granffurt a. 9W., Äaiferftr. 10j 
(Börlig, Cuifcnftr. 16; f)allca.6., ®rofje €teinftrafee 11; j)am> 
bürg, Sleuermart 2; i)annooer, ®eorgflr 39; Kiel, i)olle» 
nauer Str. 24; Äöln a.iRl)-. ^obe Sir. 148/150; Königsberg L ^>r; 
5ßei&gerberftr. 3; üeipaig, B^« 8 l tr - 10; rtRagfc-eburg, Brette 
rtßeg 184; Biündjen, Baperftrafee 57; Nürnberg, Kaiferftrage, 
ffitfe t^Ieifdjbrutfe; Stettin, ®ro&e Somftrage 22; Stragburg 
(Gif.), ©iesbauegaffe 18/22; Stuttgart, Äönigftr. 11 ®it»baben, 
Klrdjgaffe 26, 

werrerreich-angarn bei orten Butbbemblungen unb ber ®e» 
jdjäftsftelle ber .Sßodje"; Biien 1. ®raben 28, 

Schweiz bei allen ©udjljanÖlungen unb ber ®ef<böftofterte ber 
.SBotbe": Babnbofftr. 89, 

6ngland bei allen Bud}banblungen unb ber Seföftftsflefle ber 
.2Bod )t M : ßonbon, G. tt., üy ßeabeniJcrt btrcet 

■frankreich bei arten Butbbanblungen unb ber ®ef4>äft»tt«Ue 
ber .Sßotbe": 18 9* uc öe Bidjelleu, 

Rolland bei arten Bud;t)anb(ungen unb ber ®ef(gAft»{leUe ber 
.9Bo4je M : Slmfterbam, Kei^ersgradjt 333, 

Dänemark bei allen Budjljanblungen unb ber Öefcgäftsftelle ber 
.fBocbe": Kopenhagen, ft'jöbmagergabe 8, 

Vereinigte Staaten von Hmerika bei arten Buc^banblungen 
unb ber ®efd)äftsftelle ber ,©Joche": 91 e u g o r f 83 u. 86 Buanc Sire et 


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UNIVERSITT OF IOWA 






2Mlöer t)omXage 








Sie Mfironomie im üttittelpunft bes 2Beltintereffes. 


$&ot. OorlbÄ »raptjte $rf&. 


Der berühmte amerifanijdje TKarsforjdjer profeffor Coroeü. 


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3u feiner SSortragsreife naef) (Europa. 


Original frn-m 

UNIVERSUM OF IOWA 











f-rj'r 


Die Ordnung auf der Strafte: Demonfiranten auf dem IDege n ad) dem Derfammlungspla^ 

* 1 ^ Ir ed;ts bem onftrationen 


in * Original from 

UNIVERSITf OF IOWA 


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vhi't. 2 ü^flnlnM 

v I>er Sultan (XX) t”»b ftonig Bieter (X) nad) ber Slnlunft oor bcm fai|erlid)cn 3^1- 

Dom Befud) fcönig peters oon Serbien in äonffantinopei. 


Candesöfonomierat äennetnann t 

'JWitbegrünber bes Dfutfdjen Oftmarfenoercin?. 






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Original frnm 

UMIVERSITY OF IOWA 



Seite 652. 


Kummer 16. 



3ur Klärung ber politifdjen Seiijöltnifle in (Brierf)enlanb: 

&önig ©eorg oeriieff bie Ifjronrebe, in bcr bic (Einberufung einer ftationaioerfamtnlung 

angefünbigt toirb. — Sbot. Stiliabes. 


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Original fra-m 

UNIVERS1TY OF IOWA 
















'Jiummer 16 


Seile 653. 


Der Dalai-Cama ( ) begibt fid) 311 einem (Empfang im Kegierungsgebäube in äalfutta. 


(Eine fibetifdje (Bebetftätte in DarjeeUing. Jreubenfeuer ber Xibeter roäfjrenb ber Dutdjreife bes Datai-Cama. 

C. TO. esmer, 

Der Dalai* ß am a in Snbien. — ber 2iuffafe oon £r. sabre^t mnt) auf Seite 64i. 


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Original ftom 

UNIVERSITY OF IOWA 





































Die 21nlunft ües ©efdjiudöcr» in Sßilbelmsfyaoen 

3ur Uerfetjung bcö ttor&feegefdjroa&ers oon äiel nad) Z0i(f)e(tii$f)aoen. 


iiii-*•*>*.»• Hm. 


Original fro-m 

UNIVERSlPtf OF IOWA 


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Seite 655. 


I 


Kummer 16. 



Ceopolbine äonffanfin als „Blaria“. - 

3ur erfolgreichen Aufführung oon (Ebuarb Stucfens „©aroän" in ben berliner 
ftammerfpielen. — ^3bot. 'beder & 2Raaf|. 



äriminallommiijat o. Xresforo, Berlin. 

3u feinem 93ortrag über bie IBefämpfung bes fWäbchenhanbeis 
'Jladj einer Originalaeichnung oon grifc 2Bolff. 



1. ©rltiAeffln Cotti gürftenberg. 2. Äomteffe Oft) Gollorebo'IHannsfelb. 3. (Braf (Fbuarb ^3aar. 4. ^rinaeffin Aglaü Schönburg. 5. £efr 3*linfa. 6. #err OHifef. 
7. ^rin^cffin ^3oIia ßobroroi&. 8. ?Jrina 'JHar Uobfotoi*. 9. tSrof. Auber. 10. fßrin^effin Agathe Auersperg. 11. Altgrafin fflife Salm. 12. 'JJrinaeffin 9lelti 
Sffirftenberg. 13. Sürftin Orma ffürftenberg. 14. gürftin (Eleonore Auersperg. 15. fflraf fRtcharb (Toubenbooe. 16. S)err SBotoes. 17. fflräfin Aglae Äinsfi). 

(Ein äoi^etf 3 ugunften öes Bereins „Cupu&fjälftäUe“ im palais der Jücftin Jürflenberg in IPien. 


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Nach einer Originaltuschzeichnung^ von H. Lelong. 


Seite 656. 


Stummer 16. 






















Kummer 16. 


Seite 657. 


Oie Sonne oon St. fDoritz. 


Roman non 

Paul Oehar ftöcher. 


13. ffortfefeung. 

„Sich, liebe ßore," meinte 2feel ©roll, „wenn ich 
biefe unglürffelige berliner ©efdjichte hoch enblich los» 
merben fönnte_" 

„Su haft bod) bantöls bie überaeugung gehabt, baß 
fich’s nur um einen leichtfinnigen, unüberlegten Streich 
hanbelte, nicht mahr?" 

„©emiß. ©onft f)ätt id) ber grau bod) nicht gc» 
Rolfen. Sie tarnen erft jeßt, mo id) fie fo in 

ihrer mähren ©eftalt gefeljen f)abe — leibenfdjaftlid), 
rüdficßtslos, rachfüchtig." 

„Sas mar fie aber bamals nicht. Sie ift es erft ge» 
morben — jeßt, mo fie fich oerlaffen gefeßen hat, 3urücf» 
geftoßen. Unb um bie grau oon bamals Ijanöelt fich’s, 
mit ber bu ÜKitleib gehabt haft, nicht um bie oon heute, 
bie bu oeradjteft." 

(Er mußte nicht, moburch fie biefe ©emalt über ihn 
betam. Slber er füllte, mie fie hoch über ilm empor» 
mucfjs burd) bie ©üte ihres ^er^ens, bie Keinheit unb 
flauterfeit ihrer Seele. 

Speicher ©ott gab if>r biefe 3mingenbe Ktacht? 

©rfdjöpft hatte er fiid) auf bas »ett gefeßt, bie Stirn 
in bie #anb ftüßenb. Kun fcßlug er bie Slugen 3U ihr 
auf. ©ie ftanb außerhalb bes fleinen ßicßtfreifes — 
in bem ßalbfinfteren Kaum jenfeit bes Tifdjes fonnte 
er faum ihre ©eftalt erlernten — aber es mar ihm, als 
ginge ein ftiUes ßeudjten oon ihr aus. 3a — in ber 
(Erregung feiner Kernen, feiner ©inne fah er fie mie 
oon einem feltfam magifcßeti Schein umfloffen. Ser 
SSlicf ber bunleln, ernften, gütigen Slugen, bie groß ge» 
öffnet in ihrem blaffen, feinen Slntliß ftanben, f)ielt ihn 
im Sann. 

„3n bie trübfte, finfterfte ©tunbe meines ßebens 
haft bu mir flicht gebracht, ßore." 

©ie härte bem Slang feiner ©timme an, baß er 
Hoffnung fd;öpfte, neuen fiebensmut. „Sein guter 
Samerab mollte id) fein", fagte fie einfad). 

(Er ftanb auf unb nahm ihre f)anb. ©chmeigenb. 
ßange ftanben fie fo in tiefer (Ergriffenheit. 

Slus ber ©aftftube flang ©ingen herauf. Sie h*Hen 
©timmen ber Slmerifanerinnen feßten mit ber luftigen 
Klelobie bes „i)iaroatha" ein. 2 Jtan härte flachen unb 
ba3mifchen ©epolter. Sa mürben mohl Tifdje unb 
©tühle meggeröumt: Sie jungen ßeute molften tanken. 

ßore löfte ihre Kecßte aus feiner #anb, ging 3ur Tür, 
öffnete fie unb laufchte ins Treppenhaus. 

Sann roanbte fie fich ihm mieber 3U unb fagte 
bittenb: „Sarf ich Söillemintje unb ben anbern melben, 
baß bu uns begleiteft?" 

©r nicfte ftumm. 

©ie hiett ihm bie #anb hin. „Somrn", fagte fie leife. 


SBillemintje lehnte neben ©en^mer in einer genfter» 
nifche bes großen Söirtfchaftfaals. ©ie ahnten beibe, 
baß fkh in biefer ©tunbe ©chidfale entfchieben. Sas 
machte fie ernft, namentlich, fie tonnten auf ben luftigen 
Ion bes jungen SBolfes, bas lärmenb ben Kaum füllte, 
nicht eingehen. 3h rc ©ebanfen maren bei ben beiben 
ba oben. 

Kun hatten fich alle $aare gefunben, unb ber lanj 
begann. Sir. Sibble, ber im Vollgefühl feines fport» 
liehen Triumphes aus fich herausging mie fonft nie, 
übernahm eigenmächtig bas Slmt eines Ian3orbners. 
Stehrmals trat er auch 3U ber ^ollänberin unb ihrem 
Saoalier. Ob es 9 Jtiß (Englljofer gelingen mürbe, bem 
unberedjenbaren Softor ©roll bie gluchtgebanten aus» 
3ureben? Ober ob fie ihr nicht lieber alle 3ufammen 
Seiftanb leiften follten? 

Siit einem matten, faft ftehenben ßächeln brachte 
SBillemintje ben ©ieger bes Tages oon biefem unglücf» 
ließen $Ian ab. 

Slber immer ungebulbiger, gefpannter unb neroöfer, 
je meiter bie oorrüefte, harrte fie bes (Erfolgs. 

(Enblich 3eigte fich ßore in ber Tür unb niefte ihrer 
greunbin 3u. 

©ofort unterbrach Str. Vibble feinen Tmoftepp. 
Koch oor Söillemintje oerließ er ben ©aal. Slls er feinen 
alten ©tubienfreunb oor bem i>aufe im ©chnee ftehen 
fah, im ©efpräch mit bem ©chlittenfutfcher, mollte er 
gleich hinausftürmen, mit einem Sußenb gragen auf 
ihn einbringen. 

„Quälen ©ie ihn jeßt nicht mehr", bat ßore ben 
Slmerifaner. „(Er mirb uns nach St. SKoriß 3urücf» 
begleiten. Sas muß 3 haen für freute genügen." 

©ie fprach matt, gepreßt, in tiefernftem Ton. 
9ttr. Sibble fah fie oermunbert an. „Slber morgen, ich 
mill oerlangen, baß mir finb alle fehr fleißig, ©onft 
mir oerlieren unferen guten $laß bei ben Kennen." 

ßore oerfprach alles, mas er forberte, ohne hin* 
3uhören. 

3n3mif<hen hatte fich ©e^mer mit Söillemintje ba3u» 
gefunben. Saß man ben Softor jeßt in Kühe laffen 
müffe, gab ihm fein eigenes Taftgefühl ein; es beburfte 
nicht erft einer üKahnung burch ßore. (Er oerhanbelte 
alfo mit SJtr. Vibble über bie ^eimfehr. Sraußen 
mürben fchon bie ©cßlittenpferbe oorgeführt, man burfte 
fie in ber eifigen Kachtluft nicht lange ftehen laffen, 
mußte alfo ungefäumt aufbrechen. 

Sem Slmerifaner fchien bas gar nicht 3u paffen. 
(Er hatte fich mit mehreren feiner ßanbsleute an» 
gefreunbet unb mollte feinen ©ieg im ©fifjöring in 
beren ßrets noch meiter ausfoften. 

„(Entfcheiben ©ie fich rafd), es eilt. 5 Benn ©ie mit 


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CopjTlght 1910 by August Scherl 0. m. b. H.. Berlin. 


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©eite 630. 


Stummer 16. 


uns im Schütten aurücffagren mallen, bann muffen mir 
auslofen, melcgfcr oon uns ©ännern auf bem Socf 
figen foll." 

„©roll — natürlicg ©roül" rief ber Slmerifaner 
fofort. „Damit mir gaben ign unter Slugen!" 

,,©r gat (eine 2(usreiggebanfen megr, meint bas 
gnäbige gräulein." 

©önnergaft läcgelnb nicfte ©r. dibble ber jungen 
Dame 5U, bie mit i^rer greunbin In bie glurtür ge* 
treten mar. „Dann bin icg aufrieben." Unb mit 
mistiger ©iene fegte er ginau, ben 3*t9*finger empor» 
gebenb: „ 2 lber morgen, Sie bürfen nicgt oergeffen, früg 
acgt Ugr 2 lbfagrt nacg Breba! Sie miffen: iraining 
auf ber Strafe nacg Bergün!" ©r rief es aucg noeg 
ßore ©nglgofer au. 

ßanbsleute oon igm fteUten ficg im fjlur ein, fie 
mareti enttäufcgt, bag er bas i)otel bereits neriaffen 
mollte. ©r überlegte fur3 unb meinte bann, 3U ©ena» 
mer geroanbt: er fei nom Zangen bocg ftarf ergigt, 
unb es märe mogl meniger gefägrlicg, menn er gernacg 
ben ©eg nad) St. ©orig auf Sfiern hinter bem ^ßferb 
3urüdlegte, als menn er ficg jegt mit in ben offenen 
Scglitten fegte. 

Stiemanb miberfpracg, unb Sehmer beftärtte ign 
in feinem $lan: Die lanaluft brinnen fei offenbar nod) 
fegr rege, man gäbe Bollmonb, er fönne alfo aufbrecgen, 
fo fpät er motte. 

Älingelnb fugr jegt ber Scglitten oor. ©r. Bibble 
trat in bie offene Dür, rief bem Doftor in feiner furaen, 
formlofen 2trt noeg eine burfcgifofe 2lnerfennung für 
feinen ©ntfcglug 3U unb gab igm aucg bie an für 
bas IRenbeaoous am anbern ©orgen. 2Tjel ©roll nicfte, 
aber ©enamer merfte igm an: er mar meit meg mit 
feinen ©ebanfen. 

2 tls ber Scglitten mit ben oier Snfaffen in bie monb» 
beglänste ©internaegt ginausfugr, ftanb ©r. Bibble 
in ber offenen Dür bes ^ßoftmirtsgaufes unb minfte 
ignen ein fröglicges „Good byel" nacg. 

©s mar eine ftille gagrt. üftur ®en3mer unb ©ille» 
mintje oerfucgten ab unb 3U eine Sttrt Äonoerfatton. 
ßore mifcgte ficg erft ein, als bie 00m gügrer bes 
„Solei!" befohlene übungsfagrt 3mifcgen ignen 3ur 
Spracge fam. Sie fügte fid) gan3 augerftanbe, bie 
kennen mit3umacgen, fagte fie. „ÜBorausfiegtHcg — 
merbe icg gar nicgt megr in St. ©orig fein, menn bie 
Bennen beginnen." 

S8eftür5t blicfte ©enamer auf. „Unb Sie aucg, 
gräulein ©illemintje?" 

,,3rf) gäbe feinen eigenen ©illen", fagte fie mit 
einem matten ßätgeln. 

©enamer bemerfte, bag ficg unter ber Scglittenbecfe 
bie $änbe ber beiben jungen ©äbcgen oereinigten, unb 
er fing ben ernften ©lief auf, ben fie miteinanber 
taufegten. „Da merben Sie aber einen oerameifelt 
fegmeren Stanb gegen ©r. dibble gaben, gnäbiges 
gräulein." 

„ 3 cg meig mögt", fagte ßore. Dann fag fie ign 
bittenb an. „Bielleicgt gelingt es uns, Sie auf unfere 
Seite au bringen, lieber greunb, bamit Sie ©r. Bibble 
mit befegmiegtigen gelfen." 


„Slusgefcgloffen. D nein, im ©egenteil: icg merbe 
Sie mit allen ©itteln 3U galten fuegen. — Doftor, mas 
fagen Sie?" 

Bafcg fiel ßore ein, um igm eine 2lntmort 3U er» 
fparen: „©ein ©ntfeglug ift unmiberruflieg." Unb mit 
bem Berfueg eines ßäcgelns fegte fie gin3u: „©ille* 
mintje, nicgt magr, bu mirft oerfuegen, ©enamer oer* 
nünftig 3U3urebenl Du gaft noeg am meiften ©influg 
auf ign!" Sie gielt igm babei igre #anb gin. 
„Stimmte?" 

©r fag ein, bag es nun gieg, ficg ins Unoermeibiicge 
fügen. Brennenbe Beugier erfüllte ign, 3U erfagren, 
mie es 3mifcgen ßore unb bem Doftor ftanb. Slber 
©roUs ©iene blieb fo tiefemft, menn nicgt tobtraurig 
auf ber gan3en gagrt, bag er feinen Berfucg megr 
maegte, ign ins ©efpräcg 3U 3iegen. 

©illemintje gatte ebenfomenig mie ©enamer etmas 
Beftimmtes über bie ©ittel erfagren, bie ßore an» 
gemanbt gatte, um ©roll 3ur Bücffegr 3U bemegen. 
Slber als ©eib füglte fie aus ßores ganjem ©efen 
geraus: 3mifcgen ben beiben mar ein fefter Bunb ge» 
fcgloffen morben. 

Stuf ber gagrt amangen fie ficg offenbar, fremb 311 
tun. Docg bie fleine Stomöbie betrübte fie nicgt; fie 
oer3ieg fie ignen gern. Die Stimmung mar fo feieriieg, 
bag fie empfanb: jebes unoorfiegtige ©ort fonnte jefet 
nur oerlegen. 

©egeimnisooll gufegte bas ©efägrt an ben befegneiten 
Seeftäcgen entlang. Scgmeigenb lag bie ßanbfcgaft in 
ber filbernen Älargeit. Biemanb begegnete ignen auf 
ber gagrt. Slucg bie Dorfftragen mären menfcgenleer. 
Bur bureg bie fleinen, mit mäegtigen ©ittem oerfperrten 
genfter ein3elner Raufer brang ber rötlicge Scgein ber 
ßampen unb oerriet noeg ßeben. 

ffis mar gan3 minbftill gemorben. So empfanb 
man aucg bie &ätte nicgt. Sie gaben ficg fcglieglicg alle 
bem ftimmungsoollen grieben biefer Bacgtfagrt gin. 
deiner fpraeg megr. Die beiben jungen ©äbcgen fagen 
2lrm in 2lrm. ©illemintje füglte, bag igrer greunbin 
noeg immer ein 3'ttem in ben ©liebem fteefte. Sttls fie 
©ampf£r ginter ficg gelaffen gatten, um ben trogigen 
Zuvm bes Segantinimufeums gerumbogen unb bie 
erften Billen oon St. ©orig erreiegten, gob ©illemintje 
ben 2 lrm, umfcglang ßores Bacfen unb fügte fie auf bie 
©ange. ßore nicfte igr mit einem banfbaren ßäcgeln 
3 U, braegte aber feine Silbe geraus. 

Born Campanile ber Dorffircge feglug es eben elf 
Ugr, als ber Scglitten oor bem Jgotel oon St. ©orig 
oorfugr. 

Die beiben Damen oerabfegiebeten ficg ln bem @e* 
mimmel ger3ueilenber 5 )otelangeftellten nur fur3 oon 
igren Begleitern unb begaben ficg fofort 3um ßift. Sttus 
bem grogen Saal tönte Ballmufif: man gatte mieber 
„small dance". ©enamer mollte nicgt erft in bie ©e* 
fellfcgaftsräume eintreten, meil er ficg im Sportanaug 
befanb. So geleitete er benn ben Doftor ins f)otel» 
bureau. Der Sefretär bebauerte, S)errn ©roll für bie 
9 tacgt nicgt megr unterbringen 5U fönnen. Sein 3 ^ mmer 
gatte im ßauf bes Bacgmittags ©gngeer oan 3oncfbloet 
beaogen; alles anbere mar befegt. 


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Kummer 16. 


Seite 659. 


„ 5 Benn Sie auf meiner [Bube mit ber ©haifelongue 
fürliebnehmen mollen," fagte ber ßeutnant gutmütig, 
„fo braunen Sie fich nicht erft anbermeit Quartier su 
fuchen." 

2 ljel banfte ihm für ben guten 3 öillen. 

Ser #otelfefretär moHte einen [Bog nach einem ber 
benachbarten Käufer fchiden, um für ben ©aft ein 
3 immer ausfinbig su machen. 

fäud) bas lehnte 2 lj:e 1 ab. „ 3 d) manbere noch gern 
ein 5öeild)en braunen in ber hatten Stacht herum." 

„Sie Sllubbahn mirb morgen für bie [Rennen reoi* 
biert," fagte ber $)otelfefretär, „es muß atfo auf ber 
Strerfe [ßreba*[ 8 ergün trainiert merben. #aben bie 
Herren fchon bie [Befanntmacßung am fchmarsen [Brett 
gelefen? Sie meiften #errfd)aften nehmen ben Sicht* 
ußrsug. Sie [Bobfieighs merben in befonberem SBagen 
oerlaben." 

Sie Herren banften unb oerließen bas Bureau. 

©en 3 mer holte aus ber ©arberobe feinen SBetter* 
mantel, um ben Softor noch eine Strede 3 U begleiten. 

„3ch marte hernach in ber [Bar bie SInfunft unferes 
oerehrten 9Rr. SSibble ab", fagte er braunen, „©r mirb 
ja einen ^eiHofen Slufftanb in Ssene feßen, menn er 
hört, baß feine crew fich nun hoch noch 3 *rftreut. 

Natürlich ermartete ber ßeutnant jeßt eine ©rflärung 
non SIfel ©roll. Ser fühlte es mohl heraus. 

[Rachbem fie eine Söeile jchmeigenb nebeneinanber 
hergegangen maren, fagte ©ensmer: „ 2 Bir finb unter 
uns URännern, Softor. 2öollen mir mit offenen Starten 
fpielen?" 

Slyel blieb ftehen. „3<h meiß, baß i<h in 3h rer 
Schulb bin." 

©ensmer fchüttelte ben Äopf. „SelbftoerftänbÜch, 
baß ich mich in bie ©ntfcßeibung ohne Söiberfpruch ge* 
fügt höbe. *f>atte überhaupt oiel lieber unf* Söille* 
mintje ©efellfchaft geleiftet, als auf bem ,SoleiI‘ mit* 
3 urafen. 3 nbisfret mill ich auch mirflich nicht fein, 
©her. • • • 2 lber gehn mir hoch meiter, es plaubert fich 
fo beffer." 

Sie hatten bie [Richtung 3 U bem neuen S)otel ein* 
gefdjlagen, bas bem [Bahnhof gegenüberlag. Ser 2Ronb 
mar um ein großes Stüd meiter nach Söeften gerücft 
unb ftanb rechts vom [pis 3Rorteratfch, gerabe über bem 
meftlichen Seeufer. Sie menfchenleere S)otelftabt bes 
Stabes St. SRoriß lag mie eine SRärchenmelt oon feter* 
lieh ftillen Scmberfchlöffern im filbernen ÜBtonblicht ba. 
[Rur ba unb bort auf ben oerlaffenen, oerfchneiten 
SBegen ein eleftrifches ßicht, fonft überall ber meiß* 
fchimmernbe Schnee. Sie Spuren ber Schlittenfufen 
glän 3 ten mie blanfer Stahl. 3n ein 3 elnen genfter* 
fcheiben ber [Babehotels fpiegelte fich öer SRonbftrahl 
unb rücfte bas gan 3 e fchmeigenbe ©ebäube bem 2 luge 
näher. Sie ßuft mar unbemegt unb faft. ©s mar gan 3 
minbftill. 2luf bem See hangen bie Fähnchen ber 
Tribünen unb ber [Rennftrede fchlaff an ben SRaften 
nieber. Ser am Sag in ber Sonne meichgemorbene 
Schnee ballte fich lieber unb fnirfchte unter ben lang* 
[amen dritten ber beiben nächtlichen SBanberer. 

„3<h möchte 3hren 9tat, Softor. 3n einer Wersens* 
angelegenheit. Sas heißt — es hanbelt fich um feine 


Stonfultation. SRehr — um einen freunbfchaftlid)en 
[Rat." ©r sögerte mieber. 

„Sprechen Sie hoch, ©ensmer." 

„3<h hob nämlich eine foloffale Summheit mieber 
gutsumachen. Sehen Sie, fo im erften Feuereifer, als 
ich hier anfam unb bie beiben Samen fennen lernte, 
ba hatte ich mich blinblings oerfchoffen — ber Stall* 
ftänbigfeit halber gleich in alle beibe. 3 <h mill gans 
ehrlich fein: eigentlich ha& ich mich nur in bas famofe 
[ßerfönchen oon un|* SBillemintje oerliebt — aber ba* 
neben noch ein bißchen in bie SRillionen oon Fräulein 
ßore. ©s hätte ja bei meinen ßeuten su #aufe feinen 
ubeln ©inbrud gemacht, miffen Sie, menn ich alter 
SSruber ßeid)tfuß mit einer fo guten Partie heimgefom* 
men märe. [Ra, bas nebenbei. Slber ich fann*3hnen 
fagen: je mehr ich merfte, baß ich für Fräulein ßore 
nicht in [Betracht fam, befto leichter mürbe mir's 3 umute. 
[Ra, feien mir ehrlich: in meiner ©itelfeit mar ich ein 
bißchen gefränft. Slber um fo lieber ift mir unterbes 
bie fleine fjollänberin gemorben. So ein rührenbes 
Sing — fo ein famofer Äerl. SEßenn ich unfere (äint* 
liehen [Regimentsmalfüren burchgehe — unb all bie 
Sennisfräuleins, mit benen ich feit meiner Äabettenseit 
©ummibälle smedlos übers [Reß gefchlagen habe — ich 
müßte feine, feine, feine, bie mich fa oerftanben hätte, 
unb ber ich f° oon ^ersensgrunb aus . . ." ©r brach 
ab, mie oor fich felber geniert: „Slber nun müffen Sie 
auch enblich einen Zon reben, Softor." 

2 l£el lächelte; ber marme, burfchifofe £on bes jungen 
Dffi 3 iers erfrifchte ihn gerabesu. „ 3 ft es nicht beffer, 
ich höre 3 hnen su, als baß ich ©ie ftöre? ©s ift hoch 
eine SStahltat, fo aus fich heraussugehen. [Rieht?" 

„SBenn man fich oerftanben fühlt, gemiß." 

„©lauben Sie mir, ©ensmer, ich oerftefje Sie. Fräu* 
lein SBillemintje oerbient bie Verehrung. 2öer fo neib* 
tos Freunbfcßaft halten fann, ber ift mehr als ein guter 
Äerl — ber ift ein ganser SRenfch." 

„Sie miffen es noch feierlicher aussubrüden als ich* 
[Recht haben Sie {ebenfalls. — Slber bas hilft mir nicht 
meiter. Söie immer ich’s jeßt anftellen mag, SBillemintje 
mirb fich ja boch fagen: aha, [Rumero eins hat ihn ab* 
büßen laffen, nun oerfueßt er's mit [Rumero smei. Unb 
halt ich jeßt um fie an, bann frieg ich bombenficher 
meinen Äorb. Sehen Sie, bas ift bie 3a>idmühle, aus 
ber ich nicht herausfinbe. Sößenn einer mir helfen fann, 
bann finb Sie*s." ©r sögerte mieber ein menig. 
„SBenigftens — mie ich annehme, baß Sie 311 Fräulein 
ßore ftehen —" 

„Offenheit gegen Offenheit, ©ensmer. Sie nehmen 
an, ich fei mit Fräulein ßore heimlich oerlobt." 

„3a. Unb ich mürbe 3hnen gleich ein hersliches 
©lüdmunfchfprüchel auffagen, menn’s ben iatfachen 
entfprid)t." 

2f£el mar ftehengeblieben. „ßieber Freunb —- bas 
fteht noch in meitem Felbe. Für mich gilt es einen 
langen, bangen unb ferneren 2 Beg su manbern, ehe id) 
hoffen barf." 

„2lber auf biefem 9Beg — merben Sie nicht allein 
fein, nehme ich an. SBie? Seien Sie mir nicht böfe, 
Softor. 3ch bin oerfliyt ratlos. 3nbisfret möcht ich 


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UMIVERSITY OF IOWA 



Seite 660. 


Nummer 16. 


ja roafjrfyaftig nidjt fein.... 2 lber es fief>t hoch ein 
Vlinber, baß Sie fich einig finb, menigftens fo in ben 
Vorfragen.... Na, unb fo weit bin ich nun mieber 
nicht. Sehen Sie, nun lachen Sie mich aus." 

„Das tue id) nicht, ©enamer. SBirflich nicht. Sagen 
Sie gana offen: mie fann id) 3hnen raten ober Reifen?" 

©enamer 3 ucfte bie 2 lchfei. „ 3 <h weiß fchon, mie's 
fommt. 3 m günftigften galt fprießt man bie ©amen 
noch auf ein 5)albftünbcßcn — ba ift bann Mr. Vibble 
babei, ber ben grimmen .ßömen fpielen rnirb, Warner* 
lanber, ber Süßhola rafpelt — unb es fommt 5 U feinem 
oernünftigen <Befpräcf>. Sann reifen bie Samen ab, unfci 
ich frieg fie fo halb nicht mehr 3 U feljen. — 2lber Sie 
merben fie fehen, Softor. Nein, fdjütteln Sie nicht ben 
ftopf. Sas roeiß ich. Na ja, fehen Sie, unb ba bacht 
ich: id) fönnte ba oielleidjt einen gürfprecher in 3 hnen 
haben." 

„Vrauchen Sie ben, ©enamer?" 

Ser ßeutnant lachte gutmütig. „2lber obl" 

„3cß bitte Sie, 3hr ffoH liegt boch fo golben flar. 
Sie ftammen aus begütertem f)aus — VHllemintje 
fommt als 3h rc t?rau in eine glänaenbe Sßofition. Saß 
Sie fie aufrichtig lieben, um ihrer felbft mißen, bebarf 
faum einer Verficherung: benn SBillemintje ift arm." 

„ 2 lber mas für ©reueltaten aus meiner Vergangen¬ 
heit roerben ihr inamifchen 3 U Ohren fommen. 3<h mar 
ja ein fürchterlich lei<htfinniger ©efell. Sie hoben feine 
Ahnung. 3m 3 eu hob ich immer ©iücf gehabt. 2 Iber 
um fo größeres $ecß bei ben SBeibern: bie hoben mich 
bei ihren Nachfolgerinnen immer angefchmärat. Na, 
unb wenn VMUemintje oon allebem erfährt, unb *s ift 
feiner ba, ber ihr ein biffel 3 urebet...!" . 

„©lauben Sie, baß fo ein tapferes Sing mie unf 
SBillemintje, bie als holbes Slinb fchon ben Äampf mit 
bem ßeben aufgenommen hot, ftd) burch irgenbeinen 
fleinlidjen Äiatfch in bie 3lud)t fcßlagen läßt? Sa feien 
Sie ohne Sorge." 

„Meiner bin ich fid)er. — Sehen Sie, Softor, oer¬ 
liebt mar ich gut unb gern fchon hunbertmal. Slber bies- 
mal— Nun lachen Sie mich richtig aus. 3o, ja, unb 
recht haben Sie. übrigens ift’s heillos fpät. ©rft ein¬ 
mal herumfchlofen. Morgen fleht man flarer. Slber 
fagen Sie, Softor, ift bas nicht ein unoergeßlicher 
2lbenb? 3um beulen fchon. Unb nun fteHen Sie fich 
oor: in acht Jagen hode ich mieber in meiner grauen 
VrtUleriefafeme... 1 ©in altes bloßer tft's, ja, ein altes 
Mönd)sflofter...!" 

Sie hotten bas portal bes neuen Rotels erreicht. 
Ser ©oncierge trat ihnen in ber Vorhalle entgegen, 
unb 2l£el erfuhr, baß er Unterfunft finben fönne, menn 
er mit einem fleinen Zimmer fürliebneßme. 

So reidßen fie einanber benn an ber Jiir bie $)anb 
3 um Slbfchieb. 

Sas klingeln oon mehreren Schlitten, helles ßachen 
unb Nufen auf ber Straße, bie burchs Sorf führte, 
fünbigten gerabe bie Slnfunft ber ©efeüfchaft aus Maloja 
an. ©eti 3 mer machte rafch fehrt, um Mr. Vibble ab- 
3 ufangen. 

©ine Viertelftunbe fpäter mar bte #anbtaf<he aus 
bem alten 5)otel ba, unb Sl^el fonnte bas 3 *mmer auf- 


fud)en unb [ich nieberlegen. ©r mar 3 U lobe erfchöpft 
— aber Nulje fanb er nicht. SBährenb er auf bas ©e- 
päd martete, hotte er in bem fchon oon ben ©äften ge¬ 
räumten Neftaurant eine Äleinigfeit 3 U fich genommen. 
Sa er überhungert gemefen mar, melbete fich bei ihm 
nun eine getuiffe übelfeit, ba 3 u gefeilten fid) unerträg¬ 
liche ftopfßhmeraen. Sie förperlichen unb feelifchen 
Strapaaen biefes Jages rächten fich- Stunbenlang lag 
er mach, mehrmals ftanb er auf unb manberte im 3 im* 
mer umher, ©r öffnete bas genfter unb ließ bie eiftge 
ßuft herein. Sann fror er im Vett, baß es ihn fchüttelte. 
2 lber er befaß nicht mehr bie ©nergie aufauftehen, um 
bas genfter au fließen. VMe geräbert fühlte er fich. 
©rft gegen Morgen fanf er in einen erßhöpften f)alb- 
fchlaf. Sie Unruhe auf bem nahen Vahnhof, bas Älin- 
geln ber Schlitten, bie aum erften 3ug fomen, lebhoftes 
Sprechen auf bem $lafc oor bem Stationsgebäube, auf 
ben fein Zimmer münbete, fchredten ihn bann 
mieber auf. 

©5 mar noch finfter braußen — ber Monb oer- 
fchmunben, bie Sonne noch nicht aufgegangen. 

©r aog fich notbürftig an unb trat ans Sfenfter, oor 
tJroft aitternb. 

Ser Vloß unten mimmelte oon Sportleuten. 

©r entfann fich, baß bie Mehraohl ber Vobfleigh* 
fahrer heute auf ber Strede Vreba-Vergün trainieren 
mollte. 3m Schnee ftanben noch einige ber eifernen 
Stoßfchlitten. ©epädträger unb Sportleute maren mit 
oereinten Äräften bemüht, bie ferneren ©efteile rafch 
nach bem Perron au fchleppen. 

Soeben ertönte bie Vaßnhofsuhr. &£el aählte. 3 n 
amei Minuten ging ber ftrühaug ob. ©s fchienen aber 
noch nicht alle Vobmannfchaften ooQaähltg beifammen. 
Ser Jßlaß entleerte fich, bie Vaffagtere brängten nach 
bem 3ug. Aufgeregt riefen ein paar Herren 00 m Vaf)n» 
hofseingang aus nach ber aum Sorf emporfüßrenben 
Straße. 3m Jrab famen ba noch mehrere Nach* 
aügler an. 

©ertie mar barunter. 

©in paar Schritte meit ging ihr ein S)evx im fchmara* 
meißfarierten Sportanaug entgegen, minfte mit feiner 
Müße unb trieb fie aur ©ile an. 

Sie gemachte gorfchheit biefer Stimme mar Sl^el 
befannt. ©r fonnte bas ©eficht bes ungebulbigen IJerrn 
nicht feßen, mußte aber fogleich: es mar ber Nedßs* 
anmalt Magr. 

3 m leßten 2 lugenblid gelangte bie junge {frau noch 
in ben 3 ug. ©leich barauf oerließ er ftampfenb bie 
fleine fjalle. 


Über ©elerina, Samaben unb Veoers hält bie Vahn* 
ftrede auf bie ©iumels 3 U, bie beiben fenfreeßt aus ber 
fumpfigen Jalmüfte emporfteigenben gelsfoloffe. 

Sie ganae ßanbfchaft aeigte im Neufdjnee unb in ber 
Morgenbämmerung nur fanfte Konturen. Um fo 
feßroffer unb brohenber mirften biefe beiben ffiächter 
bes 2llbulapaffes, oon beren Schultern ber Schneemantel 
im Vranb ber Sonne ber leßten Jage fchon mieber ab- 
gefdjmolaen mar. 


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UNIVERSITÄT OF IOWA 



ÜRummer 10. 


Seite 661 


Ktit einem langen, fjeulenben tpflff bohrte fich ber 
3 ug 3u giigen bes Kiefenpaares in bie Selsmanb ein 
unb burchfuhr ben faft fechstaufenb Kteter langen 
Sflbulatunnel. 

2ln ben Jagen, an benen bie Kobfleighfahrer ben 
grüfoug benufeten, herrföte eine fröhliche Stimmung 
auf ber gan3en gahrt. Die wenigen ©inheimifchen, bie 
mitfuhren, ftillfchwetgenb if>r Pfeifchen raucfjenb, be* 
trachteten bie abenteuerlich oermummten ©eftalten mit 
leicht ironifdjem Scfjmunseln. Damen unb Herren, bie 
fonft nicht anbers als erfter klaffe fuhren, gefeilten fich 
auf biefen fportlichen Ausflügen oorurteilsfrei 3U ben 


im Sßagen bie Kachridjt oerbreitet: bas feien bie ÜKann* 
fchaften, bie bei ben oorjährtgen Kennen auf ber Strecfe 
$reba= 93 ergün ben Sedjsminutenreforb bes berühm* 
teften amerifanifchen SBobfleighs gefchlagen hätten. 
(Einige Korbbeutfche oerfuchten eine Unterhaltung mit 
ben fieuten, famen aber mit bem engabinifcben Dialeft 
nicht recht 3uftanbe. 

Unter ben Kachsüglern aus bem 5 )otel hatte fich 
auch ber ®aron ßamerlanber befunben. Dicht hinter 
grau ©ertie Seile mar er in ben fchon in Kewegung 
befinblicben 3ug hineingefprungen. ©r ging nun oon 
einem Abteil 3um anbern, um Ktr. dibble auf3uftöbern. 


Frühlings Lauf. 


Mit dem Strauss in der Hand, 
Mit den Blättern im Haar 


Zieht der Frühling* ins Land, 
In das harrende Jahr. 


Eine blühende Hülle 
Streut er umher 
Und wird seiner Fülle 
Doch nimmer leer. 

Und wo sein Lächeln 
Wie Windhauch lag. 
Da ging ein Fächeln 
Vom jungen Tag. 

Und wo seiner Blicke 
Leuchten flog. 

Ein Hauch vom Glücke 
Vorüberzog. 

Und wo seiner Spuren 
Hauch verrann. 

Da fingen die Fluren 
Zu atmen an. 


Und wo er geweilt 
Und träumend geruht. 
Kam sehnend geeilt 
Eine liebende Glut. 

Nun sind die Lüfte 
Wie junger Wein, 

In alle Grüfte 
Singt es hinein. 

Ein Rausch, der Lieder 
Strömt allerwärts, 
Durchzittemd dieGlieder, 
Durchglühend das Herz. 

Und über der Fülle 
Dunstigem Saum 
Liegt tiefer Stille 
Bebender Traum: 


Frühling, Befreier 
Aus Last und Trott, 

Du ungetreuer. 
Lachender Gott! 

Der alles bestürmt 
Und alles küsst. 

Mit Glück umtürmt 
Und dann vergisst, 

Frühling, du lachender. 
Jubelnder Fant, 

Du seligmachender 
Sieger genannt. 

Hast uns befreit, ’ 

Hast uns bestürzt. 

Mit jubelndem Leid 
Uns heiss durchwürzt. 


In seliger Tränen 
Schwellenden Drang, 
Getränkt in Sehnen 
Und in Gesang. 

Wir mussten verschwen** 
Alle Glut, [den 

Mit vollen Händen 
All unser Gut. 

Nur dir zu gleichen 
War unser Hang, 
Deinem uferlos reichen. 
Göttlichen Gang: 

Und eh wir's gedacht. 
Wie schön du verweilt — 
Da warst über Nacht 
Du weit enteilt. 


Thassilo von Scheffer. 


Jßaffagieren ber britten. Der Qualm ber pfeifen unb 
Zigaretten erfüllte balb bie niebrtgen 2 Bagen. Die „Sob* 
girls" unb „Koblabies" legten ihren Stol3 barein, auch 
biefe 6trapa3e gleich ihren männlichen Sportfameraben 
ohne Störung ber SKagenneroen unb bes Äehlfopfs 3U 
ertragen. 

©in paar Ktannfchaften fanben fich heute erft im 
3 uge mährenb ber gahrt 3ufammen. Die ^Teilnehmer 
trugen ben Kamen ihres ®obfleighs auf Schärpen über 
bem Stoeater. 2 lufjer ben ©nglänbern unb 2 ftnerifa* 
nern, tJransofen, Deutfchen unb Kuffen, bie mehrere auf 
ber $lubbahn fchon rühmlich befannte „crews" bilbeten, 
machten auch ein paar ©ngabiner ©ruppen bie {fahrt 
mit. ©s waren #anbwerfer aus St. Ktorife unb Sßontrc* 
fina. Die auslänbifchen SBintergäfte betrachteten fie 
mit einer getoiffen ©hrfurcht, benn ©ingetoeihte hotten 

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2 Hs er ben Kecbtsanroalt SOtapr fab, ber im aorber» 
ften ffiagen faß, fragte er if)ti faft perjroeifelt, ob er bie 
crew bes 58 ob „Soieit" nicht gefefjen fjabe. 

TOatjr batte in lefeter 3««* feiten bie ätusjeidpiung 
einer 2tnfprad)e bureb ben 9 Biener Kriftotraten ge* 
noffen, er 3eigte fid) aber nirfjt naebtragenb, fonbem be* 
richtete ibm äugerft angeregt, mas er über ben Verbleib 
ber SWannfcbaft bes ÜJtr. *BibbIe taugte. 

„#err non ©enjmer bat Sie nod) geftern fpät abenbs 
in ber Kar gefugt, um 3bnen au fagen, bag ber ,Soleil' 
beute nicht mitftartet, i)err ®aron." 

„®as? überhaupt nicht?! Kein, hören S', 3 }er« 
ebrtefter...!" 

„Die ®obmantt}cbaft iöft fich auf, tneil fjräuiein 
©ngibofer noch oor ben Kennen St. ÜJtorig oerlägt." 
Samerianber fegte fich verblüfft auf bie ^olsbant. 


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UMIVERSITY OF IOWA 




Seit? 662 . 


Kummer 


„34) bitt fcfjön, machen S' feine fd;Ied)ten ©Siß, #err 
©tagr!" 

„Sie Samen wollen eine ©eife ins ©uslanb an* 
treten/' 

„Sagen S’ lieber gleich: nac^ bem ©tonb." 

,,©s ift latfadje, Syerv Baron." 

„3*ß ©taria...! ©Sann ift benn bas 311 m 2lus» 
trag gefommen? — 3 d) war geftern abenb broben in 
einem S )otel 311 m 9ta4)tmahl eingelaben. 2luf bem 
©anbg*©inf fjat's ba eine 3 üumination gegeben, ein 
biffel ©tasferabe auf 6 d)littfd)uf)en, gacfetpolonäfe unb 
fo ein 3*ug — xd) bin erft um ein Uhr ins Bett ge¬ 
fommen/' 

„haben Sie benn ben 3ettel in 3hr*m ©oftfa4) nid)t 
gefunben? 3 d) fah no d) felbft, wie ihn herr oon (Ben 3 - 
mer 3 ur ©oftoffice brachte/' 

„34) t)Qb ja nidjt einmal gefrühftücft. 34) bitt Sie, 
wann man 3 U nad)tfd*lafenber 3 *it auf ber ©ahn fein 
foll. ©s ift alles fo im hui gegangen. 3 *ß — bas 
!)ab xd) mir ja rnieber fein eingerid)tet. Sa f>ätt i d) bo4) 
nod) ein paar Stunben bequem im Bett bleiben fönnen. 

— Unb wo fteeft ber Softor, 3h r h*rr ßanbsmann?" 

©tagr faß ©üefen gegen ©üefen mit grau ©ertie 

Seile. (Er wußte, baß fie gefpannt 3 uhörte. „herr 
Softor ©roll ift f4)on geftern befinitio abgereift", fagte 
er gebehnt. 

„©Sohin? Sie machen fo ein geheimnisoottes ©e- 
fid)t, herr ©tagr." 

„34) tarne 3 ufällig bie ©rtinbe, bie herrn Softor 
©roll geswungen traben, fo ÄnaU unb galt abjureifen. 

— ©r mußte f4)leunigft na4) Berlin." 

©un wenbete fi d) bie junge grau, bie bisher 
regungslos gelauf 4 )t hatte, na 4 ) ihm um — ßamerlan- 
ber mußte bie ©elegenheit mahrnehmen, fie 3 U be¬ 
grüßen — unb fie brang in ben ©echtsanmalt: „©lein 
Fimmel, fo fagen Sie bo4) enblUh, was mit ihm los ift. 
Sas ift ja — finbif4)_" 

Sie ftieß es lac^enb aus, aber ihr ßa4)en oerf4)leierte 
bie somige Ungebulb ni4)t, bie aus ihrem Ion flang. 

Ser 3ug war in ben lunnel eingefahren. 3n bem 
trüben ßi 4 )t ber ßämpd>en faf> man nun plößlicf) bie 
biefen labafswolfen, bie ben ©Sagen erfüllten, fo ftarf, 
baß fämtlicße Samen unmiltfürii 4 ) 3 U duften anfingen. 
Sas wirtte auf fie felbft fo fomif4), baß bas duften 
fofort oon ßaefjen unterbro 4 )en würbe. 

Sfamerlanber fonnte oon feinem ©laß aus mit feinen 
fd)arfen Slugen grau ©ertie Seile troß ber mangelhaften 
Beleu 4 )tung unb ber ©au4)f4)maben gut erfennen. Sie 
trug wieber einen f 4 )ncemeißen, bis sum haIs rekf)en« 
ben, auf ber Schulter ge{4)loffenen, enganliegenben 
Sweater, in bem fi4) if)re f4)lanfe, f4)öngef4)wungene 
laille unb ihre oolle Büfte plaftif 4 ) abaekhneten. 3 hr 
©iunb war ni4)t flein, aber wie er fid) jeßt in ber (Er¬ 
regung öffnete, befaß er für Sfamerlanber einen eigen¬ 
artigen 9 ^ei 3 - 3 m halbbämmer glitt fein ©lief wie 
ftreidjelnb über ihre formen, ihren feltfam fehnfü 4 )tigen 
©tunb, if>r bernftelngelbes, unter ber weißen ©Sollmüße 
heroorleuchtenbes, no4) ein wenig bie Ohren bebedenbes 
haar bis 3 U ben grauen, jefet halbgefcfjloffenen, immer 
etwas oerfctyleierten 2 lugen. 


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©erteufelt oiel ©affe hat fie! fagte er fo bei fiel), 
©iit einem ©uef hielt ber 3ug. Sie ©ajfagiere 
fuhren unter leistem laumein in bie höhe. 

„©rebal — ©reba!" rief es braußen. 

3 m ©u war faft ber ganse 3 ug leer, ©ur ein paar 
Biehhänbler, ©tarftleute unb italienif 4 )e Arbeiter blie¬ 
ben fißen. 

„Irainieren Sie au4) auf bie kennen?" fragte 
Äamerlanber ben ©ed;tsanwalt. 

„©ernähre, wir fahren nur sum ©ergnügen. grau 
Seile batte fo oiel oon ben Sraoourfabrten bes Bob 
,Soleil 4 gehört — ba wollte Sie 3hre ßetftungen beute 
bewunbern." 

„Ser ©tr. ©ibble mirb's ja im gansen ßeben nxd)t 
oerwinben, ©näbigfte, baß er jeßt auch um ben 
Xriumpb gebracht wirb", fagte äamerlanber. ©r fdjil* 
berte ibr barauf fein eigenes ©e 4 ). 

©ertie befanb fi 4 ) bureb ihre ©erfpätung in gletdjer 
ßage. 2 lu 4 ) fie hätte bie gabrt ni 4 )t mitgemaebt, wenn 
fie re 4 )tseitig oon ben ptößli 4 )en ©eränberungen gehört 
hätte, „©lehr als für ©Ir. ©ibble hätte i 4 ) mich aller» 
bings für bas ,girl* 00 m ©ob ,Soleib intereffiert", fagte 
fie mit einigem Spott, „©tan eraählt ja ©Sunberbinge 
oon bem ©lan, mit bem fie bei biefen ©obfabrten bie 
©iännerber 3 en mitfortreißt/' 

äamerlanber lä4)elte. Sie ©iferfu4)t flang ni4)t nur 
aus ihren ©Sorten, fie fprühte aus jebem ihrer ©eroen. 
©in gefährliches geuer oerfchleierten biefe grauen 
Slugen. Sie war pitant, biefe blonbe ©Sitme, ohne 
grage äußerft pifant. 

„3ft 3hre ©tannf4)aft tomplett?" rief ber ©Siener 
bem ©e4)tsanmalt 3U, ber nach bem ©nbe bes 3 U 9W 
geeilt war. 

Ser leßte offene ©Sagen enthielt fämtii4)e ©obfleighs. 
©r würbe fcf)on losgefoppelt. Die ©lunnfebaften tum* 
melten fich, um möglicbft rafch in ben ©efiß ihrer 
Schlitten 3 U tommen. ©ier ©tann faßten bas niebrige 
eifeme ©eftetl an ben Srahtfeilen unb Irägern an unb 
fchleppten es raffelnb über bie S4)ienen auf ben fd)ma- 
len, swifchen h^h^n Schneemauem freigefchaufelten 
gußweg. 3 ^be crew wollte bie erfte fein, bie ben 
Startplaß auf ber ßanbftraße unterhalb bes !ßoftbotels 
erreichte: ein paar ©tinuten 3 äg«rn oerhinberte unter 
Umftänben bas ©litfommen mit bem nä 4 )ften 3ug^ 
oon ©ergün nach ©reba 3 urücffuhr. 

©tapr oerhanbelte noch mit bem ©ngabiner unb 
einem anbern ©rofeffional über bie ©erteilung ber 
©läße. ©in 3 taliener ßenbi, ber als oorfichtiger gahrer 
befannt war, übernahm ftets bas Steuer unb wollte einem 
Slnfänger wie bem Berliner $)errn auch nl4)t gern bie 
©remfe überlaffen, ©taqr, ber ben ©ngabiner enga¬ 
giert hatte, machte biefes ©mt wieberum bem gremben, 
ben ßenbi bafür auserfehen wollte, ftreitig. Ser 
grembe erflärte barauf, auf bas ©litfommen 3 U oer- 
3 i 4 )ten, unb trat in Unterhanblung mit einer ©tann- 
f 4 )aft, bie rxod) ni 4 )t ooll 3 ählig beifammen war. 

„©Senn Sie mit uns fahren wollen, S)trx Baron , 41 
rief nun ©tagr fofort über bie ©ifenbahnfehienen 
„auf unferem Bob ift ein ©laß freigeworben." 

äamerlanber wollte nicht umfonft fidj) ben ©torgen 


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UNIVERSITY OF IOWA 




s Jlummer 16. 


©eile 663. 


um bie Dgren gefcglagen gaben. Die überftlirate Vbreife 
ber Scgmarsmälber ©illionenerbin — übrigens mußte 
man nicgt beftlmmi, ob es mirflicß ©illionen mären — 
Derbroß ign, forberte sugleicg aber feinen Drofe heraus. 
Unter Umftänben mar es gan3 amüfant, einmal einen 
Dag in ber ©efellfcgaft biefer „luftigen ©itme" ginsu* 
bringen. Verpflichtungen legte igm bas nicgt meiter 
auf — 3ubem mar er ja entfcgloffen, ben 2lufentgalt in 
6t. ©oriß möglicgft halb absubrecgen. „ßuftig" mar 
grau ©ertie geute morgen allerbings nicgt. Slber 
pifant. 3n i^rer faft atemlofen Erregung oorgin gatte 
fie if)n gerabe3u gciß gemacht. 

„ 2 lber mit Vergnügen, mein lieber #err ©agr, bas 
trifft fid) ja ausgeseicgnet!" 

©r beeilte ficg inbes nicgt, ben ferneren Scßlitten mit 
über bie Scgienen 3U fcgleppen, fonbern überließ bies 
5 )errn ©iooanni ßenbi, bem Vefißer bes Vobfleiggs, 
#errn ©agr unb bem igm nocg nicht oorgeftellten TO* 
fairer, einem Vmerifaner. 2luf bem ©eg 3um $)otel 
ieiftete er lieber ber gübfcgen grau ©ertie ©efellfcgaft. 

Das ©efpräcg blieb noch unperfönlicg. Kamerlanber 
er3äglte nur oon ein paar früheren gafften, bie er mit 
bem „6oleir gier mitgemacgt gatte, unb mobei fie häufig 
utngefeßlagen maren. Das mar immer fef>r luftig ge* 
mefen, biefes Durcgeinanberfrabbeln im Scgnee. 

Snsmifcgen maren fämtlicge übrigen Vobfcglitten ab* 
gefahren, ßenbi rücfte bas ©eftell auf ber abfallenbeu 
6traße 3urecgt, lernte ficg oorn mit ben Knien gegen 
ben eifemen Scgußragmen, innerhalb beffen bie an 
Dragtfeilen geführte Steuerung lag, unb übermalte bas 
(Einritten ber neugebilbeten ©annfcgaft. 

2 Ils 3meiter follte ©r. Scott Vlaß nehmen, igm folgte 
ber VaronKamerlanber, baginter bie Dame, ben fünf* 
ten unb legten $laß auf ber fcgmalen Scglittenbanf hatte 
©agr als Vremfer inne. 

„Sin biffel intim gegt's babei fcgon 3u", entfcgulbigte 
fid) Kamerlanber, inbem er fid) begaglicg im Veitfiß 
3urecßtfeßte. (Sr fcgob feine langen, bünnen Veine recgts 
unb ünfs neben feinem Vorbermann aus unb oerftaute 
bie oon grau ©ertie, bie in gogen ©amafcgen ftedten, 
begutfam neben ficg in ben J)altegurten. ©r füllte bie 
©ärme, bie oon igrem Körper ausging, burcg bie bide 
©olle. 

Vun gatte aucg ©agr Sßlaß genommen; er probierte 
bie Vrcmfe aus, inbem er fid) mehrmals mit ooller 
©ucgt Unüberlegte, unb rief bem Steuermann au: 
„All right!" 

Stuf ber sunäcgft nur mäßig abfallenben Straße glitt 
ber Vobfcglitten rugig 3U Dal. Vei ben erften Kuroen 
befahl ber gügrer bas ©infegen ber Vremfe, bei ben 
näcgften gab er ein furses Kommanbo, morauf ficg bie 
gan3e ©annfcgaft recgts ober linfs überbeugen mußte. 

3 n runber gagrt nagm bas ©efägrt ben Vogen, ein 
menig emporfteigenb an ber gocggesogenen Schnee* 
mauer, bann glitt es, nocg etmas fcgmanfenb, in bie 
neue SRtcgtung. Valb gatte man bas Dorf ginter ficg unb 
folgte ben ©inbungen ber Vlbula. 

©ertie gielt ficg recgts unb linfs an ben fursen ©ur* 
ten feft, bie fie auf Kamerlanbers ©eifung megrmals 

-«<$$> 


um bas $)anbgelenf gefcglungen gatte. Vei ben erften 
Kuroen flammerte fie ficg mit igren Knien nocg etmas 
ängftlicg an igren Vorbermann an, gernacg folgte fie 
ben Kommanborufen freier. 

Sie 3ürnte bem Vecgtsanmalt. ©r gätte miffen 
fönnen, baß fie nicgt mitgefommen märe, menn fie er* 
fagren gätte, baß ber „Soleil" geute nicgt lief, ©s mar 
igre fefte Slbficgt gemefen, in Vergün, mo man smifcgen 
ber smeiten unb ber britten gagrt eine längere grüg* 
ftücfspaufe einsulegen pflegte, mährenb man auf ben 3ug 
martete, gräulein ©nglhofer 3u „fteilen". 2lucg auf eine 
Vrooofation moilte fie’s anfommen laffen. üftun mütete 
fie innerlicg, baß bie Damen St. ©orig oerlaffen gaben 
mürben, menn fie 3urücffegrte. Slucg ©agrs gegeimnts* 
oolle 2lnbeutungen über ©rolis Slbreife erregten fie. 

„2lufpaffen! ßinfs legnenl" rief ber ©ann am 
Steuer. Das Kommanbo galt igr, benn fie gatte mit 
oorgebeugtem Kopf fteif aufgerichtet bagefeffen. 

Sie gegorcgte erfcgrocfen. 

©leid) barauf jagte bas ©efägrt recgts gerum, bann 
— in einer fo fteilen Kuroe, baß bie ganse ©annfcgaft 
faft magerecht an ber Scgneemanb entlanggütt — linfs 
gerum. Unb im Dempo eines ©ifenbagn3uges ging es 
eine lange, fcgmale Vampe an einem ungegeuren &b* 
grunb entlang, ßinfs trennte nur ein niebriger Scgnee* 
mall bie Straße oon bem fteil abftür3enben, miib 3er* 
riffenen Dal. ©äcgtige Scgneefoloffe überragten ben 
fcglucgtartig ficg 3ufammenpreffenben $aß. 

3 n biefer Sefunbe ertönte ber Vfiff einer ßofomotioe. 
2 luf ber anbern Seite bes Dales trat ein ©i[enbagn3ug 
aus einem Dunnel unb fugr auf eine bas ganse Dal 
überfpannenbe Vogenbrifcfe. 

„Der 3 u 9 r ben mir oerlaffen gaben!" rief Warner* 
lanber igr 3U. „Der läuft gier burch 3mei Kegrtunnels!" 

„Slcgtung!" fcgrie ber gügrer. 

©in paar Vugenblicfe lang mar es ©ertie, als ob 
biegt oor ignen ber ©eg aufgörte. ßinfs mar ber 2lb* 
grunb, oor ignen ein fcglucßtartiges Dal — boeg ba 30g 
fug bie fcgmale Scgneefuroe in jägem Vogen, biegt an 
ben gels gepreßt, recgts gerum.... 

„Vecgts!" Unb bann ein fegarfes: „Vremfe!" 

Der Vobfcglitten fugr faft 3mei ©eter goeg an ber 
Vöfegung empor — bureg bie ©emalt bes Seitmärts* 
merfens aller 3nfaffen gemann er aber fofort mieber 
bie ©itte ber Straße. 3 n einem 3meiten, etmas meiteren 
Vogen manbte ficg bie Vagn abmärts. Der ScgUtten 
fcgleuberte nocg ein menig gin unb ger. Dann folgte er 
jo fieger mie auf Scgienen ben Krümmungen unb Sen* 
fungen ber Straße. 

©ertie mar atemlos. Sie gegorcgte meeganifeg ben 
Anrufen — aber fie fegloß babei mehrmals bie Vugen. 

©an faufte unter einem riefigen Steinbogen gin* 
bureg. Darüber fugr ber $119, ben man oorgin gatte 
aus bem Dunnel treten fegen, ©it einem geulenben 
$fiff oerfegmanb er in einem 3meiten Kegrtunnel. 

„Von jeßt an — nicgt megr bremfen!" fcgrie ber 
gügrer. 

Unb nun ging es mit ©il3ugsgejcßminbigfeit meiter. 
(gortjeßung folgt.) 


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Seite 664. 


Kummer 10. 


9er franjöfifcfje Student 

Non 2>r. 3ohannes Schürmann. — Hierzu 11 photographifche Aufnahmen. 


„3n granfreich gibt es feine Stubenten, fonbern 
nur Stubierenbe." Das 2Bort ift in ben leßten 3ah* - 
Zehnten |o oft nadjgefprodjen unb nacßgebrudt worben, 
baß es fcßon beinah nicht mehr wahr ift. Allerbings 
ftimmt es, baß ber franzöfifche ÜNufenfohn meift feine 
eigentlichen guchs* ober Nummelfemefter fennt, baß er 
fich bei ber Alma mater nicht nur „ftubierenshalber 
aufhält", fonbern auch roirflich ftubiert. Dafür forgen 
neben bem praftifch nüchternen 6 inn bes Säuglings 
auch fchon bie jährlich abzulegenben Prüfungen, bei 
benen es oiel zu ernfthaft zugeht, als baß man fich 
ettoa in ben leßten SBod^en genügenb einpaufen fönnte. 
©in „Stubierenber" ift alfo ber afabemifche Nürger 
aüerbings faft immer. Aber fein Stubent? Das fann 
ernftfich nur behaupten, wer bas mit Quarten unb 
Xenen gezierte ©eficht bes beutfchen Nurfcßen, bas 
breifarbige Nanb unb bie bunte ÜNüße für bas aus* 
fchlaggebenbe ÜNerfmal bes Stubenten hält. Diefem 
Xqpus begegnet man freilich nicht im Jateinifcben Giertet 
non ?5aris, mo man eben r o oergeblich nach langen Kneip* 
tafeln mit Kommersbüchern unb wappengefchmüdten 
Niergläfern fuchen mürbe. Aber barum ift ber fran 3 Ö* 
fifche Stubent hoch oorhanben, unb er ift unter anbern 
äußeren gönnen ein eben r o lebensfroher, allem Nhi* 
liftertum abgemanbter SNenfd) mie fein beutfcher Korn* 
militone. ©r übertrifft ihn fogar meift an Ungezwungen* 
heit bes Auftretens unb federn Sichgehenlaffen, welch 
leßteres aber nur feiten in Nüpelhaftigfeit ausartet, 
fo 3 . N., wenn bie cives academici in größerer Anzahl 
beifammen finb unb es barauf anlegen, ber profanen 
Außenwelt ihre Nichtachtung 3 U bezeigen, ©in ftuben* 
tifcßer Aufzug zu Kunbgebungs* ober Ulfzweden, ein 
fogenannter SNonöme, hat oerzweifelt wenig Aefjnlich 3 
feit mit bem Nenommierbummel eines beutfchen Korps. 
Aber ber erfte ©inbrud, ben, man bei folchem Anblid 
baoonträgt, baß es fid) nämlich um eine losgelaffene 
Horbc übermütiger 3ünglinge hanbelte, wirb wefentlich 
geänbert, wenn man mit ben gleichen jungen Herren 
einzeln 3 ufammentrifft. Dann lernt man in ihnen 
burchaus anftänbige, oft hochgebilbete unb geiftreicße 
Atenfchen fennen, unb man fommt halb bahinter, baß 
ber gan 3 e Nabau nur ben 3 a>ed hatte, bie bieberen 
SßhHifter 3 a entfeßen, »Spater le bourgeois", wie ber 
Kunftausbrud lautet. 

ÄBie fleht ber franzöfifche Stubent aus? Nom ge* 
wohnlichen Sterblichen unterfcheibet ihn 3 umeilen, aber 
nicht allzu häufig bas weite, fchmarze Samtbarett, bas 
gern weit nach hinten gehoben wirb unb bann beutel* 
artig in ben Naden hängt. Das glatte unb ftraffe 
Haar wirb oft genialifch lang getragen, unb beliebt 
ift, namentlich bei ben Sübfranzofen, bie büftere Strähne 
über ber Schläfe, bie an Alfreb be ÜNuffet erinnern 
foll. Das Nafiermeffer tut entweber ganze Arbeit ober 
gar feine, fo baß man Dielen glatten ©efichtern unb 
Nollbärten begegnet. Das fede Schnurrbärtchen, bas 
ber beutfche guchs fo liebeooll pflegt, ift urtmobern, 
unb ben charafteriftifchen franzöfifchen Spißbart trägt 
meiftens nur ber Ntann in Amt unb ABürben. Ne* 
liebter als bas Narett* ift jeßt ber große Schlapphut 
mit nach unten gefloppter Krempe. 3um richtigen 
afabemifcßen Nohemien gehört bann noch eine mög* 
fichft faltige ©efamtbefleibung, bie burch ben ärmellofen 


SNantel, bie „Xalentwinbel", ftilgerecht ergänzt wirb. 
Natürlich paßt biefe Schilberung aber nur auf ben 
extremen Stubententpp. 

Das geben bes Narifer Stubenten fpielt fich faft 
ganz auf öem füblichen Seineufer ab, im alten Quar» 
tier, beffen Hauptaber ber „Soul* SNich'" (Noulecarb 
SainHNichel) ift. Da liegen bie ©ebäube ber oer* 
fcßiebenen gafuitäten, ber ßujrembourggarten als be* 
liebtefter Nlaß für Nenbezoous, bie altberühmten Stu* 
bentencafes, bie möblierten Rotels unb Speifemirt* 
fchaften für (leine Nör[en unb enblich ber weltbefannte 
Xanzfaal oon Nullier, ber jeßt auch wie feine noch be* 
rühmteren Norläufer zugrunbe geht, ©r war längft 
fein eigentliches Stubentenlofal mehr, fonbern ein inter* 
nationaler Sammelpunft für bie europäifche gebeweit, 
bie fich einbilbete, afabemifche guft zu atmen, wenn 
fie fich bie ©ancans unb bie Niggertänze bezahlter 
(Selenfoirtuofen unb *oirtuofinnen anfah. 

©in Nerbinbungsleben im Sinn unferer beutfchen 
Hochfdjulen ift an ben franzöfifchen Unioerfitäten gänz* 
lieh unbefannt. ©s gibt oielerlei Nereine mit meift 
ausgefproeßen politifchem < 3 iet, 3 - görberation 

ber republifanifchen Stubenten, beren ©egenftüd auf 
monarchifcher Seite burch bie »Camelots du roi" ge* 
bilbet wirb, bie in ber leßten -Seit fo häufiges unb 
unlieb r ames Auffehen erregt haben* @in Niefen* 
oerbanb zur Sößahrnehmung ftubentifcher Sntereffen ift 
bie $ari[er »Association des Etudiants", gewöhnlich 
einfach -A« genannt, bie etwa 10 000 , alfo weit über 
bie Hälfte ber gefamten Narifer Stubentenfdjafi, zu 
ÜNitgliebern bat. ©ine im 3ah*e 1901* gegrünbete 
Speifegenoffenfchaft, bas fogenannte »Restaurant 
coopcratif du Quartier Latin", ift aus bem Schoß 
ber Stubentenfchaft heroorgegangen unb bietet unter 
ftubentifcher Nermaltung ben Kommilitonen ©elegenheit, 
gute Speifen unb ©etränfe zu billigen greifen zu 
befommen. Nach einer anbern Seite aber liegt bie 
ßebensbaltung ber Stubenten noch fehr int argen: Die 
Aßobnungsoerbältniffe im Quartier finb für ben nicht 
gerabe mit ©lüdsgütern gefegneten jünger ber Aßiffen* 
fchaft gerabezu traurig. Die „Stubentenbube" im 
bürgerlichen Haus mit ber bazu gehörigen mütterlichen 
pflege unb ber Noefie ber filia hospitalis finb ganz* 
lieh unbefannte ©rößen. Die gamilienpenfiön ift zu 
teuer, meift auch nur auf Auslänber augefchnitten. 
So bleibt bem ^rooinzialen feine anbere Stahl# als 
fich in einem ber bumpfen unb winfligen Rotels ber 
Sübftabt einzuquartieren. Schmuß, geuchtigteit, Unge* 
Ziefer finb ba zu Haufe. Nun fommt frifche 3ugenb 
ja über berartige Aeußerlicßfeiten leicht hinweg, aber 
bie tägliche troftlofe Umgebung in folgen Näumen 
färbt boch leicht auf bie Newohner ab unb fchäbigt 
bie übrigen ßebensgewohnheiten. 3m Hotelzimmer ift 
ber Stubent natürlich nur eine Nummer, um fein 
geben unb Xreiben brinnen unb braußen fümmert 
fich fein ÜNenfd). Das beflaffiert aber. Stubenten 
aus gutem Haus fommen in biefem Ntilieu mit ben 
unterften Schichten ber Hauptftabt, mit Xagebieben 
unb Nichtstuern, in allzu nahe Berührung unb fchließen 
Zuweilen bireft Kamerabfcßaft mit ihnen. Nor ein paar 
3 ahren entbedte man im ßujembourggarten eine wohl - 
organifierte Nanbe oon galfchmünzem, zu ber neben 


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‘Jtunimer 16. 


Seite 665. 



3m (Safe beim ftarfenfpiet. 

Vertretern ber obengenannten klaffe unb 
Kofotten auch eine gan 3 e 2In3af)l im= 
matrifulierter Stubenten gehörte, beren 
Väter in geachteter Stellung lebten unb 
felbft im Parlament faßen. Derartige 
(Enthüllungen toetfen ein grelles 


(Sine Stubenfenfunbgebung in Paris. 


«bol. Sarllngbe. 


Stubenten 

auf ber ftirmes in tteuiüt). 

ßicht auf getoiffe Seiten 
ber afabemifchen Freiheit. 

3m ßeben bes fran= 
3 Öfifchen Stubenten fpielt 
(Bambrinus natürlich längft 
nicht bie große Stolle roie in 
beutfchen Unioerfitätftäbten. 
2lud) oerbient es 2lnerfen* 
nung, baß bas fran^öfifrhe 
9tationalgift, ber 2Ibfintl), 
in ber afabemifchen 3ugenb 
toeit meniger mütet als in 
ben Greifen ber Arbeiter 
unb Kleinbürger. Der 211= 
fohol ift überhaupt nicht 
bie große (Befahr für bie 
Setoohner bes Quartier, ob- 


«bot. ©eniaur. 


«bol. 

WouDrür. 


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UNIVERSIIY OF IOWA 










Kummer 16. 



Seile 666 


ober ber „Bachette" 
ohne Umftänbe ©efell* 
fchaft leifteten unb es 
auf unfere 3 * 9 arc ^en 
abgefehen Ratten, ftehen 
auf einem ganfl anbern 
'Blatt unb laffen uns mit 
SBehmut an Sttimi tyrn* 
fonunb üjre^^tö^noffen 
3 urüdbenfen, bie nur noch 
in alten Schmötern unb 
in ber Irabition leben. 

2 Iber ein anberer 
ernftfjafter meiblidjer Xt)= 
pus hat in 3 toifd}en be* 
gönnen, bas alte lateb 
nifdje Biertel in feinein 
Sinn 3 U erobern: bie 
Stubentin, bie oon 3ohr 
3 U 3 af)r 3 al)lreid)er im 


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3m Caboratoriunu 


3n ber ftun|t|ammiung 

ber UnioerfitSt. 


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YaS M 




3n ber ttibliothef ber Sorbonne. 

gleich man auch l)ier gelegentliche 
3 ed>fröt)Iirf)feit fd)ät}t unb pflegt. 
Dem leid)tent 3 Ünblid)en gaüifdjen 
He^en mirb im allgemeinen ber 
©ott ber ßiebe gefährlicher als 
ber bes SBeines. 

Unb babei fallen einem na= 
türlich bie rührenben Sd)ilbe= 
rungen aus Bürgers »;Vie de 
Boheme" ein. Sich, ba märtet 
unfer eine grofce (Enttäu[d)ung: 
Das leichtfinnige unb treue, fen= 
timentale unb opferfähige ©ri= 
fettchen aus ber Sttitte bes 
oorigen 3 ahrhunberts ift längft 
ausgeftorben. Die Stubentem 
liebdjen, „carabines" genannt, 
bie uns im „(Eaf^ Boltaire" 


Hörfaal unb in ber $linif 
auftritt. 9tach berieten 
Statiftif gab es bereits 
über 3600Hörerinnen bei 
ben oerfchiebenen gafub 
täten; aüerbings hod ß 
basSluslanb baoon über 
1600 gefd)idt. Slm ftärf* 
ften finb fie in ber pt)i* 
lologifd) s philofophifdjen, 
am fchmächften in ber 
juriftifchen gatultät oer* 
treten. 

Sin ben (Einrichtungen 
ber fran 3 Öfifd)en Hoch* 
fchulen ift im lebten 
Drittel bes oorigen 3cd)r* 
hunberts oon gran 3 ofen 
mie oon Sluslänbern 
eine fcharfe unb be* 












Kummer 16. 


Seite 667. 



Bei bet Ceffüre in ber THanfarbe. 

flinfs unb redjts: 

Type n fran 3 Öflfrf)ec Sfubenfen. 

Unteres ®ilb: 

JTtufifalifdjer 2ibenb im Sfubenfenljeim. 


^t)Ot. ©enioiur. 


Wcniaur 


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6eife 668. 


Kummer 16. 


recßtigte' Äritif 
geübt morben. 
Die napoleoni* 
fdbe ,,Univer- 
site“ bie freilief) 
nieijt nur bie 
$)ochfd)ulen, 
fonbern bas ge* 
famte Unter 5 
richtsroefen um 5 
faßt, mar näm* 
ließ nur auf bie 
5 )eran 3 Üri)tung 
brauchbarer 
beamter 3 uge= 
fd}nitten, unb 
bie pflege mirf* 
lieber 2 Biffen* 
fcf)a[t fam babei 
bebenflicf) 3 U 
fur 3 . Einfichtige 
9ttänner, unter 
ihnen befonbers 
Erneft *Renan, 
miefen auf biefe 
unb anbere ©e= 
fahren hin, unb 



(Eine luftige Sißung. 


if)re s Ißarnungen 
oerhallten nicht 
ungehört. bei 
ben Reformen, 
bie man feit* 
bem gebulbig 
unb 3 ielbemußt 
burchgeführt 
hat, ftnb be* 
mährte Einrid ) 3 
tungenbes 2 lus* 
lanbes über* 
nommen ober 
ben befonberen 
fran 3 öfifehen 
berhältniffen 
angepaßt mor* 
ben,unbesfann 
uns nur 3 urbe= 
friebigung ge* 
reichen, baß un= 
fere beutfehen 
^ochfchulen ba* 
bei befonbers 
häufig als 
ÜJRufter gebient 
haben. 


<2<3<5<3<J«3<3<3<2<J<3<3<2<3<3<J<S<3<3<2<2<3<J<3<3<2<3<2<3<2<3<3<a<3<2<5a<3^<3<3<2C<3<3<S>S>S>l>S>E>E>S>S>S>E>S>2>E>2>E>2>E>S>S>S>E>E>S>E>E>E>S>E>E>E>E>S>S>S>2>E>E>J>S>S>E>E>2>S>E> 


Das neue ZItufeum in Boffon. 

bon griebrid) ^er 3 pnsfi. — 5 )ier 3 u 11 Aufnahmen. 



Die pflege ber Äunft liegt in ben bereinigten 
Staaten oon Slmerifa, feijr im ©egenfaß 3 u beut|d)en 
berhältniffen, faft ausnahmslos in prioaten #änben. 
btancfje ber fich hieraus naturgemäß ergebenben 9tad) s 
teile hat ber gemaltige Ehrgei 3 einiger ©roßfapitaliften, 
bie fich als ungefrönte 
Könige fühlen unb nur 
3 U gern mit ihren er* 
lauchteren bettern jenfeit 
bes großen 03 eans mett* 
eifern, 3 U oerringern 
gemußt. Sie haben in 
ben Untren norbameri* 
fanifeßer 3 ioilifation btu* 
feen errietet, bie nach 
grünblicher Siebung ber 
Objefte mol)l geeignet 
finb, eine gerabe für bas 
Emigrantenlanb eminent 
mistige Äulturaufgabe 
ber ßöfung näher 3 U 
bringen: bie ©efdjmads* 
oereblung fünftiger ®e= 
nerationen. 

bofton gilt feit lan* 
gern als bie geiftig fiil)= 
renbe Stabt bes ^Riefen* 
reiches, kennen auch bie 
SReugorfer, bereu ffrupel* 
lofe gagb nad) 9Ram= 
mon jebem bertreter Das neue Ittufeum in Bofton: 


höheren btenfdjentums ein mitleibiges ßächeln abnötigen 
muß, bas boftoner bkfen w queer" unb „quaint", im 
ftiüen 3 iehen fie bod) oor ihm ben i)ut. bus triftigen 
©rünben. 5)at hoch bofton erft füglich mieber burch 
bie Errichtung unb Eröffnung eines neuen unb, mas 

mistiger ift, eines neu* 
artigen btufeums bemie* 
fen, baß fulturförbernbe 
3 been am fdjneüften in 
einer btmofphäre reifen, 
in ber nid)t äußerer Er* 
folg, fonbern feinere 
bilbung als ßebensjiel 
gilt. — Eharafteriftifch 
an biefem aus ^ßrioat* 
mittein aufgeführten bau 
ift feine ard)itettonijd)e 
Einfachheit. 2Ber bie 
152 bteter lange unb 
nur etma 15 9Reter hohe 
gaffabe mit ihren ma* 
geren ionifdjen Schmucf* 
formen betrachtet, fühlt 
fofort, baß hier auf mo* 
numentale Söirfungen 
oon oornherein belicht 
geleiftet unb lebiglid) 
ein lichtauffaugenbes ©e* 
häufe für alle möglichen 
foftbaren Objefte an* 
Borberanficht bes (Bebäubes. geftrebt ift. 


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9himmer 16. 


Seite 669. 



Der öfflidje $of: ©ipsabgüjje uad) ttntifen. 



3cpanijd>ec ©arten im (fcrbge|<bo| 5 , darüber ©alerte in japanifdjem Stil mit Qoljffulpturea und fcafemono. 


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Original ffom 

UNIVERS1IY OF IOWA 

































Stummer 16. 


Seite 670. 


(Ein (Bang burd) bas innere 
beftätigt, mit melcbem anerfen* 
nensmerten (Eifer in bem 
neuen ÜRufeum ben Schmierig* 
feiten bes $eleud)tungspro= 
blems begegnet mürbe. Dod) 
nid)t nur biefem. Die SJtannig* 
faltigfeit ber (Begenftänbe, 

SBerfe aller 23ölfer unb feiten, 
unb bie übliche mufeumbafte 
Ueberfüüung bid)t aufeinanber* 
folgenber Stäume führt fo leicht 
3 ur (Ermübung eines felbft 
roilligen ^ßublifums. IBobe, 
ber Schöpfer bes Slai[er*3rieb= 
rich^ufeums, bat 3 uerft in 
einem muftergültigen SSeifpiel 
ge 3 eigt, roie bem Stunftüber* 
brufj bes ©aleriebefuchers ge* 
fteuert roerben fann baburd), 

Äorribor im SH( 

eines japanifctjen Xempe Iforrf bors 
mit oftafiatifc^er Jtcramif. 

gemürbigt mirb, haben bie 
Organifatoren bes 5$oftoner 
SJtufeums allerlei gelernt. 3 u s 
näcbft finb bie ein 3 elnen 21 b* 
teilungen, mie bie ber antifen 
Slunft, bie ber Stenaiffance, 
ber üorberafiatifd;en unb oft* 
afiatifchen Slunft* unb bie ©e* 
mälbegalerien, ooneinanber 
burd) befonbere 3 u 9 änge, oft 
burd) lange Sorribore ab* 
gefd)loffen, gemiffermaften 3 n* 
fein für fid) bilbenb. Der Skr* 
3 icf)t auf ^ßrunffäle unb ber 
baburd) erlangte (Beroinn an 
Heineren Räumen geftattete 
eine böd)ft inftruftioe ©liebe* 
rung nad) (Epod)en. greunbe 
baß SBerfe oerfcbiebener Slunftbetätigungen einer ©pod)e bes flaffifdjen Altertums fönnen bie (Entmicflung ber 
Sufammengefafot unb fo ber Stunftgeift biefer $eit bem gried)ifd)*f(einafiatifd)en Sfulptur oon na-ioer Derbheit 

Betrachter bödjft lebenbig oor 21ugen geführt mirb. 3 U reiffter (Elegan 3 in aller ©emädjlict)feit oon ben 

23on ber Xat Bobes, bie in Slmerifa nad) Skrbienft getrennte Stäume füllenben ^ßlaftifen ber arcbaifcben 



norrioor mit antifen (üläjern. 




Stapelraum ber Zinfifen-TibteUung im (Srbgefcbofj. 


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Original fro-m 

UMIVERSITY OF IOWA 






















Kummer 16. 


Seite 67 1. 


3eit, bes 5.3ahi'hun* 
berts, ber Blütepe* 
riobe, ber barum brei 
Säle 3 ugetoiefen finb, 
be 5 4. 3at)rl)unberte, 
ber Spätjeit unb ber 
griedjifd) * römifchen 
(Epoche ablefen. Die 
für bie (Enttoicflung 
ber mobernen Stunft 
fo u)id)tigen (Bemälbe 
fran^öfifdjer Bteifter 
besl9.3al)rhunberts, 
bie bermaleinft man* 
d)en ftunfthiftorifer 3 U 
einer Stubienreife 
nad) 2 (merifa nötigen 
toerben, fo brillant 
finb biefe Schöpfun* 
gen in amerifanifdjen 
Galerien oertreten, 
unb bie (Bemälbe ame* 
rifanifcfjer Reiftet, 
ber (Eopleg, Stuart, 
3Beft, irumbull, 
5B^iftler, (Eljafe, ßa 
Jarge, haben in einer 
9Reü)e oon oortrefflirf) 
belichteten Sälen tfjro* 
nologifche Orbnung 
unb bie längft oer* 
biente hiftorifche 2 öür* 
bigung erhalten. Sie 
3 eigt ficb oor allem 



3ubbf|lfHfcf|er Kaum In altem Japan. Xempelftil, enfro. oon (Eurtis u. (Eram. 

On her fjauptnifdjc oergolbete Iptur oon Sl)afa«®ubbl)a, Äonin*^eriobe (0 3abrt))- 


auch in ber Gruppie¬ 
rung. Ueberfülle ift 
forgfältig oermieben, 
ja in manchen 5Räu* 
men (toie bem früh 5 
amerifanifcben mit 
2IUftons großem Urtel* 
gemälbe) hat man 
faft bie (Empfinbung, 
als fei bie Slrchiteftur 
nur für eine oer* 
fchminbenb fleine 2 (n= 
3 ahl unb für eine be* 
ftimmte 2 lrt oon Äunfb 
roerten gefchaffen. 

Die funftgeroerb* 
liehe Abteilung bietet 
in ihrer Slnorbnung 
ben burch bas ^aifer* 
griebrich * üttufeum 
oerroöhnten Reichs* 
hauptftäbtern nichts 
mefentlich 9teues. 
Btan ift Bobes Bei* 
fpiel, fo gut es mit 
ben oorhanbenen Ob* 
jeften ging, gefolgt 
unb hat oerjucht, ein 
anfchauliches Bilb bes 
(Empfinbens ber ein* 
3 elnen Blüteperioben 
bes näheren Oftens 
unb bes 2 Beftens 3 U 
oermitteln. 



Das neue Ktufeum in Boffon: Kaum bes näheren Orients. 


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UNIV 


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ERSITY OF IO 













Seite 672. 


Kummer 16. 





. * 




■< ;.?,zareg 


Kaum ber Klomotjama- 

3n ber i)auptnif(^e f)ängebilber unb Bronzen, 

Die (Einfachheit ber 3nnem 
ard)iteftur mandjer Abteilungen 
(fo ber gried)ifd)en unb ber oor* 
trefflid) aufgeftellten ägpptifchen 
Sammlungen) erfetjeint in einer 
^Keprobuftion faft l)art. Aßänbe 
unb Decfen finb fchmucflos, fo 
fehr, baft bie Architeften 9tot 
haben, unfere Augen, nad) fo 
oieler ^urürf^altung hoppelt auf= 
nahmebegierig, nid)t burd) bie 
unoermeiblidjen i)ei 3 förperöffnun* 
gen 3 U oerle^en. 3 nbes: bas 
Objeft felbft l)at gerabe in biefem 




unb lofugaroajeit (1586-1700). 

in ben Heineren Oiifdjen Seöfdjirme. 

anfpruchslofen Nahmen bie toun* 
beroollfte 9Jtöglid)feit, fid) „aus* 
3 uleben", in gan 3 er fdjlagenber 
Straft 3 U roirfen. 

Die Schöpfungen bes fernen 
Oftens, bie in feinem ftunftinftitut 
Amerifas unb (Europas fo glän* 
3 enb oertreten finb roie in 93ofton, 
geminnen ben Slampf mit ber fie 
utngebenben Ard)iteftur nicht fo 
fpielenb leicht mie perfifdje ®era* 
mif, flanbrifd^e ©obelins unb grie* 
d )ifdje Xerrafotten. 3um erften* 
mal ift in biefem Sttufeum ber 


(öaletie ber frühen amecifcmiftbeti Kleiffer. Oberes 2Hlb; Steppe 3uc (öalecte mit japamjdjem (ftelänber. 


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Original ftom 

UNIVERS1IY OF IOWA 




























Kummer 16 . 


Seite 673 . 


hochintereffante Serfucb gemalt, bie Srobufte oft* 
afiatifdjer SQBerfftätten in heimatlichem Sabinen 3U 3eigen. 
©er ^orjeüanforribor ift bie Ouoertüre baau: bie 2Banb 
ift japanifcfaglatt oerpußt, bie genfteröffnungen toerben 
durch Sboji, Sdjiebefenfter, bie über einem feinen #0(3* 
gitter mit japanifcßem Rapier beflebt find, gebildet. 
Die folgenden Säume (gefüllt, beffer: fparfam gesiert 
mit tibetanifchen, früh s chinefifchen unb früb s japanifchen 
Soflbilbern, Sfulpturen unb Sro^en) finb auf bie 
gleiche afsetifdje ©runbnote geftimmt: glatte oerpußte 
Decfen, bie ÜBänbe burd) bas unbemalte fd)öngemaferte 
i)ol3ioerf ber ringsherum laufenden St|cben (Tokonoma) 
gegliebert, bie (3iemlid) hoch angebrachten) genfter» 
Öffnungen mit ben Sboji betteibet, bie fich bei trübem 
fetter 3urüdfd)ieben unb bann bas ungedämpfte Sicht 
hereinfaüen laffen. 

Ob ber »»Clou" biefer Abteilung, nämlich bie 
freie Seprobuftion eines japanifchen Xempelinterieurs 
aus bem 7 . gahrhunbert mit feiner aus 3toei gelbem 
beftehenben Saffettenbetfe, ben eine leichte Scbtoeßung 
oerratenben unbemalten #ol3fäulen, bem ftilgerecht* 
fteinernen gußboben (ber in 3apan erft fpäter mit 
bieten Saftmatten belegt tourbe), ben Stufeumsbefucber 


nicht all3u fef>r faf3iniert unb ihn ein toenig oon ben 
Sfulpturen felbft ablenft, foll hier nicht erörtert toerben; 
ficher ift, baß biefes 2 Bagnis, japanifche ^Jlaftifen in 
ihrer eigenen Sphäre 3U 3eigen, SBürbigung unb 3 nter* 
effe oerbient, 3umal in Deut[d)lanb, bas fich anfebieft, 
mehrere ÜDtufeen für afiatifche ftunft 3U errichten. 

Einheitlich ift bann auch &ie Srcbiteftur ber übrigen 
japanifchen Säume, in benen toir oon ben genialen 
Xu[d)ffi33en bes 15 . unb 16 . 3 ohrbunberts, bie in fehr 
geringer 3 abi/- forgfam ausgetoählt, in ben Sifcben 
hängen, 3U ben farbenfatten, getoaltig beforatioen, 
golbgrunbierten Söanbfchirmen ber Stomotjama* unb 
frühen Xofugatoapertoben (ettoa 1586 — 1700 ) toanbern; 
Säume, bie insgefamt um ben japanifchen #of grup* 
piert finb. 

Stiloofl finb in biefem Stufeum felbft Edelheiten 
toie bas Ireppengelänber aus amerifanifebem 3e&ern» 
hol3 (beffen Staferung einigermaßen japanifchem ähnelt) 
mit ber cbarafterifti.cben bron3enen Sefrönung ber 
©elänberpfoften, Details, bie toie bie f)aupträume 9 Jtr. 
Eurtis ein Seamter bes Stufeums fixierte unb S. 
21 . Eram, ein in Streifen ber 3 apanfreunbe befannter 
Srcbiteft, nach japanifchen Sbmeffungen ausführen ließ. 


Tltuffer IRotiopol. 

©de oon Sngeborg Snbrefen* 


„#ier ift ein Xefler fchöne, toarme glieberfuppe — 
nun laffen Sie fich's gut febmeefen!" Sei biefen 2 Bor* 
ten, benen ein freundliches ©eficht erft ben rechten 
Sachbruct gab,' toifchtc grau Soffen noch einmal mit 
einem luch über ben fdjneetoeiß gefdjeuerten Äüchen« 
tifch, an bem mit hungrigen Sugen eine alte grau faß. 
Das flehte oerfchrumpfelte ©eficht oerfchtoanb faft unter 
bem großen fcf)toar3en $)ut, ber oor langen 3ahren 
oießeicht ein ©lan^ftücf getoefen fein mochte, oon bem 
aber jeßt bie oielen Straußfebern gefnieft unb oer* 
regnet über bie fchäbige Samtfante berunterbaumelten. 
Ein ehemals ebenfo gtan30olier Slüfdjfragen mit los« 
geriffenem fjalsqueber unb neugierig fich oorbrängen* 
bem gutter umhüßte ben mageren Oberförper. Ein 
3erfd)liffener unb beflefter brauner Seibenrocf oerooll* 
ftänbigte ben Sn3ug bes Saftes; bie 3erfranfte Schleppe, 
bie forglos burch ben Staub ber Straße gefchleift toar, 
machte fich aufbringlich breit auf grau Soffens blanfem 
&üd)enfußboben. 

3 eßt griff bie Site heftig nach bem Zetter unb 30g 
ihn 3U fich heran. SIs fie aber ben blanfgefdjeuerten 
3 innlöffel aus ber Suppe berausnabm, hieß fte erfchrocfen 
inne. „grau Soffen, meine aüerbefte grau Soffen!" 
rief fie bann nach fu^em Ueberlegen ihrer ©aftgeberin 
in fläglichem Ion 3U. SIs bie fich erftaunt umbrehte, 
ftreefte fie ihr toortlos, aber mit einem oernichtenben 
Slicf ber beßen, mertroürbig frifchen Sugen, bie eben 
unter bem Hutrand beroorgueften, ben ßöffel entgegen. 
3 n grau Soffens ©eficht fchoß eine jähe ärgerliche 
Söte: „Stutter Stonopol, Sie foßten fich freuen, baß 
3 hnen eine fo fchöne nahrhafte Suppe geboten toirb! 
Steine filbernen ßöffel finb brinnen in ber Sorber* 
ftube — ich hob toahrhaftig feine 3 eit, 3 brettoegen 
hin3ulaufen unb mein febönes Effen hier anbrennen 
3u laffen! — 3 a, ja, ich a>eiß fchon: Sie finb es 


getoohnt, mit Silber3eug 3U effen! 3 a, ja . . . Sie 
finb auch getoohnt, oierfpännig 3U fahren unb 3 hre 
Sfleiber meterlang bmterberfdjleppen 3U laffen, nicht, 
Stutter ÜSonopol? Sa, bas leßte beforgen Sie ja noch, 
toie man fieht — aber mit bem 3 mnlöffel nehmen Sie 
man heute oorlieb — er ift blanf unb fauber! Siefleicht 
läßt fich öas oon 3 brem filbernen 3U ftaufe nicht fagen!" — 

„Das ift toohl möglich, gute grau Soffen'', meinte 
bie Site gleichgültig unb jeßte bann toürbeoofl hdu: 
„aber troßbem: Silber ift Silber, unb 3 inn bleibt 3 inn!" 

SIs fich jeßt in ihrem Süden bie lür oon ber 
Stube her öffnete, brehte fie fich um: „Sch, fluten 
lag, Slaus! i)aft bu fchon gerien, mein 3 unge? Das 
ift ja eine greube, baß ich bich noch traf!" 

Der junge ftattliche Stenfcb erioiberte bie Segrüßung 
mit gleicher 5)er3lichteit, unb als bie SUe ihn jeßt am 
Sodärmel näher beranjog, folgte er lächelnd mit einem 
Slicf bes Einoerftänbniffes. „Sflaus," flüfterte fie ge* 
heimnisooß, „bu fönnteft mir gleich einen ©efaüen tun t 
©eh mal nach &er Sorberftube unb hol mir einen 
filbernen ßöffel! Deine gute Stutter hot mir hier 
Suppe gegeben, aber ben ßöffel oergeffen!" 

Sflaus Soffen lachte fröhlich ouf unb fab feine 
Stutter an: „Du erlaubft hoch, Stutter? Es fcheint 
mirflicb nicht anders 3U gehen!" Unb als fte bolb 
ärgerlich, holb fchon toieber oerföhnt 3uftimmenb niefte, 
fam er gleich toieber 3urüd mit einem fchmeren filber* 
nen Eßlöffel in ber i)anb. „Da, Stutter Stonopol! 
Stein Sotengejchenf ift doch hoffentlich gut genug?" 
Danfbar fab die Site 3U bem jungen Slann auf 
unb fenfte jeßt ooßer Sebagen ben ßöffel in bie 
Suppe, oergaß bann aber doch noch mieber bas Effen, 
als Sflaus Soffen fich über ben Xifcb beugte unb holb« 
laut fagte: „Stutter Stonopol ... ich muß Jefet fort* 
gehen . . . holt ben Daumen für mich, baß es mir gut 


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UNIVERSUM OF IOWA 



Seite 674. 


Kummer 16. 


geht!" Cinen Vugenblicf fah fie ign fragenb in bas ernft* 
gemorbene ©efiegt, bann niefte fie igm feierlich 3 U, 
mägrenb ein Schimmer tiefer 3ärtlicgfeit \ n ^ ren 3ügen 
aufleuchtete. „ 3 unge," fagte fie ebenfo leife — „oer* 
lag bich auf mich! Sas ich bir 3 U ©efaüen tun tann ... 
Su meigt ja . . ." 

3a, er mugte es. Sie gatte es ihm fo oft er^äfjlt, 
bag er ihrem einigen Kinb fo ähnlich fähe; ihrem 
Kinb, bas fie oerloren gatte, als es im Vegriff gemefen 
mar, für fich unb bie Sutter brüben überm Saffer 
mit ben fchmalen Steften eines einft grogen Vermögens 
eine neue Heimat 3 U grünben. ©in Scgiffsunglücf auf 
hoher See hotte ihr bies ßefcte genommen — ihr hoff 3 
nungsooller 3 unge fchlief mit fo oielen anberen in ber 
liefe bes erbarmungslofen Oseans. 

Vis fie einige Sonate fpäter aus ber erften Ve* 
täubung ermachte, mar fie bettelarm mit fchneemeigem 
i)aar in biefe fleine Stabt ge 3 ogen. 3rgenb etmas 
triebhaftes in ihr hatte fich noch mit unberougter Kraft 
an bas erbärmliche ßeben geflammert, hatte fie auch 
nach &em 3wfall greifen laffen, ber ihr eines Xages 
bie Vertretung ber Kaiferlicgen Xabafmanufaftur 
brachte. So mar fie im fteten Kreislauf ber 3agre 
3 U einer allgemein ftabtbefannten ^eriönliegfeit — 3 ur 
„Sutter Sonopol" — gemorben. Sogl faum einer 
oon all ben Schülern unb jungen ßeuten, benen fie 
ßieferantin unb Vertraute aller möglichen ©egeimnijfe 
mar, fannte ihren toirflicgen tarnen. Vis „Vtutter So» 
nopol" mar ihr allgemach alle oergangene üttot, alles über» 
ftanbene ffintfegen in eine fchemenhafte Xiefe ihrer Seele 
ginabgefunfen — fie hütete fich niit unbemugtem ©gois* 
mus ängftlicg, baran 3 U rühren. Sagegen rief fie bei 
jeber ©elegengeit alle ©rinnerungen, bie oon Ueberflug, 
©lans unb !ßrunf ihrer früheren 3 ah*e fprachen, surücf. 
Sie hüllte ihr jegiges armfeliges Safein barein mie in 
einen fchimmernben Königsmantel. Sie trug ihn oor 
allem Volf unb oor ©läubigen unb Ungläubigen unb 
fuchte mit unabfichtlicher Schlauheit feine ©chtheit burch 
allerlei fleine 3üge ftets aufs neue 3 U bemeifen. Sas 
aber mürbe manchmal nötig hier, wo man nur oon 
ihrer jegigen Vrmfeligfeit mugte. 

Sutter Sonopol beroohnte in ber Strage „hinter 
ben Scheunen" in einem oerbrieglichen, baufälligen 
Räuschen eine fleine Stube mit baranftogenbem bunflem 
glur. ©s fah bös aus in ihrer Vegaufung; Peinlich* 
feit unb Orbnung maren ihr geheimnisoolle Vegriffe, 
bie ihr unlöslich an bie ©jiftens bienftbarer ©eifter 
gebunben erfegienen. Seit fie bie nicht mehr 3 ur Ver* 
fügung hatte, fannte fie auch biefe beiben Vttribute 
eines geregelten fiebens nicht mehr. Uebrigens oer* 
migte fie bas burchaus nicht; fopffcgüttelnb unb mit 
einer Ueberlegenheit, bie bem Stol 3 auf ihre Vebürfnis* 
lofigfeit in biefem Vunft entfprang, fah fie ben Vn= 
ftrengungen ihres Nachbars, bes alten Vnbreas, 3 U, 
ber bann unb mann ein groges Scgeuerfeft in feiner 
Segnung oeranftaltete. Schien ihr ber gfugboben ein* 
mal gar 3 U uneben, mie grabe heute, fo lieh fie fich 
bei Vnbreas einen riefigen #eibbefen unb ftellte mit 
ein paar forglofen Strichen bie ungeginberte Verfegrs* 
möglicgfeit roieber ger. 

Vis fie nach öiefer Vnftrengung einen Vlicf buregs 
Senfter roarf, beglücfroünfcgte fie fich tat füllen 3 U ber 
eben ooübraegten Xat: nun fonnte fie getroft Vefucg 
empfangen! ©ilfertig lief fie 3 ur Vugentür unb öffnete 
fie, beoor noch Klaus Voffen flopfen fonnte. Sas 
energifege ©efiegt bes jungen Sannes mar tiefblag, 


unb burch feine Stimme 3 itterte eine mügfam oergaltene 
©rregung. Sie Vite fag bas mit fegarfem Vlicf; fie 
niefte igm ge^licg 3 U unb rig bie Stubentür auf. 
Klaus Voffen blieb in ber Sitte bes fleinen Vau* 
mes gegen unb fag bann bie alte grau bittenb an: 
„Sutter Sonopol — bu fagteft noch heute morgen, 
icg fönnte mich auf bieg oerlaffen . . .? Senn icg bieg 
jegt um einen grogen ©efaüen bitte ..." — „So 
fannft bu fieger fein, bag icg für bieg tue, roas in 
meinen fegmaegen Kräften ftegt, mein Kinb!" unterbrach 
fie ign marm unb ogne Vefinnen. Sa flog ein furjes 
fieuegten über feine 3üge: „Sanfe ... icg hoffte es 
ja auch. 3cg mollte bieg bitten, biefen Vrief für mieg 
3 U beforgen ... ja? Su roeigt braugen an ber ©gauffee 
bie neue Villa — ©nbe Vpril finb ba ßeute einge 3 ogen. 
3 cg . . . icg mar heute mittag bort ... ich fenne bie 
Xocgter. Sutter Sonopol, icg gab heute mittag igren 
Vater um feine ©inmilligung 3 U unferer Verlobung 
gebeten ... ja, bu, obgleich icg noch ein ©gamen 3 U 
maegen gäbe unb bamit ja auch noch fürs erfte nichts 
3 u brechen unb 3 U beigen — aber ©erba gatte mir ge* 
fegrieben, bag igr Vater fie burchaus an einen Vetter 
oergeiraten rnill . . . fo ging icg benn gin unb fagte 
igm, mie mir 3 ueinanber ftegen. So fcglimm gatte icg 
mir ben Vusgang nun boeg nicht gebacht — er gat 
mir gleich nach ben erften Sorten bie Xür gemiefen. 
Unb oon ©erba gäbe ich nichts gefegen unb gegärt. . . 
Sutter Monopol, mein Säbcgen mug jegt biefen Vrief 
gaben oon mir, bamit fie meig, bagTle ben Sut niegt 
finfen taffen folt! 34 felbft tue es auch noch lange 
niegtl Siüft bu ign in igre f)änbe beforgen?" 

„Vatürlicg, mein 3unge— icg nehme meine 3igaretten 
mit, ba mill icg fegon ben Vrief mit burcgfcgmuggeln! 
Verlag bieg gan 3 auf mieg! Sie geigt benn nun eigent* 
lieg biefer ^ßraegtoater?" 

„Sarfus 3 ögnf, Sutter Sonopol — er ift erft 
00m ßanbe giergerge3ogen. 3 cg gäbe ©erba oor 3toei 
3 agren auf einem Stubentenfeft in Kiel tennen gelernt." 

Sie alte grau frampfte beibe #änbe um bie Xifcg* 
platte unb ftarrte mit meitoffenen Vugen ihrem ©aft 
ins ©efiegt. ©nbtieg rang fie fich heifer bie Sorte 
ab: „Sie . . . fagteft bu . . . Sarfus 3ögnf? Socg 
niegt . . . Sarfus jjögnf 00 m . . . 00 m 3ort>hof?" 
Klaus Voffen fag fie erftaunt an unb antmortete leife: 
„3a • • • ber ift es. 3or&gof gat jegt ein Veffe oon 
igm — ben ©erba heiraten foll. Kennft bu ign benn, 
Sutter Sonopol?" Sa ftrieg fie fieg bas mirre, greife 
#aar mit 3 itternber Sya nb surücf unb fagte bann gart 
unb laut: „Vein, nein . . . gans fieger niegt. . . nein! 
©ib mir beinen Vrief ger, mein 3unge — icg beforge 
ign bir. Sei gan 3 ruhig besgatb. Sillft bu märten, 
bis icg 3 urücffomme?" 

Klaus fag igr nach, wie fie munberlicg gebüeft unb 
Sögernb gegen ben maegfenben grüglingfturm, ber 
bureg bie ©affe braufte, anfämpfte. Sag fie Sarfus 
3 ögnf oon früher ger fannte, gatte er mögt gemerft; 
aber fie brauchte, menn fie bas fegeute, ein Sieber* 
erfennen oon {einer Seite boeg fieger niegt 3 U füregten — 
als „Sutter Sonopol" lebte fie auf feinen Sali in 
feiner ©rinnerung! 

Sartenb ging er in ber menfcgenleeren Strage auf unb 
ab, bis ber Sturm fo oiel bunfle Solfen aus allen Rimmels* 
eefen sufammengetrieben gatte, bag es 3 U einem tücg* 
tigen Vegengug langte. Sa rettete er fieg in ben 
fegügenben Hausflur unb fuegte menigftens bureg bie 
offene Xür bie 3urücffommenbe 3 U erfpägen. ©nblicg 


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Original fro-m 

UMIVERSITY OF IOWA 



Summer 16. 


Seite 675. 


— ihm fcgien, als habe es Stunben gebauert — bog 
fie wieber um bie Stragenede. 3egt ging fie eilig, 
faft laufenb — wohl wegen bes immer ftärfer wer* 
benben Segens, ©r tat ihr fchon ein paar Schritte auf 
bie Strage hinaus entgegen. „Stutter Stonopot, bu 
©ute — fomm rafch hinein! Sun bift bu meinetwegen 
fo nag geworben . . Sie atmete tief auf unb hielt 
ihn bann noch auf ber Schwelle feft: „Das SBetter 
barf uns nicht fümmern, mein Kinb — wir müffen 
wohl beibe wieber hinaus, f)ör, mein 3unge . . . bu 
mugt es gan 3 ruhig nehmen: ich habe nur bie beiben 
Dienftmäbchen au S)au fe angetroffen, unb bie hoben mir 
erjähit, bag Sater unb lodjter ftd) balb nach beinern 
tBefuch erjürnt hoben — fie haben fie ftunbenlang 
erregt ftreiten hören. ©nblid) ift Starfus . . . Starfus 
3öhnt ift fortgegangen in bie Stabt. Das Kinb aber... 
ruhig, ruhig, mein 3onge . . . ©erba ift oor einer 
halben Stunbe mit gan 3 oerweintem ©efid>t auch fort« 
gelaufen — ohne 3ocfe unb S)ut, wie bie Stäbchen 
fagen. Die bummen Dinger finb fid) aber nicht einig, 
welchen 2öeg fie eingefchlagen hot — bie eine be* 
hauptet fteif unb feft, fie fei auf bie Süber*©hauffee 
abgebogen — bie anbere fchmört, fie hotte fie noch 
ein ganaes Stücf weiter grabeaus gehen fehen. So 
müffen wir uns beibe bas Suchen teilen, mein 3unge 

— bu gerabeaus unb ich Öen anbem 2Beg. Nachher 
treffen wir uns wohl wieber . . . Komm, mein alter 
3unge . . . fo ift's recht. . . fomm nur!" 

©ana mechanifcb bewegte Klaus Soffen fich oor« 
wörts; bie rafenbe Angft, bie ihm bie Kehle aufdpiürte, 
lieg ihn ohne Ueberlegen ben ^Reifungen ber alten 
grau folgen. Stühfam hielt fie neben ihm Schritt; 
als fie in furaer grift an ber Stelle waren, wo bie 
©hauffee fich gabelte, fagte fie nach feiner #anb: 
„Kopf hoch, mein 3unge!" niefte ihm noch einmal au 
unb bog bann linfs ab. 

Sun mugte fie ihre ganae Kraft aufbieten, um bem 
Sturm unb ben heftigen Segenfchauern au trogen. 
Dann unb wann oerwunberte fie fich einmal laut: 
„Da tauf ich nun weig ©ott hinter beinern Kinb her, 
Starfus . .." 3m übrigen aber wehrte fie fich noch 
frampfhaft gegen alles, was biefer Same für fie au 
bebeuten brohte. SBenn es nötig fein würbe, wollte 
fie allem begegnen . . . früher nicht. .. feine Sefunbe 
früher. So ftapfte fie tapfer oormärts; an jebem S)ed 
ftanb fie ftill unb lieg ihre fcharfen klugen über bie 
gennen fchweifen — man fonnte hoch nicht wiffen, 
rnoau fotdje unerfahrene 3ugenb fähig war. Der arme 
3unge ... wie ber fich moht ängftigte! 

Sun hotte fie bas erfte Dorf faft erreicht; bie 
©hauffee ging mitten hinburch, ein gelbweg bog f)ier 
ab unb führte in einem Sogen herum. Sie ftanb 
einen Augenbtid überlegenb ftill. Unter ber oorgebaltenen 
i)anb fpähte fie ben 3Beg enlang — unb bann fchritt 
fie plöglich fchnetl auf bem gugfteig an ber ©raben* 
fante weiter. An einer Ausbuchtung bes SBeges lag 
ein riefenhafter ginbling. Sor ihm fauerte ©erba 
3öhnf auf bem feuchten Safen. Das tränennaffe 
©eficht in ben Armen oergraben, ©rfchrocfen fuhr 
fie hoch, ots fich jegt eine #anb auf ihre Schulter 
(egte unb eine Stimme fie aufrief: „Kinb . . . bas ift 
fein Sutjeplag für bich . . . fomm, fteh auf. . . was 
willft bu hier?" Das Stäbchen fah oerftört in bas 
frembe ©eficht: „3ch • • • ach, ich mollte ... ja, ich 
weig nicht... ich weig nicht... ach, ich bin fehr un* 
glücflich . .Unb wieber ftrömten bie Iränen über 


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Gougle 


bas junge, fchmeraburchwiihtte Antlig. Da war es 
gut, bag bie alte grau bas Zauberwort wugte, um 
ber 3*rfchlagenen neue Kraft au rneefen: „Unglücflich 
ift Klaus Soffen, wenn er bich nicht balb finbet. . . 
fomm mit, ©erba . . . bamit mir ihn aus feiner Angft 
erlöfenl" 

Da fam ©erba 3öhnf taumelnb hoch unb ging 
willig an ber Seite ber alten grau aurücf, bie ihre 
aitternbe #anb in ihrer alten weiten hielt. Dann unb 
wann tat bas Stäbchen fdjeu unb hoftig ein paar 
gragen, bie ihre Segleiterin einfilbig beantwortete. 
So gingen fie bei rafch finfenber Dämmerung heim. 
Als fie eben oor ©erbas Saterhaus ftillftanben, fonnte 
bas junge Stäbchen nur noch unbeuttich bie Züge ber 
Alten unterfebeiben. Die fagte ihre beiben #änbe aum 
Abfchieb, aber ©erba Hämmerte fich feft mit ber angft* 
oollen Sitte: „Sein, nein. . . . Sie laffen mich hoch 
nicht allein? 3ch fürchte mich fo . .. ich fürchte mich 
fo" . . . Dabei fchlugen ihre Zähne im gieberfroft auf* 
einanber, unb ihre Augen weiteten fich oor ©rauen, 
©inen Augenbltcf lang antwortete Stutter Stonopol 
nicht — unb in biefen furaen Stinuten überbaute fie 
es einmal wieber Zug um Zug, wie ähnlich hoch 
eigentlich Klaus Soffen ihrem Kinb fei . . . alles 
ftimmte . . . alles . . . nur ber ßeberflecf an ber linfen 
SBange, ber ihrem 3ungen fo broHig geftanben hotte, 
fehlte bei Klaus. . . . 

Unb bann ging fie mit bem aitternben Stäbchen hinein. 
Als Starfus 3öhnf ihnen oerftört unb aornig entgegen* 
ftürate, wies fie ihn fura aurücf: „Sachher, nachher •• • 
jegt nicht. . . erft mug ©erba ins Sett! . . . Schnell, 
fchnetl!" Sie befahl ben gaffenben Dienftboten fura 
unb fcharf bas Sötigfte; gab auch, ots bas fiebernbe 
Stäbchen eingehütlt in ben Kiffen lag, in ©egenwart 
bes Saters ben Auftrag, in ihrer SBohnung Klaus 
Soffen au fuchen unb ihm Sefcheib au fagen. 

©nblich ftanb fie allein Starfus 3öhnf gegenüber, 
ber aulegt fchmeigfam unb ohne SMberfprud), wenn 
auch mit oerbiffener 2But ihr ^Balten gebulbet hotte. 
SBieber überfam fie bie ßuft, fich jegt noch feige weg* 
auftehten, aber bann wies fie es non fich: bas hiege 
bas Unabmenbbare nur auffchieben — unb überbies 
ihren 3ungen treulos im Stich taffen. 

„Starfus," fagte fie, inbem fie näher in ben ßicht* 
freis ber ßampe trat, mit einem leichten f)ohn in ber 
Stimme, „bu hoft bich wohl burchaus auf eine Settern* 
unb Safenheirat oerfteift? SBeil es bir nicht geglüeft 
ift, foll wenigftens beine lochter es oerfuchen?" 

Da flog ber Stuhl, beffen ßehne Starfus 3öbof 
umflammert hotte, fradjenb au Soben. „ffiiebfe . . . 
SBiebfe . . . bu? . . ." fchrie er gellenb auf unb ftürate 
oormärts auf fie au. Sie winfte befchwicbtigenb mit 
ber #anb: „3o, ich . . . ich, SBiebfe ßaffen. Den 
Samen höbe ich tonge nicht gehört, Starfus. Stan 
ruft mich Vier anbers. Doch bas tut nichts. SBunbert 
es bich nicht auch, bag ich heute au bir fomme? Sonft 
famft bu immer au mir. . . . Damals, als ich Solf 
ßaffen heiraten wollte . . . bu warnteft mich oor feinem 
ßeichtfinn, Starfus . . . bu wugteft einen anbern, ber 
mein fchönes ©ut beffer in ©hren holten würbe . . . 
bann, als wir Slumenhof oerfaufen mugten ... als 
Siesgaarb, als ^olmarf unter ben Jammer fam . . . 
als Solf ein ©nbe machte ... als . . ." „3a," unter* 
brach er fie bumpf, „immer fam ich mieber, SBiebfe... 
unb immer wollte ich helfen ... bir . . . ach ®ott, es 
ift nicht meine Schulb gemefen, bag es fo weit mit 

Original from 

UNIVERSSTHf OF IOWA 



Seite 676. 


Kummer 16. 


bir gefommen ift!" Sie hörte es feiner Stimme an, 
bag ihm ein Sd)lud) 3 en in ber Slehle hochftieg — ba 
[cfjüttelte fie leife ben Slopf unb fagte bann etmas 
milber: „3a, ja, Marfus . . . bu tjaft immer tjelfen 
mollen ... bu mollteft mid) immer glüdlid) machen ... 
auf beine 2 frt unb 5Beife, nicht? ©s ift fietjer 
nicht beine Sdjulb, bag id) eigenfinnig an meiner feft= 
t>ielt." Da hob er triumphierenb ben grauen Slopf ein 
menig unb rief tjaftig: „Siehft hu es enblid) ein, 
5Biebfe? Mugteft bu erft fo alt merben, mugteft bu 

erft fo beninterfommen, um e infet)en 31 t fönnen, bag 

id) immer recht hatte? 0 (Bott — mas gaft bu mohl 
entbehren müffen . . . menn id) bas bebenfe!" . . . 

lieber bas oerfegrumpfte (Befielt 2öiebfe ßaffens 30 g 
ein überlegenes, fieghaftes ßädjeln: „©uter Marfus ... 
ben ©lauben fann id) bir nicht laffen . . . id) hob 
immer gehabt, mas ich nötig hotte . . . heute mie 
früher . . . immer." ©r fah ihr oerftänbnislos in bie 
2 lugen, bie über ihn hinmeg in meite gerne fchmeiften, 
unb fagte bann nad) ihrer Rechten: „Siebte... ift es 
benn nicht jegt am ©nbe mit beinern ©igenfinn? Darf 
id) bir benn nun nicht beinen ßebensabenb glüdlicf) 
machen? 3 d) benfe bod), bu mügteft roohl mübe 
fein . . . fomm nun unb ruhe aus bei mir! ©s ift 
menig genug, mas bu mir bamit gönnft... aber bod) 
beffer als nichts!" Sie blidte ihn feft unb heiter an: 
„©igenfinn gegen ©igenfinn, alter Partus! ßägt bu 
oon beinern, lag ich oon meinem! 2 öir mollen ein 
Xaufchgefchäft machen: gib beine ©erba an ftlaus 
hoffen — bann 3 ieh id) 3 U bir ins haus, um bir bie 
geit 3 U oertreiben! 3 d) mill mir gutmillig alle beine 
23eglürfungsoerfud)e gefallen laffen — nun, mie benffb 
bu über ben $lan?" 

Marfus 3öhnf fträubte fid) mohl 3 uerft noch uiit 
hänben unb gügen gegen biefe Zumutung — aber 
als gegen Mitternacht 5Biebfe ßaffen noch einmal oor* 


fichtig an bas 5Bett ber ruhig fchlafenben ©erba trat, 
ftrid) fie ihr über bas mirre feuchte haar unb murmelte 
leife: „Schlaf bid) gejunb, Slinb .. . morgen medt bich 
bas ©lüd!" — — — 

Mutter Monopol lag im Sterben. Die gan 3 e Stabt 
mugte es fd)on, unb allgemein ftimmte man bem alten 
Hnbreas 3 U, ber Marfus 3öi)nf bie Scgulb gab. 5Barum 
hatte Matfus 3öhnf fie aud) gleich ins ftranfenhaus 
bringen laffen, als er fie am Morgen nad) jenem 
SBieberfinben in hohem gieber in ihrer Stube ange= 
troffen hotte? Die *ßflegefd)meftern hotten natürlich bie 
Schmerfranfe trog ihres ^roteftes 3 uaüererft ins 53ab 
geftedt — bag biefe ungemotjnte 93et)anblung Mutter 
Monopol ben legten ?Heft ihrer ßebensfraft rauben 
mugte, baoon mar bod) jeber über 3 eugt, ber fie fannte! 

Mit befremblich meigem ©efid)t lag fie jegt in ben 
fauberen Sliffen in ber Sterbefammer bes Traufen* 
haufes unb lieg ihre unruhig 3 udenben ginger auf ber 
93ettbede fpielen. Marfus 3öhnf unb feine Iod)ter, 
auch Sllaus hoffen unb feine Mutter meilten nun fegon 
ftunbenlang in ihrer 97ähe, ohne bag fie jemanb er* 
fannt hotte. ^Möglich fam fie mühfam hoch unb fah 
Marfus 3öhnf ins (Beficht; ihre Stimme hotte einen 
eigenen heUen $lang: „Marfus . . . nun fommft bu 
aud) noch ums legte... ja, ja ... id) fann beine ©ut s 
taten nicht oertragen . . . fiehft bu . . . ich hob immer 
genug gehabt. . . immer genug . . ." 

Sie maren alle leife näher herangefommen; grau 
SBoffen ftügte fie, als fie jegt roieber 3 urüdianf. Da 
hufchte es nod) einmal mie ein erfennenbes ßäd)eln 
um ihren eingefallenen Munö: „Stlaus ... grau 93offen 
mollte es nie recht glauben ... ben filbernen ßöffel... 
gib mir ben filbernen, Slnub . . ." 

Mit biefem ein flein menig eigenfinnigen, ein flein 
menig triumphierenben ßädjeln um bie ßippen fchlief 
fie ein. 


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Dotfstänje. 


33on 3. ßorm. — #ier 3 U 12 photograpf)ifd)e Aufnahmen. 


Die Dan 3 meifter unb bie alten 93alletthabitues — 
gibt es überhaupt nod) 5Balletthabitues? — flagen 
feit langem, bag ber Dan 3 ober oielmehr bie Shmft 
bes Xan 3 es in ben legten gügen liege. Die Xan 3 meifter 
unb bie alten 23alletthabitues mögen 
recht hoben. Unb im übrigen 
mar es ja fd)on lange 
genug, bag man 
fid) an „Sd)metter= 
lingsrödehen" er 
freute, ©s gibt 
feine Doilette* 
mobe,biefichfo 
lange 3 U ergol* 
ten oermochte 
mie bie fur 3 en 
©a 3 eoolants un s 
ferer^öallettbamen, 
beren erftes bie fd)öne 
©amargo einführfc, bie 
— bei oerftorbenen 23aüettän= 

3 erinnen barf man ja bas ©eburts= Jlafionalfan} 


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Gck igle 


jahr nennen — im 3af)r 1710 geboren mürbe. Sie 
entftammte, mie es alle 93olletteu[en, bie auf SInftanb 
halten, feither taten, einem alten fpanifchen 2 lbels= 
gefd)led)t, beffen Sproffen Slarbinäle, Minifter ober, menn 
es nicht anbers ging, ©enerale mur* 
ben. Sie erhielt ihre ©Ziehung 
in einem SUofter, mie es 
fid) für bie Xod)ter 
eines fpanifchen 
©ranben 3 iemte, 
unb fprang bef* 
fen ungeachtet 
eines 2 lbenbs 
für eine am 
Auftreten oer* 
hinberte ^rima 
Ballerina in ber 
^ßarifer Oper ein, 
in (Ermanglung eines 
t< paffenben Äoftüms ein 

■atunguf. fold;es aus ©a 3 eoolants impro= 
in äambobfega. oifierenb. ©in romantifcher Sprung 

Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 


Kummer 16. 


Seite 677 



^tSgut. tfurbin. 

$d)otiifd)er „Qodjtänber“, oon Rläbchen getagt. 

— Dom Sllofter jum ^Ballett — ober im 
fieben ber 33allerinen pflegt befanntlid) 
bas *Romanti[che bas Selbftoerftänb 5 
Iicf;e 3 U fein . . . Seither — Seuorita 
9flaria=2lnna be (Eubis be Cfamargo 
mar natürlich erft 15 3af)re alt. 
als fie ber Stern bes 33alletts mürbe 

— finb ja nun 185 3at)re oer= 
floffen, unb mir höben uns in 
biefer an ©a 3 eoolants „über* 
gefehen". 9Ud)t an fpanifchen Xän* 

3 erinnen unb an nichts, mas „e£ 0 = 
tifcb" ift. 9hir barf bie „perjönliche 
9tote" nicht fehlen, unb bas, mas 
man Ja couleur locale" nennt; 
bas Gharafteriftifche, bas. mas 
nicht — auch nicht bureb Slünftler* 
fchaft — (Gemeingut aller merben fann, 
fonbern nur bem 23olf, ber SRaffe, ber 
es entflammt, gehört. Unb fo folgen mir 


ben £än 3 en ber 23ölfer 
aller Nationen mit 2 lugen, 
bie nicht nur fdjönheit* 
burftig bie Harmonie ber 
ßinien fuchen, fonbern 
auch mit bem Sinn, ber 
in ben Bemegungen ber 
Xän 3 er bie ütatur bes 
OJtenfchenftammes erfen= 
nen mill, ihr gühlen, ihr 
Denfen, ben Reichtum unb 
bie Dichtung ihrer 2 lus- 
bruefsmeife in ben Stum 
ben bes grohfinns. 

5ßohl eine ber eigene 
artigften (Erfcheinungen, 
bie uns mit ben Xän 3 en 
ber 3nber befannt machte, 
mar 9tuth 6 t. Denis. 
3m Nahmen eines 
inbifchenDem= 
pels, oom 
Duft bes 


Rlarof- 

fatiif<her 

Xanj. 


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^Gougle 


Reigen ber brefonifeben Bauern. 


$&oI. ©cniuujc. 

Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 


















Seite 678. 


Kummer 16. 


Näucgermerfs ummeht, ber aus rtefenbogen Bafen 
emporftieg, führte fie il>re Tän3e aus. 5 )inbupriefter 
brachten Opfer bar, ßicgterfronen mürben gefchmungen, 
unb inmitten biefes märchenhaft mirfenben Rahmens 
erroachte fie, bie in ber trabitionellen Haltung ber 
inbifthen ©ottgeiten regungstos auf bem 2Iltar gefeffen 
hatte, 3um ßeben. 3 n ihrem langen, golbftarrenben 
©emanb, mit nacften gügen unb bem golbenen Blumen* 
fchmucf auf bem 
bunflen f)aar 
tän3te fie bie 
greube an ber 
Sonne, an ßuft 
unb ßeben, bis 
fie fcglieglich im 
geuertan3 als 
ein am Boben 
oerglühenber 
gunfen erlofch. 

©smarbermutt* 
berbare 2lus* 
brucf allgemei* 
ner menfchlicher 
©mpfinbungen 
in ber inbifchen 
Seele, bie ben 
Tan3 auch als 
Mittel 3ur ©ot* 
tesoerehrung 
betrachtet. SEohl 
fein ejotifcher 
Tan3 ift fo reich 
an Schönheit 
unb ©ra3ie mie 
jener inbifche, 
mobei nicht un* 
terfchäfct mer* 
beri barf, mie 
fehr bie Softüm* 
frage bie Schön* 
heit bes 2lnblicfs 
beeinflußt. ®e* 
rabe3u grotesf 
mirfen bagegen 
bie Damen ber 
Sahara ( 2 lbb. 

S. 677 ), beren 
SoIotan3 3U 
©hren ber 2ln* 
mefenheit fran* 

3Öfifcher 2Bür* 
benträgerbiefen 
einefehr3meifel* 
hafte Sfugen* 
meibe gerne* 
fen fein mag. 

(Eigenartig mirft 
ber fchottijche 
Tans ( 2 lbb. S. 677 ), unb eigenartig bleibt, rnenn 
aud) oöüig temperamentlos ber Tan3 ber fran* 
3Öfifchen dauern in ber Bretagne (2lbb. S. 677 ) mit 
feiner enblofen Seite oerfcglungener 5 )änbe. 2 ln ben 
ungarifchen ©farbas mahnt bie Stellung, in ber bie 
Schmeben ( 2 lbb. obenft.) 3U ihrem Tan3 3U britt an* 
treten, ber trog aller ßebgaftigfeit nichts oon bem hin* 


reigenben geuer befigt, bas bie Stuffen in* ihre Iän3e 
3u legen miffen ( 2 lbb. S. 679 ). Seltfame Slänge finb 
es, bie fie ihren Balalaifas entlocfen. SBegmütige, 
flagenbeTöne, burch bie bie ganseTroftlofigfeit ber meinen, 
enblofen Steppen ihrer falten £)eimat flingt. Dann 
ein fdjnller, unoermittelter Slfforb, unb bie hoib be* 
töubenbe, halb eleftrifterenbe Begleitung 3um „Santa* 
rinsfi" ertönt; jenem ruffifchen Nationaltans, ber 

an Schmierig* 
feit ber 2lus* 
führung unblei* 
benfchaftlichem 
geuer mohl 
faum oon ei* 
nem anbem er* 
reicht mirb. Bei 
feinem Mnbticf 
taucht bie (Er* 
innerung an bie 
Stabt ber oier* 
3igmal oieraig 
Sirchen auf: an 
SNosfau unb 
fein raufchen* 
bes Nachtleben, 
menn bie 3ahl s 
lofen Troifas 
lange nach 3 Ril* 
ternacht über 
bie fchneebebecf* 
te Petersburger 
©hauffee, über 
bie einft bie 
Nefte ber „®ro* 
gen Slrmee" ge* 
Sogen, nach 
„Barb" unb 
„Strelna" ja* 
gen. 3ouber* 
haft leuchten 
aus bem Dunfel 
bie farbigen elef* 
trifchen ßichter 
aus ber hohen 
©lashatle, bie 
einen Bolmen* 
garten birgt, in 
bem alle Blu* 
menbesSübens 
ihren betäuben* 
benDuftausftrö' 
men. Schmer* 
mütige 3*0eu= 
nerlieber ertö* 
nen, ©harn* 
pagnerpfropfen 
fnaHen, unga* 
rifche ©höre ftn* 
gen, fransöfifege ©affenhauer flattern burch bie fchmüle 
Treibhausluft, unb ber Samarinsfi, ber tolle, mirbelnbe, 
mahnmigig*milbe, feiert feine Triumphe; — getagt oon 
ben Sinbern bes Bolfs, inmitten biefer SBelt ber finn* 
lofen ©enugfuegt, ber gebanfenlofeften Berfchmenbung, 
mährenb braugen in ber meigen, eifigen SBinternacgt, 
burch bie fegon bas leife, feine Slingen ber Singen* 



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Original from 

UMIVERSITY OF IOWA 





Kummer 16. 


Seite 679 



Xati3enbe THalabaren. 


®crl. $0. @c[. 

3nbifd)er Xempeltanj. 



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Google 


Kuffifdjcr Jtationaltanj. 


®ljot. Bcrl. 30 . ©Cf, 


Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 



i 

- 






















Üftummer 16. 


Seite 680. 



Der Scfyufyptatfler. 


gloden tönt, bie 3 ur grübmeffe rufen, 
bie 21ermften unter ben Firmen it)re f)alb s 
erftarrten ©lieber an ben fladernben 
Strafcenfeuern wärmen . . . 

Slein größerer ©egenfafe swifdjen Solf 
unb Xan 3 als jener, ber 3 roijd)en bem 
afiatifdjen ^amarinsfi bes Muffen unb ber 
europäi[d)en Tarantella bes Sorrentiners 
liegt (2Ibb. untenft.). ©s ift ein anmutig 
bewegtes unb belebtes „Tan 3 poem", bas 
fie fid) ba einftubierten, ber Sdjnetber 
unb ber Sigaro bes Ortes mit grau unb 


V — 

N| 






Oberes ®ilb: (Ein lanjoeraniiaen beutfdjer Befruten. Die „Tarantella" in Sorrent. w*t.$adingnfc 


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y Gougle 


Original from 

UNIVERS1IY OF «OWA 












Stummer 16. 


Seite 681. 


Srauf, bas fie t)ier, oielleicht tm 23erein mit felbftgebid)* 
teten ©inaftern, in benen auch gefungen mirb, oon ©aft* 
hof 3 U ©afthof manbernb, oortragen, allmo bie goreftieri 
für berlei heitere ©pifoben ihres italienifdjen Aufenthalts 
oiel 23erftänbnis unb flingenbe Anerfennung bemeifen. 
©an 3 befonbers für bie Tarantella, bie fid) in biefer 
Szenerie aus Olioenhainen, Orangennieberungen unb 
Söeinbergsmauern ebenfo djarafteriftifcf) ausnimmt mie 
ber SSoIfstan 3 (Abb. 6 . 680) auf ber Alm „SiebenHütten" 
bei 33ab Greuth, in ber ©egenb bes Tegemfees. Hier feiern 
fie juft ein geft, bie „Söallberger", ©in fröhliches, über* 
mütiges, bei bem nad) Hersensluft „gejuxt" unb, fo es 
einer oerfteht, auch gejobelt merben fann. Denn baß fie 
es nicht alle tonnen, liegt mof)l baran, baß oiele unter 
ihnen „Stäbtifche" finb. Sommergäfte, bie ben „SBall* 
bergern" beitreten, bie einen herein 3 ur ©rhaltung 
ber SSolfstrachten bilben. Unb fchlau mie bie Stäbtifchen 
fchon finb, merben fie nicht nur SJtitglieber, um an 
ben fröhlichen geften teilnehmen 3 U tönnen, fonbern 
meil fie bann bas Stecht befißen, immer 3 u im dauern* 
foftüm herutn 3 ulaufen, mit frönen Hofenträgern, auf 
benen bas SSereinsmotto: „Treu bem guten alten 
Sraud)" 3 U lefen ift. 

©rmägungen biefer Art finb es nicht bie in 3en s 
tralafrifa maßgebenb 3 U fein fcheinen. Die Sieger 
(Abb. S. 678), bie mit 3 Ügellofen ©ebärben ihren 
Kriegstan 3 aufführen, mögen auf bie „©rhaltung ber 
Aolfstracht" ebenfomenig SBert legen mie bie tan 3 en* 
ben SJtalabaren (Abb. 6 . 679), beren — Anfpruchs* 
lofigfeit ber Toilette im größten ©egenfaß 3 U bem ber 
fiamefifchen Tän 3 erinnen fteht (Abb. S. 676). Der 
reiche Anfaßfopffdjmud, ber als Aergrößerungsmittel 
bient, mirb auch oon ben fiamefifchen Sdjaufpielerinnen 
benußt, ebenfo Achfelflappen unb auf bie ginger ge* 


ftedte fünftlichß Stägel, Daß in Siam unb gan 3 befonbers in 
Sangfof, ber Stabt ber pomphaften, blenbenben Auf- 
3 üge, bie fich inmitten ber munberfamen Terraffen- 
gärten unb ber Alleen oon golbenen Subbhaftatuen 
hoppelt 3 auberhaft ausnehmen — baß bort auch außer* 
orbentlicber SBert auf bas Aeußere bes Täters ge* 
legt mirb, ift begreiflich- ©ine oor mehreren 3 at)ten 
in Berlin gaftierenbe Truppe königlich Siamefifcher 
Tänser unb Schaufpieler ließ uns bie märchenhaft 
fchönen, golb= unb filberftroßenben ©emänber bernun* 
bern. Die fpiß 3 ulaufenben fronen unb Helme nahmen 
ben breitgefchnittenen ©efichtern ben ©inbrud bes 
glatten, unb bie langen, fcßmalen Stoffbehänge, bie 
oon ber Taille herabfielen, bedten bie im ©runbe fehr 
ungra 3 iöfen, breiten Seinftellungen, bie ben ©inbrud 
bes ©rötesten ermeden tonnten. 

Tßie fehr ber ©egenfaß 3 toi|chen bem Aeußeren unb 
ben Skmegungen ben ©inbrud beeinflußt, beftätigt fich 
roohl am ficßtbarften in ben Stiggertän 3 en ber Varietes, 
bie — ohne bamit ben fchmar 3 en 5)errfchaften eine 
bunfle Anbeutung machen 3 U rnollen — etmas mie 
bie Affengelenfigfeit oon ihren Tän 3 em beanfprudjen. 
Diefes Schlottern ber Knie, biefes Söerfen ber Seine, 
biefe Semegungen, bie bem boyenben Känguruh nach* 
empfunben maren, fie bilbeten unb bilben noch heute 
ben Hauptinhalt ber Stiggertän 3 e, beren fchmär 3 efter — 
ber ©ate= 2 Balf — fich eine Popularität errang, bie 
bei Abfcßäßung unferer äfthetifcfjen Kultur nicht über* 
gangen merben barf. — „Das Sttenuett, mein Herr" 
— fagt eine liebe ©reifin in einer fleinen, rührenben 
©Zählung Sttaupaffants — „bas Sttenuett ift bie Kö* 
nigin ber Tän 3 e unb ber Tan 3 ber Königinnen, ©s 
gibt fein SJtenuett mehr . . ." Aber es gibt noch einen 
©afe* 2 Balf. — „Paufenfchläge unb ©elächter .. 

0.+0 0 * 00000000010 * 000 * 19 0*0 0 000 * 


0*00*0*000000000000 0* 000 00 0000*0000000000000*0*000000000000000000000000000000000000*0*0*00*00*0000**00*000*****0*l 


Silber aus aller Belt 



■fev.s&g «i 





1 fj 


Reiffeft bes Offaietreifoereins bes Canbroehrbejirfs Köln. 

QuabrtUe Im roten 9tocf, fommanbiert oon ßtn. b. 9tef JtattroinfeL 


SBie alljährlich oeranftaltete ber Offi= 
3 ierreitoerein bes ßanbmebrbe 3 irfs Köln 
ein geftreiten. SBir geben im-Silb eine 
ber mirfungsoollften Stummem, eine 
8»Paar*QuabrilIe im roten Aod. 

Profeffor AernharbSchol 3 , ber einftige 
langjährige ßeiter bes Hochjchen Konfer* 
oaloriums in granffurt a. At., begeht am 
30. April feinen 75 ©eburtstag. 

Der Ailbhauer (B. A Srebom erhielt 



Jkof. Bemharb 5cho(j, 

befannter SNuflfer, feiert feinen 75. ©eburtstag 


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Gougle 


Original from 

UNIVERSHT OF IOWA 





















Seite 682. 


Kummer 16. 




Olga Jiofcororoa, 

ruffifdjc (fbaraftertänjerin 


Dr. äarl Breul 

mürbe in Gambribgc 3 um Brofeffor 
ber bcutfrben Spradje ernannt. 


Bilbfyauer ©. Ti. Breboro, (bet). Beg.-Hatprof.Dr. Sdjütj, 

Stuttgart, beffen Brunnen für Buenos Berlin, feiert fein öOjätjriges Berufs* 
Titres preisgefrönt mürbe. jubiläum. 


ben CErften Breis für 
einen Brunnen, ber 
in Buenos'2lires auf* 
gefteüt merben joll. 

(Bei). Beg. * Bat 
Brof. Dr. 3ßill)elm 
Schüft, Direftor bes 
Batftologifchen Onfti» 
tutsberXieräritlidjen 
5)od)|d)ule in Berlin, 
begebt am 16. 2Ipril 
in feltener Srifctje 
fein 50 jähriges Be= 
rufsjubiläum. 

Dein berühmten 
^Pfi)d)iater Heinrich 
öaefjr mürbe im Bar f 
ooti ^eblenborf ein 
Denfmal errichtet. 

Olga Xßaffiljeroa 
Sioboroma tritt Sein* 
näcf)ft in Berlin als 


Das Heinrich £aef)r-Denftnal in 3ef)lenborf. 

Bon Bilb^auer ©ottlieb (Elfter. 


(ßeneral b. 3nf. non ©raberg 

feierte bas öOjäbr. Bienftjubiläum. 

(£barattertän 3 erin bes Äaiferlid) 
Buffifchen f)ofbaüetts auf. 

Dr. Slarl Breul mürbe als 
erfter Dozent ber beutfdjen 
Sprache in ©ambribge 3 um 
Brofeffor ernannt. 

©eneral ber 3nf. o. ©raberg 
feierte ben 50jährigen ©ebenf* 
tag feines (Eintritts in bie2lrmee. 


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Sdjluj) bes cebaffionellen Jeils. 

UNIVERSITY OF IOWA 












Kummer 16. 


Mngeigenteil. 


Seite 1. 


Die 3eit ift nid>t ferne, roo 
es ebenforoenig anftänbig ift, 
biinnc ober gar feine Haare 
gu faben, u>ie heute etroa 
große 3ahnlücfen gu geigen. 

Schon heute ift, roas ein 
Xroft für oiele £eute mit 
ausgehenbem Haar fein mag, 
bereits fo Diel ficher, baß man 
in Dielen Süllen ben Haar¬ 
ausfall aufhalten fann, unb 
groar, roie mir meiter unten 
fagen roerben, auf fetjr ein* 
fache ffieife. Das Mittel, bie 
Haare bis ins 2llter möglichft 
gefunb unb ooU gu erhalten, 
ift in ber lat Don oerblüffenber (Einfachheit. Nian roirb bas 
fofort oerftehen, roenn man fich oorftellt, in roelcher SBetfe ber 
Haarausfall in ben meiften Süllen guftanbe fommt. 

Ntan tut gut, fich bas Vilb eines eingelnen Haares oor Vugen 
gu führen. Das Haar fterft, mie jeber in Vbbilbungen fdjon 
häufig gefehen hat, in einer Vertiefung, bem fogenannten Haar¬ 
balg, ber mie eine (Srube in bie Kopfhaut hineingeht unb bas 
Haar, mie ein Hanbfdjuh ben Singer, eng umfließt. 2lm oberen 
Nanbe biefer ©rube fißen fleine Xalgbrüfen, bie bas Haar einfetten. 

(Es ift bas biefelbe meife (Einrichtung, mie He überhaupt für 
bie menfchliche Haut befteht, bie ebenfalls fortmährenb burd) bie 
Xätigfeit ber Hautbrüfen mit einem leichten Settübergug oer* 
fehen mirb, ber fie gefdjmeibig hält unb auch oor äußeren ©in- 
ftüffen fdjüßen fo(I. 

Nun hat biefe (Einfettung bei ber Haut fomohl mie bei ben 
Haaren ben Nachteil, baß fehr häufig gu Diel Sett probugiert 
mirb, bas fich bann natürlich irgenbmo nieberlaffen muß. Diefes 
Sett troefnet ein. 2ln (Befiehl unb Hänben, mo man biefen lieber» 
fchuß infolge bes fich baran haftenben Schmuses halb äußerlich 
mahrnehmen fann, hat man fich fehr halb baran gemöhnt, biefen 
Ueberfdjuß einfach roeggumafchen. 2luf ber Kopfhaut aber, roo 
biefe Settablagerungen nicht fo in bie Slugen fallen, häufen fie 
fich natürlich immer mehr an, unb ba bie Haare große Staub¬ 
fänger finb, bilben fich barauf fehr halb biefe Schichten, bie ben 
Haarmuchs beeinträchtigen. 

Das ift eigentlich fo felbftoerftänblich, baß man fich munbern 
muß, baß fo menig Ntenfchen barauf achten. XBenn man heute 
eine Vngahl Ntenfchen fragt, mie fie ihren Kopf pflegen, fo mirb 
man in ben feltenften SäUen hören, baß fie ihn regelmäßig 
mafchen, unb es ift beinahe amüfant, feftguftellen, mie es auf 
folchem Kopf ausfieht. Natürlich ift es bann fein SBunber, baß 
bei folchen fieuten bie Haare ausgehen. Dlefe Nachläffigfeit bem 
Kopfhaar gegenüber ift um fo Dermunberlidjer, als jeßt jebes 
Hanbbuch für Körperpflege in Uebereinftimmung mit ben Spe« 
gialiften für Haar- unb Hautpflege bas regelmäßige ffiafdjen 
bes Haares unb ber Kopfhaut als bie befte Haarpflege-Ntethobe 
begegnet unb anrät. 

Nun muß man gmar, mie jebes Ding, auch bas ffiafdjen ber 
Haare unb ber Kopfhaut mit etmas ileberlegung beroertftelligen. 
Vor allen Dingen ift nötig, baß man eine geeignete Seife mählt, 
bie imftanbe ift, biefe Settfruften (Schuppen ober Schinnen ge¬ 
nannt) aufgulöfen unb auch bas Haar oom überfchüffigen Sett 
gu befreien. (Es ift ferner nötig, baß man ben Seifenbaum 
burch reichliche Slbfpülungen mit UBaffer forgfältig entfernt unb 
bas^aar bann miel^r3nt^btrodö|t^er im3immer troefnen läßt. 


Ntanche ßeute fürchten, 
baß bas SBafdjen ben Haaren 
fdjabe; bas ift eine Vnficßt, 
bie jeber Vegrünbung ent¬ 
behrt; benn ebenfo mie ber 
Vart beim Vkfdjen bes ©e« 
fießts täglich ohne jeben 
Schaben mitgemafchen mirb 

— im ©egenteil, es gibt fehr 
menig Haarausfall beim Vart 

— fo ift auch bem Kopfhaar 
bas XBafcßen außerorbentlid) 
guträglich- Vei ben erften 
2Bafd)ungen gehen gmar im¬ 
mer einige Haare aus, bas 
ift aber etmas gang Natur¬ 
gemäßes; benn es finb biejenigen Haare, bie ohnehin ausfalien 
mürben. Das ift gar fein Verluft. Diefe Haare fißen nur noch 
lofe im Haarboben unb haben gar feinen 3mecf mehr. (Es ift 
fogar gut, baß fie ausfalien, benn fie machen anberem, gefunbem 
Nachrouchs piaß. 

Das befte Ntittel, feine Haare gefunb gu halten, ift alfo 
regelmäßige SBäfcße ber Kopfhaut mit einer geeigneten Seife. 

2Benn man nun meiter meiß, baß bie obenermähnten Sett- 
fehlten einen oorgüglicßen Näßrboben für parafitäre (Erreger 
Don Hautfranfheiten abgeben, moburch ber Haarausfall meiter 
begünftigt mirb, fo roirb man gut tun, eine Seife gu nehmen 
mit einem antifeptifchen 3ufaß, ber biefe (Erreger an ber ©nt- 
micflung hemmt. 

Unter allen 3 u fäßen biefer Vrt hat fich, mie allgemein be- 
fannt, ber leer als gerabegu fouoeränes Mittel beroährt. 
Der leer roirft antifeptifd) unb hat außerbem bie bemerfens- 
merte (Eigenfchaft, bie Xätigfeit ber Kopfhaut unb bamit bas 
VBachstum ber Haare anguregen. Xroß biefer ©igenfeßaften, bie 
in ber SNebigin ßocßgefchäßt roerben, hat fich her leer gur Kopf- 
roäfche boch nicht fo einbürgern fönnen, roeil Dielen ber ©eruch 
einfach unerträglich ift unb bie geroöhnlichen Xeerpräparate, mie 
fie bisher im Hanbel maren, in Dielen SäUen unangenehme 
Neigrotrfungen ßeroorriefen. 

©s finb besbalb jahrelange Verfuge angeftellt roorben, um 
ben leer in geeigneter VSeife umguarbeiten, unb es ift fdjließ- 
lich gelungen, in piyaoon ein faft geruchlofes Xeerpräparat 
hergufteüen, bas auch feine unerroünfehten Nebenroirfungen mehr 
hat, unb fo alfo bas längft gefugte Xeerpräparat für Kopf- 
mafchungen gu fchaffen. 

Das Pijraoon löft mit Ceicßtigfeit Schuppen unb Schmuß 
oon ber Kopfhaut, gibt einen prachtoollen Schaum unb läßt 
fich fehr leicht oon ben Haaren herunterfpülen. ©s hat einen 
fehr fgmpatbifchen ©eruch, unb infolge feines Xeergeßaltes 
mirft es parafitärem Haarausfall entgegen. 

Vefonbers ßeroorgußeben ift, baß mir es in pßraoon mit einem 
Präparat gu tun haben, bas troß feiner Ueberlegenßeit gu einem 
fehr mäßigen greife abgegeben roirb. ©ine Slafcße für groei SNarf, 
bie überall erhältlich ift, reicht bei roöchentlichem ©ebraudjc 
monatelang aus. Die ^iyaoon-Haarpflege ift bie tatfächlich befte 
Nletßobe gur Stärfung ber Kopfhaut unb Kräftigung ber Haare. 

Pi£aoon roirb „hell" (farblos) unb bunfel ßergeftellt. 
Neuerbings mirb befonbers Pi^aoon „hell" (farblos) oorgegogen, 
bei bem burch ein befonberes Verfahren bem Xeer auch ber 
bunfle Sarbftoff entgogen ift. Die fpegififeße Xeerroirfung ift 
bei beiben Präparaten, hell forooßl mie bunfel, bie gleiche. 

UNIVERSITY OF IOWA 




Seite II. 


16. gfpril 1010. 


9!ummer 16. 


Die Uibrationsmassagt des trommelten* gegen 

Schwerhörigkeit, 

Ohrensausen u. Ohrenleiden 

ber ocrfcf)iebenftcn Art ift fadjmännifdjen Äceifen 
burd) bic gorfdmngen namhafter ©clebrten längft 
als ein au6ge3eid)nete$ unb wirffame* .Veiloerfafyren 
befannt geworben. 9Hit ber £>anb ift natürlich bem 
Trommelfell nicht burd) Staffage toirffam bci3u* 
fommen. v J)tan ift besljalb auf bie Xecf>nif unb 
ÜNedjanif, auf Apparate angeroiefen. Xa$ Problem 
eines einfachen, baljer nid)t 311 foitfpieligen, foliben, 
jwecfmäfjigen Vibrators sur Staffage beb inneren 
Cl;re$ ift jefct gelöft burd) ben Apparat „Hudito 44 
ber girma Emil l'oeft in Xuberftabt. E3 fön* 
tten bamit gleichseitig beibe Obren ober aud) nur 
eines bebanbelt werben, aud) Icifjt er fid) burdj 
einen einfachen &anbgriff auf baS fleinfte gewiinfd)te 
3Jtaf? oon Bibrationsftärfe einftellen, wirft aber aud) 
wieberum bei Starfftellung red)t fräftig. 9?eben* 



inftrumente ober hoppelte Apparate für bie oer* 
fchiebenen ©ebrauefj^meefe finb unnötig. 

2Öie mancher glaubt fid) hoffnungslos leibenb, 
weil ihm bie mobernen, wiffenfd)aftlid)en gort* 
fchritte in ber Obrenbebanblung unbefannt finb. 
Pflicht iebeS ein3elnen ift eS beyhalb, fid) mit ben 
neueften Errungenfdmften unb ben wirffamften ©e* 
hanblungen oertraut 311 madjen, womit eS gelingt, 
aud) nod) in neralteten unb oerjweifelten gallert baS 
fieiben wirffam 311 befampfen. Zahlreiche Aiterfen* 
nungofdneiben oon Patienten berid)tett über ftau* 
nenswerte Erfolge, weld)e burd) bie Beljanblung 
mit biefem Apparat bisher crjielt worben, unb 
bieten neben ben Empfehlungen oon Autoritäten 
eine beachtenswerte (Gewähr für bie beroorrageit* 
ben Stiftungen beS „Hudito 44 . 

Xie gerid)tlid) eingetragene girma 6tml Loeft, 
Bpcziai-Xnftitut in Duderftadt III am Darz, 
oerfenbet auf ÜÖunfd) eine ausführliche Brofcf)üre mit 
Belehrungen unb Bcl)anblung*oorfd)riften für ©el)ör« 
leibenbe. Sie haben nur nötig, bie Brofcbüre über 
„Hudito 44 (Deutfcb. Reichs-fJat.) 3U oerlangen, 
fo wirb ^fjnen biefe ooüftänbig foftenfrei sugefanbt. 


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Original fro-m 
















DiewocHe 

Itummer 17. Berlin, ben 23. 21pril 1910. 12: 3af)tgang. 


3nhalt bet stummer 17. 


Sie fleben Sage ber 2Bo$e.683 

Brooinal Bon CErnft non flBolaogen.683 

3ur (Eröffnung ber Srfiffeier SBeltauöfteliung. Bon flMay Sung .... 686 

Julius tfüfjn. Bon Brnfeffor Sr. griebrig f)olbefI«i&.688 

llnfere Bilber.§89 

Sie loten ber flöo d)t . . 690 

Bilber oom Sage. . (3M>otograpbifd)e lufnabmen).691 

fltur »er bie Se&nfudsi lehnt . . . fltoman oon 3ba Bog-Cb.699 

Som Stürßen auf ber Rennbahn. Bon Osfar Gfyrift. (flRlt 9 2'bbiibungen) 706 

Beue Älelber unb ijutmobeUe. (flRit 11 Bbbilbungen).711 

Sie 6onne non 6t. flHorife. flloman oon Baut Osfar S)ödtr. (gortfefcung) 714 
Sr. C&arcots gatjrt nad) bem 6übpoL Bon grau SWarg. (tyarcot. (flRit 

9 Bbbilbungen).718 

Sie preufeiföen GElcfje efanft unb jefct. Bon grifc Blep. (SWtt 4 Mbbilbungen) 722 
Bilber aus aller flBett.723 



Die fieben Zage bet Boche. 


14 2lpril. 

Sei ber Aeichstagserfagmahl im Uöahltreis Qlegfo-ßqct mirb 
an Stelle bes oerftorbenen fonferoatioen (Srafen 311 Stolbera* 
3 Öemigerobe ber nationalliberale ©utsbefiger Kochatt geroäh&. 

Der SBunbesrat oertagt bie Abftimmung über bie Sorlage 
betreffenb bie Schiffahrtsabgaben. 

lieber Stettin roirb gemelbet, bag bei einer Nachtübung 
bes oor Sagnig liegenben Serbanbes ber Schul* unb SBerfuchs* 
fcbiffe auf hoher See bas Dorpeboboot „S. 122" oon bem 
Keinen Kreier „Ntünchen" gerammt unb ferner befcgäbigt 
mürbe. 3 ®«i 2 Rann ber Befagung fanben ben lob. 

3n München ftürßt bie im Sau befinblidje Sarfeoalhalle 
ein. Dabei mirb eine Serfon getötet, unb fe$s merben fcbmer 
oermunbet. 

3n 5)aUe fttrbt im 85. Cebensjafjr Srofeffor Kühn (Sortr. 
S. 697), ber Begrünter bes bortigen ßanbrnirtfcbaftlichen 3nfti* 
luts unb Organifator bes lanbmirtfdjaftlidjen Unterrichts an 
ben beutfcgen Unioerfitäten. 

Die fpanifchen (Tortes, beren Sigungen feit bem Sturze 
bes Siinifterpröfibenten SKaura fufpenbiert maren, merben auf* 
gelöft. Die Neumahlen finben im UPlat ftatt. 

15. 21p ril 

Der Seicgsiag übermeift bas Neidmumachsfteuergefeg einer 
Kommiffion oon 28 SNitgliebern jur Vorberatung. 

Der frühere ameritanifche ^ 3 räfibent Iheobor Soofeoelt 
trifft in Söien ein unb mirb oom Kaifer grana 3 ofcf in *ßrioat* 
aubien 3 empfangen. 

16. 2tprlL 

Die 3°i)i ber ausgefperrten beutfchen Sauarbeiter beläuft 
fi<h na* Angaben ber Arbeitgeber auf runb 200 000. 

3n Berlin erliegt, 55 3ahr* alt, ber Seichstagsabgeorbnete 
(Sraf Driola (Sortr. S. 697) einem Schlaganfatt, ben er nach 
einem Stragenbahnunfall erlitten hat. 

17. Upxil 

Der Ballon „Deligfch" ftür 3 t mährenb eines (Semiiters in 
ber Sähe oon Seichenfachfen im Segierungsbe 3 irf Staffel, oom 


Blig getroffen, aus beträchtlicher S)öbe in bie liefe. Seine 
oier Snfaffen finben babei ben Xob (21 bb. S. 695). 

3n Serlin mirb ein augerorbentticher Deutfcher 2 ler 3 tetag 
abgehalten, ber fich gegen bie in ber Seicgsoerficherungsorbnung 
oorgefehene Regelung bes Serhältniffes ber 2 ler 3 te 3 U ben 
Stranfenfaffen erflärt. 

18. 2tpti(. 

Der Sunb ber 3nbuftrie(len hält in Serlin eine auger* 
orbentlicge (Seneraloerfammlung ab. 

3n ber Norbfee beginnen Stanöoer ber britifcgen glotte, 
an benen etma hunbert Kriegsfchiffe beteiligt finb. 

3n Saris mirb unter bem Borfig bes Slinifters bes 2leugern 
Si|hon eine internationale Konferena 3 ur Bekämpfung bes 
Ntäbcbenhonbels unb ber Schmugliteraiur eröffnet. 

‘ Das auftralifcge Sunöesminifterium tritt 3 urücf, metl bei 
ben Neumahfen 3 um Sarlament bie Arbeiterpartei bie SJtehr* 
heit errungen hat- 

Das englifche Unterhaus nimmt bie oon ber Regierung 
eingebrachte fogenannte ©uillotinerefolution, burch bie eine 
grift für bie Seratung bes Subgets feftgefegt mirb, mit 345 
gegen 252 Stimmen an. 

19. Vpvil 

Aus Quebec mirb gemelbet, bag in ber Sähe oon ßalaque 
auf einen Arbeitaug ber Sational*Xranscontinenta(*Sai(mnp ein 
Sergfiur 3 nieberging, burch *>en 25 Arbeiter getötet mürben. 

20. Mpril. 

Ueber einen iürfifcb-frrmaöfifchcn 3 w U<h^afall mirb aus 
&onftantinopel gemelbet: An ber ( 9 ren 3 e bes Subangebietes 
hat ein fran 3 Öfifä)er Offner eine türfifche Äararoane anhalten 
unb über 3 toan 3 ig räuberifcge Kameltreiber töten taffen. Die 
Sforte erhob beshalb in Sans Sorftellungen. 

□ Q B 


Btotnnj! 

Son CTrnft non 2 Bol 3 ogcn. 

3 n bem ion, mit bem ber Seichshauptftäbter bas 
Sßort ausfpricgt, treffen fich wicht feiten Schat¬ 

tierungen einer gemiffen ©eringfchägung. Srooina ift für 
ihn ber ftrifte ©egenfag 3 U all ben glängenben ©igenfchaf* 
ten, bie bieCBitelfeit bes mobernen SBeltftäbters h^ut 3 utage 
in bem befcgeibenen Superlatio „tabellos" sufammen* 
3 ufaffen beliebt. $ür ben Serüner finb felbft rnirf* 
liehe ©rogftäbte, magre Stittelpunfte für SBeltintereffen, 
Srooin 3 , unb in feiner (Beringfchägung aües Slicht* 
Serlinifcgen mirb er hö 4 )ftßws noch oom Sorifer über¬ 
troffen. Dabet mug er fich immer mieber fagen laffen, 
bag bas ^era Deutfchlanbs nicht in Serlin fchlage — 
in bem Sinne, mie man fagen tann, bag bas #era 
granfreichs in tyavis fchlägt — bag bie grogen beut¬ 
fchen 3been feiten genug in Serlin geboren 3 U merben 
pflegen, unb bag feine geliebte Stabt überhaupt nur 
als ©rogmarft fomie als Xrugburg gegen ben flaroi* 
fchen Often einftimmiger Anerfennung ficher fei, im 
übrigen aber fein innerftes SBefen mie feine äugeren 
Stanieren h*e r wnb ba als bie eines S aroen ü s 
eingefchägt mürben. Der benfenbe Serliner mirb fich 
über bies allgemeine Urteil gar nicht einmal getränft 


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Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin. 


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UMIVERSITY OF IOWA 















Seite 684. 


Stummer 17. 


füllen, benn er wirb fief) fagen müffen, baß bie eigen¬ 
artige Cntwicflungsgefcbicbte feiner Stabt bisher nod) 
311 gar feinem anbern (Ergebnis führen fonnte. Unb 
wenn man ihm gar oorwirft, er fei gar fein richtiger 
Deutfcber, fonbem oielntebr ein richtiger Bmerifaner, fo 
tuirb er fid) babureb oielleicbt gar nicht einmal gefränft, 
fonbem eher gefcbmeicbelt fügten. Das beutfebe S)er$ 
fann nid)t fdjlagen in biefer Stabt, weil fie felbft noch 
gar feine Stoffe bat. Sie ift eine große Äarawanferei 
am Stonbe ber öftlidjen Äulturwüfte. 3 br ©eblüt ift 
burd) ben fortwäbrenben 3 u* unb Durcbsug aller mög¬ 
lichen ßanbsmannfcbaften ähnlich oermengeliert toie bas 
»tut SBiens, bas eine ebenfo bebeutenbe ibeale Auf¬ 
gabe 31t erfüllen bat, nur baß biefe SBiener Blui- 
mifebung bereits einige ^abrbunberte Qeit gehabt bat, 
ficb 3U einer neuen raffebaften (Eigenart aus3ubilben. 

Berlin ift alfo für feine unleugbar paroenübaften 
Cigenfcbaften ausreicbenb entfcbulbigt. Cs ift aueb bafür 
entfcbulbigt, baß bie beutfeben 3 been in feinem Staben 
nod) nicht recht waebfen unb gebeiben mögen, benn 
bas fruchtbare (Erbreicb für 3 been liegt in ber Harmonie 
non innerem SBefen unb äußerer Umgebung, alfo in 
bem, was man beu^utage Stimmung nennt. 3 been 
werben aus ber füllen Xiefe geholt. Snmitten bes 
ßärms, ber #aft, ber Ueberfülle, ber aufbringlicben 
Bläßlichst neuer Crfcbeinungen fann aber nur eine 
Dberfläcbenfultur gebeiben. Berlin muß erft bas finb* 
liebe (Erftaunen über feinen eigenen Steuglan3, ben bar- 
barifeben SBolfsbunger nach Senfationen unb bas 
jüngferlicb gruslicbe Vergnügen an feiner eignen ßafter- 
baftigfeit oerlernt haben, es muß, mit einem SBort, 
reif geworben fein, ein gefeßtes Blter erreicht haben, 
# beoor es- feinen natürlichen eblen (Ebrgei3 erfüllt feben 
*fann, für Deutfcblanb bas 3U merben, mas Baris, 
ßonbon, SBien für ihre ßänber finb. 

(Eine reife gruebt ift ja Berlin bereits einfach burd) 
bie Sinsiebungsfraft ber SJtoffe in ben Schoß gefallen: 
es ift für Deutfcblanb ein 3entraler SJtorft für geiftige 
SBerte getoorben. 3 ®ar immer noch nicht gan3 aus* 
fcbließlich unb für alle folcbe SBerte — benn noch er¬ 
freuen ficb 3iemlich 3ablreicbe #aupt* unb Stebenmärfte 
für SBiffenfchaft unb Äunft einer fräftigen 931 üte — 
aber ber große ißolgp ftreeft feine Sfrme immer weiter 
aus, unb feine 3 ugenbfraft oerftebt ficb auf bas Saugen. 
(Er wirb bie toiffenfcbaftlichen ^apa3itäten, ben beut- 
feben Stacbbanbel, oiellei d)t fogar bie ftärfften Kräfte 
innerhalb ber bilbenben fünfte ficberlicb allmählich 
auffaugen, toie er bas Xbeater bereits aufgefaugt bat. 
3 a, an ber Xatfacße, baß Berlin bie fübrenbe Xbeater* 
ftabt Deutfcblanbs geworben ift, oermag bie Sttißgunft 
lofaler (Eitelfeit nicht mehr 3U rütteln. Unb ber Star¬ 
liner ift ficb feiner 3weifellofen Ueberlegenbeit wenig* 
ftens in biefem einen fünfte fo feef bewußt, baß er 
bas oeräcbtlicbe Stennmort „Brooins" in Beaiebung auf 
bas außerberlinifcbe Xbeaterwefen mit gan3 befonberem 
Hochgenuß gebraucht. Der Brooi^ler, ber mit einem 
befonberen Stol3 auf fein f)of» ober Stabttbeater auf 
bem SBeg in ein Oftfeebab im Sommer bureb Berlin 
fommt unb ficb bort einige Saifonfdjlager in britter 
Befeßung anfiebt, mag allerbtngs mit Stecht bie Slcbfeln 
3ucfen unb fagen: „Das haben wir bei uns benn boeb 
beffer gefeben." 3 a, er barf fogar im SBinter fornmen 
unb an erften Xbeatern Sluffübrungen in erfter Stafeßung 
feben unb fid) mit Stecht barüber oerwunbern, wieoiel 
berühmte Sdjaufpieler es ba gibt, bie fein bialeftfreies 
Deutfcb ober feine Starfe fprechen fönnen ober fein 


Organ haben. Ober er wirb in Heinere ©efebäftstbeater 
geben unb bort fo reichlich SRinbermertigfeit unb 
Scblenbrian ßnben, baß er abermals recht haben wirb 
mit feinem ßofalftol3. Dennoch aber wirb ihm, wenn 
er nur nicht aus purer Starftocftbeit nichts feben will, 
3u beweifen fein, baß bas ©anae ber Starliner tbeatra* 
tifeben ßeiftungen über bem ftebt, was auch bie beften 
S$rooin3bübnen 3U geben oermögen. Das fann gar 
nicht anbers fein, benn bie feltenften Begabungen fteben 
naturgemäß am böchften im greife, unb bie reichfte 
Stabt wirb immer bie minber reiche überbieten fönnen. 
Slllererfte Birtuofen aller gäcber, Xenöre oornebmlich, 
Brimabonnen, bie große Stimme, ungewöhnliche ©e* 
fangsfunft, ’fcbaufpielerifcbe Begabung unb fdjöne Cr* 
fcheinung in fich oereinigen, firfb nur 3U greifen 3U 
haben, bie felbft für reiebbotierte $) of* unb Stabttbeater 
unerfchwinglicb finb. Speaialbegabungen, wie fie bie 
Operette, bie 3 irtuspoffe mit Xan3 unb ©efang ober 
oerei^elte SRobericbtungen bes Dramas oerlangen, 
fönnen nur in ber SBeltftabt 3ur ©eltung fommen, wo 
für bie oerfebiebenften Äunftgattungen befonbere Bühnen 
ejiftieren. gerner wirb naturgemäß ber S^rgeia aller 
beroorragenb begabten Bübnenfünftler unb Stegiffeure 
[ich nach einem gelbe ber Xätigfeit febnen, wo fie täg¬ 
lich ein anberes Sßublifum 3U erobern haben unb ißren 
Stubm nicht nur für bie eine Stabt, fonbern für bie 
gan3e Deutfeh fprechenbe SBelt befeftigen fönnen. Cs 
wirb alfo immer oiele Stünftler geben, bie felbft eine 
unfidjere, gering bellte Stellung an einem Berliner 
angefebenen Xbeater einer fieberen ßebensftellung an 
einer Brooinsbübne oor3ieben. Unb fchließlich wirb, 
was wohl bie S)auptfacbe ift, an Brooinabübnen nur 
in feltenften gälten bie SRöglidjfeit gegeben fein, auf 
bie Borbereitung eines neuen SBerfes fo oiel 3 *it 3« 
oerwenben, wie bies einer Berliner Bühne möglich ift, 
bie ihre 3 ugftücfe S)unberte oon SJtolen 3U wkberbolen 
imftanbe ift. 

3 n allen biefen Bunften ift alfo eine emftbafte 
Äonfurren3 ber Brooinsbübnen mit Berlin einfach 
ausgefchloffen. Unb bennod) bat ber Berliner nicht 
bas Stecht, alle tbeatralifcben ßeiftungen außerhalb ber 
Steid;sbauptftabt mit bem acbfelsucfenben ©efamturteil 
„Brooins" abautun. Der fünftlerifcbe SBert einer 
Xbeateroorftellung beruht nämlich nicht allein auf ben 
Cin3elleiftungen bebeutenber Sdjaufpieler, auch nicht 
auf ber Bracht unb Cigenart ber Busftattung, fonbern 
mehr noch auf bem einheitlichen ©eift, ben ihr bie 
Berfönlichfeit eines bebeutenben Spielleiters aufprägt. 
Der i)auptanftoß 3U bem großen Sluffcbwung, ben bas 
Berliner Xbeatermefen genommen bat, ift ausgegangen 
oon bem ©aftfpiel ber Sfteininger. Die ausfübrenben 
Sräfte waren mit gan3 wenigen Slusnabmen tgpifebe 
Brooin3fchaufpieler, braoe mittlere Begabungen, aber 
ber ©eift ihres genialen ßeiters oollbracbte mit biefer 
Bnmin3truppe reoolutionäre ßeiftungen. Unb wer will 
bie Brooin3 bmbern, folcbe genialen Berfönlicbfeiten 
immer wieber unb bußenbweife beroo^ubringen? ©ute 
Scbaufpieler gibfs heute mehr benn je. Der 3 ug 
3ur Bühne ift fo ftarf geworben, baß ein Üötongel an 
Äräften nirgenbs 3U fpüren ift. Bus minberen Äräften 
beffere, ja felbft gute 3U machen, ift lebiglich Sache einer 
gefchieften (Erhebung, unb mit leiblichen Xruppen große 
fünftlerifcbe Siege 3U erfechten, ift lebiglich Sache bes 
leitenben Sngeniums. 3 d) habe 3war oben gefagt, baß 
ficb felbftoerftänblicb aud; bie beroorragenben Stegie- 
talenie nach öer 3 enkale Berlin b‘nge3ogen füßlen. 


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UNIVERSUM OF IOWA 



Kummer 17. 


Seite 685. 


aber es barf nicht oergeffen werben, baß, um in Berlin 
ein ^rioattyeater 3U leiten, bie ©igenfchaft als heroor* 
ragenber Spielleiter burchaus nicht genügt, wenn ein 
folcher nicht nebenbei auch ein falter ©efchäftsmann mit 
eifernen Heroen ift. . Der ©emütsmenfch (ohne ironifchen 
Bebenfinnl), ber gläubige Sbealift muß im Berliner 
Konfurrensfampf notwenbig sugrunbe gehen — es fei 
beun, baß er ber 2lngeftellte einer reich fuboentionierten 
Bühne fei. Unter ben bebeutenberen Snteltigensen, bie 
ihre Eignung 3um Kampf ums Dafein richtig ein* 
3ufchäßen wiffen, werben fich alfo immerhin nic^t wenige 
finben, bie lieber in ber entlegenften Brooinsftabt ein 
fixeres Xhröndjen befteigen, als ihre 3arte Konftitution 
ber Bücffichtslofigfeit bes weltftäbtifchen Sntereffen* 
fampfes preisgeben mögen. 60 fehen wir benn tat* 
fächlid) überall ba in ber Brooins, wo ^Serfönlichfeiten 
oon (Beift unb ©harafter an ber Spiße ber Sühne ftehen, 
heroorragenb tüchtige ßeiftungen erblühen, bte bem 
©rnft bes beutfchen Kunftbetriebes alle (Ehre machen. 
Dirigenten, wie Btottl, Schuch, ßohfe, hoben bie Opern* 
bühnen oon München, Dresben, Köln 3U Kunftinftituten 
erften Sanges erhoben, unb bas befonbers warme 
3 ntereffe feines dürften im Berein mit ber Xüchtigfeit feines 
Kapeümeifters üBiforeg hoben neuerbings bas Heine 
Deffauer #oftheater 3U heroorragenben Opernleiftungen 
befähigt. Hamburg, bas fchon immer in feinem Xhalia* 
theater eine muftergültige Bfleö e ftätte für bas bürger* 
liehe ßuftfpiel befaß, hot burch ben Baron Berger ein 
Sdjaufpielhaus erholten, beffen Seiftungen fich getroft 
mit benen erfter SQ&iener unb Berliner Sühnen meffen 
tonnen. Stuttgart war als Xheaterftabt berüchtigt wegen 
ber Schläfrigfett feines Bublifums, bis Saron Buttliß 
tarn unb nidf nur bas 3 ntereffe bes Königs, fonbern 
auch bas bes wirtlich etwas fdjwerfälligen fchwäbifchen 
Schlags fo wach lebenbig 3U machen oerftanb, baß 
nunmehr bie ihm unterteilte Sühne 3U ben führenben 
Deutfchlanbs 3ählt. Sehnliches gilt oon Köln, wo erft 
burch ben überragenben ©eift Bta^ SBarterfteigs, unb 
oon bem reichen Düffelborf, wo erft burch bie fcharfe 
Konfurrens ber gan3 mobem gerichteten Suife Dumont 
ein ftartes Sntereffe am Xheater unb erhebliche Kunft* 
leiftungen erreicht würben. 2Bin3ige Sühnen, wie bas 
Sntime Xheater in Nürnberg unb bas nicht oiel größere 
Beftbenstheater in SBiesbaben, hoben fich burch oortreff* 
lieh abgerunbetes ©nfemblefpiel unb burch ben (Eifer, 
mit bem fie unabhängig oon Berlin Beuheiten heraus* 
bringen, ©influß unb oerbienten Buhm erftritten. Sus 
©Iberfelb, ©ffen, Dortmunb, Osnabrücf, Sonn, ©ifenach, 
Boftocf hört man oiel ©utes über fleißige Arbeit unb 
fchöne (Erfolge berichten. Unb fo mögen wohl noch 
oiele größere unb fieinere Sühnen, bie mir nicht per* 
fönlich befannt geworben finb, oorhanben fein, an 
henen mit reblichem (Eifer geleiftet wirb, was unter 
ben gegebenen Berhältniffen irgenb oerlangt werben 
fann. Unfere großen reichbotierten Stabttheater in #am* 
bürg, Breslau, Seip3ig, granffurt, üütagbeburg, Btann* 
heim, Königsberg, Nürnberg jowie bie bebeutenberen 
$)oftheater in ^annooer, Kaffel, SMesbaben, Karlsruhe, 
SBeimar, Schwerin, Darmftabt, Koburg*©otho machen 
rühmliche Snftrengungen, fich ouf ber #öhe 3U holten 
unb ihrem alten Buf auch unter ben erfchmerten neuen 
Berhältniffen ©hre 3U machen. Sn ßeipsig. unb Btann* 
heim hoben wir es jüngft erft erlebt, wie bie ftarfe 
Berfönlichfeit junger energifcher Seiter mit altem 
Schienbrian aufsuräumen unb bas gefunfene 3 ntereffe 
bes Bublifums plößlich neu 3U beleben weiß. Ueber* 


Digitized b>' 


Goi igle 


houpt barf als allgemeine Begel angefehen werben, 
baß es ein an fich gutes ober fchlechtes Xheaterpublifum 
faum gibt, abgefehen oon bem nationalen Xemperament, 
bas beifpielsweife in Bieberbeutfchlanb fehr oiel fchwerer 
auf3urütteln ift als in Dberbeutfchlanb ober gar am 
Bfjein. ©benfo wie jebe 3ufällige Bereinigung oon 
Künftlern in einer Xruppe ift auch bas Xheaterpublitum 
jeber Stabt burch einen ftarfen SBillen, burch eine 
fchöpferifche 3ntelligen3 3um Kunftintereffe 3U ersiehen. 
Die fuggeftioe Berfönlichfeit bes Bühnenleiters oermag 
in biefer Begehung auch mehr als jebe Kritif. Das 
fchlechtefte Bublifum ift bas ber weltftäbtifchen kremieren* 
tiger, ber überraffinierten, eingebilbeten Snobs in ihrer 
Senfationsgier unb ihrem füffifanten 9 Ößiß. ©in fofeßes 
Bublifum ift ebenfo oerberblid) für bas Xheater, wie 
es ein ©nfemble oon lauter eingebilbeten Birtuofen 
ober eine hochmütige, um jeben Breis geiftreiche unb 
wißige Kritif ift. Das ibeale Bublifum ift in Berlin 
im Schillertheater unb in ber greien Bolfsbühne 3U 
finben, in ber Brooins in ben Stäbten, wo bie ©r* 
mübung oon ber gagb nach bem ^Profit noch nicht 
ihre ein3ige ©rhotung im platten materiellen ©enießen 
finbet, wo noch ber Bilbungsbunger ehrlich unb bie 
Begeifterungsfähigfeit jugenbfrifch geblieben finb. 

Die De3entralifation in besug auf Kunft unb SBiffen* 
fdjaft ift ein Bor3ug, ben wir Deutfchen immer noch 
oor ben meiften Kulturoölfern ooraushaben, unb je 
mehr bie wirtfchaftliche ffintwicflung bie großen ÜBärfte 
3um Schaben ber Heinen begünftigt, befto mehr müffen 
wir uns bemühen, wenigftens bie Heineren Stätten 
bes geiftigen Schaffens aud) 3U Stätten bes geiftigen 
©enießens 3U machen, ©s ift bas eine ber wichtigften 
Aufgaben für einfichtige ßanbesfürften unb Stabtober* 
häupter.. Der ÜBangel an großen SDHtteln fann, wenig* 
ftens im Xheaterbetrieb, burch bie fchöpferifchen Quali* 
täten intelligenter ßeiter erfeßt werben. Darum fort 
mit ben ausbeuterifchen Pächtern oon Stabttheaterri, 
bie ein Kunftinftitut nach ©efichtspunften leiten, nach 
benen man eine Biermirtfchaft ober einen günfsig* 
Bfemtig*Bafar betreibt. Selbft in großen Stäbten 
fann ein Xheater, wenn es hohen Snfprüchen, auch an 
Susftattung ober gar an große Oper, genügen foll, 
fchwerlich einen Ueberfchuß abwerfen, unb ein Brioat* 
Unternehmer, ber oon einem Xheater ©ewinn sieben 
will, fann bies, wenigftens in ber mittleren unb Heinen 
Stabt, nur burd) Konsejfionen an ben Böbetgefchmacf fo* 
wie burch Snwenbung eines unwürbigen Sdjwißfgftems 
gegenüber ben Künftlern erreichen, ©in guter Xheater* 
bireftor wirb fich beftreben, innerhalb eines oernünftig 
begreifen Kunftgebiets bas möglichft Xüchtige 3U leiften, 
unb babei auch am ficherften fein ©efchäft machen, in* 
bem er fich bamit ein treues, banfbares Bublifum her* 
an3ief)t. ©ine lebiglich nach gefdjäftlichen ©runbfäßen 
geleitete Bühne bagegen erseugt ©efehmaefsoerrohung 
im gansen Umfreis ihres BMrfens unb bebeutet fo 
einen öffentlichen Schaben. Das ©elb aber, bas sur 
Suboentionierung oon Xbeatern aufgemenbet wirb, ift 
niemals oerloren, fofern es in bie #änbe würbiger 
Berwalter fommt. Diefe 2 Bürbigen 3U finben, bas ift 
bie große Schwierigfeit, ber allerbings bie gürften, 
Stabtoerwaltungen, Suffichtsräte meift hilflos gegen* 
überftehen. Site Xheaterroutine, afabemifcije 3 Bürben, 
gute Berbinbungen tun es ba fehr häufig nicht ober 
wenigftens nicht allein; 3ntegrität bes ©harafters, um* 
faffenbe Bilbung unb große Begeiferung für bie Sache 
müffen babei fein. Die meiften Direftoren oon B r °oin3* 

Original fro-m 

UNIVERSITY OF IOWA 



Stummer 17. 


t. 

I 


S eite 686 . 

theatern befchränfen fief) barauf, bie Serliner C^rcigniffe 3ehnmal lieber fein Sheoter als ein fehleres, bas nur 
gu oerfolgen unb bie bärtigen Kaffenftücfe beim Agenten bie Safchen eines niebrigen Spefulanten füllen [o!I. 
gu faufen. Siefe ßeute, bie nie ein Stücf lefen, nur Sie 23erbanbstheater mögen bie Schmieren, bie fub* 
rechnen unb bie Stegie irgenbeinem alten Schaufpieler oentionierten Stabt* unb #oftf)eater bie ©efchäftstheafer 
überlaffen, finb bie Sdjulbigen am üblen Stuf ber befämpfen. Sann merben mir uns in Seutfdjlanb ge* 
^rooingtheater. Sas follten bie intereffierten Sßrooing* funber Sfjeöterguftänbe erfreuen unb bas natürliche 
behörben enblich einfehen unb fid) gum ©runbfaß machen: llebergeroicht ^Berlins uns rußig gefallen laffen bürfen. 

-o- 

3ur (Eröffnung ber Brüffeler 20ellausffettung. 

93on SJtar Sunß. 


3 n bem Slugenblicf, ba meine geber gu biefer 
orientierenben Sfigge über bie große »»Worlds fair« in 
ber feßönen ^auptftabt ©elgiens anfeßt, finb es nocß 
genau fiebenmal 24 Stunben, bis bie ßoeßragenbe fcßlanfe 
©eftalt bes Königs Sllbert unb bie gragiöfe blonbe 
beutfeße gürftentoeßter, als ßanbesmutter ißm gur Seite, 
ben eröffnenben Stunbgang antreten merbetf bureß bie 
gemaltige SBunbermelt ber Slusftellung, bie S^ugnis 
ablegen foll oon ber i)öße ber Entmidlung menfcßlicßen 
©enies am ^Beginn bes 20. göhrßunberts auf allen 
©ebieten bes Staffens, oon SBerftanb unb ©eift unb 
^Pbantafie in Secßnif, SBiffenfcßaft unb Äünften. Es 
foüte meine Aufgabe fein, gu fcßilbern, toas man feßen 
toirb am Eröffnungstag, einen SBorgefcßmacf gu geben 
oon ben ^errlicßfeiten, bie fich enthüllen merben, unb 
bie ich bereits auf bem eben beenbeten Stunbgang gu 
beftaunen hoffte. Slber ber getreue Eßronift toirb folcßen 
SBunfcß nur recht unoollfommen erfüllen fönnen. Stach 
munberoollen fonnigtoarmen grüßlingsmocßen ift oor* 
geftern ein echt belgifch nationaler „drache" ßernieber* 
gegangen, ©infach „^laßregen" gu fagen ober „SBolfen* 
brueß", mürbe ber befonberen Slrt biefes Staturphänomens 
nicht entfprechen. Sie Belgier höben bafür ein be* 
fonberes, nicht im ßejifon oergeießnetes Söort geprägt, 
bas auch bem ^Berliner in ber oermanbten gorm „et 
breefeßt" nicht gang fremb ift. Stun ftelle man fich ein 
gemelltes Serrain oor oon fchönftem golbgelbem ßeßm* 
hoben. SJtan oergegenmärtige fich, baß 12 000 Arbeiter, 
3000 ßaftfarren mit ferneren flanbrifchen ©äulen, un* 
gegählte Scßienengleife, Kanalifationsrößren unb Kabel 
feit oielen SJtonaten biefe jungfräulichen SUluoialfchicßten 
gerftampft, burchmüblt unb gefurcht höben unb es noch 
tun. SJtan höre unb feßaubere, baß geftern ein ©emitter 
oon ungeheurer 4)eftigfeit mit einem erneuten, bis in 
bie heutigen SJtorgenftunben prolongierten „Sreefcß" 
herniebergegangen ift, unb man mirb oergießten auf 
eine realiftifcße Säuberung beffen, mas ich heute faß. 
3n fieben Sagen t>at ©ott bie SBelt gefeßaffen, fo lefen 
mir mit frommem ©lauben. Sa tann auch hier noch 
ein fleines Söunber gefchehen, unb es mirb, es muß 
fich ereignen. Sas ©haos mirb fich Hären. Sie SBege 
merben fich ebnen unb feftigen runb herum um bie in 
reicher SJtannigfaltigfeit ber gormen angelegten meiten 
©arten, aus benen bie noch fcßlummernben #unbert* 
taufenbe oon #gagintßen unb Sulpen ihre buftenben, 
leucßtenben Häupter gur Sonne aufri<ßten merben. 
SBie burd) 3auberßänbe mirb ber blenbenbe Stucf unb 
fchimmernbe SBebftoff bie oielen noch natften SBänbe 
befleiben; herrliche ©ruppen, gebilbet oon SJteifterhönb, 
merben oom ©rbboben emporfchmeben gu ben ©iebeln 
unb Säulen, bie fie frönen follen; bas ungeheuerliche 
©emirr oon 5)unberten gu[ammengefd)obener, noch fehler 

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belabener ©ifenbahnmagen, oon Sailen unb Giften 
mirb fich löfen unb oerfchminben, um glängenbe Sitrinen 
mit foftbarem 3nhalt gefüllt gu hinterlaffen. Unb aber* 
mals nach fieben Sagen mill ich besfelbigen SBeges 
fahren — unb all bas mirb Söaßrßeit gemorben fein. 
SBesßalb aber bie i)aft unb f)eße in ben leßten Sagen 
unb Stunben? SBirb man nie oon ber Erfahrung 
lernen unb jemals eine Slusftellung rechtgeitig fertig* 
ftellen? Stein, niemals! Sie als oereingelter, aber in 
fich öbgefcßloffener Seit bes ©angen am 25. üdpril 
— bem Sag ihrer befonberen Eröffnung — tabetlos 
oollenbet bafteßenbe Slbteilung bes Seutfcßen Steiges 
mirb gmar mit biefer ben unermüblichen Slnftrengungen 
ihrer fieiter, ber ©eheimen Stäte Steichsfommiffar Sllbert 
unb ^Jräfibent ber Slusftellungsfommiffion Staoene', gu 
oerbanfenben ©roßtat, gang abgefeßen oon ihren 
fonftigen SJteriten, unoergänglichen Stuhm in ber 
©efcßixßte bes Slusftellungsmefens ermerben, aber — fie 
mirb mobt immer eine Ausnahme oon ber Siegel 
bitben. Sas liegt in ber menfcßlicßen Statur begrünbet. 
Sie ßufunft fommt allen unerfcßöpflicß oor, bie noch 
auf bem ©ipfel bes ßebens ftehen. SJtan fann ben 
Organifatoren ber SBeltausftellung nicht ben 23ormurf 
machen, fie hätten nicht früh genug begonnen. 2lm 
18. Slpril 1906 mürbe bereits ber ©rünbungsoertrag 
ber 2lusfteUungs*2lftiengefellfchaft gegeichnet. „Oh, bies* 
mal merben mir fiefter oor ber 3*it fertig merben, bas 
mirb nicht mieber fo gehen mie 1897 ober guleßt in 
ßüttich- 23ier oolle 3öhre bis 1910!" Sas Kapital 
gu finben, machte feine 6chmierigfeit. 3n menigen 
Sagen maren bie 2 650 000 granf oon ber ^ochfinang, 
©roßinbuftrie unb bem reichen Slbel gegeichnet. SJtit 
fchönem Optimusmus hoffen alle auf ein gutes ©efdjäft, 
troßbem SöeltausfteHungen erfahrungsmäßig mit einem 
Sefigit abfchließen. 6o höben in granfreich, feit ber 
erften „Unioerfelle" oon 1798 bis heute, alle mit 
großen S3ertuften gearbeitet, bis auf gmei Slusnahmen. 
Sie ^Jarifer oon 1867 ßötte 20 SJtillionen gefoftet, bie 
Sefuchergahl betrug 10 200000, unb fie ergielt* 
2 800 000 granf ©eroinn. Sies Ergebnis oerleitete 
bagu, bie 2lusftellung oon 1878 in allergrößtem Stil 
gu geftalten; Ergebnis: 32 SJtillionen Sefigit. Sagegen 
1889: 32 SJtillionen SJefucher, 50 SJtillionen Einnahme 
unb 10 SJtillionen Steingeminn. Sie Stusftellung oon 
1900 höt befanntlicb mieber recht unbefriebigenb ab* 
gefchnitten. 3n SBien mürben 1873 50 SJtillionen granf 
23erluft gebucht, in Jßhilöbelphia 1876 20 SJtillionen, 
in SJtelbourne 1880 7 SJtiüionen, unb ©hifago gar, 
bei 140 SJtillionen Äoften, oerlor 43 750000 granf. 

Stun, im ßanb ber unbegrengten SJtöglichfeiten mid 
bas nichts fagen, unb bie amerifanifchen businessmen 
mußten genau, baß »/in the long run« Kapital* 

Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 



Kummer 17. 


Seite 687. 


cerlufte fich zu bcn benfbar frud)tbarften Kapitalanlagen 
für bie Snbuftrie, bcn 5)anbel, jn bas gefamte Aßirt* 
fchaftsleben ber Nation ummanbeln. Aud) bic Velgier 
finb ausgezeichnete ©efchäftsleute, bic in bcn engften 
©rennen ihres fleinen fianbes nicht mit unbegrenzten 
3Jlöglicf)fciten rechnen fönnen, bafür aber ihre (Erfolge 
mit meife „befd)ränftem Vififo" zu erzielen roiffen; 
bafür bietet ber 97ame bes Varons gerbinanb Vagens, 
©ouoerneurs ber SociSte ©enSrale, eines ber flügften 
ginanzieute Velgiens, eine ©ernähr, ber an ber Spitze 
bes Verroaltungsrats oon 16 Aßitgliebern, leitenben 
Verfönlichfeiten aus ber Regierung, ber Stabtoermal* 
tung, ber Snbuftrie unb ber ginanzmelt, fteht. 9tatür* 
lieh ift heute fo menig eine Schätzung möglich, mie* 
oiel bie Vrüffeler Ausftellung foften, noch mas fie ein* 
nehmen rnirb. 3 U oiet hängt ba con unbered)enbaren 
llmftänben ab. 9ticf)t zum menigften oon ber ©nabe 
bes fjallegfchen Kometen. Aßenn beffen fchöner Sdjmeif 
fich mirflid) als l)iinmlifche Zuchtrute ermeift, auch nur 
in ber milben fjorm, bag er gleich ber befannten 
Aßirfung ber Vöntgenftrahlen — mie jüngft ^ßb*)fifer 
oorausfagten — bie Aßafferbämpfe ber Atmofpfjäre 
ZU Siegen fonbenfiert, mas foll bann aus biefem Aus* 
ftellungfommer merben! 

Aber hoffen mir bas Vefte. Vielleicht fommt’s 
ganz onbers. 3n jebem gall aber hot bie Ausftellung 
fich eine fid)ere Vafis oon ©innahmen geraffen. Aus 
Zehn fiotterieziehungen, oon benen jebe eine Million 
granf beträgt, bürften fünf Millionen Veingeminn bem 
Aßerf zufliegen. IDie 3of)l ber oertauften Abonnements 
beträgt heute fchon 50000. Aus allen Verfaufsmono* 
polen unb ben Abgaben ber Ausfteller hot man fid) 
eine folibe Vüdenbedung gefchaffen. Vis z u einer 
Million mirb bie Regierung zu einem ^Defizit beifteuern. 
3)od) ift bas faum zu befürchten; benn bie geographifdje 
ßage Vrüffels als Knotenpunft bes internationalen 
Verfehrs ift fehr günftig, unb, bas fann man heute 
fchon fagen, bie Vrüffeler Aßeltausftellung mirb bie 


frf)önfte, reichfte, eigenartigfte fein, bie je aufgebaut 
mürbe. 2)as ©jefutiofomitee, an beffen Spige ber 
Vrüffeler Vürgermeifter Vta£ neben bem Varon 3anffens, 
bem oerbienftoollen ©eneralbireftor ber Vrüffeler £ram= 
mapgefeüfchaft, fteht, unb befonbers beffen Qireftoren 
©raf Abrian Van ber Vurch unb ©ugene Kegm als 
bie eigentlichen ßeiter bes Ausftellungsmerfs hoben 
fich in genialer Organifationsarbeit augerorbentliche Ver* 
bienfte ermorben. 3)ie Ausftellung iftmunberfd)ön gelegen. 

Sie erftretft fid) über 90 #eftar bes reizooüen 
melligen ©elänbes im Solbofd) (bofd), flämifd) s Aßalb), 
begrenzt oom Vois be ©ambre, bem präd)tigen alten 
■iftaturparf, ber meilenmeit fid) als Soigner Aßalb in 
jabrbunbertalter Schönheit erftredt. 3um Vois be 
©ambre führt bie bekannte Korfoprachtftrage Aoenue 
ßouife aus bem oornehmften Quartier Vrüffels, unb 
eine neuerbaute Abzmeigung mit f)errlid)er meiter Aus* 
ficht biefer Aoenue leitet zu bem #aupteingang ber 
Ausftellung. 2)en ©intretenben grügt gleich linfer £janb 
bie in täufchenber Aßaf)rf)eit miebererftanbene flanbrifd) 
gotifchc Ardjiteftur bes alten Vrüffel, in beffen hifto* 
rifdjen Schenfen unb Vergnügungftätten fid) Volts* 
luftbarfeiten djarafteriftifd), mie aus ben Vierten alter 
Bteifter belebt, geftalten follcti. Vor biefes minflige 
Kleinob oon ©iebeln unb Xürmd)en fchiebt fich ober, 
maffig imponierenb, in marmfonnig leuchtenbem Aßeig 
bie riefige gaffabe ber belgifd)en ^auptausftellungs* 
unb gefallen. -3f)re auf nahe Vetrad)tung etmas zu 
reiche, fpielcrifche Venaiffanceornamentif oerfchminbet 
aber in ber mahrbaft bebeutenben ©efanitmirfung ber 
auf einer Anhöhe liegenben ©ebäube oon ben fich m 
^erraffen fenfenben meiten ©ärten aus. 3n biefett Rollen 
haben fid) mit Velgiert bie oerfd)iebenen grogen 
Nationen, ©nglanb, granfreid), Italien, eingerichtet. 
Von ben ^errlicgfeiten, bie fie z ei 9 en werben, fann 
ich mit beftem Aßillen nod) nichts oerraten: alles ift 
noch im Aßerben. Schreitet man an ber #auptfront 
entlang, immer mit bem Ausblid auf bie grogen, oon 



Ausstellern. •* • 

des W:i 

Deutschem feichs 


Arbeiter 

Wohnhäuser 

Co/onie 


Ini/uatt/ 


Lu fi Schiffahrt 


Belgien 

England 


: Belgien 

M Festsaal 


Fergnugungs Park 


Digitized by Gousle 


plan ber Vrüffeler BcltausffeUung. 


Original frnm 

UNIVERSITY OF IOWA 













Seite 688. 


Kummer 17. 


Atofferfünften belebten Anlagen ber berühmten belgi* 
fd)en ©artenbaufunft, unb roenbet ftd) nach linfs um 
bas Aiercct bes $)atlenfomplejes, fo gelangt man in 
eine Aoenue oon djaraftertftifc^en ©injelgebäuben. Da 
ift bas ftolje Sepräfentationsf)aus ber Stabt SBrüffel, 
für feftlicbe Aeranftaltungen beffuumt, in reinfter flan* 
brifeber Senaiffance, unb 3 toifcben biefem unb bem 
merfmürbigen ,,©urtius"*#aus bes alten ßütticb ftebt 
ber oornebme Jßalaft bes ÜBiälerfiirften Sßeter $aul 
Subens, ben bie Stabt Antmerpen getreu nad) bem 
Urbilb bat aufbauen taffen. 3Kan fdjreitet burd) ben 
prunfoollen Sefucbfaal in bas Atelier, gefüllt mit ben 
Sacbbllbungen feiner 3Jtöbel, feiner Silber, feines ge* 
famten Hausrats, unb auch #of unb ©ärtdjen atmen 
bie ganseSntimität ber unterblieben flanbrifcben Zünftler* 
inbioibualität. 3Beiterbin grüßen bie feinen ardjüefto* 
nifeben formen ber ©ebäube oon ©ent unb Srügge 
unb in rei 3 üottem Äontraft ber altmaurifcbe Stil bes 
fpanifeben Saoillons. Dann feffelt plößlid) ein über* 
rafebenb febönes Sanorama ben Atonberer. Alan ftebt 
oor einer mächtigen Freitreppe, binabfübrenb in ein 
meites Dal. Die Dreppe überbrüeft bie unten bie 
Ausftellung burebfebneibenbe Aoenue bu Soibofcb, unb 
jenfeit in bem lat liegt rechts ber nieberlänbifdje Aus* 
fteliungspataft mit ben ausgebebnten boüänbifcben 
Slumengärten, bie ben ent^üefenben Sorbergrunb 


feftaffen 3 U ber gan 3 in ficb abgefcbloffenen Ausftellung 
Deutfcbtanbs, beren großartige fallen unb Sepräfen* 
tationsgebäube bie „ 2 Bocbe* febon im Sitb gebracht bat. 

3ur linfen #anb erbebt ficb ein Saumerf ber Stabt 
Jßaris in bö<bf* anmutigen Formen unb Abmeffungen, 
Sdjäße bes Äunftgemerbes bergenb. Den Atittelgrunb 
nehmen bie fran 3 öfifcben 3 iergärten ein, unb abge» 
fcbloffen toirb bas reiche Silb bureb äie Snbuftriegebäube 
Selgiens unb anbere Spe 3 ialausftellungen großer 3n» 
buftriefirmen in originellen baulichen ©Meinungen. 
Stuf einem febr ausgebebnten Derrain hinter ber Aoenue 
ber Nationen unb Stabte finben ficb bann bie riefigen 
Anlagen fo 3 ialer Aatur, Arbeitermobnbäufer, f)aus* 
inbuftrie, bie ^ßläße für ßuftbarfeiten unb Sport. 

Daß bi^ ulles 3 U finben unb 3 U feben fein toirb, 
toas unfere fportluftige, fübn untemebmenbe 3 *ü ge* 
febaffen bat unb erftrebt, fann man ficb benfen. Ser 
neue ßenfballon ber Firma ßan 3 toirb bort mit bett 
belgifcben, mit englifeben unb fran 3 öfifcben um bie 
greife im ©efamtbetrag oon 250 000 Franf fonfur* 
deren, ©in 3 e PP e li n balIon mirb ficber ermartet, unb 
man fpriebt oon ber (Einrichtung regelmäßiger Saffagier* 
führten 3 toifcben Srüffel unb Äöln. Fefte toerben ficb 
an F^te reiben mit feenhaften Mächten unb Atonbern 
oon ßießt unb ©lan 3 , 3 U benen alle Stufen unb ©ra* 
3 ien ber febönen Äünfte entboten ftnb. 


o 


Julius ftüfjn. 


Aon ^ßrofeffor Sr. Friebrtcf^ #olbefleiß, Srestau. — #ier 3 u bas Porträt auf S. 697. 


©$ 3 ellen 3 Äübn, „unfer Sater Äübn" ift in ber 
stacht 3 um 15. April geftorben. ©r, beffen ftarfer 
©eift in einem ftets ber pflege bebürftigen Äörper 
toobnte, ber über alles ©rmarten bie ^Befürchtungen 
feiner um fein foftbares ßeben forgenben Schüler immer 
toieber übertoanb, bat bas feltene Alter oon faft 85 3ab* 
ren erreicht, als Senior feiner AMffenfdjaft, feiner 
Unioerfität. Stit ihm ift ein ©roßer babingefdjieben, 
ein ©roßer im Seid) ber Forfcbung unb ßebre. 

Seine bas gan 3 e ©ebiet ber ßanbtoirtfcbaft um* 
faffenben miffenfcbaftlicben unb prattifeben ©rfabrungen, 
bie unerfcbütterlicbe ©emiffenbaftigfeit unb peinlicbfte 
ßauterfeit feiner Forfcbung unb ßebre, bie geniale 
Semeglicbteit feines ©elftes toaren es, bie ihn befähigten, 
allen Strömungen ber ßanbtoirtfcbaft mit oerftänbigem 
Sat 3 U bienen, oor allem aber bie tounberbare Stacht 
ber ßiebe. Ueber feine Berufung als ^ßrofeffor nad) 
#alle fagte er felbft: „3cb folgte biefem Suf mit ooller 
ßiebe, benn er erfüllte mir bas #öcbfte oon bem, toonacb 
ich frübseitig in tieffter Seele mich gefebnt. ©ott toolle 
bie Saat fegnen, bie aus 3 uftreuen ich berufen bin." 
©s toar bie oolle ßiebe 3 U feiner AMffenfcbaft, bie bin* 
gebenbfte ßiebe 3 U feinem Atorf, befonbers aber bie ßiebe 
3 u feinen Schülern. Sas toar es, toas ihn für alle, 
bie ihn fannten, 3 um „Sater Äübn" machte. 

Unb er bat bas ©lücf gehabt, baß, toenn auch alle 
feine 3 abllofen Freunbe barurn trauern, baß bie geift* 
unb liebeoollen Augen gefcbloffen finb, boeb jeber mit 
©enugtuung empfinbet: ,,©r bat fein Atorf oollenbet, 
er ift nicht berausgeriffen mitten aus noch un* 
befriebigtem Atollen." Sein Atorf ftanb ihm näher als 
alles, näher felbft als feine Familie; fein ßeben batte 


nur Atort für ihn, fotoeit er es für fein Atorf ge* 
brauchte; unb biefes fein Atorf, bie Ausarbeitung unb 
Feftigung ber ßanbmirtfebaftsmiffenfcbaft in ßebre unb 
Forfcbung als ein berechtigtes unb erfolgreiches ©lieb 
ber Unioerfität, bat er fo feft begrünbet unb abgefcbloffen, 
baß er nun beruhigt bal)tnfabren fonnte. 

©r bat bas ben Sterblichen in ber Segel 3 ugemeffene 
Staß bes ßebens toeit Übertritten, genau bis 3 U bem 
3*itpunft, als feine Arbeit getan mar. Denn auch bas 
feltene hob* ©lücf mar ihm belieben, baß er feinen 
Subm nicht in fraftlofer Untätigfeit überlebte. An 
jenem Dag, an bem bie 3 ß üung feine leßte beftiQe 
©rfranfung melbete, bie ihn nad) menigen Dagen babin* 
raffte, befam ich ben Sonberabbrucf feiner in ber 
lanbmirtfcbaftlicben Umfcbau erfebienenen leßten Arbeit 
über „©leftrofulturoerfucbe" bes Sommers 1909. Unb 
auch biefem leßten fursen ^Bericht maren bie befannten 
Vorgänge ber Äübnfd;en Arbeiten eigen: gemiffenbaftefte 
^Beobachtung, oorfiebtigftes Urteil, befebeibene 3urücf- 
baltung im 3teb*n.fertiger Schlüffe, aber suoerficbtlicbes 
betonen bes in eigener forgfältiger Arbeit gefunbenen 
Sefultates. 

Sein ©lüefftern fügte es, baß er an ber Unioerfität 
#alle, „inmitten ber intenfioften ßanbmirtfcbaftsbetdebe #/ 
ber bo^fultioierten $rooin 3 Sacbfen, im fersen Deutfcb* 
lanbs, feine Dätigfeit ausüben, fein 2öerf burebfübren 
fonnte. hierher, mie 3 U einem Srennpunft Ianbmirt* 
fcbaftlicben Strebens unb Arbeitens, ftrömten bie oieten 
Daufenbe lernbegieriger 3 ünger nicht nur aus Deutfcb* 
lanb, fonbern auch aus fernen ßänbern 3 ujammen, bie 
Äübnfdjen ßebren fuebenb, ihn 3 U immer neuen Auf» 
gaben anregenb, feinen Sußm oerbreitenb. 


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Plummer 17. 


©eile 689. 


3ulius Kühn mürbe am 23. Oftober 1825 In ?ßulsniß 
In ber Dberlaufiß geboren. Cr erlernte bie praftlfdje 
ßanbmirtfchaft unb mürbe fchon Im 3 ahr 1848 als 
©utsamtmann in Kraufche bei Bullau in Schlefien 
felbftänbig mirtfchaftenber Beamter, Schon hier, in 
müfjeooller praftifcher Brbeit, betätigte er fein gorfcher* 
intereffe. 3n ben 3<*i)ren 1855 unb 1856 ftubierte er 
in Boppelsborf, mürbe 1856 in ßeipaig 3 um Doftor 
promooiert unb mar im Sommer 1857 Brioatboaent 
in B^osfau. Doch fefjrte er alsbalb noch einmal in 
bie Brajis aurücf unb übernahm bie Bermaltung ber 
©räp. ©gfofffteinfdjen Befißung in Schmufen im Kreife 
©logau. Bis ©üterbireftor in Schmufen mar er ben 
ßanbmirten ber Nachbarfreife ein leudpenbes Borbilb 
als Bcfermirt unb Biehaüchter; bocf) gab fein im 3<*f)r 
1858 erfdjienenes 2Berf „Die Kranfheiten ber Kultur* 
gemächfe, if>re Urfatfjen unb ihre Beratung" auch 
glänsenbes 3 eugnis oon feiner unermüblichen gorfcher* 
tätigfeit. 

3n Schmufen oerfaßte er auch fein 3 roeites berühmtes 
Bßerf „Die amecfmäßigfte Ernährung bes Binbuiehes". 
tiefes Buch, in ber #anb faft jebes prattifchen ßanb* 
mirtes unb ßanbmirtfchaft Stubierenben, ift feitbem mie 
fein anberes bas meiftbenußte ßehrbucf) ber lanbmirt* 
fc^aftlidjen gütterung gemorben; im 3uhr 1906 erfd)ten 
es in 12. Auflage. Sein erfter f)od)&ebeutfamer Erfolg 
aber mar, baß, als in #alle im 3 <*hr 1862 ein fießr* 
ftuht für bas lanbmirtfchaftliche Stubium gegründet 
mürbe, bie Bugen ber entfcßeibenben SNänner fleh nur 
auf ben in Brajris unb SGßiffenftfjaft gleich h^roorragenben 
Berfaffer biefes Buches richteten. 

Cr übernahm bie Berufung; aber foglei<h 3 eigte 
fii) bas Programm feines Strebens. Ntit bem ßehr* 
ftuhl allein mar ihm nicht gebient, fein bringenbftes 
Beftreben mar barauf gerichtet, ein gorfeßungsinfütut 
3 u errichten, unb er hat unter oiel Sorgen unb Blühen 
als erfter ben Busbau eines eigentlichen lanbmirtfehaft* 
miffenfchaftlichen gorfeßungs* unb ßeßrinftituts nach 
felbftänbigem Bfon bemerfftelligt. Sie muftergültige 
Durchführung biefes 3ietes hat er felbft immer für 
ben i)öhepunft feines Bßerfes gehalten. Nicht in bem 
Böhmen eines Btuftergutes, mie es bei ben lanbmirt* 
fcßaftlicßen Bfabemien beliebt mar, auch nicht als che* 
mifeßes, soologifches ober botanifches Snftitut mollte er 
feine Brbeitftätte gebacht miffen. Das Snftitut foHte 
auf ejaft naturmiffenfchaftlicßer ©runblage lanbmirt* 
fcßaftlich*miffenfchaftliche gorfcßungsmetßoben ausbilben 
unb hernach folche Bufgaben miffenfchaftlich 3 U löfen 
fuchen, bie ber görberung bes lanbmirtfchaftlichen Be* 
triebes bienen. 

Bis einseine Steige bes 3nftituts fchuf er ben 
Berfuchs* unb BPanaengarten, bie Berfucßsroiefe, bas 
große Berfucßsfelb, ben fehr umfangreichen Haustier* 
garten, bas Beterinärinftitut, bas 3nftitut für bie Brü* 
fung Ianbmirtfchaftlicher SNafcßinen unb ©eräte ufm. 
Unenblich sahireich finb bie Beröffentlicßungen, burch 
bie er Zeugnis ablegte oon ber Brt feines Brbeitens 
unb oon ber Cmfigfeit, mit ber er aüe Seiten bes 
Ianbmirtfchapiichen Betriebes in bas Bereich feiner 
Unterfuchung unb görberung 30 g, unb burch bi* er 
einen füllen, aber fieberen ©inpuß auf bie gefamte 
ßanbmirtfchaft ausübte. 

Cr mar gans unb gar fein Spesialift, bas fonnte 
er nicht fein, fonft häüe er nicht ber Begrünber ber 
mobernen ßanbmirtfchaftsmiffenfcßaft fein fönnen; fein 
gorfeßungs* unb ßehrgebiet mar bie gefamte ßanb* 

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mirtfehaft, auf alle Steige mirfte er befruchtenb ein. 
Bber aus feiner Schule gingen im natürlichen Berlauf 
Spesialiften ßeroor, benn unter feiner güßrung ift ber 
Umfang ber ein 3 elnen gorfeßungsgebiete fo groß ge* 
morben, baß bie Bearbeitung eines jeben oon ihnen 
fpesieüe Bertreter oerlangt. So mirfen oon feinen 
Schülern bie einen auf bem ©ebiet ber BPonaen* 
probuftionslehre, bie anbern in ber lieraucßtleßre, 
unb auch bie SBirtfcßapslehre mirb als befonberes gor* 
fchungsgebiet gepßegt. 

3 aßlreicß unb glänsenb maren bie ©hrungen, bie 
ihm unb feiner Säügfeit suteil mürben. Bber ftets 
nahm er bie über alles gemöhniiebe Blaß hinaus* 
gehenben ©hrungen unb Bnerfennungen, bie ihm oon 
feiten feines Königs unb ber oorgefeßten ^Behörben 
fomie oon feiten feiner Schüler unb Bnhänger suteil 
mürben, nur als feinem 5Berf, nicht feiner Berfon 
geltenb entgegen unb freute fich ihrer nur als ©e* 
mähr bafür, baß fein SBerf bleiben merbe. Unb es 
mirb bleiben: nicht als abgefchloffenes, ftarres ©ebilbe, 
fonbern als ein Bermäcßtnis, bas reichlich ausgenußt 
morben, als ein Baum, ber immer neue 3u>eige mit 
neuen föftlichen grüeßten treiben mirb. Büe feine 
Schüler, bie feines ©elftes einen #aucß oerfpürt haben, 
merben an ihren Stellen bas oon ihm Uebernommene 
nicht als unoerrüefbares Schema behalten, fonbern es 
nach ihren Kräften meiter ins einseine oerfolgen unb 
ben neuen Berhältniffen entfprecßenb burchbilben. 3* 
reichere unb mannigfalügere grüeßte es in biefer Bich* 
tung tragen mirb, um fo mehr mirb bas feinem Sinn, 
feinem hoffen entfpreeßen. Bber ein gortfehritt ift nur 
auf feinen Bahnen gegeben; in biefem Sinn mirb fid) 
fein SBunfcß erfüllen, ben er in bem oben angeführten 
Saß ausjprach: „©ott molle bie Saat fegnen, bie aus* 
3 uftreuen ich berufen bin." 

teS Unsere ©Clöer Hfi$l 

L ■ . ■ ■ ... — ■ ■ ■■ 

Die ?ßaläflinafahrt bes Brinaenpaares (Eitel 
griebrich (Bbb. 6.691 u. 692). Seit ber Orientreife unferes 
Katfers hat feine ^Pilgerfahrt nach bem ^eiligen ßanbe fo oiel 
Buffehen erregt roie bie Beife bes grinsen EiteUgriebrich 
oon Preußen unb feiner ©emahlin, bie in biefem 3abr einige 
Dage nach Oftern ben geheiligten Boben Baläftinas betraten 
unb einige Söocßen lang im ßanb roeilten. Der Befucß bes 
Brinaenpaares unb bie impofanten geierlid)fetten, mit benen 
bas fchöne eoangelifche Erholungsheim unb bie fatholifche 
Btarienfirche eingeroeißt mürben, haben auf alle Nationalitäten 
Baläftinas ben tiefften ©inbruef gemacht, für bie beutfehen Bn* 
fiebler aber bebeutete biefe gürftenreife eine mahre i)er 3 ens* 
freube unb eine toirffame görberung all ihrer Begebungen. 
Daher mürbe bas Brinjenpaar überall oon hellem 3ubel be* 
grüßt. Der Cin 3 ug in 3affa unb bann in 3erufalein erfolgte 
unter gemaltigen Ooationen. Natürlich begrüßten oor allem 
bie Deutfchen ihren Äaiferjohn unb feine ©emahlin. Das 
Brinflenpaar roeilte roährenb feines Bufentbalts gern unb oiel 
im Streife ber beutfehen Kolonie, unb ber S)öbepunft ber Beife, 
bie Einmeihung bes Erholungsheims auf bem Oelberg, ber 
5ßrüi3 Eitel griebrich als S)errenmeifter bes 3ohanniterorbens 
beimohnte, mar ein burch unb burch beutfehes geft. greilich 
ließ all bie bunte orientalifche ©taffage, bie einer Baläftina* 
reife einen fo ejotifchen Beia oerleiht, bie hohen ©äfte 3eru* 
falems nie oergeffen, mo fie meilten. 3ebenfalls mirb ihnen 
biefe Beife ebenfo unoergeßlich bleiben roie ben Deutfchen bes 
^eiligen ßanbes. 

Das Ballonunglücf oon Beichenfachfen (Bbb.6.695). 
©eitbem ber ßuftfport in Deutfchlanb eine fo große Berbreitung 
gefunben hat hört man faft nach jebem ©türm ober jebem 
©emitter oon einem neuen großen Ballonunfall. Bur toenige 
läge nach ben beiben Äataftrophen in Sommern, benen bie 

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Kummer 17. 


Seite 69 0. _ 

Snfaffen ber Ballons „Sommern" unb „Sdjfefien" 3 um Opfer 
fielen, ereilte oier Aeronauten, bie in bem Gallon „Oelißfd)" 
in Bitterfelb aufgeftiegen waren, in ber Vähe bes Oorfes 
• Velchenfachfen ein furchtbares Unheil. Oer güfjrer bes Ballons, 
ber Bitterfetber Bürger Karl ßuft, war ein fef>r erfahrener 
ßuftfdjiffer, unb aud) feine ©efäfjrten waren bereits oielfach 
erprobte Aeronauten. Oer Ingenieur ßeudjfenring, ein Bager, 
einer ber Angeftellten ber ßuftfd)iffahrtsgefeUfd)aft in Bitterfelb, 
ber Staufmann (Sraupner unb ber lierarjt S)ecfer batten fd)on 
mehrere Aufftiege unternommen; Werfer 3 äblte auch 3 U ben 
görberem bes Oeutfdjen ßuftflottenoereins. Oie oier Unglücfs- 
genoffen haben augenfcheinlicb feinerlei gehler begangen. Als 
fie um Mitternacht über (Eifenad) fchtocbten, gerieten fie in 
einen ©eroitterfturm, ber fie nach Veid)enfachfen trieb; bort 
traf ein Bliß ben Ballon unb brachte bas (Bas £ur (Ejplofion. 
Am Morgen fanben bie Ortsbewohner in einem Obftgarten 
bie oerftümmeiten ßeidjen unb bie Vefte bes Ballons. 

w 

Oie Mahltampagne in granfreid) (Abb. S. 694 u. 698) 
hat begonnen unb bringt, bem gatlifcben (Eharafter entfprechenb, 
eine Veihe erbitterter Kämpfe mit fi<h. Oer Minifterpräfibent 
Brianb eröffnete ben gelb^ug burth eine große ^Programmrebe, 
bie er oor ben Mählern oon St. (Ehamonb hielt. Mährenb 
biefer Vebe fam es 3 U ben ärgften Vubeftörungcn, ba bie 
reoolutionären ©egner ber Regierung mit ©ewalt in ben Saal 
einbringen mollten unb faum baran oerhinbert werben tonnten. 
— 3n Baris felbft ift bie merfwürbigfte (Erfcfjeinung bes Mahl* 
tampfes ber Anteil, ben bie Stimmrechtlerinnen baran nehmen. 
Sie haben mutig unb ausfichtslos eine Stanbibatin für bie 
fßarlamentsroablen aufgeftellt, befonbers eifrig aber machen fie 
in 3 ablreichen Berfammlunqen für eine pan 3 e Schar oon 
©emeinberatsfanbibatinnen ^ropaganba. Menn auch biefe 
Oamen — meift Vertreterinnen ber gelehrten Berufe — bies- 
mal angefichts ber gefeßlidjen ftinberniffe noch nicht in bas 
Stabthaus einjiehen werben, nehmen ihnen funbige Beurteiler 
ber poliüfchen Stimmung nicht alle Hoffnung für eine nahe 
3 ufunft. 

Oer IDalai-ßama (Abb. S. 693) tommt toährenb feines 
Aufenthalts in Kalfutta inniger mit ber europäifchen Kultur 
in Berührung als irgenbelner feiner Vorgänger in feinem 
heiligen Amt. Oer „lebenbe Bubbha" hat fid) fogar herbei- 
gelaffen, einem Vholoßraphen in aller Muße 3 u einer Vorträt- 
nufnahme 3 U fißen. Alle Vilber bes bubbhiftifchen fßapftes, 
bie man bisher tannte, waren nur fühne Momentaufnahmen 
unternehmungsluftiger Amateure. 

te* 

Or. (Eoof (Abb. S. 693), ber amerifanifche Volarfahrer, ber 
ber ffielt, ftatt ihr lefctes geographifches Vätfel 3 U löfen, ein 
fo merfwürbiges pfgdjologifches Vätfel 3 U raten gegeben hat, 
war lange 3eit oerjdjollen. Oie Veporter aller fiänber fuchten 
ihn mit geuereifer an oerfchiebenen Orten (Europas, es fcheint 
aber, baß er fid) feit Monaten unter falfchem tarnen in Süb- 
amerifa aufgehalten hat. Vor funem oerlieg er an Vorb bes 
beutfchen Oampfers „Ofiris" ben j)afen oon Monteoibeo. 

** 

(Ein Vranb im Hamburger greihafen (Abb. S. 696). 
Vor einigen lagen entftanb in einem ber großen Speicher 
an ber Kehrwieber Spiße im Hamburger greihafen eine große 
geuersbrunft. (Es fcheint, baß ein Arbeiter beim ßöten einer 
Kifte mit bem ßötofen unoerfichtig umging, unb baß infolge* 
beffen ein in ber Vähe gelegenes 3elluloibIager explobierte. 
9tun war es natürlich nicht leicht, ben Vranb 3 U löjchen, ob¬ 
wohl bie geuerwehr ihr möglichftes tat. Ote glommen oer* 
3 ehrten einen großen Steil ber in bem Speicher oerwahrten 
©üter, barunter ein großes Kaffeelager. So würbe ein ge¬ 
waltiger Schaben angerid)tet. ßeiber fanb bie oorbringenbe 
geuerwehr in ben rauchenben Xrümmern ber elngeäfdjerten 
Väume auch bie ßeichen 3 weier armer Arbeiter, bie oon bem 
geuer überrafcht worben waren. 

w 

Oie Meltausftellung in Vrüffel (Abb. S. 694) wirb 
mährenb ber Moche, in ber biefes 5)eft unferer 3 «itf*rift auf¬ 
liegt, in feierlicher Meife eröffnet. Oem großen (Eifer bes 
Ausftellungsfomitees, bem Baron 3anffcns oorfteht, ift es ge¬ 
lungen, baß ber König bei ber (Eröffnungsfeier ein wenigftens 
einigermaßen fertiges ©an 3 es befähigen fann. Auch bie 
beutfche Abteilung, befanntlich einer ber frf>önften Steile ber 
©efamtausftellung, fann fich banf ber raftlofen Xätigfeit bes 
Veid)sfommiffars unb bes Komitees bereits bei ihrer früh* 
3 eitigen Eröffnung fehen laffett. 


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3ba Bog-(Eb (Abb. S. 697), bie Verfafferin unferes neuen 
Vomans, ift unfern ßefem feine Unbefannte, fowenig trie 
btfta übrigen beutfchen ßefepublifum. Steht fie boch feit bem 
3ahr 1882 im literarifchen Schaffen. Seither hat bie liebens- 
würbige unb phantafiereiche Wählerin eine gan 3 e Veihe 
prächtiger Merfe oerfaßt, bie 3 umeift in angefehenen Blättern 
erfdjienen unb bann fpäter auch in Buchform großen (Erfolg 
fanben. Oie ßefer ber „Mod)e" haben im Sommer 1906 in 
bem Vornan „i)erbftfturm" bie hemorragenben Qualitäten 
biefer echten grau unb echten Oicßterin fennen unb fd)äßen 
gelernt; fie werben biefe Vo^üge auch in „Vur wer bie Sehn- 
fucht fennt. ..", 3ba Bog»(Ebs neuftem Vornan, wieberfinben. 

lobesfälle (Abb. S. 697). 3n $alle oerfchieb ber SBirfl. 
(Beh- Vat Or. Julius Kühn, ber ha^aerbiente Organifator bes 
höheren lanbwirtfchaftlidjen Stubiums in Oeutfchlanb. — 
Malbemar ©raf Oriola, ber befannte h*ffif<h e ^Parlamentarier, 
ift nach einem fcheinbar belanglofen Straßenunfall einem 
Schlagßuß erlegen, ©r war bis 3 U ben Kämpfen um bie 
Vetdjsfinan Reform einer ber güßrer ber Vationalliberalen im 
Velchstag. (Er trat aud) in oerfchiebenen Körperhaften ©effens 
heroor. — ©eh- Kommer 3 ienrat 3. Vlüthner, ber biefer £ag t 
geftorben ift, ift als gabrifant ber Blüthnerflügel in ber ganzen 
2öelt befannt geworben. (Er hat auch auf bas Mufifleoen 
Berlins großen (Einfluß genommen. 


Dieloten fterÜBocbelj 


Maximilian ©raf o. Ber ehern, SBirfl. ©e^. Vat, ehemaliger 
Unterftaatsfefretär, f In München am 13. April, 68 3aßre alt. 

grau $)anna Bieber-Böhm, gührerin ber beutfchen 
grauenbewegung, t Berlin am 15. April, 58 3aßre alt. 

©eh. Kommer 3 ienrat 3ulius Blüthner, Begrünber ber. 
befannten Vianofortefabrif, t in ßeip 3 ig am 13. April im 
Alter oon 86 3ahren. (Vortr. S. 697). 

©eneralleutnant 3 . O. oon (Earnap-Querheimb, t in 
griebenau bei Berlin am 15. April im Alter oon 84 fahren. 

Sir Vobert ©iffen, befannter Statiftifer, t in ßonbon am 
12 . April im Alter 73 3ahren. 

Mirfl. ©eh- Vat Vt*of. Or. 3ufius Kühn, Oireftor unb 
©rünber bes ßanbwirtfchaftlichen 3 nftituts in ^)nUe a. 6 ., f 
am 14. April im 85. ßebensjahr. (Vortr. S. 697). 

Sir VMUiam Orcharbfon, befannter Maler, f in ßonbon 
am 14. April im Alter oon 75 3ab«n. 

©raf Malbemar Oriola, Veichstagsabgeorbneter, t in 
Berlin am 17. April im 56. ßebensjahr. (Vortr. 6 * 697). 

©eneralleutnant 3 . 0. Karl Xilleffen, + in (Ehrenbreitftein 
am 13. April im 64. ßebensjahr. 

Vobert Malbmüller, befannter SchriftfteHer, t in Oresben 
im Alter oon 87 3af)ren. 




lltan abonnterf auf bie „BJodje“: 

in Berlin unb Vororten bei ber $aupterpebttion 3immerftr. 36/41 
fowie bei ben gUiaien bes «Berliner Cofal-’ aeiger» - unb in {amtliiben 
Bud)banblungen, im 

Deutrehen Reich bei aUen Buibbanblungen ober Boftanpalten 
unb ben CBefdjäftefteaen ber «3Bod)e M : Bonn a. Stb-, Äöinpr. 29; 
Bremen, Obernftr. 16; Breelau, 0tbroeibni6er 0tr. 11; Gaffel, 
Obere ft’önigftr. 2?; Oresben, 0eeflraBel; tt Iber fei b, i)er3ogftr.38; 
(Elfen CRuljr), Äaflanicnallee 98; grantjurta. BL, Äaiferftr. 10; 
©örllö» ßuifenftr. 16; i)al(ea.6., Orofee ©teinflrabe 11; l)am* 
bürg, Beuerujaü 2; f)annooer, ©eorgftr. 39; Stiel, f)olt+ 
nauer etr. 24; Stöln o.-Rlj-, 148/150; StÖnigsborg L 

BJeiBgerberftr. 3; fieipAig, 19*. Btagbeburg, Breite 

SSßeg 184; 'JJlüntben, Bai)er|tra&e 57; Nürnberg, Staiferflra^e, 
Gde glei|d)brücte; Stettin, (Brofce Oomftrafee 22; 6traBburg 
(S(|.), (Biesbausgaffe 18/22; 0tuttgart, Äönlgftr. 11; SBiesbaben, 
Jtircbgaffe 26, 

Ocrtcrreich-angam bei aUen Bud^bonbiungen unb ber CBe. 
Idjä|t9|tclle ber «SBodje"; ffiien I, ©raben 28, 

Schweiz bei allen Bucbbanbiungen unb ber ©etödftsftelle ber 
«SBo^e*: 3üridj, Babnbofftr. 89, 

England bei allen Burbbanblungen unb ber <9ef<b8ft*fielle ber 
«SBodhe": ßonbon, <E. 129 ßeabenball 0treet 

Frankreich bei aUen Bucbbanblungen unb ber CBeHbafteftelle 
ber n Biod)e M : Baris, 18 9tue be 9Ud)clieu, 

Rolland bei allen Bud)banblungen unb ber <3ef(bäft»ftelle ber 
«fflod)c": Slmfterbam, Sfeiaersgradjt 333, 

Dänemark bei allen ©udjljanblungen unb ber CBef4>dft»fteOe ber 
„3Bod)e w : Stopenbagcn. Äjöbmagergabe 8, 

Vereinigte Staaten von Hmertha bei aUen Buibbanblungen 
unb ber CBefdjäftsfteQe ber „SBocbe": 9t e uqorf83 u. 85 Ouane Street 


Original fro-m 

UNIVERSUM OF IOWA 





TUimmer J7. 


öeite 691. 



Oer Bmpfang des prinzenpaares (X) auf dem Bahnhof in ^erufalem. $&ot. snab. 

Die paläftinafabrt des Prinzen und der Prinzcffin 6itcl fricdrtcb von Preudden» 


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Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 




||Btlöerpom3afleB=i§& 


Ju O(DC' 






















Kummer 17. 


Der JJriti 3 (X), als fjerrenmeiffer bes 3of)anniterorbens, 

begibt fid) aur (Elmüeitjung ber ftimmelfabrtsfircfjc 


3m ÜBaflen bas ^rinaenpaar. 

2Cuf ber Ja f)xi oom fjafen nad) bem 3af)nf)of in 3a(fa. 


Das fürfflidje paar auf bem Canbungsboof 3 ioifd)en ben Jelfen oon 3affa. 

Die Paläftinafaljrt bes grinsen unb ber ^rinfleffin eitel Öriebrid) oon ^reu&eu. 


Digitized b; 













Kummer 17. 


Seite 693. 



Der Dalai-Cama in ftalfnffa: Crffe JJorträfaufnafjtne des papffes der Camaiffen. 



IDo ift &oof? Der langgejudjte Jiordpoijafytec (X) mit (einer (öattin an Bord des deutjdjen Dampfers Ofirts 

nnd) feiner 2Ibfabrt oon OTonteoibeo. 


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Original frorn 

UNIVERSITY OF IOWA 
















Seite 694. 


Kummer 17. 



(bet). Reg.-Raf Rlberf, 

beutfdjer *Ret4sfommiffar für bic Äusftellung 


Baron 3anffen*, Briiffel. 

Der ^Präfibent bes ausfübrenben äusfdjuffes. 



«nnDmi. 

(&et). äommerjienraf Raoene, 

^Präfibent bes bculfd)en 2IusHcUung?fomitee« 

»rüffel. 



tfrianb (X ) mmincn ocr Bäfrletntenge in St. <£f>amonb 
3Bai)(carnp a 9ne in 3-ranfreid). 


$&£>»• ©orlbft Oropplc ¥rr& 


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Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 
















Kummer 17. 





2tei(f)enfad)fen: Die UnfaUf»cU e (x) hinter 


einer Sdjeune im ©arten. 




•V£>!j>l;ci. 2 eflgmaitt , 


7) -„ K „ öer rf n r ÖCr i£r,rÜnlmcc ‘ cn ® ont,e « «nö Her BaUonrefle- 

Digitizedby COO^le Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 






















Seite 696. 


Kummer 17 


j)er burd) eine ^eliuloibejplojion entftanbene 93ranb nom #afen aus gefetjen. 
(Brojjfeuet im Hamburger Jteifjafen. 

Unteres 33ilb: ßöjdjarbeiten auf ber £anb(eite, oor ber Öreifjafenbrücfe. 


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Kummer 17. 


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Kummer 17. 



Die JDal)lcatnpagne in Frankreich 

Parifer Suffragettes in ibrer erften rDablner(ammlung: fi® 

Die pdDohatin mile. D6rone (prid)t. — Oad) einer Originalzeidjnung non C6on fauret. 


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Stummer 17. 


Seile 699. 


9tur toer bfe Se^nfuc^f femtf... 

Vornan »on 

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2 hif bem 3 ocßtflubbalI in ber Siarineafabemie, ber 
tnie immer bie Sieter 2 öocße abfcßloß, gemährte bie her* 
förnmlicße Überaaßl oon Herren jeber Dame bas 93er* 
gnügen, fehr gefugt unb umfcßwärmt au fein. 2 tber 
bie Dringlicßfeit, mit ber in ben Danapaufen bie fcßöne 
grau 3utta non Sereßrern umworben tuurbe, wirfte 
fetbft hier fo auffallenb, baß fie ficf) als Königin bes 
geftes hätte fügten bürfen. 

(Es fd)ien jebocß, als nähme fie altes mit einem er* 
jwungenen ober aerftreuten ßäcßeln f)\n: bie brüberlicße 
gürforge ber (Erewfameraben ihres fernen ©atten unb 
bie feurige Sereßrung ber jüngeren Seeoffiaiere. 

Sie ftanb eben im Sorfaal bes erften Stocfwerfs, 
oor einer ber Sauten, bie ben ßoßen Slafonb trugen. 
Die etwas grelle $ettigfeit, bie oon überall her bas auf* 
ftrebenbe SRunb bes grauen Starmors traf, überftreute 
ihn mit gleißenben unb unruhigen Seflejen, fo baß ihm 
bie gerabe ßinie eines ©lanalicßtes fehlte. Das gab 
einen au flimmernben 5)intergrunb für ben bunfel* 
haarigen grauenfopf, beffen Umriß baburcß etwas 93er* 
wifchtes befam. 

grau 3 utta war ein wenig bleich, wie es manche 
grauen oom Danaen werben. 3 h re ©eftalt, troßbem fie 
über Stittelgröße war, wirfte aart. 21us bem blaffen 
©olbgelb ihres (Eßiffonfletbes hoben fich in feinen 
ßinien bie Schultern heroor. Das Seftimmenbe an 
ihrer (Erfcßeinung war oietteicßt bie 21 rt, wie ber fchlanfc 
Öals ben Sopf trug: erhoben, in unbewußt herrifcßer 
Haltung. 

93on ben jungen Herren, bie fich gerabe um 3utta 
Stühe gaben, bemerfte feiner, baß ihr ©eficht oom geft 
mehr abgefpannt als angeregt erfcßien, baß fich unter 
ihrem ßächetn ein 3ug non Schärfe oerbarg. Unb fie 
fpürten auch nicht, baß ber 93licf aus biefen großen, 
bunfeln 21 ugen 3 uweilen an ihnen oorbeigihg unb bas 
©ernühl ber Stenfcßen rafch fuchenb überflog. 

3 n einer wichtig fröhlichen Bewegung fchob fich bie 
Stenge oorüber. 21us bem ^auptfaal tarn fie unb 30 g 
bie impofanten Dreppen hinab, aum untern 93orfaal ober 
3 um ©artenfaal. 93on unten fam fie herauf, bem 
Scßauplaß ihres 93ergnügens eine anbere Suliffe fuchenb. 
3 mmerfort wechfelten bie ©ruppen, in benen fie fich 3 Us 
Jammenfanb. 21ber biefe Stenfcßenfülle wirfte bennoch 
nicht fehr farbig. Die bunfelblaue Starineuniform mit 
ben golbenen geraten beherrfchte bas 93ilb. Die Stöbe 
begünftigte für bas grauenfleib fo fehr bas 9ßeiß, baß 
nur gana feiten bunte Döne auftauchten. Stan faß ab 
unb au einen ber weißen Sragen unb paftellbtauen 
Söcfe oon „SeebataiHönern" unb auweilen ben fchwar* 
3 en, orbengefchmücften gracf eines Srofeffors ober 
Segierungsbeamten. 


Die brei jungen Herren, bie oor 3utta ftanben — alle 
brei in bem furaen Dinerjacfett, bas felbft ben älteften 
Stabsoffiaieren noch etwas fnabenhaft glottes gibt — 
fehrten ihre bunfelblauen Uniformrücfen ber unruhigen 
Stenge au, awifcßen ihr unb ber fcßönen grau eine 2Beßr 
bilbenb, gleichgültig gegen alle SBelt unb nur beftrebt, 
oor ber Dame ihrer 93erehrung in munterer Unter* 
haltung au befteßen. 

„3cß ftnbe es eine großartige Stimmung heute abenb. 
ginben gnäbige grau nicht auch?" fragte ber Ober* 
leutnant 3 . S. oon Seiswlß, beffen bärtiges unb burch 
Sonrtenbranb entftelltes ©eficht oor greube ftrahlte. 

„D u bift in großartiger Stimmung", fagte fein fur$* 
geworfener ftämmiger greunb ßebus mit 93etonung. 
„3cß fehe nichts wie ben Startneball nach Schema g, 
ben man fchon fo oft abgetanat hot. Das einaige wichtige 
unb fchöne (Erlebnis bes 21benbs ift bie 21nwefenheit ber 
gnäbigen grau." • . 

Unb auch fein ©eficht, bas burch eine oon feinerlei 
Haarwuchs mehr gefrönte Stirn fehr groß für feine 
fleine ©eftalt fcßien, glätte gana unb gar. 

„Sun, #err oon Seiswiß hot alle ©rünbe, in befter 
ßaune au fein", meinte 3 utta unb fah ben Offner mit 
wirflicher greunbücßfeit an. „3m #anbifap (Ecfern* 
förbe*$iel (Erfter geworben, ber ,greia‘ einen $run!* 
becßer erfegelt; bei ber ^reisoerteilung oon Stajeftät 
ausführlich angefprochen — wem ba ber Fimmel nicht 
ooller ©eigen hängt, bem fann bas ©lücf überhaupt 
nicht mehr auffpielen." 

„©näbige grau bürfen mir glauben, baß es mir eine 
große ©enugtuung ift, 3h rcr (Empfehlung feine Schanbe 
gemacht au hoben", oerficßerte Seiswiß 00 U Selbft» 
gefühl; „ich wußte, baß bie allgemeine 21ufmerlfamfeit 
fich ouf bie ,greia‘ richtete, unb baß ich für bie (Ehre ber 
beutfcßen 2Berft, bie fie gebaut hot, unb ihres Sefißers, 
ber fie meiner gührung anoertraute, mich mit meinem 
ganaen fegelfportlicßen können einaufeßen hotte." 

„Der 93efißer ber ,greia< ift 3ßr Setter, gnäbige 
grau?" fragte ber ßapitänleutnant #eibebrecßt. (Er faß 
ein wenig bem großen Sapoleon ähnlich, unb wenn er 
nur eine grage tat wie biefe gana gewöhnliche, wirfte 
es, als forfeße er gnäbig nach tiefen Dingen. 

„Setter?" fagte 3utta unb machte acßfelaucfenb eine 
©efte, als loßne es fich nicht eine gana nebenfäcßlicße 
unb weitläufige Seaießung genau baraulegen. „5)errn 
oon ©ambergs Stutter unb meine Stutter finb irgenbwie 
oerwanbt." 

Unb ißre ®licfe glitten babei an ^eibebreeßts maf* 
fioem ffopf unrußig oorbei unb fueßten in ber Stenge. 

„ 3 cß fenne 5)errn oon ©amberg," eraäßlte mit feiner 
ßeiferen Stimme ßebus, „bas heißt, ich weiß nicht, ob 


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Kummer 17. 


er fid> meiner erinnert. Als icf) nor atoel Sohren in 
einem fleinen Ablöfungstransport non Qftafien mit 
heimfam, befanb fid) aud) ©amberg an Sorb bes ,Äönig 
Albert*. ©amberg fjatte, glaube ich, als ©efretär im 
©eneralfonfulat non ©changhat ein 3ahr gearbeitet unb 
toar ins Ausmärtige Amt berufen." 

„Ad)...", fagte 3utta. 

„(Es ift förmlich, als menn bas ©etter müßte, mas 
es ber gnäbigen grau fdjulbig fei," meinte f)eibebred)t, 
„glängenber fonnte es nicht fein, unb fo haben ©ie gleich 
bas erftemal ben gangen Sauber ber Vieler ©odje 
fennen gelernt unb finb ihm für immer oerfaflen." 

„Stur fcfjabe, baß #err ftapitän nicht felbft bie greube 
haben burfie, 3f>nen Me Vieler ©odje gu geigen. ©ie 
er mohl ßerbenft! Die ,ßuife‘ ift ja mohl gerabe in 
biefen Sagen in Stagafafi angefommen." 

3utta ging auf biefe Stanbbemerfung non ßebus nicht 
ein. ©ie antmortete oielmehr f)eibebred)t. 

„ijier barf man nicht nur, l)ier muß man nom ©etter 
fpredjen. 3«/ es mar unerhört fcf)ön. Unb menn es 
fo bleibt, ©onnenfdjein unb frifdjer Storbmeft babei, 
erfegelt fid) Steismiß übermorgen non SHel nad) Srane* 
münbe mieber einen ^ßreis." 

„Karbon, gnäbige grau," bat Steismiß fehr eifrig 
unb mit bem Aberglauben bes ©eglers, „©etter muß 
man nid)t loben, ©etter muß man anfdjnaugen. Unb 
gerabe m*U gnäbige grau fid) etmas für $errn 
n. ©ambergs ,greta‘ intereffieren-" 

3utta lachte. 

„Ad) nein," behauptete fie, ,,id) intereffiere mich 
gar nicht fo bringlid) für bie ,greia‘, mie ©ie ooraus* 
gufeßen fdjeinen." 

„©näbige grau haben nur aus reiner E)ergensgüte 
für #errn non ©amberg bie ©ituation gerettet?" fragte 
$eibebred)t. 

,,©as heißt bas: bie ©ituation retten", fagte 3utta 
achfelgudenb. „©amberg hat fich bie 3ad)t bauen 
taffen, ich ßlaube mehr bem Drängen befreunbeter 
©portteute fotgenb als gerabe aus einer großen Stei* 
gung. ©an engagierte ihm für bie ,greia* eine fiye 
©annfdjaft unb einen ©fipper, ber eine Sßerte fein follte. 
Unb im leßten ©oment, bas heißt acht Sage nor Se* 
ginn ber Vieler ©oche, fteüte fid)’s heraus, baß ber 
©fipper ein Srinfer ift. Da ich nun gufällig mußte, baß 
#err non Steismiß ftch fehr banach fehnte, eine 3ad)t 
führen gu bürfen, fchlug ich ©amberg nor, er möge fich 
an Steismiß rnenben." 

,,3d) fonnte ja #errn non ©amberg auf meine 
(Erfolge mit ber ,©aria*(Elartffa‘ nermeifen, bie ich 
noriges unb nornoriges 3c*h* für ^ en 2lmerifaner i)ufton 
gefegelt habe. 3d) hatte mid) auch Mes 3af)r für 
f)ufton freigehalten: ba hat bie ,©aria*(Elariffa‘ Sed) 
unb mirb bei (Eomes angefegett, unb i)ufton bepefchiert 
mir ab. Aber fo geht es: erft ließ ich Me Ohren hängen. 
Nachher ftetlt fidfs raus, baß es ’n Dufel mar, benn 
es mar ja natürlich niel intereffanter, bie ,greia‘ gu 
führen. Steue Sacht Stjp gum erftenmal auf beutfcher 
©erft gebaut — etmaiger (Erfolg gemiffermaßen Semeis 
für ßeiftungsfähigfeit beutfdjer ©d)iffsbauted)nif, auch 
auf biefem ©pegialgebiet — ich barf fügen: es fpannte 


anl Sefonbers auch burd) ben Umftanb, baß bie ©egel 
noch nicht genügenb getrimmt maren. 3a, bas foftete 
Sternen. Aber gottlob: ich fann nor #errn n. ©am* 
berg unb, moran mir noch mehr liegt, nor meiner aller* 
gnäbigften ©önnerin beftehen." 

„©it melcher ©enbung bas ©efpräch mieber glücfltd) 
bei beinen ©egterquatitäten angetangt märe", fagte 
ßebus unb flopfte ben ftameraben mohtmottenb ein 
bißchen auf ben Süden. 

„Stiemanb fann fo genau non meinen Sorgüglid)* 
feiten unterrichtet fein mie ich felbft. Deshalb ift es 
meine Pflicht, bei ber herrßhenben Sfonfurreng fie 
unferer gnäbigen grau mieberholt gu ©emüt gu führen", 
antmortete Seismiß oergnügt. 

„3ch finbe aber hoch, 6ie mollen gu niel gelobt unb 
belohnt fein. Deshalb nergichte ich aus ergieherifchen 
©rünben auf ben nächften Sang mit 3hnen", erflärte 
3utta mit nernöfem ßacfjen. 

„©ehr gu billigen! grauen finb bie geborenen (Er* 
gieherinnen," lobte E)eibebred)t, „unb hier fteht ber (Er* 
faßmann! 3d) habe noch feine Dame gur Quabrille." 
(Er oerbeugte fich- 

„Der ©eg gur ^ßartnerfchaft mit ber gnäbigen grau 
bei ber Quabrille geht nur über meine ßeiche", erflärte 
Seismiß. „©näbige grau! Auch für bie Damen ber 
©arine ift famerabfchaftliche ©efinnung unb beren fort* 
mährenbe beutlidje ^Betätigung ein gmar ungefcßriebenes, 
aber abfolut gu befolgenbes ©efeß. 3<h mache ©ie barauf 
aufmerffam, baß es unfamerabfchaftlich märe, menn 
©ie mir bie Quabrille nerbürben. 34) habe auch fd)on 
ein Sifaois, bas 3hnen gufagt. Dito garantiere ich, 
baß 3hnen brittes unb oiertes Sßaar genehm ift." 

„©ie genau ©ie meinen ©efdjmad fennen!" fpottete 
3utta. „Samen, bitte—" 

„Aifanis alfo Kapitän $od)hagen! ©as fönnen 
©ie gegen ihn haben? (Er ift ber befte greunb 3hre* 
©annes." 

©ein Auffeher! buchte in jäh aufmaHenber Sitter* 
feit 3utta, mein Sefdjüßer — mein Sormunb — mein 
©efangenmärter.... 

Aber fie lachte auch ßhon mie eine, bie fehr angenehm 
überrafcht ift, unb fagte: „Sortrefflid). 3ch gieh h^r* 
nach meinen 93ergid)t gurücf." 

„©eben ©ie mohl! Unb 5)od)hagen hat bas munber« 
hübfche gräulein ©ernafius." 

„Sa — munberfchön...!" marf ßebus fritifd) ba* 
gmifcßen, als molle unb fönne er niemanb ©d)önheit 
guerfennen außer ber f)\ev gegenmärtigen unerreichten 
grau 3utta. 

Aber 3utta fragte in mirflichem 3ntereffe nach: w Die 
reigenbe Sod)ter bes S^afeffors?" 

„3amohl," ftellte Seismiß faft triumphierenb feft, 
„bes berühmten ©eheimrats entgücfenbe Sochter. Die 
anbern beiben Saare finb: Kapitän non Stofenfelb mit 
grau Äonful Krüger — Hamburger Dame — unb 
mein (Eremfamerab Untermeqer mit Saroneß Rollen* 
fteen." 

3utta nicfte lobenb. 

„(Eine Quabrille," fagte 5)eibebred)t, „auf bie fich ber 
Steib aller richten mirb, bie nicht babei fein fönnen." 


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UMIVERSITY OF IOWA 



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UMIVERSITY OF IOWA 



Kummer 17. 


©eite 701. 


„i)od$agen tanat fef>r oiel, aber feßr oiel mit Stenge 
©eroafius", bemerfte ßebus. 

3 utta mürbe nocß aufmerffamer. 3 b r 931tcf oerlor 
bas ©ucßenbe, Streute, bas fo im Uöiberfprucß au 
ihrem muntern Klaubern ftanb. 

„SBirfllcb?" fragte fie, als fei fie auf bas glüdlicbfte 
überrafcßt, „bas ift ein gutes Zeugnis für feinen 
©efcbmad." 

föeismiß fühlte, baß bies Sßema für bie fd)öne grau 
irgenbmie erfreulich fcfjien, unb er fpann es beshalb 
fort. 

„ 3 cß mill nicht inbisfret fein," fprach er / »ober als 
ich mit gräulein ©eroafius tanate, ßot fie fi<ß aus* 
fcbließlicß mit mir über ^ocßßagen unterhatten." 

„Unb bu beanfprucßft es befanntlicß hoch, baß man 
fich mit bir nur non bir unterhält", fagte ßebus, mit 
feinem ©eemannsbaß laut lachenb. 

„ 3 <h beanfpruche befanntttch, baß meine greunbe 
fich 0 *ifti 0 mal auch anbers als nur in 93osßeit be* 
tätigen", äußerte fteismiß. 

3 n biefem 2 lugenbttcf fcßmotl burch alle Iftäume ber 
einbringlichc, oibrierenbe Älang eines trompeten* 
fignals. ©ln Äamerab rief im 93orbeieilen SReismiß ju: 
„Eintreten aur Quabrille." 

©r gab fogleich feiner Same ben 2lrm unb führte 
fie in ben $auptfaal, an jenen $piaß, ben er mit feinen 
gärtnern oerabrebet hotte. 

©s bauerte aber noch Diele üftinuten, bis bas ent* 
ftanbene oermorrene Surcßeinanberbrängen oon 
Sänaerpaaren leiblich aur JRuhe fam unb bie einaelnen 
Äarrees oollftänbig in ißter Sluffteltung mürben. 
Herren fucßten nach ih r *n Samen hie* oben, mährenb 
bie Same vielleicht unten im ©artenfaal martete. S) ilf* 
lofe unb grembe, bie noch 0 ar feine Quabrillenteilhaber 
gefugt ober gefunben hotten, ftanben oerlegen umher. 
30er hier feine genauen 93erabrebungen getroffen unb 
nicht burchaus fich 3 U $)aufe fühlte, mar im argen üftaeß* 
teil Sie ben Sana orbnenben jungen Offnere eilten 
mit heißen unb oerameifetten ©efießtern hin unb her. 

Sie oier Sßaare oon 3uttas Quabrille ftanben ge* 
orbnet, gebulbig martenb. 

3utta unb SReismiß, gerabe gegenüber ber Äor* 
oettenfapitän $)ocßhagen, ein Wla nn mit bärtigem, 
ernftem (Befiehl, bas aber jeßt mie oor greubigfeit oer* 
flärt feßien. Sie fcßlanfe Same neben ihm, mit reget* 
mäßigen 3 Ü 0 *n, in benen noch Söeichheit unb grifeße 
ber blühenbften 3ugenb mar, fprach munter auf Um ein. 

©ie ift mirflich reiaooll, buchte Sutta, mie un* 
befangen fie ihre ©eßmärmerei aeigt! 2 Bie fein ber 
Slnfaß ihrer bunfelblonben i)aare an ©cßläfen unb im 
ÜRacfen. 3ßas für ein gutes profil! Unb mas für liebe 
2 lugen. 

2 tß, bachte fie meiter, faft ooll 3 nbrunft, möchte 
er fie mählen.... 

3eber S)t rr plauberte nun mit feiner Same, nachbem 
gleich, als man fich aufammengefunben, #err oon Stofen* 
felb grau Äonful Krüger mit 3 utta befannt gemacht. 

grau Äonful Ärüger, flein, ooll, mit einem munber* 
bübfeßen blonbhaarigen Äopf auf bem furaen, biefen 
$)als, bemegte fich mit einer fo auftrumpfenben ©icher* 


heit, baß auf ihren ßippen bie grage au feßmeben fchien: 
3 ft hier jemanb, ber ebenfo oiel ©teuern beaaßlt mie 
mein SRann? 

Sa nun jebe Äieler SRarinefrau fich jeber gremben 
gegenüber ein menig au gaftiieher fjöflicßfeit verpflichtet 
fühlte, fprach 3 utta mit fcheinbar großer ßebßafiigfeit 
unb Seilnaßme oon ben ungünftigen ©egelrefuttaten 
ber „hammonia" unb ber nur allau begreiflichen 93 er« 
ftimmung bes Äonfuls Ärüger über bie Sticßtplacierung 
feiner Sacht. Natürlich fei es ärgerlich, fagte grau 
Ärüger. ©s fofte fo rafenb oiel, mas ja freilich egal fei. 
2Ran täte es eben ber SRobe megen. Ob bas (Belb fo 
ober fo ausgegeben merbe, fei gleichgültig. Slusgeben 
müßte man, bas fei Pflicht reicher ßeute. Slber bei 
biefer ©ocße friege man unoerfeßens eine 2 trt bummen 
©hrgeia. 2Ran merbe förmlich gierig auf greife. Unb 
bann oerbreitete fich ifrou Äonful Ärüger mit gana frifch 
aufgefchnappter ©aeßfenntnis barüber, baß eben bie 
„hommonia" vermöge gemiffer, unauffinbbarer Äon* 
ftruftionseigenßeiten oor bem 3Binb großartig gehe, 
hingegen beim Äreuaen im Nachteil fei. 3 n Äujßafen 
neulich höbe fie troß böiger Storboftminbe ben feiten 
$reis ihrer Älaffe baoongetragen. Sieismiß horte 
biefer Sluseinanberfeßung mit ©roßmut unb einem 
ieifen, Keinen, fpöttifeßen gunteln in feinen 2lugen au. 
grau Äonful Ärüger fchloß bann mit ber Älage, bas 
920etter fei auch biesmal in ber Äieler SBocße au fehlest. 

„ 2 lch," fagte 3 utta, „fehlest?! ©ogar beim SQßetter 
fieht man’s: nichts ift an fich 0 ut ober fchlecht. Nichts 
fommt auf ben 2 Binb an — alles auf bas Objeft, bas 
er anbläft." 

grau Äonful Ärüger buchte, baß biefe Same, bereu 
tarnen fie nicht gana oerftanben hotte, „geiftreteß" au 
tun münfehe. ©ie manbte fich ißrem Sänaer au unb 
nahm mit ihm ihren Sßlaß ein: als oiertes $aar. 

„©egen geiftreiche grauen hob ich ein 93orurteil. 
2 ln bie glaub ich einfach nicht", fprach fie ooll ©elbft* 
bemußtfein. ,,©s ift eine fabelhaft feßöne grau, ob* 
feßon: ber #als ift ein bißchen lang unb bünn nach 
meinem ©efehmaef. 2 Bie mar hoch ber Stame?" 

„grau oon galcfenrott," fagte Stofenfelb, unb man 
fab auf feinem glattrafierten, flugen ©eficht nur ben 
Slusbrucf großer $)öflicßfeit, „ihr ©atte ift mein ©rem* 
famerab." 

„Stein — fo mas! Sann hob ich ja ’n Raufen oon 
Ziehungen. 3 h r SRann ift ber Äapitän oon golden* 
rott? Ser jeßt als ©rfter Offner auf ber ,ßuife< in 
Dftafien ift?" 

Stofenfelb nidte, unb noch ehe er etmas fagen 
fonnte, burcbraufchte grau Äonful Ärüger fchon flint 
ben minaigen $laß amifeßen ben oier, auf ben 93egtnn 
ber Quabrille martenben paaren. 

„9tein, fo mas!" rief fie unb ftreefte 3 utta gleich 
beibe $änbe auf einmal hin, mobei am ©elenf ber 
ßinfen ihr gäcßer holbgeöffnet lebhaft an golbener 
Äette penbelte, „nein, bies ift au reiaenbl ©ben erft 
taffe id) mir 3 bren Flamen beutlicß mieberbolen. SWan 
oerfteht ja nie beim 93orftelten.... SBiffen ©ie, baß 
3 hr 9Jtann bei meiner ©eßmefter 3Jtila in Schanghai mie 
ein Äinb im f)aufe ift?! 5)at er 3 hncn nie gefeßrieben. 


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UNIVERS1TY OF IOWA 



Seite 702. 


Stummer 17. 


baß er bort beinah alle Rage bei einem #errn ©tauber* 
mann eingelaben mar? Das ift mein Schmager. 
©laubermanns finb fabelhaft gaftfrei. Die Herren non 
ber Ktarine finben bort immer offenes #aus. ©lauber* 
mann fagt, bas fei patriotifeße Pflicht. Sie miffen hoch: 
mein Schmager ©taubermann, ©hef ber oftafiatifrfjen 
Abteilung bes Hamburger Kaufes?" 

3utta befann fich mühfam. 3a, es hämmerte ihr 
auf.... ber Karne ©taubermann mar irgenb einmal, 
oietleidjt bei ber ©rdählung non einem für bie Offnere 
non S. 337. S. „ßuife" gegebenen Diner aufgetaucht... 
ein gleichgültiger Karne mehr auf biefen Kriefblättern, 
bie aus Dftafien famen.... bie Shmbe gaben non einem 
fernen, fernen ßeben.... unb bas hoch eigentlich ein 
Seit ihres ßebens mar... fein foüte— 

Äaum rang fie fich ben höflich muntern £on ab, in 
bem fie fprach: „ 2 lber gemiß — ©taubermanns — ja, 
ja — ein hübfeher ßufall — ja, bie 2 Belt ift fo flein." 

„Das muß ich gleich meiner Schmefter ÜKita fchreiben, 
baß ich bie ©attin bes Kapitäns non galcfenrott fennen 
gelernt höbe! SBenn Sie müßten, gnäbige grau, mie 
• meine Schmefter ÜKila mir non bem Äapitän galcfen* 
rott norfdhmärmt, mürben Sie nielleicht eiferfüchtig 
merben." 

„©ine üKarinefrau barf feine ©iferfucht fennen", 
fagte 3utta. 

„Darf nicht — barf nicht — ach @ott, als ob ßch 
©mpfinbungen an Verbote fehrten. 3 <h märe gräßlich 
eiferfüchtig. 3 <h bin aber auch rafenb temperamentooll." 

„2öie intereffant!" fagte Keismiß etmas fühn 
bajmifchen. 

ginge hoch bie Quabrille an, baeßte 3utta. 

„Unb fageri Sie mal, gnäbige grau," fuhr bie grau 
ßonful eifrig fort, nachbem ße Keismiß mit einem feefen 
ßäcßeln für feine 3 ®tfd) cn bemerfung mehr belohnt als 
beftraft hatte, „mir ift hoch fo... meine Schmefter SRila 
fchrieb baoon... gerabe als bie Herren non S. 337. S. 

,ßuife* bei ihr dum Diner mären, fam bie Depefche, 
baß bem ©rften Offner ein ftinb geboren fei.... Unb 
meine Schmefter Kttla fchrieb noch: mie ferner muß 
bas für fo ’ne junge grau fein— Das maren alfo 
Sie... 

„3a," fagte 3utta taut unb hart, „bas mar ich." 

Unbeherrfcht, für einige Sefunben ganj unb gar un* 
beherrfefjt, fchlug fie mit ihrem jufammengeflappten 
gächer ein paarmal gegen ihre innere 5}anbfläche. 

^errifeßer noch als fonft erhob fie ihren frönen 
Äopf unb jah über bie fleine aubringüche Schmäßerin 
hinmeg. 

Da traf ihr Klicf sufällig ben bes Cannes gegenüber. 

Der fah fie gut unb feft unb freunblich an. Kber 
irgenb etmas reifte fie bennoch- 3h r * Kafenflügel 
bebten. Der fefjarfe 3ug um ihren üftunb trat beutlich 
heroor. 

3 n biefem fcßmülen 2 lugenblic! begannen bie ein* 
leitenben Safte ber üDlufif burch ben Kaum 3 U fchmirren. 
©in Äommanboruf ertönte, grau Äonful Ärüger eilte 
an bie Seite ihres #errn durücf. Unb all bie oielen, 
oielen ?ßaare, bie ben Kaum beuölferten, immer 3 U oier 
unb oier je eine fleine Sammelt für fich bilbenb, fchienen 


im Kann einer Suggeftion. Sille hörten. Sille mqrteten, 
um beim rechten Saft, in ber richtigen Sefunbe 3u 3meit 
3u aoancieren. ^läßlich fam rhptßmifche Kemegung in bie 
SRenge. Das fröhliche f)in unb S)ev unb mohlgeorbnete 
Durcheinanber bes Randes micfelte fich ab. Sei oielen 
jungen paaren manbelte fich bas Vergnügen in ben 
ernfthaften unb leibenfchaftlichen ©ifer, alle giguren 
ber Quabrille in ooUfommener ©lattheit burchduführen. 

Die Älänge oon hunbert lachenben Stimmen, bas 
©leiten oon hunbert rafchen gußfohlen über ben ©ftrieß 
mifeßten fich mit ben Schallmellen ber ÜKufif. Der gande 
Kaum fchien bis 3ur Kermirrung oon Sönen unb oon 
Kemegung erfüllt. Die meißen Kleiber unb bie bunflen 
Uniformen, bie Klumen unb bie ©olblißen, fahl» 
gefrorene 3 Rännerföpfe unb grauenhäupter mit reichen 
^aarmellen, naefte Schultern unb fernere Silberraupen, 
golbbefranfte ©paulette — bas alles glitt aneinanber 
oorbei, freifte umeinanber, in einem SBirbel fich be* 
ftänbig anbers fchneibenber ßinien, ein fortmährenb 
gefchütteltes ßaleiboffop oon garbenflecfcßen. 

Über all bies bemegliche ©ebränge flutete bas ßicht. 
Kon ber ijauptmanb h er beherrfeßte bas Kilb bes 
^aifers ben Saal. Kon ber Sfommanbobrücfe aus, als 
Slbmiral, fah er mit ehernem ©rnft über bas geftgemühl 
hin. Der feine Dunft unb Staub, ber in ber ßuft bes 
Saales feßmebte, 30g einen leifen Schleier oor bas Kilb, 
fo baß es mie oon ferngefehenes ßeben mirfte. ©s mar 
fein ©emälbe mehr — es 3auberte bie ©egenmart bes 
höchften Herren gleichfam in ben Saal. 

Kei einer ber Randfiguren fah fich Sutta an ber 
Seite bes Kapitäns #ochhagen. 3 mifchen ihr unb 
feiner eigenen Dame, bem gräulein ©eroafius, oor unb 
3urücf fchreitenb, mährenb Keismiß ein3eln ihnen ent* 
gegenfam unb mieber oor ihnen durücfdumeichen fehlen, 
fagte er rafch: „3ch betrage mich heute pfiiehtoergeffen. 
Kerdeihen Sie mir." 

„ 3 <h öin ja heute mit Kofenfelbs," fprach ße, „bie 
paffen ebenfo gut auf." 

„Das flingt ja faft erbittert." 

„So? Sollte es nicht...." 

Keismiß ergriff mieber ihre ijanb, man machte eine 
Konbe unb trat an feinen Klaß durücf. 

Unb ein anbermal, als i)ochhagen mieber ein paar 
2Borte mit ihr mechfeln fonnte, hörte fie: „SKalte hat 
gefchrieben. Über ben Krief muß ich mit 3 h«en fprechen, 
barf ich morgen 3um Ree fommen?" 

„K — ja.:. 

„©näbige grau," fagte Keismiß, „Sie finb mirflich 
3erftreut." 

Sie ftanben unb marteten, bis bas britte unb oierte 
Kaar bie gigur ausführte, bie fie felbft eben abgetandt 
hatten. 

„2lber gar nicht", behauptete 3utta. 

„KMffen Sie, ob 5 )err oon ©amberg mit an Korb 
fommen mirb für bie gahrt nach Rraoemünbe?" 

„Steine Ahnung...." 

„Kielleicht ift es ihm, ba er Kichtfegler ift, 3U lang* 
meilig. Äreuder*Sltaffe 2, 3U ber bie ,greia‘ gehört, geht 
außen um gehmarn rum — menn ber 3 öinb nicht ftief 
Korbmeft ift, fann’s 3mölf Stunben unb mehr bauern." 


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Kummer 17. 


Seife 703. 


3utta antwortete nichts. Sie fab hinüber ju fyod)* 
bagen, ber mit Vlicf unb Dhr an feiner anmutigen 
Dame b^ng. 

„Vtöchte er fie wählen — man fiebt wobl — fie Ift 
weg In Um.... Vtöchte er... ein f o befchäftigter Sluf» 
feber ift fein Sluffeber mehr—" 

„©näbige grau... Sie finb fo gut — fein Sie's 
wieber mal... wenn nämlich #err non (Bamberg 
nicht mit an Vorb gebt für bie Söettfabrt Siel—£raoe* 
münbe, wirb ein $lofe frei, unb ba möchte ßebus 
brennenb gern ficb ranfcblängeln—" 

,,©r fommt morgen aum See au mir. Sann will 
•ich mit ihm darüber fprechen." 

„ßebus?" fragte 3teiswife bumm. 

„S)e rr oon ©amberg", fagte 3utta. 

„Sich — parbon — ja, natürlich—" 

Söiefo... natürlich? bachte 3utta. 

Unb bann begann eine neue Sour, 
grau Sonful Srüger fprach auf ben Sapitän 
oon atofenfelb ein. 

„5)ören Sie mal — bas oerfteb ich nu boch nich- Der 
Vtann ift in Oftafien, unb bie junge grau gebt allein 
auf VäUe unb macht bie ganae Sieter SBoche mit!" 

„Unter bem freunbfchaftlichen Schuh oon mir unb 
meiner grau", fagte #err oon atofenfelb. 

„Schön. Das Deforum in ©hren — bas H>eig i<h 
oon felbft, bag bas fchon trgenbwie gewahrt fein wirb. 
Slb£r wie f a n n man ficb amüfieren, folange ber 2Rann 
fern ift." 

„Vielleicht ift es auch nur ein Slmüfement im 
Schatten," fprach atofenfelb, „aber es wäre wohl un* 
gefunb, eine junge grau flöfterlich einaufperren wäbrenb 
eines Sluslanbfommanbos ihres 3Jtannes. Die ©rem» 
fameraben umgeben bie ©infame mit Schüfe unb forgen 
auch für ihre 3*rftreuung. Das ift fo Xrabition bei 
uns, meine gnäbige grau." 

ata, bachte grau Srüger, bas mag manchmal *ne 
fchöne Vefchüfeerei fein. 

atofenfelb, als h a be er ihren böglichen ©ebanfen 
erraten, fügte noch f)\n$vi: „Vor allen Dingen ftefeen 
aber bie ©remfameraben einer folgen Strohwitwe in 
jeber i)inficbt bei." 

„©ott — wie nett." 

Da aber biefe grau bie 3 ubringlicbfte Veugier für 
bie ßebensumftänbe oon Vtenfchen hotte, bie fie 
eigentlich nichts angingen, fo fam fie nach ein paar 
ÜDtinuten wieber auf 3utta unb beren ßage aurücf. 

„fiat grau oon galcfenrott benn gar feine ©Item 
ober Schweigereltem mehr? Söarum ift fie berweil 
nicht 3 U biefen gesogen? 3 ch hob mal gehört, bag bas 
in folcfeen gäHen gefchiebt?" 

„3ch fann 3h n en ©enaueres barüber nicht fagen," 
antwortete atofenfelb etwas fühl, „oielleicht bot grau 
oon galcfenrott bie ©mpfinbung hier, in ber Verufs* 
umweit ihres ©atten ihm gemiffermagen näher 3 U fein. 
Sie wäre nicht bie ©rfte, bie fo empfänbe." 

Sich, bachte grau Srüger, bag er ©enaueres nicht 
weig, ift ja Schnacf. ©r weicht mir aus. Das bot wohl 
’n #afen! Unb hier bem ©atten ftd> näher fühlen?! 
Das flingt innig, finnig, minnig. 


Unb fie feilte, wäbrenb fie nun an atofenfelbs 
#anb bem ihr gegenüber aoancierenben oierten S$aar 
entgegenfehritt. 

ÜDtein Vetter ^inrichfen hotte auch was anberes 
tun fönnen, als biefe Srügers an uns empfehlen, 
bachte atofenfelb. 3 b m toaren grauen suwiber, bie fein 
anberes ©efprächstbema fannten wie Schicffale unb 
i)anblungen ihrer atebenmenfehen. 

©nblich ging ber Sana 3 U ©nbe. 

„gübren Sie mich hinunter", fagte 3utta boftig. 

Sie war faft feit Veginn bes Volles in ben oberen 
atäumen gewefen. Unb immer fuebten ihre Sfiigen oer» 
gebens nach bem einen.... Vielleicht war er in ben 
Sälen unten.... Söar es Vorfafe, bag er fie nicht 
feinerfeits gefucht hotte... ? ganb er fie nicht? 

atun 30 g fie an ateismife* Slrm in einem bichten 
Schwarm lebhafter 3Jtenfchen bie groge Sreppe hinab, 
©s war wie ein geftaug ber greube, ber ftufenabwärts 
wallte. 

Unten im Vorfaal bemerfte fie irgenbwo bas 
lachenbe, hrige ©eficht unb bie rötlichen #aare ber grau 
oon atofenfelb. Unb auch grau oon atofenfelb fab 
gerabe empor, unb fie nieften einanber fchon oon weitem 
fröhlich 3 «: bie eine oon ber Sreppe fax hinab, bie 
anbere aus bem ©ebränge herauf. 

„Da ift ßisbetb atofenfelb," fagte fie, „feben Sie? 
Dort an ber britten Säule linfs." So wichtig fagte fie 
es, als höbe fie enblich einen lange unb bringlicb ge» 
fuebten 3Jtenfcfeen gefunben. 

Unb fchon lieg fie auch ateismife’ Slrm los. 

Unten, am gug ber Sreppe, fprach fie noch boftig: 
„Sflfo... ich fpreche mit ©amberg — rebe ihm aus, 
bag er bie gabrt nach Sraoemünbe mitmacht... bann 
haben Sie $lafe für ßebus— 3ft bles nun famerab» 
fchaftlich oon mir ober nicht?" 

„©näbige grau finb ein ©ngel—" 

Slber biefes banfbare Zeugnis hörte 3ntta wohl nicht 
mehr. Sie wanb ficb bur<h bie 3Jtenge, unb wenn Ve» 
fannte fie anrebeten unb aufhalten wollten, fprach fie 
munter: „Vitte — mich paffieren laffen — mug mich 
mal bei meiner Valtmutter melben...." 

Unb bie Velannten lachten mit ihr, benn fie wugten 
ja alle, bag bie „VaHmutter", bie ©attin bes Kapitäns 
oon atofenfelb, eine faft ebenfo junge grau war wie 
3 utta galcfenrott felbft. 

Slber in bem ©emübl war ifer nun hoch bas ^etge, 
lachenbe ©eficht unb bas rötliche 4)aar ihrer greunbin 
ßisbetb entfebwunben. Vielleicht hotte fie auch nicht 
ben ftrategifefeen überblicf gehabt, um ficber jenem Sßlafe 
auauftreben, auf bem fie oon ber kreppe aus ßisbetb 
atofenfelb gefeben... an ber britten Säule linfs— 
3utta betrat ben ©artenfaal. Sluf ber Schwelle hielt 
fie ein paar Slugenblicfe ben Schritt an. ©ana un» 
erwartet ftanb eine ©rinnerung oor ihr auf — wie 
©efpenfter auf ber Vübne jäh aus ber Verfenfung 
emportauchen, wäbrenb bie ganae Saene eine anbere 
Veleucgtung annimmt. Vor etwas mehr als einem 
3abr, in ben erften Sagen nach ihrer' Slnfunft in ber 
neuen Heimat, hotte ihr ©atte ihr bie jJJtarineafubemie 
geaeigt. Unb auf ber Schwelle biefes Saales ftanb er 


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Seite 704. 


Bummer 17. 


lange mit tf>r. So fröhlich (lang feine Stimme. Unb, 
in feine 3 ugenbgef<gicgten oerliebt mie alle Btenfcgen, 
benen bas ©ebäcgtnis nur groges auf 3 utifcgen gat, er« 
3 äglte er igr fegr ausführlich oon ben SBittagftunben 
an ben langen Xafeln, bie fo mirtsgausmägig im 
©artenfaal ftanben. Sa brüben — ja, ba Ratten fle 
3 ufammengefeffen als gägnricbe: er unb 5)ocggagen unb 
Bofenfelb. Born erften Stritt an, ben fie in ber ge* 
meinfamen ßaufbagn getan, toaren fie 3 ufammen 
getoefen: in ben bangen Xagen ber Aufnahmeprüfung 
batten fie auf einer Bube gemognt, bei igrem erften 
Borbfommanbo toaren fie auf bas gleiche Scgulfcgiff 
gefommen unb bort alle brei ber Steuerborbmacge 
3 ugeteitt toorben. Unb all bie föftlicgen, enblofen Späge 
aus jenen Xagen.... 

Sas erlebte 3utta fo qualooll beutlicg, bag if>r bas 
ßaegen bes fernen Biannes im Dgr lag — als fei’s erft 
eben für fie oertlungen.... 

Sie fämpfte bas nieber. Sie fab fieg um. 

3egt fag ber Baum anbers aus. Um bie oerpugten, 
bemalten Säulen, bie oereinselt in feiner SBttte ftanben, 
bie Sede tragenb, sogen nun Bienfcgen. glaggenfcgtnud 
unb (Brün rief aus: £)ier gebt es feftlicb ger. • • • 

3 utta baebte: 3 cb bin mübe... icb miH nach #aus— 
ßisbetb bot 3 U oiel Ausbauer in folcgen Sachen.... 

2öo gatte fie ßisbetb Bofenfelb boeb noch eben 
gefeben? 3<*f richtig, an ber britten Säule im ©in* 
gangfaal... ba toar fie toobl noch. 

Aber 3utta mugte: toenn fie fam unb fagte „icb mag 
niegt mehr", mürbe ßisbetb beinab fegreien: „ßiebes, 
mas fällt bir ein! 2 Bir geben noch lange, lange, lange 
nicht!" 

ßisbetb gatte i a aueg ein Anrecht auf bie greuben 
bes ßebens... auf bie grogen, tiefen... auf bie tleinen, 
bunten.... 

ßisbetb gatte ihren Btamt.... 

Unb oielleicbt, menn auch er mieber einmal hinaus 
mugte, hotte fie mehr ©eiaffenbeit.... 

3 atoobl — nichts fommt auf ben 2 Btnb an — alles 
barauf, men er anbläft.... 

©5 30 g 3utta bennoeb meiter. Sie fegrte nicht 3 urücf 
unb fuebte nicht nach ßisbetb Bofenfelb. Sie febritt quer 
bureb ben ©artenfaal. 

Sie groge Xür, bie auf bie Xerraffe führte, ftanb ge* 
öffnet. 3 br mächtiges 5)albrunb mar oon einer 
Baluftrabe umjcgloffen. Bon ihr hinab führten rechts 
unb linfs hört an ber Blauer kreppen hinab in ben 
©arten. 

Aucg auf ber Xerraffe maren oiele Bienjcgen. 3n 
Äorbfeffeln lehnten Herren unb rauchten 3 igaretten. 
Samen mit ihren Xä^ern ftanben an ber Baluftrabe 
unb faben über ben ©arten hinaus sum 2 öaffer. 

beinahe boftig, um gier fein* Getonnten 3 U ent* 
beeten, um nicht oon ihnen angerebet 3 U merben, ging 
3utta bie ihr 3 unäcbft gelegene Xreppe hinab. 

©in Verlangen nach ©infamfeit peitfebte fie förmlich- 

Ag — bie Sommernacht_ Unb fo ftill ber ©ar* 

ten. Sa maren bie glatten gläegen ber Xennispläge... 
ba bas Sunfel ber Büfcge... alles für bas Auge noch 
in unfiegere Beleuchtung getaucht. 


Aus ben genftern bes mächtigen Baues brach jene 
pruntenbe 5 )eUe, bie, gleich Fanfaren bes ßiebtes, aus 
gefträumen hinaus in bie Bacgt bie Äunbe oon ©lan3 
unb greube 3U fenben fcheint. 

Sie Secte bes Rimmels hoch broben mar oon Blau* 
ftabl. Unb ber Bionb, feinem Bunb noch entgegen« 
maebfenb, faft befeenb meig, mit ben Schatten unb 
gteefen, bie feiner gläcge .ein fümmerlicb oeriegenes 
ßäcbeln auftünebten, ftanb febeinbar auf einem Bunft 
ftill. ©r überglän3te feine Bäge mit filbriger #etle. Sie 
oielen ßiegter auf BBaffer unb ßanb beftaglen ign um 
feine Söirfung gier unten, ©r fämpfte mit ihnen, unb 
feine unb ihre Strahlen b'urcgftacgen einanberl Unb 
babei fiegte feiner, es fam 3U nichts, als 3U einer fegman* 
fenben Belichtung aller Bäge unb 3U einer oerfegmim* 
menben Sunfelgeit aller gerne. 

3utta görte ßaegen brüben, jenfeit ber Xennispiäge 
gingen Btenfcgen, unb igre Silhouetten glitten meiter, 
igre Stimmen oerflangen mieber. 

Bun fegien ber ©arten gan3 oerlaffen. 

Bon irgenbmo ger fam Btufif. Sie Xöne fegmebten 
beiebenb unb metallifcg geran. ©s mar eine faft 
brutale 3ubringlicgfeit \ n if^nen; ge erregten bie Ber* 
oen; unbeftimmte Btutempfinbungen, unflare, fcgmer3* 
liege Sebnfucgt mertten fie auf. 

Unb boeg mar es nur bie Btilitärmufif, bie aus einem 
nagen Biergarten in bie Bacgt ginausfcgmotl. 

3 utta ftanb unb gongte. Brucgftürte aus ,,©är* 
men"... 

Bun brängten fieg anbere Xöne hinein, bumpf unb 
fomifeg... bie Bagnoten ber Xansmufit im $aufe. Sie 
leicgt flatternbe 3ärtlicge 2Bal3ermelobie ber ©eigen 
fonnte nicht ginausbringen, aber ber fräftige unb bum* 
fenbe Sreitaft bes Baffes ftampfte auf, als gäbe er 
plumpe güge. 

ftügl 30g ber Atem 00m SBaffer geran. 3 utta be* 
merfte feine Scgauer niegt. 

Sie ging 3um Ufer ginab. Sort baute fieg bie An* 
legebrüde, oon meiggeftriegenem ©elänber umfegügt, 
über bas SÖBaffer hinaus. Sie fegimmemb meige 
Stationsjacgt lag ba mie fcglafenb. Allerlei Binaffen 
unb Barfaffen brängten fieg martenb Borb an Borb, 
mie auf bem Blag einer Stabt bie Sßagen fieg inein« 
anber oerfagren, im feftlicgen ©emügl. Sie' Biaaten, 
bie fie 3U führen gatten, mochten 3ufammengefauert auf 
ben Bänfen böfen. Btan fag niemanb. 

©rabeaus unb brüben am Ufer unb hinauf unb ginab 
bie görbe, fomeit ber Bürt oon biefer Stelle aus ein 
Brucgftürt igres Bilbes begerrfegen fonnte, fegmebten 
ßicgtfignale im Scgmarsbtau ber Bacgt. 

Still, mit guten, frieblicgen SBäcgteraugen fagen fie 
aufeinanber, gefellig in igrer Btenge. Sie legten Strag» 
lenfpigen bes einen trafen auf ben äugerften ©lan3freis 
bes anbern. Sas gab einen rounberbaren 3 ofammen» 
gang — als reichten fieg maegfame ©elfter mqftifcge 
ßicgtgänbe. Sas mar, als fegmebe über ben feglafenben 
SBaffern, über bem Schlummer ber Batur noeg ein 
anberes, gegeimnisoolles, niemals ermübenbes ßeben. 

An igren Bojen enterten bie Äoloffe ber Kriegs* 
fegiffe, bie am Xage Biefen gleichen, bie mit igrem 


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stummer 17. 


©eile 705. 


SUicfen auf bem Staffer fchmimmen urtb über ihren ge* 
maltigen Stumpf empor Arme unb Seine luftmärts 
ftreefen. 3egt in ber Stacht erriet man bie Anmefenheit 
ber meiter hinaus liegenben nur an ihren ßichtern; bie 
grauen ßeiber ber näheren ertannte man unbeutlich; 
mie auf fehr flüffig gemalten Aquarellen bie Sorben 
ineinanbersufliegen fcheinen, fo oerfchmammen bie 
©rensen ihrer grauen formen mit bem Schmars ber 
Stacht. 

3egt horchte 3utta auf. Die fegmetternbe, merbenbe, 
beflemmenbe (Earmenmufif mar oerhallt. Die Drei* 
taft*Sagtöne aus bem #aus !amen nicht bis l)ierljer. 
Stille hotte fich über bie Sommernacht gefenft. 

Aber nun flangen furse, melancholifche Däne auf. 
Stanb unb fcgnell. 

(Es gtafte auf ben Schiffen. 

Mitternacht— Mitternacht. 

Unb brüben, auf ber anbern Seite ber Staltfugel 
— mas glafte bie Schiffsgloefe ba? 

3utta fühlte: ich bin fehr erfchöpft. 

Sie fagte es faft hörbar oor fich hin* 

Unb fie mugte nicht: erfchöpft oon all ben geften, 
oom betäubenben Dans bes heutigen Salles — ober er* 
fchöpft oom ßeben.... 

Unb in biefem unbeftimmten ©efühl einer unerhör* 
ten, einer unerträglichen Mübigfeit tarn ihr ein gan 3 
einfacher, ein faft tinblicher ©ebanfe. 

ßäge ich hoch in meinem Sett! 

Da mar Stahe, ba mar Serborgenheit. 3<h roili 
nach #aufe, bachte fie entfchloffen. 

3n ber Düfternbroofer AHee, oorn oor bem ©itter 
ber Marineafabemie, ftanben gemtg Stagen, bie auf 
3ufaüsfahrgäfte marteten. 

Sie fonnte morgen früh on ßtebeth Stafenfelb tele* 
phonieren:. „Du, fei nicht böfe — aber ich fah, bu 
fchmammft in ^ßläfier, unb ich hotte es fo fatt, ba ging 
ich heimlich. 33) öin gan 3 gut nach #aufe gefommen." 

Slöfelich fühlte fie auch, öag es fehr frifch fei. Unb 
dritte flangen — gan 3 nah- Dumpf famen fie auf ben 
Soben bes Sieges näher — unb nun floppten fie hohl 
auf ben Sohlen ber Srücfe. 

3utta, in einem Abmehrgefühl gegen Menfchen, ftanb 
unbemeglich, als fei fie noch iu Öen Anblicf ber oon 
träumerifchen ßicgtflecfen gefternten görbe oerfunfen. 

Sie bilbete fich ein: Der, ber ba eben bie Srücfe be¬ 
treten h°t, mirb Öen Daft hoben, fich fofort surücf* 
3 U 3 iehen, menn ich mich nicht nach ihm ummenbe. 

Unb ba hörte fie ihren Stamen.... 

„3utta", fagte er. 

Sie fuhr sufammen, bis 3 ur gaffungslofigfeit er* 
fehreeft, obfehon es bie Stimme bes Mannes mar, nach 
bem ihre Augen immerfort gefucht hotten. 

So fehr erfchraf fie, bag fie ihren Stapf in ben 
fjänben oerbarg mie eine, bie fich fürchtet. 

„3<h höbe ben gan 3 en Abenb beinah auf ber Der* 
raffe gefeffen," fagte er im Don eines, ber, humoriftifch 
geftimmt, einen hormlofen Sericht erftattet, „ich bachte 
nämlich fo: menn ich mich an einem Sßlag behaupte, muß 
meine liebe unb oerehrte Safe 3utta fchlieglich einmal 
oorbeifommen. Stan enblich fah ich Sie." 


Sie horchte "in oer3ehrenber Spannung auf biefe 
fcher3haften Starte. Unb nun freien ihr, als fei nach 
biefer Saufe oon ein paar $)er3fchlägen feine Stimme 
oorfichtiger, leifer. (Er fuhr fort: „ 3 «h habe einige 
Minuten gemartet, ehe ich 3 h«en folgte." 

Sie fühlte, bag er neben fie trat. Sie fpürte, bag 
er martenb auf fie fah- 

Sie nahm fich 3ufammen, fie richtete fich mieber auf. 
Dag fie f o oiel Mut brauchte, um in biefen Augen* 
bliefen bas Alleinfein mit ihm 3u überftehen, machte fie 
gan3 fchmach. Sie griff nach bem ©elänber. Sie hielt 
fich baran feft — unb laufchte 3ugleich auf ben merf* 
mürbig hoftigen ßauf ihres $)ersfchlages — fo Hein unb 
fo eilig flopften bie Däne — überall — in ber Sruft, 
im Syals ... in ben Schläfen— 

Mit beiben, ausgreifenben $änben hielt fie fich an 
ber oberften Querftange bes ©elänbers unb fühlte bas 
harte S)ol3 als fdjmershaften Drucf im ^reu3, fo feft 
lehnte fie fich bagegen. 

„3<h... ich hielt bie oielen Menfchen nicht mehr 
aus..." fprach fie. 

Sie fah ihn nun an. 3 m bürftigen ^alblicht erriet 
fie hoch jeben 3 ug feines ©efichts. Sie tonnte 
es fo genau... faft fehlen ihr: mie feines fonft auf ber 
Statt.. . 

3 enes anbere Männergeficht, bas man auf ben Sil¬ 
bern in ihrem $aus fah/ bas oerlor fo oiel oon feiner 
Starflugfeit... jeben Dag mehr... mar eben nur noch 
ein Silb... eines, bas 3U ber ©efchiehte eines Draumes 
gehört— 

Diefes aber, bies lebenbige, fluge, entfehtoffene @e* 
ficht, aus beffen hellen Augen ein be3toingenber Stalle 
fprühte — biefer gan3e Mann, fchlanf unb grog, beffen 
Stafen sähe (Energie fehlen... ber bebeutete Startlich* 
feit... fchmüte, brohenbe, inholtreiche Starfüchfeit_ 

Unb mit ber Starflichfeit fegt man fich auseinanber 
— man fämpft mit ihr — fie allein ift ßeben_ 

Unb all ihre taufenb ©efahren finb immer noch mehr 
©efunbheit als biefe traumhafte 3ufammengehörigteit 
mit einem gernen.... 

Sie gibt Mut. Sehnfucht aber, fchmeigenbe, bul* 
benbe Sehnfucht ift mie fchleichenbe Äranfheit.... 

Das alles bachte 3utta nicht in heutigen Störten.... 
Schmer unb unflar gärte es in ihrem ©emüt.... Un* 
bemugter Drog mar barin unb bie Segierbe, fich ein 
Stacht su bemeifen — bas Stacht auf Stampf gegen bie 
Serfuchung oielleicht. 

Sie mugte nichts ©emiffes über fich- Sie fühlte nur, 
tgr ßeben mar unerträglich. Unb oor allem: biefe 
Augenblicfe maren es. 

,/3<h möchte nach S)aufe", fprach fie. 

„ 3 ft bas bie Antmort auf meine greube, bag ich 
enblich gefunben höbe?" fragte er — in ersmungen 
fchershaftem Don.... 

„Dh nein... bie oielen Menfchen... bas geft... es 
ift genug." 

„So merbe ich ®ie on ben Stagen bringen." 

(Er martete oor ihr höflich* aufmerffam, als mären 
hier taufenb neugierige Augen, bie fein Senehmen be* 
lauerten. 


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Seite 706. 


Stummer 17. 


3hr ganaes 2Befen mar in Aufruf; n>eit geöffnet 
mar ißre Seele für ein großes (Erlebnis — eine ftarfe 
(Befahr. Unb nichts gefchaß, baran tf>re Äraft fic^ 
erproben, baran ißr Stola ficß emporreefen fonnte. 
Sein Zon unb feine 2trt rnaren mie eingefeßnürt in 
SSeßerrfchung. 9iicf>ts gefeßaß— 

Das ©ienb einer ungeheuren ©nttäufeßung marf fich 
auf fie, aerbrüefte fie. Das ganae Dafein freien nichts 
mehr 3 U fein als graue ßeere, ftumpfe 3 nf>a!tloflgfeit 

— nicht einmal mehr Äampf mar barin- 

Unb alles in ihr mar bereit ba 3 u gemefen.... 

2Bie für ein 23olf, bas in bumpfer (Enge hinlebt unb 


non feiner (Enge bemußt leibet, ber Schrei „ftrieg" ©r* 
löfungsflang hoben fann, fo baß bas fureßtbarfte aller 
©orte jaueßaenb burch bie ÜDtaffen getragen mirb — fo 
lecßate ihre Seele nach einem meefenben Stuf, ber fie nach 
©affen greifen ließ. Aber nichts gefeßaß. 

Sie raffte fleh auf — ftanb ein paar Augenblitfe — 
unb fo fanb fie fich äußerlich 3 u ihrer gemohnten 
Haltung aurücf. (Er gab ihr ben Arm. 

Schmeigenb fchritten fie 3 ufammen burch ben ©arten, 
3 urücf 3 U bem mächtigen 2 $au, aus beffen großen gen» 
ftern bie gelben ßicßtfluten in bie Stacht ßineinftrömten. 

(Sortfeßung folgt. 




Vom Stößen auf ber Ketuibafjtt. 

Aon Dsfar ©ßrift. — 5)ierau 9 Aufnahmen oon fi. üEresca. 


©oßl jeber ber oielen Stennbaßnbefucßer Deutfeh* 
lanbs ift feßon 3 euge non mehr ober minber ferneren 
Stür 3 en auf bem grünen Stafen gemefen, mohl fein 
Stennreiter ber ©eit ift oon folgen Smifeßenfällen 
feines „©efcßäfts" oerfeßont geblieben. Aber gan 3 ohne 
gaßen geht es bei feinem* ab, nur hot ber eine mehr 
©lücf als ber anbere. Der eine fommt mit einem 
Scßlüffelbeinbrueß, ber hoch fchließlich beim Stennreiter 
„©hrenfaeße* ift, baoon, ber anbere aber tut fernere 
Stürse, an beren golgen er oft bis ins hohe Älter 
hinein, ja bis an fein ßebensenbe laboriert. 3 um ©lücf 
gehören mirtlich feßmere Stür 3 e 3 U ben Ausnahmen, unb 
menn man bebehft, mie oiele Stennen im fiauf eines 
3aßres in (Europa überhaupt geritten merben, bann muß 
man fich über bie menigen emfteren Unfälle auf ber 
Stennbahn mirflich munbern. Den Sohlen ber gelaufenen 
?ßferbe unb Stennen gegenüber finb bie oon ferneren 
Stüraen ober gar ÜEobesfäßen gan 3 oerfchminbenb. 

Da es glacß* unb #inbernisrennen gibt, muß man 
auch amifeßen Stüraen auf ber flachen unb folgen 
3 mifchen glaggen unterfcheiben. Auf ber glacßbaßn 
paffiert feltener etmas, aum ©lücf für Jßferbe unb Steiter. 
Stommt es aber in einem glachrennen 3 U einem Um 
fall, bann ift er in ben meitaus meiften gäflen fehr 
emft. ©erabe bas große Sßublifum ift oerfu<ht, bas 
©egenteil anauneßmen unb einen Stur 3 über ein f)in» 
bernis für fernerer als einen folgen auf flacher Aaßn 
3 u holten. Aber bie greunbe bes eblen Stennfports 
oergeffen babei gana, baß bie $ace im glachrennen 
eine meit fchärfere ift, baß bie Sßferbe im bießten Stubel 
galoppieren, unb baß es mehr ßmifeßenfäße im Stennen 
gibt, als fich ber ßaie auf ber hohen SEribüne träumen 
läßt. Da mirb gefreut unb angeritten, ba rumpeln 
ipferbe, es fommt 3 U ftollifionen, ber am Aoben 
lie^enbe Steiter fann getreten merben, ober mas fchlimmer 
ift, er bleibt im Aügel hängen unb mirb gefchleift. 
Statürlicß gefchieht bas ohne Abficht ber anbern Steiter. 
Die ©efahr mürbe im glachrennen übrigens noch burch 
ben amerifanifeben Siß gana bebeutenb erhöht. Die 
Steiter, bie im Affenfiß auf bem #als ihrer £iere 
thronen, hoben biefe ficßerlicß nicht fo in ber ©emalt, 
als man bas früher oon ben 3 ocfeis nach alter eng* 
lifcher SÖtethobe faß. 3 um ©lücf finb, mie bereits ge* 
fagt mürbe, Stürae auf ber glasen feiten. Aber es 
hot hoch fchon folche gegeben, unb fie merben auch in 


Sufunft nicht gana ausbleiben. Die (Erfahrung hot 
gelehrt, baß bie baoon betroffenen Steiter fetten ohne 
ernften Schaben baoonfommen. SDtan fennt bas ja! 
©in Stennen mirb gelaufen, bie $ferbe ftürmen im 
Stubel bahin. Sßlößlicß ein allgemeiner Schrei bes 
©ntfeßens! Das gelb ift in Unorbnung geraten unb 
in eine Staubmotte gehüllt ©in Unfall hot fich ereignet. 
Salb fleht man hinter bem Stubel ein reitertofes 
Sferb, an ber Stelle bes Stures aber liegt ein 3Q<?ei 
im ©ras. Schnell ift ber Arat bei ber #anb, bas 
Dpfer mirb fortgefeßafft. Unfer Spalter ift fehr feßneß* 
lebig, unb halb ift ber Unfall über bie Aufregungen 
ber folgenbcn Stennen oergeffen. Xroßbem aber fiefem 
©erüchte burch! Dem geftüraten Steiter geht es fehr 
fehlest! Der Arat fchüttelt auf Sefragen bebentlich 
ben grauen ftopf: „Scßäbelbrucß!" Damit meiß man 
alles. Die Iragöbie bes Stennplaßes nimmt ihren 
fiauf, unb gtücftich ber Steiter, ben ein gütiges Scßicffat 
oor langem, elenbem Siechtum bemahrt. ©ana gefunb 
merben nach folgern Stura bie menigften, unb mit ber 
Steiterßerrlicßfeit ift es meiftens für immer oorbei. 
Unb bann pflegen auf furae 3ahre bes ©tanaes oft 
fehr lange bes ©lenbs au folgen. 

Sticht gana f° fcßlimm ift es auf ber i)inbernisbabn; 
mo es amar öfter Stürae gibt, bie aber feiten fernerer 
3 U fein pflegen. Das liegt auch in ber Statur ber 
Sache. Der ©eg aum Sieg führt über Älippen, bie 
umfeßifft fein motten unb, ba rechts unb ltnfs glaggen 
ftehen, fo f)etgt es eben frei nach Stofenberg: Stan ans 
f)inbernis unb rüber! Statürlicß mirb ba biefer ober 
jener Steiter eine fierche fchießen. Aber bie Sache geht 
meiftens beffer ab, als fie ausfieht. Denn bie $ace 
ift lange nicht fo fcharf mie im glachrennen, bie ©ueßt 
bes Aufprallens auf ben Aoben beim Stura atfo auch 
nicht fo heftig; ferner fucht fich jeber Steiter oor bem 
5)inbernis feinen ©eg, bie Sßferbe lieben nicht fo büßt 
im Stubel, fo baß auch ein' ©etretenmerben eines am 
Aoben liegenben Steiters nach SDtöglicßfeit meiftens oer* 
mieben merben fann. Statürlicß foll nicht behauptet 
merben, baß nun ein fernerer Stura auf ber ^htber- 
nisbaßn eine Unmöglichfeit fei! Abfolut nicht! Unb 
bie ©efchichte bes Stennfports fennt leiber auch genug 
gälte, mo ber ^inbernisfport Sobesopfer forberte, 
Herren mie 3 ocfeis. 3 oghoft barf ber ^inbernisreiter 
bei ©ott nicht fein! An jebem Sprung lauert bas 


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UNIVERSUM OF IOWA 



Kummer 17. 


Seite 707. 


ein ebles föippenpaar — notabene: menn es noch 
glimpflich abläuft — in Drümmer gehen fann. Das 
Slopfübergehen fann bie oerfdjiebenften Ürfadjen haben. 
Das $ferb fann 3U fur3 fpringen, es fann ben Leiter 
oerlieren, es fann fid) überfpringen, es fann angeritten 
merben, es fann über ein anberes bereits oor if>m ge- 
fallenes Xier ftür3en! (Bar oiele ©efaßren lauern 



Dom Stinten auf ber Rennbahn: (Eine „©liffabe“. 


Verhängnis, unb ba fjeifct es, mit füljnem ©ntfdjluß 
ein *ßaar (Eifen geben unb — rüber! (Belingt es, bann 
meiter 3um nächften ^inbernis, gelingt es nicht, bann 
fann es bem Leiter eben fdjon paffieren, baß ein paar 
Slnod)en in Unorbnung geraten. 2 lm gefährlichen finb 
bie letzten $)inberniffe. Die ^ßferbe haben ba fd)on ein 
paar taufenb Vteter im fieib unb fangen an, mübe 3U 


merben, müffen aber troßbem in ber (Enbpfjafe bes 
Rennens, menn bas Dempo fdjärfer mirb, unter Sporen 
unb ^ßeitfthe bie leßten Sprünge angeben. Das über= 
fteigt aber oft bie Slraft ber Diere unb bat feine ®e= 
fahren: böfe Stür3e finb bie folgen, Stür3e, an bie 
9 toß unb Leiter oft lange benfen. 2lm fcblimmften 
pflegt bie Sadje aus3ufallen, rnenn ficb bas $ferb 
überfdjlägt unb bann über ben Leiter binmegrollt, 
roobei natürlid), leichter, als ber 3 u fd)auer cs ahnt, 

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ba felbft an jeber lumpigen #ürbe. 9 ttag aber ber 
Stur3 fein, roie er roill, ber Leiter barf im Moment 
bes gallens Dur einen ©ebanfen haben: 5 ßeg oom 
Her! Dem Anfänger im !Rennreiten unb — gallen 
mirb bies oielleid)t nicht gan3 leicht fein, ber alte 
Routinier aber, ber ben Hummel fetint, mirb mit ber 
größten ©leichgültigfeit ben Äopf ein3iehen unb 3ur 
Seite rollen, oielleicht mit einem, uielleid)t aud) mit 3mei 
Salti, aber es mirb ihm, menn bie Sad;e nicht 3U toll 


Original ftom 

UNIVERS1TY OF IOWA 

















Kummer 17. 


Seite 709. 



Det Sfut3 bes Äollegen. 



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Sin ju furjet Sprung. 


Original from 

UNIVERS1IY OF IOWA 




















Seite 710 


Kummer 17. 



fcin Doppelfturj. 

fommt, gelingen. 
Das fallen, nota= 
bene bas gefeftiefte 
gaüen, ift eben aud) 
eine Slunft, unb 
3 ioar eine 3 ietnlid) 
feftroierige &unft, 
bie ebenfo roie jebe 
anbere gelernt fein 
null. 9tid)t um= 
fonft behauptet ber 
93oifsmunb, baft 
bie 3octeis tnie 
haften fielen. Unb 
langjährige (Erfah= 
rung hat gelehrt, 
haft routiniertere 


l OHi 


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£ 


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Schlechte Canbung. 


Leiter jeltener 

feftroere ©türje tun 
als Anfänger. 2lber 
feftroere ©tür 3 e 

3 roifcften glaggen 
haben meift befom 
bere ©rünbe unb 
finb, ©ott feiDanf, 
nur 2lusnaftmeer= 
fcheinungen. 2lber 
Heroen, gefunbe 
Heroen muft man 
haben, roenn man 
über ©prünge rei= 
tenroill. Dem*Dtu= 
tigen gehört bie 
5Belt! 2Bir in 
Deutfcftlanb brau= 
d)en uns ja nieftt 


Original ftom 
LJN1VFRR1TY DF IOWA 


JaU an einer Jledjtyürbe. 

3 u betlagen; ein 
93licf in bie ßifte 
unferer SRennreiter 
rnirb uns belehren, 
baft mir eine grofte 
3aftl tapferer 9tei= 
tersmänner be* 
fiften, mehr als 
jebes anbere ßanb 
Europas. Dasbarf 
uns fto (3 machen, 
benn es bemeift 
uns, baft mir auf 
ber $)öfte finb. 3ft 
ein Eolf im 9tie= 
bergang begriffen, 
bann fueften feine 
©ohne nicht bie 
©efaftr in fport-- 
lüften (Ereigniffen. 

























Hummer 17. 


Seile 711. 



Jle ue Älcibcr 

5 )ier 3 u 11 pboto* 


unb fjutmobelle. 

grapbifdje Slufnabmen. 


Der etwas pf)antaftifd)e 3ug, ber 
feit einiger 3 eit ben Toiletten jeglichen 
©eures anbaftet, febeint feine oorüber* 
gel)enbe fiaune, fonbern wirflid) eine 
©efdjmacfeigenfjeit 3 U bebeuten. Die 
!Hobe großen Stils unb bas elegante 
Snterieurfoftiim burften ja ftets mit 
ben 'Dtobegefeßen fpielen unb jebe 93or= 

1. THü(3€nf>ut au?» 


©efebmaefsriebtung opfern unb entmeber 
lebhafte färben wählen ober ficb ber 
beforatio wirfenben 21 usftattung foge= 
nannter „praftifdjer" 21 n 3 üge für ben 
täglichen ©ebraud) unterwerfen. 

Unfere beigefügten 2lbbilbungen 3 ei* 
gen, wie 3 um erftenmal eine gan 3 fdjarfe 
Scbeibung oon Drotteurfoftümen unb 

Blumen unb Bänbern. (*w. 


*l>li i> l . OrirrOl). 

2. Drotteuranjug mit brapierter 3acfe. 

fd)rift nad) ^Belieben ummobeln, beifeite* 
fd)ieben ober fie gan 3 umgeben; für 
bas Straßenfleib blieben aber bod) ge= 
toiffe oernünftige formen oon (Einfach 5 
beit befteben, bie aud) oon gefebmaef* 
oollen grauen bisher allgemein beob* 
achtet tourben. 2 lber allmählich fd)eint 
bas alles anbers 3 U werben. 2 Iud) für 
ben großen 'Berfebr bängt ficb jeßt 
allerlei Zierat unb 2 luspuß an bie 
Kleiber, unb manche Dame wirb nicht 
ohne Selbflüberwinbung bie ftille 
Schlichtheit unb Unauffälligfeit ihrer 
äußeren (Erlernung ber benrfebenben 


TMjcl. Criccütj. 

3. Jrübjabrsfleib aus leichtem Bollenffoff. 

*ßromenabentoiletten 'marfiert wirb. 
Das Sd)neiberfleib in feiner ftarf be= 
tonten ©rablinigfeit foll wohl in feiner 
2 lrt befteben bleiben, ba feine Vorteile 
auf Reifen ober wo immer es barauf 
anfommt, wirflid) unbehinbert unb „fuß* 
frei" oorwärts 311 fommen, nicht weg* 
3 uleugnen finb. 21bb. 2 unb 9. geben 
3 wei folcher 2 lti 3 iige, oon benen bas 
eine feinen *ßarifer, bas anbere feinen 
englifchen Urfprung nid)t oerleugnet. 
Das 5)in= unb E)ergewirre bes blauen 
Mcullingi'r. gabenfaros, bie gaefe mit ihren galt* 
4. Beißer Je* ä la TTTaroffo. eben unb Spangen, Änöpfen, 21uf* 


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Seite 712. 


Summer 17. 



- 

V » ' 


als im 2lugenblitf. Sdjlanf unb aierlid) mufj bas 
gigürdjcn fein, bas ben breitftufigen, feittid) fdjein* 
bar geteilten fRotf unb bie lofe, mit „falfdjen" 
Sranbenbourgs gefdjtoffene Stufe aus tönigsblauem 
©erge (2lbb. 3) am beUen läge tragen barf. Sofig 
unb anmutig benten mir uns bie beiben ©eftalten, 
bie eine in golbfarbener Seibe mit einem lieber» 
rourf aus golbge 3 mirntem lull; bie anbere in 
grüntid)er Sobfeibe mit bem fettfam eingesogenen 
Soct, ben lofen Ueberfdjlag» unb aurüdgeftreiften 
Stullärmeln, bie gmei aeitticf) fetjr meit getrennten 
Softümepocben angeboren (2lbb. 5). Unb jung 
müffen aud) bie Xrägerinnen ber farbenfreubigen 
Snterieurroben (2lbb. 6 u. 8) fein, biefer fdjmieg* 
famen, überaus meidjgetönten ©eroänber, an benen 
fd)roere 'Dtetallrelieffticfereien, feinmafdjige orien* 
tatifdje lamburierborten, roudjtige ©trafjplafetten, 
gebern» unb Slumenbefä&e bie fliefjenben ©toffalten 
jufammenfaffen ober teilen, ßs finb nad) feinem 
bestimmten „©pftem" gefdjaffene Jütten, bie eine 
toabre fDlufterfarte oon Staatsanleihen barfteflen 
— oom potnifdjen ^ufarenfontufd) unb bem japa* 
nifdien Äimono bis jum Stabame ßlifabetb=3id)u 
unb ber griedjifdjen loga. 3ebes ein Sitb ber 


Sbot-S^ri>8touffeau& ©laut!;. 

5. Jrütjjobfstoileffen aus jroeleclei Stoff. 

fd)lägen unb ©eibcnrebers entfpridjt einem 
meniger ftrengen ©titgefütjl als ber buntle 
träftige ©toff unb bie ootltommen fdjmud» 
lofe „2lufmad)ung" bes englifcben Sloftüms. 
Seben in jeber 3at)resjeit angebrachtem 
dress ift nun bas luftige unb meiftens 
aud) luftige plein-air=Sleibd)en aufgetaudjt, 
eben bie pbantaftifdje, nach Originalität 
bafdjenbe grüblingstoilette, bie feljr 
rci 3 enb märe, menn fie lebiglid) oon 
jugenbfrifdjen fßerföncben getragen unb fpa» 
gierengefübrt mürbe. 2lber leiber oerroifcben 
fid) bie 2lltersgrenjen oorbebacbtlid) nir» 
genbs fo bartnätfig unb hoffnungslos mie 
oor bem Spiegel bes ©djneiberateliers, 
unb roas lieblid) unb 3 art gebad)t mar, 
fdjlägt für bie fpäteren Äalenberjabre in 
eine 2lrt Slasferabe um. Sie ift bie ÜJlobe 
mehr für bie bolbe ©iebjebn unb bie nabe 
oermanbte gortfcbrittspartei geroefen, unb 
nie bat bas reifere Sllter fid) mit mehr 
Sedjt über Susfdjaltung bctlagen biirfen 


¥ 901 . 


6. Jtadjmiffag&toUeüen mit fjatblangen 2ierme(tu 


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Kummer 17. 


Seite 713. 



Unge^mungenijeit unb oernunftmäßigen förperlidjen Freiheit. darunter 
ftrafft fid} ber $an 3 er, ber, allen Söerfidjerungen unb Slnpreifungen 3 um 
£roß, immer mehr Stäbe, immer meßr Schnürungen befommt, ber nicht 
gorm hält, fonbern gorm gibt. . . 3 ebe güüe märe unftattßaft bei 
ber Sdjnittart ber 23lufe auf 2Xbb. 11 , bie ben merfmürbigen 
(Einbrucf h^oorruft, als fei fie oerfehrt ange 3 ogen. — 2 Bie nad) 
jebem 5ßinterabfchluß mirb audj biesmal eine gan 3 befonbers 
gliidliche Göfung ber ^utfrage freubig ermartet. 97id)t baß ber 
große 5)ut aus ben Giften geftricben mürbe — bemahrel Da 3 u 
ift er 3 U fleibfam. 2lber ben flachen Scheiben, ben breitranbigen 


vgoi. urtceug. 

7, Jlotenfiner $ut mit bellen unb bunflen Hofern 


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Wot. tttjCri-SRouflenu & (Mlomij. 

8. (Empfangs- unb Hefuchstoiletfen mit reifer Husffaffung. 

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'Jtummer 17 . 



formen, bem s Jtofenflorentiner 
(2lbb. 7), bcr Sorbelaifer 
Spifcenronbe (2lbb. 10) ftcben 
bie (Ealottes entgegen. (Einer 
gali 3 ifd)en Srautfrone gleid)t ber 
f)ut auf 2lbb.l in feiner Slumem 
unb Sänberfülle. Der ed)te 


Uuot. ftttttltnari 

10. Borbelaifer Spifjenronbe. 


9flaroffo s 3es (2lbb. 4) barf nur 
aus meinem, I)albburd)fid)tigem 
Stoff gemunbeti merben. 9tur 
mit einem feitlidjen Stufc aus 
geftiebten (Eulenfebern ge= 
fcf>mücft ift bie bunfle StroI)= 
tappe auf 2lbb. 9, bie bem $lopf 
nid)t gan 3 fo tief auffifot mie 
bie oortjer ermähnten, t. d. 


Skutlinßcr. 


'JJOtft. JHcutlinflcr. 

9. (Englifdjes Sdjneiberfieib mit Strofjmüfte. 


11. Boilefleib mit Sd)atbtufe. 


Oie Sonne 


St. Jttoritz 


Roman non 

Paul Oskar ßöcker, 


14. Sortierung. 

©ertie getjorcfjte gleid) ben anbern. Sie f)örte bie 
beiben ÜDtänner atmen, füllte bie Semegungen. 2115 fie 
bie 2tugen auffdjlug, faf) fie über fid) einen fdjmalen 
Streifen blauen Rimmels; linfs f)od) am D’tanbe ber 
Scf)neeriefen, bie mie ein geftungsmall bas Sal be= 
Ijerrfdjten, glätte bas golbene Sonnenlid)t. 

„Sdjauen S’ blofe — ba, ber Si<3 !Rugnu£ — ber fagt 
fd)on guten borgen!" rief Slamerlanber unb manbte 
bas ©efidjt ber Sonne ju. 

„Das ift — Salteräs!" rief ber Sül)rer. 

Die 2öorte mürben iljnen mie meggeriffen oom 
9Jtunb. 57ad) einem lebten langen Sogen tarn man 
auf eine gerabe Stretfe. 

„Der £urm ba unten — bie Äircfje — bas ift Ser« 
günl" rief 9ttagn 

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Die fjaljrt oerlangfamte fid). 

„One, two — bob!" fommanbierte ber güfjrer. 
Unb alle 3nfaffen ftie&en mit bem gansen Oberförper 
naef) oom, um ben Sdjmung nid)t erfahrnen ju laffen. 

5)unbert SUteter oor bem Dorf Sergün ftoppte ber 
güljrer. 

Die Herren fprangen auf. „Die Damen fi&enbleiben!" 
befahl £*enbi. 3eber ber Herren natjm einen ber i)alte» 
ftriefe, unb im (Eilmarfd) ging es burd) bas langgeftrecfte 
(Engabinerborf 3 um Safjttfjof, bas letjte Stiiddjen mieber 
ein menig bergauf. 

Die übrigen SERannfdjaften maren fdjon auf bem 
Serron oerfammelt, bie Sobfd)litten mürben foeben auf 
einem offenen ©üterroagen oerftaut, ber an ben 3ug 
angefjängt merben follte. 

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Kummer 17. 


Sette 715. 


©ertie mar no d) faum sur ©efinnung gelangt, als 
ber £ug, tum ©hur fommenb, in bie Station einlief. 

„ 3 ft bas ber 3 ug, ben mir untermegs gefehen 
haben?" fragte fie. 

Sie Herren lachten, unb Samerlanber fagte: „Sem 
begegnen mir erft in einer ©iertelftunbe!" 

Sie faßte bas nicht. „2Bie lange maren mir benn 
untermegs?" 

„Sie gahrt Ijat genau achteinhalb ©tinuten ge* 
bauert, gür bie gleiche Strecfe — aber bergauf mit ber 
©ifenbahn — brauchen mir nun smeiunboiersig 
Minuten." 

Der $ug mar ftärfer befeßt, aber bie ©obmannfehaf* 
ten befamen noch alle bequem ©laß. ©ertie bilbete als 
Neuling ben ©tittelpunft bes 3ntereffes für bie Um* 
fißenben. Auf ber gahrt 3 eigte man ihr burch bie 
SBagenfenfter bie SBinbungen ber Straße. ©achbem 
man bie fteßrtunnels oerlaffen hatte, erfannte fie bie 
Situation überhaupt nicht mehr. (Es erfd)ien ihr un* 
möglich, baß man bie enblofe Strecfe, bie faft eine ©teile 
groß mar, in menigen Minuten 3 urücfgelegt haben 
follte. 

„ 6 s ift ein ©efälle von über oierhunbert ©teter." 
©iooanni ßenbi fteefte fich fchmunselnb feine pfeife an. 
©r fchien oon ben ßetftungen feiner ©tannfeßaft, ob fie 
auch bunt 3 ufammengemürfelt mar, befriebigt. 

„Das nöchftemal fönnen mir ein bißchen 3 ulegen", 
fagte ©tagr unternehmenb. — „Ober ift 3h ncn bange, 
©näbigfte?" 

„3ch hübe nicht mehr 3 u risfieren als Sie", er* 
miberte fie gereist. 

6 s brängte fie, enblich allein mit ihm su fprechen. 
©r mußte mehr oon Aj:el ©roll unb feiner überftürsten 
Abreife. 6 s mar ihr, als betrachtete er fie sumeilen mit 
einer hämifchen Überlegenheit. Sie machte insgeheim 
gäufte. gür bie forbialen ©ourmachereien bes SBiener 
Aarons mar fie in ihrer serriffenen Stimmung faum su* 
gänglich- Sie seigte nur ab unb 3 U ein flüchtiges 
ßächeln, mehr aus ©emohnheit. 

3um 3 meitenmal mürben bie Schlitten aus bem 
3ug herausgebracht unb nach bem Start hinauf* 
gefchleppt. Diesmal hatte man mehr 3eit. ©tan fonnte 
in ©ergün bequem frühftücfen unb erreichte noch immer 
ben ©tittagsug nach ©reba, um oon bort bie britte 
gahrt auf ber ©obfleighbahn 3 urücf 3 ulegen. 

2 luf biefer gahrt fah man bie ßanbfchaft im oollen 
Sonnenglans. 

Untermegs, an mehreren Äehren, hörten fie bie 
©tannfehaft bes oorausfahrenben Schlittens tyeU 
jauchsen. 

„Das finb bie ©ngabiner!" rief ftamerlanbeh „$ur 
leßten gahrt haben’s nur feefjs Minuten gebraucht!" 

ßenbis ©hrgeis fchien nun hoch etmas angeftachelt. 
©r nahm einige Äuroen, um auch nicht ben Bruchteil 
einer Sefunbe 3 U oerlieren, ohne ©remfe unb fo hoch, 
baß bie ©tannfehaft für 3 mansig Steter gahrt mage* 
recht über ber ©ahn hing. 

gurcht h^tte ©ertie nicht mehr. Sie mar mit ihren 
©ebanfen überhaupt nicht mehr bei ber gahrt. Sie fah 
meber bie munberoatt^n Alpentuliffen ber in Sonne ge* 

Digitizedby(j005l£ 


babeten Höhen noch bie jähen Abftürse, Schluchten, Xal* 
feffel unb 2Begfuroen, bie bas su Xal faufenbe ©efährt 
bebrohten. Sie hörte bas gauchsen ber ©ngabiner nicht, 
tief ba unten im Xal, fie achtete auf Äamerlanbers 3u s 
rufe nicht. 3 mmer ftärfer erregte fie ber ©ebanfe, baß 
©tapr fich an ihrer Ungebulb meibete, baß er irgenb* 
eine Nachricht im Hinterhalt hotte, bie er fich auffparen 
mollte. Sie mürbe fein überlegenes, faft graufames 
ßächeln nicht los, bas oorhin, als fie fich mit einer grage 
an ihn gemanbt, fein ©efkht gerabesu sur höhnifchen 
©rimaffe oerserrt hotte. 

Diesmal blieb fie nicht im Schlitten fißen, fonbern 
marfchierte hinter ben Herren mit burchs Dorf. 

„2Bas haben Sie?" fragte fie ben [Rechtsanmalt, als 
fie ben Bahnhof erreicht hotten, gepreßt. 

„©teine greube an 3hnen, ©näbigfte. Daß Sie fich 
fo tapfer seigen." 

Sie surfte oerächtlich bie Achfel. „3<h mor nie feige." 

„Sie haben eben ein gutes ©emiffen, fchöne grau." 

„3ch möchte enblich erfahren...." 

Äamerlanber unterbrach ihr ©efpräch. „Beleihen 
S' einem armen Sterblichen bie Störung. Aber 's ift 
jeßt bie michtige grage su erörtern: 2 öo fpeifen mir?" 

„Die grage ift befonbers michtig für ben Herrn 
©aron," erflärte ©taqr, „benn er hot noch rieht einmal 
fein erftes grühftürf." 

Die ©tehrsaijl ber ©obfahrer hotte fich sufammen* 
gefchloffen unb in ein Hotel begeben. Aber ©ertie mar 
bie BorfteUung, für bie Dauer einer langen ©taßlsett in 
einen engen Speifefaal mit ein paar Dußenb gremben 
eingefperrt su fein, unerträglich- 

„ 3 ch bleibe hier im greien", fagte fie fürs. 

Der ©aron fanb ben ©lan, ben ßunch im Schnee 
einsunehmen — in ber Sonne auf bem freien ©laß oor 
bem Sahnhof — gans föftlich- 6 r übernahm fofort bie 
Arrangements. ©taqr mürbe babei ebenfo sur S)\i fe* 
leiftung angeftellt mie ßenbi unb ber fchmeigfame 
Amerifaner. 

Aus bem SBartefaal feßaffte ber JEßiener, felbft mit 
Hanb anlegenb, einen Xijch herbei.* ©ine ©anf, ein 
leeres gaß unb ein serbrochener Seffel bilbeten bie Siß* 
gelegenheiten. ©ine große Äaraffe roten ßanbmeins, 
faltes gleifch, Butter unb horte ©ier brachten nach ©er* 
lauf einer ©iertelftunbe ©taqr unb ber Amerifaner aus 
bem Hotel, fie seigten bie ©afetchen, fchon oon meitem 
triumphierenb, mie eine Siegesbeute, ßenbi beforgte 
©rot unb Apfelfinen aus ber Ortfchaft. Xeller gab es 
nicht, ©ertie mußte ihr Hausfrauentalent fpielen laffen 
unb bie ©erteiiung ber Herrlichfeiten übernehmen. 

Der SBein, bie Sonne, bie fportUche ©rregung unb 
ber übermütige Xon, ben Äamerlanber anfehlug, brachten 
bie buntgemifchte ©efellfchaft halb in gehobene Stirn* 
mung. gür ein äöeilchen seigte fich ©ertie fogar ben 
etmas gemagten ©alanterien bes ©Wieners sugänglich- 
©ieHeicht nur — um ©tapr heraus 3 uforbern. 

©tan ftieß mit ben SBaffergläfern, aus benen ber 
äBein getrunfen mürbe, auf meitere gute gahrt an. 
ßenbi hotte herausgerechnet, baß man ber britten Xour 
noch eine oierte unb leßte folgen laffen tonnte, menn 

bie Herrfchaften nicht oerlangten, sur Dtnerftunbe fchon 

Original from 

UNIVERS1TY OF [OWA 



Seite 716. 


stummer 17. 


mieber in 6 t. Bioriß 3 U fein. 3 ur Slbftimmung bar* 
über tarn es nod) nid)t. ©ertie mar feft enifdjfoffen, 
na 4 ber näd)ften gabrt* fofort bie JRücffe^r bur 4 * 
3 ufeßen. 

„34 m u 6 6 ie fprecfjen!" ftieg fie flüfternb aus, als 
Btaqr mit feinem ©las 3 U ihr trat. 

„Bas ift längft auch mein 2Bunf4* 3d) habe geftern 
abenb eine überrafdjenbe Btitteilung befommen. — 
äber beffer: mir bleiben babei allein. 93ielleid)t nadj* 
her im 3 ug, wie?" 

ffiieber ber fpöttif 4 überlegene Slusbrud in feinem 
@efid)t. ©r f)atte bas Btonotel eingetlemmt. ®s mar 
offenbar eine SBolluft für ii>n r fie sappein 3 U laffen. 2 Bie 
eine Siaße tarn er ihr oor. 

Samerlanber bot ihr aus feinem filbernen (Etui eine 
3 igarette. 6 ie nahm fie unb paffte erregt bie SBolten in 
bie tlare Suft, beren Äälte man in ber prallen Sonne 
faum füllte. Bas Bilb biefes improoifierten ?Jicfni<fs 
im 6 d>nee unter bem blauen gebruarbimmel mar gans 
einzig, heimelig eingebettet tag bas Borf in bem 
frieblichen lat, ber Schnee ber meiten SBiefenflädjen 
leuchtete im Sonnenf4ein. Bie rotbraun gebrannten 
©efic^ter mirften auf bem f 4 neemeißen f)intergrunb 
nod) bunfler. 2lucb ©ertie unb bie übrigen Barnen — 
jebe Sobmannfdjaft adelte ein meiblkbes SDlitgtieb — 
bie fid> nun ailmäl)tid) aus bem S)oM jum 3 U 9 ein* 
fteöten, maren oon ber Sonne unb bem bei ber fdjarfen 
gabrt erflärlid)en ©egenminb ftar! mitgenommen. Bon 
ben oerbrannten ©efidjtern ftrebten bie braunen ober 
btonben ßö(fd)en mirr nach allen Seiten. 

3mmer bid)ter füllte fi4 ber Bloß. Ba unb bort 
mürben Biomentaufnabmen gemacht, ©insetne Blamt* 
fdjaften nahmen ba^u auf ihren Splitten Blaß. Äamer* 
lanber oerfu^te immer mieber mit ber jungen SBitme 
eine Slnfnüpfung — aber fie mar jeßt faft abmeifenb, 
menn nic^t feinbfelig. ©r merfte: ba ftimmte etmas 
ntctjt 3 mifd)en grau ©ertie unb bem Berliner Stedjts* 
anmalt. 

2 Hs ber 3 ug einfußr, ber ftart überfüllt mar, tiefen 
bie Sportgäfte Saftig burcf^einanber. Bie meiften 
Btannfdjaften mürben getrennt. Samerlanber mollte 
fid) bie Ba4barf4aft ber jungen Sßitme fid)ern unb oer* 
ließ m>4 einmal raf4 ben 2Bagen. Ba fab er fie inbes 
am anbern ©nbe bes 3uges einfteigen — Biaqr unb ber 
2lmeri!aner begleiteten fie. Bun gab er bas Bennen auf. 

©s mar bas allerleßte ©oup 6 im 3 U 9 # in bas ©ertie 
mit ihren beiben Begleitern geraten mar, ein #alb* 
coupä, in bem fid) ber Bienftplaß bes 3ugfübrers be* 
fanb. Burd) bie Sdjeiben, bie ber 5 )ol 3 banf gegenüber 
lagen, fal) man auf bie ©leife. 

„Enfin seuls!" fagte Btaqr mit einem Berfud) ju 
fd)eraen. 

Ber 2lmerifaner quittierte mit einem gutmütigen 
ßäd)eln unb 30 g barauf eine große 3 eitung aus ber 
Xafd)e feines Sportjadetts. ©ifrig mibmete er fid) fo* 
gleich ber ßettüre. 

,,©s mar 3b r e 2lbfid)t, meine Spannung 3 U fteigem," 
fagte ©ertie gereist 3 U Btaqr, ihre Stimme etmas 
bämpfenb, „3bren Qvotd haben Sie erreicht, nun geben 
Sie mir atfo Sluffdjluß. 9Bas ift mit bem Bottor?" 


Digitized b) 


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Btaqr täfelte no4 immer, ©r batte fid) bequem 
in bie ©de gefeßt unb bas Sfrtie ein menig auf bie Bant 
beraufgesogen. Ben Äopf ftüßte er in bie f)anb. Sein 
Blid rubte unoermanbt auf ihrem ©eficbt. „3a, benten 
Sie, mas ba in Berlin paffiert ift. ©ine gans oerteufelte 
©efd)id>te, in bie unfer greunb oermidelt ift. Sie 
Staatsanmaltfcbaft bat feine Berbaftung oerfügt." 

Ber 3 U 9 batte ftcf) in Bemegung gefeßt. Soeben 
fuhr er in ben erften Äebrtunnel ein. 

©ertie fühlte, baß ißr bas Blut in ben äbern ftodte. 
©ntfeßt ftarrte fie ben Becbtsanmalt an. Sie fab in 
bem ^albbämmer fein läcbelnbes ©eficbt mie eine oer* 
3 errte Blaste. Uber bie ©emalt feines ftecbenben 
Blides empfanb fie jeßt noch ftärter unb betiemmenber 
als oorber im bellen Sonnenlicht. 

„90ßas — foü er benn — oerbrocben hoben?" ftieß fie 
unftcher aus. 

„Bie Sache liegt fchon siemlich meit surüd. Btan 
(egt fie oerfcbieben aus. Xeilmeife recht fatal. 34 hotte 
Sufäüig bie Bartei in oerfchiebenen Bechtftreitigteiten 
oertreten. Ba baten bie ßeutchen mich benn ouch in 
biefer Angelegenheit um Bat. 34 höbe auf eigene 
gauft bann meine ©rbebungen angefteHt.... S 04 bas 
ift eine 6a4e für fi4- • • • 3a, benten Sie, es liegt ber 
begrünbete Berbad)t oor, baß er einen fa(f4*n loten* 
f 4 etn ausgeftellt bot. Bi 4 t etma aus ßeichtfinn ober 
Ba4läffigfeit. Bein — um einen ©attenmorb 3 U oer* 
tuf 4 *n, unb um für fi 4 unb für bie ©rbin bes Xoten 
finansielle Borteile b^taus 3 uf 4 logen." 

Bie ©oup£tür öffnete fi4> Sin Btann trat ein. 
©ertie mar fo erregt, baß fie entfeßt auff 4 ne. 

©s mar ber 3 ugbegleiter. ©r f 4 loß bie Xür unb 
begann in feinem f 4 wei 3 erif 4 en Bialett eine Unter* 
baltung. Ber ganse 3ug fei überfüttt, aber in Breba 
merbe es mieber leerer. 

Btan hotte ben Xunnel oerlaffen. Blr. Scott mürbe 
jeßt etmas lebhafter, ©r unterbra 4 feine 3 eitungs* 
leftüre unb mies bur4 bie genfterf 4 eiben. SeutU4 
fab man oon hier aus bie mö 4 tige Boppe(f4leife, bie 
bie Bahn burch bie beiben ffebrtunnels bef 4 rieb. ©in 
paar Slugenblide lang tonnte man ben großen (Be* 
fängnisturm unb ben Campanile oon Bergün bur4 bie 
Bogen ber gemaltigen Brüde biubur4 feben, bie man 
menige Blinuten fpäter paffieren mußte. 

3 mif 4 en bem Zugbegleiter unb bem rabebre 4 enben 
2 lmerifaner entmidelte fi 4 ein ®efprä 4 f in &os 9Raqr 
3 umeilen als Bo(metf4er eingreifen mußte, ©r hotte 
feinen lei 4 ten Xon beibebalten, oermanbte aber teinen 
Blid oon grau ©ertie. 

„Ben Barnen oon bem — bem loten — ben tann 
man mobl ni 4 t erfahren?" fragte ©ertie, bemüht, 
äußerli4 gan 3 ruhig 3 u bleiben. Sogar ein oerlorenes 
ßä4eln fpielte um ihren Blunb. 

„SBarum ni4t? 3n ein paar Sagen gebt bie Sache 
ja bur 4 olle 3 eitungen. ©s ift ein febr oermögenber 
gabritbefißer — am Äurfürftenbamm — febr an* 
gefebener i)err in mittleren Sohlen, ber eine blutjunge 
grau geheiratet hotte. 3o, benten Sie, unb 3mif4en 
biefer blutjungen grau unb unferm Bottor.... Slbet 
mas ift 3 huen, ©nöbigfte?" 

Original from 

UNIVERSSTf OF IOWA 



Kummer 17. 


Seite 717. 


©ertie hotte ben Kopf aurücffinfen (offen, ßautlos. 
3ßre äugen waren weit aufgeriffen. 

Der 3 ug fuhr über bie Talfperre. Das Koffein 
übertönte, wasSlagr fogte. Der Schwerer oerließ 
feinen Stoß unb fteUte [xd) an bie Tür. 

„Sann man ni<ßt bas genfter öffnen?" fragte Siapr 
ben Seamten. 

Der fcßüttelte ben Stopf. Das gebe jeßt mcßt, fagte 
er, es fomrne gleich toieber ein Tunnel*, ber Kaucß 
fcßlage fonft ins ©oup6. 

©ertie fab wieber bie höhuifcß* 5roße mit bem 
Sionofel, in bem ficb bas ßämpcßen ber Decfe fpiegelte. 
©ieber fiel lb r &<*s Silb ein: ba lauerte mit funfelnben 
äugen eine graufam tücfifcße Säße, bie mit ihrem Opfer 
fpielte. 

„60 — eingefcbloffen ift bie ßuft \)\ex“, brachte 
©ertie mübfatn h*roor. 

Klan paffierte ben nächften Tunnel. 

„ 3 eßt — Obacßt — gleich!" fagte ber ^Beamte gut* 
mütig. ©r ließ bas genfter an ber ©eite herunter, 
©leitb barauf öffnete er bie Tür, fcßwang fich h^uaus 
unb tletterte am Trittbrett weiter. 

©ine Minute lang hielt ber Zug an einer äusweicß* 
ftation. 

©ertie atmete tief bie ßuft ein. än ihre Ohren ßäm* 
merte bas Slut. Sie hörte bas Singen unb ßärmen 
ber Sobfleigbfabrer in ben anbern ©agen wie aus 
weiter, weiter gerne. Sor ihren äugen bilbeten fich 
feurige Streife. „Sie wiffen ja — fo intereffant — au 
eraöhlen!" fagte fie nun mit grimmigem $)oßn. Kacß 
bem Kamen fragte fie nicht mehr, ©s fehlen ihr flar, 
baß alles oerraten war. 

„3a, nicht wahr, eine tolle ©efchichte? — ©er hätte 
bas unferm {charmanten Doftor augetraut! — Die ©ache 
war oon langer S)anb oorbereitet. Die beiben ßeutchen 
wollten ben Slann, ber ihnen, im ©eg war, beifeite 
fchaffen, gaben ihm gelegentlich ein Tränflein, ber 
Doftor füllte ben Totenfehein mit ^erafcßlag* aus — 
unb barauf begruben fie ben Strmften mit allen bürger* 
liehen ©hren. — Kett, wie?" 

„Das ift hoch — unbenfbar!" 

Slagr blieb ruhig, faft (iebenswürbig. „Die Ser* 
wanbten bes Toten wüten hauptfächlich barüber, baß bie 
©itwe bas ganae große ©rbe gefchlucft hat. Die fagen: 
fie hat es bloß bes ©elbes wegen getan. 3<h meine 
bagegen: eher hat bie ßiebesleibenfchaft fie blinb ge* 
macht. Die arme junge grau. Kun hat er fie obenbrein 
noch fißen laffen." ®r machte abermals eine Saufe, es 
war, als ob er auf ihr ©eftönbnis wartete. 

©ertie hielt bie Zähn* feft aufeinanbergepreßt unb 
feßwieg. ®s war ihr, als fcßlügen bie ©ogen über ihr 
aufammen. ©ie rang nach ätem. 3 ßr angftooKer SUcf 
(am oon bem ihres Setnigers nicht frei. 

Die Sahn trat aus ber Schneehelle, bem Sonnen* 
glaft wieber in eine Keihe oon gelseinfchnitten. Süß* 
artig brang bas ßicht in ben ©agen, fo oft ber Zug 
an einem ber großen gelfentore oorüberglitt. Unb bann 
faß man oon neuem im ©chatten: weitere Tunnels 
folgten. 'Klan hörte bas Äcßaen ber Slafcßine, bie müh* 
fam bie'ftarfen Steigungen nahm. 


Digitized b> 


Gougle 


Der Zugbegleiter fchwang fich mieber ins ®oup<$. 
©s ftanb ooller Qualm, aber ©ertie mertte es gar nicht, 
©ie hörte, baß Sir. Scott au ihr fpraeß. 6s flang ihr 
wie aus weiter gerne. 3nbem fie fich bemühte, feinen 
©orten au folgen unb eine ©rwiberung ooraubereiten, 
fühlte fie, wie bas Zittern in ihr fich legte. Kicßts ein* 
gefteßen, nichts eingeftehen! — fagte fie fich heimlich 
immer wieber oor. 

Sir. Scott eraählte, baß er geftern breimal bureß bas 
Sergell mit bem Sobfleigh hiuuntergefahren unb erft 
fpät nach KUtternacht oon Slaloja aurücfgefeßrt fei. 

. ©ie hatte fich ihm fo weit augewanbt, baß Slagr ihr 
©eficht nicht mehr feßen tonnte. 6s war ihr eine wahre 
©rholung, baß fie feinem überlegen fpöttifchen Slict auf 
biefe ©eife auswich. Unb hoch fühlte fie, baß er jebe 
Sewegung oon ihr oerfolgte, ©ie beobachtete fich uun 
felbft — unb es fiel ihr auf, baß fie bei einaelnen ©orten 
gana unmotioiert bie rechte $anb fpielen ließ. 

„Sreba — Sreba!" 

Das ©nbe ber gahrt. 6s war ©ertie, als hätte fie 
ftunbenlang in bem engen Käfig gefeffen. 

©in wahrer Sturm würbe jeßt wieber auf ben 
©üterwagen gelaufen, in bem bie Sobfcßlitten oerftaut 
waren. 

Diesmal hatte ßenbi mehr ©lüct: mit Sir. Scott au* 
fammen, ber rafch ßinaugefprungen war, fcßleppte er 
feinen Sobfleigh feßon bie fleine änßöße empor, noch 
beoor bie anbern Sefißer aus bem ©emirr ihre Scßlit* 
ten ßerausgefunben hatten. 

„Obacßt!" rief er triumphierenb bem Saron Karner* 
lanber au, ber — eine Ztearette raueßenb — fieß in* 
mitten ber Schienen nach grau ©ertie umfaß. 

Die blieb jeßt hießt am leßten ©agen fteßen. „Unb 
was für S e w e i f e — will man benn haben?" fragte 
fie Slagr, fuß au einem läffigen Ton amingenb. 

„Tja, benfen Sie — ich hatte mich & a an bie 
äpotßefe gewanbt, Re immer bie äraneien lieferte, ©r 
war neroös, befam ab unb au etwas Slorpßium — 
tleine Dofen als Schlafmittel —" 

„Kafcß, rafcß! äoanti!" maßnte ber ©ngabiner oben 
oor bem S) otel, lebßaft feiner Slannfcßaft auwinfenb. 

Kamerlanber feßte fich tn ein rafeßeires Tempo unb 
holte bas $aar, bas jeßt in ungleichem Schritt bem 
güßrer folgte, unterwegs ein. „Das war ja eine troft* 
lofe gaßr! — ohne Sie, meine ©näbigfte!" 

Sie hörte nicht, oergaß fogar au lächeln. 

„ 3 a, unb benfen Sie, aus bem 3 aurnal ßat fuß jeßt 
ergeben, awei Tage auoor ßat ber Doftor bem Unglücf* 
ließen Slorpßium oerfeßrieben, aber eine Dofis, bie ge* 
nügt hätte, um ein Dußenb Kanoniere ins 3 enfeits au 
beförbem." 

„©as eraäßlen fich Re ^errfeßaften hier für Schauer* 
gefeßießten?" fragte ber Saron brollig entfeßt. — „3a, 
ja, Siaeftro," rief er bem ©ngabiner au, „wir fommen 
ja feßon!" 

„Das war recht unoorfießtig oon bem f)errn_ 3 cß 

benfe, ein ärat fönnte fieß fo eine Dofis weniger auf* 
fällig beforgen...." 

©ie brachte bas überlegen läcßelnb, aber innerlich 
aittemb ßeroor. ©r bohrte feinen Slicf in ben ißren. 

Original ffo-m 

UNiVERSITY OF IOWA 



stummer 17. 


(Seite 718. 

„Drum liegt noch bic S[RögIirf}fcit oor, haft fie bas !Ke 3 ept 
gefälfd)t hat — unb baft er hinterher nur Beihilfe ge= 
leiftet hat." 

£enbi mar ungebulbig. Die haltegurte maren oer* 
micfelt. Mr. Scott fam bamit nidjt juftanbe. (Er rief 
bem Söiener 3 U, mit 5)atib an 3 ulegen. 

„ 2 llle 5 öetter, jeftt mirb er fd)arf!" fagte Äamer= 
lanber unb ftieg mit langen Schritten auf feinen biinnen 
(Storchbeinen burd) bie nächften Sd)neei)aufen, um ben 
2 öeg ab 3 ufür 3 en. 

„23ielleid)t — legt bie grau nod) ein ©eftänbnis ab/' 
fagte Mat)r faltblütig, „bas fönnte if>n oieUeidjt nod) 
retten. 2 lber menn fid) j e ft t ihr ©emiffen nod) nid)t 
gemelbet hat... 

Sie fab il)n haßerfüllt an. „geftt?!'* 

„ 2 luffiften!" fommanbierte ßenbi. 

StRit einem guft h a ^te Mapr bie Strafe erreicht. (Er 
fenfte ein menig ben $opf, um ©ertie ins ©efidjt 3 U 


fehen. „9tun ja, bie Sache liegt bod) fd)on 3 iemlich lang 
3 urücf. Monatelang. Unb Sie — Sie roiffen bas 
Datum nicht?" 

„ 2 öie foll ich — C5 miffen?" 

Äamerlanber ftanb nod) neben bem 33obfd)litten. 
Die beiben anbern Männer hatten fd)on *piaft ge= 
nommen. Der s £aron trällerte bas Signal: ©alopp. 

Mat)r bohrte feinen 3Micf in ben ihren, halblaut, 
faft oertraulid) fagte er: „Äaum oier Monate ift’s her, 
2 lm fünften 9tooember hat man ihn beerbigt. 2 llfo ber 
3 meite 92ooember mar fein Sterbetag." 

©s mar bas Datum oon Seiles $ob.... 

2luf ber Strafte hatten fid) fd)on mehrere Schlitten 
hinter bem bes (Engabiners aufgereiht. Ungebulbige 
3 «rufe mürben laut. 

©ertie folgte mechanifd) ben befehlen. Sie mar fid) 
ihrer Xätigfeit gar nid)t mehr bemuftt. 

(gortfeftung folgt.) 


Dr. Gfjarcots Jafjrt nad) bem Sübpol. 

Dach den neusten Briefen des forfebers an feine Gemahlin. 

Der „2öod)e" mitgeteilt oon grau Marg. ©harcot. — hier 3 u 9 photographifche Aufnahmen. 

2Balfifd)fahrer anoertrauen. Seine -3uoerfid)t, baft ber 
„^ourquoi^as?" allen Stürmen unb ©ispreffungen 
troften mürbe, fam in biefem 2 lbjd)iebsgruft 3 U rührenb 
berebtem 2 lusbrucf. hören mir nun, rnie ber gorfd)er 
fich in feinem jüngften Schreiben über bie Söiberftanbs* 
fähigfeit bes gat)r 3 euges ausfprid)t: „©in mahrhaft 
titanifches Gingen unferes Sd)iffes gegen bie Stunbe 
um Stunbe fich erneuernbe ©efahr ber ©isberge hielt 
unfere Heroen in unausgefeftter Spannung. 9tur gan 3 
allmählich gemöhnte man fid) an bas unheimliche 
Stiftern unb brachen ber hoßmänbe, an bas ©gittern 
bes Maftmerfes, bas unfern erregten Sinnen ben 
oibrierenben Saiten ~ einer riefigen 3auberharfe oer* 
gleichbar frfjien. Diefer fchaurige ^i^acflauf bes 
halb über ©isfchollen hintoeggehobenen, halb ooni 
Mirbelminb über tiefe Scftrünbe getriebenen ,$ourquoi= 
*Pas ? 4 mährte mehrere läge unb 9tädjte hiuburd). 



2infid)t oon port Coubet 


33alb merben es 3 toei gahre fein, feit bie „SBoche" 
aus ber geber bes Dr. gean ©harcot jenen in ber 
miffenfdjaftlichen Melt oielbefprochenen 2 luffaft über bie 
mannigfaltigen 2lbfid)ten feiner gahrtnad) ber Sübpolar* 
region oeröffentlid)te. So mag benn auch an biefer Stelle 
oon ben perfönlidjen ©inbrüefen bie SRebe fein, bie ber 
gorfchungsreifenbe nach feiner fü^lid) erfolgten fian* 
bung in bem argentinifchen hafen ^Suntas 2 lrenas 
neben ber für bie 2 lfabemie beftimmten 2 luf 3 äl)lung 
oon Daten unb galten in ^rioatbriefen hierher über* 
mittelte. 2 Beld)e ©£iften 3 — melche ©ntbehrungen! 
2111 bie langen Monate hmburch oöüig abgefdjnitten 
oon ber 3 ioilifierten 5öelt, ftets im erbitterten kampf 
mit bem oielgeftaltigen Xob! . . . 

2lm 3Beihnad)tstag bes gahres 1908 fonnte ©harcot 
beim 23erlaffen ber Deceptionsinfeln oor bem ^Beginn 
feiner eigentlichen ^olarreife bie leftte * 8 otfd)aft einem 


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UNIVERSUM OF fOWA 



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Die Unterfunffsfyüfte im tiefen <Eife. 


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UNIVERSITY OF IOWA 








Seite 720. 


Kummer 17. 



„Städjte unb Sage. Söas half ha bie ftunft bes 
Bilotierens, bie bis an bie ©ren^e menfchlidjcr SRad)t 
getriebene SBachfamfeit! Sie oon unfern Beffimiften 
an Borb 3U meiner Ber3toeiflung oft unb oft mieber* 
holte Borausfage, baß irgenbein bis 3ur 5 Bafferf)öhe 
emporragenbes gelsriff unferer gahrt 3ur See plößlid; 
ein oo^eitiges 5 )alt gebieten merbe, bat fid) leibe* er* 
füllt. Su mein armes, maeferes Scbiff unb bu — 
bu abfdjeulicbes, tücfifcbes gelsgebilbel So ftarf mar 
fein Anprall gemefen, baß eine Hälfte bes Schiffsoorber* 
teils fid) oon ber anbern 
trennte, baß burd) einen 
tiefen, geroaltfamen Stiß ber 
Siel gefpalten mürbe . . . 

„ 5 Bof)l batten mir uns 
in granfreid) für fleinere 
Schiffsunfälle einigermaßen 
gefcßult; aber ein fo ernftes 
^Jtißgefdjicf übertraf unfere 
Borausfid)t bei meitem. ©s 
mar eine barte, gemeinfame 
Arbeit, bie uns in biefer 
unmirtlicben Bteeresgegenb 
in 2 ltem hielt, bis ber Srei* 
mafter uns enblid) fo meit 3u= 
fammengequacffalbertfchien, 
baß mir bie Söeiterfahrt 
nad) Süben magen tonnten. 

Unter biefen Umftänben 
märe es moi)l überfebmeng* 
lief), oon einem ,ftol3en' 

©in3ug in bas ßoubet* 
lanb unb in bas CBebiet 
Sllejanbers I. 3U 
fpredjen. SBir 
haben 


Siebter unb einen SJteifter ber bilbenben Sunft 3U be¬ 
herbergen! Su bift, mein teurer ^bilofopb, auf ber 
Suche nad) bem 2 lbfoluten. Blicfe boeb hinan 3U biefem 
5 )immel oon ungeahnter Slarbeit — ein b^rlicberes 
Spmbol 3um Berftänbnis bes Slbfoluten fönnen Seine 
Sinne nid)t faffen. Unb Su, $oet, mem oergleicbft Su 
jene munberfame Sternenmelt? 2 lbnft Su nicht, baß 
ein räcbenbes Sdjidfal alle bie flogen febönen grauen, 
bie in ihrer ©lan33eit rnabre Siebe unb Eingebung 
nicht fannten, nicht fennen mollten, in Sterne oer* 


(Ein Blicf in bie Borcafsfatnmer. 

roanbelte unb bisher oerbannt bat, um emig 3itternbe 
3eugen biefer granbiofen ©rftarrung 3U fein . . . ? 

„Sod) ich irre mich- Söir batten nicht einen, fonbern 
eine gan3e i)erbe oon ^bilofopbcn in unmittelbarfter 
Stäfje. ^büofopben ber ©ntfagung in ber Sat, biefe 
prächtigen Pinguine, beren eigenartiges ©ebaren 3U 
beobadjten mir nicht mübe mürben! Unb auch ein 
Stücf SJtt)fti3ismus oermuteten mir mobl mit Stecht in 
ihrem pbilofopbifchen Softem; benn im gluge bilbeten 
fie einen mäd)tigen Sriangel, ber ficb immer höher unb 
höher b ob mie bas Söelträtfel, bas bem forfchenben 
©eift bes Sabbaliften ftets ferner unb ferner rücft. 

„Stedjt unfanft mürben mir nur 3U balb burch ben 
furchtbaren Sturm aus Storboft aus biefen natur* 
pbiiofopbifcben Betrachtungen gemeeft. Sas oon uns 
näd)ft bem Slnferplaß bes ,Bourquoi*Bas?' 3mifchen 
©isfd)ollen 3ured)tge3immerte Räuschen, beffen eleftrifche 
Beleuchtung nach unenblicben SJtühen gelungen mar, 
hatte bem SBirbelfturm am längften miberftanben. Sa 
lag’s in Trümmern. ©leid)3eitig hatten mir ben Berluft 
bes Steuers an unferm ,Bourquoi*Bas?' 3U beflagen. 
2lber feinen 2lugenblicf gestatteten mir ber ÜDtutlofigfeit, 
unfern ©ifer 311 3Üge(n. Sie Sttehr3af)l ber Unfrigen 
mar mäbrenb bes Söinters oon Sforbut fdjmer hc* n - 3 


Btr. Bongrain am Xtyeoboixien. 

inbeffen 00m Borb aus unternommen, rnas bisher 
feinem gorfeber oor uns in jenen ©egenben gelang; 
bie geftfteüung aller ho^rographifd) mid)tigen SJtomente. 
Unb bas mar uns am ©nbe hoch bie £)auptfad)e . . ." 

Ueber feine ©inbriiefe mährenb ber B°farnad)t 
feßreibt ©harcot: „SBie fchabe, baß ber »Bourquoi* 
Bas?' nicht Staum hatte, einen Bh^ofophen, ich meine 
einen Bhif°f°Phen ,an fid)', bann einen gotibegnabeten 


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Kummer 17. 


Seife 721. 




— 


A. _ 


Die fjüffe im (Elfe. 

gefügt; mid) aber quälte 
noch obenbrein mein 
altes 5 )er 3 leiben. ©s 
mar ein graufam har- 
ter SBinter. . . . 

„Unb iiberblicfe ich 
beute bas ©efamt- 
ergebnis, fo füf)lc id) 
mol)l einige ©enug= 
tuung über bie ge- 
nauere ©rforfdjung ber 
gän 3 lid) in Sergeffen- 
beit geratenen 3nfel 
Meters I. fomie ber auf 

etma 1000 Kilometer _ 

fid) erftrecfenben Legion ttafurforfcberCiouoiUe u.Dr. (Ebarcot 
bis 3 U bem notgebrun- 

genen 3^1 unferer Steife, bem 126. ©rab meftl. Gänge; 
aber id) fann unb mill es mir nicht oerbeblen: mein 
©ebnen unb S )offen blieb mieber unerreicht, menn id) 
aud) bie innere Sefriebigung habe, biesmal meine Soll- 
traft für bas (Belingen eingejefct 3 U haben unb mit 
bemunberungsmürbiger Eingebung oon allen meinen 
Mitreifenben unterftüfct morben 3 U fein." . . . 

Sefdjeibeti fprid)t ©barcot non feinen mit Gebens- 
gefabr errungenen miffenfd)aftlid)en (Erfolgen. (Es fei 
aber hier geftattet, an bie Steuerungen 3 meier nid)t= 
fran 3 öfifd)er Autoritäten erften langes 3 U erinnern, 
ßeutnant ©badleton fcbrieb neulich: „Der Geifer biefcr 


©fpebition bat fid) um bie Solarmiffenfchaft ein ftarfes 
unb bleibenbes Serbienft ermorben." Kapitän ©cott 
mibmete ber Miffion ©barcots eine SBürbigung, in ber 
es bei&t: „SBer fiinftigbin bie Slletterpartie 3 um ©übpol 
unternimmt, finbet bie Geifer gefteüt; man mirb nur 
bie oon (Ebarcot fo gefehlt unb fo glüdlidi eingefügten 
©proffen biefer Geifer 3 U benufcen haben/' (Einbeimifche 
unb fremblänbifd)e gacbmänner 3 eigen fich im böcbften 
©rabe gefpannt auf bie genaueren Mitteilungen über bie 
oielfadjen, für bas ©tubium oon ©bbe unb giut fo rnid)- 
tigen ©onbierungen bes E^eans. Die ©eologen ibrerfeits 
erhoffen oon ber ©barcotfdjen Ausbeute an goffilien 
neue roichtige Slnbaltspunfte für ihre ©rbentftebungs- 
bppotbefen. Auch &ic her antarttifchen tJauna gemibmeten 
©ammlungen bürfen auf rnert- 
oolle Beiträge rechnen. SBabr- 
baff entbufiaftifd) rühmt (Ebarcot 
in feinen ^ßrioatbriefen bie nie 
getrübte ©intrad)t unter ben 
30 Mitarbeitern, oon benen $)err 
Giouoille, Staturforfdjer (©tief* 
fobn bes oerftorbenen Minifter- 
präfibenten SBalbecf-Stouffeau), 
ber ©eefäbnrid) Songrain unb 
ber junge ©eologe ©ourbon 
an ben miffenfcbaftlichen Slrbei- 
ten fich befonbers rege beteiligt 
haben. Stach einigen Söochen 
mobloerbienter Stube mirb Dr. 
©barcot in Saris unb fpäter in 
anberen europäifd)en ©täbten 


(Eine tnab^eit im Jreien. 

Stebe unb Stntmort fteben über 
alle ©ebiete feiner gorfchertätig- 
feit. Den Ueberblicf über bie 
nur feiten bem guten ©lücf 3 U 
banfenben, meift bartnäefigem, 
trotzigem Stingen gegen bie 
fchroff abtoeifenbe Statur abge- 
toonnenen ©chäfce unb (Erfahrun¬ 
gen toerben ©barcots Sorträge 
unb Demonftrationen geftatten. 

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(Eine fjerbe oon Pinguinen auf bem (Elfe. 


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f \ Itf Yff < ~ ‘w 1 





























Seite 722. 


Stummer 17. 


Die preuftifefjen &d>e einff unb jefjf. 

Bon griß 331 c i). — hiet^u 4 Aufnahmen. 


Die beoorftehenbe große internationale 3agbausftellung 3 U 
3Bien roirb bie beutfdjen Üttäd)te aud) als gute Berbünbete im 
5Beibmcrf 3 eigen. in ber meibmännifdjen 2 luffaffung ber iagb 
gibt es 3 mifd)en ben beiben. beutfeßen Brächten ja aud) toinlid) 
feine (Bren 3 pfät)le. 2BoI)l aber unterfdjeiben beibe jufammen 
fief) bod) recht beutlid) oon ber 5Beib?nannfd)aft anberer Cänber. 
Die latjadje fomrnt in jaljlreidjen bejonberen greunbfehaften 3 um 
2 lusbrucf 3 roijdjen hodjgeftellten herren unb 3 tüifd)en einfachen, 
fd)lid)ten iägern. 2 ßie Kaifer 2 Bilf)elm 
eine fjerjlldje greunbfdjaft mit bem 
jeßigen Xfjronfolger oerbinbet, mar 
er als BritM in gleicher Bßeifebem Krön« 
prinsen Bubolf 3 ugetan, ber namentlich 
auch für unfer preußifdjes (Elchmilb eine 
rege Vorliebe 3 eigte. U. a. mar ber 
Kronprinz in Begleitung bes B^en 
5Bilf)elm im September 1884 in 3ben* 
horft unb fdjoß am 17. bei trübem 
BBetter an bem 5)elena * Bßerber im 
Sfirmith oon einer 3 mifchcit hohen (Erlen 
errichteten Kai^el aus einen (Elch unter 
redjt fchmierigen Berhältniffen. 

Die (Erinnerung an jene 3agb ruft 
uns recht beutlid) ins (Bebächtnts, mel* 
d)en erftaunlichen unb außerorbentlid)en 
gortfeßritt mir in 3 ioifd)en, banf befferer 
Kenntnis oon ben (Befeßen ber (Bemeih* 
bilbung, in ber pflege unb 3 ud)t un[erer 
preußi|d)en (Elche gemacht hoben; benn 
ber bamals oom Kronprin 3 en Bubolf 
geftreefte (El dt), ber fid) nad) feiner brei* 


heim I. mürben 1718 in ber Kaphornfcßen ijeibe 40 Schaufler 
erlegt! Dann aber fcheini ber Beftanb fdjneü, oielleicht infolge 
irgenbmeldjen großen Unheils, 3 urücfgegangen 3 U fein, benn 
1728 3 ählte man nur nod) 705 Stücf in gan 3 Preußen. 3m 
Jahre 1849, nach ber berüchtigten 3agbfreibeit, mar ber ge= 
famte (Eld)beftanb Oftpreußens auf elf Stücf 3 ufammen= 
aefchrumpft, bie in ber Oberförfterei 3 benßorft ftanben. 3m 
3ahr 1874 3 äl)!te man aber bereits mieber 74 Stücf, unb 3 mar 
befferte fid) ber Beftanb nicht nur ber 
3aßl nad). Bnn 3 griebrid) Karl fd)oß 
in Obenhorft einige recht gute 5)irfd)e, 
barunter einen ftarlen Schaufler. 

Dann aber mar es fcßnell bergab 
gegangen, unb 3 toar hauptfächlich bes= 
halb, meil man auf (Brunö ber (Betoeih= 
theorie oon ^rofeffor 2Utum annahm, 
baß man bie Spießer, (Babler unb 
Sed)fer nur geniigenb alt merben 311 
laffen brauche, um fie alle 3 U Kapital- 
fchauflern fid) entmicfeln 3 U fehen. grei* 
ließ erfannten bie Bcoierbeamten fehr 
balb bas hinfällige biefer 2 luffaffung, 
benn fie faßen ja, baß biefe alten Be= 
fannten 3 mar an 2 llter unb SBeisßeit, 
aber nicht an (Enbenaaf)! 3 unahmen unb 
es niemals 3 um Schaufler brachten. 
3nbeffen fonnte erft eine fpätere 3**t 
hier burdjgreifenbe #ilfe bringen. 

2 ln 3 ahf hotte fich in 3 mifd)en bas 
(Elchmilb gut oermehrt. 3nsbefonbere 
erholte fid) ber Beftanb auch im Be* 





2. Ceßtjähriger Scßaufelabrourf 

eines ftarfen Cldjes im SReoier 3benf)orft. 


3. Schäbelecßtes Scßaufelgeroeib eines im Beoier Bemonien 

eingegangenen ettoa 3 et>njährigen Gld)i)irfd)cs. (Befunben im Januar 1906. 


ten unb flachen üöamme, bem quaftigen 
Büttelbart fomie ber fehr ftarfen unb 
berben Btähne als ein uralter Burfdje 
fenn 3 eichnete, trug nur ein red)t fümmer* 
liches ungerabesSedjsenbengemeih. Das 
mar bamals ber befte i>irfd) bes beriihm* 
ten Beoiers, bas bie politifchen Pflichten 
für gan 3 Litauen 3 U erfüllen hotte! 

Diefer Uebelftanb mar nun freilich 
erfannt unb mürbe fchmerslid) be* 
bauert; man fchob ihn aber bamals 
auf eine (Entartung infolge ber 3 n 3 ud)t 
3 urücf, ohne 3 U bebenfen, baß burd) 
ben fortgefeßten Bbfcßuß ber jemeilig 
ftärlften hirfche bie 2 lrt in ber (Bemeib= 
bilbung fünftlid) heruntergebraeßt mar, 
meil man oerfrüppelten Sd)neibern bie 
Brunftpläße iiberlaffen halte. 

3n alter 3cit mar ber ©Ich über 
gan 3 Borbbeutfchlanboerbreitet gemefen, 
in Oftpreußen nod) bis in bas 18. 3ahr* 
hunbert hinein. Unter griebrich 2Bil« 

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4. ©abelgetoeif) eines alten (Eld)hirfchcs 

aus bem 3bent)orfter föeoier. tfrlegt im 3abre 1905. 


gierungsbe 3 irf Königsberg, mo es fehr 
gefd)ont mürbe, namentlich auch in 
ben Brioatforften. 

3m 3ahr 1896 mürbe ber oftpreu* 
ßifeße (Befamtbeftanb auf 300 bis 350 
Stücf gefd)äßt. Dann mürbe bas Schon* 
gefeß oom 13. Sluguft 1897 erlaffcn, 
burch bas ber 2 Ibfd)uß oon hirfchen 
auf ben September befdjränft, ber oon 
Vieren aber gan 3 oerboten mürbe. Das 
Sd)on 3 eitgefeß oom 3ohre 1904 aber 
brachte 3 um Segen ber Slrtoerbefferung 
bie Ausnahme, baß ber BÜnifter für 
ßanbroirtfehaft aus Bücffid)ten ber Can* 
besfultur ober ber BMlbpflege ben 21 b* 
fd)uß roeiblichen Bßilbes für bie 3 ^it 
oom 16. bis 3G. September geftatten 
barf. Unter bem Schuß bes (Bcfeßes 
oon 1897 mud )5 ber Beftanb 3 ur 
greube ber fehr pfleglichen oftpreußifchen 
3Beibmannfchaft oon 1896 bis 1904 auf 
800 Stücf einfchließlid) ber Bnnotforfteu 

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Kummer 17. 


Seite 723. 


an. Slus ben Keinen Sprüngen, bie l)ier unb bort noch geftanben 
batten, mürben nun wieber fefte Beftänbe. Das ©Icßwtlb oer* 
breitete firf) in bie Xawellningfen benachbarten Beoiere 
Scßnecfen unb SBilßelmsbruch, aber auch fübwärts bis in bie 
bei ©erbauen belegene Dberförfterei 2 lftrawifcßfen fowie nach 
Trusten unb ©ertlaufen, insbefonbere aber in bie Ober« 
förftereien Sllt* unb Sfleufternberg, Pfeil unb Klein*9taujof. 
©inaelne Hirfcße famen bis Kobbelbube, furtum bas ©Icßwilb 
ftanb im Begriff, (eine alte natürliche Heimat in ben oor 
Hocßwaffer gejeßüßten Genieren wieber in Befiß au nehmen, 
bie es aur 3eit bes alten Solbatenfönigs bewohnt hatte. Slber 
gerabe in ben troefen gelegenen beiben Sternberger Beoieren 
fowie in Pfeil, Drusfen, ©ertlaufen, Klein»9taujof, Papufcßinen, 
ßeipen unb einem großen Xeil oon ©reiben ftnb mit hohen 
Soften, aum größten Xeil in ßöcßerfulturen, ©ießenbeftänbe 
ßocßgebiacßt worben, unb biefen fügte bas ©Icßwilb nach 
ber heute maßgebenben Slnfcßauung au großen Schaben au, 
als baß -es in folgen Beoieren gebulbet werben fönnte. So 
würben im 3aßr 1905 in ben Staatsforften 98 Stücf, 1906 
87 Stücf abgefeßoffen. Xroßbem würbe ber SBilbftanb im 
3ahr 1907 in ben Staatsforften auf 592 Stücf angegeben. 
Oer Slbfcßuß mar alfo bis bahin geringer als ber Zuwachs. 
Daßer erfolgte im #erbft 1907 ein oerftärKer Slbfcßuß oon 
127 Stücf. Oer SBilbftanb betrug barauf im Sommer noch 
500 Stücf in ben Staatsforften. 

(Es muß ausbrücflich anerfannt werben, baß biefer Slbfcßuß 
eine fehr guie Sluslefe bewirlt hot. Oie 3 ur Strecfe gebrachten 
Hirfcße waren faft bureßweg alte Krüppler mit Spießen unb 
©abelgeweißen, wie Slbbilbung 4 S. 722 ein folcßes aus bem 
3ahr 1905 aeigt. 9iacß bem aufgeftellten Plan foll nun ein 
©Icßftanb oon annäßernb 400—500 Stücfen in ben Staats* 
forften gehalten werben, ber burch aweefmäßigen Slbfcßuß in 
ber 2lrt gehoben werben foll. Qieroon fteben etwa 300 Stücf 
in ben brei Oberförftereien 3benßorft, Xawellningfen unb 
Üttemonien, bie au einem Schongebiet für (Elche erflärt würben, 
©in Keiner Beftanb wirb auf ber Gehrung, unb im ganaen 
Königsberger Beairf ein Beftanb oon etwa 100—150 Stücf 
als Xeil bes genannten ©efamtftanbes gebulbet werben. S)ier* 
burch glaubt man ber ©efaßr ber änaueßt genügenb oor* 
gebeugt 3 U haben, aumal burch bie ©inbeießung ganaer Schuß» 
beairfe, Anlage oon Polbern, ©Ichbergen, Slusweicßftellen, 
hochmafferfreien, au ben Hochmooren führenben Straßen unb 
Anlage oon fchwimmenben Brücfen über oerfumpfte alte giuß* 
laufe bas SBilb in bem 24000 Hektar großen 9tieberungs* 
gebiet oon 3benhorft bis fttemonien oor SBaffergefaßren immer 
beffer gefchüßt wirb. Der Hauptwert wirb auf fachgemäße 
Hege mit ber Bücßfe gelegt. 9tacßbem burch bie 3äßne be* 


l 

miefen Ift, baß ber ©Ich als ©rftlingsgemeih Spieße, ©abein 
ober fogar bereits feeßs ©nben tragen fann, werben alle 
Spießer, bie nur feßwaeße Spieße tragen, abgefchoffen. 3m 
britten Kalenberjaßr trägt ber aur Üftacßaucßt geeignete ©lch s 
hirfch ©abein ober feeßs ©nben. 2lUe breijährigen Spießer 
finb besßalb reif für bie Bücßfe. 3n fpäteren 3ahren tritt 
bann ber Unterfcßieb awifeßen Scßauflertppus unb Stangler 
ßeroor. Slcßtenber müffen bereits Scßaufelanbeutung aeigen, 
fonft müffen fie fallen, noch oiel mehr H^fcße mit höheren 
©nbenaaßlen, bie feine Neigung aur Scßaufelbilbung aeigen. — 
Sluf Blutmifcßung hat man oerftänbigerweife oeraichtet; ins* 
befonbere auf folcße mit amerifanifchen ©lcßen. Die ©in* 
füßrung feßwebifeßen Blutes hat man nach ben Mißerfolgen 
oon 1882 nicht mieber oerfucht. Unb bas ©rgebnis hat auch 
burchaus bewiefen, baß folcße bei oerftänbiger Hege mit ber 
Bücßfe gar nicht nötig war. Solche Sluslefe aber hatte eben 
gefehlt. 3 eßt, naeßbem man nur fünf 3 aßre lang planmäßig 
alle aur 9tachaucßt ungeeigneten Hirfcße, im ganaen 50, nebft 
ber entfpreeßenben Slnaaßl Xiere abgefchoffen hat, ift bie 
Befferung bereits unoerfennbar. ©s fteßen feßon jeßt im 
©ejamtfeßongebiet etwa awanaig gute Schaufler, darunter würben 
feßon 1908 gemelbet: ein Slcßtaeßnenber unb brei Secßaebn* 
enber fowie eine Slnaaßl 3*oölfenber mit guten Bollfcßaufeln. 

Unfere Slbbilbung 1 aeigt einen biefer Hirfcße, ber in Oben* 
ßorft im Stooember 1908 00 m Photographen Mas Stecfel für 
eine größere Arbeit bes Berfaffers biefer 3^Ien über „Das 
©Icß aüer ßänber" aufgenommen ift, bie jeßt in Meermarths 
„ßebensbilbem aus ber Xiermelt" in B. Boigtlänbers Verlag 
3 u Ceipaig erfeßeint. Die Slbbilbung 2 aeigt ben leßtjäbrigen 
Scßaufelabwurf eines recht braoen ©Icßßirfcßes, ber auf bem 
aur 3benßorfter Dberförfterei geßörenben BrebaullerMoor feinen 
Stanb hatte unb oorausficßtlicß in biefem 3aßr, hoffentlich 
burch ben oberften 3 agbßerrn, aum Slbfcßufj gelangen wirb. 

SBäßrenb biefer Hirfcß in einbrucfsoollem, fnufftigem unb 
ftroßenbem SBueßs ben enbenreießen Stangler oertritt, aeigt 
unfere Slbbilbung 3, baß wir aum ©lücf aueß noch Xräger 
einer gejcßloffenen Scßaufelbilbung ber litauifcßen ©Icße 
haben. Der Xräger biefes ©eweißes oerunglüefte im 2llter 
oon 5 —6 3abren unb hätte es woßl noch 3 a toeit befferem 
Sluffaß gebracht. 

Somit ift alfo bewiefen, baß in wenigen 3aßren burch 
richtigen Slbfcßuß bie ©eweißbilbung bes ©Icßwilbes wieber 
gehoben werben fann. 2 )iefer ßöcßft erfreuliche ©rfolg ber 
preußifeßen Sorftoerwaltung wirb besßalb ficßerlicß auch * n 
Sdßweben unb ben baltifcßen Prooinaen 38eacßtung pnben, 
wo infolge fehlerhaften 2 lbfcßuffes ber Äücfgang ber ©eweiß* 
bilbung bes ©Icßwilbes auch leiber unoerfennbar ift 


BUbcr aus aller Belt 



Jrau 2tgnete oon Baubiß, 

toeiblidjer Äapitän'in Dänemi 

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Uber. 


§le 


2 )ie grauen erobern fieß immer 
meßr©ebiete, bie in früheren 3 eiten 
nur ben Männern oorbeßalten 
waren. Äüralicß erwarb grau 
Signete oon Baubiß in Kopenhagen 
oor ber Marinebeßörbe bas Patent 
als Kapitän unb erhielt bie felb* 
ftänbige güßrung eines oon ber 
bänifeßen Regierung fuboentionier* 
ten poftbampfers im Ofefjorb. 

gräulein Paula Somarp, bis¬ 
her am Kleinen Xßeater in Berlin 
tätig, würbe an bas Königliche 
Scßaufpielßaus, Berlin, engagiert 
unb bebütierte bort in Obfens 9tora. 

Die beliebte Opernfängerin ber 
Kölner Oper gräulein ©laire Duj 
würbe auf fünf 3aßre ber Kgl. 
Hofoper in Berlin oerpflicßtet. 
gräulein Duf ift Scßülerin oon 
Profeffor Deppe in Berlin. 3ßr 
©ngagementgaftfpiel abfoloierte fie 
als ©oa in ben Meifterfingern 
unb Slgatße in greifeßüß. 

Die bisher am H^oglUß Mei* 
ningifeßen Hoftßeater als jugenb* 
ließe Heroine befcßäftigte Scßau* 
fpielerin gräulein ©rica oon Söag* 
ner würbe an bas Hofburgtßeater 



0 . l'unM. 

Jräulein Paula Somarp, 

mürbe an bae ^Berliner Br^anlpielfjous engagiert. 

UNIVERSITY OF.IOWA 
















Seite 724. 


Stummer 17. 




$tjot. Slum u. fcüffert. 

Jrl. (Elaire Duj, 

aturbe an bie ^Berliner Oper engagiert 

freunbe. Unfere Silber geigen bas Saecffctje 
ftaus unb ben Saal für bie archäologifchen 
gunbe. 3m (Erbgefrijofe finb bie römifrfjen unb 
mittelalterlichen Siulpturen unb im erften Stoct 
bie norge[d)id)tlid)en römifdjen unb frütjmittel* 
alterlichen ftleinfunbe untergebracht. 3m gleiten 


in 2Bten im glei* 
djen SoUenfarf) 
engagiert Stan 
fießt bie talent* 
oolle unb beliebte 
künftlerinmitSe* 
bauern non Stei* 
ningen jeheiben. 

3n Augsburg 
iourbebas„Sta£i= 
milians * Siuje* 
um" neu ge* 
orbnet unb oor 
turgem bem Ser* 
lehr toieber über* 
geben. Das 9ttu» 
feum ift in bem 
1544—46 erbau* 
ten Saerffcben 
ftaufe unterge* 
bracht. (Es enthält 
bie Sammlungen 
ber Stabt, bes 
biftorifdjen Ser* 
eins unb mehre* 
rerprioatedtunft* 


Jtt (Erica 
non Baaner, 


mürbe 
an bas 
SBiener ®urg* 
ttjeater engagiert 


Das neugeorbnefe 
Bajrimilians - IHufeum 

in Augsburg. 

Oben: Oas ÜWufeum oon aufjen. 

Unten: Oie arrtjäologifcbe 
Sammlung. 

Stoc! befinben fich bieUhr* 
macherarbeiten, 3 intls 
fanunlung unb bie Sor= 
gellan[ammlung. Sehr 
lehrreich ift bie Stting* 
jammlung mit 11000 
Stiict. 3m groeiten Stocf 
haben Driginalmobeüe 
unb 5)anbgeitf)nungen 
oon (E. f>oll, ber 2lugs* 
burger Sieifter Sratiber 
unb Schifeier, Stajo* 
liten, gagencen Slufftel* 
lung gefunben. Dane* 
ben finbet fich einereiche 
Sammlung oon Sa* 
bierungen unb Stichen. 
Die Sluffteüung ber Db* 
jefte ift ungemein über* 
fidjtlich, fo bafe ber Se* 
furf) bes Stujeums fid) 
fehr genufereich geftaltet. 


Scfjhtfo bes ceballioneller. Icits. 































Stummer 17 


23. April 1910. 


6eite I. 


• 17. 


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an fantt bei ben fid) maffenhaft mehrenbert 
Haarpflegemitteln nicht genug barauf auf 5 
m ttffam fein, baß bie eiri 3 ige naturgemäße 5) aars 
PNc barin befteßt, baß man bie Kopfhaut genau 
f° mit ffiaffer unb Seife mäfd)t mie bie übrige 
^ Q ut bes Körpers. *Kur bezüglich ber Seife ßat man 
öorouf 3u achten, baß fie milb fei unb einen 3 u f a Ö 
habe, ber einen anregenben (Einfluß auf bie Xätigfeit 
ber Kopfbaut ausübt unb gleichzeitig parafitäre (Er= 
re 9tt oerfdjiebener Haarfranfßeiten üernidjtet. 

311s folcßer hat ficß, mie allgemein befannt, ber 
^ttr als gerabezu fouoeränes Mittel bemährt. 
®tt leer ruirft antifeptifch unb bat außerbem bie 
bemerfensmerte (Eigenfcßaft, bie lätigfeit ber Kopf 5 
!)aut unb bamit bas Söachstum ber Haare anzu s 
re 9 cn * Jroß biefer (Eigenfcßaften, bie in ber SRebizin 
^°d)9cfcf)äßt merben, hat fich ber $eer 3 ur Kopf 5 
w ^chc both nicht fo einbürgern fönnen, meil oielen 
btt (Beruch einfach unerträglich ift unb bie gemößn 5 
ücljen Jeerpräparate, mie fie bisher im Hunbel 
in oielen gälten hoch unangenehme SReiz 5 
Hortungen heroorriefen. 

finb beshalb jahrelang 93erfuche angeftellt 
korben, um ben Xeer in geeigneter SBeife umzu= 
arbeiten, unb es ift fchließlicß gelungen, ein faft ge= 
r ud)lofe5 leerpräparat berzuftellen, bas auch feine 
unerroünfdjten 9tebenmirfungen mehr huf* SRü biefern 

'igitized ^ GOÖgk 


Präparat, Ißijraoon genannt, mürbe enblicß bas tängft 
gefueßte Deerpräparat für Kopfroafcßungen gefeßaffen. 

Das ißijaoon (oft mit ßeießtigfeit ©cßuppen unb 
©eßmuß oon ber Kopfhaut, gibt einen pracßtoollen 
©cßaum unb läßt fiel) fetjr leietjt oon ben Haaren ßer s 
unterfpülen. 6s bat einen fet>r fgmpatbifcßen ©e= 
rud), unb infolge feines Jeergebaltes roirft es para» 
fitärem Haarausfall entgegen. ©d)on nad) roeitigen 
*Pijaoon=2Bqfcßungen roirb jeber bie roobltätige 2Bir= 
tung oerfpüren, unb man tann rooßl bie ißijaoon*Haar= 
pflege als bie tatfädjlicß befte 2Retf)obe aur ©tärfung 
ber Kopfbaut unb Kräftigung ber Haare anfpreeßen. 

©s fei ausbrüdlid) betont, baß Ißijaoon bas ein» 
3 ige gerueß» bjro. farblofe Jeerpräparat 3 ur pflege 
bes Haares ift, bas aus bem offijinellen Utabelßola* 
teer ßergeftellt roirb, alfo bemjenigen Jeer, ber nad) 
bem Deutfcßen Slrjneibud) in ber 'Dtebi^in allein an» 
ertannt ift. Die gaßllofen 2lngebote oon farblofen 
ober gerucßlofen Jeerfeifen aur pflege bes Haares, 
bie infolge bes großen (Erfolges bes ißijaoon aller» 
orten ßeroortreten, erforbern biefe geftftellung. 

Ißijaoon roirb ßell (farblos) unb buntel ßergeftellt. 
ßteuerbings roirb befonbers ißijaoon „bell" (farblos) 
oorge 3 ogen, bei bem bunß ein befonberes ißerfaßren 
bem leer aueß ber buntle garbftoff entsogen ift. 
Die fpeaififtße Jeerroirfung ift bei beiben ißräparaten, 
ßeü forooßl roie buntel, bie gleicße. 

Original fro-m 

UNfVERSITY OF IOWA 



Seite II. 


23. Slprit 1910. 


Kummer 17. 







Ziehung am II« und 12« Mai. 

1 SSt ellvinös - 


der Internationalen Motorboot- und Motoren • Ausstellung, Berlin 1910. 

130 000 Lose. 5736 Gewinne im Gesamtwerte von Mark: 


130 OOOJ/ 

I BO OOOJ 

120 OOOM 
t IO OOOM 


Porto u. Liste 30 Pf. extra zu haben i. all. Lotterie- 
mUMV gesch. u. dch. Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. 

Gust. Pfordte, Essen a. Ruhr. 

Lud. Müller & Co., Berlin C., Breltestr. 5 . 


General-Debit 


zur Pflege der Haare ist nach dem Urteil vieler unaufgefordert eingehender 
Anerkennungen „Shampoon mit dem schwarzen Kopf 1 '. 

„Shampoon mit dem schwarzen Kopf“ 

beseitigt nicht nur Schinnen, Schuppen, übermässige Fettbildung der Haare, 
sondern führt auch eine Kräftigung sowie Abhärtung der Kopfhaut herbei und 
wirkt dadurch fördernd auf den Haarwuchs ein. 

Man verlange beim Einkauf ausdrücklich „Shampoon mit dem schwarzen 
Kopf“ und weise alle Fabrikate ohne diese Schutzmarke zurück. Paket mit 
Veilchengeruch 20 Pf., 7 Pakete in elegantem Karton Mk. 1.20 in Apotheken, 
Drogen- und Parfümeriegeschäften erbältlich. 

Alleinig. Fabrik.: Hans Schwarzkopf G. m. b. H. t Berlin N37. 
General-Depot für Oesterreich-Ungarn: Felix Griensteidl, Wien 1/1, Sonnenfels¬ 
gasse 3; für Schweiz: Nadolny & Co., Basel; für Holland: C. F. van Dijl, Dordrecht. 


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ftatntner 18 . 


Berlin, bet» 30. 2CptU 1910. 12. Jahrgang. 


3nga(f bet Hummer 18. 

Seite 

2Me flehen Sage ber 5Bo<$e.725 

Sie erwartete Begegnung ber (Erbe mit bem ifallepfdjen Kometen. Bon 

tJJrofeflor Sr. Soante Hrr&enfuo.725 

Bjömftjerne Björnfon t Son Crnft oon ffiofgogen.727 

Frühlingstage in SübHrof. Btauberei oon Satesfa Gräfin Sert)ufo*£uc . 729 

Sie $arfeoa(»Ftugmaf<hine. Bon Sfjeobor fierner.730 

Unfere BUber. 731 

Sie loten ber 9Bod>e.782 

Sie Börfentooche. 732 

Silber oom läge. (®f)otograpt)lfd)e Aufnahmen).733 

Sur toer bie 6e|nfu<ht fennt... Roman oon 3ba Boq<Sb. (Fortfefeung) 741 

Serfäumt. <Bebid)t oon (Beorg tBufff!ßa(ma.747 

rtlus bem Seid) ber ftra&Ienben Materie. Bon f)ans Sominif .... 747 
Sie gfreube am Sport im fjoufe ffifttelsbad). Bon (Eberharb Freiherr oon 

9Be<hmar. (Mit 15 Bbbübungen).749 

Ser Schlepper im Sienft ber See* unb Binnenfdjiffahrt. Bon Oberleutnant 

3 ur 6ee a. S. B. ffiienholbt. (Mit 10 BbbUbungen) . ..754 

Sie Sonne oon St Slorig. Roman oon Bau! Osfar Dörfer. (Fortfefeung) 758 

SBoberne Brauttoifetten. (Mit 7 Bbbiibungen).761 

(Ein Förberer ber beutfdjen ßanbrotrtfdjaft. (Mit Bbbi(bung) ..... 764 
Silber aus aller SBelt.765 



Die fieben Xage bet Bocge. 


21. BpriL 

Der frühere omerifanifcge Bräfibent Dgeobor Boofeoelt trifft 
in Baris ein, too er mit bem Bräfibenten galltöres unb bem 
SKinifter bes Aeugern Bicgon Befucge austaufcgt. 

Bei ber Beicgstagsftitgioagl in ber Stabt Bofen mirb an 
Stelle bes Aurücfgelretenen Abgeorbneten Dr. ©grzanotosfi ber 
polnifcge Demofrat Booictt gegen ben Oberbürgermeifter 
Dr. SBilms geroäglt. 

Aus Petersburg roirb gemelbet, ber franz-öfifege Biilitär* 
attad)6 gäbe roegen ber Berlegung bes V. Armeeforps oon 
SSBarfdjau naeg B*rm, in Der man ein Stjmpton guter ruffifd)» 
heutiger Beziehungen erblicft, Borftellungen erhoben. 

Auf feiner Befigung in Bebbing ((Connecticut) ftirbt, 
75 3agre ölt, ber berühmte omerifanifcge Dumorift Btarf Xtoain 
(Bortr. 6. 730). 

22. Upvit. 

Der aSßiener ©emeinberat mahlt ben bisherigen erften Bi 3 e» 
bürgermeifter Dr. Sofef Beumager mit 129 gegen 16 Stimmen 
xum Bürgermeifter. 

Die brei Btilitärluftfcgiffe „M 1", „P II", „Z II" unter¬ 
nehmen eine gagrt oon Äöln nach Domburg o. b. Doge, mo 
fie glatt lanben unb oom Äatfer befidytigt toerben (Abb. S. 734). 

Aus ber chinefifchen Brooinz Dunan fommen Bachrichten 
über neue, gegen bie gremben gerichtete Unruhen. 

23. Mptil. 

Das Äaiferpaar unb bie Brinzeffin Biltoria fiuife oerlaffen 
nach breimöcgigem Aufenthalt Domburg o. b. Döge, ftatten bem 
groggerzoglicgen Baar in Karlsruhe einen Befucg ab unb 
begeben fieg oon bort nach Stragburg. 

Die Brüffeler SBeUausftellung toirb in ©egentoart bes bei- 
gtfegen ÄÖnigspaares feierlich eröffnet (Abb. S. 733). 

24. 2lprU. 

3n granfrefeg pnben bie Beutoaglen zur Deputiertenfammer 
ftatt, bie eine bemerfensioerte Berfcgiebung ber Barteioergält* 
ntffe nicht ergeben. Auger Btiüeranb, ber in Baris in bie 
@tichn)ah! fommt, toerben alle Biinifter roiebergetoählt. 


25. 2(pril. 

Das Beidjsluftfcgiff „Z II", bas auf ber Bücffagrt oon Dom¬ 
burg nach ßöln bei ßimburg eine 3toifchenlanbung oörnehmen 
mugle, toirb oom Sturm aus feiner Beranferung geriffen unb 
in ber Bähe oon 2Beilburg oöllig zerftört (Abb. S. 735). — 
Das englifcge Armeeluftfcgiff toirb bei garnborough gleichfalls 
bureg ben Sturm oernidjtet. 

Aus Buanba, ber Borbtoeftprooinj oon Deutfch-Oftafrifa, 
fommt bie Bachricht, bag bie ©ingeborenen ben Biijfionar 
Boter ßoupias ermorbet höben. 

26. 24>ri(. 

Die Bubgetfommiffion bes Beicgstags legnt einen oon ber 
Begierung für unannehmbar erflärten Antrag bes Abgeorbneten 
©rzberger ab, bie grogen ßanb» unb SBinengefellfcgaften in 
Sübtoeftafrifa mit 81 Btillionen SBarf zur Decfung ber Auf- 
ftanbsfoften heranzuziehen. 

3n Böris ftirbt, 77 3ahre alt, ber nortoegifege Dichter 
BjÖrnftjerne Bjömfon (Bortr. S. 732). 

27. 2Cpri(. 

Der Belcgstag nimmt bie Borlage über bie Berlängerung 
bes beutfch-fdjtoebifcgen Danbelsoertrages enbgültig an. 

0 □ B 

Die ermattete Begegnung ber ftbe 
mit bem halletiftbett Kometen. 

Bon B^of. Dr. Soante Arrgenius. 

Unter ben fogenannten periobifegen Kometen, bte 
bureg naeg einer beftimmten Umlaufzeit mieberfegrenbe 
Sonnennähen egarafterifiert finb, nimmt ber DöHepfcge 
bureg feinen ©tanz unb feine ©röge ben erften Bangplafc 
ein. 3n »ergangenen gö* er faft bei jebem 

Söiebererfcgeinen ben Scgreefen ber Btenfeggeit enoeeft, 
bis bureg Äeplers, Bemtons unb S)aUet )s Unter- 
fuegungen bie magre Batur ber Kometen unb fpeziett 
bes DöUegfcgen Kometen befannt miirbe. Döüep zeigte 
nämlicg, bag fieg ber naeg igm benannte Diwroetsförper, 
ber 1682 gefegen tourbe, mit bem oon Zepter im 3ögr 
1607 beobachteten Kometen in bezug auf feine Bahn 
fo ägnlicg oergielte, bag er annagm, bie beiben ©r* 
jegeinungen rügrten oon bem gleichen Dimmdsmanberer 
ger, ber alfo in ßroifegenzeiten oon etroa 75 3ögren 
Zur Bäge ber Sonne unb ber ©rbe zurücffegrte. 9Beiter 
ertoies fyattex) bureg feine Becgnutigen, bag fein dornet 
genau ben ©efegen folgte, bie Bemton für einen um 
bie Sonne manbernben Dimm^förper feftgeftellt gatte, 
©tmas Aegnücges gatte übrigens Bemton fegon für 
einen z®ßi 3ögrc früger (1680) erfegienenen Kometen 
naeggetoiefen. Die Kometen finb alfo ganz regelrecht 
fieg betoegenbe Dimnielsförper, ebenfo mie bie Beeten, 
unb niegt, mie man früger glaubte, Anzeichen bes 
gimmlifegen, gegen ein fünbgaftes Btenfcgengefcglecgt 
gerichteten ungeiloerfünbenben gorns. 

Damit mar ber alte, ungeimlicge Äometenfcgrecf ge¬ 
hoben. Die meiften grogen Kometen finb jeboeg niegt 
periobifeg, fonbern erfegeinen ganz unoermutet, roie 


Copyriglit by August Scherl ü. m. b. Berlin. 



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Original frn-m 

UMIVERSITY OF IOWA 

















Seile 726. 


Stummer 18. 


beifpietsmeife ber große 3anesfcße dornet ber im 
3anuar biefes Sößres in Sübafrifa entbedt unb nach¬ 
her mit lebhaftem 3ntereffe auch oon ben Veob* 
achtern auf ber nörblicßen 5)albfugel oerfolgt mürbe. 
2)o bie Vaßnen biefer unermarteten, aus ber liefe 
bes unenblicßen SBeltalls plößlicß auftaucßenben Ve- 
fucßer unferes Sonnenfgftems gana unbetannt finb, 
jo fönnte man oielleicßt befürchten, baß fie gegen un¬ 
fern ^ßfaneten ftüraen unb bei ihrer riefigen ©efcßmin» 
bigfeit — 42 Kilometer in ber Sefunbe bei ber (Erb* 
bahn — eine gana unermeßliche Vermüftung anftellen 
mürben. ÜRun fommen aber bie #immelsförper im 
unenblichen f)immetsraum, auch ba, mo fie in ber 
9iäße einer Sonne relatio ftarf angehäuft finb, fo 
außerorbentlich fpärlich oor, baß ein 3ufammenftoß 
3 toifcßen ihnen als äußerft unmahrfcheinlich angefehen 
merben muß. Söeiter ift bie Vtaffe ber Kometen, mie 
ihre unmerflicße (Einmirfung auf bie Vemegung nahe¬ 
gelegener Planeten aeigt, fo unerhört gering, baß fie, 
in bie unmittelbare Stöße eines Planeten geraten, 
burch eine 2lrt oon ©eaeitenmirfung in einen feßr lang- 
geftredten Strom oon fleinen SJteteoriten aerlegt mer¬ 
ben mürben. Die Vteteoritenftröme, bie bismeilen un¬ 
fern. Fimmel mit einem geuermerf oon Sternfcßnuppen 
oeraieren, finb nach Scßiaparellis gorfcßungen folche 
oon ber Scßmerenmirfung ber Sonne aerfeßte Ko¬ 
meten, oon benen ber jeßt aertrümmerte Vielafcße 
dornet bas auffallenbfte Veifpiel abgegeben hat. ©in 
Komet, ber au unferer (Erbe oon ihrer Schmere hin* 
geaogen merben mürbe, mürbe fich alfo als ein pracßt- 
ooller Sternfcßnuppenregen präfentieren. Vielleicht mür¬ 
ben einige größere Stüde als üüteteorfteine nieberfallen, 
biefe Steine höben aber in ßiftorifcßer -3*it nie einen 
emftlichen Schaben angerichtet. Die Ungefährlichfeit 
eines auf bie (Erbe eoentuell hinftüraenben Kometen 
berußt aifo auf ber geringen SDftaffe folcßer fjtmmels- 
förper. 

Von bem Ejallegfcßen Kometen haben mir jebenfaHs 
feinen fofchen 3ufammenftoß au befürchten, ba feine 
Vaßn, nach bem VMeberauffinben bes Kometen burch 
SJt. SBolf in Königsftußl am 11. September 1909, gana 
genau beftimmt morben ift unb fein Sttnaeicßen oon 
einem 3ufammenftoß oorhanben ift. Dagegen mirb 
ber Komet in ber Stacht aum 19. STtai 1910 amifchen 
3 Uhr 22 SJtinuten unb 4 Ußr 22 SJtinuten oormittags, 
oon ber (Erbe gefeßen, über bie Sonnenfcßeibe fich öe- 
megen. ßeiber merben bie Sternmarten ln (Europa 
unb Vmerifa biefen Vorübergang nicht beobachten 
fönnen, meil bie Sonne bafelbft nicht über bem #ori- 
3 ont fteßt. (Einige Sternmarten in Vfien unb Vuftralien 
fomie aftronomifche (Espebitionen nach 3nfeln im Stillen 
Daean merben oermutlich bie ©elegenßeit benußen, 
um Stäßeres über bie Vusbeßnung bes fogenannten 
Kometenferns, b. ß. bes Teils bes Kometen, ber eine 
merflicbe Dicßte befißt, unb über bie 3ufammenfeßung 
feiner ©asßüHe au erfahren. Dabei mirb bie (Erbe 
burch ben Schmeif bes Kometen ßinburchgeßen, benn 
ber Schmeif bes Ejallepfcßen Kometen, ber faft gerabe 
hinaus in ber Stiftung oon ber Sonne ßintoeg fich 
erftredt, mirb unameifelßaft fo fang fein, baß er bie 
(Erbe erreicht. SBegen ber recht großen Vreite bes 
Scßmeifes mirb bie (Erbe oermutlich mäßrenb eines be¬ 
trächtlichen Teils ber Tage 18. bis 20. Sftai oon ber 
Schmeifmaterie bes ^allegfcßen Kometen umflutet fein. 
Cs fann babei nicht fehlen, baß ein Teil biefer SJtaterie 
bem ßuftfreis ber (Erbe einoerleibt mirb, unb es 


fönnte ja befürchtet merben, baß bie (Erbbemoßner 
an giftigen ©afen bes Kometenfchmeifes erftidten. 

Dßne 3«»eifel enthält ber Schmeif bes ^allegfcßen 
Kometen giftige ©afe. SJtan ßat fcßon mit #ilfe bes 
Speftroffops bas außerorbentlich giftige (Egangas in 
ißm nachgemiefen. Da aber bie Speftralanalgfe ber 
©eftirne bei ben früheren Sonnennähen bes ^allegfcßen 
Kometen noch nicht in ©ebraucß genommen mar, fo 
müffen mir in ber #auptfacße aur Veurteilung feiner 
3u[ammenfeßung ähnliche, genauer unterfuchte (Erschei¬ 
nungen ßerbeiaießen. Die für bie Kometen eigentüm¬ 
lichen Scßmeife treten erft bann auf, wem bie Ko¬ 
meten näßer an bie Sonne fommen. üftan beobachtet 
bann, mie auf ber aur Sonne gemenbeten Seite bes 
Kometenferns eine molfenäßnliche Vilbung, bie foge- 
nannte Syaube, entfteßt. Offenbar ift ißre ^erfunft 
ber ber irbifchen dBolfen ähnlich, bie burch Verbunden 
oon Vkffer infolge ber Sonnenmärme unb burch öie 
nacßßerige Verbicßtung bes fo entftanbenen Vkffer- 
bampfes bei ißrem Slufftieg in bem ßuftfreis ficß bilben. * 
5Benn ber Kometenfern — ber, nach ber 3ufammen* 
feßung ber auf bie (Erbe ßerabgeftüraten ÜDteteoriten 
au urteilen, oerfcßiebene Dämpfe in fich uerbicßtet ßat 
— in bie dtäße ber Sonne fommt, oerbunften all¬ 
mählich biefe Dämpfe, bie gegen bie Sonne hinaus* 
ftrömen. Von bem burch bie Sonnenftraßlung erßißten 
Kometenfem entfernt, beßnen biefe ©afe ficß aus unb 
ftraßlen ihre Söärme aum füßlen SBeltraum hinaus, 
moburcß fie abgefüßlt merben unb fleine Tropfen 
bilben. Diefe tropfen befteßen nicht aus SQßaffer, bas 
in ben Kometen unb SJteteoriten nicht oorßanben au 
fein fcßeint, fonbern mußt ßauptfäcßiich aus Koßlen- 
mafferftoffen, bie bem irbifcßen Vefrokum äßneln. 
Vismeilen beobachtet man in ber Sjaube mehrere 
Schichten oon biefen SBolfen, genau mie häufig in 
ber (Erbatmofpßäre amei ober mehrere Schichten oon 
SBolfen übereinänberliegen, unten bie meßr fompaften 
^aufenmolfen, oben bie aierlicßen fubtilen gebermotfen. 
Diefe Tropfen merben ja oon ber Sonne angeaogen, 
aber auf fie mirft außerbem eine anbere meiftens oiel 
mächtigere, oon ber Sonne abftoßenbe Kraft, nämlich 
ber fogenannte Straßlungsbrud. Deshalb finb nur 
menige Kometenfcßmeife, nämlicß bie, bei benen bie 
Scßmerfraft ber Sonne übermiegt, nach ber Sonne 
ßingericßtet. 3n ben meiften gälten merben bie Tröpf¬ 
chen ber j?aube nach ber Winterfelle bes Kometen, oon 
ber Sonne gefeßen, getrieben. Sie bilben einen enormen 
Vtantet, ber ben Kern nach oorn umgibt unb nach 
hinten offen ift unb bie gorm ber Oberfläche eines 
abgeftumpften, etmas gefrümmten Kegels befißt. Die 
Krümmung ift um fo geringer, je fräftiger ber Straß* 
lungsbrud mirft. Der Söotfenmantel ift nicht überall 
gleichmäßig, fonbern man beobachtet in ißm, befonbers 
auf pßotograpßifchen Vufnaßmen, Verbicßtungen, Knoten 
fomie leere ober bünnere Stellen. 2lus ber Vemegung 
biefer Knoten fomie aus ber Krümmung bes Scßmeifes 
fann man bie ©röße bes Straßlungsbrudes berechnen. 
ÜDtan ßat fo gefunben, baß er bismeilen bie oon ber 
Sonne ausgeübte Scßmerfraft um bas oieraigfacße 
übertrifft. 

Snfotge ber Verbunftung ber Tröpfchen im Schmeif 
uerbreiten ficß bie ©afe ber f)aube aum Schmeif. Vtan 
ßat aucß bie gleichen ©afe in ber Syaxxbe unb im Schmeif 
natßgemiefen. 3ßre Vtenge nimmt aber feßr fcßnell in 
ben entfernteren Teilen bes Scßmeifes ab. Die 
charafteriflifcßen Dämpfe .finb Koßlenmafferftoffe, ge- 


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Original from 

UNIVERSUM OF IOWA 



Kummer 18. 


©eile 727. 


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mifcßt mit ben außerorbentlicß giftigen ftohlenofgb- unb 
©gangafen. 2Bie gefügt, hat man in biefem 3aßr bas 
©gangas fcßon im fjallepfcßen Äometen nachgemiefen. 
©s ift atfo moßl fein 3 meifel, bog biefer dornet ber gleichen 
Statur ift roie bie non uns fpeftralanalptifcß unterfucßten. 

©roßes Sluffeßen machte es nor einigen 3 aßren, 
als ber befannte fran 3 öfi[cbe Slftropßgfifer Deslanbres 
bei Unterfucbung bes Danielfcßen Kometen (1907) einige 
Speftrallinien oon unbefannter Slbftammung auffanb. 
©r fanb fie mieber bei bem eigentümlichen Kometen 
non ÜDtoreßoufe, mo fie bis toeit hinaus im ©cbineif 
auftraten. Sie toaren oon einer Sticfftofflinie begleitet. 
3ßre 9tätfelßaftigfeit mürbe biesmal nicht baburcb oer- 
minbert, baß fie jeßt (1908) oerboppelt erfcßienen. Diefes 
fRätfel ift fcbon oom’ englifcßen Speftralanalptifer gomler 
entfcßleiert morben. ©r fanb nämlich bie neuen ßinien 
bei eleftrifchen ©ntlabungen burcb gasgefüllte Stohren 
mieber, bie bei höheren Druden bas $oßleno£t)bfpeftrum 
ergaben. 23ei großen Söerbünnungen bes ©asinßalts 
— unter etma ein ^unberttaufenbftel oom Sltmofpßären» 
brucf — traten bie neuen $tometenlinien heroor. 5Diefe 
rühren baher oon einer ßoßlenftoffoerbinbung, nament- 
lieh ^ohlenojpb, her. (5s ift alfo burch Deslanbres' 
^Beobachtung fein neues Probuft in ben ftometenfeßroeifen 
nachgemiefen morben, mas nicht f<hpn früher barin 
befannt gemefen märe. 

©s ift bemnach unjmeifelhaft, baß beim Durchgang 
ber ©rbe burch ben Schmeif bes ^allepfchen Kometen 
eine fleine SJtenge ber äußerft giftigen ©a[e ©gan unb 
Äoßlenofgb 3 ufammen mit mehr unfthäblicßen ©afen, 
mie Äohlenmafferftoffen, Sticfftoff unb SBafferftoff, in 
bie irbifeße Sttmofpßäre hineingeführt merben. Da 
merben biefe ftometengafe in ben äußerften ßuftßüllen 
aufgefpeichert. Durch bie Unterfuchungen ber leßten 
3 ahre über bie höheren ßuftfchichten ift es mit großer 
©ahrfcßeinlicßfeit nachgemiefen, baß unfer ßuftmeer aus 
3 toei übereinanberliegenben füllen befteßt, oon benen 
bie untere burch bie ©rmärmung ber (Erbe 3 ufolge ber 
Sonnenftrahlung in heftiger Umrührung burch Söinbe 
fich befinbet, mährenb in ber höheren Schicht — über 
etma 12 000 ÜJteter Ejöße — feine merfliche Umrührung 
in fenfrechter JRicßtung ftattfinbeL Sie giftigen Kometen* 


gafe, bie fchon megen ihrer geringen SJtenge recht 
belanglos finb, merben beshalb nur febr allmählich oon 
ben höchften Schichten ber ßuft 3 U tieferen ©egenben 
hinunterbiffunbieren. SBährenb biefer langfamen $Be- 
megung merben fie ben eleftrifchen ©ntlabungen aus* 
gefeßt, bie ihre fräftigfte (Entfaltung in ben Polarfcßicßten 
finben, bie aber ftets in meniger auffallenber gorm 
Plaß nehmen. Dabei merben bie genannten giftigen 
Stoffe foroohl mie bie oerhältnismäßig unfchäblichen 
Äoßlenmafferftoffe unb SBafferftoff oerbrannt unb 3 U 
ftoßlenfäure, Slmmoniaf unb Salpeterfäure ober fal- 
petriger Säure umgefeßt, roelche leßten im Stegen auf¬ 
genommen unb 3 ur (Erboberfläche geführt merben, roo 
fie, ebenfo mie bie ßoßlenfäure, bas Pflan 3 enroacbstum 
beförbern. Durch eine 2lrt eleftrifche Selbftreinigung 
mirb alfo bie ßuft oon biefen fosmifchen SBeimifcßungen, 
bie fonft oielleicßt im unenblichen ßauf ber Seit fich in 
niedlicher SBeife anhäufen fönnten, red)t fchnell befreit, 
unb 3 ioar lange oorbem fie 3 um SBoben bes ßuftmeeres, 
mo mir uns befinben, ßinuntergebrungen finb. 

3m 3ahr 1861 ift bie (Erbe burch einen Kometen* 
feßmeif gemanbert. Sltan beobachtete babei einen eigen¬ 
tümlichen norblichtähnlichen ©lan 3 auf bem $)immels- 
gemölbe. Diefer rührte ohne 3®eifel, ebenfo mie bie 
Storblicßter, oon eleftrifchen (Entlabungen her. ©s finb 
eleftrifcße (Entlabungen in ben ßometenfeßmeifen, bie 
ißre ©afe aufglühen unb fpeftroffopifcß mahrneßmbar 
machen. Sieje (Entlabungen beuten auf eine ftarfe 
eleftrifcße ßabung ber Dröpfcßen im ftometenfeßmeif hin. 
SBenn biefe Dröpfcßen oon ber (Erbluft eingefangen 
merben, feßen fieß ißre (Entlabungen in ber ßuft fort 
unb oerurfaeßen bie norblicßtähnlicße (Erfcßeinung. 58ei 
bem ermarteten Durchgang ber (Erbe burch ben Schmeif 
bes ^allegfcßen Kometen mirb man besßalb bie Sluf- 
merffamfeit auf norblicßtähnlicße (Erfcßeinungen rießten 
fomie auf bie mit biefen häufig in IBerbinbung fteßenben 
magnetifeßen Störungen. 

3für bie miffenfcßaftlicße ^Beobachtung mirb bemnach 
biefer Durchgang oorausficßtlicß oon großem Sntereffe 
fein, irgenbeine Störung im SBoßlbepnben ber üDtenfcßen 
unb anberer Organismen ift babei oon bem Kometen 
nießt 3 U befürchten. 


-<m>- 

Bjömffjerne Bjömfon t 

93on ©rnft oon UBolsogen. 


Die Stormeger follten ißrem jung-frifeßen Patriarchen 
eine Xotenfeier bereiten mie ehemals ißren alten See- 
fönigen. 2luf einem meitbaueßigen Dracßenfcßiff follten 
fie ißm ben Scßeiterßaufen feßießten unb fein fterblicßes 
Deil im föniglicßen Prunfgemanb barauf betten, bie 
Symbole feines breifaeßen ^Berufes ißm mitgeben in 
bas feierliche glammen* unb SBaffergrab im ßeimifeßen 
Tteere: bie reine normegifeße flagge, bie E)arfe unb 
ben 5Bafel als S^pter 5 cg ©(ßolarcßen. Denn Äönig, 
Sänger unb Scßulmeifter ift er feinem 23olf in einer 
Perfon gemefen, genau mie es bie Birmanen in alt- 
germanifeßer S 8 or 3 eit unb mie es im Storben infonberßeit 
fo maneße ber fagenßaften SBifinger maren: ^errfeßer, 
Sfalben unb oberfte ßeßrmeifter ißres JBolfes. Unb 
mie jene alten Seefönige ißr ^eimatlanb glüßenb liebten 
unb boeß in allen ftüftenlänbern, bie ißr fiegreießer 
Drache im Sturm anlief, alsbalb 3 U ^aufe maren, ißre 


©ötter, ißre Bieber, ißre Sitten ben Unterjochten als 
©efeßenfe mitteilten unb im Slustaufcß gelehrig unb 
begierig beren SBeistümer, SBräucße unb fünfte fich 3 ^ 
eigen machten, genau fo fühlte fich auch ber (Er 3 normeger 
SSjörnfon, ber manchmal für bie engften lofalpatriotifcßen 
Sforberungen mie ein ergrimmter Börne fämpfte, in 
aller Söelt ßeimifcß unb betrieb ben Daufcßoerfeßr oon 
SBolf 3 U SBolf auf bem ©ebiete ber neuen frueßtbringenben 
Sbeen im Stile eines großen fjanbelsßerrn. Das mar 
es eben, mas feiner Perfönlicßfeit feßon lange, beoor 
er bas Patriarchenalter erreichte, bie große SBucßt, bie 
internationale SSebeutung oerließ: er mar in unferer 
überßaftigen, übergefcßäftigen, überreichen 3 *it, bie aueß 
bie bebeutenbften 3 nte(ligen 3 en in bas Spe 3 ialiftentum 
ßinein 3 mingt, ein SBielumfaffer, ein allfeitig Slngeregter 
unb allfeitiger Anreger. S^ein Steinflopfer unb Söur 3 el- 
gräber, fonbern ein Slusrober unb Säemann, ©r mar 


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UNIVERSITT OF IOWA 



723. 


Kummer 13. 


nic^t tote 3bfen ein einfamer ©rübler, in fein dftufeuffl 
gebannt, ber mit bem gernrohr unb bem ÜJtifroffop 
fid) feine dttenfehenfenntnis ermarb, ihm mar oielmehr 
in freier ßuft am mohlften, mo immer Schlachten 
getragen ober gefte gefeiert mürben. (Er brauchte bie 
©efedfehaft, bie dttenge, bie laufchenben Ohren, bie 
leudjtenben Augen, bie taufenbftimmige Segeifterung, 
ben fampfbereiten AMberfpruch aus lebenbigem dttunbe. 
Darum marb fein Hous feiten oon ©äften leer, barum 
liebte er bie Aolfsoerfammlungen unb bas Theater. 
(Er ljat ben Sftormegern if>re ÜRationalhpmne gefungen, 
in feinen SBauernnooeden bie (Eigenart biefes tüchtigen 
dttenfdjenfchiags munberbar fein gefehen unb oerflärt, 
er f>at manche großen Stoffe ber fjeimifdjen ©ebiete 
bramatifd) feft gepaeft unb mirffam bargeftellt unb feine 
Stellung 3U manchen bebeutfamften fragen ber mobernen 
SJtenfchheit in Dramen unb SKomanen aus ber ©egen* 
mart hell beleuchtet. (Er mar ein berufener Dichter, unb 
bodj ging er in biefem Dichterberuf nicht auf. ©r hot 
oerfchiebene ÜUtale bie bebeutenbften Sühnen feines 
ßanbes in ^Bergen unb ©hriftiania geleitet, er hot 
einflugreichfte 3eitungen rebigiert, aber meber ber 
Schreibfeffel bes Dichters, noch ber dtegieftuhl bes 
SRationaltheaters, nod) bie dtebaftionftube bes Aftenblab 
oermochten ihn bauernb &u feffeln. ©r ließ fich fo 
menig an feinem fiiteratenrufjm genügen, mie er fich 
für eine politifche Partei einfangen ober burch Amt 
unb SQßürben aum Stidfigen unb dtuhegeben oerloden 
ließ. Kämpfen, SBefenntnis oblegen, merben für eine 
gute Sache, bas mar fein ßebenselement. Unb er, 
ber bie groge unb bie tleine SGßelt, bie Heimat unb bie 
grembe, bie Höhen unb bie Tiefen bes ßebens fo gut 
fannte, er fagte ein refolutes ßa 3U biefem ßeben. ©r 
ließ fich burd) ©nttäufchungen nicht irremachen. ©r 
glaubte an bie dJtenfchheit, an bie dttöglichfeit U )rer 
Aufmärtsentmidlung, ohne bag er beshalb 3U I>oi)e 
gorberungen an fie geftedt hätte mie etma dttegfehe. 
©in Ummerter, ein Antiphilifter mar er auch, aber fein 
ibeologifcher Träumer. dttit beiben gügen ftanb er feft 
auf bem SBoben ber dBirflichfeit. ©r oerlangte nur 
bas 3unäd)ft Mögliche, unb auch mo er fchmärmenb in 
bie gerne fdjmeifte, bemahrte fid) feine Sdjmärmerei 
bie roten üöangen ber ©efunbheit. ©r mar ein gan3 
unoffaieder dJtenfch ofjne Titel, Amt noch ©horafter. 
©r fanb in feinem Aaterlanb mie braugen in aller 
SBelt geinbe, Aerfleinerer unb Spötter genug, unb 
bennoch hot er es burch bie Feinheit feines 5 Bidens, 
burch bie dttacht feiner ?J 3 erfönlid)feit unb burch bie 
be3mingenbe ©emalt feiner Ausbrudsmittel erreicht, 
bag fein 3 Bort in ber gan3en 2 Belt gehört marb. Oft 
hat man fid) unroillig miber fein Dreinreben gemehrt, 
hat ihm Dilettantismus unb Anmagung oorgemorfen, 
hat oerfucht, ihn lächerlich unb bamit unfchäblich 3U 
machen, aber bas hot ihn menig angefochten. ©3 gab 
für ihn feine Dinge, bie ihn nichts angingen, benn er 
empfanb bie Sad;e aller fchmählich Unterbrüdten, aller 
ehrlich dtingenben, aller ungerecht Aerfpottcten als feine 
allerperfönlichfte Angelegenheit, ©r fprach feinem 93 olf, 
feiner Regierung, feiner Partei, feiner Schule noch 
©lique 3uliebe, fonbern oerfocht mit ber gatten 3 Bucht 
feines Temperaments, feines ASiffens unb feiner SBe* 
geifterung, mas er in ben allgemeinen dttenfehheits* 
mie in ben befonberen dtationalfragen als bas Rechte 
unb dtotmenbige erfannt hotte. 2Bo er glaubte tröften, 
aufflären, Reifen 3U fönnen, ba freute er fich nicht, 
ben SBormurf bes Dilettantismus, mit bem ber Hochmut 


bes gelehrten Spe3ialiftentums immer bei ber 5 )anb ift, 
noch oudh ben ber Aufbringlichfeit über fich ergehen 
3U laffen. ©r mar ftreng unb liebreich 3ugleich mie ein 
guter ßehrer, unb barum liegen fich oernünftigedttenfehen* 
freunbe allerorten auch ein bigehen Jßebanterie unb 
herrifche Schulmeifterei gern oon ihm gefallen. 

Um als eine Sßerfönlichfeit allgemein anerfannt 
merben unb als folche in bie dBeite unb in bie Tiefe 
3u mirfen, mug man eine dttenge ©igenfehaften befigen, 
bie fich fehr feiten oereinigt finben. dftan mug nicht 
nur bebeutfame neue 3been hoben, man mug aud) 
eine neue, originelle, 3toingenbe gorrn für fie 3U ftnbeit 
miffen. Aber es genügt nicht, bag man 3U fegreiben 
oerftehe, es ift oiel roichtiger, bag man reben fönne, 
unoorbereitet, oor jebem ^ublifum, allgemein oer* 
ftänblich, hoch ohne Oberflächlichfeit unb oor adern 
fchlagfertig in ber Debatte. Aber ber fd)önfte Stil, 
bie giänsenbfte dtebnergabe mid menig befagen, menn 
bie ßebensführung ber betreffenben Sßerfönlichfeit mit 
feinen öffentlich aufgeftedten unb oerfochtenen Anfchau* 
ungen nicht harmonieren mid. Unb fd)lieglich genügt 
auch bie oodfommenfte Harmonie 3toifd)en Theorie unb 
$ra£is ber moralifchen ßebensführung nicht, um bem 
Propheten irgenbeiner neuen 3bee ßünger 3U merben, 
menn bas Aeugere, bie Äörperlichfeit bes Propheten 
nicht 3U imponieren oermag. dBir erleben folche töb* 
liehen ©nttäufchungen fchon im fleinen häufig genug 
an Dichtern, bie fich oerführen laffen, ihre SBerfe felbft 
in ber Oeffentlichfeit oor3Utragen, unb bie meber Organ 
noch Aortragsfunft befigen, noch auch fo ausfeherr, 
mie man fie r i<f) nach Ihren SBerfen oorfteden möd^te. 
3 Benn nun aber gar einer ben SBeltfrieben prebigt unb 
babei mie ein Sudenbeiger ausfieht ober bie ©rlöfung 
oon adern irbifchen ßeib burch ben Sieg ber greuöe 
unb ber Schönheit oerfünbigt unb babei ein mig* 
geftalteter ©nom mit fchmar3en gähnen unb blauer 
SSride ift, fo fönnen fich folche Propheten nicht munbern, 
menn man ihrer 2 Bei 5 heit achfel3udenb ben dtüden 
menbet. 95 jörnftjerne 95 jörnfon aber mar folch ein 
feltenes ©lüdsfinb, ber ade ©igenfehaften in feiner 
Sßerfon oereinigte, bie einem gührer bes Aolfes unb 
einem döegmeifer 3U neuen gielen oonnöten finb. 
Sßrofaifer unb Dichter anerfannt erften langes, ber 
befte dtebner feines ßanbes oon freier unentrinnbarer 
bemagogifcher ©emalt, ein ©harafter ood republifanifch 
ftrenger SBürgertugenb, beffen gan3es ^rioatleben felbft 
bie boshaftefte Ummühlung unb Durchfchnüffelung feitens 
ber $h*l*fißr unb ^ßhorifäer nicht 3U fegeuen brauchte, 
unb 3ubem eine dtedengeftalt, bie um Haupteslänge 
bas Durd)fchnittsmag feiner ßanbsleute überragte, unb 
bie auf ben breiten Schultern einen ftopf trug, bem 
auch bas blöbe Auge fofort bas geiftige Uebergeroicht 
anfehen mugte. 

3 d) fah Sjörnfon 3ulegtim 3 öinterl 903 in©hriftiania. 
Der gufad, bag ich iui Hotel Tür an Tür mit ihm 
mohnte unb bereits oor 3 ahren mit ihm in dRünchen 
befannt gemorben mar, oerfchaffte mir bie ©elegenheit, 
einen ungefchminften ©inbrud oon bem Propheten in 
feinem Aaterlanbe 3U befommen. Diefer ®jörnfon mar 
nun aderbings ein gan3 anberer als ber, bem ich 
ddünchen in grad unb ©laque bei Diners begegnet mar, 
mo er oon ehrgei3igen Salonherrfcherinnen als ?Parabe= 
nummer herbeige3ogen morben mar. Die Schmerhörig* 
feit feiner ©attin hotte bas ßautreben bei ihm fo 3ur 
©emohnheit merben laffen, bag feine gemaltige H^rrufei* 
ftimme 00m erften Atorgengrug bis 3um ©utenachi 5 


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UMIVERSITY OF IOWA 



Lummer 18. 


Seit? 729. 


rounfcb mit gleichem Ltarf unb Ladjbrud fid) oer- 
nehmen liefe, mochte er oom ßimmermäbtben warmes 
SBaffer forbern, mit feinen gamilienangebörigen {ebenen 
unb fehlten, mit ben bebeutenbften ^olitifern feines 
ßanbes Xagcsfragen befpreeben, finnlänbtfcbe Werbannte, 
ruffifebe Leoolutionäre, englif d>e grauenrecbtlerinnen, 
beutjebe Siebter ober franaöfifd)e Xbeateragenten empfan* 
gen. Oie genfter feines nur mäfeig grofeen Wßobnaimmers 
gingen auf ben Jßlafe oor bem Wationaltbeater hinaus, 
auf bem fein unb 3 bfens etwas all 3 U uttgefüg baren* 
mäfeig geratene Steinbenfmäler fteben. Unb biefes 
fcbmudlofe i)otel 3 immer mürbe mäbrenb feiner Slnmefen* 
beit 3 um Wubienafaal eines Stönigfcbloffes. Unb biefer 
2 lubien 3 faal ftanb ni d)t nur boeb unb gering unter 
feinen ßanbsleuten, fonbern ber ganaen Stutturmenfcbbrit 
offen. 3 n feinem langen, bitfen, gefteppten S)ausrod 
empfing er unermüblitb bie Ltübfeligen unb Welabenen 
aus aller SBelt, bie bei feiner SBeisbeit, bei feiner ftraft- 
natur Xroft unb #ilfe fuebten. 6 ie tarnen baber, um 
aus bem woblgefüllten Wrfenal feines fampfbereitjn 
©eiftes ficb XBaffen 3 U leiben für ihre eigenen Kämpfe 
nationaler ober prioater 2lrt. Sie brachten bebeutfame. 
gragen, bie bie ganae 2 Jlenfcbf>eit ber ©egenmart in 
Unruhe oerfefeen, aber auch mobl fleinlicbe Scbmeraen 
ber lieben ©itelfeit oor ben Licbterftubl feines grofeen 
Werftänbniffes für alles Ltenfcbliche, feiner S)eraensgüte 
unb feines leibenfcbaftlicben ©erecbtigfeitsgefübls — unb 
fie werben feiten enttäufebt ober gar grollenb oon 
bannen gegangen fein. Oiefer Ltann, ber bem un* 
bebolfenften unb unbebeutenbften feiner Wefucber mit 
beiben Obren auaubören oerftanb, ber mit feinen febarfen 
Slugen bureb ben galtenwurf tonoentioneller ßüge eben* 
fogut als bureb bie Werfcbanaungen eigenfinnig febeuer 
CTbaraftere bis ins 3 nnerfte bes heraens au bringen 
wufete, war fein ^ßofeur, fein gewanbter Äleinbänbler 
mit einem Worrat falbüngsooller Lebensarten, fonbern 
ein geborener Seelforger unb ein Scbenfer fürftlicben 
Stils. Oen ungefrönten Stönig oon Lorroegen nannte 
man ihn in gan 3 (Europa. Unb bas war mehr als ein 
Spifendme. 2Ber ihn ba broben in feiner Heimat allen 
2 Babrbeitfucbern unb greibeitsfämpfern ber 2 Belt 2 lubien 3 
erteilen fab ober eine feiner Xbronreben in einer Wolfs* 
oerfammlung erlebte, ber mufete ben gan 3 realen ©rnft 
jenes Scberawortes begreifen. Unb als bie Trennung 
oon Schweben, für bie Wjörnfon fo lange leibenfcbaftlicb 
gefämpft, oollaogen war unb ber Stortbing aur Königs* 
wohl febritt, ba hofften alle aufrichtigen greunbe jenes 
herrlichen ßanbes unb jenes prächtigen Wolfes aufrechter 


Ltänner unb freier grauen, bafe bie Worurteilslofigfeit 
ber intelligenten (Elite mit bem Wauernftola ber fom* 
paften Ltajorität fich oereinigen würbe, um ben un* 
gefrönten Äönig nun wirtlich auf ben Xbron au fefeen. 
Sei es nun, bafe man Schwierigfeiten oon feiten ber 
monarebifeben Staaten (Europas befürchtete, ober bafe 
eben nur bie 2 Rad)t ber ©emobnbeit, bie fleinen Stengfte 
oor ber abfoluten Leubeit bes allau Wernünftigen ben 
Slusfcblag gab — fura unb gut, Wormegen bot bamals 
bie foftbare, fobalb wobt nicht wieberfebrenbe ©eiegen* 
beit oerfäumt, ber Sitten SBelt ein Weifpiel au geben, 
wie man ben monarebifeben ©ebanfen mit bem bemo* 
fratifeben 3 uge ber 3 eit in ©inflang bringen fönnte. 
Oie ftärffte Sntelligena, bie einbrucfsootlfte Sßerfönlicbfeit 
bes ßanbes als Wolfstönig an ber Spifee einer fonftt- 
tutionellen Legierung — bafe biefe $robe nicht gemacht 
werben fonnte, ift ewig au bebauern! SBäre es ge¬ 
lungen, wäre ber Schwiegeroater bes Simpliaiffimus, 
ber grofee Schulmeifter unb begnabete Sänger, ber 
Oiebier oon „Ueber unfere Straft", ber rabifale ^otitifer 
unb oorurteilslofe ©tbiter wirflid) ein guter Stönig ge¬ 
worben, ber feinem Wolf ben inneren unb äufeeren 
grieben bewahren unb feinen mirtfcbafttichen Sluffcbmung 
ebenfo förbern fonnte, wie er feinen geiftigen Sluf- 
fchwung bereits als ^rioatmann geförbert butte, fo 
hätte bas Weifpiel eines folgen (Erfolges au einer heil* 
famen Leoolutionierung bes ganaen alten (Europas 
führen fönnen. (Es ift aber auch bentbar, bafe bet 
Werfuch gänzlich mifeglüeft wäre, fei es nun, bafe bas 
überfebäumenbe Xemperament bes greifen günglings 
bie fonftitutionellen Scbranfen aerbrodjen unb ficb aum 
aufgeflärten Oefpotismus im Sinne griebrid)s bes ©rofeen 
aurüefentwiefett, ober aber bafe bas Wolf einem ber 
Seinigen ben Lefpeft oerweigert hätte, ben es oor bem 
mgftifcben Sgmbol bes ererbten ©ottesgnabentums noch 
hegt, bann wäre ber monarchifebe ©ebanfe neu geftärft 
aus ber Prüfung beroorgegangen unb hätte in ber 
Söelt nur noch einen ernftbaften ©egner gehabt: bie 
bemofratifebe Lepublif. Oie Xrauer ber er, bie ficb um 
ben erften Wolfsfönig ©uropas betrogen faben, wirb 
oielleicbt tiefer fein als ber Scbmera jener, bie nur einen 
Oicbter in Wjörnftjerne Wjörnfon ins ©rab finfen faben. 
Oie gan 3 e Ltenfcbbeit aber ftebt an biefem ©rabe bes 
Oicbters unb beweint einmütig ben Werluft eines reinen, 
ftarfen WBillens, eines ©eiftes, bem fräftige glügel au 
hohem gluge gegeben waren, unb eines S)eraens, bas 
Ltenfcbenleib unb Ltenfchenluft mit gleicher ßiebe an ficb 
3 U brüden unb ihm oon feiner W*ärme mitauteilen oerftanb. 


«<S>£> 


Frühlingstage in SübfiroL 

Klauberei oon Walesfa ©räfin Wetbufg-$)uc. 


5 öer ben grübling in feiner rofigften ßaune feben will, 
ber mufe an einem fonnigen Wpriltag oon Ütteran nach Woaen 
fahren. Oie Wahn führt im Xal ber ©tfcb entlang, 3 m Seite 
bes fcbnelifliefeenben, raufebenben giuffes bin, unb bas ganae 
Xal ift erfüllt oon blübenben Dbftbäumen, beren weiße unb 
rofa Wlütenpracbt ficb über ©rasmatten ausftredf, oie fo intenfio 
grün finb, wie nur unfre gatia ÜRobernen fie au malen wagen. 
3 n biefes bunte garbenfpiel reicht ber gufe ber Werge, in aart 
bläulichen Ouft gebüßt, f)t\U Käufer blitfen fonnenbefebienen 
oon ben Wergterraffen herab, malerifcbe Kirchen unb Sdjlöffer 
fteben auf oorfpringenben gelfen, unb hier unb bort ragt ein 
febneebebeefter ©ipfel aus ber gerne über bie näberliegenben 
Bergfuliffen empor. Je mehr man ficb ®oaen nähert, je 


facbenber wirb bie ßanbfcbaft. 9Lan oerläßt ben Wabnbof 
unb burebwanbert bie alte Stabt mit ihren engen, malerifcben 
Sirafeen, ihrem bunten Wolfsgetriebe unter ben „ßauben", wo 
bas Canboolf feine (Einfäufe mach*, mit bem Öbftmarft, wo 
auch jeßt noch wirtlich füße unb faftige Orangen, prächtige 
Stepfel unb allerlei anbere angenehme eßbare Oinge feilgebalten 
werben, gebt bann oorüber an bem mobernen, ftattlicßen Wau, 
in bem ficb bas Ltufeum befinbet, mit feinen Xiroler Wauern* 
ftuben unb Xracbten — es gibt auch noch anbere Sachen bort, 
aber biefe haben mir am beften gefallen — unb fommt nun 
über bie Xalferbrürfe. Oie ober ber Xalfer fiebt hier wie ein 
italienifcber gluß aus — ein febr breites, oon Stiefeln an* 
gefülltes Wett unb ein fcbmaler 5Bafferlauf, ber ficb binbureb» 


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UMIVERSITY OF IOWA 



Seite 730. 


Bummer 18. 


fcßlängelt; aber an ben Ufern, auf ber ^romenabe ber „©affer- 
mauer" blübt norbifeßer unb italientfcßer Saibling 

bureßeinanber. hierin liegt überhaupt ein großer Beta biefes 
febönen Xals, baß forooßl in ben ßauben tote in ber Begetation 
Borb unb Süb burcßeinanberlaufen. 2£uf ber i)öße fteben 
Billen, oon tßinien befebattet, fd>lanfe 3ppreffen ragen aus ben 
©eingärten auf, unb bann fteben toieber fleine ftireßen aroifeßen 
grünen ©atten, als hätte man fie aus einem beutfeßen Borf 
babin oerfeßt, unb in ben ©arten blüht ber Silber, unb bie 
Bacßtigallen fangen gerabe an au locten. ©ana aart unb halb¬ 
laut erft, als ob fie noch ein bißeben mübe oon ber Steife mären, 
aber fie finb bod) ftbon ba, unb man ünterfebeibet fie aus 
bem oielftimmigen Bogeljubel, ber bie ©ärten an ber Berg- 
lehne oon ©ries erfüllt. Unb fteigt man hinauf unb fiebt oon 
ben Xerraffen bes ©raberaog«$)einricß«©eges hinab in bas 
breite Xal, in bem ber bünenartige ^ößenaug mit Schloß 
Sigmunbsfrone eingelagert ift, fo fiebt man toieber auf ein 
©eer oon Obftblüten, bas ficb über bas ganae Xal ausbreitet 
Baarotfcßen liegen oiele bunte Käufer, alte Bauernhöfe unb 
ftattlicße ©belfiße, bie bem Xal ein eigenartiges ©epräge geben. 
Unb magt man ficb tocitcr hinauf in bie Berge, fo fann man 
ben grüßling in alten €>tabien erleben. Sn ben ©eingärten 
fprießen bie erften aarten Blättchen an ben Beben, bie meift 
über ßaubengänge geaogen merben, barunter blühen bie (Erb¬ 
beeren in reicher ©enge, ober aus bem üppigen jungen ©ras 
roinft roter ©oßn mit feßroanfenben Blüten. 5)ößer geht es 
hinauf, ba oerfebtoinben bie ©eingärten, ©eißborn unb gelber 
©infter nitfen über ben Setsabhängen, bis auch fl* oerfeßroinben 
unb oon meißen Schlehenbüfchen abgelöft merben. Bann 
fommt naefter gels, baamifchen ©iefen, ooH roeißer Sfrofuffe 
untermifcht mit Beließen, bie fo bichtgebrängt fteßen, baß fie 
mie oerftreute buntelblaue Büfette mirten. Bas lichtgrüne 
junge fiaub ber Bäume hört auf, graubraun fteßen fie aroifeßen 
bunfelgrünen Siebten unb ßäreßen, bie faum ben erften bla߬ 
grünen Schimmer aeigen, unb über bem rnelten ßaub bes 
oorigen 3aßres, bas ben ©albboben bebeett, miegt rote ©rifa 
— eine mir neue, im Schling blüßenbe 2Irt — ißre lebßaft 
gefärbten Blüten an gana aarten 3meigen. ©er biefe ganae 
grüßlingsffala an fieß oorbei mitl gleiten taffen, muß hinauf- 
faßren über Ober-Boaen nach ^lobenftein. Bie Bergbahn 
füßrt bequem hinauf, unb oon ber $)öße bes Baßnßofs Äloben- 
ftein ßerab fießt man bie ganae Bracßt ber Bolomiten oor 
ficb ausgebreitet, ©ie ein aartes ©olfengebtlbe erfeßeint ber 
„Bofengarten" mit feinen pßantaftifeßen 3acfen in ben ftraßlenb 
blauen Fimmel ßineingeaeießnet, rings umgeben oon fräftiger 
ßeroortretenben, mit teueßtenbem Beufcßnee bebeeften Berg- 
ßäuptern, bie meiterßin in ißren Scßlucßten unb Stbßängen alt 
bie Särbungen oon Bunfelblau unb Burpuroiolett aeigen, bie 
uns auf Stnficßtspoftfarten oft fo unnatürlich erfeßeinen, unb bie 
in ber Batur mie eine Offenbarung munberbarer Scßönßeit 
mirten. Bom Baßnßof geßt es etmas abmärts aum „gößn- 
©eg". Bm Äiefemroalb entlang feßreitenb, blieft man über 
einen feßroff abftüraenben 2tbßang auf bie großartigen gels- 
Partien ber Bolomiten mit ißren eigenartig biaarren Sonnen 
unb ßinab in grüne ©iefentäler mit oerftreuten, minaig er- 
feßeinenben Ortfcßaften. Bie liefern raufeben leife unb atmen, 
in Sonnenfcßein gebabet, ftarfen Buft aus, mie fleine rote 
Xeppicße breitet bie ©rifa fieß, mo nur irgenb ©rbboben auf 
bem Seifen liegt, unb an ben 3u>eigen ber ßaubbäume fcßmetlen 
bie braunen Blattfnofpen in ©erbeluft bem grüßling ent¬ 
gegen. ©s ift gana flW ßler oben, benn bie ©enfeßen, bie 
mit bem 3ug ßeraufgefommen finb, fißen beim griißftücf im 
i)otel aur Bofl in Älobenftein, unb über bem „gößnroeg" 
maltet ber grüßling, ber nun aueß bis au biefen i)ößen herauf» 
geftiegen ift, unb ben bie aierlicßen ©löcfcßen ber ©rifa ein¬ 
läuten. Slber nießt lange bauert biefe Stille. Bann fommt 
ber ©enfeßenfeßmarm. 

„3ft bas nun ber Scßlern?" 

„Unb ber große Berg brüben, mas ift bas?" 

„Unb ba hinten, bas ift boeß ber Bofengarten?" 

Bie ©rifagtoefen läuten nießt meßr, aber eine laute Stimme 
fragt: „3a, mo foll man fieß nun eigentlich für länger nieber» 
taffen, in ©eran, in Boaen ober in ©ries? © 03 U raten Sie?" 


Unb einer animortet mit einem leießten, fcßalfifcßen Unter¬ 
ton: „©s fommt barauf an, meine ©näbigfte, mas Sie be* 
abfießtigen. ©otlen Sie Snißjaßrstoifetten feßen unb 3ßre 
neuen flüte aeigen, fo geßen Sie naeß ©eran, mollen Sie mit 
ber Scßmebe>3aßnrab- ober einer fonftigen Baßn alle Xage 
Xouren maeßen, fo beftellen Sie Quartier in Boaen, mollen 
Sie aber ben grüßling belaufcßen, mie er auf bie Berge fteigt 
unb »feßafft an allen ©nben‘, bann geßen fie naeß Ober*©ais 
in bie Bergeinfamfeit oon Scßloß ßabers ober naeß ©ries — 
ba moßnen Sie mit bem grüßling Xür an Xür, unb es loßnt 
fieß, ißn aufaufueßen in biefen reiaenben ©infein oon Sübtirol." 

O 

Die Uarfeoal-Sfogmafölne. 

S)ierau bie SibbUbungen auf 6 eite 740. 

©ine meßr als oierftünbige Baßnfaßrt bringt uns oon Berlin 
3 um freunblicßen, boeß nießt immer frieblicßen Blauer See, an 
beffen Ufer ©ajor Br. Stuguft oon Bo^feoal feine ©erfftatt 
errttßtet ßat. 

Bacßbem ber geniale ©ann, gemeinfam mit bem au früß 
baßingefeßiebenen #auptmann oon Sigsfelb, in bem Bracßen- 
feffelballon ber ©intärluftfcßiffaßrt ein braueßbares Kriegs- 
inftrument, beffen fieß ßeute bie meiften Bationen bebienen, 
gefeßenft hatte, fonftruierte er bas unftarre ßuftfcßiff. Bie 
beroorragenben ßeiftungen biefes Spftems, bie gerabe bei ben 
feßmierigen Slbnaßmebebingungen ber ©ilitäroermaltung ins 
ßetle ßießt traten, mürben befonbers mäßrenb ber Snter- 
nationalen ßuftfcßiffaßrtsausftellung in granffurt am ©ein 
oon ben aaßlreicßen Sacßleuten, aber aueß oon bem gefäfjr- 
ließften ©egner bes ©enies, ber öffentlichen ©einung, rücfßattlos 
unb freubig anerkannt. 

3cßt erft fonnte Br. oon Barsoi an bie Bermirfticßung 
anberer ißm feit oielen 3aßren am f)eraen liegenber Blöne 
ßerantreten. Scßon au ßilientßals 3^iten hatte er fieß mit bem 
©ebanfen, eine giugmafcßine naeß feinen 3been au bauen, be- 
fcßäftigt. ©rmäßnte, näßerliegenbe Aufgaben unb bie ©otoren* 
frage maren ber Slusfüßrung bislang im ©ege geroefen. fieute 
ift bie Barfeoal-giugmafcßine fertig, unb bie Berfucße ßaben 
begonnen. 3ur größeren Sicßerßeit für ©enfeßen unb ©afeßine 
ift nießt ber fefte ©rbboben, fonbem bie Seefläcße als Ber- 
fucßsfetb gemäßlt, unb bie bei ©rprobung bes Beuen unaus¬ 
bleiblichen 3rolf<ßenfälle ßaben biefer meifen Slbfidjt reeßt ge¬ 
geben. Bie ftarfe Bö, bie leßtßin ben 1300 Kilogramm feßmeren 
Apparat aum kentern braeßte, mürbe auf einer feften giäcße 
ficßerlicß ganae Brbeit gemaeßt ßaben; hier hatten fie nur ben 
©rfolg, auf oorßanbene fleine ©ängel ßinaumeifen unb oor 
allem bie aäße ©iberftanbsfäßigfeit unb folibe ^onftruftion 
ber giugmafcßine feftaufteUen. 

2lls Slrbeits* unb SlufbemaßrungsßaHe für bie giugmafcßine 
bient ein großer, folibe gebauter langer Scßuppen, in bem 
aueß bas Äonftruftionsbureau Baum gefunben ßat. 3n ber 
#alle felbft fteßt ber ootfenbete Apparat, beffen furae Befeßrei» 
bung geroiß 3ntereffe erregen mirb, nießt nur megen ber B**> 
fönlicßfeit bes ©rfinbers, fonbem aueß, meil bei ber Ston- 
ftruftion eigene ©ege gegangen finb. ©rmäßnt mar bereits 
bas ©emießt ber ©afeßine, bas mit 1300 Kilogramm bie ge- 
mößnlicßen Xppen um etma bas breifaeße übertrifft. 3ur 
Sortbemegung bient ein 100-P. S. e.-Baimler*©otor, ber amei 
oor bem Apparat angeorbnete Barf^alluflf<ßrauben antreibt, 
©ie bei bem fleinen Sportluftfcßiff B 0 ^ 600 !^ 60 Spftems 
finb aueß hier bie fiuftfeßrauben nießt unftarr. Sie befteßen 
aus feftem Stoff mit eingenäßten biegfamen ©ifenftäben unb 
gemäßrleiften einen bureß bie BrQE iö bereits erprobten guten 
©irfungsgrab. Ber Apparat befteßt ferner aus amei ßoriaon- 
talen giäcßen, einer oertifalen Äielfläcße aur $erftellung ber 
Seitenftabilität, ber ©onbel unb ben Scßmimmträgern. 

Bie oorbere i)ori 3 ontalfläcbe ift bei einer größten Breite 
oon 14 ©eter 54 ©eoiertmeter groß, ißr hinterer Banb ift 
elaftifcß au ßenfungameefen unb um bei ©inbftößen naeßgeben 


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UMIVERSITY OF IOWA 



Kummer 18. 


Seile 731. 


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gu fönnen. 2 )tc rücfwärts liegenbe ^orisontalfläcße, 12 ©euiert* 
meter groß, läßt fid) um eine Querad)fe breiten unb bient als 
i)ößenfteuer. 21 ct)nlicf) einem Aennwagen, enthält bie ©onbel 
oorn ben Wühler, bann ben Aiotor unb suleßt 3 wei Sißpläße. 

Die ganae SAafcßine ruht auf brei Schwimmern aus ftarf 
gummiertem Leinenftoff, bie in 3 ahlreid)e, ein 3 eln mit Luft 
aufgeblafene 3cüen eingeteilt finb. Der mittlere unb ftaupt* 
fcßwimmträger ift 8 SEReter lang, baoon nach rechts unb linfs 
je 4 ÜJteter entfernt, bie 2 Ateter langen Seitenfcßwimmer, bie 
oorsugsweife 3 ur Aufrecßtßaltung ber Stabilität in ber Auße* 
läge bienen. Die Länge bes gansen Flugapparates beträgt 
ebenfalls 14 Dieter. 

Die bisherigen 23erfucße haben 3 U einigen geringfügigen 
Abänberungen Aeranlaffung gegeben, mit benen bie 2Rit* 
arbeiter Dr. non *Parfeoals, bie Diplomingenieure Alocßmatm 
unb f>off, augenblicflicß befchäftigt finb. Die Stabilität auf 
bem 5öaffer foll noch erhöht werben, um ein Äentern möglidjft 
aussufcßließen. hierbei wirb bie Anbringung oon 3 toei Ae* 
feroefchmimmern erwogen, bie in Aftion treten, menn ber 
Apparat fich außergewönlicß ftarf auf bie Seite legt. Auch 
bie bisher aufgebogenen glügelfpifcen werben in 3 ufunft 
hori 3 ontal angeorbnet, um ben oon ber Seite fommenben 
SSöen eine weniger günftige Angriffsfläche 3 U bieten. 

Aach einigen Söocßen follen bie Fahr» unb Flugoerfuche 
fortgefeßt werben, benen ein ooller (Erfolg befdjieben fein möge. 

Ifjeobor Ccmer. 



Die (Eröffnung ber Arüffeler SBeltausftellung 
(Abb. S. 733) fanb am 23. April unter ben üblichen offaiellen 
Feierlichfeiten ftatt unb oerlief fo würbig unb glänsenb, als 
man nur hoffen burfte. Slönig Albert unb feine ©etnablin trafen 
mit großem ©efolge auf bem Ausftellungsgelänbe ein unb 
würben oon bem ^räfibenten ber großen‘„ASeltmeffe" begrüßt. 
Der Slönig hielt eine fehr marfante unb wirfungsoolle ©r» 
öffnungsrebe, bann trat er mit ber Königin unb ben anwefen* 
ben offoiellen ^erfönlicßfeiten feinen erften Aunbgang burcß 
bie Söeltausftellung an, in beffen Verlauf er aud) als erfter 
feinen Aamen in bas „golbene Aud)" ber Ausftellung eintrug. 

DieFernfahrt ber 2Ri(itärluftfchiffe nach Homburg 
unb ihr trauriges ©nbe (Abb. S. 734, 735). Anläßlich 
ber Anmefenheit bes Slaiferpaares in 5)omburg o. b. 5). hoben 
bie brei Atilitärluftfcßiffe ber Kölner ©arnifon eine Fernfahrt 
unternommen, bie anfangs oortrefflid) gelang, bann aber Ieiber 
mit einer Stataftropße enbigte, bie unfere Luftflotte um eines 


ihrer fdjöuften Luftfcßiffe gebracht hot. Auf ben 2Öunfd) bes 
Slaifers brachen bie Lenlballons „3 II"/ „A II" unb „ÜR I" 
oon Slöln auf unb gelangten ohne 3*oifä)enfall in etwa fünf* 
ftünbiger Fahrt nach .^otnburg. Auf ber Aücffaßrt ereilte „3eppc* 
ltn II" bas gleiche Schicffal, bem fein Vorgänger „3eppeliti I" oor 
3 wei 3 ohreit an bem Unglücfstag oon ©cßterbingen erlegen ift. 
Ußie biefes ßuftfdjiff, beffen Untergang feiner 3 eit alle Deutfdien 
fo tief betrauert hoben, riß fich auch »3 H" bei einer 3 u)ifd)en* 
lanbung los. ©in Sturm, ber im Lahntal wütete, entführte 
ben Lenfballon bei Limburg jeiner Bemannung unb trieb ihn 
bis SBeilburg a. b. Lahn, wo er am RBeberberg serfcßellte. 

Aotfcßafter a. D. o. $)olleben in Fapan (Abb. S. 737). 
SBährenb feiner langen biplomatifchen Laufbahn, bie mit feiner 
Xätigfeit als Vertreter Deutfchlanbs in Xßafhington fcßloß, hat 
Aotfd;after a. D. Dr. o. ftoUeben in brei ©rbteilen für bie 
Fntereffen ber 5)eimat gewirft. Die erften 3 aßr 3 ehnte feiner 
Amtsseit brachte er größtenteils in Oftafien 3 U; er war 1874 
bis 1875 Legationsfefretär in geling unb iofio, bann 1885 
bis 1891 ©efanbler am japanifchen S) of. 3eßt hat ber her« 
oorragenbe Diplomat, ber aud) als gefchäftsführenber IBi^e- 
präfibent ber Deutfcßen ftolonialgefellfcßaft fungiert, wieber bie 
Stätten bes Dftens befugt, bie er bamals fennen lernte. 

ÜRarf Xwain (Abb. S. 736). Die 5)umoriften hoben ein 
fonberbares Scßicffal: wir haben fo oiel über fie gelacht, baß 
wir nur fchwer über fie weinen tonnen. 3n bas aufrichtige 
Aebauern, mit bem bie ganse sioilifierte 2Belt bas Ableben 
bes Amerifaners Samuel ©lemens ober oieltnehr bes Dichters 
URarf Dwain oernommen hot, mifcßt fich fo manches Lächeln 
— bas übrigens bie Drauer um biefen lacßenben Sßhilofopheu, 
biefen tlugen Sonberling nicht entweiht. 2Bir alle wiffen, wie 
er es oom amerifanifchen — Straßenbuben 3 um Sd)iffsjungen, 
bann 3 um ©olbfucher, bann 3 um Aebafteur eines SÖBilbwefl* 
Alattes, bann sum erften Autor unb ein bißchen 3 um ^)of» 
narren feines Lanbes brachte. Aun ift er geftorben, weil er 
burdjaus nicht auf bie 3 lQorre oersichten wollte, bie 3 U feinem 
2 ßefen gehörte wie fein läd)elnber, grotesfer i)umor, wie bie 
Sßerfe, bie er gefthaffen hot — Imb bie er nad) feiner Anficht 
nur ber bampfenben, giftigen Freunbin oerbantte. 

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Frans oon Defregger (Abb. S. 736), ber unübertreffliche 
bilbnerifche Schiiberer unferer Alpen unb ihrer ©efeßiehte, ift 
nun 75 3aßre alt geworben, ©r würbe am 30. April 1835 
im ©berßof in ber ©emeinbe Dölfad) bes tirolifcßen ^uftertalei 
geboren. Sein äußeres Leben liegt 3 wifcßen swei ^3olen: 
Seiner Xätigfeit als Sluhhirte unb ben hohen ©ßren, mit benen 
man mit fo großem Aedjt ben Lebensabenb biefes großen 
unb liebenswürbigen Zünftlers umfränst hol- ©ein lünft« 
lerifd)es Schaffen aber bebarf feines Fubiläumslobes. 3eber= 
mann fennt feine UReifterwerfe, unb jebermann hat fieß oft 
unb innig ißrer gefreut. 



Don ber Cuftfcßifffafaftropbe im taßnfal: W Z I1 M bei ber 3wifcßen(anbung fur 3 oor bem Abtrieb. 


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UNIVERSUM OF IOWA 




Seite 702. 


Kummer 18. 


Die berfaffer ber gnbianeroper „$oTa" (2Ibb. 
S. 736), bie fürglid) als eine Bonität biefer Spielgeit im ber¬ 
liner Kgl. Opernhaus aufgefül;rt mürbe, haben an ißrem 5ßerf 
nicht febr oiel greube erlebt. Das bublifum geigte für bas 
ßibretto, bas ber junge banbolpß $)artlet) ben oon 3)k. ©lintoef 
gefammelten Sagen ber Scßmargfußinbfaner entnommen batte, 
toenig gntereffe unb nod) meniger für Artur Benins mit echten 
gnbianermeifen oerbrämte 9ttufif. 

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*Perfonalien (Abb. S. 738). Kaifer grang 3ofef bat 
ben öfterreicßifcb 9 ungarifeßen botfeßafter in berlin o. Sgö- 
gp6np=3Jtarifb megen jeiner berbienfte um bie freunbfcbaftlicßen 
begießungen groifdjen ben oerbünbeten fiänbern in ben ©rafen» 
ftanb erhoben. — Dr. gulius oon SBalbtßaufen, ber bisher 
mit großem ©rfolg als ©efanbter in buenos Aires mirfte, 
mirb oon nun ab bie beutfeben gntereffen am Kopenßagener 
5)of oertreten. — ©ongalo Quefeba, ber neue fubanifeße 
©efanbte in berlin, ift einer ber angefebenften Staatsmänner 
feines ßanbes. ©r mar ©efanbter in SBafßington, fpäter Dele¬ 
gierter im haag, bat ober auch mit ben ABaffen unb als *Poli- 
tifer für bie Unabßängigfeit Kubas gemirft. ©r ftebt jeßt im 
41. ßebensjaßr. — Kürglicß hielt *Prof. bercioall ßomell, ber 
berühmte SERarsforfcßer aus Arigona, in ber Xreptomer Stern¬ 
marte in berlin einen bortrag über bie neuen ©ntbeefungen, 
bie ihm mit hilfe ber Sternpßotograpbie gelungen finb, unb 
fanb bei feiner 3ußörerfd)aft oiel gntereffe. — ABäßrenb im 
gefamten beutfeßen baugemerbe ber ßeftigfte Kampf gmifeßen 
Arbeitgebern unb Arbeitnehmern tobt, ift in berlin ber Aus¬ 
bruch &er geinbfeligfeiten bureb ben Scßiebsfprucß eines 
©inigungsamtes bintangeßalten roorben, beffen ?$räfibium ber 
ÜRagiftratsrat oon Scbulg innebatte. 



henrn barbouf, befannter barifer Aboofat, f io '-Paris 
am 25. April im Alter oon 75 gaßren. 

björnftjerne b j ö r nf o n, berühmter normegifeber Dichter, f in 
?Paris am 26. April im Alter oon 77 gaßren. OPortr. untenft.). 



björnffjeme BJömfon f 


Dberftabtfelretär ABilßelm heufelber, f in Berlin am 
22. April im Alter oon 67 gabren. 

©raf Karl Xßeobor gu ßeiningen-beubenau, t in Caßr. 
btarf Xrnain, berühmter amerifanifeber Scbriftfteller, f 
in bebbing (©onnecticut) am 21. April (?$ortr. S. 736). 

baron gobann 5)einrieb RBilßelm o. Scbroeber, ©bef ber 
befannten banffirma, t in ßonbon am 21. April im Alter 
oon 85 gabren. 

ARarie SBolben-Köbifcß, ehemalige Solotängerin an ber 
berliner Oper, f in berlin am 22. April im Alter oon 76 gabren. 


Oie Börfenroocfje. 

Die ©elbforgen, bie leßtßin einen internationalen ©borafter 
angenommen batten, merben jefet einigermaßen in ben hinter* 
grunb gebrängt bureb neue gäbrniffe, bie bie in- unb auslän- 
bifeßen gonbsmärfte bebroben. Die hauptforgen nämlid) 
gelten gurgeit ber ungünftigen fiage ber SRetalimärtte, unb 
babei bat ficb in bie oorberfte beiße infolge ber Ueberpro* 
buftion in ben bereinigten Staaten ber bortige boßeifenmarft 
geftellt. Ungeachtet ber irrefübrenben, feböngefärbten Dar* 
ftellungen ber interefiierten Xruftmagnaten ift bie Xatfacße 
allgu beutlid), baß bie Kaufluft am bortigen boßeifenmarft 
fid> fortgefeßt berart ßerabminbert, baß Preisrückgänge in un¬ 
unterbrochener golge eintraten. So bat ficb ber boßeijenpreis 
brüben feit beginn biefes gabres im Durcßfcßnitt um nicht 
meniger als 1 */ 4 Dollar jür bie Xonne rebugiert, unb menn 
man auch in Anfcßlag bringt, baß bie oorangegangene Preis* 
treiberei meit über bas 3iel ßinausgefcßoffen bat, fo fteßen 
boeß bie leßten büefgänge in feinem berßältnis mehr gu ber 
oorausgegangenen Preiserhöhung. Daneben bilbet aber auch 
bie trübe fiage bes Kupfermarfies, bie ja ebenfalls oon Ante- 
rifa aus auf bie europäifeßen SRärfte reflektiert, eine bie ge¬ 
jaulte 3Rarftlage ungünftig beeinfluffenbe ©rfeßeinung. beucr- 
bings ift nun gum Ueberfluß auch noch bie internationale 
Xeytilinbuftrie burd) bie feßmierigen berbältniffe am inter¬ 
nationalen baummollmarft irritiert morben. piößlicß einge¬ 
tretene, bie Saaten bebrobenbe mibrige Aßitterungsoerßältniffe 
führten gu einer elementaren hauffebemegung am bortigen 
baummollmarlt, unb bie fpefulatioe -Oage bes ProDufts fpißte 
fid) berart gu, baß bie baiffiers, falls nicht bie jeßt einge¬ 
leiteten berbanblungen mit ber ftauffepartei gu einem Er¬ 
gebnis führen, eine bieberlage erleben merben, toie fie in ber 
unrühmlichen ©efcßid)te ber fpefulatioen Auffcßmängungen an 
ben amerifanifeben Probuftenmärlten nur feiten erlebt fein 
bürfte. Diefe unb ähnliche ©rfabrungen fönnen aber nur 
bagu beitragen, bie gegen bie Ausfcbreitungen ber Spetulation 
in ben bereinigten Staaten in gluß gefommene bemegung 
gu flärfen unb bie Klinfe ber ©efeßgebung enblicb entfebiebener 
als bisher in bemegung gu feßen. 

Unter folcßen Umftänben mußte bie Depreffion, bie ja feit 
beginn bes gabres an ben gonbsbörfen berrfeßt, roeitere gort* 
feßritte machen. Der leichte Auffcbmung, ben bas einßeimifcbe 
ABirtfcßaftsleben oor einer beibe oon Atonaten erfahren hotte, 
mirb mehr unb mehr in grage geftellt fomobl burd) bie hier 
furg gefenngeiebneten, oon außen berüberroirfenben ©inflüffe als 
audb burd) bie unflaren ©elbmarftoerbältniffe, bie nod) immer 
feinen fieberen Schluß auf ihre enbgiiltige ©eftaltung gieben 
Iaffen. 3 roar ©elbflüffigfeit am berliner 'JRarft 

neuerbings meitere gortfebritte aufgumeifen, unb ber Status 
ber 9teid)sbant geigt eine gunebmenbe Kräftigung. 2Benn 
es nur auf bie lofalen berbältniffe anfäme, fo bürfte man 
ficb jeglicher befürdjtungen über biefe btaterie entfdjlagen. 
Allein bie berbältniffe am englifeben ©elbmarft, bie füglidj 
als oon beroorragenber bebeutung für bie allgemeine ßage 
ficb ermeifen, bilben nod) immer ben ©runb gu gemiffen be* 
fürd)tungeti. Die bebeutenbe amerifanifd)e ©olbeinfubr nad) 
fionbon, bie ficb bisher insgefatnt auf nabegu 40 3Rillionen 
Dollar beläuft, fomie bie fübafrifanifeben fRobgolbeingänge 
haben ja ber banf oon ©nglanb über bas Scblimmfte bi^ 9 
meggebolfen. geßt ftebt aber bie ©ingablung ber burd) bie 
befannten innerpolitijcben berbältniffe aufgefebobenen Steuer¬ 
beträge nabe beoor, unb es brobt bierburdi, menn aud) nur 
uorübergebenb, eine meitere berengung am offenen englifeben 
©elbmarft, bie möglicbermeife bei bem hingutritt aitberer 
3nanfprud)nabmen bes btarftes bie ©efabr einer meiteren 
©rböbung ber englifeben banfrate als nicht gefebmunben er« 
febeinen läßt, hierbureb mürbe aber auch in bie übrigen 
SDtärtte neuerbings beunrußigung getragen, unb es tonnten 
Scbtoierigfeiten entfteben, bie ihren Ausbrucf in einer meiteren 
©rmäßtgung bes ^reisnioeaus Der gonbsbörfen pnben müßten. 
2Bas nod) im fpegiellen bie berbältniffe ber berliner börfe 
angeßt, fo ift ber bollftärbigfeit halber gu ermähnen, baß bie 
beunrubigung ber in unferen Kolonien inoeftierten bebeuten- 
ben Kapitalien bureb bie angebroblen Steuern unb fonftigen 
blaßnabnten geitmeife gleichfalls bagu beitrugen, bie ©efamt- 
ftimmung gu beeinträchtigen unö ben 'JDtißmut unb bie 3urücf- 
baltung aud) ber außerhalb ber börfe ftebenben ©efebäfts- 
unb ^Prioatfreife gu oermeßren. ©s ift bemnaeß fein erfreuliches 
bilb, bas gurgeit oon ber ©efcßäfts« unb börfenanlagc ent- 
morfen merben fann. »crus. 


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UNIVERSUM OF IOWA 






Drummer 18. 


Seite 733. 



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?ljot. Saftyttb. 

ftönig Ulbert bet Belgier (x) fdjreibf feinen ttamen in bas golbene Bud) ber Busffellung. 

Sie feierliche ©röffnung ber 33rüffeler 2BeItausftellung. 


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UNIVERSITY OF IOWA 












Seite 734. 


Stummer 18 . 




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Die Cufttteujet „Z II", „M 1“ (in 6et Hütte) unö „P II" lutj oot bet Canbung bei Hamburg. 

Die Sernfafjrt ber Äölner 3RUitärIuftfd)iffe nach #omburg o. b. S)'öi>e. — flofpbot. I. f>. »oigt, Homburg. 







Kummer 18. 


Geite 735. 



Original frnm 

UNIVERSUM OF IOWA 





Seite 736. 


Kummer 18. 




Der *23ater b e s amerifanifdjen fiumors. 

Blarf Xroain f 


2iltmeiffer Jran3 von Defregger, inüntfjen, 

feiert feinen 75. ©eburtstag. <P0ot. Corner & Oocrgrn. 


Der Dieter bes aßertes 2Rr. Dtanbolpl) ^ortleg unb berftomponift 9Jtr. 2lrtur 9teoin. $f>ot. Hura ^rrinjta. 

3ur (Erffauffütjrung 6er 3n6ianer-Oper „Poia“ im ftönigi. Opernhaus in BerÜn. 


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Original frorn 

UNIVERS1IY OF IOWA 

























Kummer 18 


Seite 737. 




. unarun. 

«'[«rL Dcutfdjrr iBoifctjajter in 3apan 2)r. greifen; 3Rumm oon Sdjamraenftetn unb Botfdjafter a. 2). o. 5)ol(eben (fifcenb) nad) einer 2lubiena beim Äaifer oon 3apan. 

Boffcfjaffer a. D. BJirfl. ©ef>- Baf Dt. o. fyoüeben als ©aff in lofio. 


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Original frorn 

UNIVERSITY OF IOWA 












£. o. Sjöggentj-iTlarid), öfferr.-ung. Boffd)affer In Berlin, Dr. jar. Julia» o. ZDalbfgaufen, 

rourbe oomÄalferSrana^ofef in ben©rafenftanb erhoben bcr neue beutfdje ©efanbte in Stopeni)agen 


profeffor percioal Coroell, berühmter amerif. Ztffronom 

fprad) in Berlin über feine neuften ftorfcbungen. 


©onjalo Quefeba, 

ber neue fubanifche ©efanbte in Berlin 


■ r/*C tX/ÜJto 




vi* 


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Trikot l*! 


Prof. Br. Soante Hrrfyeniu», 
ber fdjroebifdje ^^qftfer unb Berfoffer unfercs 
Sirtifels: „Die erroartete Begegnung ber (Erbe 
mit bem fjatleijfdjen Kometen". 


iicagtffratöcaf o. Sd)ul3, Borfifjenber bes Gimgungsamfeö 


3um Stbieb» fprud) im Berliner Baugeroerbe 
9tarfj einer Originaljelrfjnung oon ftrlft SBolff. 


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Original ffom 

UNIVERSITY OF IOWA 


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«Jlummer 18. 


Seite 739. 



Die (Erbe in (Er»artung eines SBeltenroanberers: 

Die Bafjn bes fjaUegfdjen fiomefen, beffen Sdjroeif in ber Jcüfje bes 19. Ulai blc Crbc ftreiff. 

'Jiad; einer Ouginalaeidjnung oou ßucien iKuöauj. — ijicrau öer 'iirtilel sott 'gro\ Dr. Suante Slrrbenius 


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UNIVERSIIY OF IOWA 






Seite 740. 


Ulummer 18. 



C ^ 


?,V'* 






2lDtatii; auf öem flauer See. 

fllajor tum patfetml als (fcrfinbec einer neuen 
3tugmafd)ine. 

Oberes Sltb: Die glugmajemine über bem flauer See. 
'JJiajor Dr Sluguft o. ^arjeoal. fcofpOot. Meit&arb & vtn&ner. — 
'Jlebenftcljen b: S)qu3 3ur Bergung ber 2Rafd)ine. — Un tere» 
'öilb. Die giugmajdjine in ber ftalle. 

5)ier3u ber SlrtiTel. 

Die ^ar|eoab5l u 9 ma i^)* ne “ oon ^beobor ßerner. 


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UNIVERSIIY OF IOW 



























Bummer 18. 


Seite 741. 



Bur n>er bie 0el>nfud)f fennt... 

9?oman oon 

3ba 


1. gortfefeung. 

3utta füllte unb buchte nicht mehr flar genug. Sonft 
märe ifjr bies Scbmeigen oon beflemmenber Berebfam* 
feit gemefen. Sie füllte nur: bas ßeben gebt an mir 
porbei. 

. Unb bie Bitterfeit, in ber ade ßeibenfcbaftlicben ficb 
gegen bies ©efübl mehren, gärte auch in ibr. 

Sie mußten über bie Xerraffe unb bureb ben ©arten* 
faal, in bem eben ber ©alaer beenbet mar. Unb hier, 
amifeben ben bin unb her manbelnben paaren, trafen fie 
auf ßisbetb Bofenfelb. Sie ftanb oor ihrem SBann, 
hielt mit ben fpißen Ringern ber ßinfen ihn an einem 
$nopf feines Dinerjacfetts feft unb fädelte mit ber 
Rechten ihrem beißen (Befid)t SHiblung au. Der fleine 
ebinefiftbe gäcber, ben pe babei brauchte, flapperte in 
feinem Sanbelbolageftett, unb fein bunt bemaltes Berga* 
ment raufeßte. 

„Da ift ja 5)err non ©amberg mit 3utta! SUnber, 
helft mir i)eftor Überreben. 3«b fott u>eg. Das ift 
iprannei. S)e rr ßegationsrat, febüßen Sie ein miß* 
banbeites ©eib." 

,,©enn ßisbetb morgen $opfmeb bot, fd)Ut fie mit 
mir, baß ich nicht ftrenger gemefen bin", fagte ber 
Kapitän. 

„Äomm mit," ermahnte 3utta, „ich bin. im Begriff, 
fortaugeben, i)err oon ©amberg mill mich gerabe aum 
©agen bringen." 

„©as? hinter bem dürfen beiner Battmutter 
moliteft bü ausfneifen?" 

„ßisbetb, nimm Vernunft an! Du mirft mir morgen 
banfen." 

„Vernunft ift ja eine munberfeböne, großartige 
Sache. 2lber meißt bu, #eftorteb bin gar nicht ehr* 
geiaig. 3cb wid unoernünftig bleiben." 

Sie lachte laut unb ftritt munter meiter. ©an 
merfte febon: ber SJtann ermübete ein menig an ber 
Äinberei unb mar im Begriff, nicht aus Schmähe, fon* 
bem um bes guten ©efebmaefs mitten naebaugeben. 

Sich, baebte 3utta, mie fpielt fie bureb bie Xage. 

Unb mußte felbft nicht, ob es ein netbifeber ober ein 
geringfebäßiger ©ebanfe mar. 

Sie oerabfebiebete ficb etmas fura. Bofenfelbs, im 
(Eifer ihres Kampfes um Bleiben ober ©eben, bemerften 
es faum. 

3utta mürbe nun oon einer #aft ergriffen, als hänge 
bas sttußerfte baran, baß fie rafcb, rafcb aus biefem 
geftlärm entfliehe. Unb ©amberg, beffen 2lrm fie los* 
gelaffen butte, folgte ihr fo unmittelbar, baß er Borficbt 
beobachten mußte, nicht auf ihre fcbleifenbe, leichte gelbe 
®biff°ttf<bteppe 3 U treten. 

Sie marf fleh in einem ber aur ©arberobe oerman* 
beiten Bebenräume ihren Spißenmantel um. 

©amberg martete unter bem Bortat auf fie. 


Draußen, auf bem gabrbamm, jenfeit bes hoben 
©itters, bas bas ©elänbe ber Btarineafabemie oon ber 
Straße febieb, ftanben Drofcbfen biutereinanber, mit 
ihren bunfeln haften auf ben unbemeglicben Bäbern, 
einem ins Stocfen gefommenen ßeicbenaug nicht un* 
ähnlich. Die ftutfeber, mit hintenübergefenften #äup* 
tern, oorausgeftretften Bäuchen unb oerfebränften 
Sirmen, förmlich mie aufgepluftert, fchliefen in ©elaffen* 
heit. 3n ftumpffinniger ©ebulb ließen bie Bferbe bie 
köpfe hängen. 

©amberg öffnete bie Xür ber erften Drofcbfe, inbem 
er augleicb ben Shitfcber bureb 3uruf ermunterte. 

3utta ftieg ein. 

Droben ber plumpe SBann auf bem Bocf bontierte 
noch umftänblicb mit feinem Siß, ber Bferbebecfe unb 
ben bügeln. 

©amberg ftanb am Schlag. Bon ben ßaternen her, 
bie bie Büofter bes ©ittertors frönten, fiel fd)arfes ßiebt 
auf ihn. 

3utta fah ihn mit großen 2lugen an. Sie prägte ficb 
noch einmal, mieber einmal, aum bunbertftenmal genau 
feine hohe, blonbe (Erlernung ein: bas helle Bärtchen 
auf ber Oberlippe, bas bette, fluge, lebhafte 2luge, bie 
oornebmen, immer oon einer gemiffen ^urücfbaltung - 
beherrfebten 3üge. 

Unb auch er fab bas oöttig beleuchtete blaffe grauen* 
gefiebt, bie herrifch erhobene Haltung ihres kopfes, ben 
großen Blicf, ber ihm faft feinbfelig erfebien. 

„3cb begleite Sie natürlich." 

„Bein," 

„(Es beunruhigt mich. Sie allein einem fremben 
©agen anauoertrauen." 

„Unnötige Sorge, günf Btinuten gahrt. Unb ein 
Vieler Drofchfenfutfcber, ber eine SBarinebame 
fährt...." 

Oben ber Stutfcber mar fertig unb fah martenb herab 
auf ben f)errn am Schlag. 

3utta fühlte mieber ihr #era Hopfen überall... 
überall. 

Sie magte faum au atmen. 

Die hatten Blicfe fpracben au ihren Slugen. 

Unoermanbt faben fie einanber an — eine fcbmüle, 
enblofe, furchtbare Biinute lang. 

Unb bann trat ber Btann aurücf... höflich unb 
fremb. 

Der ©agen fuhr baoon, in unermartet rafebem 3 u g. 

3utta faß aufrecht barin, erhobenen Hauptes. 3h r e 
Slugen ftarrten auf bie braußen, gleich einer ©anbei* 
beforation oorüberaiehenben meißen Bitten amifeben 
bem üppigen ßaub ber Bäume unb Büfcbe in ber 
Sommernacht. Unb in ihrem Ohr mar als BacbboH 
bas fleine fnaefenbe ©eräufch ber aufattenben ©agentür. 


Copyright 1910 by August Scherl G. m. b. H. Berlin. 


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UNIVERSiTY OF IOWA 




©eite 742. 


Stummer 18. 


II. 

Das gan^e 3t™nter mar erfüllt oon blauer Dämme* 
rung, oon einer reinen, föftlid>en griffe. 3n ihr fonnte 
bas Meine SBefen, non fßtahlbehagen tnie gefdjmellt, mohl 
einen guten ©chlaf haben. Stach bem Stabe lag es nun, 
ein appetitliches, rührenb ^ilflofes unb unbemußtes 
©tüddjen Seben — mehr ein Sßflansen* als ein SJten* 
fchenleben noch — in feinem Stallchen. Der $opf, auf 
bem ein bunfler #aarmuchs 3 U flaumen begann, mar 
mie eine fernere, etmas ins längliche nerformte Äugel 
tief hineingebrüeft in bas meiße SMffen, bas um feine 
Kontur herum baufchig auffchmolL 3m ©chatten ber 
©arbinen, bie non einem bas Kettchen übermölbenben 
^rummftab herabmailten, blieben bie gefchloffenen 
Slugen, bas Meine Stäschen beinahe nermifcht — fo meich 
maren noch bie Qüq*. Stur ber SJtunb mar fefjr beutlich 
in bem ftinbergeficht — bie Sippen bemegten fich in» 
ftinftln, lutfehenb, faugenb, als tofteten fie noch ben 
SBohlgefchmad ber fjtafdjc. 

SJtit leichten ©dritten, unhörbar, ging 3«tta noch 
umher, ©ie fab nach, ob hinter bem Vorhang auch bie 
genfterMappe geöffnet fei, entbedte an ber ©cheibe eine 
SBefpe, bie fie furchtlos unb fürforglich mit ihrem 
Xafcbentucb überbedte unb griff, um fie bann aus bem 
genfter ins grete 3 u fchütten. 

(Ein leßter ©lief in ber Stunbe 3 elgte ihr, baß im 
©cblaf 3 immer, bas auch bas ihre mar, unb in bem neben 
bem großen Statt traulich bas tleine ftanb, fich alles in 
feierlicher Orbnung befanb. ^eilige ©chlafenftille mebte 
in bem Staum, unb gan3 leife, leife, nur bem angeftrengt 
taufchenben Ohr ber ÜRutter erratbar, ging ber Sltem 
bes SHnbes in töftlicher Stegelmäßigfeii. 

®s fchtief. es fchlief fich mieber ein ©tüctchen meiter 
ins Seben unb in bie $raft hinein.... 

3utta ging in ben Stebenraum. Das mar eigentlich 
ihr &nfleibe 3 immer. Slber nun hatte bas fttnb feine 
Slnfprüche unb feine $)errf<haft auch hierher getragen. 
Unb auf bem Xeppich ftanb bas ©eftell mit ber Stabe» 
manne, unb gmijehen all ben eleganten ©inrichtungs* 
gegenftänben bes Doilettentifches, auf feinem ©piegel* 
glas unb 3 mifchen ben dürften unb dämmen oon bun* 
felm ©chilbpatt, ftanben ^uberböseßen unb lagen allerlei 
blauumfäumte Süppchen unb ©treifen. 3n einem 3 ier* 
lieh mit ©chleifen ausgeftatteten Storb häufte fich 0e* 
brauchtes SMnberseug. 

3n biefem Staum mar es fehr helL 9Bett geöffnet 
ftanb fein genfter, unb oon braußen herein tarn bie 
fähige Sommerluft unb oertrieb bie lauen Stabbünfte. 

Das 5>orf)oierecf bes genfters seigte einen Slusfchnitt 
aus ber freien Statur. Stur in 3 mei garben. ©in großes 
©tücf fnaüblauen Rimmels unb ein paar runbe grüne 
SBipfel, bie aber fo grell befonnt maren, baß fie meißlich 
überflimmert fchienen. 

3utta träumte ein paar Slugenblide hinaus, mit un» 
beftimmten ©ebanlen. Das bebeutete Slusruhen für fie. 

©s mar immer mie ©cßonseit für ihr ©emüt, menn 
alles, mas es fonft leibenfchaftlich bemegte, einmal als 
unflare Iraurigfeit ftill lag. 

Der ©ommermorgen mar fo feßön — 3 u fchön. ©an 3 
ftiller @lan 3 erfüllte ihn, alle Söinbe fcßliefen. 


3 utta bachte flüchtig: Steismiß — greia — Storbmeft 
— SHel — Draoemünbe_ 

Slber biefe (Bebanfen 3erfaferten. ©s mar ihr fo un* 
ausfprechlich gleichgültig, mas für SBinbe bie ©egel bläh* 
ten... ober ob gar feine_ 

hinter ihr bemegte fich iemanb.... SBaffer raufeßte 
leife. 

3 utta manbte fich lim - Die fommerfproffige SJtartha 
räumte auf unb goß ben 3nhalt b*r Meinen meiß* 
lacfierten Söanne in einen ©imer, ber in feiner Slus* 
ftattung gamilienähnlichteit mit ihr hatte. 

SJtit rafchen f)änben half 3 utta. Sille (Beräte, alle 
SJtöbel, jeber 3 krat 3eigte (Sefchmacf, Steuheit, 
Orbnung. 

3 n menigen üütinuten gab es auch in biefem Staum 
nichts mehr 3U tun. ©r glätte in ber fchmucfoollften 
©auberfeit. 

3utta banb bie große, mit ruffifchen ©tidereien oer* 
3ierte ©cßür3e ab, bie bis baßin faft gan3 ÜTaille unb 
Stod ihres einfachen meißen Leibes oerbeeft hatte. 

Unbemußt feufste fie. Stach oollenbetem Dage* 
mert.... 

3 ehn Uhr mar es. Unb fie mußte heute mie faft an 
jebem lag ben 3nhalt aller ©tunben ooraus.... ©in 
menig $anbarbeit.... ÄinberMeibcßen ftiefen unb nähen, 
für bie noch ferne 3 e *t, menn Stabg erft anfinge 3U 
ftehen, 3U gehen... ein paar Staiefe fchreiben... mit 
ber ftöchin bas SJtittageffen befprechen... biefes fehred* 
liehe SJtittageffen, bas für eine Jßerfon 3U tochen unb 
aufsutragen faft lächerlich fchien. Unb bann ein Stach* 
mittag unb Slbenb ohne ©nbe... ohne 3 a>ecf.,. ohne 
greube. 

3mifchenburch machte Stabp moht einmal unb lag 
mit großen Slugen, unb laHenbe, brollige Saute ersählie 
es... benen bie SJtutter mit heißer, oer3ehrenber Sta» 
gier laufcßte... als hätten fie fchon 3nhalt, als feien fie 
©timme ber Siebe.... Slber es maren eben boch nur 
bie unbemußten Däne eines Meinen, noch nicht 3um 
SJtenfchentum ermatten Sebemefens.... 

Sangfam ging 3 utta nach oorn, in ihr SBohnsimmer. 
©s mar nicht fehr groß. Sille Stäume bes ©toefmerts 
tn ber SMlta am Stiemannsmeg, bas fie innehatte, 3eigten 
angenehme Starhältniffe; fie maren für SJtenfchen be* 
ftimmt, bie in Stahagiicßfeit, aber nicht in Sujus 3U leben 
bachten. Stach oorn gab es nur 3mei 3tatnaer, bas bes 
fernen Hausherrn unb bas ihre. #ier öffnete fich eine 
Dür auf ben SBatfon, oon bem aus man in ben hießt» 
oermucherten Stargarten hinabfaß. 

Sin bas ^erren3immer, nach hinten, fchtoß fich bas 
©ß3immer, ein länglicher unb ber größte Staum ber 
SBoßnung. Überall an ben Söänben unb auf ben 
SJtöbeln faß man Söaffen, Stoffe, Stafen, Staonsen oon 
frembartigen Xecßnifen unb fantaftifeßem garbenrei3. 
3 uttas (Batte hotte als junger Offner noch bie 3 *Ü ber 
reichlicheren Sluslanbfommanbierungen miterlebt unb 
als Stabett 3ur ©ee, als Oberleutnant unb Äapitän* 
leutnant SBeftinbien, Oftafien unb bie ©übfee gefehen. 
©r hatte allermärts getauft, fo meit ©efchmad unb SJtittel 
es erlaubten, unb bas (Befummelte liebeooll 3ufammen* 
gehalten unb gepflegt. Da nun ©efchmad mie SJtittel 


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□ rigiral from 

UMIVERSITY OF IOWA 



stummer 18. 


Sette 743. 


im Sauf ber 3ah rc gereifter unb reichlicher geworben, 
bar manches fchöne Siücf, manche mertoolle Sticferei 
aufammengetommen. 

3utta hatte als junge grau mit Stola unb jubelnbem 
Stöunen oon all biefen bunten Sachen Befiß ergriffen 
unb mit erftaunüchem ©efchmacf oerftanben, alles fo au 
orbnen, baß bie moberne Einrichtung fich hurmonifch 
als Bafis biefes fremblänbifchen Ärams ermies. 

3eßt, wenn fie burch bie [Räume ging, tarn es ihr 
aumeiten oor, als lebe fie atoifchen Sheaterbeforationen, 
als fei bies nur eine Saenenausftattung... bas Stücf, 
bas barin gefpielt morben mar, mar aus.... ?Barum 
ftanb nun noch immer bie Shiliffe ba?... bie Bühne mar 
leer... bie #anblung hatte fich meiter entmicfelt— 
Unb immer noch bie gleiche Seforation.... 

Sie hatte Stimmungen, in benen fie all biefe bunten 
Singe haßte. 

2Tm Uebften mar fie auf bem Bülfon. Ein ©las* 
bad) unb amei fchmale Seitenmänbe oon ©las fchüßten 
ihn gegen SBßinb unb [Regen. Er mar geräumig unb 
frönte ben atemlich meit oorfpringenben Erferausbau 
bes Erbgefchoffes. Sein ©elänber ringsum glich einem 
non ®lumen reichlich gemufterten grünen [ßela. So 
hießt hatte 3utta es mit gut gepflegten blühenben 
[ßflanaen nerftecft. 

Sie ©lasmänbe maren mit einem fieinenftoff non alt* 
rofa garbe glatt nerhangen. Ein paar weiße Storbfeffel 
ftanben um einen Sifcß. Über ihm htng, an bünner 
Schnur oben aus bem gußeifernen 9Rittelftern bes ©las* 
baches fommenb, eine eleftrifche [Birne. 2lber fie mar 
gana nerftecft in einem faltenreichen Schirm non altrofa 
Seibenftoff. [Rechts unb linfs non ber Sür aum 3immer 
ftanben fchmale Blumentifche, non benen [Ranten hingen 
unb [Ranfen an ©ittermerf aufftiegen. 

Sies alles mar fehr behütet unb bilbete recht eigentlich 
3uttas Spielaeug. Sie liebte [Blumen bis aur Seihen* 
fchaft. 

3eßt, am [Bormittag, mußte bie Sonne non einer 
halb h**abgelaffenen Berfieiine abgehalten merben. 
Sann fcßien biefer [Raum notlenbs mie ein [Berftecf. 
9Ran fonnte gana oergeffen, baß man hier nahe einer 
Straße mar. 

[Bon unten aus bem $)aus unb ©arten fam niemals 
Särm herauf. Sa mohnte ber Eigentümer, [ßrofeffor 
Softor Ärärner, mit grau unb Schmefter, unb bie hatten 
feine Qeit unb fein 3ntereffe für 5Belt unb [JRenfcßen. 
Sen ©arten ließen fie nur auf bas notbürftigfte aurecßt* 
machen, benn jebes Herbarium mar ihnen michtiger als 
er, ©elehrfamfeit größer als bie [Ratur. 

3utta burfte abfchneiben, mas ba an IRofen unb mas 
ba fonft an Büfcßen unb auf [Beeten wuchs unb mürbe. 

[Begen ber ©eburt ber kleinen hatte 3utta ben brei 
Krämers gegenüber fo etmas mie ein fehleres ©emiffen 
gehabt; aber ba Babg als fehr gefunbes unb aus* 
nehmenb forgfam gehaltenes Sfinb nur gerabe fo oiel 
fchrie, als bie Sungenggmnaftif es wohl nötig machte, 
hatten Ärämers fich noch nie befchmert. 

3a, einmal fogar, als 3utta felbft ben leichten, bunfeln, 
engüfehen Äinbermagen burch ben [Borgarten fchob, mar 
ber [ßrofeffor herangetreten unb hatte aerftreut ein wohl« 


mollenb gemeintes [Bort gefagt. Unb gräulein Ärämer 
unb grau [ßrofeffor Krämer hatten ihre alten ©efichter 
oon rechts nach linfs über bie [Bagenfiffen geneigt, 
gräulein Krämer mifchte neefifeß mit ber au langen unb 
oom 3*t9*fmger nicht mehr ausgefüllten Spiße ihres 
grauen 3mirnhanbfchuhs ein bißchen auf Babgs runber 
SBange hin unb her. grau Krämer fagte erftaunt: „3cß 
bachte, fleine Einher mären ßübfcßer." 

2lber 3utta nahm es nicht übel, fonbern fcßäßte biefe 
ganae Saene richtig als eine ungewöhnliche #erab* 
laffung bebeutenber [IRenfcßen au unbebeutenben [Reben* 
fachen ein— 

2lucß an biefem [IRorgen mar unten alles fo ftill, als 
mohne bort fein SRenfcß. Ser [ßrofeffor, ber irgenb* 
wann einmal bei einer Berufung übergangen mar, hatte 
fich aus bem Staatsbienft aunicfgeaogen unb lebte ber 
gertigfteHung eines [Berfes. grau unb Schmefter 
halfen ihm — 3utta fah es förmlich im ©eift, mie-fie 
alle brei bei engoerfchloffenen genftern faßen unb 
fchrieben, fopierten, regiftrierten.... 

2lber fie maren glücflich babei, biefe brei... fie 
arbeiteten a u f a m m e n.... Sie trugen nicht einfam 
an ben Pflichten bes Safeins.... Unb menn man auch 
nicht oerftanb, mie ihnen bas reiaooll unb wichtig unb 
ein Sebenbiges fein fonnte, womit fie ihre Sage füllten 
— bas fah man, bas oerftanb man: fie trugen ein* 
anber, fie halfen einanber ooll Siebe.... 

Unb fo manbelten auch biefe brei oertroefneten, oon 
allem blühenben ÜJRenfchentum geriebenen brei ®e* 
ftalten als ein 2lufreiaenbes an ben ©renaen oon 3uttas 
Silltag hm. — 

[Run feßte fich 3utta auf ihren Baiton. Sa ftanb bas 
©las URilch, unb ba lag bie 3*itung. Sie griff mechanifch 
nach beiben. 

Sie [ßoft hatte nichts gebracht.... 

Unb ^ochhagen fprach hoch oon einem Brief, ben er 
befommen habe, beffen 3nhalt fo wichtig fchien, baß er 
heute nachmittag ihn mit ihr au befprechen münfehte? 

Slber gana oßne 3m^tfel mürbe für fie felbft auch 
noch etmas fommen. 2Rit bem Eintreffen ber Sluslanb* 
poftfaeßen ging es ja auweilen milifürlich. [Bas brüben 
an einem Sag aufgegeben unb gana gewiß mit bem 
gleichen Schiff ejpebiert morben unb in Bremerhaoen 
angefommen mar, langte hier tropfenmeife, auf bie [ßoft 
oon aroei, brei Sagen oerftreut, an. 

3utta mußte nicht mehr, ob fie fich nach biefen Briefen 
fehnte ober fich oor ihnen fürchtete... T 

Srunten ging bie ©artenpforte — man hörte fie auf* 
Hinten unb mieber aufallen unb bann einen raffen 
Schritt auf bem gepflafterten 2öeg, ber oon ber [ßforte 
her an ber rechten Seite bes Borgartens bis an bie 
Haustür führte. 

©ana flüchtig horchte bie junge grau biefem lebhaften 
©ang nach- Slber es mar ihr nicht ber 9Rüße wert, 
fich aus ihrem Stuhl emporaureefen unb hinabaufeßen. 

Sie las ben Bericht über bie leßte [Regatta unb oer* 
fuchte etmas oon bem au begreifen, mas fie las. 

Sa erfchien URartßa in ber Sür. greubig ftanb fie, 
ihr oon Sommerfproffen beinahe bräunliches ©eficht 
glänate. #ell mar ihre Erfcßeinung mit bem ftraffen 


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Original frn-m 

UNIVERSITY OF IOWA 



Seite 744. 


Kummer 18. 


meißblonben i)aar, in bem rofa Äattunfleib oor bem 
bunfeln ^intergrunb. Unb fte melbete: „Äapitän 5)o4* 
hagen." 

3utta fuhr auf. ©in furges ©rftaunen oermirrte fie. 
3eßt? So früh? #atte er ntc^t heute nadjmittag fom* 
men wollen? 

Unb bie rafd)e 2lf)nung, bie grauen in bebrängiem 
©emüt 3 uftanb fo leid)t befaßt, fam ihr: ©ine Unglüds* 
botfrfjaft! 

„34 laffe bitten", fagte fie unb ging ihm fd)on ent* 
gegen. 

Da er wähnte, jeberjeit in biefem f>aus ber miß* 
tommene 25efud)er 3 U fein, mar er bem melbenben 3Jiäb» 
d>en auf bem guße gefolgt. So traf 3utta mit ihm fdjon 
in ihrem 2 Bohn 3 immer sufammen, in bem tiefen Sdjat* 
ten, ber es burd)bämmerte, weil braunen auf bem Sal* 
ton bie grüne ^erfienne faft gan 3 l)erabgelaffen mar. 

„2Bas ift gefd)e^en?l" rief fie 3 itternb. 

„ßttein ©ott", fagte er betroffen, ©insig fein ©r* 
fcfjeinen 3 U gan 3 ungewohnter Dagesseit genügte, um 
fie 3 U entfeßen?! 3 a, fie mar aus ben gugen! 0 eit 
langem, langem. 

„Siebe gnäbige grau! ©tmas fehr Schönes ift ge« 
fetten. 34 h a & e mi4 mit Senate ©eroafius oerlobt, 
unb Sie foßen bie ©rfte fein, bie es erfährt." 

murmelte fie, mie erlofrfjen — bie glamme 
ihrer ©rregung fanf in fict) 3 ufammen — aber fie füllte 
ihre Sfnie beben unb feßte fi4- 

^ic^ts, bad)te fie, nichts ift gefcf>ct>en. 3n meinem 
geben nidtfs- 

Der oor ©tü(f ftrahlenbe SDtann ftanb oor ib>r. Sie 
reifte ihm bie #anb empor, ©r f)ielt fie feft um* 
frfjloffen. 

„3a," fpracf) fie, „bas ift fd)ön. Das freut mi4- 
So ein liebes, munberooßes Äinb...." 

„3a," fagte er, mannhaft eine 2öeid)^it nieber* 
3 mingenb, bie Führung werben moßte, „i4 füf>le aud) — 

fo was mie ein ßBunber ift bies-nun t>at man 

eine 3ufunft, nun weiß man, warum man lebt unb 
ftrebt." 

„Unb *Ren6e — bie junge Diente — fie — fie fürdjtet 
fl4 gar ni4t?" fragte 3utta leife. 

„Sßooor fürchten?" fragte er erftaunt 3 urüd. 

„Sor bem ßos ber Seemannsfrau." 

Sie fagte es flüfternb, als fürdjte fie fid) oor ihren 
eigenen ßöorten. 

„Dh, bas...", unb ftol 3 unb freubig, na4 einem 
gan 3 fur 3 en Stufen über ihre grage, fuhr er fort: „Sie 
liebt mid)- Sie f)at ein gefunbes, tapferes #er 3 . 2Benn 
es einmal aud) für mid) als oerheirateten ßJtann Reifet, 
I)inaus3U3iel)en unb in ber gerne meine $flid)t er* 
füßen, ba wirb fie fid) eben als Seeoffoiersfrau, als 
beutfd)e grau fagen: es ift fein Seruf! Unb fie wirb 
ftols unb ftart meiner Stüdtctjr warten. SBte—" 

5£ie Sie ber 3hres ©atten, hatte er f4ließen woßen. 

Slber es war, als lege fid) ihm eine #anb auf ben 
9Jtunb. Unb ber unooßenbete Saß fprad) benno4 
weiter — wie oon felbft — mit unhörbaren Stimmen — 
fie brangen auf 3utta ein. Sie füllte fid) wie oon Sor* 
würfen überhäuft — Ijerabgefefet — mi|l)anbelt. 


„Die Staturen finb oerfdjiefcen", fprad) fie troßig. 

2 lber er ba 4 te ni 4 t baran, ihr weh tun 3 u woßen." 
Seit SJtonaten waren feine ©ebanfen ooß brüberlufjer 
Sorge unb ßJtitleib. 

So foftete es ihn feine Überwinbung, über ihre 
Söorte unb ihren Don f)in 3 uge^en, als I)abe er nichts 
in fid) aufgenommen baoon. 

©r feßte fid) 3 U it)r. 

„©eftern abenb nod), gleid) na 4 ber Quabriße, haben 
wir uns ausgefprodjcn. 34 f 4 on gan 3 früf) heute 
bei ihren ©Itern gemefen," ersählte er fröhlich, „eigent* 
li 4 mar es eine Verlobung beim ßftorgenfaffee, in ber 
Seranba bei @ef)eimrats. 34 nerfehre ja fd)on lange 
oertraut im #aufe, unb Senfes ©ßern haben wohl wa 4 s 
fen fet)en, was werben woßte, unb nun haben fie mir 
ihr liebes $inb gern gegeben. 34 fann natürli 4 freute 
na 4 mittag ni 4 t 3 U 3 l)nen fommen. 2 lber i 4 bringe 
bie Sitte meiner S4miegereltern: Stemmen Sie I)eute 
abenb an ber gan 3 fleinen, improotfierten Serlobungs* 
feier teil, bie ©eroafius* oeranftalten. Sie finb bie 
grau meines liebften greunbes, meines nä 4 ften ftame* 
raben. 2lls SJtaße ging, I)at er Sie oor aßem meiner 
Dbl)ut oertraut. Unb meine ÜBraut, fpäter meine grau 
wirb 3 b*e greunbin werben. 34 ^ffe es oon fersen. 
Unb feljen Sie, liebe, liebe grau 3utta — mir ift fo, als 
ob meine Verlobung Sie au4 ein biB4^n aus 3^r 
©infamfeit befreite, an ber Sie fo f4wer tragen — als 
führte i4 3l)nen eine S4mefter 3 U, bie 3f)nen in grob* 
li 4 feit man4e Stunbe erhellen wirb. Unb Stenge, bas 
fann i4 fagen, f4wärmt bereits für Sie — ift ooß 5£e* 
reitf4aft, Sie 3 U lieben." 

„34 &anfe 3 l)nen — i 4 banfe 3 bnen", flüfterte fie 
unb brücfte wieber feine ijanb. Dränen brängten ff4 
in 4re Slugen. 2lber fie beswang fi4- Unb es f4ien, 
als wanble fi 4 il)^ bie Stüljrung bo 4 in f 4 mere ©e* 
banfen. Sie 30 g bie trauen sufammen wie in S 4 mer 3 . 

„Sie werben fommen ljente abenb?" bat er brau* 
genb. 

„©ewig. 3 a. ©ern." 

„ßie|be gnäbige grau," begann er wieber, „mein 
#er 3 läuft über. Slßes fommt heraus unb breitet fkt) nor 
3 hnen f)in — aß bas gro^e ©lücf. 2 lber au 4 ein bi64 en 
Kümmernis. 3a, heute muß au4 bas heraus. Offen: 
mir war*s mamhntal in ber leßten 3 eit f als fäme fo was 
wie geinbf 4 aft gegen mi 4 angeftürmt aus 3 ßren 
SSUden unb 3hrem Don. Steßen wir*s flar. Syab i4 
was oerfehen? Sin i 4 ni 4 t aufmerffam genug ge* 
wefen? Ser 3 eihen Sie's bem rauhen Seemann, ber auf 
greiersfüßen ging. ÜJtan ängftigt fi4 uor feinem Un* 
gef4id, traut fi4 feine 3artheiten 3 U. ... 2lber nun be* 
fomme i4 bie holbefte Sertreterin. Die wirb, wo i4's 
etwa ni 4 t träfe, meine her 3 li 4 c ©rgebenheit immer in 
3 arte Dat umfeßen." 

„9ti4t aufmerffam genug gemefen?" wieberholte 
3utta langfam, „oh, niemanb fonnte mehr für eine Ser* 
laffene tun als Sie. für mi4- Sie fönnen oor ÜJtalte 
beftehen... 

Unb fie ba4te: i4 fann es ihm ni4t ins ©eß4t 
fagen, baß i 4 mi 4 bewa 4 t unb beoormunbet fühle... 
bis 3 ur Qual.... 


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Kummer 18. 


Seite 745. 


„Kor Walte befielen?... 3<b rnill auch oor 3bnen 
befteben!" er Härte er tyrftlid). 

„Wancbmal," begann fie oorficbtig wie eine, bie in 
meitem Kogen um bie Singe f>erumgef)t, fie nur non 
ferne, mit sufammengefniffenen ßibern, anblinjelnb, 
„manchmal batte ich bas ©efübl, Sie pbäpten mich als 
eine ein, bie ber Kemacpung f e b r bebürfe." 

Sie fpracp bas „febr" gebebnt unb betont. 

(Er fprang auf. ©ans betroffen lief er einigemal 
im Stimm* bin unb b*r. ©te oerfolgte ibn mit ihren 
Klicfen, roartenb, gefpannt. 

3a, baebte er, ja — unb boeb auch toieber nicht 
fo, mie fie es ju fiiblen febien.... 

(Er mar sornig auf ficb- 

So bin icb boeb mobl täppifcb gemefen, fühlte er. 
Wie follte er ba berausfommen unb ficb ib* erführen? 

Wan fann einer armen grau, oon ber man glaubt, 
baß fie oor Sebnfucht auf bem $unft ift, gemütsleibenb 
3 u merben, nicht 3 u oiel Wahrheiten ins ©efiebt fagen. 
Kicpt, baß für ein fo fepönes, fo leibenfcbaftlicbes ©efeböpf 
in folcber Stimmung jeber bumme, leichtfertige Äerl aum 
Kerfucper merben fann. Kicpt, bap man mit ben treuen 
Kofenfelbs oft fummerooll sufammengefeffen bat unb 
beriet: Wie 3 erftreuen mir fie. Seicht, baß fie förmlich 
infolge eines liebeoollen Komplotts in bie geftlicpfeiten 
ber Vieler Woche gesogen mürbe. Kicpt, baß man manche 
Stunbe, bie man brennenb gern ber einen, ßiebften, 
fie ummerbenb, gemibmet hätte* pte* oerplauberte, um 
ber ©infamen ben fernen ©atten im ©efpräcb ein menig 
lebenbiger nab 3 U bringen. Kicpt, bap man feinen gäns* 
liehen Unoerftanb 3 U oerbeblen getrachtet unb alle Sage 
mit ben facboerftänbigften unb erfreuteften Wienen bas 
Wachstum Kabgs bemunbert batte.... Kein, nichts 
fonnte man oon aHebem fagen. 

Unb am atlermenigften, bap feit einiger &\t eine 
grope Kngft in feinem Ejeraen empormuchs.... Seit 
biefer ßegationsrat oon ©amberg fo oft in $iel er* 
ppien... biefer Wann, ber gan 3 gemip fein bummer 
unb leichtfertiger Ster! unb eine Kerfucpung mar... ber 
mehr merben fonnte, oiel mehr, oielleicht ein Sparer. 

©ans tief batte er biefe Kngft oerfteeft gehabt — 
nicht mal oor Kofenfelbs auch war mit einem $ucfen 
bes ßibes, mit einem anbeutenben Wort fie aus feinen 
©ebanfen perausgelaffen. 

(Eftra batte er Sorge getragen, n I d> t maebfamer 3 u 
fcheinen- 

Unb fie — fie batte hoch fo etrnas empfunben, als 
umlaure fie Wiptrauen.... 

!Da 5 erriet er flar. Das erzählte ihm ihr Don. 

Wie febabe, mie peinooll.... 

Unb er fannte pe genug, um 3 U miffen: Das bat fie 
gerei 3 t.... 

Katürlicp, bachte er, bie Scpulb ift mein. So gans 
leife unb fein benft man’s unb fühlt man’s. Unb bringt 
es hoch mobl recht plump an ben Dag. 

Unb in biefer Stunbe, mo er ficb erhoben fühlte, 
wo bie Welt ihm geabelt febien, meil er felbft ben ©lan 3 
einer febr reinen unb febr ftarfen ßiebe auf feinem 
ßeben fühlte, in biefer feiner gropen Stimmung erfebien 
ihm auch all feine Kngft mie ein Kerfeprtes. 


3pm mar, als fei fein Wiptrauen gemefen mie eine 
Subringlicpe $anb, bie gan 3 serbrecplicbe Sachen allsu 
feft anpaeft unb fie nur bamit oerbirbt. 

3a, beinah ppulbig fam er ficb oor. 

Wie ba mieber perausfommen? 

Witten in feine bekümmerten (Ermägungen biaein 
fiel ihm ein pumoriftipber ©ebanfe. Das gefchab ihm 
oft. Da plapte irgenb fo ein brolliger Kergletcp un* 
oerfebens mie eine Kafete in ben tiefften ©rnft biaein, 
unb ber serfprang baran. 

©r ftanb oor 3utta ftill. 

„Wenn ich oiicb mie ein $ßubel betragen habe unb 
tn bemerfbaren Sprüngen Sie umfreift mit lautem 
Waumau, bann oerseiben Sie's mir. Was? 3a? 
Denn Sie miffen es oon felbft: bie Weinung mar gut. 
3cb mollte nicht bemachen. Dröften mollte ich anb helfen. 
3aroopl." 

3utta fab iba an, frei unb füpn. Seine Krt batte 
ihr alle Unbefangenheit surüefgegeben. Unb fie gemann 
nun ben Wut, miffen su mollen— War er mirflicb 
nur fo ein barmlofer, treupersiger Wächter gemefen? 
Sab er mirflicb nicht, bap ba eine ©efapr beranfcplicb? 

3<h felbft, ich allein fann mit ihr fertig merben, 
bachte fie poepfabrenb, ich brauche feinen Kuffeper. 

3n ihr lag eine Welt oon ßraft, oon ßeibenpbaft, 
oon ©ebanfen gäns brach. Sie* grope Sebnfucht, bie 
tn ihr mar, bie Sebnfucht nach bem ßeben lecpste nach 
©reigniffen- 

Kicpt anbere, nicht bie beften greunbe follten für fie 
machen unb banbeln.... 

©r hielt ihrem Klicf ftanb. ©ut unb offen fab er fie 
an, unb enblich ging eine grope $)eiterfeit in feinem 
©efiebt auf. 

©r hielt ihr bie #anb bin- Unb 3utta, 3 u ihrer 
eigenen überrapbung, in plöplicper Kufroallung oon 
feinem pumoroollen Wefen besmungen, pplug ein. 

„Ka, feben Sie mobil" fagte er. „Unb benn über* 
baupt .. mo ja nun halb all bas Sehnen unb ©rämen 
ein ©nbe bat!" 

„Wiefo?" 

Sie ftanb auf. ©ans rapp — fab ihn an, gefpannt, 
erftaunt.... 

„Ka, ich benfe.... Sinb Sie nicht gans toll oor 
greube?" 

„Worüber?" 

„Über Waltes 3bee." 

„Welche 3bee?" 

„i)aben Sie benn feinen Krief?" 

„Koch nicht." 

„Kun, ber mup alfo jeben Kugenblicf fommen. Walte 
bat uns hoch gleichseitig gepbrieben — 

„Was bat er gepbrieben? Kon melier 3bee? 
Schon geftern abenb fprachen Sie oon einem Krief als 
oon einer Wichtigfeit." 

„3«h befam ihn geftern oormittag. Kber bies ift 
mir nun beinah fatal, bap ich burep einen ^opsufall 
früher oon ber Sache meip unb fpreepe, als bis Sie’s 
felbft aus Waltes Krief erfuhren." • 

©s mar ipm mirflicb leib, ©s fepien ihm, als nähme 
er bem fernen ©atten mas meg unb befteple auch bie 


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UMIVERSITY OF IOWA 



Seite 746. 


Stummer 18. 


3 rau um eine greube, wenn fie bie große ttberrafeßung 
oon ißm erfuhr, anftatt baß fie ißr aus ben 9Srief* 
blättern entgegenfprang mie lauter 3 ubel_• 

„93on melier Sacße?" fragte fie, oor Ungebulb oer* 
geßenb. 

„3a — bann muß icß's moßl fagen. 2ltfo SJtalte tritt, 
baß Sie nach Dftaften fommen." 

„3cß!" Pßrie fie auf. Unb bann, ftammelnb, Ieifer, 
mieberßolte fie noeß einmal unb noeß einmal: „ 3 eß — 
icß—" Unb mürbe bann febr ftill. 

hocßßagen fab bie grau an. 9Bie bleitb mar fie 
gemorben. 9Bie feßmer atmete pe. 2Bas mar bas? 
Seine moblmollenbe, treußersige 93efcßüfeerftimmung 
oermanbelte fld> mit einem Scßlag in gefammelte 2luf* 
merffamteit. 

Stein, biefe grau feßrie fo nicht auf, meit bie greube 
fie übermältigte.... 

„9Bas ift baran fo aufjerorbentlicß?" fragte er, „mie 
manche SStarinefrau ift febon 3 um 93efueß ihres Satten 
ins Slustanb gereift." 

3utta ging bis an bie Salfontür oor. Sie lehnte 
ficb mit ber linfen Schulter gegen ben Sßfoften. Un* 
oermanbt fab pe ßegen bie grünen Stäbe ber herab* 
geiaffenen Sßerfienne. 

hinter ihr martete ber ÜDtann ein paar Sttugenbticfe. 
Sr baeßte: fie muß ficb erft faßen. Slber als pe fort* 
fuhr 3 U febmeigen, fagte er ganft rußig: „93or aeßt 
9Boeßen ift grau Sapt’enteutnant Stoßrbranb naeß 
Srjbneg gefahren, um ein Stenbejoous mit ißrern SRann 
3 u hoben." 

Oßoe ficb 30 rüßren, fpraeß 3 utta: „Stoßrbranbs — 
bie ßaben Selb — bie fönnen bas — reiche (Eltern haben 
fie — ja—" 

„aJtalte feßreibt, baß 3ßr es gut maeßen fönnt. Unb 
bas mein icß aueß. 9Bie SJtalte feßon ift: er gibt braußen 
ja nießts aus jefet — fpart — ßat bie 93 orb 3 ulage. 3ßr 
fönnt es gut maeßen." 

Sie fannten boeß untereinanber ißre ginanaoer* 
ßältniffe fo genau, hocßßagen ßatte feßon gemiffenßaft 
unb oergnügt feinerfeits naeßgereeßnet: jamoßl, galcfen* 
rotts fönnen es fieß leiften. 

„Unb bas &inb?" fragte 3utta. 

hocßßagen antmortete nießt fofort. Sr mar etmas 
perplej. 2 ln bas Äinb ßatte SÜlalte offenbar nießt 
gebaeßt. Söenigftens ßatte er es in bem 93rief an ben 
greunb nießt ermäßnt. 

2lber nun pel ißm ein: Spaltes SJtutter mar ja ba. 
Unb fooiel er mußte, ftanb 3utta fieß mit 2Jtaltes 
Sttutter feßr beließ. 

„Oas Äinb?" fpraeß er ermägenb, „bas feßeint mir 
gan 3 einfaeß. Oas nimmt bermeil SJtaltes SRutter." 

Oie junge grau fußr ßerum. 93lap ftanb fie, süternb. 

„ 3 cß taffe mein Äinb nießt oon mir. deinen Slugen* 
blicf. Ss ift mein ßtnb! SJteines. SJteins gan 3 allein", 
fagte fie. 

„Stun — es geßört boeß aueß SDtalte", marf er be* 
rußigenb ein. 

„Stein. SJtir geßört es — mir," rief pe, „mir... 
mo mar er, als icß fühlte, mie es mürbe unb mueßs? 
Söo mar er, als ich oor Slot unb Seßmer 3 3 U fterben 


füreßtete? 2öo mar er, als es feinen erften Seßref 
tat?" 

Sie marf fieß in ben näcßften Stußl, oerfteefte ißr 
©efießt an ber Seßne unb meinte — meinte — baß 
ber SJtann gan 3 oerlegen mürbe, geuge folcßer tränen 
fein 3 U müffen. 

Ss erfeßütterte ißn. Sr füßlte, ba mar eine 93er* 
morrenßeit, eine Srregung, eine ßeibenfcßaft aller 
Smpfinbungen, bie noeß meit über bas ßinausgingen, 
mas er gefürchtet ßatte. 

Sr fpürte aueß, jebe 3urebe, j c & e5 2ß 0 rt mar feßon 
ein Sßagnis. 

2 lber aus einem gan 3 einfachen, gefunben SJtannes* 
gefüßl heraus fagte er boeß, faft ftreng unb P 0 I 3 : „Sr 
mar ba, mo fein Äatfer unb fein 93aterlanb ißn 
brauchten." 

Sine $aufe entftanb. 

Sans jäß ßatte 3utta aufgeßört 3 U meinen. Still, 
mit oerfteeftem ®epcßt oerßarrte pe. 

Sr baeßte nießt barüber naeß, mas bies plößließe 93er* 
ftummen bebeuten fönne. Sr füßlte nur: fie muß nun 
irgenbmie mit fieß ins reine fommen, unb bas mirb pe 
ja moßl aueß. 

2iti bie leßten ÜDtonate ßatte er gebaeßt: Oie grau 
muß mieber mit ißrem SÄann sufammenfommen, bie 
oerträgt bas Sttleinfein nießt. Unb bas gab er benn aueß 
briefließ bem fernen greunb fo beutiieß 3 U oerfteßen, 
als es möglich mar, oßne biefen 3 U beunruhigen. 

ÜJtun faß er: es mar noeß oiet bringließer gemefen, 
als er geaßnt ßatte. 

2 Äit ©ebulb ertrug er nun biefe Sßaufe, folange es 
ißm feßliefließ feßien, bann fagte er ooll greunblicßfeit: 
„So, meine liebe gnäbige grau — oorbereitet finb 
Sie — bas ©enauere, unb mie ÜDtalte ßcß alles benft — 
bas lefen Sie ja moßl beffer in feinem 93rief. 3<ß bitt 
bloß: ftuße, Stoße, Stoße! Unb oieüeicßt — fönnt man 
ja aueß fagen: ber SJtann geßt bem Äinb oor. 2iber 
ba bin icß noeß nießt fompetent... . A 

3 utta erßob ißren Äopf, mit einer feßmeren ©ebärbe, 
als möge er 93leilaften. Sie manbte langfam ißr ©efießt 
unb faß hocßßagen an. 3ßre Sippen maren 3 U einem 
ßäcßetn oerserrt. 

„Oas ßaben Sie gemaeßt_" 

hocßßagen mürbe rot. Sr säuberte — nur einen 
tnappen 2lugenblicf. 

„ 3 a," fagte er bann einfach, »mcil icß SRalte unb 
Sie liebßabe...." 

3ßr ftrömten bie klugen über. Unficßer erßob fie fieß. 

Sie ßielt mit ißren beiben hänben feine Slecßte feft. 

Sr füßlte: bas mar alles. Oanfl 93erftänbnis feiner 
Greuel 93itte um 93erseißung! 93itte um halt! 

@an 3 aufgelöft mar bie arme grau — in SBeicßßeit 
unb ©ram unb serrüttet oon taufenb ÜKöten, beren 3 n» 
einanbermirfen er bumpf 3 U aßnen begann. 

©ott ßelfe ißr! baeßte er. 

Unb füßlte: nun feine SBorte meßr! Oiefes feßmere 
Seßmeigen ift heiliger Sfampf.... 

Unb fo ging er mit einem feften hänbebruef __ m \ t 
ißn fonft nur ein ÜDlann bem anbem gibt, menn er ißm 
eben fagen mitl: fei ein SDtonn. 


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Original ftom 

UMIVERSITY OF IOWA 



Stummer 18. 


Seile 747. 


9lur wenige 2Rinuten oerfloffen 3utta in einem feit* 
famen, faft ^ebanfenlofen 5)inbrüten. Es mar beinah, 
als ob bas, roas nun ßeranfam, au d>aotlf<^ mar, als baß 
fie es reeßt ins Auge faffen unb überbenfen fönne. 

©a ftürflte SJRartßa mieber herein, mit bem faft lär* 
menben UBefen einer, bie benft, baß fie etmas ßeiß* 
ermartetes bringt. 

©er SSrief — ber Arief aus Oftafien mar ba. 

©aß er gana beftimmt mit biefer ameiten borgen* 
poft au ermarten gemefen mar, hatte Sutta oergeffen. 
3ßr erfeßien nun fein Eintreffen mie ein 3 u f°H, &** 
Aberglauben ermeefen tonnte... als tarne mie auf ein 
Stußmort, mie ßerbeigerufen ein ©efpenft... bas (Be* 
fpenft bes in rneüer gerne meilenben ÜRannes. 

3ßre ßiber aueften neroös. 

Sie wollte fagen unb flogen: Sie finb feßr laut, 
SRartßa. Aber fie brachte fein 5Bort über bie Sippen. 


Sie faß bas ftilloergnügte ©efießt bes URäbcßens — 
gana uertraulid) lächelte bas bie Herrin an — ein 2Beib 
bas anbere — bas oerfteßt, mie einem aumute ift, menn 
ein Arief oom fernen ßiebften fommt.... 

Unb oon biefem Säckeln manbte fid) bie Herrin 
ftumm ab_ 

Sie batte ein ©efüßl, als bürfe niemanb feßen unb 
miffen, baß fie biefen Arief läfe. 

3n bas 3hmmr ihres SRannes ging fie unb feßloß bie 
©ür hinter fieß. 

An bem aufgeräumten, nie mehr benußten Schreib* 
tifch faß fie unb ftarrte ben Arief an — ben fie amifeßen 
ben gingern ^lelt unb menbete. 

3h* beuchte, fie hielt ihr Scßicffal in ber ßanb. 

Als hinge bie ganae 3nfunft an ben meißen Alättern, 
bie biefer fleine Umfcßlag einfeßloß. 

(ftortfeßung folgt.) 


r 


Ich Itand in tiefem Traume 
Huf mondbegianzter Flur, 
flls aus dem ßlmmelsraume 
€in Stern hemiederfuhr. 

_ 


Derfaumt. 

Ich fchrah empor und dachte: 

Tlun mQnfch dir, ßerz, dein Glück! 
Doch eh mein 6erz erwachte, 
6ntfd>mand er meinem Blick. 




nun quait’s mich im Gemüte, 

Daß ich fo tief geträumt. 

Bis hätt Ich Gottes GQte 
Für alle Zeit oerfäumt! — 

Georg Buffe®Palma. 

_ _ J 


Um bem Reitt) ber ftrablenben Rtaterie 

Aon ßans ©ominit. 


©er geiftreieße feßottifeße Aabiumforfcßer ^Profeffor 
Sobbg fagte einmal in einer feiner Aorlefungen über 
bas Aabium: ASenn man bem Aabiumforfcßer bie 
feinfte eßemifeße A*age aur Verfügung ftellte, fo mürbe 
fie fßm gerabe fo oiel ober fo wenig nüßen fönnen 
mie etwa bem Eßemifer eine jener gewaltigen tecß* 
nifeßen ASagen, auf benen man ganae Sofomotioen 
abmiegen fann. gürmaßr ein füßnes A$ort, wenn 
wir uns erinnern, baß es eßemifeße ASagen gibt, bie 
auf bas 9Rilligramm, b. ß. auf ben taufenbften ©eit 
eines ©rammes, beutlicß anfpreeßen. 

Unb boeß ßat Sobbi) oollauf reeßt. ©ie Aabium s 
forfeßung arbeitet mit SRengen, bie fo minaig gering 
unb oerfeßminbenb finb, baß fie bie allerfeinfte eßemifeße 
Atage ebenfomenig beeinfluffen würben wie etwa eine 
Arife Sal 3 ober eine SRefferfpiße Patron eine jener 
großen Sofomotioroagen. 

Aetracßten mir bas SRuttergeftein bes Aabiums, 
bie 3oacßimstaler Uranpecßblenbe, unb neßmen wir eine 
SRenge baoon, bie taufenb Kilogramm reines Uran 
enthält. Es wirb bas eine Eramenge im (Bemicßt oon 
etwa 60 3^ntnem fein, alfo eine gana gehörige 3Raffe, 
bie jebenfalls eine reeßt ftramme Söagenlabung be» 
beutet. 

3n biefer Eramenge finb aiemlicß genau 333 2Rilli* 
gramm einfaeßes Aabium oorßanben, alfo eine 2Renge, 
bie etwa ein Aiertet eines gingerßuts füllen würbe. 
Aucß bas ift immerhin noeß eine Portion, bie 
man feßen, füßlen unb wiegen fann. ©aß biefe 


Sßrife Aabium etwa 50 000 3Rarf foften mürbe, 
mäßrenb man anberfeits für 50000 2Rart 20 Äilo* 
gramm lauteren (Bolbes faufen fönnte, fei nur nebenbei 
erwähnt. 

Aber nun ßat man in ben leßten 3aßren bie 
weitere ßebens* unb- 3**faltegefcßicßte bes Aabiums 
feßr genau erforfeßt, unb man weiß aum Aeifpiet, baß 
unter ben 3^rfaüprobuften unter anberm bas Aa* 
bium A auftritt. Aon biefem aber ift in ben 60 
3*ntnern Uranera nur ber millionfte ©eil eines SRilli* 
gramms enthalten, ©iefe 9Renge ift fo gering, baß 
fie außerhalb unferes AorfteHungsfreifes liegt. A$enn 
wir fie mit einer URilliarbe multipliaieren, befommen 
wir erft ein ©ramm. A$ir müßten alfo 60 3Rilliarben 
3entner bes Uraneraes oerarbeiten, um ein ©ramm oom 
Aabium A au erhalten. 

©er bereits ermähnte Ißrofeffor Sobbg hatte für 
feine Aerfucße 60 ÜRilligramm Aabium gewöhnlicher 
Art aur Aerfügung, unb er fonnte baßer im günftigften 
gaü nur ein fecßsmillionftel SRilligramm oom Aa* 
bium A oorrätig haben, ©roßbem war er imftanbe, 
bie Atenge biefes Stoffes au beftimmen unb feine 
ASirfungen, insbefonbere bas fieueßten beftimmter 2Ri* 
neralien, au bemonftrieren. 

©ies eine Aeifpiel aeigt moßl, baß bie Aabium* 
forfeßung eine neue unb umfangreiche Speaialmiffen* 
feßaft geworben ift, bie mit anbern 9Ritteln unb 3Re* 
tßoben arbeitet als bie oermanbten ©ifaiplinen ber 
Aßhftf unb Eßemie. 3um befferen Aerftänbnis biefer 


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Sette 748. 


Kummer 18. 


neuen Miffenfcßaft mag f)!er einer if>rer fjauptfäße 
bargelegt werben. gür ben ^ßfjgfifer unb ©ßemifer 
gilt im allgemeinen ber ©runbfaß, baß bie Mirfung 
proportional ber 3Jlaffe ift. $mei Kilogramm brücfen 
hoppelt fo ftar! roie ein Kilogramm, unb aroei Jßfunb 
Bgnamit aertrümmern hoppelt fo oiel roie ein $funb. 
gür bie Mirfung rabioattioer Subftanaen fommen 
bagegen nicht nur ißre Waffen, fonbern aut!) ißre 
ßebensbauer in SBetracßt. 

Bamit aber gelangen roir aum ßernpunft ber rabio* 
aftioen Miffenfcßaft. gür ben Sßßgfifer unb <Ef>emifer 
ift bie Materie in ihren fleinften Seilen unoeränber* 
lief) unb unfterblicß. Bas Atom ift ihnen roirflith bas 
grieeßifeße atomos, bas Unaerfcßneibbare unb Unoer* 
rounbbare. Ber fRabiumforfcßer betrachtet bies che* 
mifche 3nbioibuum bagegen als einen großen unb 
funftoollen SBau, ber im ©inftura begriffen ift, oon 
bem fortroährenb Srümmer abfliegen. Machen roir 
uns aber biefe Anfcßauung au eigen, fo roirb fofort 
manches oerftänblicß. 

Ber gewaltige 95au ber #eibelberger Schloßruine 
nerroittert unb bröcfelt feit ungefähr 200 3oßren, unb 
man fommt jeßt baau, ben au fonftatieren unb 

an Scßußmaßregeln au benfen. Nehmen roir bagegen 
ein Heines J)aus, nur etroa ein ^unbertftel in feiner 
©röße oom gewaltigen #eibelberger Schloß, unb laffen 
roir es in einigen Sefunben aufammenftüraen. ©in 
geroaltiges brachen unb Brößnen roirb weithin oer* 
nehmbar fein, unb ber fcßnelle ©inftura biefes flehten 
Kaufes roirb fef>r oiel mehr ßärm machen als ber 
langfame 3*rfall bes großen Scßloffes. 

©enau bas gleiche hüben roir aber bei ben rabio« 
aftioen Subftanaen. Bas fRabium aerfplittert oerhält* 
nismäßig langfam. Sette *Rabiummenge, bie roir aus 
einer Sonne Uran gewinnen, jene 333 Milligramm 
würben immerhin 2500 3<*h*e erftrahlen unb ftch erft 
bann enbgültig oerflüchtigt hohen. 3ettes *Rabium A 
hingegen, oon bem roir eingangs fprathen, hat nur 
eine ßebensbauer oon 4,3 Minuten. 3tt 4,3 Minuten 
ift bas millionftel Milligramm, bas fich in einer Sonne 
Uran finbet, oerpufft unb aerfplittert. Ba haben roir 
neben bem langfamen Sßerfall, ber 2500 3ah*e roährt, 
neben einer ßebensbauer, bie bie unferer tanglebigften 
Säume erreicht, wenn nicht gar übertrifft, beim Sa* 
bium A einen rapiben ©inftura. 

Bann aber roirb es auch begreiflich, baß bie roin* 
3 ige Menge oom Sabium A in biefer furaen Jßeriobe 
(ehr oiel mehr Mirfungen ausübt als bie langfam 
aerfallenbe rabioaftioe Subftana. Unb fo erhalten 
roir ben roichtigften ßeitfaß aller rabioaftioen gorfeßung: 
bie Mirfung rabioattioer Subftana hängt nicht allein 
oon ber Maffe ab, fonbern ebenfofehr oon ber ßebens* 
bauer, unb aroar ift bie Mirfung umgefehrt proportional 
ber ßebensbauer. Bas Sabium A ftrahlt oiele hunbert* 
millionen Mal fo ftarf als bas einfache Sabium. 

Unb nun einiges über bie Stammesgefchichte bes 
Sabtums. Mir roiffen heute pofitio, baß bas Sabium 
aus bem Uran entftebt, unb aroar in ber Meife, baß 
Uranatome eleftrifd) gefabene $)eliumatome unb ferner 
ßicßtätherfompleje, für bie bie Miffenfcßaft bie Se* 
aeichnung 3onen geprägt hat, ausftoßen unb fich babei 
in Sabiumatome oerroanbeln. Natürlich taucht bie 
grage auf, warum jeßt jenes unb bann biefes Atom 
aum 3*rfall fommt, warum einige Sabiumatome heute 
aerfallen, roährenb anbere noch 2500 3af)re barauf 


warten müffen. Mir fennen bie geheimften Urfacßen 
hierfür noch nicht. ^rofeffor Sobbg fagt, baß ber 
Verfall ber Atome burch ben 3«fall beftimmt würbe, 
unb er fügt bie ©rflärung bei: wenn ber Mürgeengel 
unter allen lebenben Mefen in ber Mett einen be* 
ftimmten Srucßteil ausroäßlte, ber jebe Minute fterben 
muß, ohne fRüdficßt auf bas Alter, wenn er nichts 
berücffichtigte als bie 3ahl her Opfer unb ben emen 
hier unb ben anbern ba wählte, um bie erforberliche 
Anaaßl au befommen, bann würbe unfere mutmaßliche 
ßebensbauer bie ber rabioaftioen Atome fein. 

Aber wenn roir auch hie Urfacßen bes 3^falls 
nicht fennen, fo fennen roir bocß feine Mirfungen, 
fennen bie ßebensbauer ber rabioaftioen Subftanaen 
unb roiffen, baß bie ßebensbauer bes Urans 7,5 MiUiar* 
ben 3ahre beträgt. Bas ift eine 3*üfpanne, roie fie 
uns roeber bie #ppotßefen ber ©eologen noeß bie ber 
Aftronomen anaubieten pflegen. Bie befeßränfen fich 
boch im allgemeinen auf bie Millionen. Bie SRabium* 
forfchung hingegen gibt uns biefe gewaltige ßebens¬ 
bauer Hipp unb Har an unb bleibt ben beweis für 
ihre ^Behauptung nicht fchutbig. 

Meitere Schlüffe brängen fich fofort auf. Ba roir 
geneigt finb, bie 3eit unb bie Materie als unenbltch 
anaufeßen, unb ba heute noch gewaltige Uranmengen 
emittieren, fo muß man fragen, roie bas möglich ift, 
unb was benn oor 7,5 Milliarben 3oßren geroefen ift. 
©s gibt eigentlich nur eine einige Antwort barauf. 
Mir müffen annehmen, baß auch bas Uran ein 3*r a 
fallprobuft ift, bas ^Brobuft eines Äörpers, ben roir 
nicht fennen, ber aber jebenfalls ein größeres Atom¬ 
gewicht als bas Uran hohen muß, unb ber noch un- 
enblicß oiel langfamer aerfällt als biefes, ber oielleicht 
eine ßebensbauer oon SBilliarben ober Sriüiarben oon 
3aßren befißt. 

Ben fieberen Stammbaum fennen roir erft oom 
Uran an. 3ßm entfpringt bas fRabium mit 2500 3aßren. 
©s folgt bie gasförmige ©manation, bie nur 5,3 Sage 
lebt, unb aus biefer feßtagen fich ßintereinanber IRa* 
bium A bis fRabium F nieber. Bie ßebensbauer 
biefer Stoffe oariieren oon 4,3 Minuten beim *Rabium A 
bis au 17 3oßren beim fRabium D. Bas fRabium F 
mit einem ßeben oon 203 Sagen ift nichts anberes 
als bas oft genannte unb oft beftriftene Polonium, bas 
Mabame ©urie faft gleicßaeitig mit bem gewöhnlichen 
*Rabium entbeefte, obrooßl baoon in einer Sonne Uran 
nur ein oieraeßntel Milligramm oorfommt. 

Unb aum Schluß aerfällt auch bies Polonium. 
Mie alle feine Vorgänger flößt es 3onen unb eleftrifd) 
gelabenes Helium aus. Aber als feftes ißrobuft bleibt 
feine ftraßlenbe Materie meßr übrig, fonbern ein Stoff, 
ben roir im Schema IRabium Q nennen müßten, unb 
ber beinahe fießer nichts anberes als gewöhnliches 
93lei ift. Mir roiffen es nicht abfotut fießer, benn biefer 
Stoff ftraßlt hießt meßr. Mir fönnen ißn nur mit ben 
Mitteln gewöhnlicher ©ßernie, mit Speftroffop unb 
*Reaftion feftftellen, unb bei ben ^Bruchteilen oon Milli¬ 
grammen finb Srrtümer nicht ausgefeßloffen. 

Aber faft abfolut fießer ift ein Stammbaum rabio* 
aftioer Subftana aufgeftellt, bureß Milliarben oon 3aßren 
oom Uran aum 33lei füßrenb. Bocß feßon brängen 
neue gragen in f)ülle unb gülle ein: Sinb anbere 
.Subftanaen benn roirflicß unoeränberlicß? 3ft nießt 
oielleicßt ©olb ein 3^rföUprobuft bes Silbers unb ähn¬ 
licher ©ebanfen meßr. 




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Kummer 18. 


Seite 749. 



Die Jreube atn Sport im tjaufe Biffdsbacf). 

Von (Eberbarb greiherr oon 2Bed)mar. — ijierju 15 photographifdje Aufnahmen. 



2 öir t>aben uns baran 
geroöhnt, (Englanb als bie 
Heimat aller mobernen Sport= 
arten an 3 ufehen, unb es märe 
unnüfce Vtüfje, biefer 2lnfid)t 
entgegen 3 utreten; unbeftritten 
bleibt jebenfalls, bafe bie (Eng= 
länber in mancher ^inficht auf 
biefent Oebiet unfere ßehr= 
meifter mären, unb bafj mir 
oon unferen Lettern mof)l auch 
noch mancherlei lernen fönnen; 
unbebingt muß aber 3 ugegeben 
merben, ba& bie (Englänber 
3 ur Verfeinerung fportlid)er 
(Sebräuche beigetragen haben. 

Das Äompliment be 3 ieht 
fich gerechtermeife auch auf ben 
©interfport, trotjbem biefer im 
Vtutterlanbe ber (Bentlemen 
bes Klimas megen faum aus= 
geübt merben fann. 

3öer gelegentlich einmal 
einen 5Binter in unferen bag s 
rifchen Vergen 3 ugebracht hat/ 
ber meifc, mie bie ftämmigen 
Gebirgler mit ber Steuerung ihrer Schlitten mol)l Vefcheib miffen. 3hre 
Xedjnif oererbte fid) oom Vater auf ben Sohn, benn lange beoor ber 
etfte Vobfleigh auf fünftlid) oereifter Vahn 3 U Xal flirte, fauften oer= 
roegene ^ol^fälier mit sentnerfchmeren ßcrften hinter fich &ie [teilen 
3d)urren hinab, unb hätten fie bas hobeln nicht fpielenb als Vub’n 
oom 5lhnerl erlernt, ftünben ber Vtarterfn noch mehr an ben Rängen. 



Vi'U'Ki'i.«». xiiimar. 

prinj teopolb oon Bagern in Jägertracht. 



4*ofpDot. tfluir.i. 

prin 3 2t(fons oon Bagern 

alsSDlafter beseelt« unb Satjroereins 'Dtüncfje n. 



prin; 

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imjregent Cuitpolb 

Gck gl' 


oon Bagern als Jäger: Schlittenfahrt über ben äönigsfee. 


=ö. QDiltinai. 

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UNIVERSITY OF IOWA 









Seile 750. 


Ohimmer 18. 



iUlOl. o™'M Atutlll. 

f)crjog Slcgfriet» in Bagern 

als fjerrenre iter. 

2)ort in ben 
bergen ift bie fiei* 
mat bes 2Binter= 
fports, beffen ©e s 
fahren bas fernige 
5$olf lüiüeneftarf 
unb^ugleidiroettep 
hart erhielt. 

2Bie nun jebem 
6obn ber 33erge 
ber 6d)neib ange= 
boren ift, fo erbte 
aud) bie ßuft am 
5ßagen feit 3abr= 
bunberten in 5$ai) s 
erns angeftamrm 
tem gürftenbaus 
fort, ber ftarte ©in= 



f lji't. ilK. Iiftrirt). 


prinj Bbalbetl oon Bauern beim &ampagnereitetu 



Wf. « 

F * fiJr 

8^fi 


v 1 


t»ofpl>ot. Seit mager. 

Qerjog Cubrolg XDUbclm 

am SBolant feines 21 u tos. 

fdjlag fjabsbur* 
gifeben Blutes \)at 
hier nur nod) 
förbernb getnirft. 
(Ban 3 befonbers 
gilt letzteres roobl 
auf pferbefport* 
liebem ©ebiet, ob= 
gleid) feit ben 
älteften feiten bie 
5Bittelsbad)er gar 
manchen *Ritt ge= 
tan, toesbalb mobl 
aud) ben fürftlicf>en 
grauen biefes tap s 
feren ©efd)led)ts 
frober 3Bagemut 
oielfad) als ©rb= 



prin 3 Bbalberf oon Bauern als Bufomobilfabrer. 


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ytucffeijr tu> 

GoogL 


f n ber fHeitjagb 

e 



*bot. ot. $ictrU$b 

prin 3 Qeinritf) oon Bauern beim JJolo. 

Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 





































Kummer 18. 


Seite 751. 



$0ol. UM. jiii'irirt) 


$et 3 og Jran 3 3ofef in Bagern bei ber preisfonfurren 3 bet Bagrifdjen Ctampagne-Reitergefeüfdjaff in Blündjen. 



av. 5>icirlc$. 


prin 3 tegent Cuitpolb bei einem Busflug in bie Berge. 


Original ffom 

UNIVERS1TY OF IOWA 


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Seile 752. 


Kummer 18. 




gefjlid) bleibt bas Bilb jebem, ber ihn als 3äger nur 
einmal gefcfjaut. 5öeil ber ^Srin^regent bas Geben im 
Hochgebirge oon 3ugenb auf fennt, liebt er bie Berge, 
roeift er bod), mie l)^r 3 erfrifcf)enb ber Hauch bes Hod ) 5 
gebirges ift, menn meltfern, broben in ben Schroffen 
beim Slnblict ber ragenben liefen ringsum, ber Blirf 
fich meitet, Körper unb ©eift fich neu belebt. 2 lber 
nicht nur 3 um 3 agen lodt es ihn hinauf in bie froft 5 
ftarrenbe, 3 erflüftete gelfenmilbnis, fonbern als eifriger 
Heger fucht er alljährlich in ber $eit &er 5Bintersnot 
bie Geiben ber ihm anoertrauten Kreatur 3 U linbern. 
So 3 eigt benn auch 2Xbb. S. 749 ben roeibgered)ten, 


W>oi. W. Tietrirt). 

Prin3 Jran3 o. Bagern 

beim ^ireisreiten. 


teil mürbe, ein mert 5 
ooüer Befi( 3 , ber 
bann aufSöhne unb 
Xödjter überging. 

©ab es je eine fdjnei* 
bigere Leiterin als 
bie ermorbete Kai= 
ferin ©lifabeth oon 
Oefterreid),geborene 
Herzogin in Bagern, 
aus ehemals pfal 3 = 

3 roeibrücfen * birfen = 
felbifcher Ginie ftam= 
menb? 

9Ber fennt nid)t 
bie fnorrige Kern 5 

geftalt, Bagerns tat 5 
fräftigen SReidjsoer 5 
toefer? 3Ber hätte mohl noch nie etmas oon ber 3 agb= 
paffion bes roeit über feines Ganbes ©rensen hinaus 
oerehrten Brin 3 regenten Guitpolb gehört, ber fid). in 
beifpiellofer griffe noch jefet in feinem 90. Gebensjahr 
ben Strapa 3 en bes eblen 2Beibroerfs ausfefct! Unoer= 


^Ujol. fl. 

2luf bcm ÜBorberfifc: $rin 3 '2llfons unb ^irinaeffin *ßilar. JHütftifo: ^Jrinaeffin SUfons (linfs) unb ^rinaeffin üubroig (Jerbinnnb. 

OTifglieber ber bagrifchen äönigsfamilie auf einem Tiusflug nad) Birfenffein bei Sd)üerfee. 

älteften beutfchen 3äger. auf bem ©is bes Königsfees, 
mie er bas H^nieberfteigen bes barbenben SBilbes 
3 ur gutterftelle beobachtet. Kehrt ber Bn^regent nach 
fo „gutem Slnblid" bann für bie stacht in feine Schjufc= 
hütte 3 urüct, fo ift bie erfte grage am borgen, ob 

roohl bie Xiere bie 
2 lefung angenom 5 
men haben. 9tad) s 
bem bie Borträge 
angehört unb bie 
9tegierungsgefd)äf 5 
te erlebigt finb, 
lägt fich bev hohe 
3 agbherr mieber 
in faufenber gafjrt 
über bie in fchnee 5 
armen Sßintern 
bann fpiegelglatte, 
blifcenbe gläd>e 
bes fdjönften aller 
Bergfeen in bie 
9täf)e ber 2 öilb= 
fütterung bringen, 
frohbemegt, menn 
ber erfte gütte- 


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^Jrin 3 Sonrab. 3$rin3 Ceopolb. $rina ©eorg. ^rinaeffin Ceopolb. 

Öie^gamilie bes Prisen Ceopolb oon Bagern beim Caton-Xennis. 

bv Google 


Original fr 

UNIVER 

























Kummer 18. 


(Beite 753. 



prin3 Ceopolb oon Bauern auf feinem Sfanbe beim Xreiben auf Sd)toar3toi(d im Speffart $ofMot.».®uimac. 


1- 1 - 


1 VI k i 

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prin3 2Ufons oon Bagern (x) als IHafter. 


tJgoi. d». iirtritt. 


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Google 


Original fro 

UNIVERSITY 0 



















Seite 754. 


Kummer 18. 


rungsoerfucß geglücft. Sei aller Sorge um bas 2Bof)l s 
ergeben anberer ift ber Srin 3 regent felbft oon einer 2 ln* 
fprucßslofigfeit, bie ficß a^ugemößnen manch einem ber 
Herren [einer Umgebung 3 unäcßft nicht gan 3 leicht fällt. 

9tur bei allerfd)led)teftem s ißetter rnirb eine 3 agb 
abgefagt; ift bod) ber Körper biefes jugenbfrifcßen 
©reifes fo abgehärtet, baß ber $rin 3 regent nod) oor 
einigen fahren im greien bei einer 2 Baffertcmperatur 
babete, bei ber meit 3üngere ein Schauer ergriff. 2Xls 
oor 3 üglid)er Scßroimmer fchmingt fid) ber greife Sport* 
mann, gelegentlich einer berartigen „©rfrifcßung", mit 
einem muchtigen 5)ed)tfprung in bie glut unb fehrt 
bann, auf bein 5tücfen liegenb, an bie Oberfläche 3 urücf, 
morauf er nach einigen Schmimmübungen ohne 5>ilfe 
bas 2 Baffer oerlägt unb, fchnell angetleibet, einen fur 3 en 
Spa 3 iergang unternimmt. 

2Bie ber Sater, fo ift auch fein ©oßn ^Prin 3 ßeo* 
polb ein fährtenfunbiger 2 Beibmerfgähger, ber in feinem 
rauhen ßobenrocf unb ber „fur 3 en 2 ßid)s", ben *Rucf= 
fad auf bem Mieden, hoch oben im ©eroänb, feßon oon 
manch einem Gouriften für einen „3aga" gehalten mürbe 
unb bann freunblid) über 2Beg unb Steg 2lusfunft 
gab. ©aber ift Srin 3 ßeopolb feit bem 9teujaßrstag 
1905 bagrifeßer ©eneralfelbmarfcßall unb als ßeroor* 
ragenber Gruppenführer meit befannt. 3m Serbanb 
bes I. 2lrmeeforps hot er als ^auptmann 1870/71 an 
allen bebeutenben Kämpfen teilgenommen, fid) bei 
Seban bas (Eiferne Slreu 3 unb fur 3 barauf bas Witter* 
freu 3 (Erfter klaffe bes Sagrifcßen Stilitäroerbienft* 
orbens ermorben. #ielt er hoch am 1. fernher 1870 
mit feiner 4. Secßspfünberbatterie bei Sillepion in 
äußerft gefährlicher ^ofition aufs ßelbenmütigfte troß 
eigener Sermunbung aus. Großbem unternahm ber ^rin 3 
mit feinem Sohn, bem Srin 3 en ©eorg, im Vorjahr eine 
faft halbjährige 3nformationsreife in unfere beutfd)* 
afrifanifeßen Kolonien. 2 lud) hier hoben bie paffio* 
nierten 3 öger oielfad) Oianens ©unft erfahren, jo baß 
bie reiche 3ogbbeute, befonbers aus Sübmeft, manch 
intereffantes unb mertoolles Stücf aufroeift. 

$rin 3 2 llfons oon lagern gilt auf bem ©ebiet bes 


9teit* unb gahrfports als eine Autorität. Seine Sog* 
cart*Ganbemfal)rt über bie $)ocßalpen in 3 mölf Gagen, 
oon 9 torfd)ad) aus nach ßoearno, mar eine ßeroor* 
ragenbe fportliche ßeiftung, 3 umal beibe Sferbe ohne 
ßahmheit ober fonftige nachteilige golgen bie Gour 
überftanben, troßbem Saßßößen oon 2114 Steter 3 U 
bemältigen maren. 2lls Hafter bes Seit* unb gaßr* 
oereins in München leitet ber populäre ^J 3 rin 3 alle 
Seitjagben im E)erbft. 2lucß als ßenfer feines Sierer* 
3 uge 5 ift er anerfannter Steifter. 

©ilt biefe Sportfreubigfeit nun fd)on bei ber älteren 
©eneration bes Kaufes 2 £ittelsbacß gemiffermaßen als 
Grabition, mieoiel mehr erft bei ber jüngeren. 3m 
Seit* unb 2lutomobilfport ber Srin 3 en unb #er 3 Öge 
3 eigt fid) 3 ioar gelegentlich noch hie unb ba jugenblicher 
Uebereifer, aber 3 U ^ängeföpfen hoben fid) bie lagern 
noch nie recht ßinge 3 ogen gefühlt. Orauf unb burch! 

Sei ben feßmierigen Slonfurren 3 en ber bagrifchen 
(Eampagne*Seiterge[eüfd)aft fieht man baher ftets auch 
bie ?ßrin 3 en gran 3 , Heinrich unb 2lbalbert im Sattel; 
leßterer gilt aud) als oor 3 üglid)er Solofpieler, unb mie 
trefflich #er 3 og gran 3 3ofef in Sägern ben fchmeren 
Sprung (f. 2lbb. S. 751) nimmt, bas fährt fogar bem 
einen im ^intergrunb ftehenben Surfcßen fichtlich in 
bie ©lieber! Oer bagrifeße #er 3 og Siegfrieb mar oor 
einigen 3aßren noch oielfach im Sennfattel tätig, fein 
fchöner (Erfolg in Slarlsßorft im E)ubertus=3ogbrennen 
ift mohl noch bei manchem in (Erinnerung. 5 )er 3 og 
ßubmig 2öilßelm mürbe nicht allein als Sportsmann, 
fonbern auch als guter Äamerab mährenb feiner Sienft* 
3 eit beim 3. (Eßeoaulegerregiment in Oieufe außer* 
orbentlich beliebt unb befannt, bann „fattelte er um" 
unb ließ fid) als Stubent ber Gecßnifcßen 5>od)fd)ulc 
immatrifulieren. 2 öie tatfräftig aber auch bie ßuft* 
fcßiffaßrt burd) bie bagrifchen Srin 3 en unterftüßt mirb, 
bemeift bie Gatfache, baß ber Stüncßner Serein für 
ßuftfcßiffaßrt neun Stitglieber aus bem 5)aufe 2 öittels* 
baeß oer 3 eicßnet, unter benen Srin 3 ©eorg als Sallon* 
füßrer, bie Srin 3 ejfin Gßerefe als Sallonfaßrerin in 
ben ßiften aufgeführt merben. 


•<3<2<§>S>S>- 


Set Sdjlepper im Sienfi der See- und Bitmeufdiiffajici. 

Son 21. 2Bienßolbt, Oberleutnant 3 ur See a. 2). — #ier 3 U 10 photographifeße 2lufnaßmen. 

©in fleines, unanfeßnlicßes gaßr 3 eug, über bas bas boeß ift ber Scßlepper un 3 ertrennlicß mit bem Sehens* 
2luge bes Sefcßauers im E)afen gleichgültig ßinmegfießt, mege jebes Kämpfers, jebes Segelfcßiffs unb jebes ßaft* 
meil es mit ißm nießts Rechtes an 3 ufangen meiß. Unb faßns eng oerfnüpft; oßne ißn fönnen bie größten 



1 . Tlbfcßleppen eines auf (örunb geratenen 03eanriefen. 


iV. Siebtem. 


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Gch igle 


Original fro-m 

UNIVERSlPtf OF IOWA 




Kummer 18. 



9 Ä- £rfjau f- 

• «*WM«m Hamburger 3oü(anal. Oberes SBilö- 4 * 

■ *r Ma m) g. 


2 S^Icppoerfc^r im 

un & fd)neü= 
ften Ö3ean- 
n efen oft in 
Situationen 
fommen, in 
benen fie oer= 
raten unö oer» 
fauft finö. _ 
Sf^on beim er= 
ften rostigen ©reig 


( ■ . evoi- crtmui 

Hamburger (jäten. 

nis im Safein 
e 'nes <Brfjif= 
fes, bei öem 
Stapellauf 
(2Ibb. 10), if t 
öer ©cfjlepper 
3ur Stelle; er 
geleitet bas fo= 

eben aus berlaufe 

flefiobenefürforglid, 



Original ftom 

UNIVERSITY OF IOWA 


















(Seite 756. 


Kummer 18. 



an feinen 2 lusrüftungsplaß, wo iljtn 9ttafd)ine ober 
Xafelage eingebaut werben. — 23ei ber ©eftaltung ber 
#äfen unb glußmünbungerf bat bie 9tatur nidjt ge* 
abnt, baß ber üRenfdj einft einen „©eorge SBafbington" 
fonftruieren würbe, bem auf ljot)er See 5Binb unb 
Söetter nid)ts antjaben fönnen, ber aber im inneren 
Xeil felbft eines Hafens, wie Hamburg ober Bremen, 
ber #ilfe eines Sdjleppbampfers bebarf, um Drehungen 
unb SBenbungen fur^ aus 3 ufül)ren, bis er auf bem 


maffer legt. 3 ft nun fein $ug glücflid) in bie ge= 
wünfdjte 9lict)tung gebrebt, bann es: ßos bie 

Seinen! !Der Schlepper ift entlaffen, mit 93ollffimpf 
ftrebt er ber ^afenausfabrt 311 , wo ein ftol 3 es Segel= 
fdjiff feiner mit Schniefen wartet, um btneingefdjleppt 
3 U werben (2lbb. 7). 23ei günftigem Söinb ift biefes 
wobl auch imftanbe, ohne frembe 5>ilfe ei^ulaufen, 
oor 2 lnfer 3 U gehn ober am Slai fefoumacben, aber 
nur feiten genießt man im #afen bas Ijerrlidje Sd)au= 
fpiel, bas ein mit gefeßten Se= 
geht bal)infat)renbes 23ollfd)iff 
gewährt. (Ebenfalls beim 3nfee= 
geben fpannt fid} ber Schlepper 
oor ben Segler (2lbb. 5) .unb 
bringt il)n ficßer burd) bas ©e= 
wirr bes $)a fern unb glußgetrie= 
bes in freies SBaffer. 

9tid)t alle Schiffe, bie einen 
#afen anlaufen, muffen am Slai 
feftmadjen, wenn ein foldjer über* 
l)aupt oorljanben ift. Oft anfern 
fie auf ber 9teebe, wobei fid) ber 
®ug oon felbft gegen ben Strom 


7. (Ein Jtinfmaflet im Schlepptau. 


2 )ie ftraft befißt nun wohl ein IDoppelfdjraubenbampfer 
3 ur 5lusfül)rung biefer ÜRanöoer, aber jebe Minute, bie ihn 
fdjneller auf ben 2 öeg bringt, ift foftbar unb nicht nur für 
if}n felbft, fonbern aud) für bie 5)unberte oon anberen 
Sdjiffen unb 23ooten, beren 2Beiterfal)rt ftarf gehemmt 
wirb, wenn fid) ein fold)er Kämpfer in feiner gan 3 en 
ßänge oon über 200 ÜJteter längere Seit quer 3 um gahr* 


6«niil. 

6. Schlepper beim 
„Scf)rooien M . 

fefjrt. aJtit bem 
5Bed)fel oon (Ebbe 
unb glut oerän= 
bertnun bas Schiff 
feine Sage, es 
„fd)moit"inbieent= 
gegengefeßte Dti dy 
tung. Um bies 311 
befd)leunigen, ober 
um, befonbers in 
engen ©ewäffern, 
benIDrebfreis mög= 
lid)ft 3 U oerrin* 
gern, muß wieber 
ber Sdjlepper bei* 
fenb einfpringen 
( 2 lbbilbung 6 ). 

2lud) bem erfahrenden Seemann, ber bemal) mit 
gefd)loffenen 2 lugen fein Schiff bie founbfo oft fdjon ge* 
fatjrenen 2 Bege fteuert, fann es paffieren, baß er ein» 
mal bei 9tad)t unb Giebel nidjt mehr oor» noch rücf* 
wärts fann, er „fißt feft". 3 ft ihm bas 9ttalbeur in 
ber üftälje eines größeren Hafens 3 ugeftoßen, fann er oon 
©lücf fagen; benn fchon in fur 3 er 3 *it finb 5)ilfstruppen 


‘liüot. iUJ. -Irebloiu. 

5. (Ein Segler roirö in See gefdjleppf. 

ridjtigen Slurs liegt (2lbb. 4). 3e größer 
ein Schiff, befto größer bas 23ebarrungs= 
oermögen, um fo meljr Slufwenbung an 
Straft unb ift baljer erforberlicf), um 
oon einer ^Drehung . nad) rechts in eine 
foldje nacf) linfs, um oon einer Vorwärts* 
in eine 9tücfmärtsbemegung über 3 ugeljen. 


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UNIV 


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ERSITY OF IOWA 


































Kummer 18. 


Seite 757. 



8. (Ein Schleppet im Hamburger f)afen. woi.e*aui. 


3 ur Stelle (2lbb. 1 ). 2lbfchleppungsoerfud)e ge* 
l)ören mit 3 U ben fdjwierigften oller feemännifchen 
Üttanöoer, unb bie Schwierigfeiten wachfen mit ber 
©röße bes aufgelaufenen Sd)iffes. Sftan fagt wohl: 
oiele Äödje oerberben ben 23rei — aber in biefetn Qaü 
ftimmt bas nicht. Die Sdjleppbampferführer roiffen in 
ber weiten 2Belt oielleidjt nicht 23efd)eib, aber ihre 
^üftengewäffer, bie fennen fie aus bem ff unb rnerben 
bem Schiffsfapitän, ber bas Sttanöoer leitet, manchen 
guten *Ratfd)lag erteilen fönnen, mie bie Sache mit 
ber meiften 2lusfid)t auf (Erfolg an 3 ufaffen ift. 

Die enorme (Entwicflung ber Schiffahrt im Saufe 
ber 3 al)rbunberte fjat es mit fid) gebracht, baß bie 
natürlichen $)äfen nicht mehr ausreichten, um ben 23er* 
fehr 3 U bewältigen. 2 ln 3 ahlreid)en glußmünbungen 
mürben fünftlicße 5)äfen angelegt, in bie man erft nach 


^ßaffieren einer Sdjleufe, bie einen Ausgleich bes 
Söajferftanbes bewirft, gelangt (2lbb. 9). 

Da ift wieber bei Segelfdjiffen ber Schlepper unent= 
behrlich, Dampfer bebürfen feiner weniger, weil biefe fid) 
an Xroffen, bie um ihre mit 3ttafchinenfraft angetriebenen 
'ilnferfpiüen gelegt werben, oorholen fönnen. Unb wie 
bei ben E)afen% fo ift es auch bei ben Slanalfdjleufen. 

^Berechnet man bie Dienftleiftung ber Schlepper in 
ben oben angeführten fällen ßöchftens nach Stunben, 
fo werben fie oon ber 23innenfd)iffabrt auf Xage, ja 
2 ößochen hinaus in 2 lnfprud) genommen. Millionen an 
2 Bert repräfentieren bie Sohlen, 3 * c 9 ^Uteine, E)öl 3 er 
u. a. m., bie alljährlich in ftäßnen unb auf flößen bie 
(Elbe, Ober, 2Befer unb ben 9U)ein — um nur unfere 
größten glüffe 3 U nennen — ftromaufwärts gefchleppt 
werben, fteine Stunbe oergeht an einem Ort, wie 



9. (Einfchleppen in eine Schleufe. 


$bot. Z. Sngclmc^rr. 


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UNIVERSITY OF IOWA 
















Seite 758. 


Kummer 18. 


Hamburg, Bremen 
ober Stettin, an 
bem nicht ein grö* 
feerer Schlepp 3 ug 
eintrifft, ber feine 
ßabung entmeber 
am fianb löfdjt 
ober aucf) bireft an 
bie Seefcfeiffe ab* 
gibt,fobalbber 3 oü 
paffiert ift. Sas 
Bianöorieren mit 
ben plumpen Slät ) 5 
nen oerlangt im 
5)afen -eine unge* 
toöfenlidje ©efd)itf* 
lidjfeit, beshalb 
mirb ber Schlepper 
jeben einzeln an bie 
5)anb nehmen ( 2 lb* 



10. Schlepper beim Sfapellauf eines Skiffes. 


bilbung 8 ) unb 
il)n feinem Beftim* 
mungsort 3 ufüh= 
ren. — (Es finb 
nid)t bie uninter* 
effanteften Bien* 
fdjen, bie man auf 
einem Schlepp* 
bampfer antrifft; 
unb man barf 
überzeugt fein, bafe 
fie ihrem Beruf 
mit fiuft unb ßiebe 
ergeben finb unb 
fid) als echte See* 
leute betrachten, 
aud) menn fie über 
ben Btolenfopf noch 
nicht oiel hinaus* 
gefommen finb. 


Oie Sonne oon St. moritz. 

Roman non 

Paul Oskar ftöcker. 

15. gor t lefcung. 

Schon glitt ber Bobfdjlitten bie Neigung ber Strafee Biabuft- Sie fannte bie Ssenerie nun fchon_ 

hinab. 2lls ob fie [ich oor bem Bilb fdjüßen müßte, bas ihre ge= 

„3mei Minuten Siftan 3 !" fchrie ßenbi noch über bie ängftigte Bhnntafie ihr oorgaufelte, bem Bilb bes 

Schulter 3 urücf. Unb Äamerlanber gab ben Buf mei* Senfenmannes, ber hinter ihr faß, beffen 2lrme fie um* 

ter- Sa faufte bas ©cfäfjrt fchon um bie erfte Äuroe. faffen tooüten, riß fie bie Rechte aus ber Schlinge. Sie 

Bei ber 3 ioeiten tarn es ein menig 3 u hoch- fühlte ben eifigen ßuft 3 ug an ber naffen 3nnenfläche 

„ßinfs — linfs!" fchrie ber Btann am Steuer. ihrer #anb. 

©ertie h Q tte bie ©urten um bie 5)anbgelenfe ge* „Sichtung!" fchrie ßenbi oornan, benn ber Schlitten 
fchlungen unb neigte fid) gehorfam nad) linfs. 2 lber fie fdjleuberte plößlid). 

fühlte, baß bie 3 nnenfläd)e ihrer i)änbe oor SIngft naß ©ertie fühlte, toie bas #er 3 fich ihr 3 ufammen 3 og. 
gemorben mären. Sie fanb feinen 5)alt. Bor ©rauen. (Ein Satan mar es, ber ihr im Baden 

2Bährenb ber Schlitten in ber fteilen fturoe um bas faß. Sie Äaße mit bem lauernben Blicf. 

Sorf herum farn, fuchte fie fefter 3 U 3 upacfen. SIber ihre Sie riß fid) herum unb fchrie bem Btann feuchenb 
ginger glitten ab. 3nftinftio flammerte fie fid) mit ben 3 u: „Schürfe —!" 

Slnien an ihrem Borbermann feft. „9iecf)te! Rechts! Bed)ts! — Bremfe!..." 

„So — fchön!" rief ihr ber Baron lachenb über bie $reifd)enb rief es ßenbi, freifchenb fielen bie beiben 
Schulter 3 U. Btänner hinter ihm in bas Äommanbo ein. 

BMnbung auf Bttnbung folgte, ©ertie fühlte ihre (Es ging auf ben 2Ibgrunb 3 U. Sie Btänner legten 
3ähne aufeinanberfchlagen. ©s mar ihr, als jäße hinter fich meit rechts über — aber bie 3ähne ber Bremfe 

ihr ber Xob. Sie buefte fid) noch näher an Warner* griffen nicht ein. Ser Bobfdjlitten flog 3 mei, brei Bieter 

lanbers Büden. ©in eifiger Schauer lief ihr über ben tyod) ben Sd)neemall empor, faft fenfred)t. ßenbi fchleu* 

Baden. Sie fal) nicht ben falten, hämifd)triumphieren* berte bas Steuer nach rechts herum, fo baß bas ©eftell 

ben Blicf Btagrs — aber fie fühlte ihn. im leßten 2lugenblicf 3 U gall fam. 

3eßt freifchte fie auf. Bläßlich- Ohne ©runb. ©in jammerooller 2Tuffrf)ret oom ©nbe bes Schlittens 

Bach einer fu^en $urue lief bas ©efährt auf einen her. Sann mar fofort alles totenftill. 

Sd)neemall — faufte im Bogen bicf)t unter bem oberen ßenbi lag mit bem ©efid)t tief eingegraben im 
Banb eine Strecfe meiter bahin — magerecht lagen bie Schnee, hinter ihm arbeitete fich ftoßenb unb um fich 

3nfaffen über ber Bahn- Unb bann ging's im fcßlagenb ber Slmerifaner heraus. 

Sd)neÜ 3 ugstempo bie lange, fd)male Bampe auf bie jäh ©nblich ftanb ber ©ngabiner. ©r blutete aus ber 
abftür 3 enbe Schlucht 3 U.... Sa brüben mar ber Bafe. „2Bo finb — bie anbern?" 

Copyright by August Scherl Q. m. b. H M Berlin. 

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UNIVERSUM OF IOWA 




Stummer 18. 


Seite 759. 


Ser erlitten hing quer in bie Bahn hinein. Sie 
Bremfe ftanb frei über bem oberen Banb bes Schnee* 
walte. 

Unter bem ©eftell im Schnee bewegte fich eine ©e* 
ftalt. ßenbi ertanntc bie ©amafchen bes 2Biener 
Barons. 

Btr. Scott betaftete fich- „Boihing!" brachte er ton* 
los h ert >or. ®r mar ftarf benommen oon bem furcht* 
baren Stofe, merfte aber feinerlei Berlefeung. 2 Us er 
fid) nach bem Schlittengeftell bücfte unb baran rüttelte, 
ftahnte ber barunter ßiegenbe. 

„Borficht!" rief fienbi. 

©r taftete im Schnee nach ben S)änben Samer* 
lanbers, bie noch immer bie ©urte frampfhaft um* 
fpannten. 

„ßoslaffen! ßoslaffenl ©rft Bahn frei!" 

Bttt bem Slmerifaner gemeinfam fchaffte er bas 
fchwere ©ifengeftell aus ber Bahn. 

„Sie nächften — müffen ja gleich paffieren_" ®r 

wies in ber Dichtung, aus ber fie gefommen waren. 

Btr. Scott oerftanb. „Oh! Indeed!" 

©ilig fchleppten fie ben Schlitten ein paar Bieter 
weiter unten über bie innere, niebrigere Böfchung. 

3 namifchen richtete fich btr Baron auf. Buch er be* 
taftete fid). 5 Bie geiftesabwefenb fah er fich nm. 

„hierher! hierher!" jcferie ßenbi. Unb fprang wie* 
ber in bie Bahn unb 3errte ben laumelnben nach ber 
3 nnenfeite ber Suroe. 

Oben auf bem Schneewall fauerten fie neben bem 
oerbogenen, fteil in bie ßuft ragenben ©ifengeftell. 

Bon ben beiben anbern war feine Spur 3U fehen. 
Bur Btaprs Sportmüfee lag oben auf ber höchften Stelle 
bes SufeenwaUs. 

©in jauch3enbes Schreien oerfünbete bas #eran* 
faufen bes nächften Schüttens. 

„Bob! — Bob!" flang es oon oben tyr. 

©leid) barauf: „Bechts! — Bremfe!" 

Bur für ben Bruchteil einer Sefunbe fah man bie 
ÜDlannfchaft wagerecht gan3 oben an ber äufeeren Schnee* 
böfchung ber Suroe entlanggleiten. 3 n fursem Schwung 
legten fi<h bie Wahrer nach ber anbern Seite über. Sie 
©eficfeter fonnte man in ber ©efchwinbigfeit nicht er* 
fennen. 2 fber man hörte jemanb rufen: „Sa liegt — 
eine Btüfee!" 

Schon waren fie oorbei. deiner oon ihnen hatte bie 
brei Btänner mit bem gefcheiterten gah^eug auf ber 
3 nnenfeite ber Suroe entbecft. 

„Bian müfete ihnen entgegen — ben anbern — ba* 
mit fie halten!" brachte Samerlanber heroor, noch gan3 
betäubt. 

„Unmöglich!" fagte ber ©ngabiner. 

Bun 3ählte er bie oorüberfommenben Schütten. Set 
Bmerifaner 3ähtte laut mit. 3n 3®ifchenräumen oon 
3wei 3U 3wei Biinuten folgten bie Bobfchlitten in fau* 
fenber gahrt. 

Ser fünfte ftieg fo hoch an ber Böfchung empor, bafe 
Samerlanber entfefet auffchrie. 

Bber ein ßachen erflang — mit einem Bucf warfen 
fich gahrer 3ur Seite — unb fauften weiter. 

£s war ber Bobfleigh ber ©ngabiner. 


Digitized b>' 


Gougle 


Sie waren fchon um bie nächfte Suroe h^um, ba 
hörte man einen oon ihnep in feinem Sialeft etwas 
rufen. 

„Sie haben uns entbecft", fagte ßenbi. ©r blutete 
noch immer, ©rft jefet, als er oor fich &en Schnee fleh 
rot färben fah, fühlte er bie ffiärme auf ber #aut. 

Ser 2 lmerifaner war aufgeftanben unb bemühte fich, 
über ben jenfeitigen ©all hinüber3ufehen. 2lber er er* 
bücfte nur bie fehneebebeeften ©ipfel ber ßärchenbäume, 
mit benen ber Abhang befefet war. 

„i)unbertacht3ig Bieter tief geht’s ba hinunter", fagte 
ßenbi. ©r fud)te mit Schnee bas Blut 3U füllen. 2 lber 
je ftärfer er anprefete, befto mehr Blut oerlor er. „Sas 
Bafenbein", fagte er fleinlaut. 

Beun Schiiten hatten fie gesählt. 

„ 2 luf ber 3weiten Xour roaren's 3ehn", fagte Samer* 
lanber. 3 m Beitfife hatte er fich auf ben SchneemaU 
gefefet unb betaftete fich mieber unb wieber. ©r fonnte 
es nicht glauben, bafe er unoerlefet geblieben fein follte. 

Sie warteten noch oier, fechs Blinuten. Sie Strede 
blieb leer. 

Bun wagte fich ßenbi in bie Bahn, ©r war aber 
faum auf ber Sohle ber Suroe angelangt, als er auch 
fofort wieber 3urücffuhr. ©r hatte nur eben noch 3*it, 
fich Hegen bie innere Böfchung 3U preffen. 

Blit „ 3 uchu!" faufte ber sehnte Bobfleigh heran, 
nahm bie Suroe ohne Bremfe unb jagte weiter. 

ßenbi erfannte bie ßanbsleute an ihrem Sachsen. 
Sie hätten fo lange broben gewartet, meinte er, weil fie 
ihre Borberleute nicht überrennen wollten; fie führen 
nur als bie ©rften ober bie ßefeten auf biefer Sour. 

Bo<h einmal hörte man ihr „3uchu!" — fchon tief 
unten im lal. Sann würbe es gan3 füll. 

©nblich wagten fie fich auf bie anbere Seite hinüber. 
3 n ber Schneemanb fah man bie gurren, bie bie 
Scfeüüen ge3ogen hatten, eine über ber anbern. 2 ln 
einer Stelle burchfehnitt eine befonbers tiefe gurche, bie 
fteit aufwärts führte, bie übrigen Spuren. 

„Sas ift unfere", fagte ßenbi. 

©r fleüerte als erfter auf ben Schneewall. 

„Bichts 3U fehen", fagte er nach einer ©eile. 

Sie beiben anbern erftiegen bie Schneemauer weiter 
oberhalb. 

„Bichts 3U fehen", fagte auch Samerlanber. 

Blöfelich ftreefte Btr. Scott ben 2 trm aus. Unb fich 
überftür3enb rief er bem ©iener 3u: ba unten liege 
eine ©eftalt — an bem Baum — bort, wo ber Schnee 
aufgewühlt fei. 

2 lu<h Samerlanber entbeefte fie. ©r unterfchieb beut* 
lieh bas bernfteingelbe $)aar. „Sie liegt mit bem Bücfen 
gegen ben Baum — ber hat fie im Stur3 aufgehalten!" 
rief er ßenbi 3U. 

Ser ©ngabiner tonnte fie oon feinem Stanbpunft 
aus noch immer nicht entbeefen. 3 m Beitfife rutfehte er 
auf bem Schneewall weiter, hielt, arbeitete fich abermals 
oorwärts — unb mit einem Btal fchrie er: „Sie regt fich! 
Sie regt fich!" 

Sie anbern fahen es auch- 

Ohne Stride fich hmuntersumagen, bas war auf 
bem jäh abftürsenben Slbhang unmöglich. 

Original fro-m 

UNIVERSITf OF IOWA 



©eite 760. 


Hummer 18. 


„(Einer muß nacß Bergün, Beiftanb ßolen", fagte 
ber ©iener. 

Senbi meinte: bie Äameraben Ratten es gefeßen, baß 
fie gefentert feien, unb mären gemiß fcßon untermegs 
ßierßer. 

Hacß furfler Berßanblung famen fie überein, baß 
ßenbi unb ber Slmerifaner f>ier oben ffiacße gelten, 
mäßrenb Äamerlanber ficß auf ben ©eg nacß Bergün 
machte. 

(Er blieb untermegs mehrmals fteßen unb marf einen 
Blicf in ben fcßlucßtartigen Xalfeffel. Die ®eftalt im 
meißen ©portbreß bort oben am Baumftamm tonnte 
er nocß lange unterfcßeiben. Slber oon bem berliner 
faß er feine ©pur. 

©ie mar es nur gefommen? fragte er fid> immer 
mieber. 

©eltfam. Die (Erinnerung an ben erften Xeil ber 
gaßrt mar ißm burcß ben ©turfl, ben ©cßrecf, bie (Er* 
fcßütterung mie ausgelöfcßt. 

• • 

• 

Die beiben greunbinnen maren auf ißren Ejotel* 
flimmern mit Ratten befcßäftigt. Die 3ungfer mußte 
halb ßier, halb bort mit 4)anb anlegen. Über bas neue 
Heifefliel ßatte ficß ißre Herrin nocß nicßt geäußert. 

ßore mar felbft nocß unfcßlüffig. Hur rafcß fort 
mollte fie oon ©t. ©oriß. Denn bie Borftellung, grau 
(Bertie ©eile ßier nocß einmal flu begegnen, mar ißr un* 
erträglicß. Stm liebften märe fie für bie näcßften ©ocßen 
nacß Berlin übergefiebelt, um Sigel naßeflufein. 

„(Er mirb micß braucßen, ©iHemlntje. Du mirft ja 
fpäter alles, alles erfaßren. 3*ßt fann icß bir nur 
fagen: i<ß muß ißm bie ©öglicßfeit geben, uns rafcß 
unb leicßt flu erreicßen. (Er burcßlebt eine fernere 
Äinb. ®r ßat eine ernfte Prüfung flu bejteßen. ©ir 
müffen in fteter Berbinbung bleiben. 34) bin fein 
Slamerab — fein greunb. Da ßeißt es: Ireue ßalten." 

. ©illemintje füßte fie auf bie ©tirn, fcßmieg aber. 

Später tarn ®enfltner. ©illemintje empfing ißn 
allein, ßore ßatte ficß in ißr ©cßlafflimmer oerfügt, um 
unter ber ©itßilfe ber 3ungfer mit Rotten fortflufaßren. 
©ie ßörte ben ßeutnant eifrig reben, ßörte einmal aucß 
©illemintjes gerüßrtes ßacßen. 

Da mollte fie eintreten. 

Dotß an ber Xür ßielt fie mieber inne. 

®in paar bittenbe ©orte nur ßatte fie ben jungen 
Dffiflier fagen ßören — aber fie oerrieten ißr oiel. 

©ie mürbe erft eine ganfle ©eile fpäter oon ißrer 
greunbin felbft gebeten, in bas empfangflimmer flu 
fommen: ©r. Bibble ßatte ficß eingefunben. 

Der Slmerifaner mar ganfl außer ficß. ©enige läge 
oor bem Hennen flmei ,,©ann" oon feiner erem flu oer* 
lieren, bas mar gerabeflu ein ©cßicffalfcßlag. Unb er 
ßatte ficß an ben „©oleil" gemößnt. es mar ein mun* 
berooüer Bobfleigß. ©o leicßt geßorcßte bas ©teuer 
feiner #anb — ja, es mar, als ob es feinen ©ebanfen 
folgte. 

„©ollen ©ie mir eine große greube macßen, 
©r. Bibble?" fragte fie, ißm bie #anb reicßenb. 

„Sie ßaben mir gemacßt eine große ©cßmey, ©iß 
englßofer. Daß ©ie mollen oerlaffen meine Crem — 


unb baß ©ie mollen oerlaffen biefe Ort, unb icß feße ©ie 
nicßt meßr. Cs mar mir feßr ermünfcßt, ©ie flu feßen, 
©iß (Englßofer. 34) meiß nicßt, ob icß ricßtig auf 
beutfcß ausbrücfe. Slber ©ie lieben es, flu ßören Deutfcß 
oon mir. ©o mill icß 3ßnen fagen: ©ie maren mir eine 
freuboolle Befanntfcßaft." 

Sore läcßelte. „©eine Sitte ift: neßmen Sie ben 
,©oleil‘ als Stnbenfen an bie fcßöne Qeit, bie mir flu» 
fammen ßier oerlebt ßaben." 

©in furfles, faft betroffenes Sägern — bann läcßelte 
aucß ©r. Bibble. „3cß merbe nicßt fagen: nein. 34) 
merbe gern fagen: icß banfe 3ßnen, gräulein." 

©o fcßieben fie benn bocß nocß als gute greunbe. 

Slls Sigel ®roll ins $)otel tarn, um pcß Sore 
melben flu laffen, begegnete er bem alten ©tubienfreunb 
unb ©porttameraben. Der teilte ißm bie Heuigfeit mit 
unb fleigte ißm aucß gleicß bie (Eintragung auf bem 
fcßmarflen Brett. Slls Befißer bes Bobfleigßs mar ba 
nun ©r. Bibble genannt: (Erfaßleute für bas „®irl" unb 
ben Bremfer bes „©oleil" maren aucß fcßon gefunben, 
natürlicß Sanbsleute bes güßrets. 

Hur eins mollte Sigel nicßt recßt gefallen: ber Benn* 
fcßlitten ßatte aucß feinen Hamen oertoren, er ßieß nicßt 
meßr „©oleil", fonbern ,,©un". 

Sigel gratulierte, unb fie gingen mit bem übließen 
fräftigen $anbfcß(ag auseinanber. 

Slls Sigel bei ben Damen eintrat, fanb er fie mit 
Bacfen befeßäftigt; fie ßatten inflmifeßen aucß ber $otet* 
birettion gemelbet, baß fie ©t. ©oriß anbern lags flu 
oerlaffen gebäeßten. 

Sigel mollte ben Slbenbflug neßmen. „Beoor icß reife, 
muß icß nocß einmal mit bem Berliner Becßtsanmalt 
fpreeßen", fagte er flu Sore, als ffiillemintje fie allein 
gelaffen ßatte. „©enn icß ißm offen ben Hergang ber 
©aeße feßilbere, bann mirb es ißm möglicß fein, aucß 
bie anbere Partei flu einem ®eftänbnis flu bringen. Die 
Sage beffert ficß für alle, menn bie ©aßrßeit lücfenlos 
flutage fommt." 

©ie maren auf ben Baifon ßinausgetreten unb über* 
blieften nocß einmal bas ßerrlicße ©interbilb, bas bie 
Sonne fo feftlicß beftraßlte. 

Unten auf bem (Eisplaß fpielte bas E)otelorcßefter. 
Die ©cßlittfcßußläufer breßten ficß naeß ben klängen bes 
(änblermäßig beßäbigen „ßarin*©alflers" im Sanfl. 
überall ßerrfeßte bie ßelle greube an ber Sonne. 

„Du geßft einen feßmeren ®ang, Sigel." 

(Er fluefte bie Stcßjel. „Bielleicßt merbe icß länger 
bleiben, als mir ßeute aßnen. (Es fommt barauf an, 
mie bas ©erießt es auffaßt." 

©ie er bas fagte, oerlor fie mieber bie gaffung. ©ie 
mußte: er glaubte an eine feßmere greißeitftrafe. 

„Unb mann immer unfere ©ege ficß bann mieber 
freuflen, Sore: Du mirft an mir ja bocß oorübergeßen 
müffen." 

„Das glaubft bu, Sigel? ©irflicß?" 

„Den ©afel merbe icß nicßt meßr tos." 

„Du ßaft ißn übermunben, menn bu ißn befannt 
ßaft." 

„3n ben Stugen ber ©eit ift ber einflige ©afel bie 
©träfe." 


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Gck igle 


Original from 

UNIVERSUM OF IOWA 



Kummer 18. 


Seite 761. 


„ 3 n ben 2 lugen ber 2 öelt. Cafe fie urteilen unb oer= 
urteilen, 2Ijel. Du toirft bief) frei oon Scßulb fügten 
— unb xd) merbe bid) frei non Schulb feßen." 

(Er faf> fie lange unb ernft an. „Sas ift eine große, 
fd)öne Hoffnung, bie bu mir ba gibft." 

„(Es foli bir eine ©emißljeit fein, auf bie bu bauen 
fannft. ©ans M* bauen — mie auf einen Seifen." 


„ 3 <h banfe bir, Öore, oon fersen banf id) bir." 
Son ©ensmer erfuhr 2 ljeI ©roll fpäter, baß bie 
ftüdfeßr ber Sobfleighfaßrer erft mit bem Sünfutjrsua 
3 U ermarten fei. 

5öenn fie bie Xour oiermai machten, tonnten fie 
fogar nicht einmal oor acht Uijr oon Sergün 3 uriicf fein. 
(Sortierung folgt.) 


fltoberne Brautfoiletten. 

fyer^u 7 pf)otograpl)ifcbe Slufnaßmen. 

5öie oerfebieben aud) bie #od) 3 eitsgebräud)e bei sioilifierten ober 
un 3 ioilifierten Sölfern fein mögen, eins hoben fic alle gemeinfam: 
ein für bie Zeremonie befonbers gefdjmüdtes Äleib ber Sraut, an bem 
Äultgebräucße unb ßanbesfitten, Ueberlieferung unb altes 5)erfommen, 
aud) abergläubifdje Sefd)mörungsmotioe sum 2 lusbrurt tarnen. 

Seit Soh^eßnten ift bas Srautfleib eine 2lrt Uniform, bie fid) nad) 
Schnitt unb Stoff ber jemeiligeti ÜRobe anfd)ließt unb nichts Seftftebenbes 
3 eigt — oorläufig — als bas reine 5Beiß. Ser Sd)leier toirb aufgefteett, 
mie er am fleibfamften mirft, unb ben Äran 3 brel)t bie SDlobiftin aus 
fünftlicßen Slütcßen unb bringt ibn als „©efteef" in irgenbeiner $)aar= 
melle unter. Sie (Einfachheit bes Srautfleibes bleibt jebod) überall 
©efeß, mo oornehme ©efinnung henrfeßt; baß aber aud) biefe Sd)lid)t= 
heit nur eine Xäufcßung fein fann, bemeifen bie Srauttoiletten, Denen 
alte Somilienfpißen oon unermeßlichem 3ßert als bienen. 3art= 

gemufterte 2llengon fehen mir auf bem Srautt'leib (2lbb. 7), beffen 
eigenartige feitlidje Raffung ba 3 U bient, ber nicht befonbers angelegten, 
fet)r langen Schleppe einen guten „Sali" 3 U fidjern. Sen Spißenoolant 
begrenst nach oben ein fchmales ©eminbe oon Orangenblüten. Sie 
gleichen Blumen rußen oerfteeft im 5)aar unter bem über bas ©e s 


1. Brauttleiö aus Seibenooile 

mit ©pifeenblufe unb XaiUenbanbeau. 

ficht lang herobmallenben Schleier. 
Sie gid)ureoers ber milchmeißen 
^rinseßtoilette auf 2lbb. 5 umfchließen 
eine Spißenchemifette, bie in hohem 
Äragen enbet. Ser Schleier fällt oon 
einem etmas feitlid) am 5)intertopf 
aufgefteeften w chou" über bie ©eftalt, 
fie faft oollftänbig oerl)üllenb. 

3u ben in Saris urfprünglid) burd) 
Sarah 23ernharbt eingeführten unb 
feitbem für Seftlidjteiten aller 2 lrt fo 
beoorsugten „robes roniaines" ge= 
hört bie SSrauttoilette auf 2lbb. 3. Sas 
red)tminflig abgeftufte Ueberfleib aus 
©hiffon über meißem 2 ltlas fcßließt mit 
einer Sorte oon Seibenrelieffticferei ab 
unb oerlängert firf) 3 U einer ectig ge= 
feßnittenen Schleppe. Sen bicht, aber 
iofe ge 3 ogenen Stoff holten Sticferei* 
Ornamente in ber Taille 3 ufammen. 
©in 5)alsftücf aus Xüll fteigt 311 m 
rüfeßenbefeßten Äraaetj auf. Ser 

□ igltized by (jOOfilC 



2. IDelfec Btlastoilette mit Spißen unb 5ticfereien. 

Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 








Seile 7C2. 


Kummer 18. 



Schleier, unter bem ein 
Orangenblütenfran 3 rut)t, 
läßt bas ©efid)t frei. 

Die Stöbe aus Du s 
djeffefeibe, halb Direc= 
toire unb ßalb Reform 
(2lbb.4), rnirb non einem 
munberoollen SJtantel* 
fd)Ieier übermailt, ber 
nach 2 Xrt bes englifd)en 
Schleierarrangementsfür 
bas drawing room ber 
Königin, oom £)interfopf 
ausgehenb, glatt ßer* 
nieberfließt unb nur an 
ben Schultern etroas ge= 
rafft ift, um bie ßaft 
bes burd)fid)tigen, aber 
nid)t gan 3 leichten ©e= 
mebes 3 U oerteilen. Qu 
ben einfacheren 3 eremo= 
nietoiletten barf 2 (bb. 2 
ge 3 ähltroerben.Spißen= 
unb Stitfereiausftat= 
i tung finb in befd)eibe= 
ft nem SJtaß oerteilt. 
T; Der Schleier ift ä la 
religieuse aufge= 
ftertt, ber Stran 3 
flad) um ben Sd)ei= 
tel aufliegenb. — 
V Die 33rauttoilette 
K aus Seibenooile 
H mitfd)toereinSei s 
S benbeoant ( 2 lb= 
S bilb. 1 ) ift be s 
f on & cr5 bemer= 
fensmert burd) 
P» bas faltig brei= 
* e £aiUenban= 
beau, bas 
bie Spit= 


* 

V V 






& 




VQOt. TOnnucI 

3. Uebcrflctb aus <£f|iffon 

über n)cI&em 2Ulas. 


’MtT 1 


bes 




blufe mit ben engen 5Iet= 
mein oom Stört trennt. Seicht 
alltäglich ift bie Slnorbnung 
Schleiers, beffen einer Xeil, bie 
fpanifche SJtantilla, gan 3 
als folche getragen f 

roirb. Der eigent= *** ** 

liehe S3raut= 
fdjleier fchmiegt 
ftd) im Starten 

3mifchenbicgal= 4. DrautfoileHc aus roeißer Ducheffefeibe im DirecfoirefHl mit reicher Sflcferel unb halMangen Vermein. 

ten ber ferneren _ canger ananteifrfjm er naefj englifdjer 2Robe. 

Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 


*&>t. 


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11 

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Kummer 18. 


Seite 763. 



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,5- Beifee prinjc&foilcttc mit Spifjemffemifeffe unt> f)of>em Äragen. Kara "- 


5. HJeiße 

Goqgb 


~nl frorn 

UNIVERSITY OF IOWA 













Seite 764. 


Stummer 18 . 



Spitje unb fließt bann mit bem 23oiIe ber 
3djleppe in einer 2 öolfe 3 ufammen. 

2 lbb. 6 oeranfd)aulid)t ein ^od^eits* 
fleib aus geblümtem Düll mit Orangem 
girlanben, bas fpäter umgearbeitet werben 


7. Spißenfoileffe mit feiflidjer Haftung unb langer Sd)leppe. 

fann. Das Umarbeiten ber 23rautfleiber ift übrigens aud) eine ®e= 
moijntjeit geworben, bie niemanb mehr Slergernis bereitet. 21 us 
bem SSrautfleib wirb ein ©efellfdjaftsfleib unb aus bem ©efeüfdjafts 5 
fleib ein eleganter teagown, unb bQt ber fid) ausgelebt, wirb’s ein 
SJtorgenrotf. 6 o oergeben fdjließlicb bie #errlid)feiten. z. s. 


6. Brautfleib aus geblümtem XülL 


(Ein Jörberer bet beutfcben Canbmirffcbaft 


21m 10.2Ipril oollenbete ber ßanbesöfonomierat Otto 

dimbal 3 U grömsborf in - 

Sdjlefien ^ 


gann Otto (Eimbal auf bem oäterlicben (But im Greife 

SJtünfterberg feine 3 Ürf)terifd)e 
Xätigfeit. (Er erftrebte 
in erfter Steibe 
bie 23erebe= 


lanbesötoiioiuierajt Otto <i\ 

Digitlzed by C tOI 


^uif.büi 

gTe 


mit >o0», lod)tec uno ©etjiljiu bei 6er Prüfung feiner 5i*rf>tangsprobuHe. 

UNtVERSrnf OF (OWA 












Kummer 18. 


Seite 765. 


heimifcher unb ©eminnung miberftanbsfähiger, ertrag* 
reifer Sorten ber michtigften gelbfrüchte. Durch 3af)l 3 
lofe, bis 3 um befriebigenben Vbfchluß ejaft burdjgefütjrte 
Kreu 3 ungen oerfchiebenfter Kartoffel*, Drüben* unb 
Vße^enforten mürbe er halb 3 um Reformator ber Sanb= 
roirtfdjaft in feiner engeren Heimat, nachbem insbefonbere 
übereilte Vegeifterung für empfinblidje Züchtungen (Eng* 
lanbs unb bes beutfdjen Vßeftens bie Vebeutung fefter, 
ben Himatifchen Verbältniffen bes Oftens angepaßter 
Sorten über 3 eugenb ermiefen hatte. 

©imbals ^Bemühungen um roiberftanbsfähigeres Saat* 
gut mürben nicht lange oerfannt. Ungünftige SBinter, 
benen ausgebehnte Vßinterfaaten erlagen, oerhalfen 
feinen minterfeften unb auch gegen Roft meniger 
empfinblichen 2öei3en3üthtungen 3 um oollen Sieg, unb 
heute erfreuen fich etma 15 ©imbalfche Vßei 3 enforten 
allgemeiner Veoor 3 ugung in rauheren Sagen. 

Roch eher als bie ©imbalfdjen Vßei 3 en hatten gröms* 


borfer Futterrüben unb Kartoffel 3 Üchtungen oerbiente Ve* 
achtung unb Verbreitung gefunben. ©rößer noch maren 
bie (Erfolge ber ©imbalfchen Kartoffel 3 üd)tungen, bie ber 
raftlofe Sanbmirt aus ber Vereinigung 3 at)lreicher Sorten 
in jahrelang fortgefeßterKreu 3 ung aus Reinsucht gemann. 

Das finb bie ©rgebniffe eines füllen, unermüblichen 
3üchterlebens. Unb bie Vrbeit mar bes Sohnes mert. 
Reiche Vnerfennungen unb Abzeichnungen beftätigen 
bie (Erfolge. Vßeit über bie ©rensen feiner ^eimatprooins 
hinaus mirfte ber fchlefifche Sanbmirt als Kulturträger. 
Der Sieg feiner Züchtungen in Sachfen mar für ihn 
bie größte ©enugtuung. 

Unfer Vilb seigt ben Züchter mit feinen Kinbern 
am Alrbeitstifch: ihn bei ber Rübenprobe auf Drocfen* 
fubftansgehalt, ben Sohn an ber Alehrenmage, feine 
„rechte 5)anb" grl. SRarie (E. am Zucht* unb ^Pflans* 
regifter unb auf ber anbern Seite ben Siebling bes 
©roßnaters unb bie smeite Tochter bei ber Stärfeprobe. 


OcOocOccOcxOocaxx^ocOocOocOcxX^xOocOocC^^ 


Silber aus aller Belt 


Vor furser 3*it beging eine ber bebeutenbften Rlafcbinen» 
fabrifen bie Feier ihres 50jährigen Veftehens, bie Firma 
Heinrich Sans in Viannheim. 2öir bringen bas Vorträt ihres 
Vegrünbers Heinrich Sanj, ©eheimen Kommerflienrats, ber am 
1. Februar 1905 nach einem arbeitsreichen unb oon (Erfolgen 
reich gefegneten ßeben ftarb. Die ©rünbung ber jefct 3 U 
enormen Dimenfionen angemachfenen Viafchinenfabrif bebeutete 
eine Kulturtat meitefter 
SBirfung, benn bie 
Vrobufte biefer gabrif 
haben fich in ber 
ganzen ÄBelt ©ingang 
oerfchafft, unb oon 
hier aus ging ber 
fiegreiche (Eroberung* 

3 ug ber lanbmirtfchaft* 
liehen Rtafchinen. 

3n biefem 3 abr 
geht sum erftenmal 
eineSlnjahl oon Schau» 
fpielern unb Sdjau» 
fpielerinnen unter bem 
RamenDeutfchesDhea» 
ter in Sübamerifa in 
bie Reue ABelt, um 
bort eine Dournee gu 
abfoloieren. Das Un* 
temehmen fleht unter 
ber ßeitung bes Diref* 
tors ©uftao Vluhm. 

3 um forrefponbie» 
renben SRitglieb ber 
Varifer Alfabemie ber 
VMffenfchaften mürbe 
ber ©eheime Regie» 
rungsrat Dr. Dheobor 
Sllbrecht in Sßotsbam 
ernannt. Der alfo ©e* 
ehrte ift Viitglieb bes 
Königl. Vreuß. ©eo= 
bätifdjen 3nftitus unb 
hat befonbers auf bem 
©ebiet ber Ortsbeftim* 
mung #eroorragenbes 
unb Reues geleiftet. 

©ine ber tempe* 
ramentoollften Vor* 
fämpferinnen ber Sitt* 
lid)feits= unb Keufch* 
beitsbemegung grau 
#anna Vieber*Voehm 
ift oor menigen Dagen 



Digitized b - 


n xagen |_ 

v Goqgl 


©eheimer Kommerzienrat Heinrich Can 3 , 

Eegrünber ber 3Raf(binenfabrtf ijeinrid) fiana in 'JWannbeim. 9ta<b einem (Bemdlbe oon 2Jtaj Äroner. 


geftorben. grau Vieber»Voehm mar bie Vorfifcenbe bes Ver* 
eins „3ugenbfchutj" unb hat oor allem in ber Vefämpfung 
ber Drintunfitten Vebeutenbes geleiftet. 

Seinen 90. ©eburtstag feierte oor menigen Dagen ber be= 
fannte Hofmaler ©arl S)aaa in Düffelborf; er ift einer ber 
befannteften Vertreter ber 2 lquarellmaleret in Deutfchlanb. 
Kommerflienrat $), Aluft, 3nhaber oon Kathreiners SRalj* 

faffeefabrifen ©. m. b. 
#., hat einen $reis 
oon 50000 Viarf ge* 
ftiftet für ben Aloia* 
titer, ber ben glug oon 
Riüncßen nach Verlin 
mit nur brei 3 aüfchen* 
lanbungen in 60 Stun* 
ben jurüctlegt. 

Die Stabt Düren 
hat bei bem Vau 
eines neuen ABaffer* 
turms bem monumen« 
talen Alusbau biefes 
ABerfes in fehr erfolg* 
reicher ABeife Rech* 
nung getragen; unfer 
Vilb aeigt bas gelun* 
gene Vaumerf. 

3 m Vett ber ABil* 
ben ABeißerifc, einem 
Rebenfluß ber ©Ibe, 
mirb 3 ur 3 eit eine Dal* 
fperre gebaut, für 
beren architeftonifche 
Alusgeftaltung bie fäch s 
fifche Regierung ein 
VreisausfdEjreiben er* 
taffen hatte. Die ABilbe 
ABeißeriß entfpringt 
bem Dreiherrnberg bes 
Sächfifchen ©r 3 gebir* 
ges unb münbet bei 
Dresben in bie ©Ibe. 
Die Dalfperre mirb 
etma 20 Kilometer ober* 
halb ber AJiünbung ber 
ABeißeriß bei ber Stabt 
Klingenberg errichtet. 
Das Dal ift bort faft 
300 Vieler breit; es 
mirb burd) eine Viauer 
oon 310 Vieler Sän* 
ge unb 35 Vieler S)öt)e 
gefchloffen merben. 
Original from 


UNIVERSITY OF IOWA 



©eite 766. 


Kummer 18. 



bie am ©runb 26 üüteter, oben 
5,5 Bieter breit (ein wirb. Bie 
Stauer wirb auf geworfenem 
©neisfelfen, ber ben ©runb bes 
Xales bilbet, aus bem gleichen 
an Ort unb ©teile gebrochenen Jrau f)anna 

Material errichtet, unb 3toar fjeroorragenbe ©orfämpfertn ber 
aur Berftärfung ber Sicherheit 

in ©ewölbeform. Oie Baufoften finb etwa auf brei Blilli* 
onen Btarf berechnet. Oer gaffungsraum bes Bectens ber 
Xalfperre beträgt 15,5 Millionen Äubitmeter, fo ba& 3 wifd)en 
ben bas Xal begleitenben 5)öhen ein gewaltiger ©ee ent 3 
ftehen wirb. Ön bem ^reisausfdjreiben für bie architeftonifche 


(Beftaltimg ber lalfperre ift $ro 3 
feffor ^anj ^oeljig, bem Biref= 
tor ber Breslauer Äunftfchule, für 
ben auf ©eite 768 oeröffentlichten 
(Entrourf, ben er unter Btitwirfung 
Bieber-Boehm f bes Ingenieurs Begierungsbau* 

Begebungen bcutfdjer grauenocrcinc. meifters ^erchlanb ausgearbeitet 

hat, ber (Erfte Breis juerfannt 
unb bie fünftlerifche Ceitung bes Baues übertragen toorben. 
Bad) bem (Entwurf wirb bie Blauer ein gigantifches Bauwerf 
oon hehrer ©eftalt werben, bas fid) in bie ernften Sitten» 
wälber bes ©ebirgsbilbes monumental einfügen wirb. 3n 
ber Blitte erhebt fich ber maffige Bau in einer gebrochenen 



Unfs: St. ®rube, 21. ©toller, Sj. 2lnbrefen, ©. fieljnborff, ©. Cefing, St. ©erger, 9B. Sdjnur, 9t. Gid)bcrg. 

9rL d. ©runoto, grL Slöffa, gr. ßet)nborff*6d)öttle, grl. 5ranfe«9üanbefoff, Sr. 21. 9ti|d)fa, Sri- S). o. 6cf)oenenbecf. 

)ie fiauptbarffeUec bes Oeutf<hen Xfyeatev* in Sübamerifa 1910, 


Original from 

UNIVERSITHf OF IOWA 


Digitized b 







V- .4*1 


Kummer 18. 


(Ein roafjrfjaft großer Jang, 

2Iu 5 allen Seiten tDtrb oon fagenljaften riefigen gifc^jiigen berichtet Unfere ()Qt burrf) bie Dampffi|d)erel tn 
unjern (Beroäffern ben 5i|d)beftanb nirf)t unerbeblid) gelichtet, unb bod) finb 9iorb» unb Oftjee noch uncnblid) reid) 
on gifdjen aller 2Irt- Selten allerbings biirfte eine SBeute |o gro& [ein, mie fte un[er 5öilb ^eigt. Das (Srunbnefc 
ift aufgebolt, unb ln buntem (Beroimmel toben bie armen (Befangenen in bem graufamen 9letj. 


Original from 

UNIVERSITY OF IOWA 

















(Seite 768 


Kummet 18 . 




Qofmater <£arl £)aag 

feierte feinen 00 Geburtstag 



äommerjienrat Hermann 21uft, 

Stifter bes Äatijreiner (Jlugpreifes 3Jtönd)en* s üerIin 


Der neue monumentale ZDafferfurtn in Dören. 

Ote Stabt $firen bat itjre neue 2Bafferturmanlage in oorbilblitber ffieife monumental geftaltet 



Oie nene lalfperte bei ßlingenberg in Sodjfen 



prof. £>an» poeljig, 

ber (Erbauer ber nebenfteljenb bargefteüton lalfpene 
bei Stlingenberg in Saufen. 


leinte, fo ba& fid) oon fern ble Silhouette 
ber Blauer ben fanften ^Seitenlinien ber 
'Berge an|d)miegt, eine in ard)iteftonifd)er 
unb lanbfdjaitlicher Beziehung glütfliche 
ßeiftung. Btit bem Breisausfchreiben hat 
bie fäfhfifche Regierung ein nachahmens- 
wertes 3ntereffe für bie architeftoni|d)e 
2Iusgeftaltung berartiger gewaltiger Bau« 
werfe bewiefen unb betätigt 


Digitizei 


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Sdjlujj b^tpäp^meuenZeüs. 















































Seite L 


'.Kummer 18.' 


30. M pr» 1910, 



Pixavon -T eer- Haarpflege 

auf wissenschaftlicher Grundlage. 


Einziges geruchfreies Teerpräparat mit reiner 
Teerwirku ng , her gestellt nach patentiertem 
chemischen Veredelungsverfahren , 


Die tatsächlich beste Methode zur Stärkung 
der Kopfhaut und Kräftigung der Haare. 


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Original ffom 

UMIVERSITY OF IOWA 
















Seite II. 


30. Slpril 1910. 


Kummer 18. 





weisse 

Hout 


Der brillante, flimmernde 
seidige Glanz 


des Haares, der so geschätzt und bewundert 
wird, ist das Resultat einer regelmäßigen 
und richtigen Behandlung mit dem echten 

Peru -Tanninwasser. 

Bei dieser Behandlung bleibt das Haar 
weich und glänzend, ohne sich fettig anzu- 
fiihlen, Ausfallen, Abbruchen und Spalten 
wird vermieden, es bleibt sauber und be¬ 
hält seine schöne Naturfarbe ohne Behand¬ 
lung mit Wasser und Seife, durch die es 
nur trocken, spröde und glanzlos wird. 

Das echte Peru-Tanninwasser reinigt und erfrischt 
die Kopihaut, beseitigt Schuppenbildung und übermäßige 
Fettausscheidung, kräftigt die Haardrüsen und wirkt 
stärkend und belebend auf Nerven und Blutzirkulation 
in der Kopfhaut. 

Infolgedessen wird die Ernährung und damit das 
Wachstum des Haares mächtig angeregt, dem Ergrauen 
und Ausfallen vorgebeugt und die feinen Flaumhaare, 
die meistens selbst bei scheinbar totaler Kahlköpfigkeit 
noch vorhanden sind, können sich bei konsequenter An¬ 
wendung in einigen Monaten so weit entwickeln, daß 
sie geschnitten werden können. Das wird von Aerzten 
und anderen einwandfreien, bekannten Personen seit 
1887 bis auf den heutigen Tag bewiesen. 

Da Peru-Tanninwasser auch alle Ansteckungskeime 
vernichtet, so ist es der beste Schutz gegen infektionöse 
Erkrankungen der Haare und des Haarbodens, die in 
vielen Fällen die Ursache des Haarausfalles sind. 

Das echte Peru-Tanninwasser klebt nicht, hinterläßt 
keinen Rückstand in den Haaren, verändert nicht die 
Haarfarbe und beschmutzt nicht die Wäsche. Die An¬ 
wendung ist angenehm und nicht umständlich. 

Bei zu fettigem Haar verwende man fettfreies Peru- 
Tanninwasser, bei zu trockenem, sprödem Haar fett¬ 
haltiges, bei normalem beide Sorten abwechselnd nach 
Bedarf. Beide Sorten sind zum Preise von 2 M. (Doppel¬ 
flasche 3,75 M.) in allen besseren Geschäften zu 
haben; wo dies nicht der Fall sein sollte, wende 
man sich direkt an die alleinige Fabrik 

LiUlhlmann 8 Co..Reichenbach i.fl. 


Man beachte die neben¬ 
stehende Schutzmarke 


» Wt Du M öodi oerffinöW, liebe Uoula! 

9ln Tir fclbft unb an Tcin-n fllnbcrn! Ba« Tu letbcft, muftt Tu Tlr febon 
fclbft ?,ufri)rcibcn. Ttc cinUfle ©ntfd)ulbfgung für Ttd) tft böcbftcn« bie, baö 
taufenb unb aber taufenb ÜJWbcbcn unb ftrauen ebenfo wie Tu bureb unftnn ge 
«Woben «eben unb ftamiltenalücf auf« Spiel fc&cn. Bonn aber auch uncl ba«felbe 
tun, tft e« hoch nid)t ba«felbe. Tic metften tun e« 
au« UnocTftanb. Tu aber batteft eine golbene 
üJlutter, blc tetne ©clcgcnbclt, Tid) aufjullären, oer* 
ftreteben lieft $l)r bante td). unb ba« werbe 
leb nie oergeffeu, meine ©efunbbcit. 9ln mir. 
bem ewig trauten unb febwneben unb eitern* 
lofen «Dläbd)cn, ftat fle eine gelehrige Sri)üleriit 
gehabt, unb il)r, ftörft Tu. ihr ganj allem wer* 
banle ich meine je&t fo ternfefte ©efunbbcit, 
bie auch meine fünf ftnaben mir nid)t 
rauben tonnten, $cb tann Tir ben ©orwurf nld)t 
erfparen. baft Tu felbft febulb bift. Teilte 
eigenen 'Borte, bie Tu auf blc HcbcooUe Barnung 
Tcincr «Dluitcr batteft, ftiafen Tid) beute «ügcu: 

„Tieö bifteben Scbnilrcn fdtabet teinem gefuubcn 
Slenfcben I 1 ' fccute bift Tu ber Schatten Teiner duftigen 
Sd)önbclt unb ^röbücbtdt 511« Mutter zweier Sfiubcr 
I unb erft im 30. Sabre, lebreibft Tu fold) lebenömüben 
5irtef. ©in UntcrlciMlelbcn brüdt Tid) banicberl 
Solgc mir bod) cnblicb. wirf ben Martcrpauscr tnß 
Scuer unb wenbe T id) an ba« W c f o r ttt b a u « 

Z b a l p ft a, 53 a u l ©arm«. «c i p j l g «02. ba« feit 
Sabren mein Lieferant ift. Tiefe ftirma führt bie beften 
ftorfetterfatj 5lrtifel unb aud) alte Unter* ttttb Cbcr- 
fletbung« ©egenftönbe für bie bcrrlld) fd)önc »leform* 
lradjt. »efottber« ntad)e id) Tid) auf bie «eibbtnbe, 

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12. Jahrgang. 


3nt)a(f bet stummer 19. 


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Ba* ©eftänbi s Bon 6taatsanmalt Br. ®rld> ffiulffen.769 

Bie Schäfte ber Biamantenfoionie. Bon £egationsrat Br. ilfreb 

.Simmermann.. ..771 

Bretfjig 3a^re beuttoer 6$u(vereiti. Bon $rof. Br. 3t. o. ffiettftein... 773 
Srü^Hnasgemfl'e. 5tu(inarif4>e Klauberei oon (Eugen Brunfaut .... 774 

unfere Bitter..775 

Btt Boten ber 3Bo$e.776 

Sitter oom Sage. (Bbotograp^ifcbe Aufnahmen*.777 

Sur »er bie 6ef)nfud>t fennt... Stoman oon 3ba Boq*&b. föortfeftung) 785 
(Einiges Aber (Erjiefjung im jflngften Ainbesalter. Bon Brof. Br. Artur Keller 791 
Anna Boberg iinb bie fiofoten. Bon S). Bogel. (3Rlt 6 Abbittungen). . 792 
Argentinien. 3 ur Jubelfeier am 25. 2Rai 1910. Bon (Beorg 

(Stit 12 MbbUbungen).796 

Bie Bonne oon 6t. tttorife. 9toman oon Baui Osfar Dörfer. (ödjlulj) . . 801 
Ber Barfoi als Jagb* unb 6a(onbunb. Bon (Elifatetb £i(&atfd;eff. (BUt 

8 AbbUbungen).804 

Abenb. ©ebidjt oon grib 6töber.808 

Silber aus aller 2Bett ..808 



Die lieben Sage bet Boche. 


28. 2fpriL 

Das englifche Oberhaus nimmt bas Sinanagefejj, beffen 
Ablehnung im oorigen 3 «hr bie ÜReutoahlen noimenbig 
machte, in allen brei ßefungen an. Darauf roirb bas $ar* 
(ament bis 3 um 26. 3Jiai oertagt. 

2lus Caracas toirb gemelbet, baß ber bisherige Vtje* 
prafibent 3uan Vicente ©ome 3 gum ^räfibenten oon SBenesuela 

Ö morben ift unb für alle poliiifdjen ©efangenen eine 
e erlaffen ^at. 

29. 24>ttt. 

Das preußijehe Herrenhaus nimmt bie SGBahlrechtsoorlage 
mit einem oom SWinifterpräfibenten befürworteten Slntrag, 
burch ben bie Vefdjlüffe bes 2lbgeorbnetenf)aufes über bie 
Steuerbrittetung im Sinne ber SJiittelparteien abgeänbert 
toerben, mit 140 gegen 90 Stimmen an. 

Der öfterreitbifcb* Oberleutnant Hofricbter Pßortr. 6 . 778), 
ber oor mehreren ÜJtonaten oerljaftet tourbe, legt bas ©eftänbnis 
ab, baß er an eine Sliiaaijl ©eneralftabsoffaiere ©iftpillen ge* 
fanbt bat* 

9ta<btraglid) toirb gemelbet, baß ein Deil ber 9ttann[chaft 
bes 3Balfif<bfängers „*Btangoro" aus Durban am 24. ÜRär 3 
burd) Skiffen ber engli[d)en Sahne, unter bie eine Slnnejrions* 
ertlärung geheftet tourbe, oon ftearbislanb, einer im 3 nbif(hen 
03 ean nahe ben Äerguelen gelegenen 3njcl, im tarnen ©roß* 
britanniens Vefiß ergriffen hat. 

30. 2fpri(. 

Die ©roße ^Berliner Shmftausftellung mirb burd) ben Unter* 
ftaats|e!retär im Äultusminifterium 2Beoer eröffnet Oubb.S.781). 

3n ^Berlin tritt unter bem Vorfiß bes Oberbürgermeifters 
Äir|d)ner ber SBorftonb bes Deutfdjen Stäbtetages 3 ufammen 
unb befd)ließt, an ben Reichstag eins ©irtgabe gegen bie 
9 teiths 3 uroa(bsfteuer 3:4 richten. 

Die italienifdje Deputiertenfammer (pridjt bem Söttnifterium 
ßu 33 atti mit 393 gegen 17 Stimmen ihr Vertrauen aus. 

3n Äonftantinopel toirb amtlich mitgeteilt, baß bie lür* 
iifeben Gruppen ben ?ßaß oon ßatfebanif in Dberalbanien 
eingenommen unb bie Slufltänbifcben ^erftreut haben. 


1. 2RaL 

Die SlUgemeine 6täbtebau*2tusfte({ung Verlin. toirb in ber 
Slfabemifcben hotbßbute für bie Vilbenben Äütifte eröffnet. 

• 3n Spanien beginnen bie Sieutoahlen 3 U ben Cortes, ©e* 
toäblt toerben 69 ßiberale, 34 Äonferoatioe, 3 ftepublifaner, 

3 Äcrliften unb 5 2lbgeorbnete, bie feiner gartet angeboren. 

Der Äaifer trifft mit ber Äaiferin unb ber $rin 3 effin Viftoria 
ßuife aus ben IReicbslanben in 9Biesbaben ein. 

2. 2Rat. 

3nDünfircben fommt es uoifeben ausftänbigen Bauarbeitern 
unb Sttililär 3 U blutigen Suiammenftößen. 

3. mal 

Der 9 teicbsfan 3 ler oon Sethmann Hotttoeg begibt fich 3 um 
Sortrag beim ftaifer nach SBiesbaben. 

□ m □ 

Bas (Seffdntmis. 

Son Staatsanmalt Dr. ©rieb SBulffen. 

Selten bat in ber ^riminalgefcbicbtc ber lebten 3ah^e 
eine ^atfacbe in ber Oeffentlicbfeit einen folcben Cinbrucf 
gemacht roie bas ©eftänbnis bes ßin 3 er Öberleutnants 
Stbolf ^ofriebter, ba§ er ber 2tbfenber ber 39 anfalibriefe 
an bie jebn ^auptleute bes (Beneralftabes unb bamit 
ber ÜJteucbelmörber bes 5)auptmanns 9ticbarb SWaber, 
ber eine ber ihm sugefanbten Rillen genoffen bat, 
gemefen ift. 

Das ©eftänbnis bat oon jeher als bie Ärone ber 
Semeife im Strafproaefc gegolten. 3n ber Xat fann 
eine Verurteilung feine suoerläffigere ©runblage haben 
als bas ber SBabrbeit entfpred)enbe Sug^ftänbnis bes 
Slngeflagten felbft. Die pro 3 effuale Verroertung eines 
©eftänbntffes, bas ja naci) ben ©rfabrungen nicht unter 
allen Umftänben ber Söahrbeit entfpreeben mu& unb 
besbalb glaubhaft ober nicht glaubhaft fein fann, ift 
unter bem ©influfj bor neueren friminalpfocbologifcben 
Sdjule gegenüber ber früheren ^Jrayis ungleich oerbeffert 
unb oertieft morben. . ^urücfgeblieben aber finb mir 
in ber Prüfung unb ®ürbigung ber fo3ial=*et^tfd)en 
Seite bes ftrafproaeffualen Sdjulbbefenntniffes. Vnfäfee 
3 u einer folchen aus ber neuen UBelt* unb ßebens* 
anfehauung geborenen Vetracbtungsmeife finben fich 
roobi. ©erabe bie Stimmungen, bie in biefer ^in s 
ficht ber gall ^ofriebter in uns erroeeft, regen btefe 
intereffante grage befonbers lebhaft an. 

Der Strafpro 3 ef 3 bes Vtittelalters ftellte ein 9tecbt 
bes Staates auf bas ©eftänbnis bes fcf>ulbigen Vtiffe* 
täters auf. Cr tat bies ßur Crhaltung feiner bamals 
oft ftarf gefährbeten Sicherheit unb aus jenen gröberen, 
ja graufamen Snftinften heraus, * bie nicht nur ben 
3nquifitionspro3efj, fonbern auch bie fonftige Kultur 
ber bamaligen Seiten beeinflußten. 9Wit ben perfchieben* 
ften ©raben ber golter burfte bas Sd)ulbbefenntnis 
er 3 ioungen merben. 

2lls bie -Dtacht bes Staates fich wehr . unb mehr 
befeftigte unb bie Sitten fid) milberten, beburfte bie 


Digitized by 


Gck igle 


Copyright by Augiiöt Scherl Q. m.b. H., Berlin. 


Original from 

UNIVERSHT OF IOWA 











Seite 770. 


Stummer 19. 


Strafjufti3 eines folgen ©ewaltmiitels 3ur ©rforfcgung 
ber Söagrgeit, an beren Stelle aus nageliegenben ©rün* 
ben als (Ergebnis oft igr gerabes ©egenteil geseitigt 
toorben mar, niegt mehr. Die golter tourbe abgefcgafft, 
unb bie mobernen Strafgefeße (teilen bie ©rpreffung 
oon ©eftänbniffen unb Slusfagen mit förperlicgen unb 
nicgtförperlicgen Sroangsmitteln unter fernere Strafen. 

3nmiemeit es beute noch Aufgabe ber Kriminal* 
beworben ift, mit anberen Spitteln einen leugnenben 
Sefegulbigten sum ©eftänbnis 3U bringen, hierüber finb 
bie 2lnficgten geteilt. ©an3 gewiß ift 3um minbeften 
ber Kapitatoerbrecger ber geinb ber ©efellfcgaft, ber fieg 
3um Kampf gegen ihre (Recgtsorbnung erhoben gat. 
Die berufenen Vertreter ber Slbwegr biefes Singriffs 
finb bie Kriminalbegörben, oor allem als Sßrosejjgegner 
bes Rechtsbrechers, Staatsanwaltfcgaft unb Kriminal* 
poli3ei. Sin Stelle bes Staatsanwalts tritt in ber 
ÜBeweisfammlung febr oft ber Unterfu(hungsrichter mit 
ber nämlichen Slufgabe. ©in Kampf ohne SBaffen unb 
Xaftif ift aber ausfichtslos unb besgalb unbenfbar. 
Die lleberführung bes Scgulbigen ift bes Kampfes Sßreis 
unb beshalb bie ©rsielung eines ©eftänbniffes als 
allgemeines Kampfmittel berechtigt. 

Der Sonbermittel 3ur ©rlangung bes ©eftänbniffes 
gibt es oerfchiebene. Sie finben ihre ©hancen in ber 
SBürbe bes Staats, in Sftoral unb Slnftanb, wie fie in 
unferer Slnfchauung gelten, unb in ber Rtenfcglichfeit. 
SBährenb felbft Hinterlift unb falfche Sßorfpiegetungen 
als SRittel 3ur allgemeinen lleberführung bes Schulbigen 
nicht ausfcheiben — oerfleibete Sßoliseibeamte nehmen 
in Setrieben, in benen ber £äter oermutet wirb, 
Stellung — 3ur ©Dielung eines amtlichen ©eftänb* 
niffes finb fie unoerwertbar. So ift es ausgefchloffen, 
einem SJtitfcgulbigen ein ©eftänbnis baburch ab3unehmen, 
baß ihm ber Wahrheit sumiber oorgefpiegelt wirb, fein 
©enoffe hübe geftanben. 3 Bir fehen alfo fchon gier: 
nicht um jeben 5 ßreis barf ein ©eftänbnis erlauft werben. 

Die 3uläffigen ÜRittel finb ©inwirfungen auf Ser* 
ftanb unb ©emüt. SSenn ber bes üftorbes Serbächtige 
an bie ßeiche unb ben Tatort geführt wirb, fo hoffen 
wir, ber entfeßUcge Slnblicf feines Opfers unb bie graufige 
©rinnerung an ben Slusfügrungsaft werben ihn inner* 
lieh erfchüttern, fein ©ewiffen werten unb ihm gewiffer* 
mögen aus innerem Sebürfnis bas Scgulbbefenntnis 
abringen. Seseigen oon Teilnahme unb 3 ttitleib ift 
oom rein menfcglicgen Stanbpunft einwanbfrei, wenn 
es nicht geheuchelt wirb, ©ine grau hott* bie Stühle 
ihres Stannes in Sranb gefegt, um ihm bie SBerficge* 
rungsentfehäbigung 3U oerfchaffen. Der ©enbarm jagte 
ihr, er wiffe genau, baß ihr Stann bie gan3e wirt* 
fcgaftlicge Sorge auf fie abwäi3e unb fid) um bie ga* 
milie nicht fümmere. Diefe oerftänbnisoolle Teilnahme 
führte ber Sranbftifterin ihre eigene wirtliche Situation 
jo 3U ©emüte, baß fie gejtanb. ©rregungen bes ©gr» 
gefühls im Schulbigen tonnen oerfchieben beurteilt 
werben, ©in Unterfucgungsricgter fagte 3U einem Störber: 
„Sie finb ein guter Sotbat gewefen; wer bes Königs 
Rocf getragen hot, barf nicht feige fein." Der Xäter 
— ein Honblungsbiener — geftanb. geinfühlige Ra* 
turen werben oon folgern ^ufprueg oielleicgt abfehen. 
Dag aber in bem nicht sgnifegen unb nicht in ©leieg* 
gültigfeit abgelegten Sefenntnis ein Stücf 9 Jtut, Sßagr* 
haftigfeit unb Reue liegen wirb, ift gewig. Dem 
erfennenben dichter, insbefonbere bem Sorfigenben, 
jebe ©inwirfung auf Herbeiführung eines ©eftänbniffes 
in ber Houptoerganblung beftreiten 3U wollen, fegießt 


über bas Slber befonberes Staghalten unb £aft* 
gefühl finb hter geboten, ©s ift nicht angemeffen, bei 
noch 3weifelhafter Seweislage bem Sngeflagten unter 
Suficgerung einer milberen Seftrafung, bie ja ber Sor* 
fißenbe gar nicht in ber 5 )anb hat, einbringlich 3U 
einem ©eftänbnis 3U raten. 

2lm würbigften wirb auf ein ©eftänbnis gingear* 
beitet, wenn mit grögter Sorgfalt bie Seweife ge* 
fammelt unb geprüft unb ihre ©rgebniffe bem Sefchul* 
bigten, auch forneit fie beffen unwahre Angaben miber* 
legen, ohne Voreingenommenheit oorgehalten werben. 
Stuf jein logifeges Denfoermögen unb auf feine ©emüts* 
oerfajfung wirb hierburch gleichseitig gewirft. ©r 
begreift mit feinem Serftanb bie Kette ber Seweife 
unb fühlt bie ©ereegtigfeit bes Scgicffais gegenüber 
feiner fegmeren Scgulb. So fommt er aus logifcgen 
unb etgifegen ©rünben — gartnätfige unb tief ge* 
funfene Raturen bleiben natürlich auch legt bei igrem 
ßeugnen — 3U einem proseffual unb moralifcg wert* 
oollen ©eftänbnis. Denn es fcgliegt häufig bie Reue 
ein, bie gerabe meift erft aus bem ooüen ©rfaffen ber 
Xat fowie ihrer Urfacgen unb golgen geboren wirb. 

©ine folcge Seweisfügrung gauptfäcglich gat im 
Sn>3eg Hofricgter bas ©eftänbnis gerbeigefügrt. # 3 n 
immer engere Kreife fag fieg ber leugnenbe Singe* 
fcgulbigte eingefcglojfen. Seine Hoffnung auf ©nt* 
laftung bureg bie ^fgegiater würbe suniegte; feine 
Slnftrengungen, bureg Kaffiber ein3elne S^gen 3U be* 
einguffen, oerrieten feine Sersweiflung. SBenn an ign, 
ber als aftioer Offner 3U ©grengaftigfeit unb SBagr* 
gaftigteit, 3U Ritterlichfeit unb Kamerabfcgaft befonbers 
oerpflichtet ift, in biejer Sichtung appelliert würbe, fo 
gefegag es mit gug unb Recgt. 3 n ber ©infamfeit 
ber ©inselhaft, bie als gaftor beim Suftanbefommen 
eines etgifeg wertoollen ©eftänbniffes nicht oerfannt 
werben barf, oermoegte er mit einer legten Kraft feinen 
inneren Sttenfcgen 3U fammeln. Selbft wenn er förper* 
lieg unb feelifcg unter ber ßaft ber Seweife unb feiner 
Scgulb sufammenbraeg, wenn er niegt megr bie Kräfte 
füglte, fein ßeugnen weiter burcg3ufügren, fo gegärte 
boeg noeg ein legter großer ©ntfcgiuß basu, fieg su 
bem freiwilligen Scgulbbefenntnis buregsuringen. Daß 
er naeg einer folcgen Slnftrengung sufammenbraeg, 
nimmt niegt wunber. 

©s gibt Stimmen, bie bebauern, baß nunmehr 
enbgültig bureg fein ©eftänbnis Hofricgter fo fegmere 
golgen über fieg unb bie Seinen gebracht gat. Slucg 
wir Serufsjuriften finb 3umeilen innerlich über ein 
©eftänbnis betroffen, bas gans allein ben Scgulbigen 
überfügrt unb gans allein überführen tonnte. Dabei 
urteilen wir su wenig als Sßfgcgologen unb oergeffen, 
wie folgerichtig bas eegte unb wertoolle Scgulbbefenntnis 
aus ber Xat unb aus ber ©emütsoerfaffung bes Xäters 
fließt. SBenn Hofricgter aueg mit aus Dpportunitäts* 
grünben, in ber Hoffnung auf einen ©nabenaft, ge* 
ftanben gaben mag, fo bleibt bei ber Ungegeuerlicgfeit 
jeiner Zeit, bie in ber Kriminalgefcgicgte ein neues 
Slatt beginnt, gegenüber ber Schaut unb Scganbe, bie 
er auf fieg gehäuft gat, in feinem 3ugeftänbnis noch 
eine folcge gülle ungewollter, wogt aueg mit religiöfen 
URotioen buregfeßter pftcgologifcger golgeriegtigfeit surürf, 
baß ogne fie bas ©eftänbnis niegt gebacht werben fann. 

©erniffe neuere Seftrebungen wollen bie ffirsielung 
eines ©ejtänbniffes im Strafproseß ftarf befegränfen. 
Die befannte Lebensart oon einem guten Recgt bes 
Scgulbigen, su leugnen, ift aber irrefügrenb; es fann 


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Stummer 19. 


Seite 771. 


nur oon einem Stotredjt gefprotfien meröen. Es fott 
bafjingefteüt bleiben, ob bas jebenfads praftifrije Seifpiel 
Englanbs, bie ©eftänbigen fo fefjr auf Äoften ber 
fieugnenben ju prämiieren, nadjaitmensroerl ift. Sieben» 
falls ift bas ©eftänbnis ntrfjt nur bie „Königin" ber 
SBemeife, fonbern es ift unb bleibt mit feiner Stellung 
im Strafprozeß ein etfjifcßes SWoment in ber SBaßr* 
tjaftigteit einer ganzen Station, überbies niadjt #of» 
ridjters Sdjulbbetenntnis im Siaßmen eines längft 


oeralteten SDtilitärprozeffes bie güßrung eines fcfjroierigen 
Snbiaienberoeifes überflüffig, mennfcßon er jmeifellos 
gelungen märe. Sie SDtülje ber Senfationsßafdjer unb 
Störgier, bie fd>on, toie im gälte #au, bie öffentlirfje 
SJteinung, toie fidj nun zeigt, irrezufüßren unternahmen, 
ift oerloren. SBie ein ©emitter hat biefes überrafdjenbe, 
biiftere ©eftänbnis bie Sltmofphäre nicht nur bes Straf* 
proaeffes, fonbern bes ganzen öffentlichen ßebens ge¬ 
reinigt. 2luch hierin (iegtfein unoertennbarer etlicher Sßert. 


Die Scfjäfce ber Diamanfenfolonie. 

Bon ßegationsrat Dr. Sltfreb 3 immermann. 


Selten finb Schäfte fo unoermutet entbecft morben 
toie bie Sübafrifas. 3 al)rl)unbertelang hot man fie 
buchftäblich mit prüften getreten, bis ein Sieger ihrer 
gemahr mürbe. 

Bor menig mehr als gmanaig 3 af)ren ftanb bie 
beutfche Kolonialgefeltfchaft für Sübmeftafrifa, beren 
Kapital Ijeute mit etma 28 Btillionen bemertet ift, 
unb beren Bftien als foftbares Gut gelten, ernftlich im 
Säegriff, ihren gefamten Befift mit allen Siechten an 
ein englifch’hoHänbifthes Konfortium für faum 3mei 
URillionen ÜDtarf 3U oeräuftern. Diefes ©efchäft, bas 
non ben ßeitern ber ©efellfchaft für- fehr oorteilhaft 
angefehen unb oon maftgebenben Berfönlichfeiten ge* 
billigt mürbe, oereitelte ein Slnteilbefifter, ber ©Iber* 
felber Kaufmann ßubmig oon ßilienthal. Sein ©in* 
greifen hot ihm bie fjeinb[chaft einer Strahl einfluft* 
reicher ^ßerfönlichfeiten 3uge3ogen, an beren folgen er 
bis 3u feinem Dob 3U leiben gehabt hot. So gering 
oeranfchlagte man bamals an leitenben Stellen ben 
SBert ber oon ßüberift gegrünbeten Kolonie, unb fo 
eifrig fud>te man nach einer Gelegenheit, bas geringe, 
für fie aufgeroenbete Kapital 3U retten I 

Bon ihrem Stanbpunft aus hotten bie Herren 
Bleidjröber, Schmabach unb ©enoffen allerbings faum 
unrecht bei ihrem Borgeben. Sie hotten 3U Slnfang 
ber adliger 3 ahre bas Kapital, bas nötig mar, um 
bie oon ßüberift ohne genügenbe Mittel aufs Gerate* 
mohl ins ßeben gerufene Unternehmung oor oölligem 
Sufammenbruch 3U fdjüften, ausfchlieftlich auf Drängen 
bes 9teichsfan3lers dürften Bismarcf, ohne jebe ÜDtei* 
nung für Sübmeftafrifa, sufammengebracht. Die Be* 
richte ihrer Bertrauensmänner mie bas fonft oorlie* 
genbe SJtaterial berechtigten fie 3U ber Sinnahme, baft 
bie ©rmerbungen bes ßüberift ebenfo mertlos feien 
mie bas riefige, übrige unter bem Schuft bes Reiches 
geftellte Sübmeftafrifa. Die in Slusficht geftellten 
SOlineralfchäfte maren oon ben in bie Kolonie ent* 
fanbten Sachoerftänbigen nicht gefunben morben; Ster* 
juche mit i)anbel, Bieb3ucht, Slcferbau hotten fich als 
ausfichtslos ermiefen. SIngefichts biefer fchlechten ©r* 
fahrungen mar niemanb in Deutfchlanb geneigt, mei* 
teres ©elb für Berfuche in einem fo gottoerlaffcnen 
entlegenen Stücf ©rbe he^ugeben. Söenn es $)ol* 
Iänbern unb ©nglänbern im ßauf oon mehr als 3toei 
3ohrhunberten nicht geglücft mar, biefem ©ebiet irgenb* 
melche Borteile ab3ugeminnen, fo fprach ja in ber Dat 
bie SBahrfcheinlichfeit nicht gerabe bafür, baft ben 
Deutfchen hier mehr ©rfolge befdjieben fein mürben. 
Stach ber gan3en Sachlage lieft es fich mohl oer* 
ftehen, menn ber alte fjerr oon Bleichröber einem 


#errn, ber ihn gefragt, ob er an Sübmeftafrifa beteiligt 
fei, ermibert hotte: „Sie meinen mohl, benachteiligt." 

Die teftten 3 ohre hoben inbeffen bie Sluffaffung 
bes ^errn oon ßilienthol als richtig ermiefen. Diefer 
©iberfelber Kaufmann hotte feit Sohren, fchon ehe 
ßüberift Schritte 3ur ©rmerbung Sübmeftafrifas unter* 
nommen, biefem Deil ber SBelt feine Slufmerffamfeit 
3ugemanbt. Beranlaftt burch bie ßeiter ber rheinifchen 
SOliffion in Barmen, bie in biefem Deil STfrifas feit 
Sohrsehnten arbeitete, hotte er mieberhott Schritte 
unternommen, um bort Stechte oon ben ©ingeborenen 
3u ermerben unb gefchäftliche Unternehmungen ins 
ßeben 3U rufen. Stach ^Srofiamierung ber beutfchen 
Schuftherrfchaft mar er burch ben Steichsfan3ter oeran* 
lagt morben, fich mit ber Kolonialgefellfchaft für Süb* 
meftafrifa 3U einigen unb feine Siechte gegen ent* 
fprecftenbe Beteiligung an fie ab3utreten. 3 m ©egenfaft 
3u ben SJtitgliebem ber ©efellfchaft mar oon ßilienthal 
nun jeberaeit oon ber Ueber3eugung erfüllt, baft in ber 
Kolonie grofte Schäfte fchlummerten, unb baft es barauf 
anfomme, gebuibig 3U juchen unb ab3umarten. SBäh* 
renb feinen Kollegen im Sfuffichtsrat immer nur bie fchlech* 
ten ©rfahrungen anberer Slationen unb bie SJtifterfolge 
ihrer erften Berfuche oor Slugen ftanben, lieft fich ber 
©Iberfelber Kaufmann oon anbern ©rmägungen leiten. 

Btenn es auch nicht 3U leugnen mar, baft bie 
©nglänber unb 5 )oÜänber im ßauf oon 3obrhunberten 
bei ßahlreichen gorfchungseypebitionen unb allerlei 
Unternehmungen in Sübmejtafrifa fein ©lücf ge* 
hobt hotten, fo fpornten ihre ©rfolge in anbern Deilen 
Sübafrifas um fo mehr 3ur Stacheiferung an. Sluch 
bie Kapfolonie hot jahrhunbertelang als mirtfchaftlich 
beinah mertlos gegolten. 3 bre Bermaltung foftete oon 
ber 3 eit ber ©rmerbung an jahraus, jahrein bas Bier* 
unb fünffache oon bem, mas bas ßanb abmarf. #ol* 
länber mie ©nglänber hotten an ihrem Befift nur jeft» 
geholten, meil fie biefe michtige Station auf ber Btelt* 
ftrafte nach SJnbien nicht in anbere ijänbe fallen laffen 
mollten. Dann aber hotte fich bas Bilb eines fchönen 
Dages gan3 3ufällig oollftänbig geänbert. 2(uf einer 
garm mürbe in ben feiger 3obren bes oorigen 3of)r* 
hunberts ein glän3enber Stein gefunben, mit bem bie 
Kinber fpielten, unb ber fich ols Diamant ermies. SJtan 
fucftte nach ber fjerfunft bes Steines, bie Diamant* 
minen oon Kimberleg mürben entbecft, unb mit einem 
Schlag mar bas oerachtete Sübafrifa ein oielbeneibeter 
Befift gemorben, nach bem Kapital unb Busmanberer 
aus allen Seiten ber Btelt fich brängten. SBie menig 
Bebeutung mürbe ferner jahrhunbertelang ben meiten 
Steppengebieten im Storben bes Kaps beigelegt, in 


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Seite 772. 


Stummer 19. 


betten bie oor ber englifcßen ijerrfcßaft 3urücfgemichenen 
ßollänbifcßen Vurenfamilien Suftucßt gefugt hätten? 
Kein Sacßfenner oermutete in biefen ©egenben Süb* 
afrifas nennensmerte Sttatürfcßäße. ©in größerer Huf* 
fcßmung biefer Sieblungen galt allgemein als fo gut 
toie ausgefcßloffen. Unb bocß tourben ^ier eines Sags 
bie ungeheuren ©ölblager unb fpäter neue Siamanten* 
ntinen entbedt. Sie garmen, bie fura oorher für 
toenige hunbert ©utben 3U haben mären, betamen un» 
ermeßlicßen 2 Bert. ©in Krieg, ber SDtiüiarben oer* 
fcßlang, ift um biefen Vefiß entbrannt. Sehnlich ift es 
in anbern Seilen ber 3 Belt gegangen, Kanaba, ^eute 
eins ber reicßften unb ausficßtsoollften ßänber ber 
SBelt, galt 3ahrbunberte ßinburcß für naße3u roertlos. 
Voltaire gab ber SDteinung ber beften ©eifter feiner 
Seit Husbrucf, menn er bie Kriege, bie fein Vaterlanb 
um biefen Vefiß geführt, aufs lebhaftefte beflagte unb 
bie um »/quelques arpents de neige" gebrauten 
Opfer als unoerantmortlicß oerurteilte. 2 Ber hätte ficß 
oor fünfzig 3 ahren oorgeftellt, baß bas eifige Sibirien 
unb Hlasfa einft bas Husroänberung3iel oon i)unbert* 
taufenben roerben unb um ben Vefiß ber SDtanbfdjurei 
erbitterte Kriege ausgefocßten merben mürben? 2 Eer 
fann fleh heute nod) oorfteHen, baß bas ungeheure 
Storbamerifa ben Spaniern fo menig ausfießtsreieß er* 
fchienen ift, baß fie bief^m Vefiß fo lange feine Huf* 
merffamfeit mibmeten, bis anbere Stationen feine ©r* 
fcßließung unb ©ntmidlung in bie #anb nahmen? 

Oie ©rroartungen, bie ßubmig oon ßiüehtßal auf 
Sübroeftafrifa gefeßt, haben fich früher erfüllt, als 3U 
hoffen festen. SBäßrenb 3<*h*hunberte oerftrichen finb, 
beoor bie Veicßtümer bes Kaps, Kanabas ünb Sibiriens 
erfchloffen mürben, hat man befanntlich hier bereits jeßt 
bie Siamantenlagerftätten gefunben, bie bie Hufmertfam* 
feit ber gan3en SBelt auf biefe Kolonie gelenft haben 
unb bie ^ßßantafie roeitefter Kreife befcßäftigen. — Daß 
biefe Sdjäße gefunben mürben, ift allerbings ebenfo* 
menig bas Verbienft ber Kolonialgefeflfcßaft für Siibmeft* 
afrifa mie ber englifcßen ©efellfehaften, bie 3U Hnfang ber 
neunsiger 3 ahre unter SDtitmirfung ber Kolonialbeßörben, 
aus Ver3meiflung über bie Untätigfeit ber Kolonial* 
gefeflfcßaft, ins ßeben gerufen morben finb. Oie eigent* 
liehen Väter biefer fo oft genannten unb angefochtenen 
©efellfehaften finb ber oor einiger 3^t oerftorbene 
Hamburger Vecßtsanmalt Or. Scharlach unb ber jeßige 
©eneralfonful greißerr oon Vorbenflgcßt geroefen. Vei 
ber beftimmten Steigerung ber mit fo großem Vefiß 
unb Vorrechten ausgeftatteten Kolonialgefellfchaft, irgenb* 
melche nennensmerten neuen Hufmenbungen für bie 
Kolonie 3U machen, unb ber auf ber anbern Seite fürs 
9 tei<h beftehenben unabmeisbaren Stotmenbigfeit, bie 
Kolonie 3U erfchließen unb Mittel für ihre Vermattung 
auf3ubringen, blieb 3U Hnfang ber neun3iger 3 ah**e 
nichts übrig, als fich nach ausiänbifchen Unternehmern 
un^ufeßen. ©s gab in ßonbon ßeute, bie ebenfo mie . 
i)err oon ßüientßal oon bem ©lauben befeelt maren, 
baß Sübmeftafrifa allerlei natürliche Schöße berge. 
Oiefe Unternehmer haben auf ©runblage oon Kon* 
3effionen ber Regierung, bie an Vebeutung bei meitem 
hinter benen ber Kolonialgefellfchaft 3uriicfftanben, große 
Kapitalien aufgebracht unb brei ©efellfehaften gegrünbet. 
Shnen ift bie Hufbecfung ber Otami=Kupferminen unb 
ber Vau ber nörblicßen ©ifenbahnlinie in ber Kolonie 
in erfter ßinie 3U banfen. ©nglifche Unternehmer finb 
es auch gemefen, bie 3uerft ©uanolager an ber Küfte 


ber Kolonie entbeeft unb unter 3 aßlung f c ßr bebeutenber 
Hbgaben an bie ^Regierung ausgebeutet haben, ©bet* 
metatlfunbe finb ihnen allerbings ebenfomenig geglüctt 
mie bem Sgnbifat, bas feit 3 aßren in Sübmeftafrifa 
nach Siamanten gefucht hat. Sas Kapital ber brei 
engtifchen ©efellfehaften mirb heute nach Hngabe bes 
Kolonialamts oon ber Vörfe mit mehr als 70 ÜDHHionen 
bemertet. So anfehnlich biefe Summe ift, bürfte fie 
hoch oerfeßminbenb fein gegenüber ben Vierten, mit 
benen biefe ©efellfehaften rechnen fönnten, menn es 
ihnen gelänge, ©olb* ober Siamantenlager in ihrem 
S 3 eftß 3U entbeefen. 

ffiie groß ber gefamte SGßert ber heute in Hus* 
beutung befinblicßen fübmeftafritanifchen Siamantfelber 
ift, mie lange fie nennensroerte ©rträge liefern merben, 
ob es glüefen mirb, neue gunbftellen unb ferner ©bei* 
metatte in ber Kolonie 3U entbeefen, fann beute nod) 
niemanb fagen. ©s ift ebenfo unmöglich, gegenmärtig 
ben SBert bes Vefißes ber oerfchiebenen, in Sübmeft* 
afrifa tätigen Unternehmungen mit einiger 3 uoerläffig* 
feit ab3ufchäßen. Sie Meinungen barüber gehen je 
nach bem Stanbpunft ber Veurteiler meit auseinanber. 
Sicher ift nur bas eine, baß heute bas oor fm^em 
noch fo allgemein geringgefchäßte Sübmeftafrifa plößlicß 
hohe ©eminne abmirft, unb baß für bie golge^elt man 
in ber Kolonie über mangelnben Unterneßmungsgeift 
bes SRutterlanbes 3U ftagen feine Urfache mehr haben 
bürfte. 9 Ran mirb oiel eher Hnlaß haben, bas 9 $ublifum 
oor atl3u hach gefpannten ©rmartungen 3U marnen unb 
bem Spefutationsfieber ©inhalt 3U tun. 

©s ift begreiflich, baß bie heutigen haben ©eminne 
ein3elner fübmeftafrifanifcher Unternehmungen in rneiten* 
Kreifen ben Sffiunfcß rege gemacht haben, einen nennens* 
merten Hnteil ber mühelos ermorbenen Schöße in bie 
Kaffen bes Vhitterlanbes, bas fo feßmere Opfer für 
biefen Vefiß gebracht hat, 3U leiten. Sas ift 3U allen 
feiten fo gemefen. SBeber Spanier noch ^Sortugiefen, 
meber ©nglänber noch gran3ofen ober j)oüänber haben 
es oerfchmäht, bei übermäßigen ©eminnen aus prioaten 
folonialen Unternehmungen ben ßömenanteil für ben 
Staatsfäcfel in Hnfpruch 3U nehmen, ^anbette es fich : 
um ©olb, Silber ober ©belfieine, fo haben fie ben 
Vorteil bes Staats burch haha Hbgaben mahrgenommen» 
marfen f)anbel ober ßanbbau außergewöhnlichen ÜRußen 
ab, fo haben fie 3U allerlei Vtonopolen unb Sali* 
einrießtungen gegriffen. 9 Jtilliarben finb auf biefe VJeife ben 
Kaffen ber folonifterenben üütäcßte im ßaufe ber jjaßr* 
hunberte sugefloffen. ©ine lange ©rfahrung hat uns 
in3mifchen belehrt, baß biefe anfeheinenb fo nahe liegen* 
ben unb ben 3 ntereffen ber Völfer entfprechenben URaß* 
nahmen nicht immer fich bemährt haben. Sie Kolonial* 
gefehlte bemeift, baß ein übertriebenes Vetonen bes 
einfeitig fisfalifeßen Stanbpuntts nur 3U häufig bie ©nt* 
micflung ber Kolonien gehemmt unb in leßter ßinie bem 
Sftutterlanb mehr Schaben als ÜRußen gebracht hat. 9 Bie 
meit ber Staat in SBaßrung ber berechtigten Sntereffen 
ber Hllgemeinheit mit Vorteil gehen fann, mirb immer 
oon ben befonberen Umftänben bes ein3elnen galles 
abhängen. So berechtigt baher ber SBunfcß ift, bas 
Seutfcße ÜReid) aus ben Schößen Sübmeftafrifas für 
bie um biefen Vefiß gebrachten ferneren Opfer be3at)lt 
3U machen, bürfte es bocß angebracht fein, red)t 
oorfießtig ben geeigneten SGBeg ausfinbig 3U maeßen 
unb barauf 3U aeßten, baß nießt beim Sammeln ber 
golbenen ©ier bie 5 )enne, bie fie gelegt, ermürgt mirb. 




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Kummer 19. 


Sein 773. 


Dteijjig }at)te Deuffc&et Scfjufoeteta. 

23 on Jßrof. Dr. 9 t. o. äßettftein (Söien). 


Der 13 . 3 Rai b. 3 « ift ein Gebenftag für bie Deutfchen 
Oefterreichs unb für aüe, bie an (Erhaltung beutfcher 
Sitte unb Äulter Anteil nehmen. 23 or 30 3 ngren 
mürbe an biefem lag in Sitten ber Deutle Schuloerein 
gegrünbet, ber fich feiger zu einer ber michtigften 
Schugtoegren gegen aüe auf beutfcges SBefen gerichteten 
Angriffe entmicfelte, ber Groges gefeiftet hat unb oor* 
bitblich mürbe für zahlreiche ähnliche Scgugorganifationen 
unb Gebiete, in benen bas Deutfcgtum bebroht ift. 

Das 3 ubtläum bes Deutfchen Schuloereins erinnert 
an eine ber für bie Deutfchen Oefterreichs oergängnis- 
ooüften feiten. 3m 3ngr 1879 oerlor bie öfter* 
reicgifche 93 erfaffungspartei, bie an ber 3 *>ee Oefterreichs 
als eines beutfchen Staates fefthielt, bie ütegierungs- 
gemalt; 1880 erfchienen bie Stremagrfcgen Sprachen* 
oerorbnungen, bie ben Sßreis barfteüten, ber ben Xfcgecgen 
für bie oorläuftge SBerzidjtleiftung auf bie Aermirflichung 
ihrer ftaatsrechtlicgen 3been geboten mürbe, unb bie 
Regierung Oefterreichs fchlug jene Stiftung ein, bie 
lange 3eit ginburch mit bem tarnen Daafe untrennbar 
oerbunben blieb. Das Prinzip ber Gleichberechtigung 
aller Nationen Oefterreichs führte nicht nur an unb für 
ftcfi 51s: einer Schmälerung bes beutfchen (Einfluffes, 
fonbem mit ober gegen ben SBillen ber jemeiligen 
[Regierung zu bem Streben ber nichtbeutfchen Stationen, 
an SJtacht unb (Einflug, ®efig unb Ausbreitung auf 
Soften ber Deutfchen zu geminnen. (Es begann jene 
(Epoche nationaler Kämpfe in Oefterreich, bie heute noch 
nicht abgefchtoffen ift, bie bie Deutfchen überall in ber 
Defenfioe, bie anberen Stationen, oor allem bie Xfcgechen, 
in ber Offenfioe fah, bie ben Deutfchen nicht blog 
Demütigungen unb Opfer aller Art auferlegte, fon* 
bern fie oor allem baburcg fchäbigte, bag fie fie 
um bie Stuhe ihrer fultureüen (Entmidlung brachte. 
Xaufenbe oon (Ejiftenzen gat ber nationale Sampf oer* 
fchlungen; Xaufenbe oon Talenten finb in ihrer (Ent¬ 
faltung gehemmt morben. SBenn auch bie begeifterte 
Eingabe an ben aufgezmungenen nationalen &ampf, 
bie gerabe bie 3ugenb bemies, freubig begrügt merben 
mugte, fo mugte es hoch auf ber anberen Seite mit 
tiefem Schmerz erfüllen, menn man fab, mieoiel Dücg“ 
tigfeit, SBegeifterungsfägigfeit unb Dalent ber Anteil¬ 
nahme am fultureüen SJortfcgritt ber Station entzogen 
mürbe. Die Äoften ber (Entmicflung ber nichtbeutfchen 
Stationen Oefterreichs in ben legten 3 ngrzegnten trugen 
in biefem Sinn zum guten Xeil bie Deutfchen. Inter 
arma silent musae. 

Die erfte SBirfung bes nationalen Kampfes mar 
bas Streben nach (Errichtung oon Scgugorgani;ationen, 
bie an bebrogten Orten bem Deutfchtum eine Stiige 
bieten foüten. 3 m Sinne ber ÜJtoltfefcgen SBorte: 
„Stur in ber eigenen Äraft ruht bas Scgitffat ber 
Station" fchritt bas beutfche 93 oif Oefterreichs an bie 
Schaffung folcher Organisationen, unb eine ber erften 
mar ber Deutfche Schuloerein. 

(Eine Schugorganifation, feine ftampforganifation 
foüte er fein, unb biefer SJeftimmung ift er ftets treu 
geblieben. 2 Bie oft gut man oerfucht, bem Deutfchen 
Schuloerein, in ber Abficht, ihn zu fcgäbigen, aggreffioe 
Denbenzen zuzufchreiben; fein ruhiges, fachliches Attrfen 
hat ftets aüe biefe Angriffe entfräftet. (Es ift ein goges 


23 erbienft att ber SJtänner, bie im Saufe ber legten 
30 3 ugre an ber Spige bes Deutfchen Schuloereins 
ftanben, bag fie bie Prinzipien, bie fie bei feiner 
Grünbung leiteten, gochgegalten hüben; bie Heber* 
Zeugung, bag ber Deutfche Schuloerein feine politifche 
Sßarteigrünbung ift, bag er nie unb nimmer anbere 
Stationen in ihren Siechten unb in ihrem SSeften fchmälern, 
fonbern ausfdjlieglich ben Deutfchen bas ihnen Gebüg* 
renbe erhalten miü, gat oiel bazu beigetragen, um bem 
herein bie Steüung zu oerfcgaffen, bie er heute unbe* 
ftritten einnimmt. 

Dag ber nationale Äampf überaü in erfter Sinie 
ein Sfampf um bie Schule ift, ift natürlich. Oie Unter- 
richtsfprache ber Schule ift für bie nationale (Entmicf¬ 
lung bes SJtenfchen oft maggebenber als bie Sprache 
ber Familie. (Ebenfo mie ber Angriff ber nichtbeutfchen 
Stationen Oefterreichs fich gegen bie beutfche Schule 
richtete, mugte bie SSerteibigung ber Deutfchen fich ber 
(Erhaltung gefährbeter beutfcher Schulen zumenben. 
Diefer Stotmenbigfeit entfprang bie Grünbung bes 
Deutfchen Schuloereins. 3 m ÜJtai bes Söhres 1880 
erfchien ber erfte Aufruf zu feiner Grünbung, ber oon 
ben Herren Otto Steinmenber, Sttftor o. ßraus, Start 
Günther, S 3 iftor Abler unb (Engelbert Jßernerftorfer 
entroorfen mürbe. Der Aufruf fanb überaü Attbergaü 
in ben Kerzen ber Deutfchen, unb am Sage ber grün- 
benben Soüoerfammlung zählte ber junge Aerein be¬ 
reits 4000 ÜJtitglieber. Am gleichen Sage mürbe 
Dr. ÜDtoriz SBeitlof zum Obmann gemählt, ber biefes 
Amt bis zu feinem am 2. 3Jtär3 1905 erfolgten Xob 
beibehielt unb fich unoergeglicge SSerbienfte um ben 
herein unb bamit um bas beutfche 23 olf ermarb. SJtit 
Segeifterung fcharte fich &as beutfche 93 oIt Oefterreichs 
um ben herein; zmei SJtonate nach ber grünbenben 
SBerfammlung zählte er fchon 13 000, am (Enbe bes 
Grünbungsjagres 22000 ÜJtitglieber. Sange Seit hielt 
biefes SBacgstum in gleicher SBeife an; bie Ginnahmen 
bes Vereins geftalteten fich günftig, unb alsbalb fonnte 
mit realer nationaler Arbeit auf ber ga^en Sinie be¬ 
gonnen merben. SJtit fjreube gebenden mohl aüe, bie 
bie 3 ugenbzeit bes Deutfchen Schuloereins miterlebt 
haben, ber SSegeifterung, bie bie Schuloereinsibee 
ermecfte; feine aüjägrlich in einer beutfchen Stabt Oefter¬ 
reichs abgehaltenen Sagresoerfammlungen geftalteten fich 
Zu grogen unb erhebenben Äunbgebungen bes beutfchen 
Stationalgefühls. 

Seither finb breigig 3 ogre oerfloffen. Der herein 
hat 3 eiten grögten Glanzes, er hat auch furze 3 eiteit 
bes Stücfganges unb fritifcge (Epochen hinter fich. Der 
ruhigen unb fachlichen Seitung, ber aufopfernben unb 
Zielbemugten Dätigteit zahlreicher SJtänner unb ffrauen, 
oor aüem aber ber immer mieber merbenben ftraft 
bes Gebanfens, bem bie Grünbung bes Vereins ent* 
fprang, hat er es zu oerbanfen, bag biefe feiten über* 
munben mürben, bag er heute fräftiger unb angefehener 
benn je baftegt. Geträftigt unb erftarft nach jeher 
Dichtung erfüüt er feine Aufgabe; gehoben burch bie 
greube bariiber, bag bie Saat, bie er oor 3 agren 
ausgeftreut, an oielen Orten längft aufgegangen ift 
unb taufenbfältige 0fru<ht getragen hat. 

(Es ift nicht möglich, in Äürze auch nur annähernb 


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Seite 774. 


Kummer 19. 


bas 311 falbem, was ber herein In ben 30 3aßren 
feines Beftanbes geleiftet f>at. (Ein paar Angaben, 
bie sugleid) feinen beseitigen Stanb illuftrieren, 
mögen genügen. 

Der Deutfdje Schuloerein umfaßt 3ur3eit 1800 Orts* 
gruppen mit 3ufammen runb 150 000 Btitgliebern; er 
bat bamit ben Höchftftanb ber Btitgliebesabl feit ber 
©rünbung erreicht. Seine ©innahmen betrugen im 
3abr 1909 938 000 Äronen, feine Ausgaben 920000 
Äronen. Seit feiner ©rünbung hot er runb 15 SöliI* 
lionen Äronen eingenommen unb für feine bireften 
Aufgaben über 13 Millionen oermenbet, überbies h°t 
er etwa 600000 fronen für bie Sicherftellung ber 
Altersoerforgung feiner ßeßrer unb Beamten hinter¬ 
legt. 3m 3abr 1909 befaß ber Deutfche Schuloerein 
110 eigene Schulen unb Äinbergärten; er ermöglichte 
überbtes burch materielle ßeiftungen bie (Erhaltung oon 
247 Schulen unb Äinbergärten unb bie (Errichtung oon 
27 Scbulgebäuben in fprad>Ud> bebrohten Orten. Bach 
Dielen Daufenben 3ählen bie Äinber, für bie auf biefe 
SQBeife jährlich beutfcher Unterricht ermöglicht mirb. 
Außerbem befteht bie ßeiftung bes Bereins in Be* 
ftellung oon fiehr* unb ßernmitteln, 3ol)fong bes 
Schulgelbes, ©rmöglicßung bes Beltgions* unb 3nbu* 
ftrialunterrichts, Unterftüßung oon gortbilbungs* unb 
Houshaltungfcßulen, oon Suppenanftalten, Beiträgen 
für SSBeihnachtsbefcherungen, (Eingaben für oerbienft* 
oolle ßehrfräfte ufto. ufto. 

Blit Ausnahme oon Oberöfterreich, Sal3burg unb 
Dalmatien erftrecft fich bie Dätigfeit bes Deutfchen Schul* 
oereins auf alle öfterreicbifchen Äronlänber. Sogar in 
Bieberöfterreich/ an ber böbmifcben unb mährifchen 
®rett3e unb in ber Bähe oon Sßien mußte ber Berein 
burch (Errichtung oon Äinbergärten eingreifen. Biel 
umfangreicher unb fräftiger hot er natürlich in ben 
übrigen Äronlänbern 3U arbeiten gehabt. 3n ben Subeten* 
Iänbern im Äampf gegen bie Dfchechen, in ben Alpen* 
länbern im Äampf gegen bie Slotoenen unb 3taliener 
mußten 3ahlreiche Schulen unb Äinbergärten errichtet 
toerben, noch mehr öffentliche unb Brioatanftalten unter* 


ftüfet merben. ©in, wichtiges Arbeitsgebiet hot fich öer 
Schuloerein erft in ben leßten 3of)ren erfcßloffen, näm¬ 
lich @ali3ien, too er früher infolge ber Befcßränftheit 
feiner BMttel gar nicht arbeiten tonnte. $)ier hoben 
fich Befte ber jofephinifchen beutfchen Kolonien unter 
ben bentbar fchmierigften Berhältniffen gegenüber bem 
polnifchen Anfturm erholten; aber fie bebürfen brin* 
genb ber Unterftüßung, ba ihnen bie materiellen Btittel 
fehlen. Am beften hoben fich in ©alisien bie eoan* 
gelifchen Deutfchen gehalten, toährenb bie fatholifchen 
ber Slamifierung burch t)ie polnifchen ©eiftlichen oiel 
mehr ausgefeßt toaren. 

©inen fchönen Beweis für bie allgemeine Aner« 
fennung, beren fich her Deutfche Schuloerein erfreut, 
liefert ber glänsenbe bisherige ©rfolg, ben eine An* 
regung e^ielte, bie oon bem dichter Beter Bofegger 
im oorigen 3ohr ausging. Diefe Anregung be3toecfte, 
bem Berein anläßlich feines 30 jährigen Sttftungsfeftes 
ein größeres Kapital 3U ficßern. ©s follten Beträge 
oon je 2000 Äronen geseidjnet merben, beren ©in* 
3ahlung aber erft in bem Btoment 3U erfolgen hot, 
in bem ber taufenbfte folche Bauftein ge3eicßnet unb 
bamit ber Betrag oon 3mei Btillionen Äronen erreicht 
mirb. 3n wenigen Btonaten mar bie 3of)l oon tau* 
fenb folcher 3ei<hnungen nicht nur erreicht, fonbern 
Übertritten, unb es ift 3U hoffen, baß in biefem 3ubi* 
läumsjahr bem Berein ein Betrag oon minbeftens 
3meieinhalb Btillionen Äronen als ©hrengabe bes beut* 
fchen Boltes übergeben merben tarn. 

Der Deutfche Schuloerein mirb ben ©ebenftag feiner 
oor breißig fahren erfolgten ©rünbung 3U Bßngften 
biefes Sohnes in ©ra3 feftlich begehen. Die fchöne 
beutfche Stabt an ber Btur rüftet 3um ©mpfang bes 
Bereins; ber ber^eitige Dbmann bes Bereins, ber 
Beichsratsabgeorbnete Brof. Dr. ©roß, unb ber große 
Äreis feiner Btitarbeiter fann mit Stol3 unb greube 
auf bas ©rreichte blicfen. Das ganse beutfche Bolf 
fann ben Dag mitfeiern, ber es baran erinnert, was 
treues 3ofommenholten unb einiges ©intreten für bie 
Aufgaben ber Bation 3U teiften oerrnag. 

- 


Jtüljlingsgmüfe. 

Äulinarifcße Biauberei oon ©ugen Brunfaut, Schöneberg s Berlin. 


2Ber bie SBinterfaifon mit ihren ferneren Diners 
unb auslänbifchen Delifateffen glücftich hinter fich hot, 
ber fehnt fich nach leichten unb einfacheren ©erichten. 
Da finb, bei feuchter unb warmer Witterung, fchon 
©nbe April unfere einheimifchen, jungen ©emüfe gan3 
befonbers millfommen. 

Abgefehen oon Babieschen unb Schnittlauch, bie 3U 
ben ©rftlingen im ©emüfegarten gehören, finb es 
ÜBohrrüben, Btorcheln unb oor allem ber Spargel, bie 
bas Hers jebes fulinarifch Berftänbigen erfreuen. Der 
Spargel, ber Äönig ber ©emüfe, erfcheint in 3meierlei 
Art. ©rftens ber weiße, namentlich uns Deutfchen feit 
alters her betannte Spargel, unb bann ber grüne 
Spargel, ber uns oon ben fübfransöfifchen Brooinsen 
geliefert mirb unb fich in ben feineren Äüchen großer 
Haushaltungen fchon ben gansen Bßinter hinburch finbet. 
Die 3ubereitungsart ber beiben Sorten ift eine oer* 
fchiebene. Da ber Spargel in ben meiften Sailen in bem 
Brioathaushalt unrichtig behanbelt mirb, finb oielleicht 


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einige SBinfe für bie richtige 3nbereitung biefes herr* 
liehen (Berichts nicht unangebracht. 

3unäd)ft muß man beim ©infauf oon Spargel oor 
allem barauf fehen, baß er frifch geftoeßen unb nicht 
etwa, wie man es häufig finbet, burch SBäffern frifch 
erhalten worben ift. Btan erfennt bies fehr leicht an 
bem gelben Ausfehen ber Äöpfe unb bem weifen 3u* 
ftanb ber Spargelftangen. Bacßbem man ben Spargel 
recht fauber unb nicht 3U bief gefchält hot, mäfcht man 
ihn unb binbet ihn mit Binbfaben ober ftarfem 3*oirn 
ober Baumwolle in Bunbe oon 12 bis 15 Stücf 3U* 
fammen, unb 3mar fo, baß bie Äöpfe gleich hoch ftehen 
unb bie unteren ©nben glatt abgefchnittten merben. 
Bun legt man ben Spargel in ein ©efäß mit 
fochenbem SBaffer, in bas man reichlich Sal3 getan hot, 
unb läßt ihn etwa 5 Btinuten fochen unb bann weitere 
20 bis 25 Btinuten an ber Seite bes geuers weich* 
Sieben, man fann ihn aber auch 10 bis 15 Btinuten 
hintereinanber meicßfochen. Bach bem gertigfochen 


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Stummer 19. 


Seit? 775. 


legt man bann bie Spargelftangen auf ein Such, läßt fie 
abtropfen, entfernt ben Binbfaben unb richtet fie auf 
einer länglichen glatte an. griffe aerlaffene ober 
braune Butter, bei (euerer mit 3 ufag oon etmas ge¬ 
flogenem, geröftetem SBeigbrot, ober auch eine Sauce 
hollandaise bienen als Beigabe. 

Sod) ift biefes nicht bie einaige ßubereitungsart bes 
Spargels. 9 ttan fann ihn auch als Brechfpargel mit 
einer meigen Sauce, als Salat ober aud) mit anberen 
©emüfen gemifcht unb in Butter gefchmenft geben. Ser 
Spargel felbft unb aud) bas Spargelmaffer mirfen 
befanntlid) fehr auf bie Xätigfeit ber Vieren. 3 n einaelnen 
Samilien mirb ber Spargel in frifdjer Btild) gefocht, 
unb bie fogenannte Spargelmild) fann aus gefunbgeit* 
liehen ©rünben getrunfen merben. ©s mug bei biefer 
Kodjart jebenfalls oorfichtig oorgegangen merben, meil 
ber Spargel fonft an ©efchmad oerliert unb bie Spargel* 
mild) bei franfen liieren gerabesu gefährlich mirfen fann. 

Sie ßubereitungsart grünen Spargels ift 

folgenbe: ^adjbem man bie grünen Spargelftangen, 
aud) Pointes d'asperges genannt, fauber gepugt gat, 
bridjt man fie, inbem man bie Stangen in beiben 
Hänben jufammenbiegt, fo meit um, als bie Spargel* 
ftangen es felbft ßulaffen. 9 Jtan fct)neibet fie bann in 
ungefähr oier Zentimeter lange Stüde, mobei befonbers 
barauf #u ad)ten ift, bag bie Köpfe bes grünen Spargels 
für ftd) bleiben. Sie übrigen ©nben fod)t man nun 
in fodjenbem Sa^roaffer in ungefähr 10 ÜÜtinuten meich, 
nimmt fie mit bem Schaumlöffel heraus unb mirft fie 
fofort in faltes Söaffer. (Es be3toedt biefes, bag ber 
grüne Spargel fd)ön grün bleibt. 2 Jtit ben grünen 
Spargelföpfen oerfährt man in genau ber gleichen 
Söeife, nur bag fie fürjere fodjen bürfen. Sen 
grünen Spargel fann man nun oerfchiebentlid) gubereiten, 
entmeber in einer leichten meigen Bechamellfauce, mit 
ber er unterrührt mirb, ober inbem man ihn nur in 
guter Butter, Sal3 unb gan3 menig meigem geflogenem 
Pfeffer fchmenft. dichtet man ihn an, fo tut man bie 
Spargelftüde 3U unterft unb bie grünen Spargelföpfe 
oben auf, bes befferen Slusfehens megen. 

Buch bie UJtordjeln gelten für ein gefunbes unb 
feines ©emüfe. 3 Jtan bereitet fie auf folgenbe Brt: 
9 tad)bem man bie ÜDtorcheln oon ben janbigen Stielen 
befreit hat, mäfcht man fie fo lange in faltem SBaffer, 
bis fein Sanb mehr an ihnen oorhanben ift. 3 Ran 
bringt fie bann in einem Kochgefdjirr mit oiel SBaffer 
3um Kochen unb lägt fie fo lange barin, bis bie ÜDtordjeln 
oollftänbig meich gefocht finb. 9 tad)bem bies gefdjehen, 
lägt man fie einige Seit ftefjen, nimmt fie bann oor* 
fichtig heraus, bamit ber noch oorhanbene Sanb auf 
bem Boben 3urüdbleibt. ÜJtun hadt man bie Lorcheln 
etmas flein, tut in ein Kochgefchirr reichlich Butter, 
fchüttet bie ÜDtorcheln ba3u, tut etmas Sal3 unb Pfeffer 
baran unb lägt bas ©emüfe nun in ber Butter bämpfen, 
beftreut es auch mit etmas SBefoenmehl, füllt ÜDtilch 
ober Sahne auf, bis eine [eimige Sauce entfteht, unb 
beftreut 3um Schlug bie Lorcheln mit feingeljadter 
üßeterfilie ober gan3 feinem, gefchnitteuem Schnittlauch. 
(Es ift bies bie richtige Brt, um biefem ©emüfe oor 
allen Singen ben nötigen geingefchmad 3U geben. 

Sie jungen Mohrrüben (Karotten) fönnen auf fehr 
einfache SGBetfe fchmadhaft 3ubereitet merben. Sie jungen 
Btohrrüben merben recht fauber gepugt, gemafchen unb 
in Sal3maffer oollftänbig meich gefocht. 3 ft biefes er* 
reicht, unb hat man in ein Kochgefchirr etmas Butter 
getan, fo fchüttet man bie mit bem Schaumlöffel heraus* 


genommenen ober abgegoffenen Meinen üDtohrrüben in 
bie Butter, mür3t bas ©emüfe mit efmas Sal3 unb 
Zuder unb tut 3um Schlug etmas feingehadte üßeter* 
filie hinein, um fie 3U Xifch 3U geben. 

Sies finb bie jungen ©emüfe, bie uns ber Bpril 
befchert, unb bie auf beutfchem ©runb unb Boben ge* 
machten finb. üftun hat man ja allerbings noch eine 
groge Busmahl an ©emüfen, bie uns bas Buslanb 
liefert. Sa finb 3. B. fchon in ben Selifateggefchäften 
junge Schoten, grüne englifche Schnittbohnen, So* 
malen ufm., bie man nach &en Besepten ber Koch* 
bücher herftellen fann. — ©in fehr gutes ©e* 
müfe ift auch ber fogenannte Brüffeler ©fjicoree, 
auch ©nbioien genannt. ÜDtan fann ihn braun ober 
meig 3ubereiten. Bei ber erfteren Brt, Chicoree ä 
Tespagnole, oerfährt man folgenbermagen. Sie ©n* 
bioien merben fauber gepugt, gemafchen unb blanchiert, 
hierauf hadt man fie unb fchmigt fie in Butter 
etmas an. Sarauf füllt man eine fräftige braune 3 us 
barauf unb lägt bas ©emüfe fur3 einfochen. — Zum 
Schlug giegt man etmas oorher fräftig eingefochte 
Sauce Tespagnole (braune Sauce) ba3u unb rührt 
bas ©emüfe bann tüchtig um. 

Stuf meige Slrt bereitet man bas gleiche ©emüfe 
folgenbermagen. Sie ©nbioien merben blanchiert, 
barauf feingebadt unb in guter Butter gefchmißt. 
ÜDtan füllt bann eine meige Bechamelfauce auf unb 
lägt bie ©nbioien bamit fürs einfochen. 

Buger ben fchon angeführten ©emüfearten finb 
noch oiele am ÜDtarft 3U haben, oon benen ich nur 
noch einige anführen möchte. 2Bir finben ba Finochis 
(Senchelgemüfe), frifche Srüffeln, üßtnnent, ©arbg, Buber* 
gines, Xomaten, ©ngl. Seefohl, Smeet üßotatoes, ©our* 
gelles, Rhabarber, Üftaoets, Kerbelrüben, Sopinambour, 
©rbbeeren, Kohlrabi unb grüne ©urfen. ©ine reiche 
Busmahl, bie für bas grühlingsmenü oiel Bbmechflung 
bietet unb mohl jebem ©efchmad gerecht mirb. 




Unsere ©tlöer 


Mß. 


Sie Berhanblungen bes Herrenhaufes über bie 
3Bahlreform (2tbb. S. 777 u. 779). Sas pmigifche Herren¬ 
haus hot ftd) in ber oerfloffenen SBodje mit ber 2 Baf)lrechts- 
oorlage befchäftigt, bie bas Bbgeorbnetenhaus bereits an¬ 
genommen bat. ©s lag eine Bn 3 al)l oon Slbänberungsanträgen 
oor, bie bas Stadial bes ganaen Beformmerfes 3 U gefähroen 
fchienen. Ser ÜDtinifterpräfibent 0 . Bethmann Hollroeg trat gleich 
am erften Sag all biefen geplanten 2 lbänberungen entgegen 
unb erflärte fid) nur für ben Slntrag Scfjorlemer, betreffenb 
bie 95ilbung ber Srittelungsbesirfe. Siefer Slntrag mürbe 
auch om 29. 2Ipnl angenommen, nachbem ihn Dberpräfibent 
greiherr oon Scborlemer in einer 9tebe begrünbet hotte, in 
ber er auch io intereffanter 5Beife über bie $arteifonftellation 
im Gleich unb in Sßreugen fprach- 2lm Schlug biefer Sigung 
mürbe bann aud) bie 2BabIred)tsoortage in ber Saffung 
bes Slbgeorbnetenhaufes angenommen. 

Kaifer Srana 3 0 fef (2lbb. S. 778) gab lür^lich ben 
SBienem einen erfreulichen 5Bemeis feiner Dtüftigfeit. Ser 
ad)t 3 igjäbrige H«rrfd[)er nahm hoch 3 “ ?ßferbe bie grühjahrs* 
parabe ber 3Biener ©arnlfon ab unb ertrug bie erheblichen 
Strapa 3 en ohne bie geringften Sfnjeichen ber ©rmübunp. ©r 
ift eben immer noch oor allem mit fieib unb Seele Solbat. 

b 

Sie Heimfehr bes toten Björnfon (Slbb. S. 782). 
Sie ßeidje bes grogen Sichters unb Bolfsmannes mürbe aus 
bem Borifer Sterbehaus in ber Bue be Biooli unter ben 
höchften ©hren nach ber Heimat gebracht. Sie granjofen, in 
beren SJtitte er ftarb, habeo bem ©enie Björnfons auch nach 
feinem lobe burch Bemeife ber Sichtung gehulbigt; bod) bie 
erfte mahrhaft ergrelfenbe Xrauerfunbgebung fanb auf ffanbi- 


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UMIVERSITY OF IOWA 




Seite 776. 


Kummer 19. 


naoifchem Boten in Kopenhagen ftatt. (Ein impofanter Xrauer* 
3 ug begleitete ben Sarg oom $)auptbahnbof 3 um 5)afen, roo 
er an Borb bes norroegifchen Kreters „Borge" gebraut tourbe. 

w 

Die Brüffeler ©eltausftellung (2lbb. S. 784) befindet 
fid) noch in ihrem 2 lnfangftabium, aber man fann fdjon heute 
feftftellen, bah bie Beranftalter hier ein toirflid) roertoolles 
©efamtbilb ber mobernen Kraft unb Schönheit unterer 3ioili* 
fation geboten haben. Die erften unb eifrigften Befudjer ber 
2lusftellung, bas Königspaar, erfannten auch bie ooraüglichen 
ßeiftungen bes Komitees unb ber Kommiffare mit bem höchften 
ßob an. Befonbers bie fraftooll unb mächtig roirfenbe Deutfdje 
Abteilung fand ben Beifall bes hohen Haares. 

w 

Die ©rofee Berliner Kunftausftellung (2lbb. S. 781) 
mürbe am 30. 2 lpril in 2 lntoefenbeit eines biftinguierten 
Bublifums eröffnet. Bei ber geier im Blauen Saal bes 
©oabiter ©laspalaftes hielt ber Borfifcenbe Brofeffor Kall* 
morgen eine programmatifche 2 lnfprad)e, bann erflärte ber 
Bertreter bes Kultusminifters, Unterftaatsfefretär ©euer, bie 
2 lusftellung für eröffnet. — ©ir reprobujieren biesmal jmei 
intereffante grauenporträte, bie ben Befuchern ber 2lus* 
fteüung allgemein auffallen. 

<=* 

DieneuftenXriumpheber 2loiatif (2lbb. S.780u.783). 
Seit Bleriots glug über ben 2lermelfanal hat bie 2loiatif feine 
©rohtat oon ber Bedeutung bes frfjönen Ueberlanbfluges oon 
ßonbon nad) ©anchefter oollbrad)t, ben Baulban am Nach¬ 
mittag bes 27. SIpril ausgeführt hat. Der 2loiatifer ftartete 
um 5 Uhr 20 Minuten auf bem glugplafc oon #enbon, auf 
bem eine grofje ©enge bem Sdjaufpiel beimohnte. gn ihr 
bemerfte man einige (ehr befannte glieger. Bad) Baulban 
ftartete auch ber 2loiatifer ©raham ©bite. Baulban über* 
nachtete in ßidjfielb unb fefcte am nächften Xag ben glug nach 
©andjefter fort, fatn bort glücflid) an unb errang fo ben Buf)m, 
einen groben Beforb gefchlagen 311 haben, unb auherbem einen 
Breis oon 200 000 ©arf. — Nicht gan 3 fooiel, aber bod) bie 
hübfehe Summe oon 10 000 granf gemann fid) ßatbam burd) 
einen fdjönen Höhenflug auf bem glugmeeting in Bi 33 a. gbm 
gelangen bort nod) andere prächtige ßeiftungen. So brachte 
er feinen fünftlidjen Biefenoogel über bas ©eer nach 2lntibes 


unb fehrte bann mieber in majeftätifchem glug 3 U feinem 2 lus» 
gangspunlt 3 urütf. — Die gortfd)ritte, bie bie 2Ioiattt fort* 
mährend macht, laffert fich an ber 5)anb ber oon uns repro* 
bu 3 ierten Xabelle leidjt oerfolgen. 3 u>ar ift bie ßänge unb 
Dauer ber ausgeführten gliige fein fehlerlofer ©ahftab für 
bie Beurteilung ber ßeiftungen, denn man muh aud) bie be* 
fonberen Umftänbe jebes gluges in Bedjnung 3 iehen. Da mir 
aber bod) hoffen, bah ber 2 leroplan balb ein ©iitel bes praf* 
tifdjen Berfehrs fein mirb, ift es michtig, feftsuftellen, roieoiel 
er fdjon heute unter günftigen Berhältniffen leiften fann, unb 
intereffant 3 U beobachten, roie feit gafjr unb Xag ein Beforb 
ben anbern ablöft unb überbietet. 

w 

Berfonalien (21 bb. S. 778). ßorb Kitebener of Khartum, 
ber befanntlich feine Stellung als Oberbefehlshaber ber eng* 
Iifdjen Xruppen in gnbien aufgegeben hot unb bann ein gahr 
lang bie Xruppen ber englifdjen Kolonien infpi 3 ierte, ift 
nach acht gabren in bie igeimat 3 urücfgefel)rt. — 2 lm 
2. ©ai jährte fid) 3 um fünfsigftenmal ber Xag, an bem ber 
beliebte ßeiter bes 5)oftf)eaters in ftannooer ©eheimrat Barncg 
in Xrautenau 3 um erftenmal bie Bühne betrat. Der gubilar 
ent 3 og fich öen 3 at)lreichen ©lücfroünfchen burch einen fursen 
2lufenthalt im #ar 3 . — Der öfterreichifd)e Oberleutnant i)of- 
rid)ter hob burd) bie #aft gebrochen, endlich geftanben, bah 
er, um feine Borbermänner aus bem ©ege 3 U räumen, bie 
berüchtigten ©iftbriefe an 3 ablreid)e ©eneralftabsoffi 3 iere oer* 
fehieft hat. 



Baron ©eloil oon ßgnben, ehemaliger ©inifter bes 
2lusroärtigen, t im fiaag am 27. 2lpril im 2llter oon 66 gahren. 
Bilbhauer Bicharb Obmann,fin Berlin im ÖO.ßebeüsjähr. 
gebor Bringsbeim, befannter gnbuftrieller, f in Breslau 
am 2 . ©ai im 82. ßebensjatjr. > 

©eh- Baurat 2llbert Schn ei ber, (Erbauer ber i)ar3*3a.bn- 
rabbahn, f in fjarsburg am 28. 2lpril im Silier oon 77 gähren: 

gohn Quincg 2 lbams ©arb, bebeutenber amerifanifdjer 
Bildhauer, f in Beugort am 1 . ©ai im Sllter oon 79 gahren. 


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J^o TiJip jlfj. /9/7 Vfl. Jp. up rrp j-fr.flni 

9308. I&Q9- 

Ueherfichl der bisher ausgeführten 2leberlanbflüge. — X Die beiden deuffchen Ji'üge. 


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Original frnm 

UMIVERS1TY OF IOWA 







©r. Clemens Jrfjc. o. Sdjotlemer-Ciefer, Oberpräfibenf ber Kfjeinprooinj unb ©lifglieb bes fjetrenfjaufes. 

3u feiner <Rebe über bie ^arteibefliebungen anlä&Hc*) ber 2öaf)lred)tsbebatte im Herrenhaus. 


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UNiVERSITY OF IOWA 








stummer 19. 


Oberleutnant ^ofrld)ter, 

ber aeftänbige 2lnaeflagte bes 
«ßMencr ©tftmorbprojeffes. 


bisherige Oberbefeblsbaber Der engiijdjen Gruppen 

afet in Southampton bcn Kämpfer. 


Cocb Äitdjeners f)eimfef)c: Der 


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UMIVERSITY OF IOWA 


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Kummer 19. 


(Seite 779. 



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ERSITY OF IOWA 






Stummer 19. 


Der Start bes ttoiatifers Jtautyan in $enbotu — Oberes $ilb: Der fran 3 Öfifd>e Huiatifer Jarman bei ber 2lbfaf>rf Daulfjans. 


<öraf>am Bfjife bringt bei ber Tlacfjri<f)t oom (Erfolg JJaut&ans ein fyoä) auf feinen ftonfurrenten aus. 
Die aoiatifdje gernfafjrt um ben 10000 s ^ßfunb=$reis oott ßonbon nacf) Sttandjeftcr. 


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)riginal ftom 


Seite 780. 

















ÜRummer 19. 


(Seite 781, 



grau ®ef)eimrat Gmmi ßeroalb. 

<$>e ttiälbe üon Jkofeffor Gonrab Wiefel. 



& 


s JJieine grau. 

©emälbe oon JJrofeffoc Hubolf Sä )ulfe im $ofe. 

grauenbilbniffe auf 
bcr ©rofoen berliner ^unftausfteKuna. 



Unferffaatefeftefät ZDeoec (X) t)äit bie <£röffnungsanfpcad)e. — X X Der Dorfifjenbe Jkof. äaUmorgeti. 
Sie feierliche (Eröffnung ber ©rofeen berliner ßunftausftellung 1910. 


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Original frorn 

UNIVERSITY OF IOWA 










Die Bitroe Björnfons, fein 5of)n unb bet bänifdje Blinifferpräfibenf 3 at)le (X) 

im Irauerjuge. 


Der ttorroegifd)e (öefanbte ^agerup 

fpridjt bem bäuifdjen 25oIf ben Danf feines fianbes aus. 


Die Xrauerfeier für 53jörnfon in Slopenfjagen. 



Original frnm 

UNIVERSITY OF IOWA 








Kummer 19. 


Seite 783. 



(Bin Wiejeuuogel über Der 3ad)t „ s JDterceöes 11" ^° l BrQn9Cr * 

Dom aoiatijdjcn Meeting in 511330: Caftjam auf bet Kunbfafjrt Jttoa-anhbes—#1330, 






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UNIVERSITY OF IOWA 






































Seite 784. 


Stummer 19. 



König Ulbert (X) in bet Deutfdjen «IfenbafjntmUe. 



Die 3nbufltie()aUe ber Deutfdjen Abteilung. 



Königin ttlifabeli) befidjligt bas «ifenbafjngebäube. 

23 on bcr SBeitausftetlung in Srü(fel. 




her;og oon lltiel, 
Sommiffar ber belgifdjen Regierung. 


(Braf van 6cr Burg, 

©eneralbireftor ber SlusfteUung. 



21t. Kegm, 

2. ©cneralbireftor ber Slusftellung. 



Üliniffer Jrancotte, 

ajtitglieb be* ^lusfteUungsfomitees. 

< PI>otoarnj?i)iiri)c Slufnalnncn wo» ®o»ile. 


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UNIVERSIIY OF IOWA 





















Kummer 19. 


Seite 785. 


9?ur tt>er bie Se^nfucbf femtf... 


9?oman oon 


3ba Q3ob s ®b 


2. gortfefeung. 

(Erft nocf) langem, felbftquälerif4em harten las grau 
3utta ben Brief ihres fernen Wtannes: 

„SWetn geliebtes ffieib! üWein legter Brief fchilberte 
Dir unfere Weife oon Ifingtau nacf) Ifdjemulpo unb 
meine erften ©inbrüde non ftorea. 34 gab in X\ dje» 
m.ulpo jenen Brief gut Baft, unb ©u mirft inamif 4 en 
aus ber Rettung erfeben haben, baß mir in ^afobate an* 
tarnen. Das ift ja bas Angenehme für ©u4 ju #aufe, 
bag 3 br immer bie telegrapbif 4 * Wadjrid)t unter ber 
Wubrif , 2 ttarine‘ finbet, bag mir ba unb ba antamen unb 
an Borb alles mof>l ift. Dann migt 3br bo4 fo ungefähr, 
tote es um uns beftellt ift. 

„Alfo mir liegen gurjeit no4 oor E)afobate unb mer* 
ben non t)ier nacg Äobe geben, um bort ein paar läge 
3 U bleiben. Da gibt es nämticg 3 iemlicg niel beutle 
^aufleute, meift Ejanfeaten. Unb bie ©eutf4en füllen 
fid) immer ^oben, in ihren 3 ntereffen geförbert, in 
ihrem Anfeben geftärft, menn mal eins oon unfern 
ftriegsfdjiffen ficg aeigt. Wad^er gonbeln mir fo um 
3 apan rum unb merben mof)l ©nbe 3 uni in Wagafafi 
anfommen. Alfo ungefähr, menn Du biefen Brief be* 
fonunft, unb menn 3 br in ben mehr ober minberen ©on* 
nen ber Äieler ©o<he f 4 melgt. Die f>aft bu biesmal 
goffentlicg mitgematgt, nacgbem ©u norigen Sommer 
burd) Sein bamaliges Befinben baran ©erbinbert marft. 
34 bab ** Wofenfelbs unb E)o4b a gen auf bie Seele ge* 
bunben, bag fie ©Uh nicgt einfam unb trauernb in 
©einer SMofteraelle oerfümmern taffen. 

„Bon Wagafafi aus machen mir no4 eine gabrt nacg 
ben B^itippinen, müffen normal nad) S4angbat aurüd, 
itnb bann geben mir nacg Ejongfong, mo mir unfern 
Äabn mal auf ©od bringen müffen. 

„Unb in Ejongfong bleiben mir faft amei SWonate. 

„©eine liebe, füge grau — ja, ba alfo bleiben mir 
faft amei ©onate lang! 

„Äommt ©ir nid)t auf ber Stelle ber (Bebanfe: 
plenty time, meinen Sdjafe mal au befucgen? 

„Unb baau labe icg ®i4 hiermit feierlidrft ein! 34 
rate ©ir, fd)iffe ®id) nid)t f4on oon Bremerbaoen ein, 
fonbern geh erft in ©enua an Borb. ©as Alleinreifen 
braucht ©ich in feiner i)infid)t au f 4 reden. ©u bift an 
Borb eines Worbbeutf4*n ßlogbbantpfers. ©as fagt 
allesl ©as fagt, bag ber Äapitän — mer es aud) fei, 
unb mie er au4 beige — Si4 mie Bater unb ©utter 
in einer Berfon betreuen mirb. Su bitteft ©saellena 
©armeg ober au4 einfatg Wofenfelb, bem betreffenben 
Äapitän oorber ein ©id) an ihn empfeblenbes ©ort 
au f4reiben. Unb ©u follft mal felgen, mit mel4er gür* 
forgli4feit, bis, aur Sterparbeg herab, ©kg alles umgibt. 
So'n Äapitän oon fo einem Wiefenbampfer, mugt ®u 
miffen, ift fd)on ein Serll ©er bat für oiele ©enf 4 en* 


leben unb oiele ©iHionen einaufteben, ber bat mobin 
er fommt, beutf4e Art unb beutf4en Warnen impofant 
au oertreten. — (Er ift eine Art Wegent. Unb bie ffielt, 
bie fleine fcbmimmenbe 2 Belt, bie er regiert, bie bat oiel 
au bebeuten. SBßenn ©u ©ir bas fo reibt flar macgft 
mirft ®u jebe 2lngft oor ber meiten Weife oerlieren, unb 
bas beigt eigentlich) fann icg mir’s gar nicgt oorftellen, 
bag ®u überhaupt oor irgenb etmas Slngft haben follteft. 
©u baft immer fo etmas Äübnes unb Sicheres in ©einem 
2 öefen gehabt. 34 tneig no 4 . i 4 traute mi 4 bamals 
erft gar ni 4 t re 4 t an ®i 4 ran. 

,,©a mir, geliebtes 9Beib, ja f 4 on beinah in ber 
Stunbe ber Berlobung oon ©elb fpre4*n mugten unb 
uns barin gottlob immer einig maren, lieber auf etmas 
au oerai 4 ten, als uns finanaieü bebrüdt 31 t fühlen, fo 
benfft ®u natürli 4 0 lei 4 an bie Äoften. 2 llfo: mir 
fönnen es ma4^n. Bon meiner Borbaulage oerbrau4e 
i 4 faft nübts. ©efauft habe i 4 eigentlub ni 4 ts, auger 
ein paar bübf4c ^leiberftoffe für © 14 ^ Wobfeibe unb 
febr bcHe Seibenfrepps. ®u felbft, f4rtybft ©u mir, baft 
im oötlig georbneten bef4cibenen* Bubget leben fönnen 
unb ®i 4 feit unferer Beirat ni 4 t oon Äiel meggerührt. 
So bürfen mir bie fünf* bis fe4staufenb Wtarf — fo 
f 4 äfee i 4 Steife unb Aufenthalt hier — mobf baran 
menben, uns biefe groge greube au gönnen. 

„Das S4itffal ift ja eigentli4 ein big 4 en f 4 ifanös 
mit uns ©erfahren. SSBir lernen uns fennen, lieben, oer* 
loben uns. Unb erfahren oon ©einem Bater, ber fi4 im 
3 al)r oorber, in ©ir re 4 t unoermünf 4 ter 2 Beife, mieber 
©erheiratet batte, bag ©u, einem teftamentarif 4 geäuger* 
ten 9öunf4 ©einer SWutter gemäg, erft heiraten barfft, 
menn ©u münbig feieft. Unb bag er erft bann oer» 
pfli4tet fei, ©ir ©ein mütterluhes (Erbteil ausauaablen. 
Sßas mar ba au ma 4 en! ©s bieg eben: märten. 

„SBeigt ®u, i 4 habe oft gebadet, ©eine SWutter mirb 
mobl ni 4 t fo febr glüdli 4 gemefen fein unb bat na 4 * 
mals ihre urteilslofen a 4 taebn 3 abre, mit benen fie in 
bie ©be trat, bafür oerantmortli 4 gema 4 t. 

„gaft alle 3Wenf4en beftimmen ja na4 ihren perfön* 
li4en (Erfahrungen. 

„Wteine Wtutter bat uns bas ©arten — biefe gräg* 
li4en brei 3abre — fo oiel erlei4iert, als fie fonnte. Unb 
in meinen fnappen, a4 fo fnappen Urlaubaeiten haben 
mir bei ihr föftli4e Stunben ocrbra4t. Aber es maren 
eben bod) nur ßichtblide in biefer langen 3eit ooll Sehn* 
fu4t. ©s mar eine S4inberei. 3amobl, bas mar es. 

„Unb enblkb mirft ®u einunbamanatg 3abre! Dein 
Bater — oeraeib mir's — aber i4 glaub, er tat’s mit 
beimli 4 em 3 ähnefnirf 4 en — legte ©eine ameibunbert* 
taufenb ÜWarf auf ben Iif4 bes Kaufes nieber. Unb 
foaufagen in felbiger Stunbe heirateten mir. 


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Copyright 1910 by August Scherl G. m. b. H. Berlin. 


Original frn-m 

UNiVERSUY OF (OWA 



Seite 786. 


Kummer 19. 


„Sflanchmal benf ich: fmb mir blog einen lag ÜJtann 
unb grau gemefen? ©inen oerrüeften, fetlgen Sag lang? 
So fdjrumpft mir bie 3eü 3 ufammen in ber Erinnerung. 

„VMe uiele ftameraben finb förmlich gierig auf ein 
Auslanbfommanbo. Unb ich, ber ich feßon fo aiemltd) 
auf allen Leeren rumgegonbelt bin, ich !ann mohl 
fagen: Oft* unb Vorbfee hätten mir auf lange hinaus 
als Schaupiäße meiner unfterbli<hen Seemannstaten 
genügt. 

„Aber nein! Da trifft es ausgerechnet mich, Erfter 
Offner auf S. SV. S. ,ßuife‘ 3 U merben. 

„Erfter Offner mußte ich ja merben. Diefes fchöne 
9Väbchen*für*alles*$ommanbo, bas auch bie blcfften 
Veroen 3 U Spinnmebfäben jermürbt, blüht ja allen. 
SBarum fonnte ich es nicht auf einem ber ßinienfehiffe 
ber Oftfeeftation merben? 

,,©rab ein Vierteljahr haben mir glücflich fein 
bürfenl 

„Vun, ich habe nicht 3 U tlagen. Es ift mein Veruf. 
Um nichts gäbe ich ihn hin. 2Ber meiß, ob er einem 
nicht burch folche Opfer nur noch teurer mirb. Oie ©röße 
bes 3 n)ecfs mirb einem fo flar. 

„Aber 3 U mas fchreib ich Dir bie Dielen Vogen über* 
feepapier ooll — bas meißt Du ja alles felbft. 34 follte 
eigentlich nur ein 2 öort fagen: Äornrn! 

„Depef4iere mir nach Vagafafi. Vur ein SBort 
natürlich! Sa$e: Sicht Vtarf für ein SBort! Vur ben 
Vamen bes Dampfers. Das jagt ja bann auch alles: 
baß mir uns mieberhaben merben, baß mir bie Sage 
jählen bis 3 U Deiner Anfunft in 5)ongfong. 34 fehe 
bann bei ber ßlotjbagentur in Vagafafi bie Segelliften 
ein unb fann im ©eift Deine Steife Derfolgen oom Sag 
Deiner Einfchiffung in ©enua an. 

„üftit melcher Spannung ich'Deiner Depefche ent* 
gegenfehe, brauche ich Dir nicht 3 U fagen. Es umarmt 
Dich liebenb 

Dein ÜValte. 

„3a, unb Vabg fällt mir noch eben ein — es fornrr 1 
mir hoch immer fo märchenhaft oor, baß ich eine Heine 
Sochter hoben foll — Vabp mirb gemiß oon meiner 
ÜRutter in Obhut genommen. 34 habe mir fagen laffen, 
fo fleine ftinber müßten noch nichts oon ihrer Vtuttcr unb 
jchliefen faft ben gan 3 en Sag. Alfo mirb bie Sleine Dich 
nicht entbehren." 

Das mar ber Vrief_ 

Sehr genau legte 3utta ihn mieber 3 ufammen. Vogen 
paßte fie auf Vogen, unb bas bünne, 3 ähe Sßapier mußte 
immer mieber flachgeftrichen merben. Dann faltete fie 
ben $acfen 3 ufammen unb tat ihn mieber in ben 
Umfchlag. 

Syiev mar fein Veobachter, unb niemanb hätte be* 
lauern fönnen, mas in bem ©eficht ber jungen grau 
oorgehe. 

Aber es ging nichts barin Dor. Es mar mie Der* 
fteinert. 

SBenn fie einen beftimmten ©ebanfen gehabt hatte, 
mar es oielleicht ber: 3n einer Va4f4rtft.... 

3 a, bas SBort ging mie ein Sßenbel hin unb her, tym 
unb her burch ihren Äopf. 

Es tönte immer ftärfer. Es fchmoil fo an, baß es 


rtngs bie 2Belt mie mit bumpfen Schlägen ju erfüllen 
fchien. 

3n einer Va4f4rift gebachte er auch bes Äinbes! 

Vefann fich noch im leßten Vtoment, ehe er ben Vrief 
fchloß, baß er auch ein SUnb habe.... 

Es mar nicht bas erftemaL... 

ßumeiten, im Anfang, hatte 3utta oerfucht, bas gan 3 
gerecht, gan 3 nüchtern 3 U nehmen. 

Sie erinnerte fich*. einmal ftarb einer ihrer beiben 
Vrüber in Argentinien. Seit Dielen 3ahren mar biefer 
Vruber nicht mehr in Europa gemefen. 9Van mußte 
faum mehr, mie er ausfah- Seine Vitber, bie er in 
großen 3u>ifchenräumen Don fich f«hicfte, maren eigentlich 
bie eines fremben SJtannes. QJtan mußte fkh ihnen 
gegenüber in ein ©efühl ber 3ufammengehörigfeit hin* 
einfteigern. Als bie Vachricht fam, er fei tot, hatte bie 
Srauer etmas Erfünfteltes gehabt. 

Sie fchloß aus biefer Erinnerung: fo menig mie man 
fich ein fernes Sterben Dorftellen fann, ebenfomenig fann 
man fich ein neues, fernes ßeben Dorftellen. Das ift 
alles nicht mehr mie eine ©efchichte. Sie intereffiert ein 
paar furse Stunben lang. Vachher ift bie 3 ubringtiche 
SBirflichfeit, bie uns umgibt, mieber ba mit all ihren 
taufenb greifbaren unb fichtbaren Ereigniffen. 

Söenn bas Äinb ftürbe, ehe er es gefehen? SBas 
hätte ihm biefer £ob bebeuten fönnen? Vichts. Selbft 
fein Vtitleib mit ihr, ber Vtutter, mürbe in folgern gall 
nur eine er 3 mungene Empfinbung fein fönnen. 

SVan fonnte mohl fagen: biefes &inb hatte noch 
feinen Vater. Die ^eilige 2öiffenf4aft feiner neuen 
SBürbe fonnte bem gernen nicht aufgegangen fein.... 
Er hatte ben offenbarenben, ben großen, ben unbegreif* 
liehen Augenbücf bes erften Schreies nicht miterlebt.... 

Aber bie 3eit a>ar tängft oorbei, mo 3utta bas in 
gerechter Vuhe überbenfen fonnte.... 

Sie mar jeßt mie benommen oon bem erbitterten 
©ebanfen: 3n einer Vachfchrift.... 

VMe leicht hätte er's gan 3 oergeffen fönnen— 

Unb über biefen monotonen ©ebanfen oergaß fie 
faft, baß ber Vrief ihr eine ungeheure Entfcheibung ab* 
forberte.... 

f)eute noch — ober hoch in ben nächften lagen mußte 
fie ihm bas SBort h^ö^errufen über ßänber unb 
Vteere.... 

Sie erhob fich- Sie ging ein paarmal langfam 
hin unb her. 

Vein, bachte fie, ich oerlaffe nicht mein Sfinb.... 

Aber neben biefem troßigen, flaren Vor|aß mar noch 
ein anberes ©efühl in ihr: bang unb bunfel... 

©ab es nicht einen, ber oielleicht unausfprechlich 
leiben mürbe, menn fie fagte: 34 0ehe 3 U meinem 
Vtann! 

Unb fie felbft — ging fie mit 3ubel? 

2öar bas bie Erfüllung all ber fchmeren Sehnfucht 
in ihr? 

3h*e ©ebanfen flüchteten fich fort oon biefem bunfeln 
unb gefährlichen ©ebiet.... 

„Vein, ich gehe nicht oon meinem ftinbl" mur* 
melte fie. 

Es flopfte. 


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Original from 

UNIVERSUM OF IOWA 



Kummer 19. 


Seite 787. 


Unwillig faß fie nach ber Tür. Diesmal (am Sflartha 
gana beßßeiben herein — im SBewußtfein, eine greoel» 
tal ju begehen. Die ber Störung. 

Unb fie fagte fleinlaut: „Oß — gnäbige grau 
möchten man mal eben ’n büfeßen ans Telephon 
fommen." 

Sutta ging rapß in ben glur. Diefer Vormittag 
hatte feßon fo ölet gebracht.... &am noch etwas? 9tocß 
meßr ©rregenbes? 

2lber nein, ©ine gana fleine, gana jammeroolle 
Stimme antwortete, als Sutta fich gemelbet hatte: „®ift 
bu es felbft, ßiebes? 2tcß (Sott, ich l >abe grauenhafte 
S^opffcßmeraen." 

„Das tut mir leib," antwortete Sutta nicht fehr er¬ 
griffen, „aber bu fannft bas Tanaen ja nun mal nicht 
oertragen." 

„Unb bas weiß #eftor hoch," flagte bie hinfterbenbe 
Stimme, „unb er hätte hoch ftrenger fein müffen. 3<h 
fage bir, ßiebes: meine 5Beine finb 3®irn, unb pßauber- 
ßaft ift mir gana unb gar." 

Sutta brauchte nicht oiel Sßßantafie, um fich ßisbetß 
9tofenfelb am Telephon ooraufteHen: fchlopp wie ein 
SBefen ohne JRücfgrat, ohne Knochen, bloß ein Äleiber* 
biinbel mit einem ferneren ßopf barauf. 

„Dann leg bich hoch", riet fie. 

„SGßill ich oucß. 3<*, unb was ich bir fagen muß, 
ßiebes — bu weißt es auch natürlich fcßon: ^ocßßagen 
fchrieb eben — er hot fich mit ber füßen 9ien6e ©eroafius 
oerlobt — eine reiaenbe ©rewfeßwefter — nett für uns 
beibe, nicht? Unb bu bift natürlich auch & a h*ut abenb? 
Smprooifierte SSoroerlobungsfeier. ßiebes, was aiehft 
bu an?" 

„3<h benfe, bu ftirbft oor Äopfweß?" fagte Sutta. 

„Sch mW mich auch auf ber Stelle hinlegen. Unb 
bis aum 2lbenb liegenbleiben, bamit ich bann wieber 
im ©ange bin. Unb beshalb telephoniere ich- ßiebes* 
— fei nicht böfe... aber ich fann nicht aum Tee au bir 
fommen heute nachmittag." 

„Sa," fpraeß Sutta etwas ßeifer in ben bunfeln 
fleinen ScßaHfänger hinein unb würbe rot, als ftehe fie 
einem fcharfen Sluge gegenüber, „ja — fchon bich nur... 
es läßt fich nicht änbern...." 

„aiber nun bift bu jawohl gana ullein mit 5)errn oon 
(Samberg heute nachmittag?" erinnerte bie fläglicße 
Stimme aus bem Unfichtbaren heraus. 

„3<h fage ihm ab!" rief 3utta. „Schluß." 

Slber pe wußte auch fchon faft im gleichen 2Jtoment, 
baß fie ihm nicht abfagen würbe. 

Unb als Pe in ihr 3immer aurücffeßrte, trug Pe bas 
5>aupt herrißh erhoben. 

Das hot fo fommen fotlen, bachte fie. 

Sie fühlte pch wie getragen oon großen, entßßeiben* 
ben ©ntpßlüflen... nur baß es ©ntpßlüffe waren ins 
Unbeftimmte hinein— üöteßr Stimmung als 3Bille. 

III. 

Oberleutnant aur See oon JReiswiß fam oom Sacht» 
ßafen bei ber Seebabeanftalt, ging fehr langfam bie 
Düftembroofer 2Wee hinunter unb bog in ben Schwan* 
weg ein. Da hotte er linfs ben SBotanißßen ©arten unb 
rech^ bie oornehmen S3Wen, bie fich bie Sonne ins ©e* 


ficht fepeinen ließen. Sacht wanb fich bie Straße, faft 
fluchtartig am guß ber hochliegenben ©arten hin, an 
gunbamenten entlang, auf benen fich (Bitter erhoben. 
Utofengeranf unb alles, was es an grünem, fich ßßlin* 
genbem ©ewucher gibt, fletterte um bie (Sitter unb an 
ben #ausfronten empor. Sn ben Süpßen brütete bie 
#iße. über ben 9tofen bebte fichtbar bie ßuft in Stellen. 
2ln ben 58aumfronen, bie alt, # ftola unb oieldftig ben 
©artenbilbern 2Bucßt gaben, regte fich f*in Statt. ©lau 
war ber Fimmel, unerhört blau, monoton blau — als 
fei er mit fehr fetter Ölfarbe glatt auf eine Siefenlein* 
wanb hingeftrichen. 

Das #era ooll 3°rn unb (Erbitterung ging Seiswiß. 

2öenn biefe faule Sommerproßerei mit 2Binbftille 
unb Sonnenbranb etwa anhalten follte, fonnte es mor¬ 
gen eine phöne ©eßhichte werben — bie glaute unb ©lut 
oon ßiel nach Traoemünbe... bas wäre, um blöb* 
finnig an werben. 

2lber in bem ©emüt eines Seeoffiaiers fann fein 
Segleraorn fo groß fein, baß er nicht auf ber Stelle hin» 
phmölae unb fich in bas angenehmfte TBoßlbeßagen (öfte, 
wenn ein liebliches weibliches 2Befen in Sicht fommt. 

Seiswiß, aus bem an Temperatur einer überhißten 
Ofenröhre ähnlichen, eingepßloffenen Scßwanmege fom» 
menb, betrat, träge unb gefcßlagen oon Üirger, ben Sflaus* 
©rotß*Slaß. üuf biefen fleinen, füllen Sßlaß münbete 
recßts ber Siemannsweg unb linfs bie oon ben Unioer« 
fitätsanlagen ßerfüßrenbe 5)ofpitalftraße. Seiswiß 
nahm Sichtung bahin, um in feine Sfarlftraße au ge¬ 
langen, bie ihrerfeits wieber auf bie #ofpitalftraße fließ. 

Unb ba nahm er fich plößlicß ftraff aufammen unb 
trug ben Äopf mit ber weißen, ein wenig feßräg gefeßten 
Stadnemüße wieber ßoeß. 

Denn oon ber fjofpitalftraße her fam gräulein Senate 
©eroapus. 

Donnerwetter, bachte Seiswiß unb gar nichts 
anberes. 

Denn fein Seemahnsßera wallte auf oon ©ntaücfen 
über all bie jugenbiieße 2lnmut, bie ba, ihrer erfripßen- 
ben 5)olbfeligfeit gänalüß unbewußt, bureß ben Sonnen¬ 
branb leichtfüßig feßritt, als fei er linbefte ßenaesluft. 

Sie trug ein weißes ftleib unb einen großen, weißen 
Stroßhut ouf bem ein Sfrana oon ßa*grance*Sofen 
lagerte. Son Sanb au Sanb bes breiten #utes, unterm 
ftinn feiner Trägerin weg, 30 g fich ein weißes, feibenes 
Sanb, bas gerabe am linfen Dßr au einer feßr fleibfamen 
Schleife gebunben war. Unb unter biefem #ut, oon 
biefem Sanb umfpannt, aeigten fieß bie weichen 3ü0 e 
in einem ßäcßeln, oor bem Seiswiß* Erbitterung einfach 
in eine Serfenfung hinabfuhr. 

©o grüßte feßon oon weither, ftrahlte unb ging feßnur* 
ftraefs auf pe au. 

Da weber Oft noeß 2Beft weßte, fonnte ber ÜBinb es 
nießt auf feine glügel genommen unb weiter getragen 
haben, ©s mußte aber noeß anbere unbegreifliche Se- 
förberungsmittei für folcße wunberootlen llteuigfeiten 
geben. Denn beim ÜDtittageffen im SDtarin